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Edela Rüst – Der Flecken auf der Ehr     Zur Biographie

Aus: Liebeslieder moderner Frauen, Eine Sammlung von Paul Grabein, Hermann Costenoble Verlag, Berlin, 1902, S. 200



Der Flecken auf der Ehr.

»Sie hat'n Flecken auf ihrer Ehr!«
Betrog sie? Hat sie gemordet in Wehr?
Münzte sie falsch, hat sie Meineid geschworen
Und Schafe fremder Herden geschoren?
Hat sie gesengt, gebrandschatzt, gehetzt
oder vor Gläub'gen den Heiland zerfetzt?
Nahm sie den Ärmsten der Armen das Brot,
trieb sie Hohn mit sozialer Not?
Hat sie gehehlt oder erbgeschlichen?
War sie, das Land zu verraten, entwichen?
Zielte sie nach gekröntem Haupt?
Hat sie dem Papst die Kirche geraubt?
Sie hat – wofür es Pardon nicht giebt –
sie hat es verbrochen: sie hat geliebt!




Edela Rüst (Emma Reichel) - Der Flecken auf der Ehr