ngiyaw-eBooks Home

Verfügbare Texte


Josef Schiller (Schiller Seff) (29. Juni 1846, Reichenberg (Liberec) – 16. August 1897, Germania/Pennsylvania (USA))

1846     geboren am 29. Juni im nordböhmischen Reichenberg (Liberec) als ein Sohn armer Weber.

1855     nach dem frühen Tod des Vaters war der Neunjährige gezwungen in einer Tabakfabrik zu arbeiten.

1864     nach dem Tod der Mutter wurden die Kinder getrennt und Schiller musste in die Fremde gehen.

1868/69     wurde er Anhänger der ersten sozialdemokratischen Organisationen in Böhmen und trug eigene Gedichte (u.a. das bekannteste »Das Sklavenjoch«) in Arbeiterkreisen vor. Engagement als politischer Agitator, Organisator und Journalist.

1869     Heirat. Sich und seine bald vielköpfige Familie vermochte er nie aus materieller Not herauszuhalten.

1870     Blutige Zusammenstösse bei Streik und Demonstrationen in Reichenberg (Schilderung in »Maschinen-Rösi«)

1873     auf die »Schwarze Liste« gesetzt, gezwungen nach Aussig (Ústi nad Labem) umzusiedeln, Arbeit dort in der Chemischen Fabrik. Herausgeber der Zeitschrift »Brennessel«. Nach einem Bericht darin über einen Arbeitsunfall, erfolgte seine Entlassung. Arbeit im Bergbau in Modlau, wiederum Entlassung, Versuch sich zu ernähren durch Ladenhandel und Hausieren.

1874     Teilnahme am Gründungskongress der »Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (Österreichs)« in Baden bei Wien. Wegen behördlichem Verbot wurde der Kongress ins nahe Neudörfl, im damals ungarischen Burgenland, verlegt. Schiller fungierte als Vizevorsitzender. Anschließend erhielt der Arbeitslose die Gelegenheit einige Monate als Anstreicher in Mürzzuschlag (Steiermark) zu arbeiten.

1875     Rückkehr nach Reichenberg. Zwischenzeitlich 1876 Arbeit im Arsenal in Dresden.

1877     Entgültige Rückkehr nach Reichenberg. Ende der 70er Jahre wurde Reichenberg der Sitz der wichtigsten zentralen Institutionen der österreichischen Sozialdemokratie, deren Presseorgane (»Sozialpolitische Rundschau«, »Der Volksfreund«, »Der Freigeist«, u.a.) und Tagungsort der legalen und illegalen Parteitage. Schiller bereist von hier nahezu alle deutschsprachigen böhmischen Gebiete als Redner. Er wird zum populärsten Arbeiterdichter, gerät aber zunehmend in Widerspruch zur Parteibürokratie.

1879/80     Herausgeber der »Sozialpolitischen Rundschau« und Mitglied der Zentralleitung der österreichischen Sozialdemokratie. Querelen mit der Parteiführung und Herausgabe des ersten Gedichtbandes.

1879     verschärfte Sozialistenverfolgung in Österreich, Vereinsauflösungen, Zeitungsverbote, zahlreiche Haftstrafen.

1882     Redakteur des »Arbeiterfreund«. 10monatige Haftstrafe im Prager Landgericht wegen Pressevergehen. Insgesamt wurde Schiller in den 80er Jahren zwölf Mal verhaftet und musste insgesamt drei Jahre Haftstrafe verbüßen. (Schilderung der Haftzeit in »Bilder aus der Gefängnishaft«).

Spaltung der Sozialdemokratie in »Gemäßigte« und »Radikale« im ganzen Gebiet der Donaumonarchie. Schiller wird mit Anton Behr und Franz König Herausgeber des »Radikalen«. Nach der Verhaftung aller Redakteure erscheint der »Radikale« trotzdem noch fast ein Jahr.

1884     Haft wegen des allegorischen Gedichts »Kampf der Wahrheit mit der Lüge«.

1885     Herausgabe mehrerer Gedichtbände.

1888     Wiedervereinigung der sozialdemokratischen Fraktionen durch Initiative des neuen Parteiführers Viktor Adler. Gründung der »Sozialdemokratischen Partei Österreichs« auf dem Parteitag in Hainfeld. Schon 1887 hatte sich die »Tschechoslowakische Sozialdemokratische Partei« und Ende der 80er Jahre die Partei in Ungarn wieder vereinigt.

1890     Gründung des »Freigeist«, herausgegeben u.a. von Schiller, das über zwanzig Jahre lang das Arbeiterblatt Nordböhmens werden sollte.

1891     Delegierter beim sozialdemokratischen Kongress in Wien und dem ersten österreichischen Textilarbeiterkongress in Brünn (Brno).

1892     nach Differenzen mit der Parteiführung Ausscheiden aus dem »Freigeist«

1894     Bruch mit der örtlichen Parteiorganisation. Wiederum 2monatige Haft.

1896     nach einem offenen Konflikt mit der Parteiführung, blieb dem mittellosen Schiller nur noch die Möglichkeit der Auswanderung nach Amerika.

1897     Am 16. August Tod in Germania/Pennsylvania (USA).


Bibliographie

Verwendete Quelle: Artikel Josef Schiller. Bei: Heiner Jestrabek
URL: Heiner Jestrabeks Homepage
Wir bedanken uns herzlich für die Genehmigung, die Biographie und Bibliographie übernehmen zu dürfen.
Wir bedanken uns auch für die zur Verfügung gestellten Texte von Josef Schiller.

ngiyaw-eBooks Home