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Joachim Rachel – Das Poetische Frauenzimmer oder Böse Sieben.     Zur Biographie

Aus: Joachim Rachels aus Lunden, Nach dem Originale verbesserte und mit einem neuen Vorberichte begleitete Teutsche Satyrische Gedichte, Christian Ludewig Kunst, Berlin, 1743, S. 1 ff.

Neu durchgesehen, nach der Transkription der deutschsprachigen Wikisource.


Giulio Romano - Tanz der Musen

Giulio Romano – Tanz der Musen

Das Poetische Frauenzimmer
oder
Böse Sieben.

          Ich habe meinen Fuß auf Pindus nie gesetzet,
Noch auf Parnas geträumt, noch meinen Mund genetzet
In Aganippen Strom. Ich habe nie den Tantz
Der Musen angeschaut, noch irgend einen Krantz
Durch eines Pfaltzers Gunst zu tragen mich beflissen,
Noch Dafne zu gefalln die Nägel abgebissen:
Und dennoch darf ich mich, trutz Momus, unterstehen,
Die vorgemachte Bahn dem Opitz nachzugehen,
Wiewohl bey weitem nach; Ob Theon gleich sich brüstet,
Ob sich zum Teutschen-Krieg ein neuer Maro rüstet,
Mit Stiefeln und mit Sporn, und fleuget Berg hinan,
Wie weder Pegasus noch Cillar hat gethan.
Wie? kan ich auch nicht wol die Vers in Reimen bringen,
Und in gewisse Zahl die Teutschen Wörter zwingen,
Als etwan Carpus thut? Das gilt ihm oder mir
Zwo Kannen Reinschen Weins und noch ein Viertel Bier.
Was fang ich aber an? Ich lasse ienen sagen
Von Kriegen, Mord und Blut, und tausend Türcken schlagen,
Der sechsgebeinten Art. Mir will kein Würgen ein.
Mein Liedlein soll von nichts als nur von Weibern seyn.
Weg Schwermuth, Ernst und Neid. Und wer nicht mit will lachen,
Der laß ein saur Gesicht in einem Hechel machen.
Das Spiel, das gut Gelach, das Bier, der klare Wein,
Die lieben Lustigkeit und hassen traurig seyn.
Da wie die erste Welt im Wasser war ertruncken,
Zur Zeit Deukalions, als Atlas war versuncken
In Thetis tiefen Schoß, gedachte Jupiter,
Wie dieser Schaden doch zu wiederbringen wär,
Insonderheit der Mensch. Er schuf aus edlen Samen,
Davon die Sternen selbst den reinen Ursprung nahmen,
Das wehrte Manns-Geschlecht, hernach der Weiber-Schaar,
Die nicht den Männern gleich von einer Ankunft war.
          Die Erste war von Koth und fauler Erd erschaffen.
Ich wünsche daß mein Feind erwehle beyzuschlafen
Bey solch verworfnen Thier. Sie kennt nicht weiß noch schwartz.
Nimmt Senf für Hirsen-Grütz, und kocht für Butter Hartz.
Sie siehet Eßigsaur. Spricht nie, als nur zuweilen.
Wenn Galle, Gift und Zorn die Leber übereilen;
So murrt sie bey sich selbst, als wie ein Hund sich stellt,
Wenn er ein Rind-Gedärm mit beyden Pfoten hält,
Und schrecket seinen Gast mit Schielen und mit Blecken.
Also thut dieses Weib. Sie bleibt im Winckel stecken,
Ist keinen Freunden hold, sucht stetig Einsamkeit,
Der Faulen Paradieß, der Unmuth höchste Freud.
Ihr bestes Tagwerck ist die Ofenbanck zu messen,
Und eins von zweyen thun, als schlafen oder fressen.
Und wo der Norden-Wind ein wenig kühle fährt;
Stöst sie die Töpfen um, und setzt sich an den Heerd.
          Die Ander, ist mir recht, ward von der Sau genommen,
O Elend ist der Mann, der solches Kreutz bekommen!
Der Leib ist kurtz und dick, die Lippen aufgestutzt.
Das Haar ist ungekämt. Die Nas ist ungeputzt.
