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Gerrit Engelke – Rhythmus des neuen Europa

Gedichte

Eugen Diederichs Verlag, Jena, 1921


Schöpfung


Nicht Raum, nicht Zeit, nur Nacht und Nacht. 

Nur Nacht, von Nacht noch überdacht. 

Ein trächtig Sausen wogend schwoll –


Da! plötzlichgroß ein donnernd »Ich«! erscholl – 

Da: Er! – Er saß in Nacht, 

Und Er – Er war die Nacht. 

Der Anfang war erwacht. 

Er saß im Anfangsnacht-Getreibe 

Mit schwangerem Hirn und Leibe, 

Um Seinen Körper rauchte Schweiß. 

Ein helles Strahlen ging aus Seinem Kopf – 

Und wurde dicht und hell: zum Silber-Mond-Kreis, 

Aus Seinen Augen fiel ein Lichtgetropf: 

Und irrte wirr im Dunkel: 

Sterngefunkel.


Da scholl es wieder fürchterlich: 

Das All-Gebär-Gebrüll: »Ich«! 

Da riß Er auf mit Händekrallen Seine Stirn: 

Und offen lag in Dampf: das rote Feuer-Hirn! 

Er riß ein Stück heraus: 

Er ballte eine Kugel draus 

Und hielt das Glühen in die Nacht, 

Er hing es in den Braus: 

Die Sonne war erwacht!


Ein Glühgezisch, das Funken sprühte, 

Das heiß die schwere Nacht durchglühte, 

Daß Mond und jeder Stern verblühte 

Und alles Dunkel schwand.


Hochoben hing der Sonne-Brand. 


Da riß Er mit den Händekrallen 

Aus Seinem Leib das Alles-Herz! 

Schrie »Ich«! und »Ich«! in Dampf und Schmerz – 

Und ließ es in die Tiefe fallen –


Er ließ es in die Tiefe fallen 

Und setzte Seinen Fuß darauf. 

Und setzte Seinen Fuß auf diese Welt 

Auf Seine, Seine Welt, 

Von Sonne überhellt.


Zum Letzten rief er wieder »Ich«: 

Gedehnt und väterlich beschließend, 

Als erster Wohlklang aus Ihm fließend, 

Und ließ ein Teilchen Zeugungs-Hirn aus Seiner Hand 

Tief abwärts fallen auf das neue, runde Land:


Und da! und da: der Same quoll; 

Ein Wesen, neues Wesen schwoll: 

Und stieg – und stand auf dem Geroll: – 

Der Mensch! der Mensch! der Mensch!


Der sah den All-Gebärer nicht! 

Er sah das Licht, nur Licht und Licht! 

Er hob ergriffen seine Hände hoch, 

Ein schäumend Stammeln seinem Mund entflog, 

Das große Leuchten bog 

Seine Knie –


Da brach aus seinem Munde jäh ein Sang: 

Voll Rausch, voll niegehörtem Urwelt-Klang: 

Vom wilden Leben hochgeschwellt: 

Hinauf! Hinauf! 

Zum ersten Tag! Zum Ewig-Tag! 

Zum Tag der Welt.



Der rasende Psalm


Gott! Zeus! – Christ! Pan! 

Gott! Baal! – Zeus! Pan! 

Inder-Somar! Wolken-Donar! 

Großer Lama! Schöpfer-Brahma! 

Aller Götterhirne Schädelhaus! 

Alles Götteratems Luftgebraus!


All-Hirn! Kraft-Stirn! 

Zorn-Arm! Welt-Darm! 

Lebenslunge! Kosmoszunge!


Alles Sommerblühens Baum, 

Alles Narren-Denkens Schwinge, 

Aller Tatenfäuste Daum, 

Fleisch und Seele aller Dinge: 

Anfangsall-Gebärer: 

Ewig-Forternährer:


Wirf herab die Böllerpauke! 

Wirf herab die Weltenpauke!


Aller Städtemenschen Herdenstrom 

Will ich schlagen laut und barsch, 

In Fabrik- wie Kirch- und Wolkendom, 

Generalgewaltenmarsch!


Alle Laster, Leidenschaften, 

Alles Werdens Mutterschaften, 

Dirnenliebe, vielgeschmähte, 

Alle Telegraphendrähte, 

Alles Krankenhaus-Gestöhn, 

Aller Hammer Schlag-Gedröhn, 

Alle krummen Straßenstränge, 

Allen Wirtshaus-Lärm, 

Militärkapellen-Klänge, 

Alles Mensch-Gedärm 

Will ich auf die Pauke spannen, 

Daraus Groß-Gesänge bannen! 

Trotzig meine Pauke tragen: 

Und mit harten Knöcheln schlagen! 

Daß sie jedes Ding mit Ehrfurcht nennen, 

Deinen Körper überall erkennen!


Deines Gipfel-Kopfes 

Wolkenschaum-Gelock, 

Deines Mundes-Topfes 

Städtequalm-Geflock, 

Deiner Brüste-Pamir-Platte, 

Deines Bauches Straßen-Därme, 

Deines Leibes Krater-Wärme, 

Deiner Füße Länder-Matte, 

Deiner großen Zornes-Pforte 

Schwarz-Gewitterwolken-Graus, 

Deiner tiefen Kosmos-Worte 

Neunte-Symphonie-Gebraus. 

Eifersvoll beschlag ich gell 

Deiner Pauke Paukenfell: 

Daß man hört durch mich! 

Alles-Gottheit Dich!



Mensch zu Mensch

Menschen, Menschen alle, streckt die Hände 

Über Meere, Wälder in die Welt zur Einigkeit! 

Daß sich Herz zu Herzen sende: 

Neue Zeit!


Starke Rührung soll aus Euren Aufenthalten 

Flutgleich wellen um den Erdeball, 

Mensch-zu-Menschen-Liebe glühe, froh verhalten, 

Ueberall!


Was gilt Westen, Süden, Nähe, Weitsein, 

Wenn Euch Eine weltentkreiste Seele millionenfältigt! 

Euer Mutter-Erde-Blut strömend Ich- und Zeitsein 

Ueberwältigt!


Menschen! Alle Ihr aus einem Grunde, 

Alle, Alle aus dem Ewig-Erde-Schoß, 

Reißt euch fort aus Geldkampf, Krieg, der Steinstadt-Runde: 

Werdet wieder kindergroß!


Menschen! Alle! drängt zur Herzbereitschaft! 

Drängt zur Krönung Euer und der Erde! 

Einiggroße Menschheitsfreunde, Welt- und Gottgemeinschaft 

Werde!



Stadt

Zehntausend starre Blöcke sind im Tal errichtet, 

Aus: Stein auf Stein um Holz- und Eisenroste hochgeschichtet; 

Und Block an Block zu einem Berg gedrückt, 

Von Dampfrohr, Turm und Bahn noch überbrückt, 

Von Draht, der Netz an Netze spinnt. 

Der Berg, von vielen Furchen tief durchwühlt: 

Das ist das große Labyrinth, 

Dadurch das Schicksal Mensch um Menschen spült.


Fünfhunderttausend rollt im Kreis das große Leben 

Durch alle Rinnen fort und fort in ungeheurem Streben: 

In Kaufhaus, Werkstatt, Saal und Bahnhofshalle, 

In Schule, Park, am Promenadenwalle, 

Im Fahrstuhlschacht, im Bau am Kran, 

Treppauf und ab, durch Straßen über Plätze, 

Auf Wagen, Rad und Straßenbahn: 

Da schäumt des Menschenstrudels wirre Hetze.


Fünfhunderttausend Menschen rollt das große Leben 

Durch alle Rinnen fort und fort in ungeheurem Streben. 

Und karrt der Tod auch Hundert täglich fort, 

Es braust der Lärm wie sonst an jedem Ort. 

Schleppt er vom Hammer-Block den Schmied, 

Schleppt er vom Kurven-Gleis den Wagenleiter: 

Noch stärker brüllt das Straßenlied: 

Der Wagen fährt – der Hammer dröhnt weiter.



Auf der Straßenbahn

Wie der Wagen durch die Kurve biegt, 

Wie die blanke Schienenstrecke vor ihm liegt: 

Walzt er stärker, schneller.


Die Motore unterm Boden rattern, 

Von den Leitungsdrähten knattern 

Funken.


Scharf vorüber an Laternen, Frauenmoden, 

Bild an Bild, Ladenschild, Pferdetritt, Menschenschritt – 

Schlitternd walzt und wiegt der Wagenboden, 

Meine Sinne walzen, wiegen mit!: 

Voller Strom! Voller Strom!


Der ganze Wagen, mit den Menschen drinnen, 

Saust und summt und singt mit meinen Sinnen. 

Das Wagensingen sausebraust, es schwillt!

Plötzlich schrillt 

Die Klingel! –

Der Stromgesang ist aus – 

Ich steige aus –

Weiter walzt der Wagen.



Lokomotive

Da liegt das zwanzigmeterlange Tier, 

Die Dampfmaschine, 

Auf blankgeschliffener Schiene 

Voll heißer Wut und sprungbereiter Gier – 

Da lauert, liegt das langgestreckte Eisen-Biest – 

Sieh da: wie Öl- und Wasserschweiß 

Wie Lebensblut, gefährlich heiß 

Ihm aus den Radgestängen: den offnen Weichen fließt. 

Es liegt auf sechzehn roten Räder-Pranken, 

Wie fiebernd, langgeduckt zum Sprunge 

Und Fieberdampf stößt röchelnd aus den Flanken. 

Es kocht und kocht die Röhrenlunge – 

Den ganzen Rumpf die Feuerkraft durchzittert, 

Er ächzt und siedet, zischt und hackt 

Im hastigen Dampf- und Eisentakt, – 

Dein Menschenwort wie nichts im Qualm zerflittert. 

Das Schnauben wächst und wächst – 

Du stummer Mensch erschreckst – 

Du siehst die Wut aus allen Ritzen gären – 

Der Kesselröhren-Atemdampf 

Ist hochgewühlt auf sechzehn Atmosphären: 

Gewalt hat jetzt der heiße Krampf: 

Das Biest es brüllt, das Biest es brüllt, 

Der Führer ist in Dampf gehüllt – 

Der Regulatorhebel steigt nach links: 

Der Eisen-Stier harrt dieses Winks!: 

Nun bafft vom Rauchrohr Kraftgeschnauf: 

Nun springt es auf! nun springt es auf!

 

Doch: 


Ruhig gleiten und kreisen auf endloser Schiene 

Die treibenden Räder hinaus auf dem blänkernden Band, 

Gemessen und massig die kraftangefüllte Maschine, 

Der schleppende, stampfende Rumpf hinterher –


Dahinter – ein dunkler – verschwimmender Punkt – 

Darüber – zerflatternder – Qualm –



Die Fabrik

Düster, breit, kahl und eckig 

Liegt im armen Vorort die Fabrik. 

Zuckend schwillt, schrill und brutal 

Aus den Toren Maschinen-Musik.


Schlot und Rohr und Schlot und Schlot, 

Heißdurchkochtes Turmgestein, 

Speien dickes Qualmgewölk 

Über traurigstarre Häuser, Straßenkot.


Tausend Mann, Schicht um Schicht, 

Saugt die laute Arbeits-Hölle auf. 

Zwingt sie all in harte Pflicht 

Stunde um Stunde.


Bis der Pfiff heiser gellt: 

Aus offnem Tore strömen dann 

Mädchen, Frauen, Mann und Mann – 

Blasses Volk – müde – verquält –


Schläft der Ort –: glüh und grell 

Schreit aus hundert Fenstern Licht! 

Kraftgesumm, Rädersausen, Qualm durchbricht 

Roh und dumpf die Nacht –


Tag und Nacht: Lärm und Dampf, 

Immer Arbeit, immer Kampf: 

Unerbittlich schröpft das Moloch-Haus 

Stahl und Mensch um Menschen aus.



