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Fidel Castro – Die Geschichte wird mich freisprechen

(abschließende Verteidigungsrede im »Moncada«-Prozess, September/Oktober 1953, Santiago de Cuba)

Ehrenwerte Richter Noch nie musste ein Rechtsanwalt seine Tätigkeit unter derart schwierigen Bedingungen ausüben; noch nie gab es eine derartig große Anzahl gravierender Unregelmäßigkeiten gegenüber einem Angeklagten. In diesem Fall sind der Verteidiger und der Angeklagte ein und derselbe Mensch. Als Verteidiger war er nicht einmal in der Lage, einen Blick auf die Anklageschrift zu werfen. Als Angeklagter war er in den vergangenen 76 Tagen in Einzelhaft isoliert, ohne jede Kommunikationsmöglichkeit, in Verletzung aller Menschen- und Bürgerrechte.

Er, der nun zu Ihnen spricht, hasst Eitelkeiten mit seinem ganzen Wesen, genauso wenig verlangen sein Temperament oder sein Geist nach pathetischen Tricks im Gerichtssaal oder irgendeiner Art von Sensationslust. Wenn ich meine Verteidigung vor diesem Gericht vorbringe, dann hat dies zweierlei Gründe. Erstens, weil mir jede Rechtshilfe fast vollständig verweigert wurde, und zweitens: nur jemand, der so tief verletzt wurde, der gesehen hat, wie sein Land im Stich gelassen und seine Gesetze mit Füßen getreten wurden, kann in diesem Moment Worte finden, die aus der Tiefe seines Herzens und seiner innersten Wahrheit kommen.

Es gab keinen Mangel an wohlmeinenden Genossen, die mich verteidigen wollten, und die Anwaltsvereinigung von Havanna hat sogar einen couragierten und kompetenten Juristen, Dr. Jorge Pagliery, den Vorstand der Vereinigung in dieser Stadt, benannt, um mich in diesem Fall zu verteidigen. Dennoch wurde ihm nicht gestattet, seine Aufgabe zu erfüllen. Immer, wenn er versuchte, mich in der Haft zu besuchen, blieben die Gefängnistore für ihn verschlossen. Erst nach eineinhalb Monaten und aufgrund der Intervention durch das Gericht wurde ihm schließlich gestattet, ein zehnminütiges Gespräch mit mir zu führen – in Gegenwart eines Offiziers des Militärgeheimdienstes. Man möchte doch annehmen, dass ein Anwalt das Recht hat, mit seinem Mandanten unter vier Augen zu sprechen – dieses Recht wird auf der ganzen Welt respektiert, außer in den Fällen der kubanischen Kriegsgefangenen, die in die Hände der unerbittlichen Tyrannei gefallen sind, für die keinerlei Gesetze gelten, seien es Menschen- oder Bürgerrechte. Weder Dr. Pagliery noch ich wollten eine derart schmutzige Spionage gegenüber unserer Verteidigungsstrategie bezüglich der anstehenden Verhandlung dulden. Wollten sie vielleicht vorab wissen, welche Methoden wir anwenden würden, um den Schmutz zu beseitigen, die ihre unglaublichen Lügenfabriken rund um die Ereignisse vor der Moncada-Kaserne produziert hatten? Wie sollten wir vorgehen, um die furchtbare Wahrheit zu enthüllen, zu deren Verschleierung sie so große Anstrengungen unternahmen? Wir haben schließlich aufgrund meines Vorteils der beruflichen Befähigung als Anwalt entschieden, dass ich meine Verteidigung selbst übernehmen solle.

Diese Entscheidung, die der Geheimdienstspion mitgehört und seinem Vorgesetzten berichtet hat, sorgte für Panik. Es sah so aus, als ob ein kleines spöttisches Teufelchen ihnen geflüstert hätte, dass ich all ihre Pläne ruinieren würde. Sie wissen sehr gut, hoch verehrte Richter, wie viel Druck auf mich ausgeübt wurde und ich ertragen musste, der allein dazu dienen sollte, mich selbst dieses Rechtes zu berauben, das durch eine lange Tradition in Kuba garantiert ist. Das Gericht konnte dieser Vorgehensweise nicht nachgeben, durch die der Angeklagte ohne jede Verteidigung geblieben wäre. Der Angeklagte, der nun dieses Recht, seinen eigenen Fall vorzubringen, ausübt, wird keinesfalls damit aufhören, genau das zu sagen, was gesagt werden muss. Ich halte es für äußerst wichtig, dass ich die Gründe darlege, warum ich in dieser furchtbaren Isolation gehalten wurde; was der Zeck war, mich ruhig zu stellen; was hinter den Plänen steckte, mich zu ermorden – Pläne, die dem Gericht bekannt sind; welche schwerwiegende Vorgänge vor der Bevölkerung verborgen wurden und werden; und die Wahrheit hinter all den eigenartigen Dingen, die sich während dieses Prozesses ereigneten. Ich beabsichtige, dies alles mit größter Klarheit zu tun.

Sie haben in der Öffentlichkeit davon gesprochen, dass dieser Fall der wichtigste in der Geschichte der Republik sei. Wenn Sie das wirklich glauben, dann hätten Sie es nicht erlauben sollen, dass Ihre Autorität beschmutzt und entwertet wird. Der erste Verhandlungstag war der 21. September. Zwischen einhundert Maschinengewehren und Bajonetten, die in skandalöser Weise in die Hallen der Justiz eindrangen, wurden mehr als hundert Menschen auf die Anklagebank gesetzt. Die große Mehrheit von ihnen hatte nichts zu tun mit den Geschehnissen. Sie wurden für viele Tage präventiv inhaftiert und litten unter allen möglichen Angriffen und Misshandlungen in den Kammern der Unterdrückungseinheiten. Doch der Rest der Angeklagten, der tapfer und entschlossen war, war bereit, stolz zu bestätigen, dass sie teilgenommen hatten am Kampf für die Freiheit, bereit, ein Beispiel einzigartiger Selbstaufopferung zu liefern und den Klauen der Gefängnisse jene zu entreißen, die vorsätzlich und in böser Absicht in den Prozess verwickelt wurden. Jene, die sich bereits im Kampf getroffen hatten, standen einander abermals gegenüber. Abermals würden wir im Dienste der Gerechtigkeit den furchtbaren Kampf der Wahrheit gegen die Niedertracht führen Gewiss war das Regime nicht vorbereitet auf die moralische Katastrophe, die noch auf es wartete

Wie sollten all die falschen Anschuldigungen aufrechterhalten werden? Wie sollte geheim gehalten werden, was tatsächlich geschehen war, wenn so viele junge Menschen den Willen hatten, alles zu riskieren – Gefängnis, Folter und Tod, falls nötig –, damit vor diesem Gericht die Wahrheit erzählt wird?

Ich wurde am ersten Verhandlungstag als Zeuge aufgerufen. Zwei Stunden lang wurde ich sowohl durch den Staatsanwalt als auch durch zwanzig Verteidiger befragt. Ich war in der Lage, mit exakten Daten und Fakten die Summen des aufgewendeten Geldes zu belegen, zu berichten, wie dieses Geld gesammelt worden war und welche Waffen wir uns beschaffen konnten. Ich hatte nichts zu verbergen, denn es war die Wahrheit: all dies wurde bewerkstelligt durch in der Geschichte unserer Republik beispiellose Opfer. Ich sprach über die Ziele, die uns im Kampf inspiriert hatten, und über die menschliche und großzügige Behandlung, die wir zu jedem Zeitpunkt unseren Gegnern zukommen ließen. Wenn es mir gelungen ist, zu beweisen, dass jene, die fälschlich in dieses Verfahren hineingezogen wurden, in Wirklichkeit aber weder direkt noch indirekt involviert waren, so verdanke ich dies der umfassenden Hilfe und Unterstützung durch meine heroischen Genossen. Da, wie ich bereits sagte, die drohenden Konsequenzen zu keinem Zeitpunkt ihre Verfasstheit als Revolutionäre und Patrioten infrage zu stellen vermochten, war es mir kein einziges Mal während der Haft gestattet, mit diesen Genossen zu sprechen – und trotzdem haben wir geplant, exakt dasselbe zu tun. Tatsache ist, dass, wenn Menschen dieselben Ideale im Herzen tragen, nichts sie voneinander isolieren kann - weder Gefängnismauern noch die Grasnarbe der Friedhöfe. Denn ein gemeinsames Gedächtnis, ein Geist, eine Idee, ein Bewusstsein, eine Würde wird sie alle tragen.

Von dem Moment an begann das Lügengebäude, das das Regime rund um die Ereignisse bei der Moncada-Kaserne errichtet hat, einzustürzen wie ein Kartenhaus. Folgerichtig realisierte der Staatsanwalt, dass es völlig absurd war, all diese Menschen als angebliche Anstifter im Gefängnis zu behalten, und er veranlasste ihre provisorische Freilassung.

Am Ende meine Befragung am ersten Verhandlungstag bat ich das Gericht, mir zu erlauben, die Anklagebank zu verlassen und auf den Sitz des Verteidigers zu wechseln. Diese Erlaubnis wurde mir erteilt. An diesem Punkt begann die meiner Meinung nach wichtigste Aufgabe für mich in diesem Verfahren: die feigen, elenden und hinterhältigen Lügen, die das Regime gegen unsere Kämpfer geschleudert hatte, als unglaubwürdig zu entlarven; mit unwiderlegbaren Beweisen zu enthüllen, welch furchtbare und abstoßende Verbrechen an den Gefangenen verübt wurden; und der Nation und der Welt das unendliche Unglück des kubanischen Volkes zu zeigen, das unter der brutalsten und unmenschlichsten Unterdrückung seiner Geschichte leidet.

Der zweite Verhandlungstag war Dienstag, der 22. September. Zu diesem Zeitpunkt waren erst zehn Zeugen befragt worden, und doch hatten sie bereits die Morde im Gebiet von Manzanillo aufgeklärt, insbesondere indem sie die direkte Verantwortung des kommandierenden Kapitäns des Postens zu Protokoll gaben. Es gab 300 weitere Zeugen, die befragt werden sollten. Was würde passieren, wenn ich – bei weiterhin steigenden Mengen an Fakten und Beweisen – in weiterer Folge die ehrenwerten Armeeangehörigen ins Kreuzverhör nehmen sollte, die direkt verantwortlich für diese Verbrechen waren? Könnte es das Regime mir erlauben, vor diesem großen Auditorium, das den Prozess verfolgt, fort zu fahren? Vor Journalisten und Juristen von überall auf der Insel? Und vor den Parteiführern der Opposition, die sie dummerweise direkt zur Anklagebank gesetzt hatten, so dass sie problemlos alles mitbekommen konnten, was dort besprochen wurde? Sie hätten eher das Gerichtsgebäude mitsamt all seiner Richter in die Luft gejagt, als dass sie dies erlaubt hätten

Und daher haben sie einen Plan entworfen, durch den sie mich aus dem Prozessverlauf eliminieren konnten – und sie gingen daran ihn umzusetzen, mit militärischen Mitteln. Freitag-Abend, am 25. September, am Vorabend des dritten Verhandlungstages, besuchten mich zwei Gefängnisärzte in meiner Zelle. Sie waren offensichtlich verlegen. »Wir sind gekommen, um Sie zu untersuchen«, sagten sie. Ich fragte sie: »Wer ist so besorgt um meine Gesundheit?« Eigentlich war mir vom ersten Moment an, als ich sie sah, klar, wozu sie gekommen waren. Sie haben mich mit äußerstem Respekt behandelt und haben mir ihre missliche Lage erklärt. Am Nachmittag war Oberst Chaviano im Gefängnis erschienen und hatte ihnen gesagt, dass ich mit diesem Prozess der Regierung fürchterlich schaden würde. Er hat den Ärzten gesagt, sie müssten ein Zertifikat unterzeichnen, dass bestätigte, dass ich krank wäre und daher nicht zur Verhandlung erscheinen könnte. Die Ärzte meinten mir gegenüber, sie seien bereit, von ihren Ämtern zurückzutreten und sich einer etwaigen Verfolgung auszusetzen. Sie legten die Angelegenheit in meine Hände, damit ich entscheiden könnte. Ich fand es schwer, diese Menschen darum zu bitten, ohne zu zögern sich selbst zu zerstören. Aber ebenso wenig konnten ich – egal unter welchen Umständen – zulassen, dass der Befehl ausgeführt würde. Ich überließ die Angelegenheit ihrem Gewissen und sagte ihnen nur: »Ihr müsst wissen, was eure Aufgabe ist; ich kenne meine.«

Nachdem sie meine Zelle verlassen hatten, unterzeichneten sie das Zertifikat. Ich weiß, dass sie es deshalb taten, weil sie im guten Glauben waren, dass nur so mein Leben gerettet werden könnte, von dem sie dachten, es wäre in größter Gefahr. Ich wurde nicht verpflichtet, unsere Konversation geheim zu halten, zumal ich nur der Wahrheit verpflichtet bin. In diesem Fall die Wahrheit zu sagen, bedeutet, die materiellen Interessen dieser guten Ärzte aufs Spiel zu setzen, doch gleichzeitig beseitige ich alle Zweifel über ihre Ehrenhaftigkeit, die viel mehr wert ist. In derselben Nacht schrieb ich dem Gericht einen Brief, in dem ich den Plan aufdeckte; und ich bat um die Entsendung zweier gerichtlicher Ärzte, die meinen exzellenten Gesundheitszustand bestätigen sollten und außerdem Sie zu informieren, dass ich es tausendmal vorziehen würde, mein Leben zu verlieren, wenn ich an solch einem Betrug teilnehmen müsste, um es zu retten. Um meine Entschlossenheit zu zeigen, gegen dieses gesamte verkommene Komplott zu kämpfen, ergänzte ich meine eigenen Worte noch um eine Zeile des Meisters [gemeint ist José Martí, 1853-1895, kubanischer Dichter, Freiheitskämpfer und Nationalheld; Anm. d. Übers.]: »Eine gerechte Sache kann selbst aus den Tiefen einer Höhle mehr zuwege bringen als eine Armee.« Wie das Gericht weiß, war dies ein Brief, den Dr. Melba Hernández am dritten Verhandlungstag des Prozesses am 26. September vorgelegt hat. Es gelang mir trotz der schweren Bewachung, ihn ihr zu übergeben. Dieser Brief zog selbstverständlich unmittelbar Vergeltungsmaßnahmen nach sich. Dr. Hernández wurde zur Einzelhaft verurteilt und ich – nachdem ich ohnedies schon ohne Außenkontakte war – wurde in den unzugänglichsten Teil des Gefängnisgebäudes überstellt. Von da an wurden alle Angeklagten immer von Kopf bis Fuß genau durchsucht, bevor sie in den Gerichtssaal gebracht wurden.

Zwei gerichtliche Ärzte bestätigten am 27. September, dass ich mich tatsächlich perfekter Gesundheit erfreute. Und doch, den wiederholten Anordnungen des Gerichtes zum Trotz, wurde ich nicht wieder zu den Anhörungen gebracht. Darüber hinaus ließen anonyme Leute täglich hunderte falsche Flugblätter zirkulieren, die meine Befreiung aus dem Gefängnis ankündigten. Diese dummen Fälschungen wurden erfunden, damit sie mich vollständig physisch eliminieren und dann behaupten könnten, ich hätte einen Fluchtversuch unternommen. Nachdem dieses Pläne misslangen aufgrund rechtzeitiger Aufdeckung durch immer wachsame Freunde und nachdem die erste beeidigte Erklärung als Fälschung entlarvt worden war, konnte mich das Regime nur noch durch die offene und schamlose Missachtung des Gerichts vom Prozess fernhalten.

Das war eine unglaubliche Situation, verehrte Richter: hier hatte ein Regime tatsächlich Angst davor, einen Angeklagten vor Gericht zu bringen; ein Regime, das in Blut gebadet ist und auf Terror basiert, schrak zurück vor der moralischen Überzeugung eines verteidigungslosen Menschen – unbewaffnet, verleumdet und isoliert. Und auf diese Weise, nachdem ich bereits um alles andere betrogen worden war, betrogen sie mich zu guter letzt auch noch um das Gerichtsverfahren, in dem ich der Hauptangeklagte war. Erinnern Sie sich, dass dies alles in der Zeit geschah, in der die individuellen Rechte suspendiert waren, während der Akt über die öffentliche Ordnung und die Zensur über Rundfunk und Presse in Kraft waren. Welch unglaubliche Verbrechen muss dieses Regime begangen haben, wenn es die Stimme eines einzelnen angeklagten Menschen derart fürchtet

Ich muss näher eingehen auf die Unverschämtheit und den fehlenden Respekt seitens der Armeeführer gegenüber dem Gericht. So oft dieses Gericht das Ende meiner unmenschlichen Isolationshaft angeordnet hat; so oft es angeordnet hat, dass meine elementarsten Rechte respektiert werden müssten; so oft es darum ersucht hat, dass ich vor Gericht gebracht würde – so oft wurde den Anordnungen dieses Gerichts nicht Folge geleistet Noch schlimmer: in Gegenwart des Gerichts, während der ersten und zweiten Anhörung, wurden links und rechts von mir Wachmänner aufgestellt, die mich unter allen Umständen davon abhalten sollten, mit irgendjemandem zu sprechen, selbst während der kurzen Unterbrechungen. Mit anderen Worten, nicht nur im Gefängnis, sondern auch im Gerichtssaal und in Ihrer Gegenwart haben sie Ihre Anordnungen ignoriert. Ich hatte vor, diese Angelegenheit in der darauf folgenden Anhörung als Frage des elementaren Respekts vor dem Gericht zu erwähnen, aber – ich wurde nie wieder zurückgebracht. Und falls sie, im Austausch für soviel Missachtung, uns vor Sie bringen, damit wir eingesperrt werden im Namen einer Gesetzlichkeit, die sie und nur sie seit dem 10. März verletzt haben, dann wäre die Rolle, die sie Ihnen aufgezwungen hätten, wahrlich eine traurige. Die lateinische Maxime »Cedant arma togae« [»Die Waffen mögen der Toga weichen«, Cicero; soll bedeuten: »Die Gewalt möge dem Gesetz weichen«; Anm. d. Übers.] wurde freilich nicht zu einem einzigen Anlass während dieses Prozesses erfüllt. Ich bitte Sie, diesen Umstand gut im Gedächtnis zu behalten.

Darüber hinaus waren diese Mittel in allen Fällen eher nutzlos; meine tapferen Genossen erfüllten mit beispiellosem Patriotismus ihre Aufgabe nach besten Kräften.

»Ja, wir haben uns vorgenommen, für Kubas Freiheit zu kämpfen, und wir schämen uns nicht dafür, so gehandelt zu haben«, erklärten sie, einer nach dem anderen, im Zeugenstand. Dann klagten sie mit beeindruckendem Mut gegenüber dem Gericht die abscheulichen Verbrechen an, die den Körpern unserer Freunde angetan worden waren. In meiner Zelle war ich trotz meiner Absenz in der Lage, den Prozess in allen seinen Details zu verfolgen. Und ich habe den Inhaftierten im Gefängnis Boniato dafür zu danken. Trotz aller Bedrohungen fanden diese Menschen bemerkenswerte Mittel, um mir Zeitungsartikel und allerlei andere Informationen zukommen zu lassen. Auf diese Weise rächten sie die Misshandlungen und Unmenschlichkeiten, die an ihnen verübt wurden, sei es durch Taboada, den Gefängnisdirektor, oder durch den Verwaltungsinspektor, Leutnant Rozabal, der sie von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang zwang, seine private Villa zu bauen, und sie hungern ließ, als er das Nahrungsmittelbudget des Gefängnisses veruntreute.

Mit Fortlauf des Prozesses verkehrten sich die Rollen ins Gegenteil: jene, die gekommen waren, um anzuklagen, fanden sich selbst als Angeklagte, und die Angeklagten wurden zu den Anklägern Es waren nicht mehr die Revolutionäre, die hier verurteilt werden sollten; verurteilt wurde nun und für alle Ewigkeit ein Mann namens Batista – ein schreckliches Ungeheuer – und es macht wenig aus, dass diese mutigen und wertvollen jungen Männer verurteilt wurden, wenn die Menschen morgen den Diktator und seine Handlanger verurteilen werden Unsere Männer wurden überstellt ins Gefängnis der Insel Pines, in dessen Rundgängen der Burggeist noch fortlebt und wo die Schreie unzähliger Opfer nachhallen; dorthin wurden unsere jungen Männer geschickt, damit sie für ihre Liebe zur Freiheit büßen, in bitterer Gefangenschaft, verbannt aus der Gesellschaft, herausgerissen aus ihrer Heimat und ausgewiesen aus ihrem Land. Ist es für Sie nicht offensichtlich, wie ich zuvor sagte, dass es unter solchen Umständen für diesen Anwalt schwierig und unangenehm ist, seine Aufgabe zu erfüllen?

Als Ergebnis so vieler undurchsichtiger und illegaler Machenschaften, aufgrund des Wunsches jener, die regieren, und aufgrund der Schwäche jener, die urteilen, befinde ich mich nun hier in diesem kleinen Raum im Bürgerspital, wohin ich gebracht wurde, damit ich im Geheimen abgeurteilt werde, damit ich nicht gehört werde und meine Stimme erstickt wird, damit niemand von den Dingen erfährt, die ich zu sagen habe. Warum benötigen wir dann eigentlich diesen imponierenden Justizpalast, den die ehrenwerten Richter zweifellos weitaus komfortabler finden würden? Ich muss Sie warnen: es ist unklug, die Rechtsprechung von einem Krankenhausraum aus auszuüben, umgeben von Wächtern mit fixierten Bajonetten; die Bürger könnten annehmen, dass unsere Justiz krank sei – und dass sie gefangen genommen sei.

Lassen Sie mich die Tatsache in Erinnerung bringen, dass unser Verfahrensrecht vorgibt, dass Gerichtsprozesse öffentliche Anhörungen zu sein haben; Nichtsdestotrotz wurde das gesamte Volk von dieser Anhörung ausgesperrt. Die einzigen Zivilisten, denen es erlaubt war, hierher zu kommen, sind zwei Anwälte und sechs Reporter, in deren Zeitungen die Zensur dafür sorgen wird, dass nicht ein einziges meiner Worte abgedruckt werden wird. Ich sehe, meine einzigen Zuhörer in dieser Kammer und in den Gängen davor sind die annähernd einhundert Soldaten und Offiziere. Ich bin dankbar für die höfliche und ernsthafte Aufmerksamkeit, die sie mir schenken. Ich wünschte nur, ich könnte gleich die gesamte Armee vor mir haben Ich weiß, eines Tages wird diese Armee vor Wut kochend die schrecklichen und schmachvollen Blutflecken von ihren Uniformen waschen, Blutflecken, die die gegenwärtige skrupellose Führungsclique in ihrer Herrschaftssucht zu verantworten hat. Was für ein tiefer Fall wird an diesem Tag jene auf ihren hohen Rössern erwarten, deren Arroganz ins Unermessliche gestiegen ist – vorausgesetzt, dass das Volk sie nicht schon viel früher stürzt

Abschließend sollte ich wohl hinzufügen, dass mir in meiner Zelle keine Ausgabe des Strafgesetzbuches erlaubt war. Ich habe zu meiner Verfügung nur dieses winzige Gesetzbuch, das mir mein Beistand geliehen hat, Dr. Baudillo Castellanos, der mutige Verteidiger meiner Genossen. Auf dieselbe Weise verhinderten sie, dass ich die Bücher von Martí bekommen konnte; offenbar hat die Gefängniszensur sie als zu subversiv eingestuft. Oder war dies der Fall, weil ich sagte, dass Martí uns am 26. Juli inspiriert hat? Referenzliteratur zu jedem anderen Bereich wurde mir ebenfalls während dieses Prozesses verweigert. Aber das macht keinen Unterschied Denn ich trage die Lehren des Meisters [Martí] in meinem Herzen, und in meinem Gedächtnis die großen Ideen aller Menschen, die überall die Freiheit des Volkes verteidigt haben

Ich werden dieses Gericht nur um eines ersuchen; ich bin sicher, diesem Gesuch wird stattgegeben werden als Kompensation für die die vielen Verbrechen und Misshandlungen, die der Angeklagte ohne Schutz durch das Gesetz zu ertragen hatte. Ich ersuche darum, dass mein Recht, mich hier vor Gericht zu äußern und zu erklären, ohne Einschränkungen respektiert wird. Anders könnte selbst der geringste Anschein von Gerechtigkeit nicht gewahrt bleiben, sonst wäre die letzte Episode dieses Verfahrens sogar noch mehr als alle vorherigen eine der Schändlichkeit und der Feigheit.