Die Brust und Hände sind mit Koth und Schweiß geschmincket,
Daß sie von fernen her nach ihrer Farbe stincket;
Noch wäschet sie sich nicht, als etwan übers Jahr,
Wenn sie geliegen muß und nunmehr die Gefahr
Und Last hat abgethan. So ist auch Haub und Kragen,
Der Schleier und das Hembd, das sie, für vierzehn Tagen,
Halb rein hat angelegt. Der Rock hat einen Saum,
Von hinten Finger dick, von fornen beugt er kaum.
Schau jenen Haufen an, vom Saustall ausgeführet,
So ist ihr gantzes Hauß. Die leichte Spinne zieret
Die Fenster um und um. Sie henget an die Wand
Ihr zartes Meister-Stück, Minerven wie zu Schand.
Ist es denn Essens-Zeit: Magd, spricht sie, such die Teller
Dort unterm Tisch hervor. Sieh zu, ob in dem Keller
Noch Bier vorhanden ist. Das Tischtuch lieget dort.
Doch zieh das Kind erst an. Huy Schleppsack, geh doch fort.
Die Windlein sind fein voll. Ruf meinem Mann zum Essen.
Setz mir die Milch zum Feur. Was hätt ich schier vergessen?
Gib dort den Kohl-Topf her. Wie? treuget mich der Sinn?
Ach weh mir! eine Mauß liegt warlich todt darinn.
Doch ist es nur versehn. Wer weiß es, was ich finde?
Beliebt es keinem Gast, so dient es dem Gesinde.
Was deucht dich, mein Gesell, wie könte wol ein Schwein,
Von einer Sau gebohrn, der Mutter gleicher seyn?
          Die Dritte folgends ist von einem Fuchs entsprossen.
Und der hat die Natur viel Böses eingegossen.
Jedoch viel Gutes auch. Sag mir, was sie nicht weiß,
Was sie nicht hat erfahrn. Du Thales, gib den Preiß
Den langen Schürtzen hin, darinnen liegt verborgen
Witz, Klugheit und Verstand. Sie weissagt, wenn zu Morgen
Der Specht die Tannen hackt, und wenn ein einigs Ey
zwey Dotter hat, weiß sie, was ihre Deutung sey.
Was guts die Aelster bringt, warum sich Murmer lecket,
Warum die Eule ruft, warum die Magd sich strecket,
Warum die Henne kräht. Sie weiß noch mehr als wol,
Ob jene, die da liegt des Lagers sterben sol,
Und was für eine denn der Mann wird wieder freyen;
Ob auch in diesem Herbst der Flachs wird wol gedeyen.
Sie weiß des dritten Tags nach einer Hochzeit schon,
Ob tragen Gesche wird ein Mägdlein oder Sohn.
Sie weiß ein ieglich Wort dem Pfarr-Herrn nachzurichten,
Jedoch nicht ohne Schimpf, was Mährlein und Geschichten,
Was GOttes Wort gewest. Wird irgend was gedacht,
Und strafbar aufgerückt, sie hat den Mann gemacht.
Sag ein Geheimniß her aus Parazelsens Büchern,
Das nicht zu finden sey in diesen klugen Tüchern.
Sie weiß was Kotian, Alraun und Hockeley,
Was Stein und Phthisikus, Clystier und Pillen sey.
Und nicht nur diß allein. Sie weiß mit tausend Fünden,
Dir Breithut, was sie will, mit Listen aufzubinden.
Dann spricht sie Honigsüß, bald wendet sie den Muth
Und fährt dich schnaubend an, bald ist sie wieder gut.
          Daß ist die Dritte nun. Die Vierte war vom Hunde,
Und hält auch seine Weis, annoch auf diese Stunde.
Zuweilen schmeichelt sie, doch ist es bald gethan,
Daß sie den Schifer kriegt, so greinet sie dich an.
Und wie ein frisches Wind das Spur der schlauen Hinden
Durch Berge, Busch und Thal, mit riechen weiß zu finden:
So macht es eben sie. Durchsucht den gantzen Tag
Kirch, Kloster, Krug und Krahm, nur daß sie wissen mag,
Was irgend neues ist. Sie gehet auf und nieder,
Die eine Straß hinauf, die ander kommt sie wieder,
Durchsucht ein ieglich Hauß ob was zu tadlen sey.