Wie bin ich heute selig

Ich pfeife schon den ganzen Morgen 

Und döse für mich hin. 

Die Sonne ist in Regenluft verborgen – 

Doch irgendwas erheitert meinen Sinn.


Die Menschen sehn heute anders aus, 

Das Zeitungsmädchen hüpft so niedlich, – 

Die lange Straße, Haus an Haus, 

So regengrau – und schläfert doch so friedlich.


Was gestern hier lärmte, roh und fuselkehlig, 

Das ist heute alles stumm. – 

Wie bin ich heute selig – 

Und weiß doch nicht warum –


Ihr lieben Leute, ich schalt euch: unausstehlich, 

Fluchte manchmal, schalt euch: schlecht und dumm, 

Vergebt mir heute, ich bin so selig 

Und weiß doch nicht warum.



Der Zwerg

Hang an Hang, und Hang an Feld und Felder, 

Strauch an Baum, und Wald an Wälder, 

Tal an Berg und Tal an Berg: 

Erden-Weite-Breite rundherüberall:


Und der Mensch, der Zwerg:


Tappt verschüchtert, 

Geht ernüchtert, 

Stolzt voll Dünkel hier und dort, 

Schürft sich Lehm und backt sich Ziegel, 


Häuft aus Mauern, Dächern seinen Ort. 

Schließt mit Schloß und Riegel 

Sorgevoll sein Haus, 

Klopft und bohrt darin herum – 

Dünkt sich klug und andre dumm – 

Geht kaum aus der Straße raus – –


Draußen reiht sich Feld an Feld: 

Draußen weitet sich die Welt: 

Ungeheure Runde!



Dreizehn Jahre alt

Wie du im Abendqualm 

So einfältig an mir vorübergehst, 

Tauchst du in meinen Gleichmutblick den deinen – 

Den deinen, 

Der in dem mageren Gesicht wie eine Frage, 

Wie feuchter grauer Schimmer schwimmt – 

O unbewußte Mädchenklage – 

Dein Auge fragt – dein Auge glimmt –


Du hast so sehnsuchtmagere Glieder, 

Du trägst noch zopfgeflochtene falbe Kinderhaare, 

Du hast so aufgeschossene Glieder, 

Du bist wohl dreizehn Jahre alt – schon dreizehn Jahre – 

Du trägst das blaugepunkte kurze Kleid 

Aus Waschkattun, 

Du gehst in lächerlichen Kinderschuhʼn – 

Du steckst noch ganz in Kindlichkeit, 

Doch dein Auge – dein Auge allein . . . .


Doch gehst du wie in trübem Bangen, 

Doch gehst du so befangen – 

Ich weiß, es weht der Frühjahrswind – 

Die Luft ist dunstigblau, blütenlind – 

Du möchtest gern dich selbst erlösen –


Geh weiter – weiter, kleines blasses Kind –



Katzen

Bleib noch länger goldnes Dämmern – 

Wie wird der Tag schon matt und blauer – 

Verstummt ist Lärm und Werkstatthämmern. 

Die Nacht liegt auf der Lauer –


Der Schlüssel schließt die Häusertore. 

Nun Wandrer meide die dunkle Mauer – 

Das Licht ist aus – es klingt im Ohre – 

Liegen Strolche auf der Lauer? –


Hinauf die knarrenden Windeltritte. 

Die Gasse wäscht ein Regenschauer. 

Bald nahen im Schlafe weiche Schritte: 

Der Traum liegt auf der Lauer –



Der Briefbeutel

Träge schwimmt die Straße in den Abend. 

Radfahrer klingeln, 

Ein Droschkengaul prustet trabend, 

Straßenlang übergießen, umzingeln 

Lichter die Abendgänger. 

Die Straße tönt weicher und bänger.


Drüben am Hause klappt ein Postradfahrer 

Den Briefkasten zu. 

Wirft den Beutel mit Feierabendruh 

Auf sein Rad –


Mensch! Du! Du! 

Du Schicksalsbewahrer! 

Du Weltbote der Stadt! 

Siehst du nicht, wie der Beutel schwillt, 

Wie er quillt, wie er quillt? 

Ein Brandbrief lodert in ihm auf, 

Ein Liebesbrief schreit rot und geil, 

Ein Händler ladet ein zum Kauf, 

Ein Schuft hält seine Ehfrau feil, 

Ein Erpresser der Schwarzhand droht, 

Einer schließt ab auf tausend Stück Brot, 

Einer knüpft sich um den Hals ein Seil, 

Ein Neugeborener kräht und strampelt, krebsrot, 

Eine Mutter, eine Mutter ist tot –


Ich kann dies Wirbeln nicht fassen, – 

Und du, du trödelst da so gelassen! 

Mensch! du bringst in alle Türen 

Freudeschüren 

Oder todschweren Sinn!

Um dich herum gärt Geld- und Leiberkampf, 

Um dich stürzt alles Schicksal hin! 


Klingelnd radelt der Bote stadthin, 

In den Straßendampf –



Wenn du kämst? Wenn du kämst!

So sitze ich auf dem Sofa im Dunkel 

Und sinne – 

Langsam verschwellen, verengen sich die Wände – 

Die Decke sinkt – 

Die lackierte Tür in der Ecke blinkt 

Sonderbar – –


Mir ist, als wenn wer vor der Tür stände – 

Als wenn scheue Hände 

Klopfen wollen – –?


Der Fußboden schwankt – 

Die Tür wankt – – 

Die Tür! – Die Tür ist dunkel aufgequollen:


Da! Du kommst herein! 

Geliebte! 

Geliebte von Einst –


Ich kann nicht aufstehn! 

Ich kann nicht schreiʼn! 

Ich kann nichts mehr sehn! –


Die Wände stürzen dunkel ein –



Der Mann spricht

Du Weib bist Schale nur und Spiegel 

Der Taten, die mein Hirn erzeugt, 

Denn nur durch meines Kopfes Tiegel 

Das All nach Immer-Formung keucht. 

Ich bin der Mann, ich bin der Wille, 

Und du bist Weib und bist die Stille – 

Du bist die Ader, bist die Stirn, 

Doch ich bin Blut und heißes Hirn, 

Ich bin der Keim in deinem Schoß: 

Ich sprenge ihn ganz mitleidlos. 

Doch: 

Bin ich auch Schrei und du nur Kehle, 

Bin ich Orkan und du nur Ruh: 

So bist du Leib doch meiner Seele: 

Und Mensch bin ich und Mensch bist du! 

Und nur als Eins sind wir Vollendung: 

So wächst in unserm Einen Schoß 

Mein Schöpferdrang in Taten groß: 

Und du bist Werk und Alles-Endung.



An den Tod

Mich aber schone, Tod, 

Mir dampft noch Jugend blutstromrot, – 

Noch hab ich nicht mein Werk erfüllt, 

Noch ist die Zukunft dunstverhüllt – 

Drum schone mich, Tod.


Wenn später einst, Tod, 

Mein Leben verlebt ist, verloht 

Ins Werk – wenn das müde Herz sich neigt, 

Wenn die Welt mir schweigt, – 

Dann trage mich fort, Tod. 



Du Paradies

Oʼ Paradies, daß ich dich liegen wüßte 

An jenem Berge, jener Küste – 

Wo die Aufgang-Sonne bluterglüht, 

Wo das Nachtgewölbe Sterne sprüht – 


Oʼ daß ichʼs wüßte –


Ich wollte, wie ich bin, aus meinem Alltag, 

Nach meinen siebzig Jahren, am Verfalltag, 

Gebeugt von schwerem Leben, Arbeit, Sünde, 

Noch pilgern in die fernen Morgengründe – 


Zu dir, o Paradies – –


Will wandern, wenn die Stadt im Abend dunkelt – 

Ein Stern mag sein, der vor dem Wege funkelt – – 

Ich warte unter Lichtgewimmel, 

Daß der neue Morgenhimmel 


Bald erblüht –


Und dann! – Sieh, da liegt im Gottesmorgen 

Das gelobte Land! Friedestill, verborgen 

Hinter Bäumen, schimmert die Goldblumenwiese – 

Und – da steh ich schon in Sonne vor dem Paradiese 


An der Pforte –


Da tut sich urschön auf der Herrgottsgarten, 

Und meine siebzig Jahre warten, 

Daß aus dem Blumengrund ein selig Leuchten käme, 

Die Pforte öffne und an die Hand mich nähme 

Wie einst als Kind.



Der Töneschichter

Er saß im Urgebraus am Chaosmeer 

Zur Nacht, zur Nacht, 

Sein Auge war von allen Dingen schwer: 

Voll Zeugungsnacht –

Da warf er seinen Becher in die Flut, 

Die Flut war schwarz und tief und tief, 

Er hob ihn wieder: voll von rotem Blut 

Und trank und warf ihn wieder tief – 

Er trank sich voll und übervoll 

Bis ihm die Seele überschwoll: 

Da strömte wild aus seiner Kehle 

Ein Flutgesang: 

Von Erd- und Leibespracht, 

Von Mensch- und Weiten-Zeugungsnacht, 

Vom Hirn und von der großen Liebesseele –


Dann kam die allertiefste Nacht 

Und schwer der All-Schlaf.



Beethoven

Es traf mein Ohr ein Machtposaunenton, 

Ich sprang zu dem, was meine Sinne hörten: 

Es war, als wenn wo Saurushirsche röhrten, 

Es war so seltsamgroßer Grollerton – 

Da stand Er! stand ein Mann auf höchster Spitze! 

Da blies Er, mächtig, mächtig wie voll Zorn 

Vom lichtgehüllten Wolkendonnersitze, – 

Mein Hirn war ob des Wunders ganz verworrn – 

Ich lag mit offnem Munde 

Am tiefen, tiefen Grunde – 

Der Ton noch dicker quoll und schwoll und schwoll: 

Mein Grund fing langsam an zu wanken, 

Der Wolkenmensch dort oben blies wie toll, 

Ein Zittern hob des Berges Flanken 

Und schwarze Wolken krallten sich hochoben fest 

Und Sturm begann am Fels zu wühlen, 

Als wollte er den Mann 

Von seiner Riesenkanzel spülen, 

Und alles Licht ward jäh vom Dunkel fortgepreßt, 

Und drohend rührten sich die Donnertrommeln – 

Doch fest stand hoch der Weltentöneschichter: 

Er brüllte rasendlauter durch den Trichter – 

Noch grauser schwoll das finstre Rommeln – 

Der Riese aber blies – 

Da brach am Berg der erste Donnerkrach, 

Und Ein Blitz sprang ihm nach 

Und hieb 

Den Mann vom Felsen!


Die Tuba sprang 

Der Himmel sprang 

Das Allgeschrei in Nacht ertrank – – 

Ich weiß nicht mehr, wo alles blieb.



Ich weiß: Ich bin ein Leben

Ueber Wiesen, die am Stadtrand liegen, 

Geh ich mit erfreuten Sinnen hin, 

Drosseln schnarren – Wolken fliegen – 

Im Sausewinde rauschen, biegen 

Sich die Hecken – grüne Gräser wogen, wiegen – 

Und es schnärrt und saust und rauscht und wiegt in meinem Sinn 


Ich weiß, ich bin, ich bin!


Drüben von den hohen Schornsteintürmen flattern 

Qualm-Fahnen über meine Lärm-Stadt hin: 

Menschenvolle Straßenbahnen rattern 

In der Ferne, Automobile knattern 

Hart vorbei: es stampft und walzt in meinem Sinn: 


Ich weiß, ich weiß, ich bin!


Aus Lärm und Laub, aus meinem Schritt, aus Wolkenschweben, 

Aus Millionen Wesen, die mich Mensch umbeben: 

Verströmt ein frohverwandtes Aufwärtsheben, 

Verströmt mir sausend in den Sinn: 

Ich weiß, ich bin mit euch ein Leben! 


