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Max Herrmann – Die Preisgabe.

Gedichte

Max Herrmann, Die Preisgabe, Roland-Verlag, Dr. Albert Mundt, München, 1919



»Sich verteidigen, indem man sich
selbst preisgibt.«


DU BIST NICHT ICH

Du bist nicht Ich –
kaum Spielgefährt und toter Narr,
du schweigst beschwert und lächelst starr
mir ins Gesicht.

Du Spiegel-Spott,
du Jenseitstrug!, wenn du erreichst,
was tückisch klug du dir erschleichst,
dünkst du dich Gott.

Fast nicht gedacht,
nur Spielerei und nicht gemußt,
vom Rauch der Eitelkeit umrußt
mit neidischer Nacht!

Von mir zerhackt
wie Splitter stumm – nun bin ich fromm,
der Tod ist um, Herzbruder, komm,
mein Herz strahlt nackt!




DU SEGNEST MICH DENN –SONST
LASS ICH DICH NICHT

Der Sturm zerpuffte in Brunstwut des Bullen
Tor und Bogen und Stahl und Stein,
zerbrach die Dächer wie morsche Schatullen
und fauchte in Luken und Gruben hinein.

Meine ängstliche Stube drängte in Schauern
um das bängliche Lampenlicht,
unhold kratzte es an den Mauern
und riß am Gesims, wie man Schindeln zerbricht.

Und ich schrie Deinen Namen wie eine Fanfare
in den krachenden Krampf, der die Nacht besprang,
denn ich fühlte im Sturm Deiner wehenden Haare
rauschende Fahne und Deinen Gang.

Deiner Leidenschaft heiliges Flammen
schwang mir in rasender Pracht um mein Haus,
alles Verzagte brach prasselnd zusammen,
alles schwache Feuer ging aus.

Ich fiel entfesselt vor Dir nieder
Dein Bild an meine Lenden gepreßt,
der Sturm sang uns zuckende Hochzeitslieder,
meine Stube lag frei wie ein offenes Nest.

Alle Wände waren verschwunden –
plötzlich warf die Nacht sich erschöpft auf den Tisch,
an ihrem Leibe brannten die Wunden
des Liebeskampfes und bluteten frisch.

Und ich schrie schrecklicher Deinen Namen,
wie ein Tier in Todesqualen schreit –
da blühte aus meinem Samen
Dein Gesicht in die Ewigkeit.

Und die Nacht stand schwankend auf und legte
sich warm auf mein Herz, und sie war Du,
der Sturm war Dein Erbarmen und fegte
unsre heimliche Zelle zu.

Die Wände wuchsen um uns wie Hecken,
von den Schultern warfst Du den Mantel des Sturms,
wir waren zwei Falter, die Honig schmecken,
zwei Gesegnete in der Kapelle des Turms.

Deine Stimme küßte verloren
meine erstickten Schreie und sang lustschwer:
»Ich bin Deine Nacht. Und aus mir wird Dir geboren
Dein Stern!« – Und wir hörten den Sturm nicht mehr.

Wir wußten auch nichts von Stummen und Stillen.
Wir waren der Sturm und die Nacht und das Licht!
Und hatten den einen Weg und Willen:
»Du segnest mich denn – sonst laß ich Dich nicht!«




DIE GESCHEHNISSE DES SONNTAG-
NACHMITTAGS:
LASS DEINE ZUNGE MIR IM MUNDE
FLATTERN
(14. April 1912)

Am Sonntagnachmittag in Sehnsuchtsraserei Gerenne
nach dem geliebten Weib durch die verregnete Stadt,
vorbei an einer weiland peinlichen Penne,
von der man immer noch die schweren Träume hat.

Vorbei an bösen Bürgern, welche blinzen,
an Schenkenschildern mit den bunten Tieren
und den diversen Königen und Prinzen,
vorbei an grellen Becken von Barbieren.

Vorbei an Kirchen in verstohlnen Ecken,
wo eine schadenfrohe Mauer schließt,
wo die diskreten Pärchen sich verstecken,
und graue Lauge durch den Rinnstein fließt.

Vorbei an Autos, die durch Pfützen rattern,
– Mit dem verfluchten Stechen in der Lunge –
Laß Deine Zunge mir im Munde flattern,
mich dürstet so nach Deiner weichen Zunge!

Die Stifte setzen stolzer übers Pflaster
und scharren mit den Schirmen ungewiß,
ein Eisenbahner qualmt gemeinen Knaster,
und ein Studente präsentiert den Schmiß.

Zwei kümmerliche Eheleute zanken,
viel Stellungslose gehen auf den Strich. –
Und Deine schmalen Beine schreiten mir durch die Gedanken
in den durchbrochnen Strümpfen königlich!

