ngiyaw-eBooks Home


Karoline (Caroline) Christiane Louise Rudolphi (24. August 1754, Magdeburg – 15. April 1811 in Heidelberg)

Caroline Rudolphi war eine deutsche Dichterin.

Karoline Rudolphi, Erzieherin und pädagogische Schriftstellerin, geboren zu Magdeburg, gest. am 15. April 1811 zu Heidelberg. Ihr Vater starb früh gegen Ende des siebenjährigen Krieges, die Familie, die noch zu des Vaters Lebzeiten nach Potsdam übergesiedelt war, lebte nach dessen Tode bei zerrütteten Vermögensverhältnissen in so dürftigen Umständen, daß eine besondere Ausbildung der Tochter nicht zugewendet werden konnte und dieselbe nur die geringe damalige Elementarschulbildung genoß. Die Kinderjahre verlebte sie in einsamer Abgeschlossenheit bei der Mutter fast ganz ohne Umgang mit andern gleichalterigen Gespielinnen; dabei wurde sie aber streng zu allen häuslichen Beschäftigungen angehalten und so zu Fleiß und Ordnungsliebe erzogen. Erst in ihrem dreizehnten Lebensjahre wurde ihr durch den von der Mutter gestatteten Verkehr mit einer der Familie benachbarten Dame Gelegenheit außer der ihr bisher alleinig gebotenen Schullectüre mit den Werken von Gellert, Klopstock, Wieland und Goethe bekannt zu werden; ihr von Natur zu weichem Gefühlsleben geneigtes und durch die Einsamkeit noch mehr zur Innerlichkeit gestimmtes Wesen fand durch diese Lectüre eine mächtige Anregung und es drängte sie die in ihr schlummernde poetische Empfänglichkeit und Neigung zu dem Versuch, die Eindrücke und Empfindungen, die ein so eigenartig gestaltetes Jugendleben in sich trug, gleichfalls in dichterischen Formen auszusprechen: es entstanden so ihre »Morgenlieder«, die Frucht durchwachter und durchträumter Nächte. Einen weitem Einfluß auf ihre geistige Entwickelung übte einige Zeit ihr von der Universität heimgekehrter Bruder, der die Lücken ihrer Kenntnisse nach Kräften auszufüllen bestrebt war, bald aber, da er ein kleines Amt erhielt, das elterliche Haus verließ. Von bestimmendem Einfluß auf ihre künftige Lebensaufgabe wurde in dieser Zeit aber der Verkehr mit einer ihr gewordenen Freundin und deren fünf Kindern; der Umgang mit diesen letzteren weckte und stärkte die schon ihrer Natur eigene Anlage und Neigung zum Beruf der Mädchenerziehung. Nachdem nun auch eine eheliche Verbindung, welche der Bruder der eben genannten Freundin mit ihr einzugehen anstrebte, äußerer materieller sowie auch gesellschaftlicher Hindernisse halber nicht erfolgen konnte, wandte sie sich mit Entsagung und mit nur noch stärkerer Hinneigung dem von ihr gefühlten Lehrberuf zu. Die Gelegenheit hiezu ergab sich, indem jetzt eine adelige Familie auf einem Gut in Mecklenburg sich um sie als Erzieherin ihrer Kinder bewarb. Rudolphi nahm das Anerbieten freudig an, doch war dieser Anfang nicht sehr ermuthigend wegen der in jener Familie herrschenden häuslichen Zerwürfnisse; doch blieb sie fünf