ngiyaw-eBooks Home


Jo – Erotikon

Gedichte

Jo, Erotikon, Verlag von Carl Reissner, Dresden, 1919




Ewig bin ich, – die Wandelnde,
dir, – olympischer Zeus –,
ewig noch zugetan.


G. T.
dem Verfasser
von
»Die Welt als Lebenszwang«.




Noch jüngst.

Ein Silberhaar vom Monde hängt
im nackten Busch. Noch jüngst zum Tanz
band ich vom Laube meinen Kranz;
noch jüngst brach ich dem Ungetreuen
die letzte Blüte mit der scheuen,
verschwiegnen Liebe meiner Seele.

Mit bösen Blicken springt ein Wolf,
die schwarze Nacht, mir auf mein Beet,
ich hatte Lilien drein gesät.
Noch jüngst, als unsre Herzen sangen,
sah ich zwei bunte Falter hangen
an Kelch und Duft und Überfließen.

Die Stille spann mir jüngst ein Lied
zur tiefsten Lust. Nun aber schreit
die weite öde mir mein Leid.
Den Silberfuß des Monds umschlingen
der Wolken breite Schattenschwingen,
– noch jüngst war er den Küssen Leuchte.


Er und sie.

Sie vor dem Spiegel, die weiße Hand im Gelock,
einen Veilchenstrauß am seidenen Morgenrock;
ihr Wildkatzenauge voll Aufruhr und funkelndem Haß.
Und er am Flügel, sein weicher, schmeichelnder Baß
ganz Unterwerfung und Liebe.

Zwei Jahre nachher. Ein dämmriger Krankenraum,
im Winkel ein Bett und heiß aus dem Fiebertraum
ihr Betteln nach ihm. – Er irgendwo mitten im Glück,
doch die Sehnsucht nach ihrem wildherrlichen Haß zurück,
nach ihrem Trotz seiner Liebe.


Morgensturm.

Sonne und Wolken ziehn
über dem Märzengrün,
über den Wäldern.
Sturm jauchzt dem Lenz voraus,
schüttelt die Locken aus,
reißt mich zum Ringelreihn
wild durch die Felder.
»Wie ist dein Kränzlein bunt!
Komm mit zum Wiesengrund, . . .
heut bist du mein!«
Küßt mir die Wangen rot,
zaust mein Stirnkränzelein,
– zaust es zu Tod.


Stolz.

Ich habe tief,
als du nicht wachtest,
in deine Seele gesehn,
und nun weiß ich,
warum du nie mehr
zu Gast mich geladen:
Auf dem Altar
steht hoch und strahlend
ein neues Bild,
vor dem dein Verlangen,
knieend,
die Stirn an den Stufen,
bettelt. –
Ich aber werde
mit keinem Blick,
keiner Träne dich fragen,
wem du die Kerzen anzündest
und wem deine heimliche Liebe
die glühenden Rosen bringt.


Unter Düften.

Der Flieder hängt dunkel und schwül in mein Träumen;
kein Atmen bewegt die Nacht,
kein Sternschein fließt zwischen den Wolken.
Ich bin durch mein Lachen erwacht.
So lacht nur im Übermaße der Schmerzen
gekreuzigte Liebe, . . . so lacht
nur der Wahnsinn . . . Ich schließe das Fenster;
– schwül duftet vom Flieder die Nacht.


Schrei in das Licht.

Leben, ich lebe dich wieder
unter rauschenden Sonnen,
mitten im heiligen Strom
deiner Höhen und Gräber!
Wiedergeborene Jugend,
willig zum Flug,
mit bebürdeter Schulter
jauchzend dem steigenden Tag,
tanzend durch Täuschung und Mühsal,
Jugend, – ich glaube dich wieder!


Reue.

Mein fröstelndes Einsamsein
durchzieht eine blutrote Kette
qualvoller Gedanken . . .
Der Abend sinkt rasch. Schon leuchtet
der kleine, kreisrunde Schein
meiner brennenden Zigarette.
Verblätternder, wilder Wein
wirft seine zuckenden Ranken
zum offenen Fenster herein . . .
Ich lausche durch Nebel und Dämmer
so weit meine Sinne gehn,
in meiner Seele die Hämmer
rastlosester Pein.
– Und irgendwo wirst auch du
in Dunkel in Sehnsucht stehn,
und irgendeinmal wirst auch du,
durch fröstelndes Einsamsein,
die blutrote, brennende Kette
qualvoller Gedanken sehn.


