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Joachim Ringelnatz (7. August 1883, Wurzen bei Leipzig – 17. November 1934, Berlin)

Prosa
Fahrensleute epub ePub    MobiPocketReader/Kindle Mobi/Kindle    Kindle azw3/Kindle    Digitalisat Digitalisat

Joachim Ringelnatz, Fahrensleute, Verlag der Galerie Flechtheim, 1922



Gepolsterte Kutscher
und Rettiche
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Hans Bötticher, Gepolsterte Kutscher und Rettiche, Novelle, Aus: Ein jeder lebt's, Novellen, Albert Langen Verlag, München 1913

Das — mit dem
»blinden Passagier«
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Hans Bötticher, Das — mit dem »blinden Passagier«, Novelle, Aus: Ein jeder lebt's, Novellen, Albert Langen Verlag, München 1913

Phantasie AcrobatReader PDF    epub ePub    MobiPocketReader/Kindle Mobi/Kindle    Kindle azw3/Kindle    Flash Flash

Hans Bötticher, Phantasie, Novelle, Aus: Ein jeder lebt's, Novellen, Albert Langen Verlag, München 1913

Durch das Schlüsselloch
eines Lebens
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Hans Bötticher, Durch das Schlüsselloch eines Lebens, Novelle, Aus: Ein jeder lebt's, Novellen, Albert Langen Verlag, München 1913

Auf der Straße
ohne Häuser
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Hans Bötticher, Auf der Straße ohne Häuser, Novelle, Aus: Ein jeder lebt's, Novellen, Albert Langen Verlag, München 1913

Vergebens AcrobatReader PDF    epub ePub    MobiPocketReader/Kindle Mobi/Kindle    Kindle azw3/Kindle    Flash Flash

Hans Bötticher, Vergebens, Novelle, Aus: Ein jeder lebt's, Novellen, Albert Langen Verlag, München 1913

Ein jeder lebt's Digitalisat Digitalisat

Hans Bötticher, Ein jeder lebt's, Novellen, Albert Langen Verlag, München 1913

Liner Roma Digitalisat Digitalisat

Joachim Ringelnatz, Liner Roma, Johannes Asmus Verlag, Hamburg, 1924

Matrosen Digitalisat Digitalisat

Joachim Ringelnatz, Matrosen, Internationale Bibliothek GmbH, Berlin, 1928

Die Woge Digitalisat Digitalisat

Hans Bötticher, Die Woge, Ernst Langen Verlag, München, 1922

Die Flasche und
mit ihr auf Reisen
Digitalisat Digitalisat

Hans Bötticher, Die Flasche und mit ihr auf Reisen, Rowohlt Verlag, Berlin, 1932

Lyrik
Ferngruß von Bett zu Bett. Aus: Joachim Ringelnatz, Allerdings, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1928, S. 102.
Malerstunde Aus: Joachim Ringelnatz, Gedichte dreier Jahre, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1932, S. 75
Trüber Tag Aus: Joachim Ringelnatz, 103 Gedichte, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1933, S. 39.
Tropensehnsucht Aus: Joachim Ringelnatz, Gedichte dreier Jahren, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1932, S. 113
Bordell Aus: Joachim Ringelnatz, Allerdings, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1928, S. 47-52.
Schöne Fraun
mit schönen Katzen
Aus: Joachim Ringelnatz, Flugzeuggedanken, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1929, S. 84-85.
Blindschl. Aus: Joachim Ringelnatz, Allerdings, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1928, S. 19-21.
Das Hexenkind Aus: Joachim Ringelnatz, Gedichte, Gedichte von Einstmals und Heute, Rowohlt Verlag, Berlin, 1934, S. 55 f.
Vorfreude auf Weihnachten Aus: Joachim Ringelnatz, 103 Gedichte, Ernst Rowohlt, Berlin, 1933, S. 52 f.
Einsiedlers Heiliger Abend Aus: Joachim Ringelnatz, Allerdings, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1928, S. 125 f.
Allerdings AcrobatReader PDF    epub ePub    MobiPocketReader/Kindle Mobi/Kindle    Kindle azw3/Kindle    Flash Flash    Digitalisat Digitalisat

Joachim Ringelnatz, Allerdings, Gedichte, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1928

Reisebriefe eines Artisten AcrobatReader PDF    epub ePub    MobiPocketReader/Kindle Mobi/Kindle    Kindle azw3/Kindle    Flash Flash    Digitalisat Digitalisat