Jahre trotz manchfacher bitterer Erfahrung in dieser Stellung, da die Kinder, die unter ihrer Leitung vortreffliche Fortschritte machten, ihr mit außerordentlicher Liebe anhingen, und diese ihre Wirksamkeit, sowie ihr Charakter die verdiente Achtung und eine würdige Behandlung mehr und mehr in jener Familie sicherte. Als Rudolphi sich endlich doch zu einem Wechsel in der Stellung entschloß, bat jene Familie Rudolphi, die Kinder zu weiterer Ausbildung mit sich nehmen zu wollen, im Vertrauen, daß sie so der besten Führung übergeben seien. Rudolphi nahm die Zöglinge mit sich und wählte nun das Dorf Trittau unweit Hamburg und dann das unmittelbar bei Hamburg gelegene Billwerder zum Aufenthalt behufs Gründung eines Erziehungsinstitutes für Mädchen. Hier verband sich jetzt auch ihr Bruder zur gemeinschaftlichen pädagogischen Wirksamkeit mit seiner Schwester; dieser hatte zuvor seine Schrift »Ueber die Erziehung der Jugend« und einige sonstige Arbeiten auf gleichem Gebiet herausgegeben und entschied sich jetzt ebenfalls für den Lehrberuf. Das hier errichtete Institut erweiterte sich bald in erheblichem Maße und empfing Zöglinge aus Nah und Fern, besonders nachdem Karolinens Name durch ihre von dem Musiker Reinhardt, einem Freunde des Hauses, in Berlin 1781 (2. Aufl. 1787) herausgegebenen Gedichte weiteren Kreisen bekannt geworden war. Leider starb der mithelfende Bruder 1798, und Karoline war bei dem Umfang der Arbeit auf anderweitige fremde Beihülfe angewiesen; sie gewann als Lehrer nun den als Physiker bekannten Professor Benzenberg, mit dessen Mitwirkung die Anstalt noch 2 1/2 Jahr erfolgreich weiter geführt wurde. Mehrfache Umstände veranlaßten Rudolphi, jetzt nochmals den Wohnsitz zu wechseln; ihre Wahl fiel auf Heidelberg, wo sie 1803 sich niederließ; sie fand dort in der norddeutschen Colonie freundliche Aufnahme, wurde in den neuen Verhältnissen bald heimisch und führte als Leiterin und Lehrerin eines Mädcheninstitutes ihr pädagogisches Wirken mit segensreichem Erfolge bis zu ihrem am 15. April 1811 erfolgten Tode fort. Hier in Heidelberg schrieb sie ein schon lange von ihr geplantes Werk: »Gemälde weiblicher Erziehung«, (2 Thle. Heidelb. 1807), dessen Inhalt die Summe einer reichen pädagogischen Erfahrung darstellt und den edlen Geist, den reinen Sinn sowie das tiefe Gemüth der Verfasserin bekundet. Die Gemälde sind, wie fachmännische Urtheile lauten, nach dem Leben entworfen und durch bestimmte Fälle anschaulich gemacht; sie sind Idyllen zu vergleichen, die uns die jungfräuliche Reinheit in ihrer edlen Natureinfalt schildern und uns ein Leben vorführen, das den edlen Naturkeim zu der edelsten Knospe und Blüthe entfaltet. Das Werk wurde mit warmer Theilnahme aufgenommen und die 2. Auflage 1815 mit einer vom Heidelberger Kirchenrathe Schwarz geschriebenen Vorrede eingeleitet. Eine 3. Auflage erfolgte 1838. 1