Umnebelt wiegt sich im gewohnten Kreise
auf dem beliebten Markt der Holpertrott,
aus hellen Läden schwindeln zahme Preise,
und eine Stimme gurgelt frech: »Mit Gott!«

Ganz grüne Ladenschwengel prustend zoten
zu welken Mädchen, die sehr dämlich tun –
Plötzlich leuchtest Du in Deinem roten
Jackett, Leni, und den Wildlederschuhn.

Und schreitest königlich durch das Gekicher
und das Geschnaufe, das im Dunst verschwimmt –
Bankmenschen gehn umflort und nicht ganz sicher,
auf Refrendare schielend und verstimmt.

Du sprichst – und meine Blicke sind wie Hunde
folgsam und wedelnd und verliebt um Dich.
Laß Deine Zunge flattern mir im Munde,
nach Deiner weichen Zunge dürstet mich!

Vermummte Menschen eilen ins Theater –
Schon blüht in fremdem Raum Dein weicher Mund.
Ich schiebe mich vergrämt zu meinem Vater
und meiner Mutter und dem kleinen Hund.




FREMDE STADT

Wieder einmal bin ich bang – berauscht – beklommen –
in die Straßen einer fremden Stadt gekommen.

Dieser Turm, dies Kirchportal und dieser Laden,
dieses Schenkenschild und diese Plätze und die Promenaden

treffen uns wie Erstlingsküsse, die sehr zaghaft gleiten,
und ich lächle schmeichelnd im Vorüberschreiten.

Diese Männer, die hier Amt und Achtung haben,
mit dem Kreisel und dem Reifen diese Knaben,

diese Mädchen leuchtend hinter den Gardinen,
diese Mütter mit den prüfend abgefeimten Mienen,

und die drei, vier Stolzen, die in Uniformen paradieren,
und am Bahnhof eines Wartenden nervöses Hin- und Herspazieren:

trifft uns einmal, nachts, noch vor dem tiefen Schlafen
mit dem Blitzstrahl, dessen Schläge uns wie Schicksal trafen,

wenn wir lange uns gerettet dachten, daß wir dann erkennen,
wie auch dieser Fremde Lichter ewiglich als Gottes Kerzen brennen.




NOTTURNO

Wind würgt den Wald. Wie totgeschlagen liegt
ein dunkler Teich. Ins Sterngeflacker fliegt
aus Abendrot der irre Mond. Gewölk schlägt schwer
wie nasse Segel auf das Wipfel-Meer.

. . Und zwischen mich und Dich ist Finsternis
und Feld und Giebel und Gebirg gestellt,
und Sehnsucht blutet so wie Natternbiß,
und wie in Feuersbrunst ist alles Land von unsrer Liebesnot weit überhellt.

Traum trägt mich hoch, daß meine Hände wie zwei Hunde
verbissen sind an Dir. Flammen flackern von Mund zu Munde.

Wind würgt den Wald. Sterne verströmen ihr Blut.
Mond fließt in Mond. Giebel, Gebirg vergeht. Gott ist mir gut.




DER ZIRKUSDIREKTOR KLAGT:

Ich bin ein Pascha meinem Lottervolke,
doch allen andern nur ein Ding zum Staunen –
und wer scheucht mir vom Haupt die Unmutswolke?
Ich weiß, ich hab ein Weib, das meinen Launen
nachsichtig ist und mein Verliebtsein duldet,
(das hitzig hetzt und mit der Gier von Faunen,)
ich fühle auch, wie tief ich ihr verschuldet
und bis ans Ende ihrem Blute nah
und immer der sein werde, der sie liebt
und doch blieb sie mir fern um viel und sah
nur den, der stolz im Flitterkleide klirrt
und den Erkauften barsch Befehle gibt,
und weiß von jenem nichts, der frierend irrt
um heimatliche Häuser und um Lichter
in einer stillen Stube und ihn hungert
nach einem Gruß und friedlicher Gesichter
wohltuend Einverständnis ... Doch umlungert
von allerlei Gelichter muß ich wallen
und die Romantik meiner Sehnsucht gaukeln,
und meine Seele siecht beim Peitschenknallen
und fällt im schmutzigen Trikot von Schaukeln
und stirbt für Geld ihr königliches Fallen!




DER FREMDE AKROBAT

Er bittet zu den Bäumen: Mir ist bange, Brüder,
gebt mir von eurer grünen Gütigkeit!
Der Städte Stein und Mauer macht mich immer müder
und greis und grausam vor der Zeit.

Ich mürbe hin. Ihr Sträucher, streichelt meine Striemen I
Du lieber Rasen reich mir deine Ruhl
Der Fremden Härte riß mein Fleisch zu Riemen
und deckte meiner Stimme Quellen zu.

Du Goldlack, leuchte mir! Du Flieder, flute
und laß ertrinken meine Bangigkeit!
Ich bin zerstört durch Reichtum und entfremdet meinem Blute
das nach den Wäldern meiner Heimat schreit!