Ich muss gestehen, dass ich etwas enttäuscht bin. Ich hätte erwartet, dass der ehrenwerte Staatsanwalt mit gravierenden Anschuldigungen gegen mich auftreten würde. Ich dachte, er wäre darauf vorbereitet, bis aufs Äußerste seine Ansicht zu rechtfertigen, warum ich im Namen des Gesetzes und der Gerechtigkeit – welches Gesetzes und welcher Gerechtigkeit? – zu 26 Jahren im Gefängnis verurteilt werden sollte. Doch nein. Er hat sich darauf beschränkt, den Artikel 148 des Gesetzes zur Verteidigung der gesellschaftlichen Ordnung zu rezitieren. Auf dieser Basis und durch die fälschliche Überbewertung der Umstände verlangte er, dass ich für die übermäßig lange Zeit von 26 Jahren eingesperrt werden sollte Zwei Minuten scheinen doch eine sehr kurze Zeit zu sein, um zu verlangen und zu rechtfertigen, dass ein Mensch für mehr als ein Vierteljahrhundert hinter Gittern verschwinden soll. Kann es sein, dass der ehrenwerte Staatsanwalt vielleicht etwas verärgert ist über das Gericht? Denn so wie ich es sehe, steht seine lakonische Haltung in diesem Fall doch dem feierlichen Ernst entgegen, mit dem die ehrenwerten Richter ziemlich stolz erklärt haben, dass dieser Prozess von größter Wichtigkeit sei Ich habe Staatsanwälte gehört, die zehnmal länger gesprochen haben – in einfachen Drogenprozessen, bei denen sie eine Freiheitsstrafe von bloß sechs Monaten verlangten. Der ehrenwerte Staatsanwalt hat nicht ein einziges Wort vorgebracht, um sein Gesuch zu unterstützen. Ich bin ein aufrichtiger Mann. Ich sehe ein, dass es schwierig ist für einen Staatsanwalt, der gegenüber der Verfassung der Republik seine Loyalität beeidet hat, hierher zu kommen, um im Namen einer verfassungswidrigen de-facto-Regierung ohne gesetzlicher oder moralischer Basis zu verlangen, dass ein junger Kubaner, ein Anwalt wie er selbst – vielleicht sogar ebenso ehrenwert wie er selbst –, für 26 Jahre ins Gefängnis gesteckt werden soll. Aber der ehrenwerte Staatsanwalt ist ein begabter Mann und ich habe schon sehr viel weniger talentierte Personen gesehen, die überlange Hetzschriften zur Verteidigung dieses Regimes verfasst haben. Wie kann es dann sein, dass ich annehme, dass ihm die Gründe fehlen, es zu verteidigen, zumindest für 15 Minuten, wie sehr verachtenswert dies auch für jede anständige Person wäre? Es ist offensichtlich, dass es hier eine große Verschwörung hinter all dem gibt.

Ehrenwerte Richter Warum dieses Interesse, mich zum Schweigen zu bringen? Warum ist jede Art eines Arguments vorhersehbar, womit verhindert werden soll, dass irgendeine Zielfläche präsentiert wird, gegen die ich meine eigene Darstellung des Sachverhalts richten könnte? Ist es, weil sie jeder gesetzlichen, moralischen und politischen Basis entbehren, auf der eine ernsthafte Hinterfragung möglich wäre? Haben sie Angst vor der Wahrheit? Hoffen sie vielleicht, dass auch ich nur zwei Minuten sprechen und dabei keine jener Punkte berühren werde, die gewissen Leuten seit dem 26. Juli schlaflose Nächte bereitet haben? Nachdem der Antrag des Staatsanwaltes drauf beschränkt war, bloß fünf Zeilen eines Artikels des Gesetzes zur Verteidigung der gesellschaftlichen Ordnung vorzulesen – haben sie angenommen, ich würde mich ebenfalls auf dieselben Zeilen beschränken und um sie kreisen, wie ein Sklave einen Mühlstein dreht? Ich kann unter keinen Umständen eine derartige Knebelung akzeptieren, zumal in diesem Verfahren weit mehr als die Freiheit eines einzelnen Individuums auf dem Spiel steht. Fundamentale Prinzipien werden hier besprochen, das Recht des Menschen, frei zu sein, wird verhandelt, die tiefsten Fundamente unserer Existenz als zivilisierte und demokratische Nation sind auf der Waage. Wenn dieser Prozess vorbei ist, möchte ich mir nicht vorwerfen, ich hätte irgendein Prinzip nicht verteidigt, ich hätte irgendeine Wahrheit nicht ausgesprochen, ich hätte irgendein Verbrechen nicht angeprangert.

Der kurze Artikel des ehrenwerten Staatsanwaltes verdient kaum eine Minute meiner Zeit. Ich muss mich selbst für den Moment auf ein kurzes gesetzliches Geplänkel gegen ihn beschränken, denn ich möchte das Feld aufbereiten für einen Angriff gegen all die endlosen Lügen und Betrügereien, die Heuchelei, Trägheit und moralische Feigheit, die die Bühne bieten für die unfeine Komödie, die seit dem 10. März – und auch schon davor – in Kuba Gerechtigkeit genannt wird.

Es ist ein fundamentales Prinzip des Strafgesetzbuches, dass eine zur Last gelegte Tat exakt mit der Tat übereinstimmen muss, wie sie das Gesetz beschreibt. Wenn kein Gesetz für eine genaue Anwendung in Frage kommt, dann gibt es keine potenzielle Straftat.

Der fragliche Artikel lautet wörtlich: »Zu einer Gefängnisstrafe von drei bis zehn Jahren ist zu verurteilen, wer einen Akt vollzieht, dessen Ziel ein bewaffneter Aufstand gegen die verfassungsrechtlichen Gewalten des Staates ist. Die Strafe soll zwischen fünf und zwanzig Jahren betragen, wenn der Akt des Aufstandes tatsächlich umgesetzt wird.«

In welchem Land lebt der ehrenwerte Staatsanwalt? Wer hat ihm gesagt, wir hätten einen Aufstand gegen die verfassungsgemäßen Gewalten des Staates im Sinn gehabt? Zwei Dinge sind von selbst offensichtlich. Als allererstes ist klar, dass eine Diktatur, die die Nation unterdrückt, keine verfassungsgemäße Gewalt ist, sondern eine verfassungswidrige: sie wurde errichtet gegen die Verfassung, über den Kopf der Verfassung hinweg, indem die legitime Verfassung der Republik vergewaltigt wurde. Die legitime Verfassung ist jene, die direkt von einem souveränen Volk ausgeht. Ich werde diesen Punkt später genauer ausführen, ungeachtet all der Ausflüchte, die die Feiglinge und Verräter erfinden, um das Unrechtmäßige doch noch zu rechtfertigen. Zweitens bezieht sich der Artikel auf Gewalten im Plural, wie es im Fall einer Republik zutrifft, wo eine legislative Gewalt, eine exekutive Gewalt und die Gerichtsbarkeit voneinander unabhängig sind und einander kontrollieren. Wir haben eine Rebellion angefacht gegen eine einzige Gewalt, gegen eine illegale, die widerrechtlich die Macht ergriffen hat und verschmolzen ist zu einer einzigen sowohl legislativen als auch exekutiven Gewalt des Staates, wodurch sie das ganze System zerstört hat, das gerade durch jenes Gesetz, das wir jetzt analysieren, geschützt war. Bezüglich der Unabhängigkeit der Rechtsprechung seit dem 10. März werde ich mich aller Kommentare enthalten, denn mir ist momentan nicht zum Scherzen zumute... – Egal wie der Artikel 148 gedehnt, verkürzt oder erweitert wird – nicht ein einziger Beistrich korreliert mit den Ereignissen vom 26. Juli. Lassen Sie uns diesen Artikel vorerst zurücklassen und warten wir auf die Möglichkeit, ihn gegen jene anzuwenden, die wirklich einen Aufstand gegen die verfassungsgemäßen Gewalten des Staates zu verantworten haben. Ich werde später zurückkommen zu diesem Gesetz, um das Gedächtnis des ehrenwerten Staatsanwalts etwas aufzufrischen bezüglich gewisser Umstände, die er bedauerlicherweise übersehen hat.

Ich warne Sie, ich bin gerade erst am Anfang Wenn es in Ihren Herzen einen kleinen Überrest gibt von Liebe zu Ihrem Land, von Liebe für die Menschlichkeit, von Liebe zur Gerechtigkeit, dann hören Sie sorgfältig zu. Ich weiß, dass ich für viele Jahre zum Schweigen gebracht werden soll; ich weiß, dass das Regime mit allen möglichen Mitteln versuchen wird, die Wahrheit zu unterdrücken; ich weiß, dass es eine Verschwörung geben wird, um mich in Vergessenheit zu begraben. Aber meine Stimme wird nicht erstickt werden – sie wird von meinem Innersten auch dann immer wieder auferstehen, wenn ich mich alleine fühle, und mein Herz wird ihr all das Feuer geben, das ihr die abgestumpften Feiglinge verweigern.

In einer Hütte in den Bergen hörte ich am Montag, den 27. Juli, im Radio die Stimme des Diktators, als immer noch 18 unserer Männer in Waffen standen gegen die Regierung. Jene, die nie ähnliche Momente erlebt haben, werden nie diese Art der Bitterkeit und Empörung kennen. Während die lang gehegte Hoffnung, unser Volk zu befreien, zerstört war, hörten wir die hämische Freude des Tyrannen über diese zerstörte Hoffnung, nunmehr noch bösartiger und arroganter als je zuvor. Der schier endlose Strom von Lügen und Verleumdungen, fortlaufend ausgeschüttet durch seine ungeschminkte, hasserfüllte, abstoßende Sprache, kann nur verglichen werden mit dem endlosen Strom jungen Blutes, das seit der vorherigen Nacht vergossen worden war – mit seinem Wissen, seiner Zustimmung, Mittäterschaft und Genehmigung –, vergossen durch die unmenschlichste Bande von Mördern, die vorstellbar ist. Ihm auch nur für einen einzigen Moment zu glauben, würde ausreichen, um einen gewissenhaften Menschen für den Rest seines Lebens mit Reue und Schmach zu erfüllen. Ich konnte nicht einmal hoffen, seine elende Stirn mit dem Brandzeichen der Wahrheit zu versehen, was ihn für den Rest seiner Tage und für alle Zeiten verdammen würde. Bereits kreisten uns mehr als eintausend Männer ein, ausgestattet mit Waffen, die weitaus besser waren als unsere, mit dem entschiedenen Auftrag, unsere Körper zurückzubringen. Nun, da die Wahrheit ans Tageslicht kommt, nun – vor Ihnen sprechend – erfülle ich die Mission, die ich mir selbst gesetzt habe, ich kann friedlich und zufrieden sterben. Ich werde mir kein Blatt vor den Mund nehmen, wenn ich über diese grausamen Mörder spreche.

Ich muss kurz unterbrechen, um einen Moment lang über die Fakten nachzudenken. Die Regierung selbst behauptete, dass der Angriff mit einer solchen Präzision und Perfektion vorgetragen wurde, dass er zweifelsfrei von Militärstrategen geplant gewesen sein musste. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein Der Plan wurde von einer Gruppe junger Männer konzipiert – und kein einziger von ihnen hatte irgendwelche militärischen Erfahrungen. Ich werden ihre Namen nennen, wobei ich zwei übergehe, die weder tot noch im Gefängnis sind: Abel Santamaría, José Luis Tasende, Renato Guitart Rosell, Pedro Miret, Jesús Montané und ich selbst. Die Hälfte von ihnen ist tot, und ich kann im ehrenvollen Gedenken an sie sagen, dass auch sie keine militärischen Experten waren, sie hatten genug Patriotismus zu geben; wären wir nicht von Anbeginn an in einem derartigen Nachteil gewesen, so hätte es eine Tracht Prügel gegeben für all die Generäle, diese Generäle des 10. März, die weder Soldaten noch Patrioten sind. Weitaus schwieriger als die Planung des Angriffs gestalteten sich für uns die Organisierung, das Training, die Mobilisierung und die Bewaffnung der Männer unter diesem repressiven Regime, das Millionen Dollar ausgibt für Spionage, Bestechung und Geheimdienste. Trotzdem wurde alles von diesen Männern und vielen anderen wie ihnen mit unglaublicher Ernsthaftigkeit, Diskretion und Disziplin ausgeführt. Noch mehr bemerkenswert ist die Tatsache, dass sie bereit waren, für diese Aufgabe alles zu geben, was sie hatten; schlussendlich auch ihr Leben.

Die letzte Mobilisierung der Männer, die in diese Provinz aus den entferntesten Städten der ganzen Insel kamen, wurde bewerkstelligt mit bewundernswerter Präzision und unter absoluter Geheimhaltung. Es ist ebenso wahr, dass der Angriff mit einer großartigen Koordination durchgeführt wurde. Er begann gleichzeitig um 5 Uhr 15 am Morgen sowohl in Bayamo als auch in Santiago de Cuba. Und einer wie der andere, mit einer Exaktheit von Minuten und Sekunden, bereitete sich auf den Angriff vor, die Gebäude der Umgebung wurden von unseren Kräften eingenommen. Nichtsdestotrotz werde ich im Interesse der Wahrheit, und selbst wenn es unsere Verdienste schmälert, auch erstmals eine Tatsache aufdecken, die für uns fatal war: durch einen äußerst unglücklichen Fehler bewegte sich die Hälfte unserer Kräfte, und zwar die besser bewaffnete Hälfte, weg zum Stadttor und konnte uns im entscheidenden Augenblick nicht helfen. Abel Santamaría, ein Mann von 21 Jahren, hatte das Bürgerspital besetzt; mit ihm gingen ein Arzt und zwei unserer weiblichen Genossinnen, um sich der Verwundeten anzunehmen. Raúl Castro, begleitet von zehn Männern, besetzte den Justizpalast, und meine Verantwortung war es, die Kaserne anzugreifen mit den restlichen 95 Männern. Unterstützt durch eine Vorhut von acht Mann, die Tor 3 angriffen, kam ich mit der ersten Gruppe von 45 Männern an. Genau hier begann die eigentliche Schlacht, als mein Wagen in eine Außenpatrouille mit Maschinengewehren fuhr. Die Reserveeinheit, die, die beinahe alle schweren Waffen bei sich hatte (die leichten Waffen waren bei der Vorhut), nahm eine falsche Abzweigung und verirrte sich schlichtweg in einer ihr unbekannten Stadt. Ich möchte aber festhalten, dass ich nicht einen Augenblick den Mut dieser Männer in Zweifel ziehen möchte; sie fühlten Schmerz und Verzweiflung, als sie realisierten, dass sie sich verirrt hatten. Aufgrund der Art der Aktion und auch deshalb, weil die gegnerischen Truppen annähernd gleich gefärbte Uniformen trugen, war es nicht leicht für die Verlorenen, wieder mit uns in Kontakt zu kommen. Viele von ihnen, die später gefangen genommen wurden, traten dem Tod mit wahrem Heldenmut gegenüber.

Alle hatten als wichtigste Instruktionen, im Kampf human zu sein. Niemals war eine Gruppe bewaffneter Männer großzügiger gegenüber dem Feind. Von Anfang an nahmen wir zahlreiche Gefangene – ungefähr zwanzig – und dann gab es einen Moment, in dem es drei unserer Männer, Ramiro Valdés, José Suárez und Jesús Montané, gelang, eine Militärbaracke zu stürmen und beinahe 50 Gefangene für eine kurze Zeit in Schach zu halten. Diese Soldaten haben vor dem Gericht ausgesagt und sie haben ausnahmslos anerkannt, dass wir sie mit größtem Respekt behandelt haben, dass wir sie nicht einmal einer einzigen abwertenden Bemerkung ausgesetzt haben. In dieser Hinsicht möchte ich mich für diese eine Sache im Laufe des Prozesses auch herzlich beim Staatsanwalt bedanken: als er seinen Bericht vortrug, war er fair genug, es als unumstößliche Tatsache anzuerkennen, dass wir während des ganzen Kampfes im Geiste der Ritterlichkeit verblieben.

Die Disziplin der Soldaten hingegen hat sehr zu wünschen übrig gelassen. Sie haben uns schließlich besiegt, weil sie zahlenmäßig weit überlegen waren – fünfzehn zu eins – und weil sie unterstützt wurden durch die Verteidigungsmöglichkeiten der Festung. Unsere Männer erwiesen sich als die weitaus besseren Schützen, wie selbst unsere Feinde einräumten. Es gab auf beiden Seiten einen hohen Grad an Tapferkeit.

Wenn ich versuche, unsere taktischen Fehler zu analysieren – abgesehen von dem einen bereits erwähnten bedauerlichen Zwischenfall –, so glaube ich, dass die Aufteilung unserer Kommandoeinheit, die wir sie so sorgfältig ausgebildet hatten, eine Fehler war. Von unseren besten Männer und unseren kühnsten Anführern waren 27 in Bayamo, 21 beim Bürgerspital und 10 beim Justizpalast. Wenn wir unsere Kräfte anders eingeteilt hätten, dann wäre das Ergebnis der Schlacht vielleicht ein anderes gewesen. Der Zusammenstoß mit der Patrouille (der rein zufällig war, denn die Einheit hätte auch zwanzig Sekunden früher oder später an diesem Punkt sein können) alarmierte das Lager und gab den Soldaten Zeit für die Mobilisierung. Ansonsten wäre es ohne einen einzigen abgefeuerten Schuss in unsere Hände gefallen, da wir bereits die Wachposten kontrollierten. Außerdem – abgesehen von den Kaliber-22-Waffen, für die wir Unmengen an Patronen hatten – verfügten wir einfach über zu wenig Munition. Wenn wir Handgranaten gehabt hätten, dann hätte uns die Armee keine fünfzehn Minuten Widerstand leisten können.

Als ich schließlich überzeugt war, dass alle weiteren Versuche, die Kaserne einzunehmen, unnütz waren, begann ich mit dem Rückzug unserer Männer in Gruppen von jeweils acht oder zehn Männern. Unser Rückzug wurde abgesichert durch sechs exzellente Scharfschützen, kommandiert von Pedro Miret und Fidel Labrador; sie haben ein Vorrücken der Armee heroisch verhindert. Unsere Verluste im Kampf waren gering; 95% unserer Toten sind der Unmenschlichkeit der Armee nach dem Ende der Schlacht zuzuschreiben. Die Gruppe beim Krankenhaus hatte gar nur einen Gefallenen zu verzeichnen; der Rest der Gruppe war gefangen, als die Truppen den einzigen Ausgang versperrten; aber unsere Jungen legten nicht die Waffen nieder, bevor nicht ihre letzte Kugel verschossen war. Unter ihnen war Abel Santamaría, der großherzigste, hoch geschätzte und furchtloseste unserer jungen Männer, dessen glorreicher Widerstand ihn in der Geschichte Kubas unsterblich macht. Wir müssen uns vor Augen führen, welches Schicksal sie erlitten haben und wie Batista den Heroismus unserer Jugend bestrafte.

Wir hatten geplant, den Kampf in den Bergen fortzuführen, falls der Angriff auf das Regiment fehlschlagen sollte. In Siboney war es mir möglich, ein Drittel unserer Kräfte zu sammeln; aber viele von ihnen waren nun entmutigt. Ungefähr 20 von ihnen entschieden sich für die Aufgabe des Kampfes; wir werden später sehen, was aus ihnen geworden ist. Die übrigen 18 Männer folgten mir mit der restlichen Munition und den Waffen in die Berge. Das Terrain war uns völlig unbekannt. Für ungefähr eine Woche hielten wir die Höhen von Gran Piedra, während die Armee die umliegenden Hügel besetzte. Wir konnten nicht hinunter; sie wollten nicht riskieren, herauf zu kommen. Es war nicht Waffengewalt, sondern es waren Hunger und Durst, was schlussendlich unseren Widerstand brach. Ich musste die Männer in kleinere Gruppen unterteilen. Manchen von ihnen gelang es, durch die Armeelinien zu schlüpfen; andere wurden durch Monsignor Pérez Serantes der Armee übergeben. Am Ende blieben nur zwei Genossen bei mir – José Suárez und Oscar Alcalde. Während wir drei immer schwächer und schwächer wurden, überraschte uns eine Armeeeinheit geführt von Leutnant Sarría im Morgengrauen im Schlaf. Das war am Samstag, am 1. August. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Abschlachten der Gefangenen aufgrund des Protests der Bevölkerung bereits geendet. Dieser Offizier, ein Mann der Ehre, schützte uns davor, dass wir auf der Stelle mit unseren Händen gefesselt ermordet würden.

Ich muss hier die dummen Behauptungen von Ugalde Carrillo & Co. nicht widerlegen, die versucht haben, meinen Namen zu beschmutzen, um ihre eigene Feigheit, Inkompetenz und ihr verbrecherisches Vorgehen zu maskieren. Die Fakten sind klar genug.

Es ist nicht meine Absicht, das Gericht mit epischen Erzählungen zu langweilen. Alles, was ich gesagt habe, ist essentiell für das genauere Verständnis dessen, was jetzt folgt.

Lassen Sie mich zwei wichtige Tatsachen erwähnen, die eine objektive Einschätzung unserer Einstellung erleichtern werden. Erstens: wir hätten das Regiment einfach übernehmen können, indem wir die hochrangigen Offiziere in ihren privaten Häusern festnehmen. Diese Möglichkeit wurde von uns nicht in Betracht gezogen aufgrund des äußerst menschlichen Gedankens, dass wir Szenen von Tragik oder Gewalt in Gegenwart ihrer Familien vermeiden wollten. Zweitens: wir haben beschlossen, keine Radiostation zu besetzen, solange das Armeecamp nicht in unserer Gewalt wäre. Diese Einstellung, in unüblicherweise großmütig und rücksichtsvoll, ersparte der Bevölkerung jedes größere Blutvergießen. Mit nur zehn Männern hätte ich eine Radiostation besetzen und die Bevölkerung zur Revolte aufrufen können. Es gibt keinen Zweifel am Willen des Volkes zum Kampf. Ich hatte Aufnahmen von Eduardo Chibás' letzter Nachricht über Radio CMQ [E. Chibás, Führer der bürgerlich-reformistischen »Orthodoxen Partei«, 1907-1951, erschoss sich im Anschluss an diese Radioansprache; Anm. d. Übers.], patriotische Gedichte und Kampflieder, die geeignet gewesen wären, selbst die am wenigsten empfindsamen Menschen zu bewegen, insbesondere angesichts des Lärms des tatsächlichen und gegenwärtigen Kampfes in ihren Ohren. Aber ich wollte diese Aufnahmen nicht benützen, obwohl unsere Situation verzweifelt war.

Das Regime hat immer wieder wiederholt, dass unsere Bewegung keine Unterstützung in der Bevölkerung hätte. Ich habe nie eine Behauptung gehört, die derart naiv und gleichzeitig so voll von böser Absicht war. Das Regime versucht zu zeigen, dass es auf Seiten des Volkes Unterwürfigkeit und Feigheit gäbe. Sie fordern nicht, dass das Volk die Diktatur unterstützt; sie wissen nicht, wie beleidigend dies wäre für die mutigen Menschen im Osten der Insel. In Santiago glaubten manche zunächst, unser Angriff wäre nur eine lokale Auseinandersetzung zwischen zwei Fraktionen in der Armee; erst viele Stunden später erkannten die Menschen, was wirklich geschehen war. Wer kann die Tapferkeit, den öffentliche Stolz und die unbegrenzte Courage der aufständischen und patriotischen Menschen von Santiago de Cuba anzweifeln? Wenn die Moncada-Kaserne in unsere Hände gefallen wäre, dann hätten selbst die Frauen von Santiago triumphierend ihre Arme in die Höhe gestreckt. Viele unserer Waffen wurden geladen durch die Krankenschwestern im Bürgerspital. Sie kämpften mit uns, an unserer Seite. Das ist etwas, das wir nie vergessen werden.

Es war nie unser Ansinnen, die Soldaten des Regiments in einen Kampf zu zwingen. Wir wollten die Kontrolle über sie und ihre Waffen durch einen Überraschungsangriff erlangen, die Bevölkerung aufrütteln und die Soldaten aufrufen, der verhassten Fahne der Tyrannei abzuschwören und das Banner der Freiheit zu umarmen; die höchsten Interessen der Nation zu verteidigen – und nicht die Interessen einer kleinen Clique; ihre Waffen zu wenden und gegen die Feinde des Volkes zu kehren anstatt gegen das Volk, unter dem sich ihre eigenen Väter und Söhne befinden; sich mit dem Volk als die Brüder zu vereinigen, die sie sind, anstatt das Volk anzugreifen als die Feinde, zu denen das Regime es machen will; zu marschieren hintern dem einzigen schönen Ideal, das es wert ist, das Leben zu opfern – die Erhabenheit und das Glück unseres Landes. Jene, die anzweifeln möchten, dass uns viele Soldaten gefolgt wären, möchte ich fragen: Welcher Kubaner schätzt nicht Ruhm und Ehre? Welches Herz wird nicht entflammt durch die Aussicht auf Freiheit?

Die Marine hat nicht gegen uns gekämpft und zweifellos hätte sie sich später offen auf unsere Seite gestellt. Es ist allgemein bekannt, dass dieser Teil der Streitkräfte am wenigsten durch die Diktatur dominiert ist und dass es unter seinen Mitgliedern ein intensives Bürgerbewusstsein gibt. Aber hätten sie, so wie der Rest nationalen Streitkräfte, gegen das aufständische Volk gekämpft? Ich sage, sie hätten das nicht getan. Ein Soldat ist aus Fleisch und Blut; er denkt, beobachtet, fühlt. Er ist empfänglich für Meinungen, Gedanken, Sympathien und Antipathien des Volkes. Wenn Sie ihn nach seiner Meinung fragen, so wird er womöglich sagen, er könne sich nicht äußern; aber das bedeutet ja nicht, dass er keine Meinung hat. Er ist betroffen durch genau die gleichen Probleme, die andere Bürger betreffen – Lebensunterhalt, Rente, Ausbildung seiner Kinder, deren Zukunft etc. Alle diese Dinge sind unausweichlich Kontaktpunkte zwischen ihm und dem Volk und alle diese Dinge stellen ihn in eine Beziehung zur Gegenwart und zur Zukunft der Gesellschaft, in der er lebt. Es wäre töricht zu glauben, dass das Einkommen, das er vom Staat bezieht – ein eher bescheidenes Einkommen –, seine Lebensprobleme lösen würde, denen er ausgesetzt ist durch seine Bedürfnisse, Verpflichtungen und Gefühle als Mitglied seiner Gemeinschaft.

