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Hans Watzlik (16. Dezember 1879, Unterhaid – 24. November 1948, Tremmelhausen)

Prosa

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Aus: Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens, Herausgeber Georg von Holzbrinck, Band März "Künstler und Frauen", Deutsche Verlags-Expedition, Stuttgart, 1938


Hans Watzlik (16. Dezember 1879, Unterhaid – 24. November 1948, Tremmelhausen)

Hans Watzlik war ein deutsch-böhmischer Schriftsteller.

Watzliks Vater war Postbeamter und wurde an verschiedenen Dienstorten in den Grenzgebieten von Tschechien nach Deutschland eingesetzt und lebte dort mit seiner Familie. Watzlik ließ sich in Budweis zum Lehrer ausbilden und studierte anschließend in Prag. Ab 1899 war er als Lehrer in Andreasberg im Böhmerwald eingesetzt. Das kleine Dorf existiert heute nicht mehr – es musste für einen Truppenübungsplatz geräumt werden. Später wurde Watzlik nach Neuern versetzt, wo er dauerhaft sesshaft wurde.

Als der Erste Weltkrieg doch länger als erwartet andauerte und sich eine tschechische Staatsgründung abzeichnete, verfasste Watzlik – in Sorge um seine Existenz als Teil der gar nicht so kleinen sudetendeutschen Minderheit in der Tschechoslowakei – den Roman "O Böhmen!" (1917). Der Roman thematisiert die sudetendeutsche Frage und wurde in Österreich nur zensiert verlegt, brachte Watzlik im Angesichts des neu erwachten tschechischen Selbstbewusstseins die Rolle als "Staatsfeind" und somit eine kurze Haft ein. 1923 wurde in Tschechien der Roman verboten. Allerdings wurden allein zwischen 1938 und 1944 30.000 Exemplare des umstrittenen Romans verkauft bzw. an Wehrmachtssoldaten abgegeben.

Dem noch jungen Medium Film stand er ablehnend gegenüber und so verweigerte er seit den 1920er Jahren konsequent eine Zusammenarbeit mit Produzenten und Regisseuren der Filmbranche.

Er erhielt für seine böhmisch-bayerische Heimatliteratur und Dank seiner opportunistischen und regimekonformen Haltung und guten Vernetzung mit den NS-Institutionen viele z. T. hochdotierte Preise, so z. B. den tschechoslowakischen Staatspreis (1931) oder die Goethe-Medaille (1939). Watzlik trat relativ spät in die NSDAP ein (1939 beantragt, rückwirkend auf 1938 ausgestellt), lieferte das eingeforderte "Führergedicht" ab, begrüßte voller Enthusiasmus den Anschluss Österreichs und wartete ungeduldig auf die Eingliederung Böhmens an das Deutsche Reich. In der NS-Zeitung "Völkischer Beobachter" sind in über 160 Ausgaben Texte von Watzlik zu finden, die letzten sogar noch im April 1945. 1940 war er einer der offiziellen Repräsentanten des Regimes, als er zur Dichterreise durch die eroberten Gebiete der Westfront vom Oberkommando der Wehrmacht eingeladen worden war. Obwohl Watzliks Werke die NS-Ideologie ganz offensichtlich förderten, schrieb er an fast keiner Stelle antisemitisch, aber seiner antitschechischen Haltung ließ er häufig freien Lauf. 1938 warb der Staackmann-Verlag, der auch den nicht unumstrittenen Karl Hans Strobl verlegte, für Watzliks Werke mit dem Zitat "(. . .) aber die Grundkraft seiner Romane, Erzählungen und Sagen ist der harte, schwere und oft erbitterte Kampf: der Kampf mit der Wildnis des Landes oder der eigenen Seele oder mit dem Nachbarvolke."

Watzliks Rolle während der NS-Herrschaft ist tendenziell nationalistisch, und leider nur zu selten auch ambivalent, wenn er z. B. in seinen Tagebüchern gegen hohe Parteifunktionäre frotzelt oder seine Prominenz nutzt, um einem Lehrerkollegen aus der Haft im KZ Flossenbürg zu verhelfen, was ihm in seinem Nachkriegsprozess in Klattau letztlich hilft. Seine eigenen Darstellungen, dass er mit der Parteipolitik nichts zu tun hatte und seine Ausführung, dass er selbst durch die Partei angegriffen worden wäre und so unter Zwang zur Kooperation gezwungen gewesen sei, waren nicht glaubwürdig und er wurde zur Mindeststrafe von fünf Jahren Haft verurteilt. Allerdings wurden mildernde Umstände geltend gemacht, so dass der Schuldspruch zu einem Jahr Zwangsarbeit geändert und die Strafe rückwirkend mit der Untersuchungshaft verrechnet wurde.

Er musste nach dem Prozess somit zwar nicht erneut ins Gefängnis, aber zusammen mit seiner Frau Lina das Land verlassen. Durch die zeitweisen Verkaufsverbote seiner Werke (u. a. in Österreich), war der einstmals wohlhabende Autor nach der Ausweisung weitestgehend mittellos. 1959 ignorierte sein Biograph Viktor Karell in "Hans Watzlik – Leben und Werk" konsequent den Zeitabschnitt von 1933 bis 1945.

In der Umgebung von Regensburg fand Watzlik für den kurzen Rest seines Lebens eine neue Heimat. In Tremmelhausen gibt es neben einem Gedenkstein auch das Totenbrett zu sehen, welches in die Fassade einer Kapelle eingelassen ist und auf welchem der Leichnam Watzliks aufgebahrt lag.

Rund 50 Jahre nach Watzliks Tod brach in Bayern eine lebhafte Diskussion über den Autor aus, da allein in diesem Bundesland über 40 Straßen nach ihm benannt waren. Für die einen ein Affront gegenüber Kriegsopfern, für die Sudetendeutschen dagegen ein Teil ihrer Identität nach der Vertreibung.

Das Wohnhaus in Tremmelhausen, in welchem Watzlik zuletzt lebte, wurde dem Verfall preisgegeben und ein Großteil der Straßen wurde zwischenzeitlich umbenannt.

Für eine differenzierte Auseinandersetzung mit diesem schwierigen Thema empfiehlt sich das Buch "Hans Watzlik – ein Nazidichter?" (2006), herausgegeben von W. Koschmal und V. Maidl.

Quelle: Lars Dangel


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