Da macht sie denn aus nichts ein grosses Stadt-Geschrey.
Da weiß sie was der Schmidt, was Koch und Küster machet:
Wie Hanß die Fraue schlägt: Wie Kuntz der Magd zulachet:
Wie Elfchen hat gekocht: Wie Jäkel hat gefreyt,
Und einen Korb gekriegt: Wie Lieschen vor der Zeit
Bald wird was gutes thun. Was Mettken hat für Kleider,
Die alles schuldig ist dem Kaufmann und dem Schneider:
Wie die und die geberdt. Es ist kein Weib noch Mann,
An welchem sie nicht was zu tadlen finden kan.
Kein Mensch ist ihr gerecht. Kein Nachbar ist ihr eben.
Auch nicht der Mann zuletzt. Gedenckt doch, was für Leben
Ein solcher führen muß. Neid, Hader, Zwist und Zanck,
Das ist sein täglich Brodt. Und wenn er gleich durch Zwang
Sie unterbringen will, sie läst sich doch nicht schrecken.
Gebrauche Fingerkraut, Faust, Peitschen, Prügel, Stecken.
Es ist mit nichts gethan. Wirf sie zu Boden hin.
Zerschlag sie Wollen-weich, so bleibet doch der Sinn
Staal-Stein- und Eisenhart. Sie giebet Flucht. Muß fluchen.
Sie wechselt Wort um Wort. Du magst es auch versuchen
Mit Friede, Lieb und Gunst. Sprich sie gar freundlich an.
Kein Tyger ist so wild, das man nicht zähmen kan
Mit steter Freundlichkeit. Umpfange sie zu küssen.
Heiß sie dein liebstes Hertz, auch wieder dein Gewissen.
Sie wirft dir wiederum, nach angeborner Art,
Die Nägel ins Gesicht, die Finger in den Bart.
Wirst du denn irgend wo mit deinen Freunden zechen,
Sie wird nicht ferne seyn und dir den Segen sprechen
Zwo guter Stunden lang: Nun Schwelger, nun wolauf!
Bekömmt es dir auch wol? sauf, Schelm, sauf, Bettler, sauf,
Und morgen such das Thor. Verschwende deinen Kindern
Und mir und dir zugleich die Kleider von dem Hindern.
Ich Arme bin bemüht und fresse schimlich Brodt.
Du Hahnrey sauffest nur und weist von keiner Noth.
Juchschreyer, Schneideluft, Trotz-Märtel, Windverkaufer,
Weingurgel, Suchebier, zwey-drey-vier-Pegelsauffer,
Durchfresser, Pfeiffenheld, Toback-Rauch-Speichel-Maul,
Bey allen Zechen frisch, zu aller Arbeit faul.
O bittere Gedult, die dieser Mann muß tragen.
Ein solcher wird ein Spott und Sprichwort in Gelagen,
Ein Schimpf der gantzen Stadt. Heist, doch nur halb mit Recht,
Rotzlöffel, Windelvogt, Zuschnürer, Küchenknecht.
          Die Fünfte kommt vom Meer und ihren stoltzen Wellen,
Und weiß in allem sich der Mutter gleich zu stellen.
Itzt ist sie wundergut, ergetzet ihren Mann
Mit Schertz und Lieblichkeit, so viel sie immer kan.
Mein Schatz, mein Augentrost, spricht sie, mein süsses Leben,
Mein einig Auffenthalt. Gleich wie die edle Reben
Sich nach den Ulmen thun, so lencket sich mein Sinn,
O auserwehltes Hertz, nach euren Augen hin.
Du edles Kleinod du, daran ich mich ergetze,
Und über alles Gut mich reich und selig schätze,
Wirf du mir um den Hals den süssen Armenband;
So bin ich ausgeziert mit Gold und Diamant.
Hie nimmt der arme Jost solch Honigsüsses Streichen
Für gute Gülden an. Er schwert, daß ihres gleichen
Auf Erden nie gebohrn. Er gehet Hauß bey Hauß,
Lobt seiner Frauen Thun, streicht ihre Tugend aus.