Ich weiß, ich weiß: ich bin! ich bin!


Von nun ab geh ich durch die Häuserstraßen-Enge, 

Die übervoll von Schritten, Hufen, Straßenbahn-Gebimmel, 

Von nun ab geh ich durch die Promenaden-Menschenmenge, 

Durch das frauen-, früchtebunte Wochenmarkt-Gewimmel, 

Durch den Wald, durch Baum-Gedränge, 

Durch die Morgen-, Mittagsstunden: 

Wie mit elektrisiertem Leibe hin! 

Ich freue mich, daß ich von Leben überall umbunden, 

Daß ich zu diesem frohen Stolz gefunden:

 

Ich bin!



O göttliche Benommenheit

Verstreute Menschen gehen 

Im feuchten Regenwehen, 

Vorstadtgärten rauschen, 

Wolken sinken, bauschen 

Sich. Ein Karren rollt am Zaune hin – 

Ich kann nicht anders: ich muß sehen, muß lauschen, 

Ich weiß nicht, wie ich bin 

In diesem Allen –


Mein Gott, du flutest mit dem Wehen in mein Ohr, 

Du lachst im Trällern der Kinder da am Gartentor – 

Du willst dies Leben: diese Bilder, dieses Rauschen 

In mich für meine Seele tauschen! 

So strömʼ ich mit dem Orgeln dieser Landschaft hin – 

So kann ich nicht anders: ich muß mich berauschen, 

Daß ich nicht weiß, wie ich bin 

In diesem Allen.




Zu viele Menschen, zu viele Straßen

. . . denke so – daß du mit vielen Leuten 

Durch die Straßen gehst – 

Vor diesem Laden da stehst – 

Unter vielen, fremden Leuten –


Daß du im Alltagseinerlei 

Im Menschenrudel 

Durch die Straßenstrudel 

Dahingetrieben – – 

Immer an mir vorbei – –


. . . denke so – daß zu viele Menschen 

Durch die Straßen gehn – 

Daß die Straßen alle auseinander zweigen – 

Daß 

Wir uns nie im Abendschweigen 

In Einer Gasse wiedersehn.



An die Mutter in Seattle

Weit übers Meer her schlägt mir, Mutter, 

Dein Herz entgegen – 

Wie müssen alle Weiten sich bewegen 

Vor deinen Herzenswellen.


Dir strömt, immer kindlich und gut, 

Mein Blut wie am Anfang – 

Immer wie einst rinnt 

Durch mich der ewige Klang, 

Dein Muttergesang: 

Du, mein Kind!


Schon hebt sich, langsam wandelnd, 

Die Stunde, die starker Rührung voll, 

Uns wieder zueinander bringen soll! 

Schon zittert Freude durch die Weiten – 

Schon fühle ich dein Herz herüber gleiten, 

Mutter –


Bald kommt der Augenblick 

Voll wunderbarer Strömung, 

Da ich, ein Kindlein, Mutter, 

Wieder zu dir sinke – 

Freude will in mir lallen – 

Eine Träne wird fallen – 

Bald, Mutter, bald!



Gott braust

Weißt du, was die Mittags-Straße schüttert, lebt, 

Wenn chaotisch tausend Lebenstakte schlagen 

Aus den Menschen, Häusern, Pferden, Wagen? 


Gottesrhythmus!


Weißt du, was des Nachts das müde Haus durchbebt, 

Wenn der Mondlichthimmel auf die Stadt gesunken? 

Was die Straßen sausen unter Sternenfunken? 


Gottesrhythmus!


Unaufhörlich drangvoll, fluten, beben 

Rhythmusströme durch die Stunden um dich her, 

Schwellen, wellen über dich zu Einem Meer: 


Gottesrhythmus!


Und du selbst, du Mensch in diesem Herzschlag-Leben, 

Von Tränen überspült, vom Straßenbraus gepackt, 

Bist der höchste Rhythmus, vollster Blutstrom-Takt: 


Denn in Dir ist Gott!



Ich will heraus aus dieser Stadt

Ich weiß, daß Berge auf mich warten, 

Draußen – weit – 

Und Wald und Winterfeld und Wiesengarten 

Voll Gotteinsamkeit –


Weiß, daß für mich ein Wind durch Wälder dringt, 

So lange schon – 

Daß Schnee fällt, daß der Mond nachtleise singt 

Den Ewig-Ton –


Fühle, daß nachts Wolken schwellen, 

Bäume, 

Daß Ebenen, Gebirge wellen 

In meine Träume –


Die Winterberge, meine Berge tönen – 

Wälder sind verschneit – 

Ich will hinaus, mit Euch mich zu versöhnen, 

Ich will heraus aus dieser Zeit,


Hinweg von Märkten, Zimmern, Treppenstufen, 

Straßenbraus – 

Die Waldberge, die Waldberge rufen, 

Locken mich hinaus!


Bald hab ich diese Straßenwochen, 

Bald diesen Stadtbann aufgebrochen 

Und ziehe hin, wo Ströme durch die Ewig-Erde pochen, 

Ziehe selig in die Welt!



Neuer Stolz des Weltmenschen

Hundert Straßen, angefüllt mit Menschenrotten: 

Arbeitsmänner, Polizist, Kokotten, 

Reinigungsmaschinen, die den Asphalt scheuern, 

Straßenbahnen, Güterwagenflotten, 

Die lärmend durch die Menschenfluten steuern, 

Hundert Straßen kreuzen, queren sich, 

Drangvoll, klangvoll rund um Mich! 

Um Mich! – Ich bin ihre Mitte!


Tausend Eisenbahnen hasten, 

Tausend Kiele mit beflaggten Masten, 

Tausend Schiffe pflügen ihre Wasserreise, 

Tausend Weltwerk-Städte dampfen, rasten 

Weit um Mich im Riesenkreise! 

Rasen, wühlen, lagern sich 

Dampfstark, kampfstark rund um Mich! 

Um Mich! Ich nur bin die Mitte!


Ozeane stürzen ihre Brandung, 

Gletscher, auf der ewigstillen Wandrung, 

Schieben ihre Eisflutsohle, 

Tropen brüten ihre Urwaldsumpf-Gewandung, 

Der Äquator da – und da und da die Pole: 

Alles, Alles weitet, breitet sich 

Stürmend, türmend rund um Mich, 

Mich Alles-Mitte!


Mächtig strömt mir aus dem Erdedaseinkreise 

Diese große Ich-Welt-Weise: 

Ich bin der Pol, um welchen alles schwellt und gellt 

Und kreist in kleinem und in ungeheurem Gleise: 

Ich bin der Mittelpunkt, der Mittelpunkt der Welt!



Das Weltrad

Das Weltrad saust, 

Ich sause mit! 

Es schlittert, schleudert, rast, braust 

Pfeifendschrill – 

Ich schleudere, rase, brause mit 

Weil ich will! weil ich will!


Ich geh täglich meine mühsamen Schritte, 

Doch – zu wirbelndem Fluge 

Im Zeit-Zuge 

Reißt mich des Weltrades Kraftmitte 

Vorwärts!


Das Weltradsausen singt, 

Der unaufhörlich große Ton bezwingt 

Mich in den Rasekreis: 

Das ist mein Schicksalsbeschluß, 

Das ist alles, was ich weiß: 

Daß ich mitsausen, 

Daß ich mitbrausen 

Muß!



Weltgeist

Unter Tag und Tagen, 

Tief, tief im Erdefleisch, wo kein Sonnlicht gleißt, 

Tief in eingebohrten Schächten, vorgetriebenen Stollen, 

Wo die Lämpchen wandern, Glocken schrillen, Hacken schlagen: 

Da lebt die Kraft, die Männermüh und Kohlenschollen, 

Minenschüsse, Hämmern, Kohlenwagenrollen 

Zu Einem dunklen, unruhvollen Rhythmus schweißt: 


Der Weltgeist!



Und oben, wo im Hafen Lärm und Handel branden, 

Wo der Handel Menschen, Geld und Güter durcheinander schmeißt, 

Wo Docks und Hellinge Schiffsbauten umkrampfen, 

Wo die Auslanddampfer Riesenfrachten landen, – 

Oben, wo um die Großstadt tausend Schlote dampfen, 

Wo Eisenzüge qualmend von Stadt zu Städten stampfen: 

Da rast die Kraft, die Alles in Einen Arbeitswirbel reißt: 


Der Weltgeist!


Wo auf dem Flugplatz steigbereit die Äroplane liegen: 

Angespannte Drähte sirren, der Propeller kreist 

Immer schneller, plötzlich treibt das Schraubensurren 

Den Lärmvogel schrägauf – fernhoch ist er schon im Fliegen – – 

Wo die Luftschiffe, die Riesenluft-Torpedos schnurren, 

Sieghaft sicher näherkommend stärker, dumpfer knurren, 

Da steigt, da fliegt, da siegt über Erdenschwere der Unruh-Geist: 

Der neue Schönheit, neue Tatenwege weist: 


Der Weltgeist!








Alles zu Allem

Es wächst und wächst das Eisen-Netz: 

Der parallelen Schienen, 

Nach der Entwicklung Muß-Gesetz 

Kommt über Brücken, Minen, 

Zug um Zug in Dampf!


Es pflügen Dampfer mehr und mehr 

Die Flutenwege offen. 

Der Dock-Schoß wird von Kielen leer: 

Vom Vorwärts-Drang getroffen 

Kommt Schiff um Schiff zum Meer!


Es wächst vom Boden Turm um Turm: 

Fabriken, Haus, Kaserne, 

Es wühlt und wühlt der Straßenwurm 

Den Asphaltweg zur Ferne: 

Kommt langsam Stadt zu Stadt!


Ein Menschenstrom wälzt breit und breit, 

Bewehrt mit Axt und Pfosten, 

Durch Wasser, Land und Land und Zeit, 

Von Süd nach Nord, von West nach Osten: 

Kommt einend Mensch zu Mensch!


Und Quell wird Fluß, und Fluß wird Bord: 

Und jede Stunde: Fahrzeit, 

Und Meer wird Land, und Land wird Ort: 

Und Kind wird Mann und Arbeit: 

Kommt Alles und Alles zu Allem!



Herbst

Um die Großstadt sinkt die Welt in Schlaf. 

Felder gilben, Wälder ächzen überall. 

Wie Blätter fallen draußen alle Tage, 

Vom Zeitwind weggeweht.


Ob Ebene und Wald in welkes Sterben fallen, 

Ob draußen tost Vergänglichkeit, 

Im Stadtberg brüllen Straßen, Hämmer hallen: 

Die Lärmstadt dampft in Unrast ohne Zeit. 



Seele!

Straßenbahnschienen klirren, 

Hundert Menschen umschwirren, 

Fabriken umrauchen dich, 

Im Ohre gellt dir: – Messerstich, 

Geschäft, Diebstahl, Geld, Brand – 

Wände stürzen über dir ein: 

Du verkümmerst, wirst klein und gemein – 

Hinaus! 

Hinaus aufʼs Land!



Allheimat

Könntʼ ich mich lösen vom starren Gebein, 

Von erdegeborener Schwere: 

Könntʼ ich in Lüften eine Wolke sein, – 

Ein Funkeln im Sternenheere –


Könntʼ ich zerbrechen den drückenden Zaum, 

In Licht und in Brausen verfließen: 

In rollende Wogen, in stürzenden Schaum 

Die durstende Seele ergießen –


O könntʼ ich in rauschendem, rasendem Spiel 

Im Sturm sein ein seliger Reiter: 

Ich wüßtʼ nicht wohin – ohne Maß, ohne Ziel 

Immer weiter, immer weiter – –



Verlorenheit

Und jeder Nacht, die dem Vergangnen eingeborgen, 

Folgt ein Morgen. 

Neue Tage breiten sich auf allen Wegen 

Plötzlich dir entgegen: 

Brausen hell, umstürzen dich. 