DER ZAUBERKÜNSTLER

Er ist sehr traurig. Alle Dinge laufen
nach seinem Wink und Willen – und dies ist
doch nur ein sinnlos Spiel und eitel List
und heißt, sein Kind- und Dichter-Sein verkaufen!

Es kann ihn nie ein Seltsam überraschen,
denn alles hält er stets in seiner Hand:
er reiht die Sterne auf ein buntes Band
und holt sich Sonn und Mond aus seinen Taschen.

Und bleibt sehr traurig: denn vor ihm steht ja
das Sein enthüllt und reizlos ungeschminkt,
und ist für ihn nie mehr ein Wunder da.

Er weiß, wie alles lügenhaft sich baut
und nichts bleibt, wenn zuletzt der Vorhang sinkt,
als ein Gehirn, dem vor sich selber graut.




DER LÖWENBÄNDIGER

Er gab den Löwen seiner Feinde Namen,
und jetzt führt er mit ihnen krampfhaft Krieg,
o wie beglückt ihn jeder kleine Sieg,
wie schmeichelt ihm der Beifallsruf der Damen.

Er macht sie niedrig und zu kläglich kleinen
und lächerlichen Diensten sich bereit,
er sättigt sich an ihrer Dürftigkeit
und saugt sich Lustgefühl aus ihren Peinen.

Doch nachts in Träumen schreckt ihn solches Bild:
er wankt allein durch fremder Wälder Wüten,
die ihn mit tosendem Orkan zerschlagen.

Da springen Löwen aus dem Dickicht wild,
die seinen zitternden, parfümumblühten,
zermorschten Leib in gelles Sterben jagen.




DER STELLUNGSLOSE

Er muß in den zerschlissnen Schuhn
nur stets die strengen Straßen laufen,
er darf sich nirgendwo verschnaufen
und mittags süß im Sessel ruhn.

Er kann sich nicht das Kleinste kaufen,
und dieses: Schränke, Schlösser, Truhn
sind Worte, die ihm wehe tun –
mit allen Bürgern möcht er raufen!

Oft steigt der Duft von heißen Suppen
in seine Nase wie ein Spott;
aus Läden höhnen Kleiderpuppen.

Und rote Wurst und Bier in Krügen
und ein Plakat von Tanzvergnügen
und Schenken werden ihm Schafott.




DER KLEINE MANN

Ich bin der kleine Mann, der heimwärts hinkt,
von dem die Wächter an den Ecken reden,
daß er sich jeden .. . aber wirklich jede! . . .
Samstag bis zum Krakehlen arg betrinkt.

Sechs Tage fron' ich im vergrabnen Grau
der Werkstatt, wo ich fromme Bücher binde,
daß ich mich nur in heißer Nacht entwinde
und in die Schatten der Alleen trau.

Doch Samstag gürte ich mir den Küraß
gestärkten Hemdes um die schiechen Glieder
und steige festlich zu den Menschen nieder
mit aller sechs versklavten Tage Haß.

Und aus der Flasche fließt mir Seligkeit
und Rache, Auferstehung, Stolz und Laster,
bis mich Entzauberten das alte Pflaster
der alten Stadt in alte Knechtschaft speit.




BEI SEINER LAMPE GANZ VERLASSEN
LAUERN

Bei seiner Lampe ganz verlassen lauern,
bis sich das Blut in mir mit Blitzen blendet
von Worten, welche treffen, daß verendet
die Kleinmuts-Schatten sinken an den Mauern . . .

– Und die geliebte Frau ist fern, verloren
in Stuben, wo die fremden Stimmen stechen,
und kann wie Brücken auseinanderbrechen
und steht vielleicht als Fensterblum' erfroren –

Doch ich muß einsam so mit Büchern ringen,
o diese Qual!, und durch die dünnen Wände
fühl' ich wie ausgestreckte Sehnsuchtshände
mir stets vergebens Wein und Rosen bringen.




UND IMMER NOCH BIN ICH IN DIESES
BAGNO VERBANNT

Und immer noch bin ich in dieses Bagno verbannt
und habe nichts, als: ein Gräuel allen Guten
einsam zu gehn und verlogen arrogant
Abwehr zu lächeln und leise zu verbluten – – –

Viel Soldaten sind überall hier, wie ein herzloser Hohn
auf alle meine Sehnsucht, und der Bürger gefaßte Gebärden
und oft eine törichte Tochter oder ein sinnloser Sohn
und am Sonntag zerbeteter Bauern heimtückische Herden.

Du trägst ein neues Kleid, sie schielen scheel,
und solche Kleinigkeiten verdüstern mein Denken. –
Jünglinge gaukeln in Uniformen und üben sich, auf Befehl
Wunden in ihrer Brüder Seelen zu senken.

Trostlos zertrümmern sich Mütter vor dem Altar,
Väter zerbröckeln in dumpfer Brunst unter Knuten,
Töchter werden Witwen, Huren, Nonnen, der Sohn Lump, Stammgast, Referendar,
und ich muß als ihr Gefangener einsam verbluten!