Bald um ein Augenblick so ist kein Thier noch Teuffel
Der also wüten kan. Der Mann steht selbst im Zweiffel
Ob sie bey Sinnen sey. Sie schreit, sie tobt, sie schnaubt
Als wie ein Panther-Thier, das seiner Frucht beraubt,
Mit Grimm den Jäger sucht. Und gibst du denn dich schuldig,
Und läst sie Meister seyn; so sey hinfort geduldig
Und zieh die Hosen aus, und leg den Schleyer an,
Gleich wie Alzides that, o lieber Hornemann.
Sie wird dich meisterlich nach ihrem Willen reiten,
Den Zaum bald an sich ziehn, bald wieder lassen gleiten,
Wies ihr am besten deucht. Itzunder wird sie dich
Gleich hertzen mit der Hand, bald einen Sporenstich
In deine Seiten thun, daß dir für Weh und Schmertzen
Die Augen übergehn, bald wird sie wieder schertzen.
Glück, Bretspiel, Weiber-Gunst, Rauch, Mond-und Sonnen-Schein,
Mag alles überlang nicht wol beständig seyn.
Bist du zur See gewest, wann sie kein Wind beweget,
Wenn durch die stille Luft die Fluth sich nährlich reget?
Hast du nicht angesehn, wie Nereus an den Saum
Des grünen Ufers wirft den Silberweissen Schaum?
Wenn Phoebus freundlich scheint und auf die Fluth hinstrahlet
Und sieht sein güldnes Haupt noch eins so krauß gemahlet
In Amphitriten Glaß? Hast du nicht acht gethan,
Wie Thetis denn sich stelt, und wie sie schmeicheln kan?
Bald aber quillt sie auf, erhebt die stoltze Wellen,
Beginnet durch den Sturm, biß in die Luft zu schwellen,
Beut allen Sternen Trutz, und brauset mit Gewalt
Auf hohe Klippen zu, wird grün und ungestalt.
Wol dem und mehr als wol, der nie sein armes Leben
Der ungetreuen Treu der See hat übergeben!
Neptun ist Sinnenloß. Er wirffet in die Luft
Das schwache fichten Hauß, bald wieder in die Gruft
Wo Radamantus wohnt: wil kein Erbarmen haben,
Erhöret kein Gebet, verschmähet alle Gaben,
Nimmt keine Thränen an, verdirbet Gut und Leib.
So sag ich, thut das Meer. So thut auch dieses Weib.
Wer einmal auf das Meer sich hat zur See begeben,
Der danckt der Freyheit ab, muß nur in Hofnung schweben,
In Hofnung und in Furcht: fährt oftmals mit Verdruß,
Nicht wie er gerne wil, besondern wie er muß.
So ist ein Ehmann auch. Jedoch vor allen Dingen,
Wenn er sich reich befreit. Der muß wol lernen singen,
Wie diese tantzen will. Die Hosen und der Hut,
Die Herrschaft ist vertauscht um Geld und Heyraths-Gut.
O du verfluchtes Gut, das alles Gut zu hindern
Und abzuschaffen pflegt, das Männer macht zu Kindern,
Du Feindin der Vernunft, du aller Sinnen Todt,
Du aller Jugend-Pest, du Ursach aller Noth!
Stell eine Jungfrau dar von vier und achtzig Jahren.
Sie sey von Leibe schwartz, halb kahl, halb grau von Haaren,
Ehr- Zucht- und Sinnenloß, lahm, hockrich, eingesprengt
Als wie ein bunter Molch: Ist sie nur wol behengt
Mit Sammt und güldnen Tuch, mit Gold und edlen Steinen;
So mag die Sonne nicht so hell und lieblich scheinen,
Als diese Blinde steht. Das bleiche Froschen-Maul
Wird Purpur ähnlich seyn. Ist sie gleich Esels faul;
So wird sich doch ein Narr für gute Gülden finden,
Der sie vergleichen wird der allerschnellsten Hinden.
Ist gleich das Brust-Gewehr verfallen auf den Grund;
So schweret iener doch, es sey gantz Apffel-rund.