Vorbei. Verdunkeln sich; 

Und lassen dich im ungewissen Heut. 

Und wieder folgt ein Morgen – 

Und eine Frage dräut: 

  Wohin?!



Tagtaumel

Und grüne Sommerwälder sausen her –

Und Menschheit wimmelt froh in Wegen –

Wolken baden tief im Blau –

Alles, alles mir entgegen!

Sonnevoll, strombeklommen –


Ach Ich!


Mir schaukelt Leben zu vom Strand, vom Kahn –

Zu mir kommt Fluß, und Fluß und See und Meer –

Schiffsgewimmel – Qualmhäfen – Ozean –

Immer mehr, immer mehr!


Oʼ Ich! Oʼ Ich!


Und Nordlandküsten – Südseepalmenwälder –

Und Sternschwärme – Indiens Wunderstädte –

Und tausend Lichter aus der Welt

Taumeln, rauschen in ungeheurem wilden Wirbel

In eine weite Seele!


Ich! Ich!


Meine Blicke sind Sterne – Flut braust im Ohr!

Und eine Seele glüht weltdurchströmt und dröhnt

Und kann nicht dämpfen den rasenden Chor –

Ich berste – ersticke – blicke


Hoch:


Der du Alles ins Dasein reißt,

Löse, dunkel durchschwingender Lebensgeist,

Aus dem lähmenden Drange zu metallischem Klang,

Aus dem chaotischen Orgeln zum Weltgesang

Die lebensbestürzte Seele

Für Alles und Alle!



Ich möchte hundert Arme breiten

Ich möchte in dir hochwellen, 

Grüner Baum! 

Ich möchte treibfroh in deinen Markzellen 

Aufschwellen 

Bis in den Wipfeltraum 

Lichtoben –


Ich möchte in die Lichtweiten 

Hundert Arme breiten 

Wie Zweige – 

Armzweige mit Blätterfingern 

Und dann fühlen, wie Mittagsgluten, 

Wie Lichtfluten 

Durch sie schlingern –


Ich möchte aus deinem Wirbelkopf, 

Lebensbaum, 

Aus dem Laubtraum 

Wie Lichtgetropf, 

Wie Windsingen 

Mich aufschwingen 

In den Weltraum!



Brand

Wie lange soll dies Wüten dauern? 

Wie lange halten dieses Leibes Mauern?


Soll nicht der Zweifel mit irrer Hand 

In dieses Haus, von Glut durchschwült, 

Von Drang durchwühlt, 

Von Leidenschaft wild durchglüht, 

Den Brand 

Schleudern, daß die Flamme aus dem Giebel sprüht?



Die Ahnen des Hauses

Ziegelstein an Ziegelstein mit Kalk und Schweiß geklebt – 

Rote, weißgefugte Mauer über Mauern strebt – 

Winden knirschen – Hände heben, fassen – 

Axtschall – roher Dachstuhl – Richtfestbier – 

Tür und Fensterglas ward eingelassen – 

So wuchsest du in dieser Straße hier:


Kummergraue, fünfstockhohe Mietskaserne. 

Achtzigfensterbreite, mit dem Gärtchen schmal davor, 

Mit dem Eisentor, der trüben Flurlaterne –


Du Haus, das Jahr um Jahr vom Sonnenprall bemalt, 

Von Hagelschnee und Regensturz beträuft, bestrichen, 

Von Dämmerung umrauscht, von Winternächten überschlichen, 

Vom Mond, von Gaslaternenschein bestrahlt – 

Von Wagenfahrt erschüttert und von Straßenbraus, 

Von Kinderschrei, von Werkstattlärm durchzittert, 

Von Sterbezimmerschweigen schwül durchwittert – 

Du, des kleinen Lebens und des großen Todes Haus.


Wer hat nicht diese Dielen, diese Schwellen schon beschritten, 

Hinter diesen Türen Sorge oder Liebe schon gelitten, 

Am Küchentisch das karge Brot gebrochen, 

Aus Zeitungen von Krieg und Politik gesprochen –

All des Alltags Wandrer, die hier eingezogen: 

Arbeitsmann und junges Weib; 

Rentnerpaar, verarmt, vom Leben nur betrogen, 

Mit stillem Sinn, erloschnem Leib; 

Handwerksmeister mit den sieben lauten Jungen; 

Schreiber, Händler, Lehrerstochter, die so gern gesungen – – 


Wieviel schwarze Särge sah man auch hinunter schleppen. 

Wieviel neue Mieter, neue Menschen kamen; 

Trugen Möbel, stiegen über diese Treppen, 

Andere Familien, andere Gesichter, andre Namen. 

Von deren Glück und Fluch und dringlichem Gebet 

Der Schatten noch in diesen Räumen weht.


Geist der Väter, die hier feierabendlich versammelt waren, 

O Geist der herben Mütter, die in diesen Wänden Kinder

einst gebaren, 

Kleinkindergeist ins graue Licht der Not gezwängt – 

Beschirmt uns unter diesem Dache, da wir wohnen, 

Die wir, wie ihr auch einst mit Schweiß und Kraft der Arbeit

fronen; 

Seid Ahnengeist, der mit Zufriedenheit beschenkt 

Und tiefe Schlummernächte nach dem schweren Tage senkt.


Und segnet uns das Brot, das heiß erworbene, 

Ungekannte, fortgezogne, still verstorbne 

Menschengeister dieses Hauses.



Der Tod im Schacht

Zweihundert Männer sind in den Schacht gefahren. 

Mütter drängen sich oben in Scharen. 

Rauch steigt aus dem Schacht.


Die Kohlenwälder nachtunten glühen, 

Urwilde Sonnenfeuer sprühen. 

Rauch steigt aus dem Schacht.


Retter sind hinab gestiegen; 

Kamen nicht wieder, sie blieben liegen. 

Rauch steigt aus dem Schacht.


Der Brandschlund frißt seine Opfer – und lauert. 

Die brennenden Stollen werden zugemauert. 

Rauch steigt aus dem Schacht.


Zweihundert waren in den Schacht gefahren. 

Mütter weinen an leeren Bahren. 

Rauch steigt aus dem Schacht.



Der alte Mann

Das Haus wuchs hoch 

Im Stadtgewog. 

Hinauf – hinaus der Mieter zog – 

Geht alles seinen Gang.


Die Nacht vergeht, 

Der Lärm ersteht. 

Der Herbstwind nach dem Sommer weht – 

Geht alles seinen Gang.


Der Junge lärmt. 

Ein Weib sich härmt. 

Der alte Mann die Hände wärmt – 

Geht alles seinen Gang.


Ist Alles Wechsel ohne Ende, 

Im Lebensjahr, im Schutz der Wände. 

Geht alles seinen Gang – 

Wie lang?



Nachtgedanken

Die Straße ist nun fast schon tot – 

Vorüber klappt, tappt ein Schritt – 

Das Echo hastet hallend mit. 

Der träge Mond sieht dunstigrot 

Auf grünes Gaslicht-Flimmern – 

Nun schlafen alle Menschen in den Zimmern. 

Die Straße ist nun hohl und tot –


Die schwarze Schweigenacht hat sacht 

Die Menschenstadt in schweren Schlaf gedrückt. 

Doch himmeloben wacht 

So sonderbar verrückt 

Der übernächtig träge Mond.


Die Stadt ist traurigtot – als wenn sie unbewohnt – 

Doch himmeloben glüht der Mond: 

Doch himmeloben glühen große Leben 

Über unsern dunstigdunklen Nachtschlaf-Sphären: 

Ungeheure Stern-Schwärme schweben, 

Prasseln, rasen, blitzen, und gebären 

Aus sich selber immer neue Funken: 

Millionen Sterne schweben, leben 

Über unsrer toten Nacht. 

Himmeloben brechen Feuerfluten aus Vulkanen, 

Weltenkörper rasen krachend unermeßliche Bahnen. 


Sonnenkörper-Splitter irren trunken, 

Zitternd, splitternd in den All-Orkanen –


Und wir selbst –? 

Wir winzigkleinen Schläfer, 

Erstarrt im Stadtnacht-Schweigen: 

Wir rollen, sollen mit im vollen Reigen! 


Wir liegen fest in Schlafes-Ketten, 

Bewegungslos, betäubt in unsern Betten, 

In enger Schiffskabine, 

In nachterstarrtem schwarzem Wahn – 

Doch treibt und treibt die Erdenschiffs-Maschine 

In steter Rase-Reise, 

In unerfaßbar großem Kreise, 

Uns durch den Weltraum-Ozean: 

Durch die Nacht.



Blut – Strom

Pochend, pochend, fort und fort 

Treibt die Lebensgas-Maschine. 

Pochend, pochend, fort und fort 

Treibt im Kreis die Herz-Turbine: 

Durch das Lungen-Schwammgekräuse, 

Durch des Hirnes Labyrinth-Gehäuse, 

Durch die Leber-, Nieren-Schleuse, 

Durch der Nährungs-Adern Vielkanäle: 

Blutes roten Fluß. – 

Weiter fließt der Fluß: 

Schmilzt mit Lava-Glut die Aderschäle 

Wellend, schwellend, fort und fort: 

Springt als Ton: als Schrei, als Wort 

In die Straßen-Dissonanz-Choräle, 

Geht als Meter-Schritt auf Pflastersteinen, 

(Tausendteiliger Druck von Allen Beinen) 

Wächst als Arbeits-Griff, als Händedrücken 

In das armgetürmte Steinhausblock-Gewirr, 

Saust als Peitschenhieb auf Lastpferd-Rücken, 

Schwillt als sichtbarwachsend Werk aus Werk-Geschirr. 

Pochend, pochend, fort und fort 

Treibt im Kreis die Kraft-Maschine, 

Pochend, pochend, fort und fort 

Treibt im Kreis die Herz-Turbine: 

Blut durch Leib- und Stadt-Atom. – 

Fließt und fließt der warme Strom: 

Fließt als Licht aus Bogenlampen: 

Zischt als »Fertig-Pfiff« von Hochbahn-Rampen: 

Schwerer Qualm aus Bahnsteighallen: 

Kaufgeschwirr aus Warenhallen: 

Stundenschall vom Kirchenturm: 

Fließt als Wort vom Telefunken-Turm: 

Wellend, schwellend, fort und fort. –

 

Siebzehn blutdurchdrängte Straßen-Stunden 

Voller Lärm und Arbeits-Drang, 

Siebzehn rotdurchströmte Körper-Stunden, 

Siebzehn Kreislauf-Stunden lang: 

Pocht und treibt die Herz-Turbine. –


Dann stellt die Alles-Hand 

Die Saug- und Speimaschine, 

Den Hebelschaft 

Auf zehntel Kraft. 

Es ruht das Kraftgewelle eine Nacht. 

Doch früh beim Sechs-Uhr-Morgen-Pfiff 

Verstellt die Hand mit großem Griff: 

Das Herz- und Stadt-Getreib auf volle Macht.



Alles in Dir

In Dir, o Mensch, ist alles: 

In Dir ist der Schlaf und das Wache: 

In Dir ist die Zeit. 

Und ohne Dich ist keine Zeit. 

In Dir ist die Zeit 

Und die Fülle der Zeit: 

Der qualmende Dampfer, 

Die rollende Bahn, 

Der eiserne Lärm 

Und das Schweigen des Domes. 

Der Stein und der Mörtel: 

Das Haus und die Stadt. 

In Dir ist die Fülle 

Des zeitlichen Werkes.


In Dir, o Mensch, ist alles: 

Die mordende Hand 

Und das Künstler-Gehirn, – 

Das ruchlose, stinkende Wort 

Und das schwellende, schwebende Lied. 

Die Liebe um Liebe: 

Die Liebe der männlichen Stärke 

Zu weiblicher Weichheit. 

Und trübe verzehrende Liebe 

Der Gleichen zu Gleichem. 

