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Biographie

Ida Boy-Ed (17. April 1852 in Bergedorf – 13. Mai 1928)

Ida Cornelia Ernestine Ed wurde am 17. April 1852 in Bergedorf bei Hamburg als Tochter des Reichstagsabgeordneten und Zeitungsverlegers Christoph Marquard Ed und seiner Ehefrau Friederike Amalie Pauline, geb. Seltzam, die in Hamburg bis zum Wegzug nach Bergedorf als Putzmacherin arbeitet, geboren.

Sie war das jüngste von sechs Kindern, von zwei Söhnen

und vier Mädchen, die nach ihrer Verheiratung

hießen.

Der Vater hatte zwei Wochen vor dem großen Brand in Hamburg die Druckerei und Consession des Bergedorfer Wochenblattes von C. A. Meldau in Bergedorf erworben. Er zog mit seiner Familie, nachdem sein Domizil in Hamburg, am Graskeller 6, auf Grund der Sprengungen der gegenüberliegenden Häuser auch zerstört war, nach Bergedorf. Die erste Ausgabe des "Bergedorfer Boten" erschien am 17. 04. 1842. Ab 1843 hieß die Zeitung "Bergedorfer Wochenblatt und Eisenbahnzeitung" und erschien ab 1851 dreimal wöchentlich.

Die Familie zog 1865 nach Lübeck, nachdem der Vater das Verlagshaus in der Große Petersgrube 29 günstig erworben und die "Eisenbahn-Zeitung" von Bergedorf nach Lübeck verlagert hatte. Das Wohn- und Verlagshaus wird Anziehungspunkt des Lübecker literarischen Lebens. Der Vater veröffentlichte selbst Romane und Erzählungen und unterstütze die literarischen Ambitionen seiner Tochter Ida. Die "Eisenbahn-Zeitung" war derzeit eine wichtige Plattform für literarische Publikationen. Heinrich Mann veröffentlicht hier erste Arbeiten.

Kaum achtzehnjährig wird sie mit Carl Johann Boy, Sohn einer alten Lübecker Patrizier- und Kaufmannsfamilie verheiratet und wohnt in der Marlistraße, einen Haus direkt an der Wakenitz. Sie selber sagte von der Ehe, dass diese sie in eine "geistig ganz ferne Umwelt" brachte. Nacheinander kommen vier Kinder,

zur Welt.

Da die Ehe wenig harmonisch verlief und ihr "das Schreiben" verboten wurde, verließ Ida ihren Mann nach der Geburt des vierten gemeinsamen Kindes 1878. Sie nahm ihren Sohn Karl mit nach Berlin und überließ die drei weiteren Kinder ihrer kurz vorher verwitweten Schwester Amalie Dieck, geb. Ed, die selber sechs Kinder hatte, in Bergedorf. Sie versuchte sich in Berlin mit journalistischen Arbeiten eine Existenz aufzubauen und musste anfangs von Zeilenhonoraren leben. Rudolf Mosse, ein Geschäftsfreund ihres Vaters, empfahl sie seinem Feuilletonchef. Für ihn schrieb sie ihre ersten Theaterkritiken. Sie widmete sich ihrer schriftstellerischen Arbeiten, die ihr ja während ihrer Ehe untersagt waren. Ihre Freiheit währte nicht lange, da sie bereits 1880 zur Rückkehr zu ihrem Ehemann genötigt wurde, der nicht in die Scheidung einwilligen wollte. Ihre Liebe zum Schreiben wurde jedoch ab diesem Zeitpunkt geduldet. So konnte sie 1882 ihre erstes Buch, die Novellensammlung "Ein Tropfen" veröffentlichen. Sie schrieb nun einen Roman nach dem anderen, so dass sie bis 1894 allein einundzwanzig Bücher veröffentlichte. Bis zu ihrem Lebensende sind es über siebzig, von denen mehrere ins Niederländische, Dänische und Schwedische übersetzt wurden.

Als ihr Vater 1885 starb, der Begründer und Herausgeber der "Eisenbahn-Zeitung" war, war das Blatt eine einflussreiche Zeitung, in der z. B. Heinrich Mann, wie erwähnt, seine ersten Werke veröffentlichte, begann sie als Mitherausgeberin auch für dieses Blatt zu schreiben.

