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Hans Ehrenbaum-Degele – Kreuzfahrt

Gedichte

Verse von Hans Ehrenbaum-Degele, Kreuzfahrt - einem kleinen Tischlermädchen, Kugel-Verlag, Hamburg, o. J.




einem kleinen Tischlermädchen

Der Dichter

Der Dichter

Es neigte sich die Schar der jungen Knechte
dem wirren Haar und dem zerschlißnen Rock.
Die Straße weiter taperte die Rechte,
die Linke hielt sich krampfig fest am Stock.

Scham schlug ihm rot empor: er war betrunken
und rang mit seinem weg; und jäh erblaßt
war er im Rinnstein stolpernd hingesunken
und raffte sich empor in wirrer Hast.

Da kam's, daß er den Blick nach innen schlug,
wo er, buntwechselnd wie Geleucht der Meere,
wuchernder Blumen Fülle in sich trug.
Und atemraubend gab der süße, schwere

Duft seinem Sinn, der wie ein großer Falter
in ihre tiefen Rätselkelche sank,
seltsamen Traum und schuf ihn zum Gestalter,
der Lust und Qual in seine Lieder zwang.

So ging er, in sein Fühlen tief versunken,
betäubt von Fiebern, Künder schwüler Nächte.
Man wich ihm schonend aus: er war betrunken.
neigte sich die Schar der jungen Knechte.



Kreuzfahrt

Kreuzfahrt.

Wenn sich in der Frühe rings die Welt entfaltet,
klopfen meine Pulse stark und frisch und jung,
und mit frohen Augen trink ich tausendgestaltet
all die bunten Wunder meiner Wanderung.

Mein verwildertes Haar liebt der Morgenwind;
Strahlensonne segnet mein erblühtes Geschick.
Wie die weißen Wolken, die voll Schimmers sind,
hab' ich aller Himmel Glück und Geleucht im Blick.

Aber wenn mich Träume alter Zeit verwirren,
werden alle Wege fremd und feind und kahl.
Suchend nach der Heimat muß ich mich verirren
und bin ein Weinen aus dem Gebirg ins Tal.



Kreuzfahrt

Das Abendlied versummte leis
und hat sich ganz in Schlaf gebracht.
Nun bau'n sich kühl und silberweiß
die hohen Brücken in die Nacht.

Wer sie betritt, geht blaß und still
weit fort von Heimat, Weib und Herd,
und sinnt den Sternen nach und will
nichts sein, als was die Nacht begehrt.



Kreuzfahrt

Mit eingelegten Lanzen ritten wir
eins hinterm andern unsre Straße hin.
Die Sonne sah uns stechend ins Gesicht,
und uns zur Seite sprang ein Wasser fort.

Auf hohem Paß, von einem Kreuz gekrönt,
hielt unser Zug die müden Tiere an,
und flüsternd nur bewegte sich die Rede,
da wir zum erstenmal die Fremde sahn.

Von starren Schroffen wand sich blank das Eis
in blauem Strom herab. Es knirschte Schnee.
Die Pferde zerrten an verdorrten Büschen
und bliesen wiehernd ihre Nüstern auf.

Wir sahn hinab: perlgrauer Nebel lag
schwer über dem Lombardenland. Man sah
nichts von der blauen Pracht der Seen. Es war
weit wie das Meer und unbestimmt verschwommen.

Du aber zogst dein blankes Schwert und schwangst
es dreimal auf, der heißen Tiefe zu,
daß es wie eine rote Schlange zischte,
von Mittagssonne feurig angeglüht.

Und weiter ging es, eine Soldanelle
am Eisenhute. Dein Pferd schritt voran,
den unbekannten Kämpfen zu.



Kreuzfahrt

Wie ein Wald, der sich ins Dämmern webt,
war ich zwischen Tag und Traum gefangen
und von Silbernebel matt belebt.
Immer aber trieb mich ein Verlangen
und ein Durst nach Licht und Kostbarkeit.
Auf der Straße Sehnsucht bin ich weit
von Gespiel und Heimat fortgegangen.

Bannte mich ein Wunder in die Welt:
Sonne küßte alle meine Stunden,
Rosen wurden alle meine Wunden
und dem Flüsterspiel des Winds gesellt.
Will sich Abend auf die Weite senken,
wird mein Herz ein süßes Blütenfeld,
allen Sternen Träumerei zu schenken.



Kreuzfahrt

Des Meeres blaue Blüte
ist tief vom Glanz gewiegt,
indeß der stillbemühte Wind
seine leise Güte
in lichten Lorbeer schmiegt.

In grüne Schatten
weben sich goldne Strahlen ein.
Nun wird das irre Leben
ein sich der Sonne Geben
und mit den Wolken wunschlos sein.



Kreuzfahrt

Du bist mein Lied. Ich wehe,
Flüsterwind im Wald.
Wohin ich immer gehe,
ich fühle deine Nähe
und bin ein Stammeln, durch die Welt gelallt.

Ich kann es nicht aussagen,
wie du bist.
Mein rosenrotes Zagen
wird selig hingetragen
zu einem Meer, in dessen Schoß,
gebenedeit und grenzenlos,
mein Leben sich vergißt.



Kreuzfahrt

Eine schmeichelweiche Linie
ist meine ganze Erinnerung.
Die hohe Pinie
stand traumhaft sich breitend. Die Beugung
der Bucht war weiß, voller Glanz
verschwimmenden Silbers. Wie roter wein
perlte dein Träumen. Versunken
wollte der Mittag sein.
Wir luden die Wolken ein,
von Blüten trunken.


Kreuzfahrt

Seit mich deine Arme auserkoren,
muß ich immer eine Sehnsucht haben;
tief in deinem süßen Schoß begraben
möcht' ich ruhen oder ungeboren,
daß ich jeden roten Herzschlag spürte,
daß mich tränkend jede Ader flösse,
daß ich ewig deinen Leib berührte,
der mich ewig wie ein Reich umschlösse.



Kreuzfahrt

Wenn die Buchen brennen,
keinen will im müden Wald
noch das Glück erkennen.
Wer es in Reigen und Runden
nicht unter Rosen gefunden,
den kennt die Pein,
der muß nun bald
ohne Liebe und einsam sein.



Kreuzfahrt

Um meine rote Lanze hängt
ein Kranz von Siegen welk und matt.
Ich hab mein Lachen fortgeschenkt
und geh als Pilger aus der Stadt:

Du Süßer, Benedeiter!
Starbst für mich und littest Pein.
Ich bin ein harter Reiter.
Laß mich des Tods genesen sein.