Bey ihrer Stimme mag kein Nachtigal sich gleichen.
Arion mag ihr nicht das blosse Wasser reichen.
Sie gehet Orpheus vor mit aller seiner Kunst.
Sie überstimmet wol die Katzen in der Brunst.
O auserwehltes Thier! Wer deiner drey möcht haben.
Der Zierrath wäre mein. Das ander für die Raben.
Viel lieber nehm ich dich, Melissa, nackend an,
Du hast genug für den, der räthlich leben kan.
Was sol mir Honigseim vermengt mit Gift und Gallen?
Wie kan mir Geld und Gut und gülden Tuch gefallen
Mit Dienstbarkeit verbrämt? Ich will der Ketten nicht,
Die meine Freyheit würgt und mir die Gurgel bricht,
Und wär es doppelt Geld. Was acht ich viel Ducaten,
Darüber ich nicht mag nach meinem Willen rathen?
Das Weib zehlt aus und ein. Sie kauffet Fleisch und Fisch,
Versorget Hauß und Heerd, den Keller und den Tisch.
Der Mann steht wie ein Klotz mit aufgespertem Rachen,
Gleich wie ein Ofenloch, und läst die Fraue machen,
Ist keines Schillings Herr, hat kaum zu hoher Noth
Den abgemessnen Trunck, die Kleider und das Brodt.
Dafür erzeigt er sich wie ein getreuer Diener.
Er spult den Wocken ab. Hohlt Gersten. Speist die Hühner.
Setzt Gänse. Melckt die Küh. Laust Hänsgen seinen Grind.
Hält seiner Ammens Licht. Wiegt seiner Frauen Kind.
Geh nun! und nimm ein Weib um ihres Reichthums willen.
Sie wird dir deine Lust in wenig Tagen stillen.
O Tugend, edler Schatz! wer dich in Ehren halt,
Dem fehlet nimmer Brodt, der ist nicht ohne Geld.
          Die Sechste nach der Zahl ist von der Ganß entsprungen,
Und derer Treflichkeit bestehet in der Zungen.
Weicht, ihr Juristen, weicht, die ihr geübet seyd
In Wort und Wieder-Wort, in Zanck und Zungen-Streit.
Weg Redner und Sophist, Bartscheerer, Segensprecher,
Zigeuner, Gauckeler, Giftschmierer, Zähnebrecher.
Dis Weib geht allen vor. Ihr mangelt nie kein Wort.
Und eh sie sich bedenckt gehn funfzig Lügen fort
Und funfzig noch dazu. Wenn eine Mücke sauset;
So spricht sie, daß der Wind von Nord und Osten brauset.
Und trift sie eine dann, die Unglück haben sol,
Der ladet sie geschwind den gantzen Rücken voll.
Glück zu Gevatterin! Ich will euch Wunder sagen.
Kennt ihr Hanß Pfeffer nicht, dort bey dem blauen Wagen?
Nicht weit von Peter Filtz? Er sauft sich gerne voll.
Der hat der Magd ein Kind! Das ander wüst ihr wohl.
Ey Anchen steht doch still. Ich will euch mehr vertrauen,
Was sich begeben hat mit Roberts seiner Frauen,
Die neulich Hochzeit hielt und izt geliegen will.
Die hat das Bette voll. Ey Anchen steht doch still.
Wie geht es Elschen nun? Wie ists mit ihren Augen!
Was macht doch euer Mann? Will der nicht wieder taugen?
Läst sichs nicht besser an? Ich weiß sehr guten Rath,
Den Trinche Wetterwisch mir mitgetheilet hat.
Ihr müst ein Stücklein Speck am Freytag Abend bitten,
Dasselbe theilet denn recht eben in der Mitten,
Und legts ihm Kreutz-weiß drauf, und sprechet denn geschwind:
Der Wind der beist den Fuchs, der Fuchs der beist den Wind.
Es hilft von Stunden an. Was wolt ich weiter sagen?
Daß ich nicht lügen mag. Wie steht euch dieser Kragen
So schön und artig an? Ist diß die neuste Tracht,
Die leztlich euer Mann aus Holland mitgebracht?