Joachim Ringelnatz, Reisebriefe eines Artisten, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 5. - 9. Tsd. 1928

Turngedichte AcrobatReader PDF    epub ePub    MobiPocketReader/Kindle Mobi/Kindle    Kindle azw3/Kindle    Flash Flash    Digitalisat Digitalisat

Joachim Ringelnatz, Turngedichte, Mit 17 Zeichnungen von Karl Arnold, Kurt Wolff Verlag, München, Frühjahr 1923

103 Gedichte Digitalisat Digitalisat

Joachim Ringelnatz, 103 Gedichte, Rowohlt Verlag, Berlin, 1933

Kuttel-Daddeldu Digitalisat Digitalisat

Joachim Ringelnatz, Kuttel-Daddeldu, Kurt Wolff Verlag, München, 1923

Die gebatikte Schusterpastete Digitalisat Digitalisat

Joachim Ringelnatz, Die gebatikte Schusterpastete, Alfred Richard Meyer Verlag, Berlin, Oktober 1921

Flugzeuggedanken Digitalisat Digitalisat

Joachim Ringelnatz, Flugzeuggedanken, Rowohlt Verlag, Berlin, 1929

Gedichte dreier Jahre Digitalisat Digitalisat

Joachim Ringelnatz, Gedichte dreier Jahre, Rowohlt Verlag, Berlin, 1932

Gedichte - Gedichte Digitalisat Digitalisat

Joachim Ringelnatz, Gedichte - Gedichte, Rowohlt Verlag, Berlin, 1934

Die Schnupftabaksdose Digitalisat Digitalisat

Joachim Ringelnatz, Die Schnupftabaksdose, R. Piper Verlag, München, o. J.

Joachim Ringelnatz (7. August 1883, Wurzen bei Leipzig – 17. November 1934, Berlin)

Joachim Ringelnatz, eigentlich Hans Bötticher, war ein deutscher Schriftsteller, Kabarettist und Maler, der vor allem für humoristische Gedichte um die Kunstfigur Kuttel Daddeldu bekannt ist.

Joachim Ringelnatz wurde als jüngstes von drei Geschwistern in Wurzen bei Leipzig geboren. Seine Eltern waren beide künstlerisch tätig. Sein Vater Georg Bötticher, der einer angesehenen thüringischen Gelehrtenfamilie entstammte, war ein erfolgreicher Musterzeichner und später hauptberuflicher Verfasser von humoristischen Versen und Kinderbüchern. Er veröffentlichte über 40 Bücher, darunter in Reclams Universal-Bibliothek. Die Mutter Rosa Marie, Tochter eines Sägewerksbesitzers, zeichnete ebenfalls, entwarf Muster für Perlstickereien und stellte Puppenbekleidung her. Ringelnatz wuchs in bescheidenem Wohlstand auf: Die Familie beschäftigte zwei Dienstmädchen.

Der Vater hatte in jeder Hinsicht auf Ringelnatz einen wesentlich größeren Einfluss als die Mutter. Der Junge eiferte in seinen ersten literarischen Produktionen eindeutig dem Vater nach und fühlte sich zeit seines Lebens durch den akademischen Hintergrund des Vaters und dessen weite Kontakte eingeschüchtert und herausgefordert. Der Vater korrespondierte mit Emanuel Geibel, Gustav Freytag, Conrad Ferdinand Meyer, Wilhelm Raabe und Adolph von Menzel, seine Werke wurden von Theodor Fontane als "anheimelnd" gelobt. Politisch war Georg Bötticher deutlich interessierter als der eher unpolitische Sohn. Er feierte mit Freunden das Andenken Ferdinand Freiligraths, war ein glühender Bismarck-Verehrer und schrieb beißende Satiren auf das wilhelminische Zeitalter. Mit der Mutter hatte Ringelnatz größere Probleme als mit dem zu Nachsicht und Güte tendierenden Vater. An seine Verlobte Alma schrieb Ringelnatz 1914: "Mutterliebe fehlt uns beiden".

1886 zog die Familie nach Leipzig um, wo der Vater Mitglied der Künstler- und Gelehrtenszene war. Ab 1900 widmete er sich hauptberuflich seiner Schriftstellerei und gab seit 1901 Auerbach's Deutschen Kinderkalender heraus, in dem er Ringelnatz zu seinen ersten Veröffentlichungen verhalf: Ostermärchen und zwei Geschichten Vom Alten Fritz.