EIN MANN SPRICHT ZU EINER FRAU

Ich bin es müde, ewig Dich zu spornen
mit ungestillten girrenden Gebärden:
mir wird ja nie bei Dir Entwaffnung werden,
denn Deine Dickichte sind nichts als Dornen.

Ich will mich in ein dunkles Dorf verdammen
mit meinen Büchern und mit meinen Hunden,
mich in erlesen aufstachelnden Stunden
bis zur Erschöpfung an mir selbst entflammen!




GOTT RÜHRTE AN DEIN HERZ

Ich litt und weinte mir die Augen blind
und bettelte: »Du! Laß mich bei Dir bleiben!« –
Ans Fenster gegenüber kam ein Kind
und malte seltsam Zeichen an die Scheiben.

Im Nebenzimmer tappte jemand zag
und hüstelte und rückte mit den Stühlen.
Ich fiel vor Dich wie welkes Laub und lag
entseelt, nicht Deiner Füße Flucht zu fühlen.

Durch die Tapete klirrte plötzlich Glas
und etwas löste sich und ward zu Weinen
Gott rührte an Dein Herz und ich genas:
denn Deine Tränen rannen mit den meinen.




MAN MUSS SEHR GÜTIG ZU DEN
FRAUEN SEIN

Man muß sehr gütig zu den Frauen sein,
denn immer sind sie es, die Nachsicht mit uns haben:
sie dämmen ihre Sehnsüchte für uns ein,
sie versagen sich Reichtum und Lächeln von schönen Knaben.

Sie verschreiben sich bedingungslos unsrer Pein,
sie lassen sich mit uns in Einsamkeiten vergraben
und büßen unsere Sünden. Wenn wir verdürstet aufschrein,
müssen sie uns, selbst verdürstend, laben.
Sie leiden immer unsre Last ohne zu klagen,
und haben doch an der eignen mühselig zu tragen!
Immer fühlen sie uns wie Peitschen hinter sich drein.

Immer kommen zu ihnen Begierden, Bosheiten, Gebete,
immer ist jeder bereit, das zu schmähen, was er von ihnen erflehte,
und noch, wenn wir sie ganz glücklich machen wollen,
mischen wir unsre grausame Selbstsucht hinein.




IMMER WIEDER IST DER WEISHEIT
LETZTER SCHLUSS:

Kapsle dich ein! – und wär's in einen Kerker! – sei
dein eigner Herr und lebe nur der Liebe, die dich hegt!
Jedes Lächeln, das wie eine Schlinge um deinen Hals sich legt,
und jede Lauheit, die dich verleiten will, brich entzwei!

Feigheit, die dich Verfemtsein fürchten läßt, soll weggefegt
wie Spreu sein! Bleibe dir selbst getreu bis zur Raserei!
Bete nur dein Herz und seine Sehnsucht an! Werde frei!
Fliege allein vom Frühlingswind deiner Freiheit bewegt!

In deinen Augen solln Brandfackeln dröhn! Eine Fahne sei dein Kleid!
Wage zu wecken: Weh euch, die ihr jede Auferstehung verschlieft!
Mache dich hart wie einen Heiland, heilige dein Hassen!

Von der einzig-gebenedeiten Frau kommt Friede und Freudigkeit,
die alle Höhen erhöht und alle Tiefen verlieft
und mit dir zu Gipfeln geht, die den Himmel unter sich lassen.




DASS ALLES LEICHTER WIRD

Wie oft, wenn unsre Mauern wie Berge Deine Sehnsucht
allzuenge umbauten,
wenn unsre Wiesen nicht blühen wollten, und Schnee und
Eis unsrer Hänge gar nicht tauten,
schwang sich Deine kleine, zärtliche Schwalbe zu den
Seligen Inseln, die mit silbernen Schnüren
an einem seidnen Himmel schaukeln, wo bronzene Götter
in zierliche Brautkammern führen
und Seidenhaarglöckchen kichernde Hochzeiten einläuten . . .
Und alles leichter wird. –
Wie Deine Augen sich freuten,
wenn ein Zirkus kam, und bei seltsamen Tieren die Fremden schritten,
in ihr Seltsames wie in einen Schleier gehüllt – O meine
Scham!: o wie hab' ich immer gelitten,
und leide noch, daß bei mir sich keine Feier erfüllt, nach
der Dein Herz schlägt!
daß ich so armselig bin, so wenig Zauberer, daß mich kein
Mantel mit Dir nach dem Land Deiner Wünsche trägt! – –
Manchmal – in der großen Stadt, waren die fremden
Freunde unsren Türen
und unsren Tischen so nah, aber immer noch stand das
seltsame Sichverriegeln ihrer Mienen
wie eine Dornenhecke zwischen unserer Zuneigung und ihnen.
Und manchmal kamen Geschenke und aus dem Duft ihrer
Seele Farben
und Formen, zart wie Deine Fußgelenke, an deren Schönheit
vielleicht ihre eigenen Schöpfer starben,
und schufen einen kleinen Tempel und waren eine Wiederkehr
Deiner verflogenen Sehnsucht – aber meine Hände blieben
immer für Dich leer! –
Wird jetzt, Du kleine, zärtliche Schwalbe, dem Flug zu
Deinem heiligen Land
das Ziel nahe genug? Wird das Streicheln meiner Hand
von Deinen Schwingen gefühlt, daß kein Schmeicheln
sie vom Wege verirrt,
und alles leichter wird,
daß Dein Leben durch meine Liebe ein wenig leichter wird!