Diese kurze Erklärung war notwendig, weil sie grundlegend ist für eine Überlegung, der bislang nur wenige Menschen Aufmerksamkeit geschenkt haben – Soldaten haben tiefen Respekt für die Gefühle der Mehrheit des Volkes Während des Machado-Regimes nahm die Loyalität der Armee offensichtlich in jenem Verhältnis ab, wie die öffentliche Antipathie anstieg. Dies war so wahrhaftig, dass eine Gruppe von Frauen mit ihren subversiven Versuchen im Lager Columbia beinahe erfolgreich gewesen wäre. Doch darüber hinaus wird dies sogar durch gegenwärtige Entwicklungen bestätigt. Während das Regime Grau San Martín fähig war, größte Popularität in der Bevölkerung zu genießen, starteten skrupellose Offiziere und machthungrige Zivilisten zahllose Verschwörungen in der Armee.

Der Putsch vom 10. März fand in einem Moment statt, an dem das Prestige der zivilen Regierung auf das Niedrigste abgenommen hatte, ein Umstand, aus dem Batista und seine Clique Kapital schlagen konnten. Warum führten sie ihren Schlag nicht nach dem 1. Juni [geplanter Wahltermin; Anm. D. Übers.] aus? Einfach deshalb, weil die Truppen für die Verschwörung nicht einsetzbar gewesen wären, wenn sie darauf gewartet hätten, dass die Mehrheit der Nation ihren Willen bei den Wahlen zum Ausdruck gebracht hätte

Folgerichtig kann eine zweite Behauptung aufgestellt werden: die Armee hat niemals gegen ein Regime revoltiert, das die Mehrheit der Öffentlichkeit hinter sich hatte. Das sind historische Wahrheiten und wenn Batista darauf besteht, um jeden Preis gegen den Willen der Mehrheit der Kubaner an der Macht zu bleiben, dann wird sein Ende weitaus mehr tragisch sein als das von Gerardo Machado [1871-1939; kubanischer Diktator 1925-1933; Anm. d. Übers.].

Ich habe das Recht, meine Meinung über die bewaffneten Kräfte auszudrücken, weil ich sie verteidigt habe, als alle anderen geschwiegen haben. Und ich tat dies weder als Verschwörer noch aufgrund persönlicher Interessen – damit wir dann volle verfassungsgemäße Rechte genießen würden. Ich wurde nur angetrieben durch menschliche Instinkte und Bürgerpflichten. In diesen Tagen war die Zeitung »Alerta« aufgrund ihrer Position zu nationalen politischen Fragen eine der am meisten gelesenen. Sie führte eine Kampagne gegen die Zwangsarbeiten, zu denen die Soldaten auf den Privatgrundstücken von hohen zivilen Persönlichkeiten und Offizieren der Armee verpflichtet wurden. Am 3. März 1952 unterstützte ich das Gericht mit Daten, Fotografien, Filmen und anderen Beweisen, die diese Affäre aufdeckten. Ich habe in diesen Artikeln auch hervor gestrichen, dass es elementarste Anstandsformen gebieten, die Soldatengehälter anzuheben. Ich würde gerne wissen, wer sonst noch seine Stimme erhoben hat, um gegen diese ganze Ungerechtigkeit gegenüber den Soldaten zu protestieren. Batista & Co. natürlich nicht, die gut geschützt auf ihren luxuriösen Gütern lebten, umgeben von allen möglichen Sicherheitseinrichtung, während ich ohne Bodyguards oder Waffen stetiger Gefahr ausgesetzt war.

Ebenso wie ich die Soldaten damals verteidigt habe, so sage ich ihnen jetzt – wo wieder alle anderen schweigen –, dass sie furchtbar getäuscht worden sind; und zur Täuschung und der Schmach vom 10. März kommt die Schande, die tausendmal größere Schande, der furchtbaren und nicht zu rechtfertigen Verbrechen von Santiago de Cuba. Seit dieser Zeit ist die Uniform der Armee mit Blut befleckt. Und so wie ich letztes Jahr den Menschen gesagt und vor dem Gericht verkündet habe, dass Soldaten auf Privatgrundstücken wie Sklaven arbeiten, so klage ich heute an, dass es Soldaten gibt, die von Kopf bis Fuß mit dem Blut junger Kubaner befleckt sind, die sie gefoltert und ermordet haben. Und ich sage ebenso, dass, wenn die Armee der Republik dient, die Nation verteidigt, das Volk respektiert und die Bürger beschützt, es nur fair wäre, wenn ein Soldat mindestens 100 Pesos im Monat verdient. Aber wenn die Soldaten das Volk unterdrücken und ermorden, die Nation betrügen und nur die Interessen einer kleinen Gruppe verteidigen, dann verdient die Armee nicht einen Cent vom Geld der Republik, und das Lager Columbia sollte umgewandelt werden in eine Schule mit zehntausenden Waisenkindern, die dort anstatt der Soldaten eine Unterkunft finden könnten.

Ich möchte gerecht gegenüber allen sein, daher kann ich nicht alle Soldaten für die abscheulichen Verbrechen verantwortlich machen, derer einige wenige üble und hinterhältige Armeeangehörige schuldig sind. Aber jeder ehrenhafte und aufrechte Soldat, der seine Berufung und seine Uniform liebt, ist verpflichtet, diese Schuld zu thematisieren und für ihre Tilgung zu kämpfen, diesen Betrug zu rächen und die Schuldigen zur Verantwortung zu ziehen. Sonst wird die Soldatenuniform für immer ein Zeichen der Schande sein anstatt eine Quelle des Stolzes.

Natürlich hatte das Regime vom 10. März keine andere Wahl, als die Soldaten von den Privatgrundstücken zurückzuziehen. Aber das tat es bloß, um sie sie sodann als Türsteher, Chauffeure, Diener und Bodyguards einzusetzen für den ganzen Haufen jener Politiker, die auf der Seite der Diktatur stehen. Jeder viert- oder fünftklassige offizielle Vertreter des Regimes sieht sich selbst als Nutznießer dieser Dienste der Soldaten, die ihre Autos fahren sollen und auf sich achten, so als ob sie permanent Angst hätten, sie würden irgendwann den Tritt in den Hintern bekommen, den sie gewiss verdienen.

Wenn sie doch irgendwie an wirklichen Reformen interessiert gewesen wären, warum hat das Regime dann nicht die Ländereien und die Millionen von Männern wie Genovevo Pérez Dámera konfisziert, die ihren Wohlstand der Ausbeutung von Soldaten verdanken, indem sie sie wie Sklaven angetrieben haben und finanzielle Mittel der Armee unterschlagen haben? Aber nein: Genovevo Pérez und andere wie er werden fraglos immer noch mitsamt ihrer Besitzungen von Soldaten beschützt, da die Generäle vom 10. März tief in ihren Herzen natürlich dieselbe Zukunft anstreben und keinerlei diesbezüglichen Präzedenzfall erlauben können.

Der 10, März war ein schlimmer Betrug, ja... – Nachdem Batista und seine Bande korrupter und schändlicher Politiker mit ihren Plänen, mittels der Wahlen an die Macht zu kommen, gescheitert waren, nützten sie die Unzufriedenheit in der Armee, um über die Rücken der Soldaten hinauf zur Macht zu klettern. Und ich weiß, dass es viele Armeeangehörige gibt, die angewidert sind, weil sie enttäuscht wurden. Zunächst wurde ihre Bezahlung erhöht, dann jedoch wurde sie durch diverse Abzüge und Reduktionen wieder hinabgesetzt. Viele der alten Elemente, die bereits die Armee verlassen hatten, kamen wieder zurück in ihre alten Ränge, wo sie den Weg für junge, tüchtige und wertvolle Männer blockieren, die sonst vielleicht aufgestiegen wären. Gute Soldaten wurden übergangen, während ein geradezu skandalöser Nepotismus weit verbreitet ist. Viele ehrliche Militärangehörige fragen sich nun, welche Veranlassung die Armee hatte, diese schwerwiegende historische Verantwortung der Zerstörung unserer Verfassung auf sich zu nehmen, nur um eine Gruppe unmoralischer Männer an die Macht zu bringen, Männer mit schlechter Reputation, korrupt, politisch hoffnungslos degeneriert, Männer, die ohne Unterstützung der Bajonette niemals wieder politische Ämter besetzen hätten können; und sie selbst waren nicht einmal jene mit den Bajonetten in ihren Händen...

Auf der anderen Seite erleiden die Soldaten eine schlimmere Tyrannei als die Zivilisten. Sie befinden sich unter ständiger Überwachung und nicht ein einziger genießt die geringste Sicherheit in seinem Job. Jeder ungerechtfertigte Verdacht, jedes Gerücht, jede Intrige oder Denunzierung kann die Versetzung, die unehrenhafte Entlassung oder die Einkerkerung bedeuten. Hat nicht Tabernilla in einem Memorandum den Soldaten verboten, mit irgendjemandem zu sprechen, der nicht auf der Seite der Regierung steht, also – kurz gesagt – mit 99% der Bevölkerung? Was für ein Misstrauen Nicht einmal die vestalischen Jungfrauen von Rom mussten derartige Bestimmungen einhalten Und was die viel gepriesenen kleinen Häuser für neue Rekruten betrifft, so gibt es in Wahrheit nicht einmal 300 auf der ganzen Insel; mit dem Geld, dass für Panzer, Gewehre und andere Waffen ausgegeben wurde, hätte jeder Soldat einen Platz zum Leben haben können. Batista ist nicht daran interessiert, für die Armee Sorge zu tragen, sondern daran, dass die Armee für ihn sorgt Er verbessert die Mittel der Armee zum Unterdrücken und Töten, aber er verbessert nicht die Lebensbedingungen der Soldaten. Verdreifachte Dienstzeiten, permanente Unterkunft in Kasernen, andauernde Beklemmung, die Feindschaft des Volkes, Unsicherheit über die Zukunft – das ist es, was die Soldaten bekommen haben. Mit anderen Worten: »Stirb für das Regime, Soldat, gib ihm deinen Schweiß und dein Blut. Wir werden dir eine Rede widmen und dich posthum auszeichnen (wenn es nichts mehr bedeutet) und danach... leben wir weiterhin im Luxus, werden uns weiterhin bereichern. Töte, missbrauche, unterdrücke das Volk. Wenn das Volk genug hat und all diesem ein Ende bereitet wird, dann kannst du für unsere Verbrechen bezahlen, während wir ins Ausland gehen und wie Könige leben. Und falls wir eines Tages zurückkehren, dann klopfe nicht an die Türen unserer Villen, denn wir werden Millionäre sein und Millionäre geben sich nicht mit den Armen ab. Töte, Soldat, unterdrücke das Volk, stirb für das Regime, gibt deinen Schweiß und dein Blut...«

Aber falls eine Minderheit blind für diese traurige Wahrheit sich dafür entschieden hat, das Volk zu bekämpfen, das dabei war, sie von der Tyrannei zu befreien, würde immer noch das Volk siegen. Der ehrenwerte Staatsanwalt hat sich sehr interessiert gezeigt bezüglich unserer Erfolgsaussichten. Diese Chancen basierten auf Überlegungen bezüglich technischer, militärischer und sozialer Begebenheiten. Sie haben versucht, den Mythos zu verbreiten, dass moderne Armeen dem Volk keine Möglichkeit mehr ließen, einen Tyrannen zu stürzen. Militärparaden und die pompöse Vorführung der Kriegsmaschinerie dienen dazu, diesen Mythos am Leben zu halten und dem Volk das Gefühl völliger Machtlosigkeit zu geben. Doch keine Waffen, keine Gewalt kann das Volk niederhalten, wenn es einmal seiner Bestimmung gewiss ist, seine Rechte wiederzugewinnen. Sowohl die Vergangenheit als auch die Zukunft sind voll von Beispielen dafür. Das letzte ist die Revolte in Bolivien, wo Bergarbeiter mit Dynamitstangen reguläre Armeeregimenter besiegt haben.

Glücklicherweise müssen wir Kubaner nicht nach Beispielen aus dem Ausland suchen. Kein Beispiel ist so inspirierend wie jenes unseres eigenen Landes. Während des Krieges von 1895 gab es beinahe eine halbe Million bewaffneter spanischer Soldaten in Kuba, viel mehr als der Diktator heute hat, um eine fünfmal größere Bevölkerung niederzuhalten. Die Waffen der Spanier waren unvergleichlich moderner und besser als die unserer Guerillakämpfer. Häufig waren die Spanier mit Feldartillerie ausgerüstet und die Infanterie benutzte Hinterlader ähnlich zu solchen, wie sie auch heute noch bei Infanterieeinheiten in Verwendung sind. Die Kubaner waren zumeist mit nicht mehr bewaffnet als ihren Macheten, denn die Patronengurte waren fast immer leer. Es gibt eine unvergessliche Passage in der Geschichte unseres Unabhängigkeitskrieges, erzählt von General Miró Argenter, Chef von Antonio Maceos Generalstab. Es ist mir gelungen, es hier kopiert auf diesen Zettel mitzubringen, damit ich nicht von meinem Gedächtnis abhängig sein würde:

»Ungeübte Männer unter dem Kommando von Pedro Delgado, die meisten nur mit Macheten ausgerüstet, wurden regelrecht aufgerieben, als sie sich den soliden Linien der Spanier entgegen warfen. Es ist keine Übertreibung, wenn man sagt, dass von jeweils 50 Männern 25 getötet wurden. Manche griffen die Spanier sogar mit ihren bloßen Fäusten an, ohne Macheten, selbst ohne Messer. Als wir das Schilf am Fluss Hondo durchsuchten, fanden wir 15 weitere tote Kubaner, und es war nicht sofort klar, zu welcher Gruppe sie gehörten. Es sah so aus, als hätten sie keine Gewehre gehabt, ihre Kleider waren in Ordnung und bloß Trinkbecher aus Zinn hingen an ihren Gürteln; ein Stück weiter lag das tote Pferd, das Equipment intakt. Wir rekonstruierten den Ablauf der Tragödie. Diese Männer, die ihrem wagemutigen Anführer, Leutnant Pedro Delgado, folgten, hatten wahrlich Heldenlorbeeren verdient: sie hatten sich den spanischen Bajonetten mit bloßen Händen entgegen geworfen, das Aneinanderschlage von Metal, das wir zuvor gehört hatten, war der Lärm ihrer Trinkbecher, die gegen die Sättel der Pferde schlugen. Maceo war tief bewegt. Dieser Mann, der es gewohnt war, den Tod in all seinen Formen zu sehen, murmelte den Satz: ›Ich habe so etwas noch nie gesehen, ungeübte und unbewaffnete Männer, die die Spanier nur mit ihren Trinkbechern als Waffen angreifen. Und ich habe es als Belastung bezeichnet'«

So kämpfen Menschen, wenn sie ihre Freiheit gewinnen möchten; sie werfen Steine nach Flugzeugen und besiegen Panzer

Sobald Santiago de Cuba in unserer Hand gewesen wäre, hätten wir sofort die Menschen in der Provinz Oriente auf den Kampf vorbereitet. Bayamo wurde gezielt angegriffen, um unsere Vorhut entlang des Flusses Cauto aufzustellen. Vergessen Sie nie, dass diese Provinz, die heute eineinhalb Millionen Einwohner hat, die rebellischste und patriotischste in Kuba ist. Es war diese Provinz, die über 30 Jahre den Unabhängigkeitskampf am Leben hielt, die den höchsten Preis bezüglich Blut, Opfer und Heroismus bezahlte. In Oriente kann man immer noch die Luft dieses glorreichen Epos' einatmen. In der Morgendämmerung, wenn der Hahn kräht, um wie ein Horn für die Soldaten zum Angriff zu blasen, und wenn die Sonne aufgeht über den Bergen, dann scheint es, als würden wir noch einmal die Tage von Yara und Baire durchleben

Ich habe gesagt, dass die zweite Überlegung, auf der unsere Erfolgschancen basierten, die Frage der sozialen Ordnung war. Warum waren wir uns der Unterstützung durch das Volk sicher? Wenn wir über das Volk sprechen, dann sprechen wir nicht über jene Menschen, die in Wohlstand leben, die konservativen Elemente in unserer Nation, die jedes repressive Regime begrüßen, jede Diktatur, jeden Despotismus, die sich vor den Herrschern des Augenblicks in den Staub werfen, bis sie mit ihrer Stirn den Boden aufgraben. Wenn wir vom Kampf sprechen und das Volk erwähnen, dann meinen wir die großen unerlösten Massen, jene, denen alle Versprechungen machen, die aber von allen betrogen werden; wir meinen das Volk, das sich nach einer besseren, würdigeren und gerechteren Nation sehnt; die bewegt werden durch das vererbte Streben nach Gerechtigkeit, weil sie unter Ungerechtigkeit und Spott über Generationen hinweg gelitten haben; jene, die sich nach bedeutenden und weisen Veränderungen bezüglich aller ihrer Lebensaspekte sehnen; Menschen, die, um diese Veränderungen zu erreichen, bereit sind, ihren letzten Atemzug zu geben, wenn sie an eine Sache glauben, insbesondere wenn sie an sich selbst glauben. Die erste Bedingung der Aufrichtigkeit und des guten Willens bei jeder Anstrengung ist, ganz genau das zu tun, was sonst niemand tut, nämlich klar und deutlich ohne Angst zu sprechen. Die Demagogen und Berufspolitiker, die das Kunststück zuwege bringen, immer recht zu haben und es jedem recht zu machen, betrügen notwendigerweise jeden in jeder Angelegenheit. Die Revolutionäre müssen ihre Ideen couragiert vorbringen, ihre Prinzipien definieren und ihre Absichten erklären, damit niemand getäuscht wird, weder Freund noch Feind.

Wenn wir in Fragen des Kampfes über das Volk sprechen, so sprechen wir über die 600.000 Kubaner ohne Arbeit, die ihr tägliches Brot ehrlich verdienen möchten, ohne auf der Suche nach Lebensunterhalt zur Emigration gezwungen zu sein; wir sprechen über die 500.000 Landarbeiter, die in miserablen Hütten leben, die vier Monate im Jahr arbeiten und den Rest hungern, die diese Misere mit ihren Kindern teilen, die keinen einzigen Quadratmeter Land zum Bestellen haben und deren Schicksal jedes Herz, das nicht aus Stein ist, bewegen muss; wir sprechen über die 400.000 Industriearbeiter, deren Fonds zur Altersvorsorge veruntreut wurden, deren soziale Zuwendungen gestrichen wurden, deren Heimat erbärmliche Elendsviertel sind, deren Löhne quasi direkt von der Hand ihres Bosses in die Hand des Geldverleihers wechseln, deren Zukunft in Lohnkürzungen und Entlassungen besteht, deren Leben Arbeit ohne Ende bedeutet und die erst am Friedhof zur Ruhe kommen werden; wir sprechen von den 100.000 Kleinbauern, die leben und sterben unter Bedingungen, wo sie Land bearbeiten, das ihnen nicht gehört, die dieses Land mit der Traurigkeit betrachten, mit der sich Moses nach dem gelobten Land sehnte, die dazu verurteilt sind, ohne diese Land jemals zu besitzen, zu sterben, die wie Feudalbauern dafür bezahlen müssen, ihre Parzelle zu bewirtschaften, indem sie einen Teil ihrer Produkte abgeben, die ihre Parzelle nicht lieben, nicht verbessern, nicht verschönern oder auf ihrem Land eine Zeder oder einen Orangenbaum pflanzen können, weil sie nie wissen, ob nicht ein Wachmann mit der Landpolizei kommen wird, um sie von diesem Fleck zu vertreiben; wir sprechen über die 30.000 Lehrer und Professoren, die ihr Leben der besseren Bestimmung künftiger Generation widmen, sich diesem Ziel unterordnen und dafür auch so notwendig sind, die aber so schlecht behandelt und bezahlt werden; wir sprechen von den 20.000 kleinen Gewerbetreibenden, die durch Schulden belastet sind, die ruiniert werden durch die Krisen und die beschwatzt werden durch die Plage der korrupten und käuflichen Beamten; wir sprechen von den 10.000 jungen Menschen mit höherer Ausbildung: Ärzte, Ingenieure, Anwälte, Tierärzte, Lehrer, Zahnärzte, Apotheker, Journalisten, Maler, Bildhauer etc., die ihre Ausbildung mit einem Diplom beendet haben, die voller Hoffnung begierig darauf sind, endlich zu arbeiten, sich dann aber in einer Sackgasse wieder finden, wo alle Türen für sie verschlossen bleiben und niemand ihre Klagen oder Bitten hört. Das ist das Volk, das sind die Menschen, die das Unglück kennen und daher bereits sind, mit unlimitierter Courage zu kämpfen Zu diesen Menschen, deren verzweifelter Lebensweg mit Betrug und falschen Versprechungen gepflastert worden ist, werden wir nicht sagen: »Wir werden euch dies oder jenes geben.« Wir werden ihnen sagen: »So sieht es aus, jetzt kämpft für eure Bedürfnisse und Wünsche mit allem, was ihr habt, damit ihr eure Freiheit und euer Glück gewinnt«

Die fünf revolutionären Gesetze, die unmittelbar nach der Einnahme der Moncada-Kaserne erlassen und über die Radiostationen verlautbart worden wären, müssen in die Prozessakten aufgenommen werden. Es ist möglich, dass Oberst Chaviano diese Dokumente vorsätzlich zerstört hat, aber selbst dann habe ich sie noch in meinem Gedächtnis.

Das erste revolutionäre Gesetz hätte die Macht wieder dem Volk zurückgegeben und hätte die Verfassung von 1940 als höchstes Staatsgesetz proklamiert bis zu der Zeit, wenn das Volk sich entscheiden sollte, die Verfassung zu ändern. Und um diese Verfassung wieder in Kraft zu setzen und um jene zu bestrafen, die sie verletzt haben, müsste die revolutionäre Bewegung – solange es noch keine gewählten Staatsorgane gäbe – als unmittelbarer Ausdruck dieser Volkssouveränität die einzige Quelle legitimer Gewalt sein, müsste alle somit implizierten Möglichkeiten konzentrieren, ausgenommen die Möglichkeit, die Verfassung selbst zu ändern: mit anderen Worten, sie würde die legislative, exekutive und gerichtliche Gewalt ausüben.

Diese Einstellung könnte nicht klarer sein, nicht freier von Unschlüssigkeiten und Scharlatanerie. Eine Regierung, befugt durch die Masse des aufständischen Volkes, würde mit jeder Macht ausgestattet sein, mit allem, was nötig ist, um dem Volkswillen und wirklicher Gerechtigkeit wieder zu effektiver Geltung zu verhelfen. Von diesem Moment an würde die bisherige gerichtliche Gewalt – die sich seit dem 10. März selbst gegen die und außerhalb der Verfassung gestellt hat – aufhören zu bestehen, und wir würden voranschreiten zu ihrer sofortigen und totalen Reform, bevor sie dann wieder die Aufgaben übernehmen könnte, die ihr das höchste Gesetz der Republik zuschreibt. Ohne diese vorherigen Mittel, eine Rückkehr zur Legalität durch die Übergabe dieser Aufgaben in genau jene Hände, die das System zuvor so unehrenhaft zerstört haben, das wäre eine Täuschung, ein weiterer Betrug.

Das zweite revolutionäre Gesetz würde nicht pfändbares und nicht übertragbares Land zuweisen – und zwar allen Pächtern und Subpächtern, allen Kleinstbauern und Siedlern, die weniger als fünf Caballerías [kubanisches Flächenmaß: 1 caballíera = 13,5 Hektar; Anm. d. Übers.] Land haben, und der Staat würde die vormaligen Eigentümer mit einem Betrag auf Basis jener Grundrente, die sie in zehn Jahren erlangt hätten, entschädigen.

Das dritte revolutionäre Gesetz würde den Arbeitern und Angestellten das Recht zugestehen, 30% der Gewinne aller großen Industrie, Handels, und Bergbauunternehmen aufzuteilen, inklusive der Zuckerrohrbetriebe. Die rein landwirtschaftlichen Unternehmen wären davon ausgenommen, da für sie andere spezielle Gesetze vorgesehen wären.

Das vierte revolutionäre Gesetz hätte allen Zuckerrohrfarmern das Recht zugestanden, 55% der Gewinne aufzuteilen, den kleinen Pachtbauern, die bereits mindestens drei Jahre ihr Land bestellen, eine Mindestquote von 40.000 Arroba [kubanisches Gewicht: 1 arroba = 25 Pfund; Anm.].

Das fünfte revolutionäre Gesetz hätte angeordnet, dass alle Güter und unrechtmäßig erworbenen Einnahmen jener Menschen konfisziert werden, die unter den vorherigen Regimes für Betrügereien verantwortlich waren, und ebenso die Güter und unrechtmäßig erworbenen Einnahmen ihrer Nachfolger und Erben. Um dies zu ermöglichen, müssten Sondergerichte mit allen Vollmachten ausgestattet werden, um Zugang zu allen Aufzeichnungen aller in diesem Land eingetragenen oder operierenden Unternehmen zu haben, um versteckte Gelder illegaler Herkunft zu untersuchen und um darum zu ersuchen, dass ausländische Regierungen die verantwortlichen Personen ausliefern sowie deren Geldbestände zurückhalten, die rechtmäßig dem kubanischen Volk gehören. Die eine Hälfte des somit wiedererlangten Vermögens würde dazu verwendet, die Pensionskassen der Arbeiter zu subventionieren, die andere Hälfte würde Krankenhäusern, Heimen und karitativen Einrichtungen zugute kommen.