Die Schulzeit war schwer für Ringelnatz: Er sah in den Lehrern "respektfordernde Dunkelmenschen" und wurde von den Mitschülern für sein seltsames Aussehen (mädchenhafte Frisur, ungewöhnlich lange Vogelnase, vordrängendes Kinn, kleine Statur) gehänselt. Auch später noch führte Ringelnatz viele Schwierigkeiten auf sein ungewöhnliches Aussehen zurück: "Ich bin überzeugt, das mein Gesicht mein Schicksal bestimmt. Hätte ich ein anderes Gesicht, wäre mein Leben ganz anders, jedenfalls ruhiger verlaufen." Der Junge flüchtete sich in Trotz, Rüpeleien und einsames Zeichnen und Schreiben. 1892 verfasste und illustrierte Joachim Ringelnatz sein frühestes erhaltenes Werk: die Landpartie der Tiere, ein Tier-Akrostichon im Stile Wilhelm Buschs.


Als Quintaner leistete sich Ringelnatz einen Streich zu viel: Während der Pause verließ er das Schulgelände, ging zu einer Völkerschau im neben der Schule gelegenen Zoo und ließ sich von einer Samoanerin auf den Unterarm tätowieren. In der Schule gab er überdies noch gegenüber seinem Lehrer mit dem Vorfall an. Die Reaktion war der Verweis vom Gymnasium. Es folgten Jahre auf einer Privat-Realschule. 1901 beendete Ringelnatz seine auch dort wenig erfolgreiche Schulzeit mit dem Einjährigen-Freiwilligen-Examen (Obersekundareife). Auf dem Abgangszeugnis des zweimaligen Sitzenbleibers vermerkte ein Lehrer, der Absolvent sei "ein Schulrüpel ersten Ranges" gewesen.

Ringelnatz hatte sich in den Kopf gesetzt, Seemann zu werden. Von April bis September 1901 arbeitete er als Schiffsjunge auf dem Segelschiff Elli. Seine Erfahrungen waren ernüchternd: Der sächselnde, kleingewachsene Ringelnatz wurde Zielscheibe von Beleidigungen (der Kapitän nannte ihn "Nasenkönig"), Schikanen und körperlicher Gewalt. In Belize riss er aus, verirrte sich im Urwald und wurde endlich ergriffen, um auf der Rückfahrt noch mehr durchzumachen. Zurück in Hamburg war er arbeitslos und litt Hunger. Ende des Jahres war er Aushilfe in Malfarteiners Schlangenbude auf dem Hamburger Dom (er half, die Riesenschlangen zu tragen).

Dies war nur einer der über 30 Nebenberufe, die Ringelnatz während seiner Seemannszeit ausübte. Heuern als Leichtmatrose auf allen Weltmeeren wechselten immer wieder mit Phasen der Arbeitslosigkeit ab, so zum Beispiel in Hull, wo er obdachlos von Essensspenden lebte. In einem Seemannsheim half er schließlich als "Mädchen für alles" aus, lebte in den Tag hinein und freute sich an Trinkgelagen mit seinen neuen Freunden. Nach einer Weile wurde er jedoch des Feierns überdrüssig und heuerte wieder auf Schiffen an, bis ihm 1903 die weitere Ausübung des Matrosenberufs wegen mangelnder Sehschärfe untersagt wurde. Dennoch absolvierte er noch die Qualifikationsfahrt für den Militärdienst bei der Marine und diente 1904 als Einjährig-Freiwilliger bei der Kaiserlichen Marine in Kiel.

Anfang 1905 trat er als unbezahlter Lehrling in eine Hamburger Dachpappenfirma ein, ließ sich aber zugleich an der Universität von Leipzig für das Fach Handelswissenschaften immatrikulieren. Zu seiner großen Enttäuschung bewirkte der Vater, der das Studium nicht finanzieren konnte oder wollte, beim Rektor, einem Freund, dass Ringelnatz´ Einschreibung rückgängig gemacht wurde. Andererseits verhalf der Vater seinem Sohn erneut zu einer Veröffentlichung in Auerbach's Deutschem Kinderkalender (das Gedicht Untergang der Jeanette).