PLÖTZLICH IST EIN KREUZ
ERRICHTET

Um mein Verbrechergesicht spielen die Engel der Hölle Schach,
und die Teufel des Himmels verfluchen sich im Anblick meiner Falten –
Deine Vorwürfe sinken auf meine Schwielen wie Gewitterdach,
und die Feuer meiner Ausgelassenheit müssen wie Sünden
vor Deiner Kümmernis erkalten.

Ich möchte so gern spielen (Unbefangen mich selber fliehn!
Aus meinen Ängsten Kulissen machen und aus meiner
Verlorenheit eine Geste der Posse,
unbeschwert für Sekunden im Blau meiner Träume wie weiße Wolken ziehn! –
Aber plötzlich scheuen vor Zinnen und bronzenen Toren meine Rosse.

Plötzlich ist irgendwie ein Kreuz errichtet,
wie eine Warnung, groß in meinen Abend hinein,
dem alle Sterne entfliegen.

Und Dein Verstummen, das ein ganzes Jahr voller Sonntag vernichtet, läßt mich allein
meinem schlimmen Geschicke erliegen.




IN DER STUNDE MEINES STERBENS

Ich ängste mich: Du wirst sehr hart zu mir
und grausam sein,
wenn in der letzten Stunde meine Augen stier
und meine Schläfen naß sind wie von weißem Wein
und meine Hände hagerer wie Greise
und heiser Husten aus mir bellt
und ich vor aller Welt
allein
in einen stummen, welken Wald gestellt,
in jeder Wange eine Wunde,
mich mit unsichtbar brennenden Schlächtern schlagen muß –

Dann wird Deiner Stimme Klang, Dein Blick, Dein Kuß
mir, der ich hart am Strand ertrinke, fehlen,
daß ich Dir noch das ärgste Schimpfwort stehlen
und immer wieder in meine Hand
das Blühn um Deine Lippen winken möchte;
aber Du hast die Miene von Verächtern
und wendest Dich ab und gehst zu einem Stelldichein,
und ich schreie auf wie ein Tier
und falle klirrend um und fühle, wie ich mich zu Ende fechte.

O Du sollst nicht hart zu mir,
nicht grausam, wegverwirrend grausam sein:
Vielleicht bist Du mein Ebenbild und mußt in meinem Brand
verglühn und stirbst wie ich ohne ein
linderndes Zärtlichtun!

Und süßer ist: sich Herz an Herz zu Rüste ruhn.




MEINE SEELE IST BETRÜBT BIS IN
DEN TOD – – –

Meine Seele ist betrübt bis in den Tod,
niemals werd' ich mehr von Herzen lachen können.

In der Mühle meiner Einsamkeit vermodern
muß die reiche Ernte. Nie wird weißes Brot
aus dem Überflusse meiner Tennen.

Während rings die Flammen stärker lodern,
ist mein Tag umdunkelt und mein Lied für immer still,
Schnee deckt alles, was ich blühen will.
Unter meinen Füßen schreit das Blut der Brüder –
Aber die uns hassen, steigen stolz gegürtet, unbezwinglich!

Müde wird mein junger Mut und immer müder:
Wo sind jene, die mein Wein bewirtet?
Ach, sie lassen sich zu fremden Wimpeln werben
oder ruhn in Gärten, die ein gütig Von-Nichts-Wissen gönnen –
Meine Seele ist betrübt zum Sterben,
und nie mehr werd' ich von Herzen lachen können.




WÄCHST DIE TÖDLICHE TANNE AUS
SCHNEEIGER WUNDE

Irgendwie Schmerzen . . . körperlich . . . oder hohl
durch das bleiche Geblüt der Gedanken geschlagen,
oder Erlebnis in hungerndem Unbehagen
um den einen, der ewigen Peinlichkeit, Pol . . .

Welche Last muß die Brücke der Nerven tragen
endlos, Tag und Nacht, ob der Freiheit frivol
sich in Masken Verhüllen wuchtet wie Wagen,
wuchtet die Knechtschaft sich selber im Wärmenden wohl!

Immer wie Blitz eine Lichtung, wo Stachel der Stunde,
da ich sterbe, die Träume zerteilt –
Wächst die tödliche Tanne aus schneeiger Wunde . . .