Darüber hinaus wurde erklärt, dass die kubanische Politik in den Amerikas eine der engen Solidarität mit den demokratischen Völkern dieses Kontinents wäre, und dass alle politisch verfolgten Menschen, die durch blutige Tyranneien in unseren Schwesternationen unterdrückt werden, großzügig Asyl, Geschwisterlichkeit und Brot im Lande von Martí finden sollten; nicht die Verfolgung, den Hunger und den Verrat, die sie heute bei uns finden. Kuba sollte ein Bollwerk der Freiheit sein – und nicht ein beschämendes Glied in der Kette des Despotismus.

Diese Gesetze wären sofort verlautbart worden und in Kraft getreten. Sobald dieser Umbruch erfolgt gewesen wäre und noch vor einer detaillierten und weitreichenden Untersuchung, wären diesen Gesetzen eine weitere Reihe von Gesetzen sowie Angelegenheiten von fundamentaler Relevanz gefolgt, so die Landreform, die integrale Bildungsreform, die Nationalisierung des Elektrizitätstrusts und des Telefontrusts, die Summen aus illegalen und repressiven Tarifen, die diese Gesellschaften der Bevölkerung verrechnet hatten, müssten refundiert, Schulden aufgrund von Steuern, die sie in der Vergangenheit in unverschämter Weise umgangen haben, würden eingehoben werden.

Alle diese Gesetze und auch die weiteren würden grundlegend und exakt den Vorgaben zweier essentieller Artikel unserer Verfassung entsprechen: der eine verordnet das Verbot großer Anwesen – mittels Angabe eines Maximums, wie viel Land eine Einzelperson oder eine Einheit besitzen darf für jede Art einer landwirtschaftlichen Unternehmung –, sodass gegebenenfalls Maßnahmen ergriffen werden können, die dafür sorgen würden, dass das Land wieder an die Kubaner zurückfällt. Der andere gebietet dem Staat kategorisch, alle zur Verfügung stehenden Mittel anzuwenden, um allen Menschen eine Beschäftigung zu bieten, die keine haben, sowie um annehmbare Lebensumstände für alle körperlich oder geistig werktätigen Menschen zu sichern. Keines dieser Gesetze kann als verfassungswidrig bezeichnet werden. Die erste durch das Volk gewählte Regierung hätte sie zu respektieren gehabt – nicht nur aufgrund moralischer Verpflichtungen gegenüber der Nation, sondern weil, wenn die Menschen etwas erreichen, wonach sich bereits Generationen gesehnt haben, keine Kraft der Welt befugt ist, es ihnen wieder wegzunehmen.

Das Problem des Landes, das Problem der Industrialisierung, das Problem des Wohnens, das Problem der Arbeitslosigkeit, das Problem der Bildung und das Problem der Volksgesundheit: dies sind die sechs Probleme, für deren Lösung wir unmittelbar Schritte eingeleitet hätten – gleichzeitig mit der Restaurierung der bürgerlichen Freiheiten und der politischen Demokratie.

Diese Ausführungen mögen kühl und theoretisch erscheinen für jemanden, der die schockierenden und tragischen Bedingungen unseres Landes bezüglich dieser sechs Probleme nicht kennt – neben der erniedrigenden politischen Unterdrückung.

85% der Kleinbauern in Kuba zahlen Grundrenten und leben unter der ständigen Bedrohung, von dem Land, das sie bebauen, vertrieben zu werden. Mehr als die Hälfte unseres produktivsten Bodens ist in den Händen von Ausländern. In Oriente, der größten Provinz Kubas, reichen die Ländereien der United Fruit Company und der West Indian Company durchgehend von der Nord- bis zur Südküste. Es gibt 200.000 Landbewohnerfamilien, die nicht einen Quadratmeter Land zum Bebauen haben, um ihre hungernden Kinder mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Auf der anderen Seite bleiben beinahe 300.000 Caballerías fruchtbaren Landes, das den Mächtigen gehört, unbebaut und liegen brach. Wenn Kuba schlussendlich doch ein landwirtschaftlich geprägter Staat ist, wenn seine Bevölkerung großteils auf dem Land lebt, wenn die Städte von diesen ländlichen Gebieten abhängig sind, wenn die Menschen der Landbevölkerung unseren Unabhängigkeitskampf gewonnen haben, wenn die Größe und die Prosperität unserer Nation abhängig ist von einer gesunden und vitalen Bevölkerung, die das Land liebt und weiß, wie es zu bebauen ist, wenn diese Bevölkerung abhängig ist von einem Staat, der sie beschützt und leitet – wie kann dann geduldet werden, dass die gegenwärtige Staatsführung im Amt bleibt und weitermacht wie bisher?

Abgesehen von einer kleinen Nahrungsmittel-, Holzverarbeitungs- und Textilindustrie bleibt Kuba ein Land, das hauptsächlich Roh- und Grundstoffe produziert. Wir exportieren Zucker, um sodann Süßigkeiten zu importieren, wir exportieren Tierhäute, um sodann Schuhe zu importieren, wir exportieren Eisen, um sodann Pflüge zu importieren... – Jeder wird dem Grundbedürfnis zustimmen, dass unsere Nation dringend industrialisiert werden muss, dass wir eine eigene Stahlindustrie brauchen, eine Papierindustrie, eine chemische Industrie, dass wir unsere landwirtschaftliche Produktion sowohl bei Rindern als auch Getreide verbessern müssen, dass wir Technologie und Verarbeitung in unserer Nahrungsmittelindustrie verbessern müssen, um uns zu verteidigen gegen den ruinösen Wettbewerb aus Europa bezüglich der Käseprodukte, Kondensmilch, Spirituosen und Speiseöle einerseits, andererseits aus den USA vor allem bezüglich der Konservenprodukte; dass wir Frachtschiffe benötigen; dass der Tourismus zu einer enormen Einnahmequelle werden sollte. Doch die Kapitalisten bestehen darauf, dass die Arbeiter unter dem Joch bleiben. Und der Staat lehnt sich mit verschränkten Armen zurück und die Industrialisierung kann für immer und ewig warten.

Ein ebenso ernsthaftes, wenn nicht gar ein schlimmeres Problem ist die Frage des Wohnens. Es gibt in Kuba 200.000 elende Hütten und Schuppen, in denen Menschen leben müssen; 400.000 Familien auf dem Land und in den Städten leben zusammengepfercht in Hütten und Mietskasernen, ohne dort auch nur grundlegendste sanitäre Einrichtungen zu haben; 2,2 Millionen Menschen unserer Stadtbevölkerung zahlen Mieten, die zwischen einem Fünftel und einem Drittel ihres Einkommen auffressen; und 2,8 Millionen Menschen unserer Bevölkerung auf dem Land und in den Vororten haben keinen elektrischen Strom. Wir haben hier wieder dieselbe Situation: wenn der Staat eine Herabsetzung der Mieten vorschlägt, dann drohen die Hausbesitzer damit, sämtliche Neubauten einzustellen; wenn der Staat nicht eingreift, dann gibt es Neubauten, solange die Hausbesitzer hohe Mieten kassieren können; sonst würden sie nicht einen einzigen Ziegelstein irgendwo hinlegen lassen, selbst wenn der Rest der Bevölkerung völlig den Naturelementen ausgeliefert leben müsste. Das Versorgungsmonopol ist um nichts besser; sie bauen das Stromnetz aus, soweit es profitabel ist, doch über diesen Punkt hinaus kümmert es sie nicht, ob Menschen den Rest ihres Lebens in Dunkelheit verbringen müssen. Der Staat lehnt sich mit verschränkten Armen zurück und die Menschen haben weder Wohnungen noch elektrischen Strom.

Unser Bildungssystem ist perfekt kompatibel mit allem, was ich bislang erwähnt habe. Wo die Landbewohner kein Land besitzen, wer benötigt da Landwirtschaftsschulen? Wo es keine Industrie gibt, wer benötigt da technische Schulen oder Berufsschulen? Alles folgt derselben absurden Logik; wenn wir das eine nicht haben, können wir auch das andere nicht haben. In jedem kleinen europäischen Land gibt es mehr als 200 technische Schulen und Berufsschulen; in Kuba existieren nur sechs solcher Schulen und ihre Absolventen finden keine Jobs für ihre Befähigungen. Die kleinen ländlichen Schulhäuser werden bloß von der Hälfte der Kinder im Schulalter besucht – barfüßig, halbnackt und unterernährt – und regelmäßig müssen die Lehrer die notwendigen Schulmaterialien von ihren eigenen Gehältern kaufen. Ist das die Methode, eine große Nation zu schaffen?

Nur der Tod kann einen von soviel Unglück befreien. In dieser Hinsicht – immerhin – ist der Staat äußerst hilfreich: er ermöglicht für die Menschen einen frühen Tod. 90% der Kinder der Landbevölkerung sind von Parasiten befallen, die sich durch ihre nackten Füße gefressen haben und in sich in ihren Körpern ausbreiten. Die Gesellschaft ist von tiefem Mitgefühl ergriffen, wenn sie von Kidnapping oder dem Mord an einem Kind hört, aber sie bleibt gleichgültig gegenüber dem Massenmord an so vielen tausenden Kindern, die jedes Jahr aufgrund mangelnder Versorgung sterben, die einem Todeskampf voller Schmerzen ausgeliefert sind. Ihre unschuldigen Augen, in denen man bereits den allgegenwärtigen Tod sehen kann, scheinen in eine vage Unendlichkeit zu blicken, so als würden sie um Vergebung für den menschlichen Egoismus flehen, so als würden sie Gott bitten, seinen Zorn zurückzuhalten. Und wenn das Familienoberhaupt nur vier Monate im Jahr Arbeit hat, wie soll er sich Kleidung und Medizin für seine Kinder leisten können? Sie werden mit Rachitis aufwachsen, sie werden, wenn sie 30 Jahr alt sind, nicht einen einzigen gesunden Zahn mehr im Mund haben; sie werden zehn Millionen großartige Reden gehört haben und schließlich aufgrund von Elend und Betrug sterben. Öffentliche Krankenhäuser, die immer gefüllt sind, akzeptieren nur Patienten, die »empfohlen« wurden von einigen mächtigen Politikern, die wiederum im Gegenzug die Stimmen und die Unterstützung des unglücklichen Betroffenen und seiner Familie verlangen, sodass Kuba für immer in derselben oder einer noch schlechteren Verfassung bleibt.

Mit diesem Hintergrund, ist es da nicht verständlich, dass zwischen Mai und Dezember über eine Million Menschen arbeitslos bleiben und dass Kuba, mit einer Einwohnerzahl von fünfeinhalb Millionen, eine größere Zahl Arbeitsloser hat als Frankreich oder Italien, die jeweils eine Einwohnerzahl von 40 Millionen haben?

Ehrenwerte Richter Wenn Sie einen Menschen befragen, der des Raubes angeklagt ist, fragen Sie ihn dann, wie lange er arbeitslos war? Fragen Sie ihn, wie viele Kinder er hat, an wie vielen Tagen pro Woche er etwas zu essen hatte und an wie vielen nicht, untersuchen Sie überhaupt seinen sozialen Hintergrund? Sie schicken ihn einfach ins Gefängnis, ohne weiter darüber nachzudenken. Aber jene, die Warenhäuser und Geschäfte niederbrennen, um illegal Versicherungssummen zu kassieren, gehen nie ins Gefängnis, selbst dann nicht, wenn mitsamt den Gebäuden auch ein paar Menschen verbrannt sind. Der Versicherte hat Geld, um Anwälte zu engagieren und Richter zu bestechen. Sie werfen den armen Kerl in Gefängnis, der nur gestohlen hat, weil er hungrig war; aber keine einziger der hunderten Menschen, die Millionen von der Regierung stehlen, hat jemals auch nur einen Nacht im Gefängnis verbracht. Sie dinieren mit diesen Menschen sogar am Ende des Jahres in einem eleganten Klub und sie genießen Ihren Respekt. Wenn in Kuba ein Regierungsvertreter über Nacht zum Millionär wird und in die Bruderschaft der Reichen eintritt, dann könnte er trefflich begrüßt werden mit den Worten von Taillefer, dieses opulenten Charakters aus der Feder von Balzac, der in seinem würdigenden Trinkspruch für den jungen Erben eines enormen Vermögens sagt: »Meine Herren, lassen Sie uns trinken auf die Macht des Goldes Herr Valentine, ein sechsfacher Millionär, hat soeben den Thron bestiegen. Er ist König, kann alles tun, steht über allen – so wie alle Reichen. Daher wird die Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz, die von der Verfassung vorgegeben wird, für ihn ein Mythos bleiben; denn er wird niemals irgendwelchen Gesetzen gehorchen müssen: die Gesetze werden ihm zu gehorchen haben. Es gibt weder Gerichte noch Strafen für Millionäre.«

Die Zukunft der Nation und die Lösung ihrer Probleme können nicht weiterhin von den Interessen eines Dutzends großer Geschäftsmänner abhängen, ebenso wenig von den kalten Profitkalkulationen, die zehn oder zwölft Magnaten in ihren mit Klimaanlagen ausgestatteten Büros berechnen. Das Land kann nicht weiterhin auf seinen Knien bitten um Wunder einiger goldener Kälber, wie jenes biblischen, das der Zorn des Propheten [Moses; Anm.] zerstört hat. Goldene Kälber können keinerlei Wunder erschaffen. Die Probleme der Republik können nur dann gelöst werden, wenn wir dafür mit derselben Energie und Ehrlichkeit und demselben Patriotismus kämpfen wie unsere Freiheitskämpfer, als sie die Republik begründet haben. Hingegen »Staatsmänner« wie Carlos Saladrigas, dessen staatstragende Tätigkeit darin besteht, den Status quo zu erhalten und Phrasen zu verwenden wie »absolute Freiheit des Unternehmertums«, »Garantien für das Investitionskapital« und »Gesetz von Angebot und Nachfrage«, werden diese Probleme nicht lösen. Diese Minister werden immer noch in ihren Appartements in der Fifth Avenue schwatzen, wenn die Knochen derjenigen Menschen, deren Probleme sofortiger Lösungen bedürfen, bereits zu Staub zerfallen sind. In dieser heutigen Welt werden sich soziale Probleme nicht von alleine, quasi aus sich selbst heraus lösen.

Eine revolutionäre Regierung, die unterstützt wird durch das Volk und den Respekt der Nation hat, würde sofort voranschreiten, nachdem sie die verschiedenen Institutionen von allen korrupten und bestechlichen Beamten gereinigt hat, um das Land zu industrialisieren, um das ganze inaktive Kapital zu mobilisieren – gegenwärtig etwa geschätzte 1,5 Milliarden Pesos – mit Hilfe der Nationalbank, der Landwirtschafts- und industriellen Entwicklungsbank, und sie würde die Mammutaufgabe der Untersuchung, Planung, Leitung und Realisierung nur Experten und Menschen übertragen, die absolut kompetent und völlig fern von allen politischen Apparaten sind.

Nachdem die 100.000 Kleinbauern als Eigentümer des Landes, das sie zuvor gepachtet hatten, eingesetzt sind, würde sich eine revolutionäre Regierung sofort den weiteren Problemen der Landreform widmen. Zuerst, als Bekanntmachung in der Verfassung, würde sie ein Maximum festlegen für die Größe des Landes, die jede Art landwirtschaftlicher Unternehmung halten darf, sie würde den Überschuss durch Enteignung sammeln, sie würde Sumpfland bebaubar machen, sie würde Pflanzschulen errichten und sie würde Zonen zur Wiederaufforstung unter Schutz stellen. Zweitens würde sie das restliche Land aufteilen unter den Landfamilien, wobei die größeren zu bevorzugen wären, und würde landwirtschaftliche Kooperativen unterstützen zur gemeinsamen Nutzung teurer Geräte und um ein gemeinsames professionelles technisches Management in der Landwirtschaft zu ermöglichen. Schlussendlich würde sie Ressourcen, Geräte, Schutz und nützliche Leitlinien für die Landbevölkerung zur Verfügung stellen.

Eine revolutionäre Regierung würde das Wohnproblem lösen, indem alle Mieten auf die Hälfte herabgesetzt würden, indem Wohnungen, die von ihren Eigentümern bewohnt werden, von der Steuer ausgenommen würden; indem die Steuern für Mietshäuser verdreifacht würden; indem die Hütten abgetragen würden und durch moderne Appartementhäuser ersetzt würden; und indem die Finanzierung des Wohnens auf eine neue Ebene gehoben wird, die hierzulande noch nie da gewesen ist, die nach dem Kriterium ausgerichtet ist, dass – ebenso wie jede Landfamilie sein eigenes Stück Land besitzen soll – auch jede Stadtfamilie ihr eigenes Haus oder ihre eigene Wohnung besitzen soll. Es gibt ausreichend Baumaterial und ebenso genug Arbeitskraft, um eine würdige Unterkunft für jeden Kubaner zu ermöglichen. Aber wenn wir weiter auf das goldene Kalb vertrauen und auf es warten, dann werden tausend Jahre vergehen und die Probleme werden immer noch dieselben sein. Darüber hinaus sind die Möglichkeiten, den elektrischen Strom sogar in die am meisten isolierten Gebiete auf der Insel zu bringen, größer denn je. Die Nutzung der Nuklearenergie ist in diesem Bereich mittlerweile Realität und sie wird die Kosten der Stromproduktion bedeutend reduzieren.

Mit diesen drei Projekten und Reformen würde das Problem der Arbeitslosigkeit automatisch verschwinden und die Aufgabe der Verbesserung des öffentlichen Gesundheitswesens und der Kampf gegen Krankheiten würden viel einfacher werden.

Und zu guter letzt würde eine revolutionäre Regierung die Reform des Bildungssystems in Angriff nehmen, indem es mit den Anforderungen der genannten Projekte in Übereinstimmung gebracht wird und der Idee untergeordnet ist, jene Generationen auszubilden und zu erziehen, die das Privileg haben werden, in einem glücklicheren Land zu leben. Vergessen Sie nicht die Worte des Apostels [gemeint ist José Martí; Anm.]: »Ein schlimmer Fehler wird in Lateinamerika gemacht: in Ländern, die fast zur Gänze von den Produkten der Landwirtschaft leben, werden die Menschen ausschließlich für das Leben in der Stadt erzogen und sind nicht vorbereitet für ein Leben in der Landwirtschaft.« »Das glücklichste Land ist jenes, das seine Kinder richtig erzogen hat – sowohl intellektuell wie emotional.« »Ein gebildetes Land wird immer stark und frei sein.«

Die Seele der Erziehung ist der Lehrer und in Kuba ist der Beruf des Lehrers furchtbar unterbezahlt. Nichtsdestotrotz ist in Kuba kaum jemand in seiner Tätigkeit aufopfernder als die Lehrer. Wer von uns hat nicht seine Grundkenntnisse im Lesen, Schreiben und Rechnen im kleinen öffentlichen Schulhaus gelernt? Es ist an der Zeit, damit aufzuhören, jenen jungen Frauen und Männern Hungerlöhne zu zahlen, die mit der bedeutenden Aufgabe betraut sind, unsere Jugend zu unterrichten. Kein Lehrer sollte weniger als 200 Pesos verdienen, kein Lehrer der Sekundärstufe sollte weniger als 350 Pesos verdienen, damit sie sich ohne Entbehrungen ihrer großen Aufgabe widmen können. Darüber hinaus sollten alle Landlehrer gratis alle Transportmöglichkeiten benützen können; und zumindest alle fünf Jahre sollte allen Lehrer eine arbeitsfreie Zeit von sechs Monaten bei voller Gehaltsfortzahlung zustehen, damit sie sich zu Hause oder auch im Ausland weiterbilden können und im Kontakt mit den neuesten Entwicklungen ihrer Fachbereiche bleiben. Auf diese Weise könnte das Bildungs- und Lehrsystem einfach verbessert werden. Woher wird das Geld für all dies kommen? Wenn endlich Schluss ist mit der Veruntreuung von Regierungsgeldern, wenn die Beamten aufhören, Bestechungsgelder zu nehmen von jenen großen Firmen, die dem Staat Steuern schulden, wenn die Nutzung der enormen Ressourcen unseres Landes optimiert werden, wenn wir keinen Panzer, Kampfflugzeuge und Gewehre mehr kaufen für dieses Land (das keine Grenzen zu verteidigen hat, wofür dieses Kriegsgerät benötigt wird, das nun gegen die Bevölkerung eingesetzt wird), wenn es ein größeres Interesse gibt, die Menschen zu bilden anstatt zu töten, dann wird es mehr als genug Geld geben.

Kuba könnte problemlos auch für eine Bevölkerung sorgen, die dreimal so groß ist wie die gegenwärtige, daher gibt es keine Entschuldigung dafür, dass auch nur ein einziger seiner jetzigen Einwohner von Armut betroffen ist. Die Märkte sollten mit Gütern überfüllt sein, die Vorratskammern ebenso, alle Hände sollten Arbeit haben. Das ist kein unmöglicher Gedanke. Unbegreiflich ist vielmehr, dass irgendjemand hungrig zu Bett gehen sollte, solange es nur einen Quadratmeter unproduktiven Landes gibt; unbegreiflich ist, dass Kinder aufgrund mangelnder medizinischer Betreuung sterben sollen; unbegreiflich ist die Tatsache, dass 30% unserer bäuerlichen Bevölkerung nicht einmal ihre Namen schreiben können und 99% nichts über die Geschichte Kubas wissen. Was wirklich unbegreiflich ist, ist die Tatsache, dass die Mehrheit unserer Landbevölkerung heute unter schlechteren Bedingungen lebt als jene indigene Urbevölkerung, die Christoph Kolumbus seinerzeit vorfand in dem unschuldigsten Land, das menschliche Augen jemals zu Gesicht bekommen haben.

Für jene, die mich einen Träumer nennen, möchte die Worte von Martí zitieren: »Ein wahrer Mann sucht nicht den Weg, wo der Vorteil zu finden ist, sondern vielmehr den Weg, wo die Verantwortung liegt, und nur dies ist der wirklich realistische Mann, dessen Träume von heute die Gesetze von morgen sein werden, denn er, der zurückblickte auf den bedeutenden Weg der Geschichte und blutende Völker im großen Kessel der Zeit sieden sah, der weiß, dass die Zukunft ausnahmslos auf Seiten der Verantwortung liegt.«

Nur wenn wir verstehen, dass ein solch hohes Ideal sie inspiriert hat, dann können wir den Heroismus der Männer begreifen, die in Santiago de Cuba gefallen sind. Die geringen materiellen Mittel, die uns zur Verfügung standen, waren das einzige, was unseren sicheren Erfolg verhindert hat. Wenn den Soldaten erzählt worden ist, dass Carlos Prío [bürgerlicher Präsident 1948-1952, von Batistas Putsch gestürzt; Anm. d. Übers.] uns eine Million Pesos gegeben hätte, dann geschah das im Sinne des Versuchs des Regimes, die wichtigste Tatsache zu entstellen: die Tatsache, das unsere Bewegung keinerlei Verbindung zu früheren Politikern hatte; dass diese unsere Bewegung die einer neuen kubanischen Generation mit eigenen Ideen ist, die sich gegen die Tyrannei erhebt; dass diese Bewegung von jungen Menschen gegründet wurde, die kaum sieben Jahre alt waren, als Batista im Jahr 1934 seine ersten Verbrechen begangen hat. Die Lüge über diese Million Pesos hätte nicht absurder sein können. Wenn wir mit weniger als 20.000 Pesos 165 Männer bewaffnet und ein Regiment und ein Bataillon angegriffen haben, dann hätten wir mir einer Million Pesos 8.000 Männer bewaffnen und 50 Regimenter und 50 Bataillons angreifen können – und Ugalde Carillo hätte nichts davon gewusst bis Sonntag, 26. Juni, 5 Uhr 15 morgens. Ich versichere Ihnen, dass für jeden Mann, der im Kampf stand, 20 gut trainierte Männer nicht kämpfen konnten, weil wir zu wenige Waffen hatten. Als diese jungen Männer durch die Straßen Havannas marschierten im Zuge der Studentendemonstration zum 100. Geburtstag von Martí, da bildeten sie sechs solide Blöcke. Wenn auch nur 200 Menschen mehr hätten kämpfen können oder wenn wir auch nur 20 Handgranaten gehabt hätten, dann wären diesem ehrenwerten Gericht all diese Unannehmlichkeiten vielleicht erspart geblieben.

Die Politiker geben Millionen aus, um Gesinnungen zu kaufen, während eine Handvoll Kubaner, die die Ehre ihres Landes retten wollten, mit bloßen Händen dem Tod entgegentraten, weil sie zu wenige Mittel hatten. Dies zeigt, dass das Land bis zum heutigen Tag nicht von hochherzigen und engagierten Menschen regiert wird, sondern von politischen Gangstern, vom Abschaum unseres öffentlichen Lebens.

Mit größtem Stolz sage ich Ihnen, dass wir gemäß unserer Prinzipien niemals einen Politiker – sei es ein früherer oder gegenwärtiger – auch nur um einen einzigen Penny gefragt haben. Unsere Mittel wurden dank unvergleichlicher Opferbereitschaft aufgebracht. Ein Beispiel ist Elpidio Sosa, der seinen Arbeitsplatz verkauft hat und eines Tages mit 300 Pesos zu mir kam, um »unsere Sache« zu unterstützen; oder Fernando Chenard, der die Fotografenausrüstung verkauft hat, mit deren Hilfe er sein Einkommen bestritten hat; Pedro Marrero, der mehrere Monatslöhne beigesteuert hat, musste davon abhalten werden, die Einrichtung seines Hauses zu verkaufen; Oscar Alcalde, der sein pharmazeutisches Labor verkauft hat; Jesús Montané, der seine Ersparnisse der letzten fünf Jahre beigesteuert hat; und so haben sie und viele andere das wenige gegeben, was sie hatten.