* * *


Rudolphi (Karoline Christiane Louise), geb. 1754. Sie verlebte ihre frühern Jahre in Berlin, trat dann bei der Familie von Röpert auf Trellenhagen im Mecklenburgischen in die Verhältnisse einer Gouvernante, und stiftete dann eine Erziehungsanstalt in Hamm bei Hamburg, der sie lange Zeit, allgemein geachtet, vorstand. Ein reiner Gewinn war ihr hier die Freundschaft und innige Achtung des großen deutschen Sängers Klopstock, der sie, als er noch ein rüstiger Ritter war, gewöhnlich einen Morgen um den andern auf seinem Spazierritt zu besuchen und sich da ungemein wohl zu fühlen pflegte, wenn die lebendigen Blumen des Instituts ihm frische Blumenkränze brachten. Im Jahr 1803 verlegte sie diese Erziehungsanstalt nach Heidelberg, wo sie durch ihre rühmliche Leitung und das achtungsvolle Vertrauen, das man der Vorsteherin schenkte, immer mehr an Umfang gewann. Sie starb am 15. April 1811 und liegt auf dem Friedhofe der lutherischen Kirche bei Heidelberg begraben, unfern ihrer würdigen Geistesschwester Sophie Brentano. - Karoline Rudolphi verlebte ihre Kindheit etwas unter dem Drucke, worauf sie auch in ihren Briefen über die weibliche Erziehung anspielt, und ihre ganze Jugend hindurch war sie fast auf sich und auf Gott hingeworfen. So bildete sie sich selbst, festhaltend an der ewigen Güte, und ihr Glaube an die Vorsehung, deren Wohlthaten sie täglich mehr empfand, wurde unerschütterlich. Die Bibel war das Buch, das sie vorzüglich in ihrem Mädchenalter las, und ihr Religionsunterricht führte sie in das Christenthum so ein, daß es die Religion ihres Herzens wurde; auch als sie ihr heller Verstand in die unmittelbarste Verbindung mit einer Literatur setzte, die oft den Angriff gegen das Positive der Religion begann, war sie unerschütterlich in ihrer Überzeugung, und mit Recht wurden Klopstock und Claudius ihre Freunde. Ihr Glaube an menschliche Güte war, wie der verehrte Kirchenrath D. Schwarz in der Vorrede zu ihrem Werke über weibliche Erziehung sagt, nichts anders, als ihre unüberwindliche Menschenliebe, die weder durch ihren krankhaften Körper, noch durch die oft von Kindheit auf erfahrnen Übel, noch selbst durch die mancherlei unangenehmen Erfahrungen ihres Berufs gestört wurde. Sie war eine musterhafte Erzieherin, und ihre Anstalt genoß einer allgemeinen Achtung; sie bildete ihre weiblichen Zöglinge nicht blos und lediglich für den Hausdienst, oder für die Gesellschaft oder den sogenannten feinen Lebenston, nein, sie erzog sie für das ganze Leben und eröffnete den Quell in Geist und Gemüth zu einer liebevollen und verständigen Erfüllung alles dessen, was die weibliche Bestimmung, in religiöser und weltbürgerlicher Hinsicht, von dem Weibe fordert. Hauswirthschaft und mütterliche Pflege, Treue im Großen wie im Kleinsten, Zartgefühl und Kraft, Sinn und Verstand den Kreis der Gesellschaft zu erfreuen, die Gabe das Rechte zu treffen, die Geschicklichkeit es gut und geräuschlos auszuführen, stille Wohlthätigkeit, bescheidene Wirksamkeit mit allen Kenntnissen und Kunstfertigkeiten der weiblichen Bildung, und in allem ein edler Sinn, der in dem irdischen Thun nicht das himmlische Seyn untergehen läßt, und wobei sich das Gemüth frei und fest über dem bunten Wesen alles weltlichen Treibens erhält: - das zeichnete diejenigen aus, welche aus ihrer Hand kamen und ihrer Führung bis zum bestimmten Ziele überlassen blieben; dafür danken ihr noch manche Ältern, Jungfrauen, Gatten und Mütter. So bleibt ihre Erziehungsthätigkeit auf Geschlechter hinaus gesegnet. - Ganz besonders blüht ihr ein unverwelklicher Kranz in einer ihrer frühern Pflegetöchter, welche als ihre treue Gehülfin durch ihre Geschicklichkeit und Milde wohlthätig mitwirkte, und nach ihrem Tode das von ihr begründete Institut in Heidelberg mit eben so viel mütterlichem als kindlichem Geist schön und glücklich fortführte. In ihrem mehr erwähnten Werke erscheint der Geist der Erziehung, wie er in ihr lebte, die Bildung von innen heraus zur Entfaltung der Seelenschönheit und Lebensweisheit; und es ist daher ein herrliches Geschenk für die mütterliche Erziehung. Dabei war sie eine innige Freundin der Schönheiten der Natur. In ihrem eigenen Garten wandelte sie unter ihren Blumen, wie unter ihren Mädchen, und unter diessen befand sie sich in ihrem Zimmer, wie unter ihren Blumen. Geschmackvoll war ihre Wohnung verziert, auch im Winter blühete und duftete ein Frühling. Ringsumher sah man in den Bildern und in den einfachen Geräthschaften die reinsten Formen: da saßen die Jungfrauen in ihrer stillen Beschäftigung; zuweilen flochten sie Kränze in einem häuslichen Feste, schöner aber konnte keins gefeiert werden, als der Weihnachtsabend, wenn sich alle mit ihren niedlichen Gaben, meist Arbeiten ihrer Hände, überraschten.