Ist Beides in Dir: 

Der Gott und das Böse.


In Dir, o Mensch, ist Alles: 

Das trinkende Ohr 

Und der Antworten speiende Mund. 

Der nehmende Mund 

Und der scheidende Darm – 

Der bohrende Keim 

Und der schwellende Schoß: 

Der aufsaugende Anfang, 

Das ausbrechende Sein. 

Ist Beides in Dir: 

Der schäumende Anfang, 

Das reifende Ende, 

Das Ende, 

Das wieder nur Anfang, 

Ist Alles, o Alles in Dir!



Lied der Kohlenhäuer

Wir wracken, wir hacken, 

Mit hangendem Nacken, 

Im wachsenden Schacht 

Bei Tage, bei Nacht –


Wir fallen und fallen auf schwankender Schale 

Ins lampendurchwanderte Erde-Gedärm – 

Die Andern, sie schweben auf schwankender Schale 

Steilauf in das Licht! in das Licht! in den Lärm. 

Wir fallen und fallen auf schwankender Schale –


Wir wracken, wir hacken, 

Mit hangendem Nacken, 

Im wachsenden Schacht 

Bei Tage, bei Nacht –


Wir wühlen und wühlen auf wässernder Sohle, 

Wir lösen vom Flötze mit rinnendem Schweiß 

Und fördern zu Tage die dampfende Kohle. 

Uns Häuern im Flötze ist heißer als heiß – 

Wir wühlen und wühlen auf wässernder Sohle.


Wir wracken, wir hacken, 

Mit hangendem Nacken, 

Im wachsenden Schacht 

Bei Tage, bei Nacht –


Wir pochen und pochen, wir bohrenden Würmer, 

Im häuser- und gleisüberwachsenen Rohr, 

Tief unter dem Meere, tief unter dem Türmer, – 

Tief unter dem Sommer. Wir pochen im Rohr, 

Wir pochen, wir pochen, wir bohrenden Würmer.


Wir wracken, wir hacken, 

Mit hangendem Nacken, 

Im wachsenden Schacht 

Bei Tage, bei Nacht –


Wir speisen sie Alle mit nährender Wärme: 

Den pflügenden Lloyd im atlantischen Meer: 

Die erdenumkreisenden Eisenzug-Schwärme: 

Der Straßenlaternen weitflimmerndes Heer: 

Der ragenden Hochöfen glühende Därme: 

Wir nähren sie Alle mit Lebensblut-Wärme!


Wir wracken, wir hacken, 

Mit hangendem Nacken, 

Im wachsenden Schacht 

Bei Tage, bei Nacht –


Wir können mit unseren schwieligen Händen 

Die Lichter ersticken, die Brände der Welt! 

Doch – hocken wir fort in den drückenden Wänden: 

Wir klopfen und bohren und klopfen für Geld – 

Doch hocken wir fort in den drückenden Wänden:


Wir wracken, wir hacken, 

Mit hangendem Nacken, 

Im wachsenden Schacht 

Bei Tage, bei Nacht –


Wir pochen und pochen durch Wochen und Jahre, 

Wir fahren lichtauf – mit »Glück-Auf«! dann hinab – 

Wir pochen und pochen von Wochen – zur Bahre – 

Und Mancher schürft unten sein eigenes Grab – 

Wir pochen, wir pochen durch Wochen und Jahre.


Wir wracken, wir hacken, 

Mit hangendem Nacken, 

Im wachsenden Schacht 

Bei Tage, bei Nacht.



Der ewige Herzklang

Einsam im Zimmer klopft ein Herz 

Immerzu. 

In einem Gartenbaum schwillt ein Herz 

Immerzu. 

In allen Häusern schlagen Herzen 

Immerzu. 

Durch tausend Straßen wandern Herzen 

Immerzu, immerzu.


Von Halm zu Halm durch Felder, 

Von Baum zu Baum durch Wälder, 

In Schiffen, Bahnen, Saaten, 

In Stadt und Städten, Staaten: 

Klopfen, tanzen, tönen Herzen 

Immerimmerzu!


Und Du, du Mutter-Erde-Sohn, 

Hörst du deinen Herzens-Ton? 

Hörst aus Milliarden Dingen 

Einen Herzklang um dich schwingen?: 

Horch! in Allen Herzen braust die Welt! 

Immerzu!



Frage

Nun Du! 

Du neuer Blick und Atem gegenüber – 

Dir zwing ich meine Lippen, weil ich muß 

Und sage: 

Sieh mich an! 

Gesicht laß ruhen in Gesicht, 

Es geht nicht anders mehr.


Wo ist denn Schuld, 

Daß Stirne nun an Stirne stößt, 

Das Herz, das sonst in Einsamkeit hinfror, 

In taubem Kummer sich verlor, 

Im Drang die schwere Zunge löst, 

Ergriffen stürzt: 

Du Weib!


Schließ auf, schließ auf 

Den engen Ring, der meine Brust umpreßt! 

Der mich nicht atmen läßt, 

Der mich zum qualgepflügten Boden niederwarf, 

So oft ich meine Stirn erhob – 

Du hast die Macht.


Du brauchtest nur mit deinem Finger 

An mein Herz zu rühren, 

Damit es wieder sehend würde: 

Und alle Türen, Horizonte, alle Himmel 

Sprängen offen mir entgegen: 

Ich schritte mächtig aus auf brausenden Wegen, 

Bestürmt und durchwellt, 

Zu neuem Lebensland! 

Zu deinem Herzen in der Welt!


Verbirgst du deine Hand?



Ein herbstlich Lied für Zweie

Auch diesem Stieglitz da im Blätterfall, 

Tickt wunderbar in seinem Federball 

Ein schüchtern schluchzend Herz, ein kleines, 

Ein Herz wie meins und deines.


Der Vogel singt, weil ihn sein Herz bezwingt 

Und große Sonnenluft ihn frisch umschwingt – 

Er muß von seinem Herzen zehren.


Und jedes Flüsterbäumchen, uns vertraut, 

Trägt unter seiner weichen Rindenhaut 

Ein horchend Neugierherz, ein wachsend kleines, 

Ein Herz wie meins und deines.


Der Baum verzweigt, und weiter zweigt er still, 

Weil frei sein Herz ins Blaue schauen will – 

Er muß von seinem Herzen zehren.


Wer spürt, wie bald das nächtge Schweigen naht – 

Du hast mich lieb und gehst denselben Pfad; 

Wir leben zueinander warm und still, 

Wie unser ruhlos, wunschgroß Herz es will.


Einmal ist Schauerstille um uns her, 

Das Herz klopft aus, ist tot und leer – 

Wir müssen all von unserm Herzen zehren. 



Nachtsegen

Herrlich ist die Nacht erblüht, 

Von jedem Blinkstern sprüht 

Ein Himmelstropfen –


Die dunkelschwere Schweigestadt 

Schläft friedlich, tagessatt, 

Unter Himmelstropfen –


Die ganze Stadt ist überregnet 

Vom Licht, das alle Schläfer segnet 

Diese Nacht.



Die Frauen gehen an Don Juan vorüber

Geh! Weib! 

Deinen Leib, 

Dein Wort, 

Was du denkst: 

Kenne ich längst! 

Geh fort!


Du mit dem Glutblick, 

Du Schwarze erschrick: 

Ich spei dich an! 

Ich lache deiner Liebe, – 

Weißt ja, Triebe 

Hat der Mann.


Dir hab ich frech das Herz entblößt 

Und holden Wahnsinn eingeflößt; 

Und dein Blut war wie Gärwein flüssig; – 

Auch du warst einst für mich entbrannt, 

Doch glaub, du warst mir Tand. 

Ihr wart mir Alle, Alle überdrüssig!


Mehr, mehr! schneller vorbei! 

Du Blonde, du Donna, du Annamarei! 

Daß endlich die endlose Kette 

Ein Ende nimmt – 

Wieder, wieder zuckt ein Mund, glimmt 

Ein Blick vorbei – 


Kommt nur, ihr andern aus der Ferne: 

Du, wie zittern deine Augensterne; 

Du mit dem Mundrubin – hah! ich kenne euch nicht! 

Doch, Weiber, ihr, schön und verflucht, 

Wo ist die, die ich meines Lebens Ewigkeit gesucht? 

Wankt doch die Eine schon im Licht? –


Ich hebe wieder mein verwüstet Herz 

Zu neuer Sehnsucht, neuem Schmerz: 

Ich sehe selig den verklärten Leib 

Der Einen, der sich meine Adern weiten, 

Den Strahlenweg hernieder gleiten – 

Komm! Du! – Komm, Weib!



Wirbal (mit dem Blutspeer)

Von Bläue und Wolkenschatten durchdunkelt, 

Von flirrenden Sternen durchfunkelt, 

Schwelt sausend und sacht 

Die Weltraum-Nacht –


Da kommt über Wolkenwogen 

Ein flimmerndes Singen geflogen, 

Tropft und tropft Klang um Klang 

Ein Sphärengesang 

In die Nacht –


»Oʼ du und wir – du und wir – 

Du bist in der Nacht und bist doch nicht hier – 

Oʼ Wirbal, du Gottheld der Liebe, 

Du Allüberrager, 

Wo glänzt dein Auge, wo ist dein Lager? 

Wir dürsten nach dir, 

Kämpfer und Wager, 

Und nach Liebe –«


Da schweben wie mit nächtlichen Schwingen 

Die suchenden Frauen aus düsterer Ferne 

In den Sprühlichtregen der Sterne – 

Da gleitet im Leuchten der leuchtende Chor – –

Nun wieder ein Singen, 

Einer Stimme Singen: 


»Oʼ Wirbal, du, den ich erkor, 

Den ich am Anfang besaß – 

Und wieder verlor, wie müd ist mein Tanz, 

Wie leer meine Nacht, 

Kein Glutblick, der mir lacht, 

Kein Arm, der mein Blühen entfacht, 

Nicht du, allgroßer Glanz – 

Oʼ sternlichtbetauter, 

Nachtlockenumblauter 

Glanzgott 

Komm!«


Die Klage verirrt – – – 

Ein Sprühkomet schwirrt 

Hochoben – – –


Sieh! da kommt ein Feuer! 

Hör, da kommt ein Fauchen! 

Da kommt ein Neuer! 

Seinem Reitroß rauchen 

Die Nüstern – 

Wirbal! 

Wirbal!


Die Jungfrauen flüstern – 

Da beginnt in glutschwerem Baß 

Der riesige Reiter zu singen: 


»Du Eine, die du riefst, 

Die du sangst und nicht schliefst, 

Ich bin der übernächtige 

Liebesmächtige, 

Den du suchst. 

Komm, du Tanzschmächtige, 

Von Sehnsucht verstört, 

Dein Lied ist erhört, 

Erlösung wird dein.«


Singt wieder die Eine allein: 

»Oʼ Wirbal, Wirbal ich kann nicht mehr singen, 

Mein Herz will springen, – 

Mein Herz will ich dir bringen – – 

Dein Speer glüht so rot –« 


»Du bist liebesstark, sei bereit, 

Daß ich dich löse aus Sphärenzeit 

In Aeonenseligkeit! 

Ich bin der Liebestod!«


Da wankt die Eine und haucht: »ich will« – 

Dann lachte sie selig und war ganz still – –


Da stieß er ihr den Stahl ins Herz, 

Sie hat nicht geschrieen vor Schmerz – 

Erlöst war ihr Herz – – 

Der Speer tropfte blutrot – –


Der Blutspeer hat das Herz durchschnitten – 

In der Nacht – 

Der Chor ist tot tief ab geglitten 

In die Nacht – 

Der Riese ist finster zurückgeritten 

In die Nacht – in die Nacht.