1907-1908 arbeitete Ringelnatz als Kommis in Leipzig und Frankfurt am Main, doch war er noch nicht bereit zu einem geregelten Alltag. Geschminkt spielte er, der zeitlebens zu kindlichen Streichen neigte, der Bevölkerung von Eltville vor, der Kalif von Bagdad sei zu Besuch. Kurze Zeit später brach er von einem Tag auf den anderen nach Hull auf, um seine alten Kumpane wiederzusehen. Das Geld für die Reise verdiente er sich als fahrender Sänger und Gelegenheitsarbeiter. Die Ankunft war eine große Enttäuschung: Die völlig heruntergekommenen Freunde erkannten ihn nicht mehr. Auf seiner nächsten Station Amsterdam forderten die Anstrengungen der Reise ihren Tribut: Vor Hunger entkräftet vegetierte Ringelnatz in einer Bodenkammer mit einer Kiste als Bett. Der deutsche Pfarrer von Amsterdam hielt Ringelnatz für einen Betrüger und ließ ihn ins Gefängnis stecken. Nach einigen Wochen wurde der Abenteurer nach Deutschland abgeschoben.

Er trat nun eine Stelle als Buchhalter in einem Münchner Reisebüro an, doch verlor er die Stelle direkt, als sein Chef merkte, dass Ringelnatz mitnichten fünf fremde Sprachen beherrschte. In der anspruchslosen satirischen Wochenschrift Grobian veröffentlichte Ringelnatz Gedichte, Witze, Anekdoten und das Märchen Der ehrliche Seemann. In dieser Zeit malte er auch die ersten bekannten Ölbilder (Kriegsschiff und Dachpanorama).

Ein entscheidendes Ereignis im Leben Joachim Ringelnatz´ war 1909 der Beginn seiner Auftritte in der Münchner Künstlerkneipe Simplicissimus. Rasch wurde der Unbekannte zum Hausdichter und damit quasi Angestellten der geschäftstüchtigen Wirtin Kathi Kobus und Freund und Kollege der dort auftretenden bzw. verkehrenden Künstler wie Carl Georg von Maassen, Erich Mühsam, Frank Wedekind, Max Dauthendey, Ludwig Thoma, Emmy Hennings, Roda Roda, Bruno Frank und Max Reinhardt. Die Auftritte waren jedoch sehr schlecht bezahlt. Ringelnatz hoffte mit Reklameversen und dem Tabakladen Tabakhaus Zum Hausdichter Geld verdienen zu können, doch das originelle Geschäft (geschmückt mit einem menschlichen Gerippe) machte nach einigen Monaten Pleite.

Unter verschiedenen Pseudonymen veröffentlichte Ringelnatz in der angesehenen satirischen Zeitschrift Simplicissimus Gedichte und den autobiographischen Essay Viellieber Freund. 1910 dann veröffentlichte er endlich seine ersten Bücher: zwei Kinderbücher und einen Band ernster Gedichte, den er seinem Vater widmete. In der Zeitschrift Die Jugend wurde seine Novelle Die wilde Miss von Ohio abgedruckt.

In der neuen Umgebung und durch die neuen Bekannten wurde sich Ringelnatz seiner mangelnden Bildung bewusst. So wurde er zwar in den burlesken Geheimbund Hermetische Gesellschaft aufgenommen, doch nur als "kleinerer mittlerer Seitenvater Appendix", weil er die akademisch anspruchsvolle Aufnahmeprüfung nur ungenügend bestanden hatte. Er ließ sich daher privat von Baron Thilo von Seebach in Latein, Geschichte, Literaturgeschichte und anderen Fächern unterrichten, um den Abstand wettzumachen, und studierte Werke der Weltliteratur.

Ringelnatz´ Begeisterung für das Bohème-Leben war schnell aufgebraucht, zumal er sich von Kathi Kobus ausgenutzt fühlte (sein Honorar betrug zuerst nur ein Bier, dann schließlich ein Bier und zwei Mark). 1911 floh er und reiste nach Tirol und Riga und verbrachte den Sommer in Kurland. Schnell war er wieder mittellos und verdiente sich etwas in Bordellen, wo er als Wahrsagerin verkleidet den Prostituierten die Zukunft vorhersagte. Auf einer Ausstellung Düna verkaufte er zwei Landschaftsbilder, doch blieb seine materielle Lage katastrophal: Den Winter verbrachte er unter härtesten Bedingungen (13 Grad unter Null) in einem Strandhaus bei Riga. Im selben Jahr erschien der erste Band seiner autobiographischen Bücher (Was ein Schiffsjungen-Tagebuch erzählt).

