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Biographie

Reinhard Goering (23. Juni 1887 auf Schloss Bieberstein – 14.(?) Oktober 1936, Bucha bei Jena)

Reinhard Goering war ein deutscher Schriftsteller des Expressionismus.

Goering war der Sohn eines Regierungsbaurats. Als Zehnjähriger kommt er in ein Internat bei Traben-Trarbach, nachdem sein Vater sich das Leben genommen hatte und seine Mutter der geistigen Umnachtung verfiel. Verwandte ermöglichten ihm nach seinem Abitur 1905 den Besuch der Universität. Da sein Bruder, der ein Handwerk erlernen musste, sich gegenüber Reinhard zurückgesetzt sieht, verliert Goering damit auch das letzte Mitglied seiner eigentlichen Familie.

Goering begann zunächst ein Jurastudium, wechselte aber kurz darauf auf ein Medizinstudium an der Universität Jena, weitere Studienorte sind Berlin und München. 1911 studierte er in Paris und lernte dort die Kunststudentin und jüdische Russin Helene Gurowitsch kennen. In Zippendorf kommt ihre gemeinsame Tochter zur Welt und 1912 heiraten Goering und Gurowitsch.

Im selben Jahr erscheinen mit einigen Gedichten in einer Anthologie erstmals Texte von Goering, ebenso wie der im Folgejahr 1913 erscheinende Roman "Jung Schuk" bleiben sie aber fast ohne Widerhall bei Publikum und Kritik. Diese Arbeiten sind noch klassisch orientiert, vom zur selben Zeit aufblühenden Expressionismus sind sie noch unberührt.

1914 schließt Goering dann in Bonn sein Studium mit einem Notexamen ab. Als Militärarzt wird er ins Saargebiet geschickt, zieht sich dann nach wenigen Wochen er kurz nach dem Jahreswechsel 1914/15 eine Tuberkulose-Erkrankung zu, die er in Davos, wo er bis 1918 bleibt, auszuheilen versucht. Hier verfasst er auch sein erstes Drama, die Seeschlacht. Die Uraufführung 1918 am Hoftheater in Dresden unter Nikolaus Graf von Seebach gerät zum Skandal, eine weitere Aufführung im selben Jahr unter Max Reinhardt in Berlin hingegen wird ein Erfolg. Dem Erfolg entzieht er sich jedoch und führt zeitweise das Leben eines wandernden Bettlers. Nach seiner Rückkehr zur Familie schreibt er in rascher Folge vier weitere Schauspiele, bevor er fast vollständig verstummt.

1922 ist er als Arzt in Braunschweig tätig, seine medizinischen Interessen liegen bei der Reform-Medizin, aber auch Vegetarismus, Hygienefragen und Impfproblemen. Sein Verhalten ist für sein Umfeld irritierend, so wirft er zum Beispiel seine Bücher auf die Straße, um seinen Verzicht auf Eigentum zu demonstrieren, winters ist er nur leichtbekleidet, mit zerrissener Hose und ohne Hut unterwegs. 1923 wird er auf Drängen der Braunschweiger Ärzteschaft zur Beobachtung in die Irrenanstalt in Königslutter eingewiesen, nach sechs Wochen erwirkten Freunde seine Entlassung.

Ende 1923 lernt er in Heidelberg Dagmar Öhrbom aus Helsinki kennen, mit der ihn bald eine enge Freundschaft verbindet. Mit der elf Jahre älteren Finnin reist er viel, unter anderem nach Finnland, 1926 aber auch nach Frankreich, wo er wieder zu schreiben beginnt und das Prosastück "Normandie" verfasst. Im selben Jahr lassen sich Goering und Gurowitsch scheiden, auf das Betreiben von Öhrbom promoviert er in Leipzig zum Dr. med.. Mehrere Versuche, eigene Arztpraxen zu führen, scheitern an seiner Unstetigkeit, den Jahreswechsel 1926 / 1927 verbringt er in Finnland.

Nach seiner Rückkehr zieht er ruhelos von Ort zu Ort, lebt bei Freunden, Mäzenen, zeitweise sogar in einer Irrenanstalt, wo er vorgibt, dass er die Geisteskranken studieren wolle. Wie seine Wohnorte wechseln auch seine Pläne, er versucht ein "Sanatorium für Geistesarbeiter" zu gründen, plant eine Zeitschrift ("Spielbühne"), um Ostern 1928 ist er dann für mehrere Wochen verschollen. Freunde finden ihn in einer Berliner Pension und bringen ihn zu Grete Höger, einer befreundeten Lehrerin, wo er die Tagebücher Robert Falcon Scotts liest und die Arbeit an seinem Stück Die Südpolexpedition des Kapitäns Scott beginnt, das er im November und Dezember in Davos zu Ende bringt.

1929 arbeitet er an einem Luftfahrtkalender, während der zahlreichen Flüge, die ihn in Städte überall in Europa bringen, entstehen zahlreiche Fluggedichte, die in Der Sturm erscheinen. Im Februar 1930 wird in Berlin seine Südpolexpedition unter Leopold Jessner uraufgeführt, das Stück ist erfolgreich und wird unter anderem von Bühnen in Darmstadt und Würzburg gespielt, im Oktober wird ihm für das Stück der Kleist-Preis zuerkannt. 1931 beginnt er eine Beziehung zur erst sechzehnjährigen Marlene Holzapfel, der Tochter eines befreundeten Berliner Ehepaars. Wieder beginnt er ein unstetes Leben, das Paar zieht von Ort zu Ort, Goering hat wechselnde Praxen. 1933 wird bei ihm ein Darmleiden diagnostiziert, das in den folgenden Jahren Kuraufenthalte und Operationen notwendig macht. 1932 wird der Sohn Reinhard geboren, 1934 sein zweiter Sohn Knut-Stefan, erst im Frühjahr 1935 heiratet das Paar.

Goering tritt in den Bund rheinischer Dichter ein und wurde 1932 Mitglied der NSDAP, wurde allerdings bereits im Juni 1933 wieder ausgeschlossen.

Anfang 1936 beginnt er mit der Arbeit am Libretto zu Winfried Zilligs Oper Das Opfer, einer Überarbeitung der Südpolexpedition. Wieder reist er danach viel, im Oktober aber verschwindet er plötzlich aus Berlin. Am 5. November erst erfährt die Familie, dass Goering bereits Mitte Oktober in Bucha (bei Jena) Suizid beging. Kurz zuvor hatte er eine Begegnung mit Alfred Mombert in Heidelberg und verbrannte ganze Bündel an Manuskripten.

Im November 1937, ein Jahr nach seinem Tod, wird Das Opfer uraufgeführt, die Zwölftonmusik Zilligs und das englandfreundliche Libretto Goerings aber verhindern weitere Aufführungen.

Verwendete Quelle: Artikel Reinhard Goering in: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 12. September 2009, 13:48 UTC.
URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Reinhard_Goering&oldid=64431420
(Abgerufen: 21. Oktober 2009, 08:32 UTC)
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