Schlummermelodie

Hängt ein Stern in der Nacht, 

Irgendwo – 

Irrt ein Herz durch die Nacht – 

Irgendwo –


Saust Wind im Wald, 

Irgendwo – 

Eulen-Schuhu hallt 

Irgendwo –


Blüht ein Wunderbaum 

Irgendwo – 

In einem Traum – 

Irgendwo –


Hängt ein Stern in der Nacht, 

Irgendwo – 

Golden ist der Mond erwacht – 

Irgendwo –


Irgendwo –






Oʼ Tehura

Hier sitz ich in dem engen windetreppenhohen 

Steinstadt-Zimmer. 

Ich möchte raus aus diesem rohen 

Straßenleben, diesem Grünzeugmarkt-Gewimmer – 

Fort von diesen Tanten, diesem Schwäher – 

Ich, der lärm- und werkdurchfurchte Europäer, 

Oʼ Tehura –


Oʼ Tehura! Weit zu deinem Südseeriffe, 

Wo noch Krater in die Wolken brüllen, 

Wo die Menschen nur in Sonnendunst sich hüllen, 

Gleiten, gleiten meine weichen Sehnsucht-Schiffe – 

Oʼ Tehura –


Wenn ich bei dir säße, sagte: sing! 

Und du zupftest die Zweisaitenlaute: 

Kling-zum, kling-zum, ping – – 

Wenn mir vor den bösen Urwelt-Göttern graute, 

Vor den flammendgroßen Keulentaten, 

Vor den Sternfall-Feuersaaten, 

Die du monoton mir singst – 

Kling-zum, kling-zum, pings – 

Oʼ Tehura –


Zuckendsummend rollen Wogen zu mir auf – 

Sind das nicht die blütenblauen Glitzerwellen? 

Zuckendsummend brandet Lärm-Gerauf, 

Schwere, trübe Tönemasse 

Aus der dunklen Gasse. – – 

Oʼ Tehura –


Es brodelt schon der Menschen Arbeits-Morgen: 

Er dröhnt und schlittert durch die Straßentiefen, 

Gierig warten meine Europäersorgen, 

Die nur nächtlich kurz verschliefen – – 

Oʼ Tehura –


Manchmal wieder wenn die Stille singt, 

Wenn der Abend von den Kirchentürmen klingt, 

Denk ich irgendwo nach Pete, Honga-Sura – 

Denke ich an dich, Korallenketten-Kind, 

Bronzebraunes Südsee-Kind, 

Tehura.



Weltfrühling

Hell und ziellos strömt mein Geist in die Weiten: 

Freude grünt überall! 

Wo ist der Wald, den ich nicht kenne, 

Wo der Fluß, der mich trenne, 

Wo Tag oder Nachtzeiten, 

Die mich trennen vom All?


In manchem Traum 

Hat mein Herz den Nil befahren; 

In Zugvögelscharen 

Flog meine Wandersehnsucht übermeer 

Zur Rast in einen Palmbaum. 

Mein Winterherz war schwer –


Nun liegt mein Haupt in Birmas Reisfeldern, – 

Meine Füße plätschern im Grundwasser des Belt, – 

Meine Hände wühlen in Frühlings-Bergwäldern 

In Norwegen, 

Und mein Herz hämmert voll Ursegen 

Im Zentrum der Welt!


Meine Glieder blühen, die Fußwurzeln saugen; 

Froh bin ich Frühling, stark bin ich Werde! 

Ich mag an keinen Gott mehr glauben – 

Ich hebe meine Grünländer-Stirn! 

»Ich«! brandet es in meinem Stromgehirn, 

»Mein ist die Erde«! 



Ich bin nur ein Tropfen

Ich kam aus den Meeren, ich kam aus der Sonne, ich kam

aus dem Wind, 

Die alle mir Urväter und Mütter sind; 

Aus fallenden Zeiten, aus ewiger Nacht ein lallendes Werde, 

Ein schillernder Tropfen, ein hilfloses Kind, 

Geworfen auf winzigen Fleck der Erde. 

Ein Häuflein Jahre des Lebens, 

Gefäß des Kummers und freudig flutenden Bebens, 

Ein kreisendes Stündlein vor ewiger Zeit. 

O halte, Weltanfang und -ende mich immer in Demut bereit, 

Ich kam aus den Meeren, aus Sonne und Wind, 

Und bin nur ein Kind.


Ist es nicht immer genug: 

Daß dich ein herbstlich verblutender Baum, 

Hintaumelnder Vogelflug, 

Entzündeter Abendwolken Schaum, 

Ein schluchzend einfältiglich Lied, 

Das über engende Höfe flieht, 

In gottvolle Armut und Nacktheit entrückt, 

Unendlich beglückt!



Euridyke

Orpheus! Orpheus! zerstrahle die Schatten, 

Brich leuchtend zu mir! 

Orpheus! mein Herz will ermatten – 

Mein Herz schreit nach dir! 

Orpheus!


Geliebter! Strahlender! die Nacht, die Nacht 

Droht; finsteres Wehen! 

Geliebter, ich sinke! ich sinke in Nacht, 

Ich kann dich nicht sehen – 

Orpheus?


Geliebter – hörst du mich rufen? 

Die Nacht wühlt mich zu – 

O, ich kann nicht – mehr rufen – 

Orpheus, wo – bist – du? 

Wo – bist – –?



Dorfabend

Fenster schließen, glimmern stille, 

Häuslein rücken Dach an Dach, 

Himmel stehen feiernd stille, 

Mond wird Silberfrucht und wach. 

Müder Leib schläft in der Stille, 

Herz schlägt alle Stunden nach, 

Lebt für sich durch Schlaf und Stille – 

Wohin denn? wozu? aus wessen Wille? 

Lautlos, langsam fallen Wand und Dach.



Saaten säen

Saaten säen, 

Halme quellen, 

Ernten mähen 

Scheuern schwellen 

Überall.


Wälder färben 

Wandern, fallen – 

Mütter sterben, 

Kinder lallen 

Überall.




Heere stampfen 

Schlachten morden, 

Blute dampfen – 

Sieg im Norden! 

Überall.


Sehnsucht peinigt 

Leib zu Leibern, 

Liebe einigt 

Leib in Leibern 

Überall.




Tod ist Leben 

Leben – Schweben, 

Angstvoll schön – 

Immer blühen Wolken in den Höhʼn 

Überall – – 



Am Meerufer

Und Welle kommt und Welle flieht, 

Und der Wind stürzt sein Lied, 

Schaumwasser spielt an deine Schuhe – 

Knie nieder, Wandrer, ruhe!


Es wälzt das Meer zur Sonne hin, 

Und aller Himmel blüht darin. 

Mit welcher Welle willst du treiben? 

Es wird nicht immer Mittag bleiben.


Es braust ein Meer zur Ewigkeit, 

In Glanz und Macht und Schweigezeit, 

Und niemand weiß wie weit – 

Und einmal kommst du dort zur Ruh, 

Lebenswandrer, Du.



Horch: Deine Seele

Vom Vater- und Muttergeist geformt und beschworen, 

Aus Nachtmeer und Schweigen, aus Wolkenfall-Schicht, 

Aus dem Schoße des ewigen Kreisens geboren: 

Fiel ich aufschluchzend stirnlings ins Licht.


Nun bin ich erdereich und bin auch arm: 

Ich halte Kiesel prüfend in der Hand, 

Mein Schuh trägt Staub von Werk und Land, 

Ein Weib ist mir Gefährtin, stark und warm. 

Und Volk umspült mich breit im Schreiten – 

Doch Brot und Milch ist mir nicht mehr als Glück und Harm 

Und Schlacht und Schlaf nicht mehr als Stundengleiten. 

Es schwillt der Tag und summt mein Blut, 

Was wäre mir nicht atemnah und häuslich gut –


Warum nun immer meine Sehnsucht treibt 

Und nach den Flügeln alle Sinne stürzen? 

Zu und zu und niemals schlafend bleibt – 

Wie nutzlos Tag und Leben sich verkürzen – 

Brich auf, flieg auf mit hundert Segelwinden! 

Einmal mußt Du die Heimat wiederfinden, 

Daraus man Dich ins Leben schuf! 

Es wölbt vom Anfang sich der Vater-Ruf 

Und groß von Mutterewigkeit umfächelt 

Singt Deine sphärenferne Seele jugendlich 

Und singt erlöst und glänzt und lächelt 

Und wartet nur auf Dich.



Apassionata

Du hast durch Deinen Kuß 

Mein stromvoll Blut geweckt 

Und mein Gesicht warm aufgehoben aus dem Tag, 

Daß mich nun uferlose große Nacht umspült, 

Herwehend Glanz und Taumel. 

Ein wiegend Zittern schwillt in meiner Füße Wurzeln, 

Einströmen lassend Erde und Getön, 

Und springt aus meiner Kniee Schreiten in die Brust 

Zu meerbewegter Melodie, 

Darin mein Herz, die Orgel rauscht. 

Nun sich im Takte meine Sohlen heben 

Und grenzenlos beseeltes Schweben 

Die Glieder übergießt: 

Hab ich die Arme aufgehoben, 

Den Blick in Himmeldunkelblau zerstoben 

Und fühl, wie meiner aufgelockten Haare Schopf 

Die nachtbemalten Wolken streift, 

Sternblütenkranz die Stirn umgreift, 

Und tanze, tanze zu Dir hin! 

Denn meiner segelwilden Sehnsucht Schauer, 

All meiner Einsamkeiten Trauer, 

Mein hin und her durchflutet Sein, 

Und nun des selʼgen Leibes neue Lust: 

Stürmt fort und fort an Deine Brust, 

Will nur in Dir geborgen sein.



Nach schwerem Traum

Ich bin Soldat und steh im Feld 

Und weiß von niemand in der Welt. 

Drum kann ich diesen Regentag nicht feiern, 

So kummerzärtlich, feucht und bleiern, 

Da mir dein Bild zur Nacht den Schlaf zerschlug 

Und mich in deine Nähe trug.


Ich bin Soldat und steh im Feld, 

Gewehr im Arm, und fern der Welt. 

War ich zu Haus, ich schlösse Tür und Scheiben 

Und wollte lange einsam bleiben; 

Im Sofawinkel sitzend mich versenken, 

Geschlossnen Auges deiner denken.


Ich bin Soldat im trüben Feld. 

Hier endet alte Menschenwelt. 

Der Regen singt, die nassen Strähnen fließen. 

Ich kann nichts tun – nur Blei verschießen. 

Weiß nicht warum, tuʼs doch, als ob ichʼs muß: 

Ins graue Wetter kracht ein Schuß!







Der Wanderer im Schnee

Steh auf, steh auf! 

Ich bin die ganze Nacht im Schnee gegangen – 

Die müden Häuser lauschen mit im Bangen, 

Nur die blinden Straßenlichter wachen – 

Steh auf, und laß uns Hochzeit machen!


Wie lange hab ich meinen Durst ertragen, 

Ließ Tage, Städte weiterjagen. 

Doch Sehnsucht hat mich hergetrieben – 

Ich kann doch dich nur lieben. 

Wie kann mich Schlaf zufrieden laben – 

Ich bin von weit durch Nacht und Schnee gekommen, 

Durch dieselben Gassen hergeklommen, 

Und will dich wieder, wieder haben!


Steh auf, steh auf, die Stunden dringen! 

Reiß die Gardinen auf und zünde Licht, 

Steh auf, ich will die Hochzeit bringen! – 

Hörst du, hörst du denn nicht?



Buch des Krieges

Mein Freund du, gebrochenes Auge nun, 

Gebrochener Blick wie der des erschossenen Hasen 

Oder verächtlichen, kalten Verräters – 

Zwölf Jahre gemeinsam sprang uns de Zeitwind entgegen, 

Schweigsam teilten wir Bücher und Brot, 

Teilten im Schulhaus die Bänke, 

Des Lebenshindranges rauschende Not, 

Einigen Sinnes Erkennung und Lehre, 

Freund, dein Auge ist tot.