1912 arbeitete Ringelnatz als Privatbibliothekar bei Graf Paul Yorck von Wartenburg auf dem Schloss Klein-Öls, wo er vor allem den Nachlass Wilhelm Diltheys ordnete. Im folgenden Jahr arbeitete er erneut als Bibliothekar, diesmal beim Kammerherrn Börries Freiherr von Münchhausen-Moringen, dann war er Fremdenführer auf Burg Lauenstein und absolvierte schließlich einen Kurs als Schaufensterdekorateur (er dekorierte ein einziges Schaufenster und das so unorthodox, dass er den Beruf sogleich wieder aufgab). Es war diese in den nicht zueinander passenden Berufen dokumentierte Ziellosigkeit, die die Eltern von Alma Baumgarten (die er wegen ihrer Kurzsichtigkeit und ihres schwarzen Samtmantels Maulwurf nannte), motivierte, ihre Zustimmung zu seiner Verlobung mit ihrer Tochter zu verweigern.

Seine Gedichtsammlung Die Schnupftabaksdose erschien, die einige seiner bis heute bekanntesten Verse enthält, und der Novellenband Ein jeder lebt's. Doch Ringelnatz hatte kaum nennenswerte Einnahmen durch seine Schriftstellerei. 1910 bekam er für Kleine Wesen ein einmaliges Honorar von 200 Mark, für die Schnupftabaksdose kaum mehr. 1913 und 1914 wurden zudem alle seine Einsendungen an Zeitungen und Zeitschriften abgelehnt.

Direkt zu Kriegsbeginn meldete sich Ringelnatz freiwillig zur Kriegsmarine. Wie die Mehrheit der deutschen Intellektuellen (etwa Arno Holz, Gerhart Hauptmann, Thomas Mann und Klabund) war er kriegsbegeistert: "Ich dachte an Kriegsromantik und Heldentod, und meine Brust war bis an den Rand mit Begeisterung und Abenteuerlust gefüllt." Zu seiner Enttäuschung durfte er nicht an Schlachten teilnehmen, obwohl er sich mehrfach freiwillig, einmal sogar in einem Brief direkt an Kaiser Wilhelm II., an die Front meldete. Zunächst diente er auf Sperrschiffen, dann freiwillig bei der undankbaren und gefährlichen Arbeit einer Division, die Minen in Gewässern aussetzte, die für große Schiffe nicht zugänglich waren. Nur unter großen Anstrengungen schaffte er den Aufstieg zum Offiziersrang, da der Chef der Lehrkompanie den "Kröpel" (niederdeutsch für Krüppel) nicht zur Beförderung zulassen wollte.

Allmählich ließ seine Begeisterung nach. Er schrieb in einem Brief: "Mir scheint der Krieg nur als eine komplizierte, mehr und mehr an Tragik zunehmende Abwickelung von Intrigen und Mächten aller Nationen." Ab 1917 war Ringelnatz Leutnant zur See und Kommandant eines Minensuchbootes in Seeheim bei Cuxhaven, wo er Muße hatte, sich einem Terrarium voller Schlangen und Eidechsen zu widmen. Seine Kriegsnovellensammlung Die Woge wurde, trotz allgemein kriegsbefürwortender Tendenz, von der Zensur verboten. Einige der Novellen publizierte Ringelnatz allerdings in diversen Zeitschriften.

1918 starb der geliebte Vater. (An ihn erinnert eine Gedenkplakette am Alten Rathaus in Leipzig, vor der Ringelnatz bei jedem Vorübergehen den Hut zog.) Der Sohn, damals Marineleutnant, war in Berlin auf Urlaub. Er fälschte seinen Urlaubsschein nach Leipzig und eilte nach Hause. Er war tief erschüttert: "Ich konnte mir damals nicht vorstellen, dass ich einmal seinen Tod überwinden würde." 1924 folgte Rosa Marie Bötticher ihrem Mann.

