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Emil Schoenaich-Carolath – Novembersonne.     Zur Biographie

aus: Deutsche Dichtung, Herausgegeben von Karl Emil Franzos, Neunundzwanzigster Band, Oktober 1900 bis März 1901, Concordia Deutsche Verlagsanstalt, Berlin, 1901, S. 136.



Novembersonne.

Noch einmal flammt die Sonne müd' und hold
Auf dieses Gartens still verträumten Wegen,
Wildschwäne wandern fernem Lenz entgegen,
Vom Lindenbaum rinnt sacht das Raschelgold.


Die Nelken blüh'n in heißem Duftgelüst
Dem Sommer nach, der früh vorbeigegangen,
Und Astern starren, bunt, in tiefem Prangen,
Dort wo sich einst zwei Herzen lang geküßt.


Auf Menschen, die vergessen nicht gekonnt
Den Jugendtraum, den ersten, hoffnungskühnen,
Senkt oft sich spät ein also süßes Grünen,
Daß sie gleich Kindern wandeln, glückbesonnt.


Sie spüren tief, in Offenbarungsglanz
Ein frisches Rauschen ihrer Jugendbronnen,
Ein ew'ges Leuchten ihrer Liebessonnen –
Doch Dichtern nur winkt solch Verheißungskranz.




Emil Schoenaich-Carolath – Novembersonne.