Man muss einen großen Glauben in sein Land haben, um derartiges zu tun. Die Erinnerung an diese Akte des Idealismus bringt mich direkt zum bittersten Kapitel dieser Verteidigung – zum Preis, den die Tyrannei jenen abverlangte, die Kuba von Unterdrückung und Ungerechtigkeit befreien wollten.

Geliebte Gefallene, die ihr einst / die Hoffnung meiner Heimat gewesen, / färbt meine Stirn / mit dem Staub eurer zerfallenden Gebeine / Berührt mein Herz mit euren kalten Händen / Seufzt in meinen Ohren / Jede meiner Klagen wird / sich verwandeln in die Tränen eines weiteren Tyrannen / Versammelt euch um mich Wandert umher, / damit meine Seele eure Geister empfangen kann, / und vermittelt mir den Schrecken der Gräber, / denn Tränen sind nicht genug, / wenn man in schändlicher Knechtschaft lebt

Multiplizieren Sie die Verbrechen [der spanischen Kolonialherren, Anm.] vom 27. November 1871 [Hinrichtungen und Folter, u.a. Deportation von Martí nach Spanien] mit 10 und Sie erhalten eine Gefühl über das monströse Ausmaß der Verbrechen vom 26., 27., 28. und 29. Juli 1953 in der Provinz Oriente. Diese Verbrechen sind noch frisch in unserer Erinnerung, aber eines Tages, wenn Jahre vergangen sind, wenn der Himmel über der Nation wieder aufgeklärt ist, wenn sich die Gemüter beruhigt haben und die Furcht nicht mehr länger unsere Geister peinigt, dann werden wir erst beginnen, auch das vollständige gewaltige Ausmaß dieses Massakers in seiner schockierenden Dimension zu sehen, und hinkünftige Generationen werden vor Schreck erstarren, wenn sie zurückblicken auf diese barbarischen Akte, die in unserer Geschichte einzigartig sind. Doch ich will nicht zornig werden. Ich brauche Klarheit in meinen Gedanken und Frieden in meinem schweren Herzen, um über die Fakten so einfach wie möglich zu berichten, ohne sie zu dramatisieren, sondern bloß so, wie sie sich zugetragen haben. Als Kubaner bin ich äußerst beschämt, dass herzlose Männer solch undenkbare Verbrechen begangen haben, dass sie unsere Nation vor dem Rest der Welt so entehrt haben.

Der Tyrann Batista war immer schon ein skrupelloser Mann. Er ist nie davor zurückgeschreckt, seinem Volk die empörendsten Lügen aufzutischen. Um seinen hinterhältigen Putsch vom 10. März zu rechtfertigen, hat er sich Geschichten über einen fiktiven Aufstand in der Armee ausgedacht, der angeblich im April stattfinden hätte sollen und den er »abwenden wollte, damit die Republik nicht in Blut getränkt würde.« Ein lächerliches kleines Märchen, das niemand geglaubt hat Und als er selbst die Republik in Blut tränken wollte, als er mit Terror und Folter die gerechte Rebellion der kubanischen Jugend, die nicht Willens war, seine Sklaven zu sein, erstickt hat, da hat er sogar noch fantastischere Lügen verbreitet. Wie wenig Respekt muss jemand für das Volk haben, wenn er versucht, es so miserabel zu betrügen Am Tag meiner Verhaftung habe ich die Verantwortung für unseren bewaffneten Aufstand vom 26. Juli übernommen. Wäre nur ein einziger Beistrich wahr gewesen in den vielen Bemerkungen, die der Diktator in seiner Rede über unsere Kämpfer am 27. Juli gemacht hat, dann wäre dies genug gewesen, um den moralischen Druck meines Falls zu untergraben. Warum also wurde ich nicht zur Verhandlung gebracht? Warum wurden medizinische Gutachten gefälscht? Warum haben sie die Prozessordnung derartig verletzt und so skandalös die Anordnungen des Gerichts ignoriert? Warum wurden so viele Dinge getan, wie man sie niemals zuvor in einem Gerichtsverfahren gesehen hat, um meine Anwesenheit während der Verhandlungen zu verhindern? Dagegen konnte ich nicht damit anfangen, Ihnen alles zu erzählen, was ich durchmachte, um hier zu erscheinen. Ich bat das Gericht in Übereinstimmung mit allen Prinzipien, mich zur Verhandlung zu bringen, und ich habe die geheimen Methoden angeprangert, die im Gange waren, um mich daran zu hindern. Ich wollte mit ihnen von Angesicht zu Angesicht diskutieren. Doch sie wollten mir nicht gegenübertreten. Wer hatte also Angst vor der Wahrheit – und wer hatte keine Angst davor?

Die Stellungnahmen des Diktators im Lager Columbia könnten als amüsant eingestuft werden, wären sie nicht so bluttriefend. Er behauptete, wir wären eine Gruppe Söldner und dass viele Ausländer unter uns seien. Er sagt, dass der zentrale Teil unseres Plans gewesen sei, ihn zu töten – ihn, er spricht immer nur von sich selbst Also ob die Männer, die die Moncada-Kaserne angegriffen haben, nicht ihn und 20 weitere wie ihn hätten töten können, wenn sie solche Methoden anerkannt hätten. Er behauptete, dass unser Angriff durch Ex-Präsident Prío geplant und mit seinem Geld finanziert worden wäre. Es wurde unwiderlegbar bewiesen, dass es keinerlei Verbindung irgendeiner Art zwischen unserer Bewegung und dem vorherigen Regime existiert hat. Er behauptete, wir hätten Maschinengewehre und Handgranaten gehabt. Nun, die Militärtechniker haben hier im Gerichtssaal korrekt festgestellt, dass wir nur ein einziges Maschinengewehr und keine einzige Handgranate hatten. Er hat gesagt, dass wir die Wachposten enthauptet hätten. Doch die Todeszertifikate und medizinischen Berichte über alle Gefallenen auf Seiten der Armee beinhalten nicht einen einzigen Fall, wo ein Soldat mit einer Klinge zu Tode gekommen wäre. Aber vor allem – und das ist am wichtigsten – sagte er, dass wir im Militärkrankenhaus Patienten erstochen hätten. Doch die Ärzte dieses Krankhauses – Militärärzte – haben bestätigt, dass wir in Wirklichkeit nicht einmal dieses Gebäude besetzt haben, dass kein Patient von uns getötet oder auch nur verwundet wurde und dass es im Krankenhaus überhaupt nur einen Toten gab, nämlich einen Hausmeister, der im falschen Moment seinen Kopf aus einem offenen Fenster gesteckt hat.

Wann immer ein Staatschef oder jemand, der behauptet, einer zu sein, gegenüber der Nation Erklärungen abgibt, dann spricht er nicht nur, um den Ton seiner eigenen Stimme zu hören. Er verfolgt dabei immer einen bestimmten Zweck und hat eine bestimmte Erwartung bezüglich der Reaktion, er hat eine grundlegende Intention. Nachdem unsere militärische Niederlage bereits Realität war, nachdem wir keine aktuelle Bedrohung mehr für die Diktatur darstellten, warum haben sie uns dann derartig verleumdet? Wenn noch immer nicht klar ist, dass dies eine bluttriefende Rede war, ein simpler Versuch, die Verbrechen zu rechtfertigen, die sie seit der Nacht zuvor begangen hatten und die sie fürderhin begehen wollten, dann will ich Beispiele für mich sprechen lassen: Am 27. Juli sagte Batista in seiner Rede aus dem militärischen Hauptquartier, dass die Angreifer 32 Tote zu zählen hatten. Bis Ende der Woche war dann in den offiziellen Darstellungen die Zahl unserer Toten ganz plötzlich auf 80 gestiegen. In welchen Kämpfen, wo, bei welcher Auseinandersetzung sollen diese jungen Männer denn gestorben sein? Aber bereits bevor Batista gesprochen hat, wurden mehr als 25 Gefangene ermordet. Und nachdem Batista gesprochen hat, wurden 50 weitere massakriert.

Welch großen Sinn für Ehre hatten die bescheidenen Militärtechniker, die vor dem Gericht nicht die Fakten verdreht haben, sondern bei ihren Berichten strikt bei der Wahrheit geblieben sind Sie sind gewiss Soldaten, die ihre Unformen ehren; sie sind gewiss Männer Weder ein wirklicher Soldat noch ein echter Mann könnte seine Ehre mit Lügen und Verbrechen beflecken. Ich weiß, dass viele Soldaten ob der barbarischen Morde empört sind. Ich weiß, dass sie Schande und Abneigung fühlen beim Geruch des Blutes der Ermordeten, das jeden Stein der Moncada-Kaserne tränkt.

Nun, da ihm durch ehrenhafte Männer seiner eigenen Armee widersprochen wurde, fordere ich den Diktator auf, seine schmutzigen Verleumdungen gegen uns zu wiederholen. Ich fordere ihn auf, den Versuch zu wagen, seine Rede vom 27. Juli vor dem kubanischen Volk zu rechtfertigen. Lassen wir ihn nicht schweigen. Lassen wir ihn sprechen. Lassen wir ihn erzählen, wer die Mörder sind, wer die skrupellosen Unmenschen sind. Lassen wir ihn berichten, dass die Ehrenmedaillen, die er an die Brust seiner Helden des Massakers geheftet hat, vergeben wurden für die abscheulichen Verbrechen, die ihre Träger begangen haben. Lassen wir ihn – genau in diesem Moment – seine Verantwortung vor der Geschichte übernehmen. Lassen wir ihn nicht zu einem späteren Zeitpunkt behaupten, dass die Soldaten ohne direkten Befehl seinerseits gehandelt hätten Lassen wir ihn der Nation eine Erklärung für diese 70 Morde anbieten. Der Blutzoll war hoch. Die Nation braucht eine Erklärung. Die Nation fragt danach. Die Nation verlangt danach.

Es ist allgemein bekannt, dass am Ende der Kämpfe beim Hotel Nacional im Jahr 1933 einige Offiziere ermordet wurden, nachdem sie sich ergeben hatten. Das Magazin »Bohemia« hat dagegen energisch protestiert. Es ist ebenso bekannt, dass nach der Kapitulation des Forts Atarés die Maschinengewehre der Belagerer eine Reihe Gefangener niedermähten. Und dass ein Soldat, der zuvor gefragt hatte, wer Blas Hernández sei, diesem dann direkt ins Gesicht schoss und dafür auch noch zum Offizier befördert wurde. Es ist hinlänglich bekannt aus der kubanischen Geschichte, dass die Ermordung von Gefangenen in fataler Weise mit Batistas Namen verknüpft ist. Wie naiv waren wir, dies nicht vorherzusehen Dennoch, so sehr diese Morde von 1933 nicht zu rechtfertigen sind, so geschahen sie in einer Angelegenheit von Minuten, in nicht mehr Zeit, als ein Maschinengehwehr eben zu drehen ist. Darüber hinaus geschah dies, als die Gemüter immer noch erhitzt waren.

Das war in Santiago de Cuba nicht der Fall. Hier wurden alle Formen grausamer Ausschreitungen und der Brutalität vorsätzlich übertroffen. Unsere Männer wurden nicht im Laufe einer Minute, einer Stunde oder noch desselben Tages ermordet. Durch eine ganze Woche hindurch wurden die Folterungen, Misshandlungen und Schläge fortgesetzt, wurden Männer von Hausdächern geworfen und erschossen. Alle möglichen Methoden des Mordes wurden unaufhörlich durch begabte Handwerker des Verbrechens praktiziert. Die Moncada-Kaserne wurde umgewandelt in einen Workshop des Folterns und des Todes. Einige niederträchtige Individuen tauschten ihre Uniformen mit der Schürze des Schlachtmeisters. Die Wände waren überall mit Blut bespritzt. Die Pistolenkugeln in den Wänden waren umgeben von versengten Teilen von Haut, Gehirnmasse und menschlichen Haaren, von den grässlichen Erinnerungen von Schüssen mitten ins Gesicht. Das Gras rund um die Kaserne war dunkel gefärbt und klebrig vom menschlichen Blut. Die verbrecherischen Hände, die die Geschicke Kubas leiten, hatten für die Gefangenen am Eingangstor zu dieser Höhle des Todes die Inschrift des Höllentores geschrieben: »Lasst alle Hoffnungen fahren.« [Dante Alighieri, »Göttliche Komödie«; Anm. d. Übers.]

Sie haben nicht einmal versucht, diese Dinge zu verdecken. Sie kümmerten sich nicht im Geringsten darum, die Dinge, die sie taten, zu verheimlichen. Sie dachten, sie hätten mit ihren Lügen die Menschen getäuscht, doch hatten sie sich selbst getäuscht. Sie fühlten sich selbst als Herren und Meister des Universums, ausgestattet mit der Macht über Leben und Tod. So vertrieben sie die Furcht, die ihnen unsere Attacke im Morgengrauen beschert hatte, mit einem Leichenfest, mit einer berauschten Blutorgie.

Die Chroniken aus unserer Geschichte, die viereinhalb Jahrhunderte zurückreichen, berichten uns viele Akte der Brutalität: die Abschlachtung der wehrlosen indigenen Urbevölkerung durch die Spanier; das Plündern und die blutigen Untaten der Piraten an den kubanischen Küsten; die Barbareien der spanischen Soldaten während unseres Unabhängigkeitskrieges; die Erschießung gefangener kubanischer Soldaten durch die Truppen Weylers [General Valeriano Weyler, 1838-1930, ab 1896 spanischer Gouverneur auf Kuba; Anm. d. Verf.]; die Schrecken des Machado-Regimes – und so weiter, inklusive der blutigen Verbrechen vom März 1935. Doch niemals wurde ein so trauriges und blutiges Kapitel geschrieben bezüglich der Anzahl der Opfer und der Bösartigkeit der Täter, wie es in Santiago de Cuba geschehen ist. Nur ein einziger Mann hat in diesen Jahrhunderten sich gleich in zwei separaten Perioden unserer Geschichte mit Blut befleckt, nur ein einziger Mann hat seine Klauen in das Fleisch zweier Generationen von Kubanern gehauen. Um den jetzigen Blutfluss loszulassen, wartete er auf den 100. Geburtstag des Apostels [Martí; Anm. d. Übers.], knapp nach dem 50. Jubiläum der Republik, deren Menschen für Freiheit, Menschenrechte und Glück unter Verlust so vieler Leben gekämpft haben. Noch größer und noch mehr zu verurteilen ist sein Verbrechen, da dieser Mann bereits früher, für elf lange Jahre, über das Volk geherrscht hat – über dieses Volk, das in seiner tiefsten Seele in Gefühl und Tradition die Freiheit liebt und das Böse ablehnt. Dieser Mann war nicht in einer einzigen Minute seines öffentlichen Lebens seriös, loyal, ehrlich oder tapfer.

Er war nicht zufrieden mit dem Verrat vom Januar 1934, mit den Verbrechen vom März 1935 und mit der Bereicherung um 40 Millionen Dollar, die sein erstes Regime gekrönt hat. Er musste noch einiges hinzufügen: den Verrat vom März 1952, die Verbrechen vom Juli 1953 und all die Millionen, deren Zahl erst im Laufe der Zeit zu enthüllen sein wird. Dante unterteilte sein »Inferno« in neun Kreise. Er teilte die Kriminellen dem siebenten, die Diebe dem achten und Betrüger dem neunten Kreis zu. Es wird ein schwieriges Dilemma sein, wenn die Teufel eines Tages versuchen müssen, den adäquaten Platz für die Seele dieses Mannes zu finden – sofern dieser Mann überhaupt eine Seele hat. Der Mann, der die grausamen Akte in Santiago de Cuba angeordnet hat, hat nicht einmal ein Herz.

Ich kenne viele Details der Methoden, mit denen diese Verbrechen ausgeführt wurden, denn manche von Scham erfüllte Soldaten haben mir die Szenen, die sie bezeugen können, geschildert.

Als die Kämpfe vorbei waren, kamen die Soldaten wie wilde Bestien über Santiago de Cuba und sie ließen ihre erste Raserei aufgrund ihrer Frustration an der wehrlosen Bevölkerung aus. In der Mitte einer Straße, die weitab vom Ort der Kampfhandlungen lag, schossen sie in die Brust eines unschuldigen Kindes, das vor seiner Haustür spielte. Als der Vater des Kindes herbeilief, um es aufzuheben, schossen sie ihm in den Kopf. Wortlos erschossen sie ein Kind namens Cala, das am Heimweg war und ein Stück Brot in der Hand hielt. Es wäre eine endlose Aufgabe, all die Verbrechen und Übergriffe aufzuzählen, die an der Zivilbevölkerung begangen wurden. Und wenn die Armee so mit denen umgegangen ist, die an allen Aktion völlig unbeteiligt waren, dann kann man sich ausmalen, wie das furchtbare Schicksal der Gefangenen aussah, die tatsächlich oder vermeintlich an den Kämpfen beteiligt waren. Wie es in den gegenwärtigen Gerichtsverfahren auch der Fall ist, so beschuldigten sie viele Menschen, die überhaupt nichts mit unserem Angriff zu tun hatten, und sie töteten viele Häftlinge, die ebenso wenig damit zu tun hatten. Letztere scheinen nicht in der Opferstatistik auf, die das Regime veröffentlicht hat; diese Statistik bezieht sich ausschließlich auf unsere Männer. Doch eines Tages wird die gesamte Opferbilanz bekannt werden.

Der erste ermordete Gefangene war unser Arzt, Mario Muñoz, der keine Waffen bei sich hatte und keine Uniform trug, sondern einen weißen Arztkittel. Er war ein hochherziger und kompetenter Mann, für den jeder verwundete Feind gleichwertig zu behandeln war wie ein Freund. Auf der Straße, die vom Bürgerspital zur Kaserne führt, schossen sie ihn in den Rücken und ließen in einfach auf dem Boden in einer Blutlacke liegen. Doch der massenhafte Mord an den Gefangenen begann erst um drei Uhr nachmittags. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde noch auf die entsprechenden Anordnungen gewartet. Dann kam General Martín Díaz Tamayo aus Havanna an und bracht spezifische Instruktionen mit, nachdem er eine Besprechung mit Batista, der Armeeführung, dem Militärgeheimdienst und anderen abgehalten hatte. Er sagte: »Es ist entwürdigend und unehrenhaft für die Armee, dass sie dreimal so viele Gefallene zu verzeichnen hat wie die Angreifer. Für jeden toten Soldaten müssen zehn Gefangene getötet werden.« Das war die Anordnung

In jeder Gesellschaft gibt es Menschen mit niederen Instinkten. Manche Sadisten, Triebhafte und Beförderer aller menschlichen Entwicklungsrückstände verbergen sich unter der Maske menschlicher Geschöpfe, sind aber in Wirklichkeit Ungeheuer, die bloß mehr oder weniger durch Disziplin und Sozialverhalten zurückgehalten werden. Wenn ihnen ein Glas aus einem Fluss von Blut angeboten wird, dann werden sie nicht aufhören zu trinken, bis der Fluss trocken ist. Alles, was diese Männer benötigten, war der Befehl. In ihren Händen kamen die besten und vortrefflichsten Kubaner um, die mutigsten, ehrlichsten und idealistischsten. Der Tyrann bezeichnete sie als Söldner. Sie starben als Helden durch die Hände von Männern, die ein Gehalt von der Republik beziehen und die mit Waffen, die ihnen die Republik gibt, um sie zu schützen, den Interessen einer kleinen Clique dienen und die besten Bürger ermorden.

Während der Folterungen unserer Genossen bot ihnen die Armee an, dadurch ihre Leben zu retten, indem sie ihre Ideologie verrieten und fälschlich bestätigen würden, dass Prío ihnen Geld gegeben hätte. Als sie diesen Vorschlag ehrenvoll zurückwiesen, setzte die Armee die furchtbaren Misshandlungen fort. Sie zerquetschten ihre Genitalien und rissen ihre Augen heraus. Doch keiner schrie. Keine Beschwerde wurde gehört, keine Bitte um Gnade wurde geäußert. Selbst wenn sie ihnen die lebensnotwendigen Organe entfernt hätten, dann wären unsere Männer tausendmal mehr Männer als alle ihre Folterer zusammen. Fotografien, die nicht lügen, zeigen Körper, die regelrecht in Stücke zerrissen wurden. Auch andere Methoden wurden angewandt. Durch die Tapferkeit der Männer frustriert versuchten sie, die Gemüter unserer Frauen zu brechen. Mit einem blutigen Auge in der Hand ging ein Offizier mit anderen zu den Zellen, wo unsere Genossinnen Melba Hernández und Haydée Santamaría eingesperrt waren. Zu letzterer sagten sie, als sie ihr das Auge zeigten: »Dieses Auge gehört deinem Bruder. Wenn du uns nicht sagst, was er zu sagen verweigert hat, dann werden wir ihm das andere auch rausreißen.« Sie, die ihren Bruder über alles liebte, entgegnete voller Stolz: »Wenn Sie ihm ein Auge herausgerissen haben und er nicht sprach, dann werde ich ebenso wenig sprechen.« Später kamen sie zurück und verbrannten ihre Arme mit angezündeten Zigaretten. Zuletzt sagten sie voller Boshaftigkeit zur jungen Haydée Santamaría: »Du hast jetzt keinen Verlobten mehr, denn auch ihn haben wir getötet.« Doch sie antwortete unerschütterlich: »Er ist nicht tot, denn für sein Land zu sterben, bedeutet für immer zu leben.« Niemals zuvor haben der Heroismus und der Mut kubanischer Frauen solche Höhen erreicht.

Selbst in den verschiedenen Krankenhäusern der Stadt gab es keinen Respekt vor den in den Kämpfen verwundeten Menschen. Sie wurden von Soldaten gejagt, wie wenn Geier ihre Opfer verfolgen. Im Krankenhaus Centro Gallego brachen sie in den Operationssaal ein, als zwei Verwundete im kritischen Zustand gerade Bluttransfusionen erhielten. Sie zogen sie von den Operationstischen, und als die Verwundeten nicht mehr selbst stehen konnten, wurden sie in den ersten Stock hinunter gezerrt, wo sie bereits leblos ankamen.

Derartiges konnten sie in der spanischen Klinik, wo Gustavo Arcos und José Ponce Pateinten waren, nicht tun, denn sie wurden von Dr. Posada beschützt, der den Soldaten mutig sagte, sie kämen nur über seine Leiche hinein. Luft und Kampfer wurden injiziert in die Venen von Pedro Miret, Abelardo Crespo und Fidel Labrador, um zu versuchen, sie auf diese Weise im Militärspital zu ermorden. Sie verdanken ihre Leben Kapitän Tamayo, einem Armeearzt und wahrhaft ehrenhaften Soldaten, der sie mit der Pistole in der Hand aus den Klauen ihrer gnadenlosen Knechte befreite und ins Bürgerspital brachte. Diese fünf jungen Männer sind die einzigen unserer Verwundeten, die überlebt haben.

In den frühen Morgenstunden wurden Gruppen unserer Männer aus den Kasernen nach Siboney, La Maya, Songo und anderswohin gebracht. Dort wurden sie – gefesselt, geknebelt und bereits durch die Folterungen entstellt – an abgelegenen Stellen ermordet. In den veröffentlichten Statistiken scheinen sie als im Kampf gegen die Armee gefallen auf. So ging es mehrere Tage weiter und nur wenige der Gefangenen überlebten. Vielen wurde befohlen, ihre eigenen Gräber auszuheben. Einer unserer Männer schlug dabei mit einer Schaufel einem seiner Mörder noch ins Gesicht. Andere wurden sogar lebendig begraben, die Hände am Rücken gefesselt. Viele abgelegen Orte wurden zu den Friedhöfen mutiger Männer. Eines Tages werden diese Männer wieder ausgegraben werden. Dann werden sie auf den Schultern der Menschen zu einem Ruheplatz neben dem Grabstein von Martí getragen werden, und ihr befreites Land wird gewiss ein Ehrenmal errichten zur Erinnerung an die Märtyrer von 1953.

Der letzte Junge, den sie in der Umgebung von Santiago de Cuba ermordet haben, war Marcos Martí. Er wurde gemeinsam mit unserem Genossen Ciro Redondo in einer Höhle bei Siboney am Morgen des 30. Juli gefangen genommen. Diese beiden Männer wurden die Straße hinunter geführt, die Hände über dem Kopf, und ansatzlos schossen die Soldaten Marcos Martí in den Rücken. Als er zu Boden gefallen war, schossen sie noch mehrmals auf ihn. Redondo wurde zum Lager gebracht. Als Major Pérez ihn sah, sagte er: »Und was ist mit dem da? Warum habt ihr ihn zu mir gebracht?« Das Gericht hat diese Begebenheiten bereits von Redondo selbst gehört, von jenem jungen Mann, der dank dessen überlebt hat, was Pérez Chaumont als »Dummheit der Soldaten« bezeichnet hat.

Es war dasselbe in der ganzen Provinz. Zehn Tage nach dem 26. Juli brachte eine Zeitung dieser Stadt die Nachricht, dass an der Straße zwischen Manzanillo und Bayamo zwei strangulierte junge Männer gefunden wurden. Später wurden die Ermordeten als Hugo Camejo und Pedro Vélez identifiziert. Hierbei ist jedoch noch eine besondere Begebenheit zu erwähnen: Es waren eigentlich drei Opfer – sie waren aus der Kaserne in Manzanillo um zwei Uhr in der Nacht verschleppt worden. An einer Stelle der Landstraße wurden sie aus dem Auto gezerrt, bewusstlos geschlagen und mit einem Seil stranguliert. Nachdem die Soldaten die drei für tot gehalten und einfach liegen gelassen hatten, erlangte einer der drei, Andrés García, wieder das Bewusstsein und versteckte sich in einem Bauernhaus. Dank dieser Begebenheit hat das Gericht auch die Details dieses Verbrechens erfahren. Unter allen unseren Männern, die in der Gegend von Bayamo gefangen genommen wurden, gab es nur diesen einen Überlebenden.