Ringelnatz sympathisierte kurzfristig mit der Novemberrevolution und wollte vor dem Arbeiter- und Soldatenrat sprechen, doch weigerte er sich, seine Offiziersmütze abzunehmen und verlangte für seine Mitarbeit eine sofortige Beförderung in eine Führungsposition. Die Revolutionäre verzichteten auf seine Mithilfe. Ringelnatz zog sich beleidigt zurück und beendete ein kriegsbegeistertes Drama (Der Flieger), das aber ungedruckt blieb und von keinem Theater angenommen wurde, da es nicht mehr in die allgemeine Zeitstimmung passte. Zwei weitere Stücke (Die Bolschewisten. Kein ernstes Stück und Fäkalie) erlitten dasselbe Schicksal. Ringelnatz erlebte ein entbehrungsreiches erstes Nachkriegsjahr voller Kälte und Hunger, zudem erblindete er durch die Spätfolgen einer Schlägerei auf einem Auge.

Im Dezember 1919 verfasste er die ersten Gedichte unter dem Pseudonym Joachim Ringelnatz. Er selber sagte, dieses Pseudonym habe keine Bedeutung, dennoch gibt es Theorien, dass der Nachname entweder auf die Ringelnatter verweist, "weil sie sich zu Wasser und zu Lande wohl fühlt", oder auf das von Seeleuten Ringelnass genannte Seepferdchen, das Ringelnatz oft zeichnete. Der Vorname Joachim wird mit Ringelnatz´ lebenslanger Gläubigkeit in Verbindung gebracht (der Name bedeutet "Gott möge retten").

1920 heiratete Ringelnatz die fünfzehn Jahre jüngere Lehrerin Leonharda Pieper, die er Muschelkalk nannte. (Dieser Kosename tauchte zum erstenmal in einem Briefgedicht auf, in dem Ringelnatz die Verlobte "muschelverkalkte Perle" nannte.) Seine Frau wurde ihm zur unentbehrlichen Assistentin bei all seinen Publikationen. Die beiden zogen als Schwarzmieter in eine Münchner Wohnung. Zehn Jahre wohnten sie dort bis zu ihrem Umzug nach Berlin im Februar 1930. Von ihrer beider Angst vor Ausweisung aus der Wohnung legt Ringelnatz´ Gedicht "Angstgebet in Wohnungsnot" (1923) Zeugnis ab. Das Paar war in ständiger Geldnot. Ringelnatz arbeitete schließlich aushilfsweise als Prüfer der Postüberwachungsstelle in München und trat wieder im Simplicissimus auf.

Ab Herbst 1920 hatte er erste erfolgreiche Auftritte im Berliner Kabarett Schall und Rauch. Damit begann sein Leben als reisender Vortragskünstler, das ihn mehrere Monate im Jahr auf Bühnen im gesamten deutschsprachigen Raum brachte. (In Hotels gab er als Berufsbezeichnung "Artist" an.) Ringelnatz, der stets im Matrosenanzug auftrat, wurde schnell bekannt und musste bald Aufträge ablehnen. 1925 reiste er für drei Wochen nach Paris, wo er die Bekannschaft von Jean Cocteau und Jules Pascin machte, dessen späterer Freitod ihn erschütterte. Ein Aufenthalt in London 1928 enttäuschte ihn.

Filmprojekte zerschlugen sich oder waren enttäuschend erfolglos. Es wurden jedoch 16 Schallplattenaufnahmen realisiert und ab 1927 hatte Ringelnatz Auftritte im Rundfunk. Es erschienen seine beiden erfolgreichsten Gedichtsammlungen: Kuttel Daddeldu oder das schlüpfrige Leid und Turngedichte. Ringelnatz veröffentlichte nun fast jedes Jahr Bücher, mit mehr oder weniger großem Erfolg. Die Notwendigkeit sparsam zu leben blieb jedoch. Ringelnatz und seine Frau konnten nie finanziell sorgenfrei leben. Das zum Überleben nötige ständige Reisen wurde für Ringelnatz, der lebenslang gesundheitlich gefährdet war, zunehmend strapaziös. Er entwickelte allerdings eine große Liebe für das Fliegen (er war jedoch kein Pilot, wie öfter geschrieben wird).

Er widmete sich intensiv der Malerei, vor allem der in Aquarell- und Deckfarben. 1923 hatte er seine erste erfolgreiche Auktion in der Galerie Flechtheim, geleitet von Carl Einstein. Weitere Ausstellungen im In- und Ausland folgten. 1925 wurden die Bilder des Autodidakten sogar auf der Ausstellung der Akademie der Künste ausgestellt, zwei Gemälde wurden verkauft.