Und die Hand, die im Vließ nach Krämpfen des Fiebernden jagt,
hängt wie verdorrt . . . und die Flamme enteilt . . .
und im Dunkel zermahlt ein Rad, was mich Liebenden plagt.




OPFER ICH DER UNSTILLBAREN
SINTFLUT

Bin ich nicht in meiner Zagheit zahllos,
ohne Namen und wie ausgesetzt
von der großen Sintflut, welche wahllos
dieses kümmerliche Fleisch zerfetzt!

Oberschattend mit den Riesen-Schwingen
Raum und Zeit und Bündnis und Geburt
tat sie mich zu den entseelten Dingen,
zu dem Schellentand an ihrem Gurt.

Gläsernes zerbrechlich mir zu Seiten, ,
daß ich mich erkannte: welken Wind
meine Klage, Schreck mein rhythmisch Schreiten,
und mein Werk ein fremdes, totes Kind.




WÖLB UM DIE SCHLÄFEN MIR
HIMMLISCHE KLARHEIT!

Wölb um die Schläfen mir himmlische Klarheit,
daß nicht mein Harm wie Absaloms Haar bleibt
hangen im Dornengestrüppe verwaist,
ewige Nacht in ihr Chaos mich reißt!

Knapp um die Ufer des Todes zu taumeln,
greift nicht Kadaver aus Gräser-Raunen,
fauchen nicht Tiger im Gräber-Gefälle,
daß ich in Höllenstürzen zerschelle?

Würgt sich mein Weg durch Qualm und Geschluchz,
fiebernd am Saum des betränten Tuchs,
suchen die Schläfen den Salzduft der Wahrheit,
Hallen, o Hallen der himmlischen Klarheit!




DES SPIEGELS RACHE

Ich sah durch Träume, die Gewitter waren,
in meinem Zimmer, das mich nicht mehr zählte,
den Kranz, nach dem ich mich ein Leben quälte,
in meines jüngren Doppelgängers Haaren.

Der aber ließ mit lässigen Gebärden,
die kaum der Raub an meinem Spiegel rührte,
den Schmuck, den er mir zur Versuchung führte,
im Feuer des Kamins zu Asche werden.

Und wandte sich, da tat sich von der Türe
mein Mantel ab und schmiegte seinem Rücken
sich an, und in die Hand wuchs ihm mein Stab.

Mein Schreiten schritt er, sang mein Lied, vergab
aus meinem Herzen meines Feindes Tücken
und brach der braunen Schwester meine Schwüre.




DER RETTUNGSLOSE SCHÄCHER

Niemals gelang ihm, gelinde
zu erleichtern ein Leid:
ewig bleibt er der blinde
Schacher im Sklavenkleid.

Daß er die Welt überwinde
ohne Stachel und Streit,
daß er den Lorbeer finde,
der den andern gedeiht,
bleibt nur ein Traum, den der Blinde
nächtig durchduldet im Neid.

Gib, daß in Ohnmacht entschwinde
jedes Bewußtsein der Zeit – – –
Ewig im Blut spürt der Blinde
Leid nur, sein Leid nur, sein Leid!




MUTTER, DU EWIGER GRUSS ÜBERM
STROME DER STUNDEN

Winterlich bei Wein und siechem Licht
klagt ein Klavier, das deine Liebe zerbricht.

Sitzen Schnitter des Menschensohnes kahl
lächelnd ohne Lust beim letzten Mahl.

Und der Heiland weiß vom Schwert der Gewalt,
will nicht wissen, und bleibt abgewandt, kalt . . .

Doch die heilige Mutter verwindet nicht mehr,
sinkt und landet als silberne Mondbraut am Wehr.

Und ist ewiger Gruß, wenn dunkel verströmt Stund' um Stund' – –
Aber das Widrigste reimt sich für mich und wird dumpf Gedicht,
und die Flucht aus der Welt bleibt ein Traum, und Gott weiß kaum,
was jetzt geschieht, und ich schlug meinen Hund
und mein Ängsten würgt die Geliebteste wund,
und mein Herz zerbricht . . .
und dein Herz zerbricht

– – –

Not wird Nichts, Glück verglast,
und Wahnsinn versucht den Mönch und den Helden,

und ein blinzelndes Ringelspiel rast
mit nie zu erlösenden Mördern ewiglich rettungslos rund . . .




DER LIEBE REQUIEM

Der Liebe Lied erlöst mich nun nicht mehr:
als läge Nebel über meinen Schritten,
wird mir aus Tag und Abend Wiederkehr
der ewig ungestillten Kinderbitten.

Der Liebe Leid erhebt mich jetzt nicht mehr:
als sei die Schwinge meines Werks zerschnitten,
bleib ich am Boden, schwach und unmutsschwer,
Flöte und Fackel sind der Hand entglitten.