Wer Zutritt in dieses Haus hatte, fand sich geehrt, und gebildete Männer und Frauen genossen dort angenehme Stunden in froher Unterhaltung und Gespräch, während doch die Pflegetöchter der in allem leicht waltenden Hausmutter nicht aus ihrem kindlichen Kreise herausgezogen wurden. Oft las auch die edle Freundin etwas diesem Kreise aus alten und neuen Schriften vor, nie aber etwas anders, als was dem jungfräulichen Alter durch Reinheit und Vollendung entsprach. Bei den kleinen Wanderungen wurde im Freien der schöne Morgen oder Abend auf solche Art, z. B. auch durch eine Klopstocksche Frühlingsode geheiligt. In ihren freien Stunden, wo sie sich auf ihr liebliches Zimmer zurückzog, das mitten in den Garten Gottes hinausschaute, dichtete sie selbst, schrieb gemüthliche Briefe, und da arbeitete sie auch ihr Gemälde der Erziehung aus; und so floß die Poesie ihres Lebens in diese schönen Bilder ein. Denn auch ihre Gedichte zeichnen sich durch Richtigkeit nicht nur im Denken und Sprechen, sondern auch durch Schönheit und Reichthum in Gedanken, Worten und Bildern, hin und wieder durch einen kühnen glücklichen Schwung, leichte Wendungen, eine blühende Phantasie und eine überall hervorleuchtende Gemüthlichkeit aus. - Herr Kirchenrath Schwarz hat der Verewigten in der Einleitung zu ihrem Gemälde der Erziehung ein sehr schönes Denkmal gestiftet, und der Verf. hat aus derselben in diesem Artikel das Hauptsächlichste wörtlich entlehnt, und hofft deshalb Entschuldigung, je mehr er es bedauert, daß seine Wünsche und auf gewisse Zusicherungen gegründeten Hoffnungen, über die frühere Lebensgeschichte dieser als Erzieherin und Dichterin gleich Liebenswürdigen ihres Geschlechts etwas mitgetheilt zu erhalten, unerfüllt blieben; gewiß sind zwei Stellen in ihrem Erziehungswerke ganz Schilderung ihres hohen Sinnes, Bd. 2. S. 131: »Entschiedener kann wohl niemand in seinem gewählten Lebensberufe den Ruf des Himmels empfinden, als deine Freundin.« - und der Schlußgedanke ihres Werks: »Wer auch nur in Einer Seele das Göttliche hervorgerufen und zu Leben und That entzündet hat, dessen Verschwinden aus den blühenden Auen des Lebens ist kein wirkliches Sterben, und was er der Erde läßt, ist mehr als sie ihm geben oder vergelten konnten.« Ein ahnendes Vorgefühl von ihrem Verschwinden und Fortwirken auf Erden. 2


Verwendete Quelle: Artikel Karoline Rudolphi in Allgemeine Deutsche Biographie, Band 29, S. 579-580 (1), sowie Artikel zu Karoline Rudolphi aus dem Schriftstellerinnen-Lexikon (1823-1825) von Carl Wilhelm Otto August von Schindel (2).


Digitalisate verfügbar


Verfügbare Texte




ngiyaw-eBooks Home