Glückselig ist das Weib, das solchen Mann gefunden!
Mein alter Dudendopf, hält mich fast gleich den Hunden.
Er achtet meiner nicht, wenn er den gantzen Tag
Mit Brandtwein und mit Bier, den Rachen füllen mag.
Das ist sein bestes Thun, bis wieder an den Morgen,
Gedenckt nicht, wie er will sein armes Weib versorgen.
Gar selten pflegt er mich. Jedoch, es ist zu viel.
Sie höret nimmer auf. Die Feder hat ihr Ziel.
          Nach dieser kommt hervor das Weib von einem Pfauen,
Gebohren zu der Pracht, hochmüthig anzuschauen,
Dem Spinnen spinne feind. Ist dahin nur bedacht,
Daß sie für aller Welt die Schönste sey geacht.
Sie ist ansehnlich hoch, von prächtigen Geberden,
Gleich wie Andromache, als Hector von den Pferden
Noch nicht war umgeschleift: wie für der gantzen Schaar
Des Amazonen Volcks Pentesilea war.
Sie hat in allem Thun gantz sonderbare Sitten.
Sie zieht den Hals hervor. Sie hält in allen Tritten
Gewisse Maß und Zahl. Die Schultern, das Gesicht,
Das Hindertheil, der Bauch, hat alles sein Gewicht.
Der Mund ist Kirschenroht, die Liljen weisse Wangen
Mit Purpur angemahlt. Die stoltzen Augen prangen
Wie Venus schöner Stern den blauen Himmel ziert,
Wenn er zu Mitternacht den treuen Buhler führt
Biß an der Liebsten Hauß. Der Hals ist gantz umgeben
Mit seinem krausen Haar, als wie mit güldnen Reben.
Wozu noch dieses kommt, daß auch der Ketten Pracht
Die Marmor weisse Haut noch angenehmer macht.
Die Ohren, Stirn und Brust, die beyde Hände funckeln
Von Amethisten Glantz, Rubinen und Karbunckeln,
Von Gold und Diamant. Doch ist es sehr gemein,
Daß dort ein Böhmisch Baur auch will von Adel seyn.
In Kleider Neulichkeit darf niemand ihr sich gleichen.
Sie will daß jederman soll ihrer Hochheit weichen.
Was Teutschland neues hat, was Franckreich lezt erdacht,
Das ist zuerst für sie. Sie ändert ihre Tracht
Fast alle Monat-Zeit. Braucht Jedermann Peruquen;
So weiß sie Haupt und Haar mit Zobeln auszuschmücken,
Legt Flor und Schleyer zu. Wird dieses nachgethan;
So streut sie in den Wind den ausgekämten Mahn,
Gleich wie ein geiles Roß. Wird das gemeine wieder;
So trägt sie einen Hut mit buntem Straußgefieder.
Bald ist sie gantz verkappt. Bald zeiget sie mit Lust
Den aufgequollnen Schatz der offenbahren Brust.
Bald schnürt sie sich behend, und läst ein Höltzlein schnitzen,
Damit sie unvermerckt den schmalen Leib kan spitzen.
Itzt hat sie stumpfe Schu, bald kurtze Stiefel an.
Itzt einen langen Rock, bald Hosen wie ein Mann.
Was die Natur versäumt, wird durch die Kunst ersetzet.
Sie klebet ans Gesicht, wiewol es unverletzet,
Ein schwartzes Pflastermahl, damit der weisse Schein
Der Schnee-gleich-Wollen Haut mag offenbahrer seyn.
Und obgleich Venus selbst möcht ihrer Schönheit weichen;
Noch schämet sie sich nicht mit Farben anzustreichen.
Sie schmälert, gleicht und schwärtzt der Augen dünnes Har,
Die hohe Venusburg; braucht Kraft-Mehl, Eyerklar,
Zinnober, Perlenstaub, mit Bergroth eingerühret,
Senf, Spießglaß, Weinstein-Oel, das zarte Haut gebiehret,
Biß daß sie von ihr selbst das Urtheil endlich spricht:
Auf dieser gantzen Welt sey ihres gleichen nicht.
