Klage.
Schau hernieder, Gott der Rache,
Denk' an Deines Wortes Lehren
Führe Deiner Söhne Sache,
Die getreulich Dich verehren.
Strafe die, die frech verhöhnet
Deiner Thora hehre Worte,
Blutgericht, uns sonst verpönet,
Halte, Herr, am heiligen Orte!
Jakobs Hirt, o hab' Erbarmen!
Zelt und Zierde liegt im Schmutze –
Jakobs Erben sind die Armen,
Stehn sie nicht in Deinem Schutze?
Schau in Deiner Söhne Qualen,
Schau in Deiner Töchter Schande,
Möcht ich's mit dem Leben zahlen,
Gäb' mein eigen Blut zum Pfande!
Tief gebeugt in Not und Schmerzen,
Klag', o Herr, ich immer wieder –
Und in die gebeugten Herzen
Tränenfluten rollen nieder!
Hast Dein Volk du nicht erkoren,
Erstgebornen Deiner Seele?
Hast Du es denn so verloren,
Dass in Jammer es sich quäle?
Sitze ich in bangen Stunden
Voll von Angst, von Blut und Leiden,
Hab' ich wehevoll empfunden:
Von mir weichen alle Freuden!
Seit Dein Heiligtum verblichen,
Ist, ach, der Glanz, der Schönheit Zier
Von mir ganz und gar gewichen,
Klag' und Elend blieben mir!
Abigedor Kara bezieht sich auf den Pogrom zu Prag während der Ostertage im Jahre 1389. Der Anlaß dafür bildete ein Gerücht, daß ein Priester, der das Ghetto passierte, angeblich von den Juden ausgelacht und sogar gesteinigt worden sei, oder daß sogar Kinder gesteinigt worden seien. Die Christen drangen in das Ghetto vor, brannten jüdische Häuser nieder und mordeten mehr als 3000 Juden.