Wegen der unterschiedlichen Anzahl der Enkelkinder hatte der Vater testamentarisch bestimmt, dass die eigenen Kinder nur das Pflichtteil bekamen und das übrige Vermögen zu gleichen Teilen auf die Enkelkinder übergeht.

Durch Heinrich Mann lernte sie 1893 dessen jüngeren Bruder Thomas kennen, als dieser gerade 18 Jahre alt war. Aus dieser Begegnung erwuchs eine lebenslange Freundschaft.

Als die Firma ihres Mannes 1900 in Konkurs ging, musste das Haus an der Wakenitz verkauft werden und die Familie zog in den zweiten Stock des Verlagshauses der "Eisenbahn-Zeitung" Große Petersgrube – Ecke Untertrave. Von ihrem Arbeitszimmer hatte sie einen Blick auf die "Alten Salzspeicher" und den "Wall", wo sie auch ihre täglichen Spaziergänge machte. Im ersten Stock wohne ihre ältere Schwester Emma Paapke, geb. Ed.

Am 21. Januar 1903 trat nun eine bedeutsame Änderung ein: Wienandt kaufte mit dem früheren Maschinenmeister der "Eisenbahnzeitung" Carl Willers die Zeitung von den Erben. So zog Ida mit der Familie in eine Wohnung in der Parkstraße.

Von dem Tode ihres Mannes am 24. 01. 1904 erfuhr sie auf einer Schiffsreise im Ärmelkanal. Sie wurde ausgebootet. In Cherbourg und Paris wurde sie von einem Vertreter der Reederei betreut, bis ihr Sohn Karl sie nach Lübeck geleiten konnte. Damit war ein unglücklicher, sie sehr belastender Lebensabschnitt beendet.

Ida Boy-Ed war sehr mit der Stadt Lübeck verbunden. So sorgte sie dafür, dass sich die Stadt wieder mit Thomas Mann versöhnte, nachdem dieser sich mit seinem Roman "Buddenbrooks" in Lübeck äußerst unbeliebt gemacht hatte. Als Dank für ihre Verdienste erhielt sie vom Senat der Hansestadt Lübeck an ihrem 60. Geburtstag, dem 17. April 1912, ein dauerhaftes Wohnrecht in der Wohnung neben dem Burgtor, in der sie bis zu ihrem Lebensende wohnte. Während späterer Aufenthalte in Lübeck wohnte Thomas Mann des öfteren bei ihr.

Im Jahre 1904 machte sie sich auch stark für die Berufung des Dirigenten Wilhelm Furtwängler nach Lübeck.

Leider musste sie auch erleben, dass ihr zweiter Sohn Walter als Hauptmann der Artillerie an seinen schweren Verwundungen während der Marneschlacht 1914 in Frankreich starb. Er ruht auf dem Soldatenfriedhof "Champs de Manoeuvre" bei Laon.

Die Hochzeit ihres älteren Sohnes Karl konnte sie 1921 in Hamburg mit feiern und freute sich auch 1922 über die Geburt ihrer jüngsten Enkeltochter Virginia Ida.

Beim Betreten eines Paternosters wurde sie von der Sonne geblendet und trat auf das Dach anstatt in die Kabine. Sie schrie auf, weil sie sich beim Sturz den Rücken gebrochen hatte. Sie suchte Heilung und Besserung in Travemünde. Eine hinzutretende Lungenentzündung ließ die Kräfte schwinden und sie schloss am 13. Mai 1928 ihre Augen für immer. Auf ihrem Sarg lag ihrem Wunsche entsprechend die deutsche Flagge und die Stadt Lübeck hisste die Flaggen anlässlich ihres Todes auf Halbmast.

Ihr literarisches Lebenswerk umfasst über 70 Romane und Erzählbände. Obgleich Ida Boy-Ed zu ihrer Zeit eine berühmte Persönlichkeit war, ist sie heute weitestgehend in Vergessenheit geraten.

Auswahl-Bibliographie

Die Biographie wurde von Gerhard Friedrich Dose, dem Urgroßneffen Ida Boy-Eds, erstellt. Wir bedanken uns auch für die großzügige Überlassung der Photographien.

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