Ringelnatz zog es aus München fort, er fühlte sich von der dortigen Presse schlecht behandelt und versprach sich von Berlin größere berufliche Möglichkeiten. Etabliert war er bereits in Berliner Kabarett- und Künstlerkreisen: Zu seinen Freunden und Bekannten zählten nun Renée Sintenis, Karl Hofer, Kurt Tucholsky, Claire Waldoff, Otto Dix und Alfred Flechtheim. 1929 mietete er eine Wohnung in Berlin, ab 1930 lebte Ringelnatz für immer dort. 1932 gastierte er zum letzten Mal im Simplicissimus. Im selben Jahr ging er als Schauspieler in seinem eigenen Stück Die Flasche mit einem Ensemble des Stadttheaters Nordhaus auf Gastspielreise durch Deutschland.

1933 erteilen die an die Macht gekommenen Nationalsozialisten Ringelnatz Auftrittsverbote in Hamburg und München. Der unpolitische Ringelnatz hatte den Aufstieg der NSDAP lange nicht ernst genommen (Noch 1930 schrieb er in einem Brief: "Der Hitler-Rummel lässt mich kalt."). Nun wurde er in Dresden sogar von der Bühne geholt. Die meisten seiner Bücher wurden beschlagnahmt und landeten auf den Scheiterhaufen der Bücherverbrennungen. Ringelnatz und seine Frau verarmten rasch, da die Bühnenauftritte die Haupteinnahmequelle des Paares gewesen waren. Letzte Gastspiele in der Schweiz konnte Ringelnatz noch absolvieren, nach großen Schwierigkeiten einen Pass zu erhalten. Erste Symptome der Tuberkulose, an der Ringelnatz sterben sollte, traten auf. Ein letztes glückliches Ereignis war die Feier zu seinem 50. Geburtstag, auf der seine langjährigen Freunde Asta Nielsen und Paul Wegener und sein Verleger ab 1927 Ernst Rowohlt Reden hielten.

1934 konnte Ringelnatz noch Gastspiele in Basel und Zürich absolvieren, dann brach die Krankheit endgültig aus. Freunde halfen dem nun fast völlig mittellosen Paar durch öffentliche Aufrufe und private Spendenaktionen die Sanatoriumsaufenthalte zu bezahlen. Ringelnatz begann noch ein Prosawerk (Der Letzte Roman), das nur noch als Fragment aus dem Nachlass erscheinen konnte. Er starb am 17. November in seiner Wohnung am Sachsenplatz (heute Brixplatz), beerdigt wurde er auf dem Berliner Waldfriedhof an der Heerstraße unter einer Grabplatte aus Muschelkalk. Neun Personen begleiteten den Sarg, man spielte sein Lieblingslied La Paloma.


Noch vor 1945 konnten, trotz Zensur, der Nachlass und einzelne, privat herausgegebene Sammlungen veröffentlicht werden. Seit 1945 ist Ringelnatz´ Ruhm, vor allem als Verfasser humoristischer Verse, stetig gewachsen. Zahlreiche Nachdrucke seiner Werke erschienen, Vertonungen wurden produziert, bekannte Schauspieler reisten und reisen mit Ringelnatz-Programmen durch den deutschsprachigen Raum (u.a. Otto Sander).

1948 eröffnete das Städtische Museum Wurzen eine ständige Ringelnatz-Sammlung. Zum 100. Geburtstag wurde das restaurierte Geburtshaus des Dichters in Ringelnatzhaus umbenannt. Von 1986 bis 1991 wurde von der Stadt Cuxhaven in zweijährigem Turnus der mit 10.000 DM dotierte Joachim-Ringelnatz-Preis für Lyrik vergeben. Ab 2000 wurde der Preis neubelebt. Im selben Jahr gründete sich die Joachim-Ringelnatz-Stiftung, die Verwaltung und Betreuung des Nachlasses übernahm.

1953 wurde der Katalog zur Wanderausstellung Ringelnatz als Maler der Galerie Springer Berlin veröffentlicht. 1961 erschien die erste Monographie über Ringelnatz als bildenden Künstler (Verfasser: Werner Schumann). 1959 veröffentlichten Werner Kayser und Hans Peter de Courdres die erste Ringelnatz-Bibliographie.

Verwendete Quelle: Artikel Joachim Ringelnatz in: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie.
URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_Ringelnatz

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