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Marceline Desbordes-Valmore – Mein Zimmer.     Zur Biographie

Aus: Marceline Desbordes-Valmore, Das Lebensbild einer Dichterin von Stefan Zweig, Im Insel Verlag zu Leipzig, 1927


Moritz von Schwind - Morgenstunde

Moritz von Schwind - Morgenstunde

Mein Zimmer.

Mein Zimmer liegt fast
Schon im Wolkenbereich;
Der Mond ist sein Gast,
Immer ernst, immer bleich.
Mag's drunten nur läuten!
Denn was es auch ist.
Hat nichts zu bedeuten,
Da du es nicht bist!


Ganz still hier verborgen
Führ ich Nadel und Zwirn,
Ohne Zorn, ohne Sorgen,
Doch mit weinender Stirn;
Den blauesten Himmel,
Ihn seh ich recht gut
Und das Sternengewimmel –
Doch auch Stürme in Wut!


Ein Stuhl steht im Zimmer
Zu seinem Empfang;
Der seine war's immer,
Der unsre nicht lang.
Hier steht er auch eben,
Mit Schleifen geschmückt.
So starr und ergeben,
Wie ich, so bedrückt.




Marceline Desbordes-Valmore – Mein Zimmer