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Kurd Adler – Wiederkehr.     Zur Biographie

aus: 1914 - 1918, Eine Anthologie, Verlag der Wochenschrift Die Aktion (Franz Pfemfert), Berlin-Wilmersdorf, 1916, S. 18.



Seltsam – wird alle Bitternis in schließendem Schlund versank:
die zerrissene Luft, der Schrei, der Pulvergestank
die Enge und das schleichende, müde Leid.
Wieder lodert das Leben auf in verzückten Flammen,
Berge erblühn und Straßen lagern sehr breit
sich hin. Schon rücken Gespräche zusammen.
Und eine dünne Brücke – fast nur ein Seil,
tänzelt leicht über die trennenden Tage.
Verschwommene Gesichte – lang schon außer Bewußtsein – steigen aus glühem Krater
wie Freunde auf. Das ist der Strom, der Turm, die Straßenbahn, das Theater,
geliebtete Frauen, Glanz aus vernarbten Wunden, rhythmisch Gejage.
Weiße, große Betten ... wie ein Irrer bin ich, wie ein Neger oder ein Inder.
Ich möchte nach allen bunten Dingen verlangend greifen,
durch Abende wehn, über hundert Münde streifen
oder lange in kristallenem Bade liegen.
(Keine Trompeten, kein Schnarchen, kein Schlamm, keine müden Glieder.)
Ein traumsilberner Flieger will ich den Lenz überfliegen,
die schweren Bäume in ihren Kronen fassen
und in freudig geneigter Demut wieder und wieder
die Liebe durch tausend Ventile ausströmen lassen.




Kurd Adler - Wiederkehr