Der Liebe ist nur dieses noch vergönnt:
Daß sie mein überzähliges Verbleiben
der Qual endlosen Dämmerns jäh enthebt.

..Vielleicht auch: meinen Namen aufzuschreiben,
daß ihr aus meinem Gleichnis fühlen könnt,
wie sehr dies Lüge ist, daß ihr noch lebt.




DER GEZEICHNETE

Mein Sterben ist bestimmt seit je,
es lauert hinter der Tapete,
daß ich mich an sein Messer bete,
ich bin sein Gast, wohin ich geh.

Im Garten, den mein Traum durchirrt,
ist es bei jedem Busch verborgen,
es überbleicht mein Bett am Morgen,
daß mir kein Sohn geboren wird.

Die Schwester ist dem Schreck verschworen,
der wie ein Abendbaum verdorrt
und kalt an ihrem Leben lehnt.

Es findet mich an jedem Ort,
und wen ich liebe, ist verloren,
sobald mein Herz ihn nur ersehnt.




MICH GAUKELNDEN VERLEUGNET
SELBST MEIN WERK

Soviel Enttäuschung' war mein Tagewerk,
mein Traum soviel trostloses Überleben
längst totgeweinter Wirrsal – sage, Zwerg,
willst du dich noch vor Menschen überheben?

Du, Zwerg in allem, was du mühst und meinst,
saumselig im Entsagen, im Verschwenden,
so selbstgefällig, wie du dich beweinst,
bleibt noch dein Schuldbewußtsein ein Verblenden.

Du Zwerg – und spielst vor Menschen Richteramt
und brüstest dich mit zweifelhafter Not,
die doch der Engel deiner Nacht verdammt.

Soviel umflorte Lüge ist mein Werk,
daß es noch vor dem letzten Abendrot
mich stumm verleugnet am Kalvarienberg.




DER VERLORENE

Aus der Wirrnis des Erwartens
blühte ihm kein Laubgerank,
und das Grün des jungen Gartens
welkte vor dem ersten Dank.

Der beschwertem Blut entsprossen
nicht Bewegtheit spielen kann,
fühlt von Freiheit sich verschlossen,
fühlt das Glück als einen Bann.

Unter kahlgehaßten Bäumen
seines Argwohns Zerrbild schleicht
und erlebt in eitlen Träumen
Einen, dem der Mensch nicht gleicht.




IN NÄCHTEN, DA DU NACH DIR
SELBST VERLANGST

Hält nicht im Vaterhaus auf welken Stiegen
dich jäh erstarrt der Hauch von einer Angst
in Nächten, da du nach dir selbst verlangst,
und alles Schwere, was du dir verschwiegen
und lang verleugnet hast, wird stumm Gestalt
und tritt aus mitleidlosen Schattenwänden
und lächelt eigen, lächelt fern und kalt
sich spiegelnd in den gläsern-kühlen Händen?

Fließt nicht ein Silbernes ins Blut zutiefst
und läßt nach abgrunddunklen Winterwehen
aus deiner Brust die Ulme auferstehen,
in deren Schoß du tausend Träume schliefst,
in die du nun emporsteigst, ihrer Krone
einströmend mit dem Rauschen dieser nie
gestillten, sternensteten Melodie,
daß deines Werkes Not sich hoch belohne.




IM TIEFSTEN HAB' ICH IMMER ALLE
DINGE LIEB

Wie mir ein wenig Freundlichkeit jetzt Gutes gibt,
ein kleiner Satz, kaum mehr als höflich, den
ein Fremder zuwirft im Vorübergehn,
als fühlte er, wie ihn der Sommer liebt!

Und müßte dies verschenken, und nun hält
er mir sein Glück wie einen Gulden hin,
und weiß doch nicht, daß ich so durstig bin
wie Laub, auf das seit Monaten kein Regen fällt.

Ein Streicheln meines Hundes schon, das dem nur gilt,
ein Echo, das Entrüstung oder Freude mit mir teilt,
wird mir zum Wunder, das viel Herbes heilt,
bis mein Gewissen nicht mehr »Mörder« schilt.

Mörder? von wem? von mir? ... Ich weiß nur, daß es viel Erbarmen gibt,
daß ich mich wehrte, wenn mich Weh zerrieb:
im Tiefsten hab' ich immer alle Dinge lieb
und wäre gern von ihnen wie ein Kind geliebt!




ICH KANN WIEDER AUFERSTEHN

Die Dächer der Klöster leuchten wie silberne Bäche,
aus jedem Turm züngeln tausend Fische ins Licht –
Starb mir der liebste Bruder? Wer will, daß ich mich räche?
Bangt ich einmal, ich dächte mein letztes Gedicht?

Ich fühle ja jung, wie mein Herz wieder hell unterm Bogen
himmelblau blüht der flammenden Fliederalleen,
Säle glühn wie Glocken, durch welche Wogen
roten, abendlichen Weines wehn.