In der Nähe des Flusses Cauto, an einem Ort namens Barrancas, lagen in einer Grube die leblosen Körper von Raúl de Aguiar, Armando del Valle und Andrés Valdés. Sie waren um Mitternacht auf der Straße zwischen Alto Cedro und Palma Soriano ermordet worden von Feldwebel Montes de Oca – verantwortlich für den Militärposten der Miranda-Kaserne –, Korporal Maceo und dem Leutnant, der für Alta Cedro veranwortlich war, wo die Ermordeten gefangen genommen worden waren. In den Annalen des Verbrechens verdient Feldwebel Eulalio Gonzáles – besser bekannt als »Tiger« der Moncada-Kaserne – einen besonderen Platz. Später hatte dieser Mann nicht die geringsten Bedenken, mit seinen unaussprechlichen Missetaten auch noch zu prahlen. Es war er, der mit seinen eigenen Händen unseren Genossen Abel Santamría ermordet hat. Aber das genügte ihm nicht. Eines Tages, als er zurückkam vom Gefängnis in Puerta Boniato, wo er im Hinterhof Kampfhähne züchtet, stieg er in einen Bus, in dem zufällig auch Abels Mutter reiste. Als dieses Scheusal realisierte, wer sie war, da begann er laut zu prahlen mit seinen abscheulichen Taten und sagte mit einer solch lauten Stimme, dass die in Trauer gewandete Mutter ihn sicher hören könnte: »Ja, ich habe viele Augen ausgestochen und ich warte schon darauf, weitere auszustechen.« Der unerhörte moralische Verfall, unter dem unsere Nation zu leiden hat, wird jenseits der Macht von Worten sichtbar im trauernden Schluchzen dieser Mutter angesichts der feigen Unverschämtheit genau jenes Mannes, der ihren Sohn ermordet hat. Wenn die Mütter zur Moncada-Kaserne kamen, um nach ihren Söhnen zu fragen, dann war es ein unglaublicher Zynismus und Sadismus, dass ihnen gesagt wurde: »Natürlich, meine Dame, Sie können Ihren Sohn im Hotel Santa Ifigenia besuchen, wohin wir ihn für Sie gebracht haben.« Entweder Kuba ist nicht Kuba oder die Männer, die dafür verantwortlich sind, werden eines Tages dafür auch zur Verantwortung gezogen. Diese herzlosen Männer bedachten jene Menschen auf den Straßen mit üblen Beschimpfungen, die ihre Hüte vom Kopf nahmen, als die Leichen der getöteten Revolutionäre vorbei getragen wurden.

Es gab so viele Opfer, dass es die Regierung bis heute nicht gewagt hat, die komplette Liste zu veröffentlichen. Sie wissen, dass ihre Darstellungen falsch sind. Sie haben alle Namen der Opfer, denn vor jedem Mord haben sie die genauen Daten aufgenommen. Der lange Prozess der Identifizierung durch das Nationale Identifizierungsbüro ist eine einzige große Farce, während es Familien gibt, die immer noch auf ein Wort über das Schicksal ihrer Söhne warten müssen. Warum wurde hier bis heute nichts aufgeklärt, nach drei Monaten?

Ich möchte hier auch noch für das Protokoll bemerken, dass die Taschen aller Opfer bis auf den letzten Penny geleert wurden, dass ihre persönlichen Sachen, ihre Ringe und Uhren, abgenommen wurden und heute von ihren Mördern getragen werden.

Ehrenwerte Richter, ein Großteil dessen, was ich gerade gesagt habe, war Ihnen bereits aufgrund der Zeugenaussagen von vielen meiner Genossen bekannt. Aber nehmen Sie bitte zur Kenntnis, dass viele Schlüsselzeugen von diesem Verfahren ausgeschlossen worden sind, obwohl ihnen erlaubt war, bei den Verhandlungen des vorherigen Prozesses anwesend zu sein. Zum Beispiel möchte ich erwähnen, dass die Krankenschwestern des Bürgerspitals abwesend sind, obwohl sie sogar im selben Gebäude arbeiten, in dem diese Anhörung stattfindet. Sie wurden vom Gericht ferngehalten, damit sie nicht bei einer Befragung durch mich bezeugen, dass außer Dr. Mario Muñoz zwanzig weitere von unseren Männern lebend gefangen genommen wurden. Das Regime befürchtet, dass durch die Befragung dieser Zeuginnen mancherlei gefährliche Aussagen ihren Weg in das offizielle Protokoll finden könnten.

Aber Major Pérez Chaumont ist hier erschienen und er konnte sich einer Befragung durch mich nicht entziehen. Was wir von diesem Mann gelernt haben, von einem »Helden«, der nur gegen unbewaffnete und gefesselte Männer gekämpft hat, kann uns erahnen lassen, was wir im Gerichtsgebäude alles gelernt hätten, wenn ich nicht von allen Vorgängen isoliert gewesen wäre. Ich habe ihn gefragt, wie viele Männer bei seinen gefeierten Scharmützeln bei Siboney gestorben seien. Er zögerte. Ich habe insistiert und schließlich meinte er, es wäre 21 gewesen. Nachdem ich weiß, dass solche Scharmützel niemals stattfanden, habe ich ihn gefragt, wie viele unserer Männer dabei verwundet wurden. Er antwortete: »Keiner. Alle von ihnen wurden getötet.« Also fragte ich ihn voller Erstaunen, ob die Soldaten wohl Nuklearwaffen eingesetzt hätten... – Natürlich, wenn Männer mit gezielten Schüssen hingerichtet werden, gibt es keine Verwundeten. Dann fragte ich ihn, wie viele Gefallene die Armee zu verzeichnen hatte. Er antwortete, dass zwei seiner Männer verwundet worden wären. Schließlich fragte ich ihn, ob einer dieser Männer gestorben sei, und er sagte, dies sei nicht der Fall. Ich wartete. Später wurde die Liste aller verwundeten Armeeangehörigen vorgelegt und es stellte sich heraus, dass kein einziger von ihnen bei Siboney verwundet wurde. Derselbe Major Pérez Chaumont, der nicht davor zurückgeschreckt war, 21 wehrlose junge Männer zu ermorden, hat sich am Strand von Ciudamar ein palastgleiches Haus errichten lassen. Es ist über 100.000 Pesos wert – seine Ersparnisse nach nur wenigen Monaten unter Batistas neuer Herrschaft. Und wenn dies die Ersparnisse eines Majors sind, dann kann man sich vorstellen, wie groß erst die eines Generals sein müssen

Ehrenwerte Richter Wo sind unsere Männer, die am 26., 27., 28. und 29. Juli gefangen genommen wurden? Es ist bekannt, das mehr als 60 Männer in der Gegend von Santiago de Cuba gefangen genommen wurden. Bloß drei von ihnen und die beiden Frauen wurden vor das Gericht gebracht. Der Rest der Angeklagten wurde später festgenommen. Wo sind unsere Verwundeten? Nur fünf von ihnen sind am Leben; der Rest wurde ermordet. Die Tatsachen sind nicht zu leugnen. Auf der anderen Seite wurden hier 20 Soldaten präsentiert, die wir als Gefangene genommen hatten, und sie haben von sich aus durchwegs erklärt, dass wir sie nicht einmal mit bösen Worten etwa beleidigt hätten. 30 Soldaten, die verwundet worden waren, die meisten im Straßenkampf, erschienen ebenfalls vor Ihnen. Kein einziger Verwundeter wurde von uns getötet. Wenn die Armee Verluste von 19 Gefallenen und 30 Verwundeten zu beklagen hat, wie soll es dann möglich sein, dass wir 80 Tote und nur fünf Verwundete haben? Wer hat jemals eine Schlacht mit 21 Toten und keinen Verwundeten erlebt, so wie diese famosen Schlachten, die Pérez Chaumont beschrieben hat?

Wir haben hier die Gefallenenlisten von den bitteren Kämpfen mit den Invasionstruppen im Krieg von 1895, von Schlachten, in denen die kubanische Armee eine Niederlage erlitten hat, sowie von Schlachten, wo die kubanische Armee siegreich war. Die Schlacht von Los Indios in Las Villas: 12 Verwundete, keine Toten. Die Schlacht von Mal Tiempo: 4 Tote, 23 Verwundete. Calimente: 16 Tote, 64 Verwundete. La Palma: 39 Tote, 88 Verwundete. Cacarajícara: 5 Tote, 13 Verwundete. Descanso: 4 Tote, 45 Verwundete. San Gabriel de Lombillo: 2 Tote, 18 Verwundete... – In all diesen Schlachten ist die Zahl der Verwundeten zweimal, dreimal, bis zu zehnmal höher als die Zahl der Getöteten, obwohl es damals noch keine moderne medizinische Technik gab, durch die die Zahl der Toten reduziert werden kann. Wie können wir dann nun erklären, wie es zu dem enormen Verhältnis von 60 Toten pro Verwundeten kommen kann, wenn nicht durch die Morde der Regierung selbst in Krankenhäusern und durch die Ermordung der anderen hilflosen Gefangenen, die sie in die Hände bekamen? Die Daten sind eindeutig.

»Es ist entwürdigend und unehrenhaft für die Armee, dass sie dreimal so viele Gefallene zu verzeichnen hat wie die Angreifer. Wir müssen zehn Gefangene für jeden toten Soldaten ermorden.« Das ist das Konzept der Ehre für jene kleinen Korporäle, die am 10. März Generäle wurden. Eine falsche Ehre, eine vorgetäuschte Ehre, eine Ehre, die augenscheinlich auf Lügen, Heuchelei und Verbrechen basiert; eine Maske der Ehre, die von den Mördern aus Blut gegossen wurde. Wer hat ihnen gesagt, dass im Kampf zu fallen unehrenhaft ist? Wer hat ihnen gesagt, dass die Ehrenhaftigkeit einer Armee darin besteht, die gegnerischen Verwundeten und die Kriegsgefangenen zu ermorden?

In Kriegszeiten haben Armeen, die Kriegsgefangene ermordet haben, auf der ganzen Welt immer Verachtung und Abscheu hervorgerufen. Für solch eine Feigheit gibt es keine Berechtigung, selbst dann nicht, wenn es zu einer Invasion des eigenen Territoriums durch ausländische Truppen kommt. In den Worten eines südamerikanischen Befreiers: »Nicht einmal der strikteste militärische Gehorsam darf das Schwert eines Soldaten in das eines Henkers verwandeln.« Der ehrenhafte Soldat tötet nicht den hilflosen Gefangenen nach dem Kampf, sondern respektiert ihn vielmehr. Er tötet einen verwundeten Gegner nicht, sondern hilft ihm. Er stellt sich einem Verbrechen in den Weg und falls er es nicht verhindern kann, dann handelt er so wie jener spanische Kapitän, der – nachdem er die Schüsse der Artillerieeinheit auf kubanische Studenten gehört hatte – empört sein Schwert zerbrach und es ablehnte, weiterhin in dieser Armee zu dienen.

Die Soldaten, die ihre Gefangenen ermordet haben, waren nicht gleichwertig mit jenen Soldaten, die durch sie starben. Ich habe viele Soldaten mit Courage kämpfen gesehen – zum Beispiel die Soldaten in jenen Patrouillen, die mit ihren Maschinengewehren auf uns schossen, als es beinahe schon zu direkten Kämpfen Mann gegen Mann gekommen war, oder jenen Feldwebel der ohne Furcht vor dem Tod den Alarm auslöste, um die Kaserne zu mobilisieren. Manchen von ihnen leben. Darüber bin ich glücklich. Andere sind tot. Sie glaubten, ihre Pflicht zu erfüllen, und in meinen Augen macht sie das der Bewunderung und des Respekts wert. Ich bedauere bloß die Tatsache, dass tapfere Männer für eine schlechte Sache ihr Leben geben sollen. Wenn Kuba befreit ist, dann sollten wir die Witwen und Kinder dieser couragierten Soldaten, die im Kampf gegen uns fielen, respektieren und beschützen und ihnen helfen. Sie sind nicht für Kubas Unglück verantwortlich zu machen. Sie sind ebenfalls Opfer dieser schändlichen Situation.

Doch was an Ehre von den in der Schlacht gefallenen Soldaten gewonnen wurde, wurde durch die Generäle verloren, die angeordnet haben, dass Gefangene, die sich ergeben haben, ermordet werden sollen. Männer die über Nacht Generäle wurden, die niemals auch nur einen einzigen Schuss selbst abgegeben haben; Männer, die ihre Sterne durch Verrat am eigenen Land erkauft haben; Männer, die die Exekution von Gefangenen anordneten, die in Schlachten gemacht wurden, an denen sie selbst nicht einmal teilgenommen haben. Das sind die Generäle des 10. März – Generäle, die in der Armee von Antonio Maceo [1845-1896, kubanischer General im Unabhängigkeitskrieg; Anm. d. Übers.] nicht einmal dafür tauglich gewesen wären, die Maultiere mit der Ausrüstung zu führen.

Die Armee erlitt dreimal so große Verluste wie wir. Dies war deshalb der Fall, weil unsere Männer ausgezeichnet geübt waren, wie Armeeangehörige selbst attestiert haben; und auch deshalb, weil wir adäquate taktische Pläne vorbereitet hatten, wie die Armee ebenfalls bestätigte. Die Armee hat keine brillante Figur gemacht; trotz der Millionen, die seitens des Militärgeheimdienstes für Spionage aufgewendet werden, war die Armee völlig überrascht, und manche ihrer Handgranaten explodierten nicht einmal, weil sie schon zu alt waren. Und die Armee verdankt all das Generälen wie Martín Díaz Tamayo und Offizieren wie Ugalde Carillo und Albert del Río Chaviano. Wir waren keine 17 Betrüger, die in die Ränge der Armee geschmuggelt wurden, so wie es am 10. März geschah. Stattdessen waren wir 165 Menschen, die aus ganz Kuba gekommen waren, um mutig dem Tod ins Gesicht zu blicken. Wenn die Armeeführer auch nur eine Idee wahrer militärischer Ehrenhaftigkeit hätten, dann würden sie ihr Kommando zurücklegen anstatt zu versuchen, ihre Schande und Inkompetenz mit dem Blut der Gefangenen wegzuwaschen.

Hilflose Gefangene zu töten und dann zu behaupten, sie wären im Kampf gefallen, das ist alles, was die Generäle vom 10. März an militärischen Kapazitäten vorzuweisen haben. Das ist jenes Verhalten, das auch die schlimmsten Schlächter von Valeriano Weyler in den blutigsten Jahren unseres Unabhängigkeitskampfes an den Tag legten. Die Chroniken des Krieges beinhalten die folgende Episode:

»Am 23 Februar nahm Offizier Baldomero Acosta mit der Kavallerie Punta Brava ein, während von der anderen Seite eine Einheit des Regiments von Pizarro näher kam, die von einem Feldwebel angeführt wurde, der in der Gegend als Barriguilla [Dickbauch] bekannt war. Die Aufständischen wechselten ein paar Schüsse mit Pizarros Männern, dann zogen sie sich zurück über den Pfad, der von Punta Brava in das Dorf Guatao führt. Gefolgt von einem weiteren Freiwilligenbataillon von Marianao und einem Truppenverband des ›Korps der öffentlichen Ordnung‹, der von Kapitän Calvo angeführt wurde, marschierte Pizarros Einheit von 50 Männern auf Guatao ... Sobald die ersten Soldaten ins Dorf kamen, begannen sie mit ihrem Massaker, indem sie zwölf friedvolle Einwohner töteten ... Die Truppen von Kapitän Calvo sammelte schnell alle Zivilisten, die im und um das Dorf zu finden waren, fesselte ihnen die Hände und brachte sie als Kriegsgefangene nach Havanna ... Noch nicht zufrieden mit ihren Übergriffen setzten sie in der Peripherie von Guatao einen weiteren barbarischen Akt, indem sie einen Gefangenen töteten und dem Rest schlimme Verletzungen zufügten. Der Graf von Cervera, ein feiger Soldat adeliger Herkunft, informierte Weyler über den Pyrrhussieg der spanischen Soldaten; doch Major Zugasti, ein Mann mit Prinzipien, meldete den Vorfall bei der Regierung und bezeichnete die Morde, für die der kriminelle Kapitän Calvo und Feldwebel Barriguilla verantwortlich waren, als Exekution friedfertiger Bürger.

Weylers Intervention bei diesem grauenvollen Vorfall und sein Vergnügen daran, jedes Detail des Massakers genau zu erfahren, mag abschätzbar sein anhand der offiziellen Depesche an den Kriegsminister bezüglich dieser Grausamkeiten. ›Kleine Kolumne organisiert durch Kommandant Marianao mit Einheiten aus der Garnison, Freiwillige und Feuerwehrleute geführt von Kapitän Calvo, bekämpften und zerstörten Gruppen von Villanueva und Baldomero Acosta nahe Punta Brava, 20 Tote ihrerseits, die dem Bürgermeister von Guatao zur Bestattung übergeben wurden, 15 Gefangene, davon einer verwundet, anzunehmen, dass mehrere unter ihnen Verletzungen haben. Einer unserer Soldaten erlitt kritische Wunden, einige leichte Blutergüsse und Schrammen.‹«

Was ist der Unterschied zwischen Weylers Darstellung und der von Oberst Chaviano, als er Details über die Siege von Major Pérez Chaumant berichtet? Bloß jener, dass Weyler einen verwundeten Soldaten in seinen Reihen erwähnt. Chaviano erwähnt zwei. Weyler spricht von einem verwundeten Mann und 15 gefangenen Feinden. Chaviano hat weder von Verwundeten noch von Gefangenen zu berichten.

Ebenso wie ich den Mut der im Kampf gefallenen Soldaten bewundere, bewundere ich auch die Offiziere, die sich würdevoll verhalten und ihre Hände nicht in Blut gebadet haben. Viele der Überlebenden verdanken ihre Leben dem lobenswerten Verhalten von Offizieren wie Leutnant Sarría, Leutnant Campa, Kapitän Tamayo und anderen, die sich als ehrenwerte Männer in der Behandlung der Gefangenen erwiesen. Wenn Männer wie diese nicht zum Teil den Namen der Streitkräfte gerettet hätten, dann wäre es heute ehrenvoller, ein Geschirrtuch zu tragen als eine Armeeuniform.

Für meine toten Genossen fordere ich keine Vergeltung. Da ihre Leben unersetzbar sind, könnten ihre Mörder nicht für sie bezahlen – auch nicht mit ihren eigenen Leben. Mit Blut werden wir die Leben derjenigen, die für ihr Land gestorben sind, nicht aufwiegen können. Das Glück ihres Volkes ist der einzige Tribut, der ihre Leben wert ist.

Darüber hinaus sind meine Genossen weder tot noch vergessen; sie leben heute mehr denn je und ihre Mörder werden mit Schrecken sehen, wie der siegreiche Geist ihrer Ideen von ihren leblosen Körpern aufsteigt. Ich möchte Martí für mich sprechen lassen: »Es gibt ein Limit der Tränen, die wir über den Gräbern der Verstorbenen vergießen können. Dieses Limit ist die unendliche Liebe für unser Heimatland und seinen Ruhm, eine Liebe, die niemals schwankt, die Hoffnung verliert oder verblasst. Denn die Gräber der Märtyrer sind die höchsten Altare unserer Verehrung ... Wenn jemand stirbt in den Armen eines dankbaren Landes, dann endet die Qual, die Gefängnisketten brechen – und zuletzt beginnt mit dem Tod das Leben«

Bis zu diesem Punkt habe ich mich fast ausschließlich auf das Berichten von Ereignissen beschränkt. Da ich mir sehr gut darüber im Klaren bin, dass ich vor einem Gericht stehe, das zusammengekommen ist, um über mich zu richten, möchte ich nun zeigen, dass das gesamte Recht alleine auf unserer Seite war und dass die Verurteilung, die meinen Genossen auferlegt wurde und die nun mir bevorsteht, keinerlei Berechtigung hat – nicht aufgrund der Sachlage, nicht in moralischer Hinsicht, nicht aufgrund wahrer Gerechtigkeit.

Ich möchte ordnungsgemäß respektvoll gegenüber den ehrenwerten Richtern sein und ich bin dankbar, dass Sie die Offenheit meiner Stellungnahme nicht als Feindseligkeit bewerten. Meine Argumente sollen einfach demonstrieren, welche falsche und fehlerhafte Position die Gerichtsbarkeit in der gegenwärtigen Situation angenommen hat. Bis zu einem gewissen Grad ist jedes Gericht nicht mehr als ein Rädchen im Getriebe des Systems und daher muss es sich entlang des vom Fahrzeug vorgegebenen Kurses bewegen, auch wenn dies keinesfalls ein individuelles Handeln gegen die eigenen Prinzipien rechtfertigt. Ich weiß sehr gut, dass die Oligarchie für das meiste verantwortlich zu machen ist. Die Oligarchie hat – und dies ohne würdigen Protest – in verachtenswerter Weise den Diktaten des Usurpators nachgegeben und ihr Land betrogen, indem auf die Autonomie der Gerichtsbarkeit verzichtet wurde. Menschen, die noble Ausnahmen darstellen, haben versucht, das mangelhafte Ansehen des Systems durch individuelle Entscheidungen aufzubessern. Doch die Gesten dieser Minderheit hatten geringe Konsequenzen, wurden sie doch durch die unterwürfige und kriecherische Mehrheit erstickt. Dennoch wird dieser Fatalismus mich nicht davon abhalten, die Wahrheit auszusprechen, die mich in meinen Intentionen unterstützt. Mein Erscheinen vor diesem Gericht ist in gewisser Hinsicht eine reine Farce, da dadurch willkürlichen Entscheidungen der Anschein von Legalität gegeben werden soll, aber ich bin entschlossen, den infamen Deckmantel, der soviel Schamlosigkeit versteckt, mit sicherer Hand fortzureißen. Es ist seltsam: ganz genau jene Männer, die mich hierher gebracht haben, damit über mich gerichtet und ich verurteilt werde, haben keine einzige Verhandlung dieses Gerichts beachtet.

Nachdem dieses Verfahren – wie Sie selbst sagten – das wichtigste Verfahren seit Erlangung unserer nationalen Unabhängigkeit sein soll, wird einiges, was ich zu sagen habe, vielleicht in der Stille verloren gehen, die die Diktatur mir auferlegen wollte, doch die Nachwelt wird sehr oft darauf zurückblicken, was Sie hier tun. Erinnern Sie sich daran, dass Sie heute über einen angeklagten Mann richten, aber dass über Sie selbst nicht nur einmal, sondern sehr häufig gerichtet werden wird, nämlich so oft, wie in der Zukunft diese Tage prüfenden Blicken unterzogen werden. Was ich hier sage, das wird dann sehr oft wiederholt werden, nicht weil es von meinen Lippen kommt, sondern weil das Problem der Gerechtigkeit ein ewiges ist und weil das Volk einen tiefen Gerechtigkeitssinn hat, der weit über die Haarspalterei der Rechtsprechung hinausgeht. Das Volk verfügt in der Auseinandersetzung mit allem, was absurd und widersprüchlich ist, über eine simple, aber unerbittliche Logik. Darüber hinaus: wenn es auf der Welt ein Volk gibt, das Günstlingswirtschaft und Ungleichheit absolut verabscheut, dann ist dies das kubanische Volk. Für die Menschen wird die Justiz durch Justitia, eine junge Frau mit einer Waage und einem Schwert in ihren Händen, symbolisiert. Sollte sie sich vor einer Gruppe aus Angst ducken, gegenüber der anderen Gruppe aber in Raserei das Schwert führen, dann wird die Maid der Justiz dem kubanischen Volk als nichts anderes erscheinen als eine Prostituierte, die drohend mit einem Dolch schwingt. Meine Logik ist die simple Logik des Volkes.

Lassen Sie mich eine Geschichte erzählen: Es war einmal eine Republik. Sie hatte eine Verfassung, sie hatte ihre Gesetze, ihre Freiheiten, einen Präsidenten, einen Kongress und ihre Gerichtshöfe. Alle konnten sich versammeln, sich organisieren, sprechen und schreiben mit kompletter Freiheit. Das Volk war damals zwar nicht zufrieden mit den Regierungsbeamten, aber es hatte ja die Macht, eine neue Regierung zu wählen, und bis dahin sollten eigentlich nur noch wenige Tage vergehen. Die öffentliche Meinung wurde respektiert und beachtet und alle Probleme von öffentlichem Interesse wurden offen diskutiert. Es gab politische Parteien, Rundfunkdebatten, öffentliche Foren und Treffen. Die ganze Nation pulsierte mit Enthusiasmus. Dieses Volk hatte in der Vergangenheit furchtbar gelitten und obwohl es unglücklich war, sehnte es sich nach Glück und hatte ein Recht auf sein Glück. Es war bereits oft betrogen worden und es blickte auf die Vergangenheit mit wahrlich einigem Schrecken. Dies Land glaubte in seiner Unschuld, dass solch eine Vergangenheit niemals wieder zurückkehren könnte; das Volk war stolz auf seine Liebe zur Freiheit und gehobenen Hauptes waren die Menschen davon überzeugt, dass die Freiheit als heiliges Recht respektiert werden würde. Sie fühlten sich sicher, dass niemand es wagen würde, das Verbrechen zu begehen, ihre demokratischen Institutionen zu missbrauchen. Sie wollten eine Veränderung zum Besseren, strebten nach dem Fortschritt; und dies sahen sie in naher Zukunft. All ihre Hoffnung lag in der Zukunft.