Darum deine Mutter im Kummer nun geht, 

Harmvoll, seufzend, doch schlicht in der Menge, 

Darum Klein-Schwester, Klein-Brüder zu frühe schon spüren 

Verfinsternd qualmendes Schicksalgewitter 

Und mächtiges Mähen des Todes. 

Leer ist dein Bett in der ärmlichen Kammer 

Und dein Platz am Tische des Mittags. 

Und darum, daß niemand mehr wartet auf dich, 

Geht grau deine Mutter im Kummer.


Du wärst eine Wurzel, ein Saatkorn, 

Ein trotzender Keim in den Furchen des Lebens, 

Ein bärtiger Vater von freundlichen Kindern geworden. 

Ein schmerzenzerpflügtes Ackerland fraß dich, 

Ein blutbedüngter Acker verdarb dich, 

Der weise und ewige Säer zertrat dich. 

Wer hadert und redet von Schuld? 

Doch wärst du ein Saatkorn und wärest ein Vater!


Du wärest das Saatkorn – und wurdest doch Opfer; 

Ein tausendstel Gramm nur, ein blutendes Fleisch 

Fielst du auf blutleerer Leichen unendlich Gebirge. 

Ist auch dein Tod nicht mehr denn ein anderer Tod. 

Marschierten doch Tausend und Tausende rhythmischen Schrittes 

Hinweg in das qualschwarze Nichts, 

Regiment und Brigade, Armee und Armeen 

Ins blutigbefleckte Ruhm-Reich des toten Soldaten. 

Du wurdest ein Opfer.


Der Brimont ist kahl und sein Wald ist zerschroten, 

Keine Fichte verschont, dir daraus ein Grabkreuz zu schlagen. 

So liegst du stumm in zertrümmertem Boden, 

In brustbedrückendem, traumlosem Schlummer. 

Nicht Held, noch Führer – Soldat nur, unbekannt. 

Gebein im Wind der Verwesung. 

Doch des gewaltigen Friedens unzählbare, selige Glanzlegionen, 

Wenn ehern und klirrend sie über dein Grabfeld marschieren, 

Wirst du erschauernd einst hören, 

So horche und harre darauf.



Mittags unterm Baume liegend

Kastanie du – 

Gnädig entzückt, 

Tragend flimmernde Hitze und Sonne, 

Fächelst du lächelnd 

Breitschweifende Zweige, 

Grünblättergehände mir zu; 

Festlich die traubigen Kerzen, 

Weißstrahlenden Lichtes 

Ins Grüne und Blaue gesteckt.


Wieder, wie lange schon nicht, 

Daß mein Haar sich in Blumen verfing, 

Die Schultern sich drückten ins Gras, 

Spielst du mir Lichter 

Über geschlossene Lider, 

Darunter die Augen 

Ertrunken und traumtief erstaunen. 

Flatternde Schatten 

Fallen mir über die glühende Stirn, 

Kühlend und streichelnd und gut.


Kichernd kitzeln Halme im Nacken – 

Durch den brennenden Schlummer 

Haucht mir ins Ohr nur 

Ein Klang vom gemächlichen Wind. 

Und ein herschwankender Wagen, 

Mahlend im quirlenden Staub, 

Bringt mit dem Dufte 

Von schweißglänzenden Pferden und süßlichem Heu 

All den Ruch und die Sonne 

Des Sommers.



In Flut und Licht

Hinaus aufs Meer! die glatten Wellen funkeln. 

Froh durch des Gartens saftige Bukette, 

Darin im Licht die Rosen röter dunkeln.


Es knirscht der Ufersand am Landungsbrette: 

Hurra, mein Boot! ihr braunlackierte Planken, 

Du ungeduldig Tanzboot an der Kette,


Dir schlägt der Schaum die schmalgewölbten Flanken; 

Vertrauter Seegenosse, du mein Freund, 

Wie manche Wetterfahrt kann ich dir danken;


Bin auch wie du von Brand und Salz gebräunt. 

Die Riemen raus und uferab gestrebt 

Mit kräftʼgem Schlag – vom Gartengrün umzäunt


Winkt wärmeflimmernd weiß das Haus und schwebt 

Auf prallbemaltem heißen Uferstriche: 

Ein Bild von Herdlichkeit, doch erdgeklebt.


Nun Ärmel aufgekrempt; die mittagliche, 

Vorm durstʼgen Blick weitoffne Flut gewinnen, 

Die hin und her sich wirft im Sonnenstiche.


Getauchte Ruder ächzen in den Pinnen, 

Ein salzgewürzter Wind springt herrlich auf, 

Läßt sprühend Schaumgespritz vom Buge rinnen.


Glückheißer Tag! leuchtblau emporgerundet – 

Darein die braune Stirn, die Brust getaucht 

Und lichtflutvoll sich atmend froh gesundet.


O wie mit jedem Ruck, von Kraft gestaucht, 

Der Horizont sich immer größer weitet – 

Die weißen Wolken blühn, das Wasser raucht –


Lichtmeer ist über Wassermeer gebreitet – 

Ich zieh die glanzbeströmten Ruder ein 

Und horchʼ, wie unterm Kiel das Wasser gleitet,


Wie in den hohen königlichen Schein, 

Wie in das große Wolkensausen oben 

Das kühle Glucksen zärtlich singt hinein.


Fanfaren schmettern Göttertag da droben, 

Umarmend, ewigkeitlich unbewußt – 

O Meer, o Himmel, Licht in Licht gehoben!


O Mensch, entblöße glücklich deine Brust! 

Wirf ab, wirf ab das Kleid, so grau und trennend, 

Stürz ein in diese unsagbare Lust!


O nun ich nackt, mitbrausend und mitbrennend, 

Bestürm ich denkend, singend, brünstig dich, 

Dich, Gott und Tagerleuchter, Vater nennend.


Wie wüßt ich diesem Glück, so sonderlich, 

Denn andern vollen Namen als den deinen, 

Der alle Dinge wärmet väterlich.


Du willst auch gütig jetzt um mich, den einen, 

Der kam vom flachen Ufer, Mann und arm, 

Mit diesem reichen Augenblick vereinen.


Ich bin umweht in himmlischem Alarm, 

Und staune blind, o Herr, in dieses Licht, 

Dein Odem trieft von meiner Brust so warm,


Ich hebe Mund und Stirn, und seh dich nicht . . . 

Und glaube doch dich her zu mir im Leuchten, 

Dein Sohn von Angesicht zu Angesicht.


Halt weich und fest den in die Knie Gebeugten, 

Der ungeborn dir schon am Busen lag – 

Ich fühle Strahlenschimmer mich umfeuchten,


Fühl deines Sonneherzens Flügelschlag 

Die tausendporenoffne Haut mir streifen, 

Fühl eine Vaterhand durch diesen Tag


Nach meinem tanzgewiegten Herzen greifen 

Und Heiterkeit mit tausend Tönen flügeln 

Und Aufgehobenheit ins Höchste schweifen.


Du hältst mich immer wieder über Hügeln, 

Gesang, mein Gott, aus Dämmern und Beschwerde – 

Du kannst zum Guten alles in mir zügeln!


Ich fühle, wie ich kindlich, göttlich werde! 

Ich liebe dich, mein Vater, gut und grau, 

Mit Meer und Tag und diesem Glanz der Erde!


Allum in Luft und Flut braust Wolkenblau –



Sonne

Allmächtig prächtig Glutgestirn, 

Überwältigend emporwirbelnd, aufdonnernd vor Licht über

Wolkenfirn 

In flutblau schäumende Himmelshallen, 

Die aus Unendlichem ewig herniederfallen: 

Unter dir sind: Waldmeere, der Flüsse Geäder, Felsballen, 

Und der grenzenlos hindunstende Tag 

Von Anfang zu Anfang. 

Erster Tag der Farnwälder und Saurier; ersten Blutes,

Pulses Schlag, 

Da aus der Mutter gewölbtem Leib ein Kind den

Erdenodem trank! 

Oh! wie da aus aller Runde orgelnd: Leben! Leben! sang – 

Mächtig aufrauschten die Vaterstimmen der Fluten dem

Gebärten, 

Die grauen Ur-Steingebirge schauerten in ihren Bärten, 

Und Blüten, Blüten fielen tausendfroh aus Blumenhainen 

Und ein kindlich Lallen und erhaben Weinen. – – – 

Und regten sich tief unter deinem Feuerangesicht: 

Der Heerscharen Gewimmel, Aufruhr und Kampfgericht, 

Gelage bei Leichen, Sturzwassernot, Meucheltod – 

Schwarzqualmender Städtemord, wild und funkenrot, – 

Vom Haß, vom Leid zerpflügtes und zerfleischtes Land. – – 

Und wieder bricht dein Feuerknäul durch Nacht und

Wetterwand: 

Seht da: London! Tower-Bridge, Dom, Westminster, 

Palastfronten von grauem Nebel triefend, morgenfinster – 

Auf einmal: brennend, auflodernd, Türme glühen, 

Park, Alleestraßen, Fußgänger, Volk, Volk sprühen, 

Aufquirlend, hingerissen im gleißenden Mittagsgold! 

Und Wagen-Strom schiebt, knattert unendlich – rollt, rollt – 

Und wieder, seht: Berlin! Häusergevierte, Warenhausblöcke, 

Straßen-Netze, Kaufmannschaft, Damen, Uniformröcke, 

Paraden-Märsche, Lärm von Autos, Omnibussen, Gäulen 

Um Reichtagsgebäude, Museen, Bahnhöfe, Denksäulen – 

Und abermals! Da: Peking! Papierlaternen um Pagoden, 

Gong-Musik, Zithergeklimper; gelbe, blumige Seidenmoden 

Der zierlich trippelnden Frauen und Holzschuhgeklopf – 

Rassig magere Kulis, Mandarinen mit Schirm und Zopf 

Huschen vor Konfutses Tempel, dastehend aus Teak,

Glasurziegeln. 

Und fern: Pei-Ho! Jangt-se-kiang! Fließender Spiegel: 

Darin: Dschunken mit Mattensegeln, Haus- und Blumenboote, 

Von Flußpiraten erstochene, rundbäuchige, treibende Tote. – 

Und endlich: gigantisch, olympgroß: New York! 

Rauch – Rauch – Ahnung von Arbeit, Tosen und Grenzlosem 

Über fensterquadrierten Steinbergen, Hauskathedralen, 

Beton-Türmen, Kuppeln, Menschheit-Arsenalen – 

Breit walzende Avenuen, Squares; Würfeleinschnittgefüge – 

Kletternd: elektrische Untergrund- und Hochbahnzüge – 

Plötzlich: brandend, blendend gewaltig Licht über Licht! 

Unten: anbrechend die Nachmittagsschicht: 

Gefauch, Geklirr, Sirenen-Heulen, zischender Dampf, Gehämmer, 

Ozean-Riesen, Mammut-Schiffe wühlen aus dem Dunstdämmer, 

Rhode-Island-Dampfer, Hudson-Pinassen an Mole und Pier: 

Stündliche Schlacht, Lebenseroberung, Gold-Wut, Brot-Gier. 

Darüber, bogenspringend, tragend Bahnen, Männer, ohne Lücke: 

Fein schütternde, kilometerlange Brooklyner Hängebrücke! 

Alles, alles: brausend, stoßend in tausendfach spielendem Licht, 

Das aus der Eisensäulen Wolkenkronen bricht!


Allmächtig, prächtig Glutgestirn, 

Emporwirbelnd, aufdonnernd vor Helle über Wolkenfirn: 

Es ist kein Tag, der nicht von dir zerglüht, versengt, erbleicht 

In Meere, Prärien, Städte sich abendmüde, leblos neigt und

schweigt. 

Und keine Sterne – Nacht, die sich in blindem Durste schnell

verblüht, 

Bis wieder Morgen! Morgen! Wolken, Wellen Menschenhäupter

übersprüht.


