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Ludwig Nikolai Graf von Rehbinder (6. Dezember 1823, Sack – 31. August 1876, Dorpat)

Lyrik


Gedichte aus
Das Baltische Dichterbuch
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Aus: Eine Auswahl deutscher Dichtungen aus den Baltischen Provinzen Rußlands, Herausgegeben von Jeannot Emil Freiherrn von Grotthuß Verlag von Franz Kluge, Reval, 1895

Elfenmährchen AcrobatReader PDF    epub ePub    MobiPocketReader/Kindle Mobi/Kindle    Kindle azw3/Kindle    Flash Flash    Digitalisat Digitalisat

N. Graf Rehbinder, Elfenmährchen, Märchen, Druck von Heinrich Laakmann, Dorpat, 1850


Ludwig Nikolai Graf von Rehbinder (6. Dezember 1823, Sack – 31. August 1876, Dorpat)

Nikolai Graf von Rehbinder war ein deutscher Dichter und Schriftsteller, Zolldirektor, Theaterkritiker und fuhr zur See.

Er absolvierte die Ritter- und Domschule zu Reval, trat als Fähnrich in den Flottendienst und befuhr — zum Teil in Begleitung des Großfürsten Konstantin — die Nord und Ostsee. Nachdem er 1845 seinen Abschied genommen und geheiratet hatte, trat er in den Zivildienst, wurde Zolldirektor in Hapsal, dann nach Libau in das Zollamt versetzt, wo er sich zunächst als Theaterkritiker, später als Redakteur Libau’schen Zeitung literarisch betätigte. Abermals versetzt, in das Städtchen Polangen an der kurländischen Grenze, kehrte er 1865 nach Hapsal zurück. Dort widmete er sich gemeinnützigen Interessen, bis er 1867 eine Stelle am Kontrollhofe in reval erhielt. Ein ernstes Nervenleiden nötigte ihn, sich nach Bonn in eine Heilanstalt zu begeben. Aber schon nach einem Jahre kehrte er, ohne Genesung gefunden zu haben, in die Heimat zurück und unterwarf sich in Dorpat einer Operation auf Tod und Leben. Sie gelang, aber seine Kraft war gebrochen. Er starb in Dorpat, wo er auch bestattet ist.


Ein Idealist von lauterster Gesinnung, allezeit ein Vorkämpfer für das Wahre, Gute und Schöne, mußte Rehbinder den Kelch der Enttäuschungen bis zur Neige leeren. Ja, er erlebte am Abend seines Erdenwallens die traurigste aller Enttäuschungen: in Stunden tiefster Schwermut und Hoffnungslosigkeit glaubte er erkennen zu müssen, daß der Leitstern seines Lebens, der Beruf des Dichters, ein täuschendes Irrlicht gewesen. Und es muß zugegeben werden, daß er einer jener tragisch veranlagten, tief unglücklichen Naturen war, bei welchen das Können zum Wollen in keinem entsprechenden Verhältnisse steht. Die meisten seiner Gedichte erheben sich nicht zu bleibender Bedeutung. Blätter im Winde, sind sie vom jungen Lenze geboren, um nach kurzem Dasein fortgewirbelt zu werden — in die Vergessenheit.

Aber gerade in denjenigen Dichtungen, in welchen er der Verzweiflung an seinem Dichterberufe, der Verzweiflung über ein getäuschtes und verfehltes Leben Ausdruck gibt, — gerade in den wenigen, kurz vor seinem Hinscheiden verfaßten Liedern Aus dem Innersten (Milan, 1878) offenbart er sich als ein Poet von Gottes Gnaden. Mit der elementaren Gewalt eines Vulkans, dessen langverhaltene Glut in mächtigen Flammen emporschlägt, Felsblöcke und Asche in die Lüfte schleudernd, bricht sich hier das ganze Weh des Dichters mit einer Leidenschaft Bahn, welche, die Form gelegentlich zertrümmernd, den tiefsten Tiefen seiner Brust entströmt und im echten, wenn auch mit Schlacken durchsetzten Golde der Poesie erstrahlt. Es ist der Aufschrei eines zerrissenen, gequälten Menschenherzens, der verhallende Sehnsuchtsruf des in der Wüste verschmachtenden Wanderers, der das Gaukelbild der grünen Oase so nah und doch so unerreichbar ferne erblickt, was uns beim Lesen der wenigen Blätter erschüttert. Wenn seiner Leier auch zuweilen ein Ukrainer Ton entquillt, ja, wohl gar eine Saite in schrillem Mißton zerreißt — nur eine Künstlerhand verfügt über solche Leidenschaft, Kühnheit und Kraft. Und so ist es der Schmerz, der heilige, der auch ihn zum Dichter geweiht hat, und in dem Augenblicke, als er, das ganze Leid seines getäuschten Daseins im Schwanenliede ausschluchzend, seine Leier zerbrechen wollte, — da drückte die Muse den Lorbeer auf seine müde, fieberheiße Stirn. Von seinen Dramen ist das Schauspiel Jesus von Nazareth (Wiesbaden, 1875) jedenfalls das reifste und bedeutendste. Mit seinem poetischen Takt hat es der Dichter vermieden, dem Leser irgend eine Tendenz oder subjektive Auffassung der Person Christi aufdrängen zu wollen. In schlichter Größe und Erhabenheit wandelt die Gestalt des Heilands durch das Drama, harmonisch und in sich abgeschlossen, wie sie uns aus den heiligen Büchern entgegenschwebt. Nicht zu vergessen sind Rehbinders große Verdienste um die Förderung der heimischen Poesie. Als Herausgeber des Baltischen Albums (Dorpat, 1848) und des Musenalmanachs der Ostseeprovinzen Rußlands (Mitau und Leipzig, 1854, 55, 56) hat er auf das dichterische Schaffen seiner Heimat vielfach anregend und befruchtend gewirkt, und seine fleißige, zuerst im Inland erschienene Studie Die belletristische Litteratur der Ostseeprovinzen Rußlands von 1800—1852 (Sonderabdruck: Torpat, 1858) dient dem baltischen Literarhistoriker noch heute als wertvolle Quelle.


Verwendete Quelle: Das Baltische Dichterbuch, Eine Auswahl deutscher Dichtungen aus den Baltischen Provinzen Rußlands, Herausgegeben von Jeannot Emil Freiherrn von Grotthuß, Verlag von Franz Kluge, Reval, 1895