Welch armes Land Denn eines Morgens wachten die Bürger mit Bestürzung auf; unter dem Mantel der Nacht, als das Volk geschlafen hatte, hatten sich die Geister der Vergangenheit verschworen und die Bevölkerung an den Händen, Füßen und am Genick gepackt. Dieser Griff, diese Klauen waren bekannt: dieser Schlund, diese todbringenden Sensen, diese Stiefel. Nein; es war kein Alptraum; es war traurige und schreckliche Realität: ein Mann namens Fulgencio Batista hatte soeben genau jenes abscheuliche Verbrechen begangen, das niemand erwartet hatte.

Dann durchsuchte ein bescheidener Bürger dieses Volkes, ein Bürger, der aus tiefstem Herzen an die Gesetze der Republik und die Integrität der Richterschaft glauben wollte, aber deren gegen die Unterprivilegierten gerichtetes Wüten sehen musste, die Gesetze zur gesellschaftlichen Verteidigung, um herauszufinden, welche Bestrafung die Gesellschaft vorgesehen hat für den Urheber eines solchen Putsches – und er entdeckte dabei folgendes:

»Wer auch immer eine Tat begeht, um mit gewaltsamen Mitteln direkt die gesamte Staatsverfassung oder Teile von ihr oder die Form der etablierten Regierung zu ändern, ist mit einer Freiheitsstrafe von sechs bis zehn Jahren Gefängnis zu versehen.«

»Mit einer Freiheitsstrafe von drei bis zehn Jahren Gefängnis wird versehen, wer eine Tat setzt, um einen bewaffneten Aufstand gegen die verfassungsgemäßen Staatsmächte zu initiieren. Die Strafe erhöht sich auf von fünf bis zu zwanzig Jahre, wenn der Aufstand auch ausgeführt wird.«

»Wer auch immer einen Tat setzt, um – insgesamt oder teilweise, selbst vorübergehend – den Senat, das Repräsentantenhaus, den Präsidenten oder den Obersten Gerichtshof daran zu hindern, ihre verfassungsgemäßen Funktionen auszuüben, wird mit einer Freiheitsstrafe von sechs bis zehn Jahren Gefängnis bestraft.«

»Wer auch immer versucht, normale allgemeine Wahlgänge zu verhindern oder zu verfälschen, wird mit einer Freiheitsstrafe von vier bis acht Jahren Gefängnis versehen.«

»Wer auch immer in Kuba Bestimmungen, Befehle oder Dekrete vorstellt, veröffentlicht, propagiert oder versucht durchzusetzen, die dazu angetan sind ... zur Missachtung geltender Gesetze aufzurufen, wird mit einer Freiheitsstrafe von zwei bis sechs Jahren Gefängnis bestraft.«

»Wer auch immer das Kommando über Truppen, Posten, Festungen, Militärcamps, Städte, Kriegsschiffe oder Luftstreifkräfte übernimmt, ohne die Autorität dazu zu haben oder dabei Regierungsbefehle auszuführen, wird mit einer Freiheitsstrafe von fünf bis zehn Jahren Gefängnis bestraft.«

»Eine ähnliche Strafe wird jedem auferlegt, der sich widerrechtlich der Ausübung einer Funktion bemächtigt, die gemäß der Verfassung ausschließlich der Staatsmacht zukommt.«

Ohne jemanden davon zuvor in Kenntnis zu setzen, das Gesetzesbuch in der einen und eine schriftliche eidliche Aussage in der anderen Hand, ging dieser Bürger nun zum alten Amtshaus, diesem alten Gebäude, in dem das zuständige Gericht beherbergt war, das die Pflicht hatte, diese Angelegenheit zu behandeln und jene zu bestrafen, die für diese Taten verantwortlich waren. Er präsentierte eine Niederschrift, in der die Verbrechen aufgelistet waren, und ersuchte darum, dass Fulgencio Batista und seine siebzehn Komplizen zu jenen insgesamt 108 Jahren Gefängnis verteilt werden, die das Gesetz zur gesellschaftlichen Verteidigung vorsah; dabei waren jene erschwerenden Umstände zu beachten, dass es sich um einen Wiederholungsfall handelte und dass dies alles unter dem Mantel der Nacht geschehen war.

Tage und Monate vergingen. Welch eine Enttäuschung Der Angeklagte bliebt unbehelligt: er zog kreuz und quer durch das Land wie eine Feudalgraf, er wurde als »ehrenwerter Herr« und »General« tituliert; er entfernte und ersetzte Richter, wie es ihm gerade passte. Und an jenem Tag, als die Gerichte eröffnet wurde, okkupierte der Verbrecher den Ehrensitz inmitten unserer erhabenen und ehrwürdigen Väter der Gerechtigkeit.

Wieder vergingen die Tage und Monate, das Volk wurde der Verhöhnung und der Missbräuche müde. Es gibt eine Grenze des Tolerierbaren Der Kampf begann gegen diesen Mann, der das Gesetz missachtete, der mittels Gewalt und gegen den Willen des Volkes die Macht an sich gerissen hatte, der schuldig war der Aggression gegen die bestehende Ordnung, der jene gefoltert, ermordet, eingekerkert und verfolgt hat, die den Kampf aufgenommen hatten, um das Gesetz zu verteidigen und die Freiheit für das Volk wiederzugewinnen.

Ehrenwerte Richter Ich bin dieser einfache Bürger, der damals eines Tages vergeblich darum ersucht hat, dass jener machthungrige Mann bestraft wird, der das Gesetz missbraucht und unsere Institutionen in Fetzen gerissen hat. Und nun bin ich es, der des Versuchs beschuldigt wird, dieses illegale Regime zu stürzen und die legitime Verfassung der Republik wiederherzustellen, ich wurde ohne jede Kommunikationsmöglichkeit für 76 Tage im Gefängnis isoliert, mir wurde das Recht verweigert, mit irgendjemanden zu sprechen, selbst mit meinem Sohn; zwischen zwei schweren Maschinengewehren werde ich durch die Stadt geführt. Ich werde zu diesem Krankenhaus gebracht, damit ich im Geheimen mit größter Strenge befragt werde; und der Staatsanwalt verlangt feierlich mit dem Gesetzbuch in der Hand, dass ich zu 26 Jahren im Gefängnis verteilt werde.

Sie werden antworten, dass beim früheren Anlass die Gerichte untätig geblieben sind, weil Gewalt sie abhielt. Nun denn, gestehen Sie, diesmal wird die Gewalt Sie zwingen, mich zu verteilen. Das erste Mal waren sie unfähig, den Schuldigen zu bestrafen; nun werden Sie gezwungen, den Unschuldigen zu bestrafen. Justitia wird gleich zweimal vergewaltigt.

Und so viele Worte, um das nicht zu Rechtfertigende zu rechtfertigen, um das Unerklärliche zu erklären und um das Unvereinbare zu vereinen Das Regime hat jenen Punkt erreicht, wo erklärt wird, dass die Vorgabe »die Gewalt bestimmt das Recht« zum höchsten Gesetz des Landes geworden ist. Mit anderen Worten: der Einsatz von Panzern und Soldaten, um den Präsidentenpalast, die Nationalbank und die Regierungsministerien zu übernehmen, sowie das Richten von Waffen auf das Herz des Volkes soll sie dazu berechtigen, das Volk zu regieren Solche Argumente verwendeten die Nazis, als sie die Länder Europas okkupierten und ihre Marionettenregimes installierten.

Ich glaube aus tiefstem Herzen, dass die Revolution die Quelle des legitimen Rechts ist; doch der nächtliche bewaffnete Putsch vom 10. März könnte niemals als Revolution betrachtet werden. In jeder Sprache, so sagte José Ingenieros [argentinischer Philosoph und Sozialist, 1877-1925; Anm. d. Übers.], ist es üblich, den Begriff der Revolution zu missbrauchen, um einen kleinen Umsturz einer Gruppe unzufriedener Personen zu tarnen, damit diese von den gegenwärtig Mächtigen sowohl die politische Macht als auch die ökonomischen Vorteile übernehmen können. Das übliche Resultat ist nicht mehr als der Austausch der Hände, die Aufteilung der Aufgaben und der Möglichkeiten zur Bereicherung. Dies kann nicht das Kriterium eines Philosophen sein, ebenso kann es nicht das Kriterium eines kultivierten Menschen sein.

Selbst wenn wir das Problem integraler Veränderungen des Gesellschaftssystems beiseite lassen, so ist es uns nicht einmal an der Oberfläche des öffentlichen Morasts möglich, die geringste Bewegung zu entdecken, die die grassierende Fäulnis verringern könnte. Das vorangegangene Regime war schuldig unbedeutender Politik, des Diebstahls, der Plünderung und der Missachtung des menschlichen Lebens; doch das gegenwärtige Regime steigert die politischen Gemeinheiten auf das Fünffache, die Plünderung auf das Zehnfache und auf das Hundertfache den mangelnden Respekt vor dem menschlichen Leben.

Es war bekannt, dass Barriguilla geplündert und gemordet hat, dass er ein Millionär war, dass ihm in Havanna eine gutes Dutzend Wohnhäuser, unzählige Aktien ausländischer Unternehmen und riesige Konten bei amerikanischen Banken gehörten, dass er regelmäßig Gast in den teuersten Hotels für Yankee-Tycoons war. Doch niemand würde jemals denken, Barriguilla sei ein Revolutionär gewesen. Barriguilla ist jener Feldwebel von Weylers Truppen, der zwölf Kubaner bei Guatao ermordet hat. Batistas Männer ermordeten 70 in Santiago de Cuba. De te fabula narratur. [nach Horaz: »Mutato nomine de te fabula narratur«, lat.: »Die Geschichte handelt von dir, nur der Name ist geändert.«; Anm. d. Übers.]

Vier politische Parteien regierten das Land vor dem 10. März: die Authentische, die Liberale, die Demokratische und die Republikanische Partei. Zwei Tage nach dem Putsch unterstützte die Republikanische Partei schon die neuen Machthaber. Noch nicht einmal ein Jahr ist vergangen und auch die Liberale und die Demokratische Partei sind wieder Teilhaber der Macht: Batista hat zwar nicht die Verfassung, die Bürgerrechte, den Kongress, das allgemeine Wahlrecht oder irgendeine der entwurzelten demokratische Institutionen wiederhergestellt. Aber dafür hat er Politiker wie Verdeja, Guas Inclán, Salvito García Ramos, Anaya Murillo und die führende Hierarchie der traditionellen Regierungsparteien, die korruptesten, habgierigsten, reaktionärsten und rückständigsten Elemente in der kubanischen Politik wieder eingesetzt. So ging die »Revolution« von Barriguilla vor sich

Batistas Regime fehlt selbst der kleinste revolutionäre Inhalt und es repräsentiert in jeder Hinsicht ein Rückschritt um 20 Jahre für Kuba. Batistas Regime hat von uns allen einen hohen Preis gefordert, aber insbesondere von jenen einfachen Klassen, die unter Hunger und Elend leiden. Inzwischen hat die Diktatur die Nation mit Chaos, Dummheit und Schmerz eingedeckt und nun widmet sie sich den widerlichsten Formen der skrupellosen Politik, um ein Rezept nach dem anderen auszuhecken, damit sie sich selbst an der Macht halten kann – und sei es über einen Berg von Leichen und einen See aus Blut hinweg.

Batistas Regime hat nicht ein einziges landesweites Programm im Dienste von Verbesserungen für die Menschen initiiert. Batista begab sich selbst in die Hände der Interessen der Großfinanz. Wenig anderes konnte von einem Mann seiner Mentalität erwartet werden – tiefgehend frei von Idealen und Prinzipien, ebenso ohne jeden Glauben, jedes Vertrauen und jede Unterstützung durch die Massen. Sein Regime brachte mit sich nur einen Wechsel der Hände und eine Neuverteilung der Diebesbeute unter eine neue Gruppe von Freunden, Verwandten, Komplizen und parasitären Trittbrettfahrern, die den politischen Rückhalt des Diktators bilden. Welch große Schande muss das Volk aushalten, damit eine kleine Gruppe von Egoisten, die allesamt den Bedürfnissen ihres Heimatlandes gleichgültig gegenüberstehen, im öffentlichen Leben ein einfaches und komfortables Auskommen finden kann.

Wie recht hatte Eduardo Chibás, als er bei seiner letzten Radioansprache sagte, dass Batista die Rücker der Offiziere, des Rizinusöls und des Flüchtlingsgesetzes begünstigen würde [gemeint sind Militärstaat, Folter und Verfolgung; Anm. d. Übers.] Unmittelbar nach dem 10. März waren die Kubaner wieder mit einem wahrhaftigen Vandalismus konfrontiert, von dem sie geglaubt hatten, ihre Nation wäre für immer davon befreit. Es gab eine beispiellose Attacke auf eine kulturelle Institution: eine Radiostation wurde gemeinsam gestürmt durch die Schlägerbanden des Militärgeheimdienstes [SIM] und die jungen Rowdys der PAU [»Partei der Einheitsaktion«, 1949 von Batista gegründet; Anm. d. Übers.], als gerade die Sendung »Radio-Universität« lief. Und es gab den Fall des Journalisten Mario Kuchilán, der mitten in der Nacht aus seinem Haus gezerrt und bestialisch gefoltert wurde, bis er beinahe bewusstlos war. Es gab den Mord an dem Studenten Rubén Batista, es gab den Hagel von Gewehrschüssen auf eine friedliche Studentendemonstration unmittelbar in der Nähe jener Mauer, wo im Jahr 1871 spanische Freiwilligenregimenter kubanische Medizinstudenten erschossen haben. Und es gab viele Fälle wie jenen von Dr. García Bárcena, wo Menschen aufgrund der barbarischen Misshandlungen, denen sie in den Händen des repressiven Geheimdienstes ausgesetzt waren, direkt im Gerichtssaal noch Blut aushusteten. Nicht aufzählen möchte ich die hunderten Fälle, wo ganze Gruppen von Bürger mit Gewehrkolben brutal zusammengeschlagen wurden – Männer, Frauen, Kinder und Alte. Dies alles geschah bereits vor dem 26. Juli. Seither wurde, wie jeder weiß, selbst Kardinal Arteaga [Manuel Arteaga, Erzbischof von Havanna 1941-1963; Anm. d. Verf.] nicht von solch einer Behandlung verschont. Jeder weiß, dass er ein Opfer repressiver Agenten war. Nach der offiziellen Darstellung fiel er einer »Bande von Dieben« zum Opfer. Nun, damit hat das Regime immerhin einmal die Wahrheit gesagt. Denn was sonst ist dieses Regime...?

Die Menschen haben gerade erst mit Horror von dem Fall Kenntnis bekommen, wo ein Journalist gekidnappt und 20 Tage lang mit Feuer gefoltert wurde. Jeder neue Fall gibt Zeugnis von unerhörten Dingen – von Unverfrorenheit, von immenser Heuchelei: die Feigheit jener, die sich vor der Verantwortung drücken und ausnahmslos die Feinde des Regimes beschuldigen. Eine Regierungstaktik, die höchsten von den schlimmsten Gangsterbossen mit Neid betrachtet wird. Selbst die Naziverbrecher waren nicht so feige. Hitler übernahm die Verantwortung für die Massaker vom 30. Juni 1934, indem er feststellte, er selbst sei für 24 Stunden der Oberste Gerichtshof Deutschlands gewesen; die Henker der Diktatur, die jedem Vergleich trotzen aufgrund der Niederträchtigkeit, Böswilligkeit und Feigheit, entführen, foltern und ermorden die Gegner des Regimes – und dann schieben sie ihren Opfern auch noch in ekelhafter Weise die Verantwortung in die Schuhe. Eine typische Taktik von Feldwebel Barriguilla

Nicht ein einziges Mal in all diesen Fällen, die ich erwähnt habe, ehrenwerte Richter, wurden die Agenten, die für diese Verbrechen verantwortlich sind, vor Gericht gestellt und dafür zur Verantwortung gezogen. Wie ist das zu verstehen? Sollte denn nicht dieses Regime das Regime der öffentlichen Ordnung, des Friedens und des Respekts vor dem menschlichen Leben sein?

Ich habe dies alle berichtet, um Sie nun zu fragen: Kann dieser Stand der Dinge als Revolution bezeichnet werden, geeignet, Gesetze zu formulieren und Rechte zu etablieren? Ist es oder ist es nicht rechtmäßig, gegen dieses Regime zu kämpfen? Und muss es nicht einen hohen Grad an Korruption an den Gerichtshöfen geben, wenn diese Gerichte jene Bürger einsperren, die versuchen, das Land von solcher einer Schmach zu befreien?

Kuba leidet unter einem blutigen und niederträchtigen Despotismus. Sie sind sich gewiss gut darüber im Klaren, dass Widerstand gegen Despoten legitim ist. Dies ist ein universell anerkanntes Prinzip und unsere Verfassung von 1940 macht es ausdrücklich zu einem heiligen Recht, nämlich im zweiten Paragraphen des Artikels 40: »Es ist rechtmäßig, adäquaten Widerstand auszuüben, um zuvor garantierte individuelle Rechte zu schützen.« Und selbst wenn dieses Privileg nicht vom höchsten Gesetz unseres Landes garantiert worden wäre, so bliebe es eine Überlegung, ohne die die Existenz einer demokratischen Gemeinschaft undenkbar wäre. In seinem Buch über die Verfassungsgesetzgebung differenziert Professor Infiesta in politische und gesetzliche Verfassungen und er stellt fest: »Manchmal inkludiert die gesetzliche Verfassung konstitutionelle Prinzipien, die, auch wenn sie nicht so klassifiziert sind, gleichwertig verbindlich sind allein auf Basis der Einwilligung des Volkes, so zum Beispiel das Prinzip der Mehrheitsentscheidung oder der Repräsentation in unseren Demokratien.« Das Recht auf die Erhebung angesichts der Tyrannei ist ein solches Prinzip und es ist egal, ob es nun in der niedergeschriebenen Verfassung inkludiert ist oder nicht: es bleibt immer verbindlich in einer demokratischen Gesellschaft. Die Präsentation eines solchen Falles vor einem hohen Gerichtshof ist eines der interessantesten Probleme des Grundrechts. Duguit hat in seiner Abhandlung über das Verfassungsrecht gesagt: »Wenn eine Erhebung fehlschlägt, dann wird es kein Gericht wagen festzustellen, dass diese erfolglose Erhebung technisch gesehen keine Verschwörung, kein Vergehen gegen die Staatssicherheit sei, selbst insofern als, wenn die Regierung tyrannisch ist, die Intention, sie zu stürzen, daher rechtmäßig ist.« Aber bitte nehmen sie zur Kenntnis: Duguit stellt nicht fest, »kein Gericht sollte feststellen«. Er sagt, »kein Gericht wird es wagen festzustellen«. Er meint also – noch expliziter –, dass es kein Gericht wagen würde, dass kein Gericht genug Courage hätte, dies unter einer Tyrannei zu tun. Wäre das Gericht couragiert und würde seiner Pflicht nachkommen, dann ja, dann würde es dies wagen.

Kürzlich gab es eine laute Kontroverse bezüglich der Verfassung von 1940. Der Gerichtshof für gesellschaftliche und konstitutionelle Rechte [das oberste Verfassungsgericht; Anm. d. Übers.] entschied gegen sie und zugunsten der so genannten Statuten [neue »Verfassung« Batistas; Anm.]. Nichtsdestotrotz, ehrenwerte Richter, behaupte ich, dass die Verfassung von 1940 immer noch in Kraft ist. Mein Standpunkt mag Ihnen absurd und extemporiert erscheinen. Doch seien Sie nicht überrascht. Es bin ich selbst, der darüber erstaunt ist, dass ein Gerichtshof versucht haben soll, der rechtmäßigen Verfassung der Republik den Todesstoß zu versetzen. Indem ich mich strikt an Fakten, Wahrheit und Vernunft halte, wie ich es bisher immer getan habe, werde ich das beweisen, was ich soeben festgestellt habe. Der Gerichtshof für gesellschaftliche und konstitutionelle Recht wurde eingerichtet gemäß Artikel 172 der Verfassung von 1940 und gemäß der Zusatzverordnung vom 31. Mai 1949. Diese Gesetzesstücke, kraft dessen, wodurch der Gerichtshof geschaffen wurde, gestanden ihm, sofern Probleme der Verfassungswidrigkeit betroffen sind, einen spezifischen und klar definierten Bereich rechtlicher Kompetenz zu: zu entscheiden in allen Angelegenheiten von Anrufungen, die die Verfassungswidrigkeit von Gesetzen, Dekreten, Resolutionen oder Rechtsakten beklagten, die den verfassungsmäßigen Rechten und Privilegien entgegenstehen, sie einschränken oder verfälschen, oder aber die die Handlungsfähigkeit staatlicher Organe gefährden. Artikel 194 stellt äußerst deutlich folgendes fest: »Alle Richter und Gerichte sind verpflichtet, für Konflikte zwischen der Verfassung und bestehenden Gesetzen Lösungen zu finden, bei denen das Prinzip gelten soll, dass das frühere Gesetz immer dem späteren überzuordnen ist.« Daher sollte der Gerichtshof für gesellschaftliche und konstitutionelle Rechte gemäß den Gesetzen, die ihn geschaffen haben, also immer im Sinne der Verfassung von 1940 entscheiden. Wenn dieser Gerichtshof entschieden hat, dass die Statuten über der Verfassung der Republik stehen, dann hat er seine Grenzen und sein vorgegebenes Kompetenzfeld völlig überschritten und außerdem eine Entscheidung getroffen, die juristisch gesehen null und nichtig ist. Darüber hinaus ist die Entscheidung selbst absurd und Absurditäten haben keine Wertigkeit - weder in Gesetzen noch in Tatsachen, nicht einmal von einem metaphysischen Blickpunkt aus. Es spielt keine Rolle, wie ehrenwert ein Gericht auch sei, es kann keinesfalls vorschreiben, dass Kreise Quadrate sind und auch nicht, was auf dasselbe hinausläuft, dass die grotesken Ergebnisse der Statuten vom 4. April als die offizielle Verfassung des Staates betrachtet werden.

Die Verfassung ist so zu verstehen, dass sie das grundlegende und das höchste Gesetz der Nation ist, um die politische Struktur des Landes zu definieren, um die Funktionsweise seiner Regierungseinrichtungen zu regulieren und um die Grenzen ihrer Aktivitäten abzustecken. Sie muss stabil und nachhaltig sein sowie bis zu einem gewissen grad fixiert bleiben. Die Statuten erfüllen keine dieser Qualifikationen. Zunächst beinhalten sie generell eine gigantische Schamlosigkeit und außerdem einen unverschämten Widerspruch hinsichtlich des allerwichtigsten Aspektes von allen: nämlich hinsichtlich des Aspekts der Integration der republikanischen Struktur und des Prinzips der nationalen Souveränität. Artikel 1 lautet: »Kuba ist ein souveräner und unabhängiger Staat und als demokratische Republik konstituiert.« Artikel 2 lautet: »Die Souveränität liegt beim Willen des Volkes und alle Macht geht von dieser Quelle aus.« Doch dann kommt Artikel 118, der lautet: »Der Präsident wird vom Kabinett bestimmt.« Also ist es nicht das Volk, das seinen Präsidenten wählt, sondern es ist das Kabinett, die Regierung. Und wer wählt die Regierung? Artikel 120, Abschnitt 13: »Der Präsident wird autorisiert, die Mitglieder des Kabinetts zu nominieren und einzusetzen sowie sie zu ersetzen, wenn dieser Anlass auftritt.« Nun, nach alledem, wer nominiert nun eigentlich wen? Ist es das klassische Problem von der Henne und dem Ei, das bislang noch niemand lösen konnte?

Eines Tages kamen 18 Gauner zusammen. Ihr Plan war, die Republik zu überfallen und ihr jährliches Budget von 350 Millionen Pesos zu plündern. Hinter dem Rücken des Volkes und mit großem Verrat waren sie in ihrem Ansinnen erfolgreich. Da fragten sie sich: »Nun, was machten wir als nächstes?« Einer von ihnen sagte zum Rest: »Ihr ernennt mich zum Premierminister und ich mach euch zu Generälen.« Als dies erledigt war, versammelte er eine Gruppe von 20 Männern um sich und sagte ihnen: »Ich mache euch zu meinem Kabinett, wenn ihr mich zum Präsidenten macht.« Auf diese Weise ernannten sie sich untereinander zu Generälen, Ministern und zum Präsidenten und dann übernahmen sie die Staatskasse und die Republik.

Was die Sache gravierender macht, ist, dass es sich nicht einfach um die Angelegenheit der widerrechtlichen Übernahme der Souveränität zu einem bestimmten Zeitpunkt handelt, um das Kabinett, Generäle und einen Präsidenten zu bestimmen. Dieser Mann schrieb sich selbst, durch diese Statuten, die absolute Kontrolle über die Nation zu, und auch die Macht über Leben und Tod jedes einzelnen Bürgers – also Kontrolle über die unmittelbarste Existenz der Nation. Daher bin ich der Ansicht, dass die Position des Gerichtshofes für gesellschaftliche und konstitutionelle Rechte nicht nur verräterisch, schändlich, feig und abstoßend ist, sondern auch absurd.