Du Gottesgestirn, flammensausender Blick und Auge ungeheuer: 

Du hältst, umwärmst und brennst mit deiner Güte Feuer: 

Gewölk, Getier, Gezeiten, Menschheit aller Zonen, 

Erdniedersingend, himmelüberschwingend in Aeonen, 

Äquator, Pol – Europa und auch Asien?


O, unser aller, meine, deine lebenheiße Welt 

Von unaufhörlich gutem, ewig großem Tage überhellt, 


Von Sonne! Sonne! Sonne!



Romanze in allen Regenbogenfarben

Komm auf mein Schiff! Heut bin ich der Baas, der Herr meines

Tages! 

Menschlich und warm wie aufgestanden vom Tisch des

Gelages – – 

Unter deinen weißglacéenen Schühchen, wundervoll, 

Schaukelt würzig braungeteerte Planke hohl – 

Schau: die nackten, bronzebraunen Ruderknechte! 

Manche tausend Rupien wert, die magren Hechte, 

Wie sie listig laustern, blinzelnd gieren, stieren, 

Die in Schweiß und Bravheit an der Eichenbank vertieren, 

Sehn sie nur dein gelbes Bast-Rohseidenkleid, 

Deine elegant umbauschte, damenhafte Zierlichkeit, 

Und dein blau Pariser Hütchen mit der riesigroten Pluderrose – 

»Vorwärts! Lümmels! Ruder raus! Daß ich mich nicht um euch

erbose!


Denn ihr wißt, die Nilpferdpeitschenriemen 

Ziehen höllisch heiße, sichtbarliche Striemen!« – – 

Blähend wölbt wie eine Wolke lichtes Segel straff am Mast. 

Rasselnd, knirschen schwenken Hebeprähme Tonnenlast. 

Orlog-Flagge, Wimpel hoch! Es kommt der anmutbleiche Gast! 

»Platz! Platz!« ihr schwarzbequalmte, ölbekleckste Trimmer! 

Saht ihr je solch Eiderdaunchen, solch ein Frauenzimmer? 

Liebste Dame, schnell! Wie mich dein blondes Kopfoval berückt, 

Würden diese zahmen Biester sicherlich aus Rand und Band

verrückt, 

Sähen sie die Sonne deines Lächelns deinem Angesicht erblühn, 

Deine kleinen Mandelaugen, deiner elfenbeinern Zähne Sprühn – 

Hier spürst du schon vom Speisen-Vielerlei aus der Kombüse 

Süßen Ruch von Butterfischen, Reisgeflügel und Gemüse – 

Und diese blankpolierte Treppe fällt zu meiner Friedenshütte, 

Tief im warmen Bauch des Schiffes: Oase mein, Kajüte! 

Ledersessel drinnen, Delfter Teller, Haarlem-Tulpen, 

Java-Batiks, Katze aus Angora und Brabanter Stulpen; 

Koran, Bibel und Petrarkas Oden an die Laura – 

»Vaer saa good, kom ind: kaere Monna Guttadaura!« 

Ich weiß, du liebst die satten Purpurweine aus Burgund, 

Und ich lieb deinen appetitlich kleinen, rosa Muschelmund! 

Fort mit Logbuch, Karten und Sextanten! 

»In diese blumiggrüne Kapsel zwischen Wanten, Spanten 

Kommt mir niemand, Pedro! Du stehst Posten!« 

Braver Kerl, kam aus Nevadas Glut, salzig Wasser mal zu kosten.


Träume, trinke – säume, sinke – küsse, küsse! 

In dem Weltmeer wimmeln einig tausend Flüsse – – 

Du weißt nicht, wie smaragden Blumenquallen schimmern, 

Wie abends unterm Deck zum Dudelsack die Neger wimmern, 

Wie toller Gischt, den Vordersteven überschießend, brüllt, 

Wie unter dem Äquator Wahnsinn in den heißen Kehlen krüllt, 

Wie überblühte Tropennächte gläsern tief erhellen, 

Wie wilde, zerknüllende Luftzyklone schnellen, 

Wie Sonnenbrände irrsinnig-göttlich über Welten gellen – – 

Doch wenn der große Südpassat vom Horizonte schwillt, 

Sanft auffliegend, wiegend, warm und mild, 

Zugvögelschwärme, Flatterfische mit sich gießend, 

Von Zimt, Vanille, gutem Erdgeruche überfließend – 

Da wird uns Ahnung zärtlich schauern von Paradies und Eiland: 

Ein Abendpfühl und Heimatbett und aller Sonne Freiland! 

Schaumumtanzter Lotos: Otaheiti du, Palpete! 

Kindlich grüner Palmenbüschel, Hafen mit Kanugewimmel – 

Darüber: tönend, lichtzerspringend ungeheuer blauer Himmel. 

Dort wollen wir leben, einfaltfroh, ergötzlich animalisch. 

Wir werden, ein Urmenschenelternpaar, patriarchalisch 

Unter steinzeitaltem Mangobäume sitzen, 

Braune Kindeskinder werden Klappern oder Pfeile schnitzen – 

Einmal morgens, wenn schon draußen Lichter auf den Wellen

blitzen 

Und wir aus sattem Schlaf vom warmen Leib die Arme lösen: 

Kommt stöhnend, fern von fern, ein feines Rauschen von

Getösen, 

Wird voller, kommt und kommt, allmächtig wie Trompetenton – 

Wellen wühlen schwärzer, Sturzschaumzacken drohn – 

Brausend Wesen bäumt sich jäh empor – 

Ferne Sintflut rauscht Weltuntergangschor. 

Und aus dem Sturm hebt eine große Stimme an, sonor: 

– – Einst – war – Europa – – – 

Wir sitzen klein und unbeweglich, träumen, staunen – 

Leichte Dünung plätschert wieder – fern: gedämpftes Raunen – 

Aus stiller Brust rührt scheues Stammeln an den Gott. 

Sonne schwebt, Mittagsonne höher, höher, füllend 

Stirnen, Schultern heißbetropfend, hüllend. 

– Bis aus den Mattenhütten unsre Kinder brechen 

Und trällernd, plappernd, 

Mit Rasseln klappernd, 

Vom riesengroßen Haifischfange sprechen.


Komm schnell aufs Schiff! fix, gesputet! 

Man schlägt das Gong – die große Heulsirene tutet ... 

Abfahrt nach: Irgendwo – Flutenland . . . 

So! – Reichʼ mir deine Hand . . . 

Spring!



An die Soldaten des großen Krieges

In memoriam August Deppe


Herauf! aus Gräben, Lehmhöhlen, Betonkellern, Steinbrüchen! 

Heraus aus Schlamm und Glut, Kalkstaub und Aasgerüchen! 

Herbei! Kameraden! Denn von Front zu Front, von Feld zu Feld 

Komme euch allen der neue Feiertag der Welt! 

Stahlhelme ab, Mützen, Käppis! und fort die Gewehre! 

Genug der blutbadenden Feindschaft und Mordehre!


Euch alle beschwör ich bei eurer Heimat Weilern und Städten, 

Den furchtbaren Samen des Hasses auszutreten, zu jäten, 

Beschwöre euch bei eurer Liebe zur Schwester, zur Mutter, zum

Kind, 

Die allein euer narbiges Herz noch zum Singen stimmt. 

Bei eurer Liebe zur Gattin – auch ich liebe ein Weib! 

Bei eurer Liebe zur Mutter – auch mich trug ein Mutterleib! 

Bei eurer Liebe zum Kinde – denn ich liebe die Kleinen! 

Und die Häuser sind voll von Fluchen, Beten, Weinen!


Lagst du bei Ypern, dem zertrümmerten? Auch ich lag dort. 

Bei Mihiel, dem verkümmerten? Ich war an diesem Ort. 

Dixmuide, dem umschwemmten? Ich lag vor deiner Stirn 

In Höllenschluchten Verduns, wie du in Rauch und Klirrn; 

Mit dir im Schnee vor Dünaburg, frierend, immer trüber, 

An der leichenfressenden Somme lag ich dir gegenüber. 

Ich lag dir gegenüber überall, doch wußtest du es nicht! 

Feind an Feind, Mensch an Mensch und Leib an Leib, warm und

dicht.


Ich war Soldat und Mann und Pflichterfüller, so wie du, 

Dürstend, schlaflos, krank – auf Marsch und Posten immerzu. 

Stündlich vom Tode umstürzt, umschrien, umdampft, 

Stündlich an Heimat, Geliebte, Geburtsstadt gekrampft 

Wie du und du und ihr alle. – 

Reiß auf deinen Rock! Entblöße die Wölbung der Brust! 

Ich sehe den Streifschuß von fünfzehn, die schorfige Krust, 

Und da an der Stirn vernähten Schlitz vom Sturm bei Tahüre – 

Doch daß du nicht denkst, ich heuchle, vergeltʼ ich mit gleicher

Gebühr: 

Ich öffne mein Hemd: hier ist noch die vielfarbige Narbe am Arm!

Der Brandstempel der Schlacht! von Sprung und Alarm, 

Ein zärtliches Andenken lang nach dem Kriege. 

Wie sind wir doch stolz unsrer Wunden! Stolz du der deinigen, 

Doch nicht stolzer als ich auch der meinigen.


Du gabst nicht besseres Blut und nicht rötere Kraft, 

Und der gleiche zerhackte Sand trank unsern Saft! – 

Zerschlug deinen Bruder der gräßliche Krach der Granate? 

Fiel nicht dein Onkel, dein Vetter, dein Pate? 

Liegt nicht der bärtige Vater verscharrt in der Kuhle? 

Und dein Freund, dein lustiger Freund aus der Schule? – 

Hermann und Fritz, meine Vettern, verströmten im Blute, 

Und der hilfreiche Freund, der Jüngling, der blonde und gute. 

Und zu Hause wartet sein Bett, und im ärmlichen Zimmer 

Seit sechzehn, seit siebzehn die gramgraue Mutter noch immer. 

Wo ist uns sein Kreuz und sein Grab! – 


Franzose du, von Brest, Bordeaux, Garonne, 

Ukrainer du, Kosak vom Ural, Dnjestr und Don, 

Österreicher, Bulgare, Osmanen und Serben, 

Ihr alle im rasenden Strudel von Tat und von Sterben – 

Du Brite, aus London, York, Manchester, 

Soldat, Kamerad, in Wahrheit Mitmensch und Bester – 

Amerikaner, aus den volkreichen Staaten der Freiheit: 

Wirf ab: Sonderinteresse, Nationaldünkel und Zweiheit! 

Warst du ein ehrlicher Feind, wirst du ein ehrlicher Freund. 

Hier meine Hand, daß sich nun Hand in Hand zum Kreise binde 

Und unser neuer Tag uns echt und menschlich finde.


Die Welt ist für euch alle groß und schön und schön! 

Seht her! staunt auf! nach Schlacht und Blutgestöhn: 

Wie grüne Meere frei in Horizonte fluten, 

Wie Morgen, Abende in reiner Klarheit gluten, 

Wie aus den Tälern sich Gebirge heben, 

Wie Milliarden Wesen uns umbeben! 

O, unser allerhöchstes Glück heißt: Leben! –


O, daß sich Bruder wirklich Bruder wieder nenne! 

Daß Ost und West den gleichen Wert erkenne: 

Daß wieder Freude in die Völker blitzt: 

Und Mensch an Mensch zur Güte sich erhitzt!


Von Front zu Front und Feld zu Feld, 

Laßt singen uns den Feiertag der neuen Welt! 

Aus aller Brüsten dröhne eine Bebung: 

Der Psalm des Friedens, der Versöhnung, der Erhebung! 

Und das meerrauschende, dampfende Lied, 

Das hinreißende, brüderumarmende, 

Das wilde und heilig erbarmende 

Der tausendfachen Liebe laut um alle Erden!