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29. September 2007

Oscar A. H. Schmitz – Succubus     Zur Biographie

aus: Wiener Rundschau Band II, Nr. 13-24, Verlag Wiener Rundschau, Wien, 1897, S. 760



Ein dumpfes Lied von unbewussten Tagen
Tönt mir herauf aus schattenvollem Grunde
Des Lebens: eine rothe Abendstunde,
Im Dom ein Sang, von Weihrauchmeer getragen.


Der Göttin Bild in veilchenfinstrem Glanz,
Der durch die bunten Bogenfenster dringt,
Lächelt herab; ein zügelloser Tanz
Halbnackter Wünsche durch den Busen schwingt.


Versöhnungsvolles Läuten treibt zurück
Die Beter in des Lebens wilde Dränge,
In dem Gewölbe sterben die Gesänge,
Im Garten haucht ein süsses Rosenglück.


Des Tages Gluthen steigen aus den Mauern
Der Abendstrassen; dämmerblaues Licht
Ersehnt die Seele, wo in neuen Schauern
Verfrühter Traum des Lebens Blumen bricht.


Es flieht der Schein; zu ungewohntem Mahle
Erlabt die Seele wollustvolles Bad.
Es öffnet sich ein Leib wie eine Schale
Voll heissen Weines, dem die Lippe naht.


Und eine Lust gepflückt aus tausend Lenzen,
Der sich die Sinne wie aus früherm Sein
Erinnern, klärt mit gelbem Morgenschein
Die Tiefen, die das Leben schwarz umgrenzen.


Gen Morgen flieht der Traum im letzten Kuss,
Und eine dumpfe Müdigkeit der Glieder
Zieht schwer den Leib zum alten Leben nieder:
Den grauen Wolken weicht der Succubus.





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