Die Statuten beinhalten außerdem einen Artikel, dem zwar nicht viel Beachtung geschenkt worden ist, der uns aber den Schlüssel zu dieser Situation liefert und auch jener ist, aus dem wir entscheidende Schlussfolgerungen ziehen können. Ich beziehe mich im Genauen auf die Änderungsklausel, die in Artikel 257 inkludiert ist. Hier steht: »Dieses konstitutionelle Gesetz ist für Reformen offen, die vom Kabinett mit 2/3-Mehrheit beschlossen werden müssen.« Das ist die Stelle, wo die Farce wohl ihren Höhepunkt erreicht. Nicht genug damit, dass sie widerrechtlich die Souveränität ausüben, um dem Volk eine Verfassung zu oktroyieren, ohne dass das Volk einverstanden wäre, und um ein Regime zu installieren, das alle Macht in seinen eigenen Händen konzentriert, sondern darüber hinaus, durch Artikel 257, übernehmen sie auch den wichtigsten Bereich der Souveränität: die Macht, das grundlegende und höchste Gesetz des Landes zu ändern. Und sie haben es seit dem 10. März auch bereits mehrmals geändert. Dennoch – und das mit größter Frechheit – behaupten sie in Artikel 2, dass die Souveränität beim Willen des Volkes läge und dass das Volk die Quelle aller Macht wäre. Da diese Änderungen mit einer 2/3-Mehrheit des Kabinetts beschlossen werden können und dieses Kabinett vom Präsidenten ernannt wird, liegt das Recht, über Kubas Schicksal zu bestimmen, in den Händen eines einzigen Mannes, der noch dazu der wahrlich wertloseste Mann ist, der jemals in diesem Land geboren wurde. Wurde dies also akzeptiert vom Gerichtshof für gesellschaftliche und konstitutionelle Rechte? Und ist alles, was daraus folgt, also gültig und rechtmäßig? Nun denn, Sie sollen sehen, was hier akzeptiert wurde: »Dieses konstitutionelle Gesetz ist für Reformen offen, die vom Kabinett mit 2/3-Mehrheit beschlossen werden müssen.« Solch eine Macht kennt und anerkennt keine Grenzen. Unter diesen Voraussetzungen kann jeder Artikel, kann jedes Kapitel, kann jeder Abschnitt, ja kann das gesamte Gesetz jederzeit beliebig geändert werden. Nehmen wir zum Beispiel Artikel 1, den ich vorhin erwähnt habe und der besagt, dass Kuba ein souveräner und unabhängiger Staat und als demokratische Republik konstituiert ist, obwohl es heute in Wirklichkeit eine blutige Diktatur ist. Artikel 3 lautet: »Die nationalen Grenzen inkludieren die Insel Kuba, die Insel Pines und die benachbarten kleineren Inseln...« uns so weiter. Batista und sein Kabinett können gemäß den Bestimmungen von Artikel 257 alle anderen Artikel ändern. Sie können sagen, dass Kuba keine Republik mehr ist, sondern eine Erbmonarchie, und er, Batista, kann sich selbst zum König ernennen. Er kann das nationale Territorium zerstückeln und eine Provinz an ein anderes Land verkaufen, so wie es Napoleon mit Louisiana getan hat. Er kann das Recht auf Leben einfach aufheben und wie Herodes anordnen, dass alle neugeborenen Kinder getötet werden. Alle diese Dinge wären rechtmäßig und Sie müssten alle einkerkern, die dagegen opponieren würden, ebenso wie Sie es nun mit mir vorhaben. Ich habe sehr drastische Beispiele gewählt, um zu demonstrieren, wie traurig und demütigend unsere gegenwärtige Situation ist. Man muss sich das mal vorstellen, dass all diese absolute Macht in den Händen von Männern liegt, denen es möglich wäre, unser Land mitsamt seiner gesamten Bevölkerung zu verkaufen

Nachdem der Gerichtshof für gesellschaftliche und konstitutionelle Rechte diesen Stand der Dinge akzeptiert hat, worauf wartet er jetzt noch? Sie können ebenso gut ihre Richterroben an den Nagel hängen. Es ist ein fundamentales Prinzip grundlegender Rechtsverhältnisse, dass die Möglichkeit einer tiefgehenden oder der kompletten Änderung der Verfassung und die einfache Legislative nicht in ein und derselben Körperschaft ruhen können. Wenn das Kabinett die Gesetze, Dekrete und Bestimmungen macht – und gleichzeitig die alleinige Macht hat, die Verfassung zu ändern, falls dies nötig wäre – so frage ich Sie: warum und wozu brauchen wir dann noch einen Verfassungsgerichtshof? Die politische und gesetzliche Bestimmungsgewalt in diesem Staat ist irrational, untragbar, unlogisch und steht völlig den republikanischen Grundgesetzen entgegen, die Sie, ehrenwerte Richter, geschworen haben zu schützen. Wenn der Gerichtshof für gesellschaftliche und konstitutionelle Rechte Batistas Statuten gegen die Verfassung unterstützt hat, dann wurde nicht das höchste Gesetz des Landes abgeschafft, sondern vielmehr hat sich der Verfassungsgerichtshof damit selbst außerhalb der Verfassung gestellt, seine Autonomie aufgegeben und rechtlichen Selbstmord begangen. Möge er in Frieden ruhen

Das Recht auf Widerstand, festgehalten in Artikel 40 der Verfassung, ist immer noch gültig. Wurde es eingeführt für Zeiten, in denen sich die Republik normaler Bedingungen erfreut? Nein. Dieses Recht ist für die Verfassung das, was ein Rettungsboot für ein Schiff ist. Das Rettungsboot wird nur dann zu Wasser gelassen, wenn das Schiff von einem feindlichen Torpedo getroffen wurde und sinkt. Bei unserer missachteten Verfassung und unserem um seine Rechte betrogenen Volk gab es ebenso nur einen gangbaren Weg: jenes eine Recht, das keine Macht abschaffen kann. Das Recht auf Widerstand gegen Unterdrückung und Ungerechtigkeit. Falls noch Zweifel bestehen, so gibt es einen Artikel im Gesetz zur gesellschaftlichen Verteidigung, dessen sich zu erinnern der ehrwürdige Staatsanwalt gut beraten gewesen wäre. Er lautet – und ich zitiere: »Eingesetzte oder gewählte Staatsbehörden, die sich einem Aufruhr nicht mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln widersetzen, werden mit einer Strafe des Betätigungsverbots von sechs bis acht Jahre bedacht.« Die Richter unserer Nation waren verpflichtet, sich Batistas verbrecherischem Militärputsch vom 10. März zu widersetzen. Es ist unverständlich, dass, wenn niemand dem Gesetz gehorchte und niemand seine Pflichten erfüllt hat, gerade jene, die schon dem Gesetz gehorcht und ihre Pflichten erfüllt haben, ins Gefängnis geworfen werden sollen.

Sie werden nicht leugnen können, dass das Regime, das der Nation aufgezwungen wurde, der Geschichte Kubas unwürdig ist. In seinem Buch, »Vom Geist der Gesetze«, das die Grundlage der modernen staatlichen Gewaltenteilung liefert, arbeitet Montesquieu drei unterschiedliche Regierungstypen bezüglich ihrer grundsätzlichen Natur heraus: »Die republikanische Form, in der das Volk oder ein Teil davon die souveräne Macht hat; die monarchische Form, wo nur ein Mann regiert, jedoch in Übereinstimmung mit festgelegten und klar definierten Gesetzen; und die despotische Form, wo ein Mann ohne Rücksicht auf Gesetze oder Regeln handeln kann, wie es ihm beliebt, und er bloß seinen eigenen Willen und seine eigene Laune beachten muss.« Und dann ergänzt er: »Ein Mann, dessen fünf Sinne ihm permanent sagen, dass er alles und der Rest der Menschheit nichts ist, wird zwangsläufig faul, ignorant und lasterhaft.« »So wie Tugendhaftigkeit notwendig ist für die Demokratie und Ehre für eine Monarchie, so ist Angst die Essenz eines despotischen Regimes, wo Tugendhaftigkeit nicht benötigt wird und Ehre gefährlich wäre.«

Das Recht auf Widerstand gegen Tyrannei, ehrenwerte Richter, wurde immer anerkannt, von der Antike bis zur Gegenwart, von Anhängern aller Konfessionen, Ideen und Grundsätzen.

Es war einst so in den theokratischen Monarchien der ferneren Vergangenheit. In China war es quasi ein konstitutionelles Prinzip, dass, wenn ein König grob und despotisch regierte, er abgesetzt und durch einen tugendhaften Fürsten ersetzt wurde.

Die Philosophen im alten Indien verteidigten das Prinzip des aktiven Widerstands gegen tyrannische Autoritäten. Sie rechtfertigten Revolutionen und sehr oft setzten sie ihre Theorien in der Praxis um. Einer ihrer geistigen Führer pflegte zu sagen: »Eine Meinung, die die Mehrheit vertritt, ist stärker als der König selbst. Ein Seil, das aus vielen Strängen geflochten wurde, ist stark genug, um einen Löwen zu halten.«

Die Stadtstaaten Griechenlands und die Römische Republik gewährten es nicht nur, sondern verteidigten es, wenn Tyrannen die Strafe des gewaltsamen Todes zugemessen wurde.

Im Mittelalter sagt John Salisbury in seinem »Buch des Staatsmannes«, dass, wenn ein Fürst nicht gemäß den Gesetzen regiert und zum Tyrannen degeneriert, der gewaltsame Sturz rechtmäßig und gerechtfertigt ist. Er empfiehlt für Tyrannen eher das Fallbeil als Gift.

Thomas von Aquin lehnt in seiner »Summa Theologica« den Tyrannenmord zwar ab, dennoch verteidigt er die These, dass Tyrannen vom Volk gestürzt werden sollten.

Martin Luther erklärt, dass, wenn eine Regierung zur Tyrannei verkommt, die die Gesetze missachtet, dann seien die Bürger von jeder Pflicht zum Gehorsam befreit. Sein Schüler, Philipp Melanchthon, unterstützt das Widerstandsrecht, wenn Regierungen despotisch werden. Calvin, einer der größten Denker der Reformation, der auch politische Ideen behandelte, legt fest, dass das Volk berechtigt ist, die Waffen zu ergreifen gegen jede Usurpation.

Kein geringerer als Juan Mariana, ein spanischer Jesuit während der Herrschaft Philipp II., meint in seinem Buch »De Rege et Regis Institutione«, dass, wenn ein Gouverneur die Macht widerrechtlich an sich reißt und ausübt, oder selbst wenn er gewählt worden wäre, wenn er in tyrannischer Manier regiert, dann ist es für den einzelnen Bürger legitim, den Tyrannenmord zu begehen, entweder direkt oder durch eine List mit möglichst wenig Aufsehen.

Der französische Autor François Hotman war der Ansicht, dass zwischen der Regierung und ihren Bürgern ein gewisses Band, ein Vertrag besteht, wonach das Volk sich in einer Rebellion erheben kann gegen die Tyrannei einer Regierung, falls letztere diesen Pakt verletzt.

Etwa zur selben Zeit erschien eine Broschüre – und sie wurde viel gelesen –, die unter dem Titel »Vidiciae Contra Tyrannos« und unter dem Pseudonym Stephanus Junius Brutus veröffentlicht wurde. Sie erklärte offen, dass Widerstand gegen Regierungen rechtmäßig ist, wenn die Regierenden das Volk unterdrücken, und dass es die Aufgabe ehrenwerter Juristen ist, diesen Kampf zu führen.

Die schottischen Reformer John Knox und John Poynet unterstützten denselben Standpunkt. Und, im wichtigsten Buch dieser Bewegung, stellte George Buchanan fest, dass, wenn eine Regierung an die Macht gekommen wäre, ohne hierfür die Zustimmung des Volkes zu haben, oder wenn einer Regierung ihre Macht in einer ungerechten oder willkürlichen Weise ausübt, dann diese Regierung eine Tyrannei geworden sei und entmachtet gehört, in letzter Konsequenz können ihrer Führer auch mit der Todesstrafe bedacht werden.

Johann Althus, ein deutscher Jurist des frühen 17. Jahrhunderts, stellte in seiner Abhandlung über die Politik fest, dass die Souveränität als höchste Autorität des Staates nur durch die freiwillige Übereinkunft all seiner Mitglieder zustande kommt; dass die Regierungsautorität vom Volk stammt und dass ihre ungerechte, illegale oder tyrannische Ausübung das Volk von seiner Gehorsamspflicht entbinden und Widerstand und Rebellion rechtfertigen würde.

Bislang, ehrenwerte Richter, habe ich Beispiele aus der älteren Geschichte erwähnt, aus dem Mittelalter und vom Beginn der Neuzeit. Ich habe diese Beispiele von Autoren aller Glaubensrichtungen ausgewählt. Darüber hinaus können Sie sehen, dass das Recht zur Rebellion die tiefste Wurzel der Existenz der kubanischen Nation ist. Allein durch ihre Tapferkeit ist es Ihnen heute erst möglich, hier in den Roben kubanischer Richter zu erscheinen. Möge es so sein, dass diese Gewänder wirklich der Sache der Gerechtigkeit dienen

Es ist weithin bekannt, dass im England des 17. Jahrhunderts zwei Könige, Charles I. und James II., aufgrund von Despotismus entthront wurden. Diese Aktionen fielen mit der Geburt der liberalen politischen Philosophie zusammen und gewährleisteten die ideologische Basis für eine neue soziale Klasse, die damals darum kämpfte, die Fesseln des Feudalismus zu lösen. Gegen göttlich gerechtfertigte Autokratien verteidigte diese neue Philosophie das Prinzip des Gesellschaftsvertrages und der Einwilligung der Regierten, sie bildete das Fundament der Revolution in England 1688, der Revolution in den nordamerikanischen Kolonien 1775 und der Französischen Revolution von 1789. Diese großen revolutionären Ereignisse leiteten über zur Befreiung der spanischen Kolonien in der »Neuen Welt« – wobei das letzte Glied in dieser Kette durch Kuba gebrochen wurde. Die neue Philosophie bereicherte unsere eigenen politischen Ideen und half uns, unsere Verfassungen zu entwickeln, von der Verfassung von Guáimaro bis zur Verfassung von 1940. Die letztere war auch beeinflusst durch die sozialistischen Bewegungen unserer Zeit; das Prinzip der sozialen Funktion des Eigentums und das Recht des Menschen auf ein würdiges Leben wurden eingebaut, obwohl maßgebliche Interessenskreise es verhindert haben, dass dieses Recht völlig in Kraft tritt.

Das Recht auf die Erhebung gegen die Tyrannei erfuhr schließlich seine letzte Einsegnung und wurde ein fundamentaler Grundsatz der politischen Freiheit.

Im Jahr 1649 schrieb John Milton, dass die politische Macht beim Volk liegt, das Könige einsetzen und absetzen kann und das die Pflicht hat, Tyrannen zu stürzen.

John Locke meinte in seinem Essay über die Regierungstätigkeit, dass, wenn die natürlichen Rechte des Menschen verletzt werden, das Volk das Recht und die Pflicht hat, die Regierung zu ändern oder abzusetzen. »Das einzige Gegenmittel gegen eine unautorisierte Kraft ist eine gewaltsame Oppositionsstellung.«

Jean-Jacques Rousseau sagte über seinen »Gesellschaftsvertrag«: »Solange ein Volk sich gezwungen sieht zu gehorchen und gehorcht, tut es gut daran; doch sobald es das Joch abschütteln kann und es abschüttelt, so ist dies besser, indem es seine Freiheit wieder für sich in Anspruch nimmt durch die Ausnutzung jenes Rechtes, das ihm zuvor genommen wurde.« »Der stärkste Mann ist niemals stark genug, um für immer Herrscher zu bleiben, es sei denn, er verwandelt Gewalt in Recht und Gehorsam in Pflicht. Gewalt ist eine physische Kraft; Ich sehe daher nicht, inwiefern die Moral jemanden von ihrer Anwendung abhalten können sollte. Der Gewalt zu weichen, ist ein Akt der Notwendigkeit, nicht des Willens; in letzter Instanz ist es ein Akt der Vernunft. In welchem Sinne sollte dies als Pflicht bezeichnet werden?« »Die Freiheit aufzugeben, bedeutet, den Status als Mensch aufzugeben, die Menschenrechte aufzugeben, inklusive der Verpflichtungen. Es gibt keine mögliche Kompensation dafür, alles aufzugeben. Totale Aufgabe ist nicht vereinbar mit der Natur des Menschen und jeden freien Willen wegzunehmen, bedeutet, jede Moral des Verhaltens wegzunehmen. Kurz gesagt: es ist vergebens und widersprüchlich, auf der einen Seite absolute Autorität und gleichzeitig auf der anderen Seite grenzenlosen Gehorsam zu verlangen...«

Thomas Paine sagte, dass »ein gerechter Mann mehr Respekt verdient als ein Schurke mit einer Krone.«

Dem Recht des Volkes zum Aufstand sind nur Reaktionäre entgegengetreten, so zum Beispiel Jonathan Boucher, ein Kleriker aus Virginia, der sagte: »Das Recht zum Aufstand ist eine sträfliche Doktrin, die von Luzifer, dem Vater aller Rebellionen, herrührt.«

Die Unabhängigkeitserklärung des Kongresses von Philadelphia am 4. Juli 1776 fasste dieses Recht in einem schönen Paragraphen zusammen, der folgendermaßen lautet: »Wir halten die nachfolgenden Wahrheiten für klar an sich und keines Beweises bedürfend, nämlich: dass alle Menschen gleich geboren; dass sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten begabt sind; dass zu diesem Leben, Freiheit und das Streben nach Glückseligkeit gehöre; dass, um diese Rechte zu sichern, Regierungen eingesetzt sein müssen, deren volle Gewalten von der Zustimmung der Regierten herkommen; dass zu jeder Zeit, wenn irgend eine Regierungsform zerstörend auf diese Endzwecke einwirkt, das Volk das Recht hat, jene zu ändern oder abzuschaffen, eine neue Regierung einzusetzen, und diese auf solche Grundsätze zu gründen, und deren Gewalten in solcher Form zu ordnen, wie es ihm zu seiner Sicherheit und seinem Glück am zweckmäßigsten erscheint.«

Die berühmte französische Erklärung der Menschenrechte übergab dieses Prinzip den kommenden Generationen: »Wenn die Regierung die Rechte des Volkes verletzt, dann ist der Aufstand das heiligste Recht und die zwingendste Pflicht.« »Wenn eine Person die Macht widerrechtlich an sich zieht, dann sollte sie durch die freien Menschen zum Tode verurteilt werden.«

Ich denke, ich habe meinen Standpunkt ausreichend dargelegt. Ich habe weitaus mehr Argumente vorgebracht als der ehrwürdige Staatsanwalt, der es wünschte, dass ich zu 26 Jahren Gefängnis verurteilt werde. Alle diese Argumente unterstützen jene Menschen, die für die Freiheit und das Glück des Volkes kämpfen. Keines unterstützt jene, die das Volk unterdrücken, es erniedrigen und in herzloser Weise ausrauben. Daher konnte ich eine ganze Reihe von Argumenten vorbringen, der Staatsanwalt hingegen konnte nicht ein einziges präsentieren. Wie kann Batistas Machtposition gerechtfertigt werden, wenn er sie gegen den Willen des Volkes, durch die Verletzung der Gesetze der Republik und durch die Anwendung von Betrug und Gewalt gewonnen hat? Wie könnte irgendjemand ein blutiges, repressives und schändliches Regime als rechtmäßig bezeichnen? Wie könnte irgendjemand ein Regime als revolutionär bezeichnen, das die rückständigsten Personen, Methoden und Ideen des öffentlichen Lebens in sich vereint? Wie kann irgendjemand den Hochverrat eines Gerichtes, dessen Pflicht die Verteidigung der Verfassung war, als rechtlich verbindlich einschätzen? Mit welchem Recht schicken die Gerichte jene Bürger ins Gefängnis, die unter Einsatz ihrer Gesundheit und ihres Lebens versucht haben, ihr Land zu befreien? Dies alles ist in den Augen der Nation und im Sinne der Prinzipien wahrer Gerechtigkeit ungeheuerlich

Trotzdem gibt es darüber hinaus immer noch ein Argument, das stärker ist als alle anderen. Wir sind Kubaner – und Kubaner zu sein impliziert eine Pflicht; diese Pflicht nicht zu erfüllen, bedeutet ein Verbrechen, bedeutet Verrat. Wir sind stolz auf die Geschichte unseres Landes; wir haben sie in der Schule gelernt und während unseres Heranwachsens haben wir immer wieder von der Freiheit, von der Gerechtigkeit und von den Menschenrechten gehört. Wir wurden gelehrt, die glorreichen Vorbilder unserer Helden und Märtyrer zu ehren. Céspedes, Agramonte, Maceo, Gómez und Martí waren die ersten Namen, die uns ins Gedächtnis geschrieben wurden. Wir wurden gelehrt, dass Martí einmal gesagt hat, dass die Freiheit nicht auf Knien erbettelt wird, sondern dass sie gewonnen wird mit der Klinge einer Machete. Wir wurden gelehrt, dass Martí als Leitfaden für Kubas freie Bürger in seinem Buch »Das goldene Zeitalter« geschrieben hat: »Der Mann, der sich mit ungerechten Gesetzen abfindet und irgendjemanden erlaubt, das Land, in dem er geboren ist, niederzutrampeln und zu misshandeln, der ist ein unehrenhafter Mann ... Es muss auf dieser Welt ein gewisses Quantum an Ehre geben, ebenso ein gewisses Maß an Licht. Wenn es viele Menschen ohne Ehre gibt, dann gibt es immer andere, die in sich die Ehre vieler Menschen tragen. Dies sind die Menschen, die mit größter Kraft gegen jene kämpfen, die die Freiheit des Volkes stehlen, was bedeutet, dass sie die Ehre selbst stehlen. In diesen Menschen sind tausende mehr Menschen enthalten, ist ein ganzes Volk enthalten, ist die Menschenwürde enthalten...« Wir wurden gelehrt, dass der 10. Oktober und der 24. Februar glorreiche Jubiläumstage der nationalen Freude sind, denn sie markieren Tagen, an denen einst die Kubaner gegen das Joch der niederträchtigen Tyrannei rebellierten. Wir wurden gelehrt, die geliebte kubanische Flagge zu loben und zu verteidigen und jeden Nachmittag die Verse der Nationalhymne zu singen: »Ein Leben in Ketten ist ein Leben versunken in Schimpf und Schmach«, und »für das Vaterland zu sterben, ist leben« All das haben wir gelernt und werden wir niemals vergessen, auch dann nicht, wenn es in unserem Land heute nur Mord und Gefängnis für jene Menschen gibt, die an den Ideen festhalten, die ihnen seit der Wiege näher gebracht wurden. Wir wurden in einem freien Land geboren, das uns unsere Eltern vererbt haben, und die Insel wird eher im Meer versinken, als dass wir es hinnehmen würden, irgendjemandes Sklaven zu sein.

Es schien als würde Martí zu seinem 100. Geburtstag nochmals sterben. Es schien, als würde sein Andenken für immer ausgelöscht. So groß war die Schmach Doch er ist lebendig; er ist nicht gestorben. Sein Volk ist rebellisch. Sein Volk ist würdig. Sein Volk ist seinem Andenken treu. Es gibt Kubaner, die gefallen sind, um seine Grundsätze zu verteidigen. Es gibt Kubaner, die in beispielloser Selbstaufopferung herbeikamen, um neben seinem Grabstein zu sterben, um Blut und Leben zu geben, damit er weiterhin im Herzen seiner Nation leben kann. Kuba, was wäre aus dir geworden, wenn du deinen Apostel hättest sterben lassen?

Ich komme zum Ende meiner Verteidigungsrede, doch ich werden sie nicht so beenden, wie es Anwälte üblicherweise tun, nämlich indem sie darum ersuchen, der Angeklagte möge freigesprochen werden. Ich kann nicht um meine eigene Freiheit ersuchen, während meine Genossen bereits im schrecklichen Gefängnis der Insel Pines leiden. Schicken Sie mich dorthin, damit ich mich ihnen anschließen und ihr Schicksal teilen kann. Es ist verständlich, dass ehrliche Menschen entweder tot oder im Gefängnis sein sollten in einer Republik, wo der Präsident ein Verbrecher und ein Dieb ist.

Ihnen, ehrenwerte Richter, möchte ich meine ehrliche Dankbarkeit dafür aussprechen, dass Sie mir erlaubt haben, mich frei und ohne verächtliche Restriktionen hier zu erklären. Ich hege keine Bitterkeit Ihnen gegenüber, ich nehme zur Kenntnis, dass Sie in bestimmten Aspekten human waren, und ich weiß, dass der vorsitzende Richter dieses Gerichtes, ein Mann mit untadeligem Lebenswandel, seine Ablehnung des gegenwärtigen Standes der Dinge, der ihn zwingt, ungerechte Entscheidungen zu diktieren, nicht verhehlen kann. Doch es bleibt ein ernsteres Problem für das Appellationsgericht: die Anklagen, die von den Morden an den 70 Männern herrühren, vom größten Massaker, das wir bislang kennen. Die Schuldigen verbleiben in Freiheit und mit Waffen in ihren Händen – mit Waffen, die weiterhin die Leben aller Bürger bedrohen. Wenn das volle Gewicht der Gesetz nicht auf die Schuldigen niedergeht, aufgrund von Feigheit oder aufgrund der dominanten Einflussnahme auf die Gerichte, und wenn dann alle diese Richter nicht zurücktreten, dann bemitleide ich Ihre Ehre. Und ich bedauere die beispiellose Schande, die auf die Justiz fallen wird.

Ich weiß, dass die Zeit im Gefängnis für mich härter sein wird, als sie jemals für jemanden gewesen ist, voll von feigen Bedrohungen und abscheulichen Misshandlungen. Doch ich fürchte das Gefängnis nicht, wie ich den Zorn des armseligen Tyrannen nicht fürchte, der 70 von meinen Genossen das Leben genommen hat. Verurteilen Sie mich. Das macht nichts. Die Geschichte wird mich freisprechen.

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