Ihr gantzes Thun ist nichts als nur mit Weiber-Wahren
Ein grosses Geld verthun, mit vier und sechsen fahren,
Dann auf die Hochzeit ziehn, dann zu Gevattern stehn,
Für allen seyn geehrt, für allen angesehn,
Für allen ausgeputzt. Wer dieses kan ertragen,
Der mag von hohem Glück und grosser Wollust sagen.
Ein ander komme durch so gut er immer kan.
Er fähret wie ein Printz, und reitet wie ein Mann.
          Die Achte hat zuletzt den Ursprung von den Bienen.
O selig ist der Mann, dem solches Glück erschienen
Und ausersehen ist. Er hat die gantze Welt
Und was sich um und um in ihren Grentzen hält.
Sie ist zuweilen ernst, iedoch nicht stoltz von Hertzen.
Sie weiß zu guter Maß, und rechter Zeit zu schertzen.
Ist bräunlich, doch nicht schwartz, zart, doch kein wächsern Bild,
Anmuthig, doch nicht geil, hertzhaftig, doch nicht wild,
In Kleidern schön und rein, iedoch nicht gleich den Pfauen,
Mag ihre Nachbarin zur Banck nicht gerne hauen,
Thut wie der Liebste will, hält Freund und Gäste wohl,
Spendiret wenn sie kan, und sparet wenn sie soll.
Sie ehret ihren Herrn, und GOTT für allen Dingen,
Mag gern zur Kirchen gehn, dancksagen, beten, singen,
Vermeidet faul Geschwätz, die Pest der Erbarkeit,
Deckt ihres Nechsten Schand, erwecket keinen Streit.
Sie liebet Reinlichkeit, den Ausbund aller Gaben,
Und die insonderheit ein kluges Weib soll haben.
Hauß, Kammer, Tisch-Geschirr, von Silber oder Stein,
Muß alles ordentlich, muß alles sauber seyn.
Sie schont der Fäuste nicht, hilft ihrem Mann gewinnen,
Reitzt das Gesinde zu, hilft backen, brauen, spinnen,
Macht Butter, saltzet ein, reist einen guten Fisch,
Und schaft zu rechter Zeit was niedlichs auf den Tisch.
Geht irgendwo ihr Herr in traurigen Gedancken;
(Wie denn gemeinlich oft sich Muth und Unmuth zancken,
Wenns gleich nicht übel geht) Umfängt sie ihren Mann,
Hertzt ihn mit Hand und Mund, und spricht ihn freundlich an.
          Wohlan ihr junges Volck, das zu dem süssen Lieben
Durch ein verborgnes Feur wird leichtlich angetrieben,
Da habt ihr zweymal vier. Es wehle wer da kan
Die beste von der Zahl, und sey ein Freyersmann.
Ich sage, wer da kan. Dann diß zu unterscheiden
Ist Jedermannes nicht. In einer weissen Kreiden
Liegt oft ein schwartzer Kieß. In schönen Marmelstein
Kan ein verfaultes Aaß gar wohl verborgen seyn.
Ja, sprichst du, was für Rath ist hier denn anzulegen?
Auf GOtt und auf das Glück steht aller Menschen Seegen.
GOTT will gebeten seyn. Das Glück will seyn gesucht
Mit Urtheil und Verstand, nicht auf die schnelle Flucht,
Wie Alba ward berühmt, in einem Spiel und Rennen.
Wer allzu gelings frißt, der pflegt das Maul zu brennen.
Doch muß man in der Wahl nicht gar zu sorglich seyn.
Ein unvermuthlich Glück trift auch nicht selten ein.
Man muß nicht gar zu scharf auf alle Laster sprechen.
Kein Korn ist sonder Speltz. Kein Mensch lebt ohn Gebrechen.
Es kan ein Fehler seyn vielleicht an Weib und Mann,
Der beyden Theilen auch zu Nutze dienen kan.
Hat dir das Glück dann gar den Rücken zugekehret,
Und von der ärgsten Art den besten Kern verehret;
Schweig lieber, bist du klug, und gläube fest dabey,
Daß deine Ganß ein Schwan, die Sau ein Bienlein sey.