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4. Januar 2010

Paul Fleming – Wie Er wolle geküsset seyn.     Zur Biographie

aus: Paul Fleming, Teütsche Poemata, Laurenz Jauch - in Verlegung Laurentz Jauchen Buchhandlung, Lübeck, 1642, S. 535f.


20100104_Franz von Stuck - Der Kuss der Sphinx (Ausschnitt)

Franz von Stuck – Der Kuss der Sphinx (Ausschnitt).


NIrgends hin / als auff den Mund /
da sinkts in deß Hertzen grund.
Nicht zu frey / nicht zu gezwungen /
nicht mit gar zu fauler Zungen.


Nicht zu wenig, nicht zu viel.
Beydes wird sonst Kinder-spiel.
Nicht zu laut / und nicht zu leise /
Bey der Maß' ist rechte weise.


Nicht zu nahe / nicht zu weit.
Diß macht Kummer / jenes Leid.
Nicht zu trucken / nicht zu feuchte /
wie Adonis Venus reichte.


Nicht zu harte / nicht zu weich.
Bald zugleich / bald nicht zugleich.
Nicht zu langsam / nicht zu schnelle.
Nicht ohn Unterscheid der Stelle.


Halb gebissen / halb gehaucht.
Halb die Lippen eingetaucht.
Nicht ohn Unterscheid der Zeiten.
Mehr alleine / denn bei Leuten.


Küsse nun ein Jederman
wie er weiß / will / soll und kan.
Ich nur / und die Liebste wissen /
wie wir uns recht sollen küssen.




20091204_Paull Fleming - Wie Er wolle geküsset seyn.

20091204_Paull Fleming - Wie Er wolle geküsset seyn.