Ich fühle ja jung, wie ein ganzer Wald von Worten
sich wieder von mir pflücken lassen will,
wölben sich die weißen Wolken nicht wie Ehrenpforten
über meinem Lied, steht die Lerche nicht wie ein Weihnachtsstern über meiner Andacht still?

Ich kann wieder in die Tiefe tauchen,
wo die Perlen königliche Kammern baun!
Ich kann wieder auferstehn! Meinen Atem in tausendfältige Hirne hauchen
und immer wieder Gott von Angesicht zu Angesichte schaun!




DER GRENZENLOSEN STUNDE
WUNDER

Auf seinem Turban flattern die weißen Tauben
der Stunde, die ihm unsterbliches Glück beschied,
sein glühendes Herz ermattet fast von soviel Glauben,
daß Überschwenglichkeit mit ihm in grenzenlose Paradiese flieht.

Der Panzer unbeugsamer Streiter wird unter der Seide
von seiner bedrängten Brust nicht mehr verspürt:
in großem Leuchten schwebt Roß und Reiter, beide
hat das Wunder unsterblicher Stunde mit goldenem Stabe berührt.

Der Tag war wie die andern: aus Dunkel geboren
und schleppte sich zu Mühsal. Doch plötzlich schlug
ein Sonnenblitz die Last von des Rosses Rücken.

Wie lindernde Finger streichelten die Sporen,
und aus dem Reiter rang sich alleinende Gottheit und trug
seine niedrigste Stunde von nun an in überirdisch brüderliches Entzücken.




DU BIST ERFÜLLUNG LEUCHTENDER
LEGENDEN

Wie Du sänftigst meiner Seele Stürme,
läßt den Abgrund meiner Nerven blühn,
führst mein Dunkles auf die Morgen-Türme,
wo die Wälder weit zu Gott verglühn,

wie Du meine schwersten Wochen leidest,
und Dich opferst für mein Auferstehn,
Dich von allem, was Dich schön macht, scheidest,
wenn es meine Augen nicht mehr sehn,

wie Du weiß in Abendwiesen schimmerst,
daß mein Herzweh keinen Stachel hat,
wie Du all Dein Glück für mich zertrümmerst:

solche Liebe wird in den Legenden
einer zukunftshohen Sternenstadt
ihres Gottes Testament vollenden.




GUTE MENSCHEN, WIE ICH EUCH
BENEIDE!

Gute Menschen, wie ich euch beneide,
daß ihr niemals euer Lieben logt,
der ich einsam meine Bosheit leide
durch die Straßen wirbelnd haßumwogt!

Gute Menschen, Sabbath-Engel führen
euch durch ewiges Lächeln leichten Schritts,
knüpfen sicher aus gefälligen Schnüren
eine Leiter zu des Gottes Mondensitz.

Gute Menschen, niemals stürzt aus eurem Hirne
eine störrische Sturmflut, die die letzte Nachsicht abwärts reißt –
aber mir ist immer neue Feindschaft zwischen Brust und Stirne
und ein unversöhnlich jeden Spiegel in sich selbst zertrümmernder Revolte-Geist.




LIED IM ABEND

Sensen singen leis
sich nach Haus.
Dielen schenken weiß
Bild und Strauß . . .

Weiß bereitet steht
Milch und Brot.
Gleitet ein Gebet
ins Abendrot . . .

Herzen liegen leicht
ohne Last –
Auf den Stiegen schleicht
der ewige Gast.

Eine Schwalbe schwingt
sich zur Wand empor.
Der verlorne Sohn klinkt
an jedem Tor . . .




DU NUR WINDEST DEN KRANZ FÜR
MEINE SCHULDIGE STIRN

Brüchig wurde mein Leben und leer mein Tun,
und ich hatte doch Tage am schattigen Bache,
liebliche Spiele und süß umklungenes Ruhn
frei von der Angst, aus der ich jetzt nicht mehr erwache.

Wandest einst mir den Kranz um die schuldlose Stirn,
da alles bunt war in uns und von Hoffnungen flammte, –
weichst Du nun zitternd zurück vor der schuldigen Stirn,
da jede Falte der Nacht mich fanatisch verdammte?

Du aber fandest gewiß nach vergrübeltem Tag
einen Ruf zu dem Engel schon, der Deiner fahlen
letzten Gefangenschaft Bann zu zerbrechen vermag,
stehst schon in Deiner künftigen Glorie Strahlen!

Und indes ich tappe durch meine Not,
daß ich nicht weiß, ob das Einst, ob das Jetzt als wahres
ungeträumtes Verhängnis mir hilft oder droht,
schimmern schon ewige Sterne im Kranz Deines Haares.

Hebt Deine schuldlose Stirn heilig sich nun
über die Wüste aus Ohnmacht und Grauen und Rache,
der Du dennoch entringst mein verzweifeltes Tun,
daß in Äonen auch ich paradiesisch erwache.