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Edela Rüst – Sturm     Zur Biographie

Aus: Liebeslieder moderner Frauen, Eine Sammlung von Paul Grabein, Hermann Costenoble Verlag, Berlin, 1902, S. 199 f.



Sturm.

Daß ich nicht durch die Wände
bohre in lohender Wut!
Daß nicht die zuckenden Hände
zerfleischen mich bis auf's Blut!


Daß ich die Fäuste nicht rege,
mir zu zerschmettern das Haupt,
seh ich verschüttet die Stege,
wo ich zu wandeln geglaubt.


Daß ich ihn lachend ertrage
jeden neugähnenden Tag –
wehrlos allnächtlich mich frage,
was wohl noch kommen mag?


Daß ich nicht krallend es packe
ganz dieses ekele All
und es in Stücke hacke
türmend vor mir den Wall!


Harrend der letzten Posaune,
die dem Vandalen flucht – – –
die Hölle erschloß sich in Laune,
den Himmel hab ich gesucht!




Edela Rüst (Emma Reichel) - Sturm

Edela Rüst (Emma Reichel) - Sturm