Finale.

Nein, laß den Strauß, wenn auch die Nelken
nun bleich geworden,
wenn auch die gelben Rosenblätter
rund um das Glas die schwarze Seidendecke
bestreuen . . .

Nein, laß mich nur, ich bin im Frieden.
Wenn ich auch bebend
aus meinem Haar die Perlen löse
und in den gelben, welken Rosenblättern
begrabe . . .


Beim Ballfest.

Mit Schleif und Schwung und Wiegeschritt
so tanzt mein kleines Dirnlein mit,
die Kleinste unter allen.

Hebt zier den leichten Kleidersaum
und flattert wie ein Frühlingstraum,
die Kleinste unter allen.

Um ihres Ritters Schulter warm
den weichen, nackten Kinderarm,
– die Kleinste unter allen, –

das blonde Köpfchen steil und stolz,
so wirbelt auf dem blanken Holz
die Kleinste unter allen.


Augustende.

Verträumte Mittagsstille,
ein Falterflug im Klee;
gebräunte Knabenleiber
im übersonnten See.

Die Wasserrosen nicken
beperlt zum Schilf am Rand,
ein Feuersalamander
huscht durch den heißen Sand.

Kein Schritt geht auf der Straße
zum Dorf–am Wald versteckt–,
das liegt, als ob es schliefe,
mit Sonnenglut bedeckt.

Nur von dem Weiher zittert
ein Knabenschrei im Scherz
– und aus den Linden blättert
das erste, goldne Herz.


Verstimmung.

Sie stickt mit der eifrigen, kleinen Hand
auf türkisblauen Samt, in den Rahmen gespannt,
goldgelbe Seide.

Er steht am Fenster, das Sternenlicht
auf seinem erregten, heißen Gesicht
und starrt ins Weite.

Die Luft hebt hin und wieder den Schall
vom Liebeslied einer Nachtigall
aus Gartentiefe.

Und irgendwo spielt noch jemand Klavier.
Er lauscht – und wendet sich jäh nach ihr
zum Tisch, als riefe

sie endlich nach ihm; – doch immer noch sitzt
sie nackengebeugt und stichelt erhitzt
mit gelber Seide.



Einem Verlorenen.

An diesem Morgen vor zwei Jahren,
– als ich noch schlief, –
fiel mir ein Rosenstrauß ins Fenster,
und über Tag
gewann ich einen Freund fürs Leben.

Fürs Leben? –War ich je so gläubig?
– Nur einen Herbst,
nur einen Winter lang, bis wieder
das Laub aufsproß,
dann gab ich einem Freund Geleite,
der mich verließ.


Wille.

Stille ist nicht in mir,
immer ein Vorwärts-Wandern,
immer ein Greifen ins Licht.
Unversiegbarer Wille,
Wille ist strahlend in mir,
den kein Dornengeranke
ewiger Weltnot ficht.


Schwere Nacht.

Ich habe diese ganze Nacht
an deinem Krankenbett gewacht.
Du lagst im Schlaf und wußtest nicht,
daß ich dein brennendes Gesicht
mit meinen Küssen kühlte.

Dein Haar kroch feucht wie dunkle Schlangen
im Kissen, an den schmalen Wangen,
bis auf die gelbe Seidendecke.
– Einmal hast du geschrien, als schrecke
vor Feinden deine Seele,

und deine weißen Hände fuhren
wild in die Luft. – Von Nachbaruhren
schlug es um drei. Ich sah hinaus,
mir schien, als schlichen um das Haus
langsame, hohle Schritte.


Erschlaffung.

Hoch schrie ein Sturm, dem wir wichen
bis in das Flußtal der Stadt.
Auf lehmgelben Wogen blichen
die Rosen des Abends. – Matt
sprachst du in das Dämmern hinein
von Tagen, die kommen sollten,
vom Lenz, den du sehntest, vom Schein
des südlichen Himmels. Dumpf grollten
noch immer die Stürme und rollten
mit Riesenfaust das Gewölk.

Wir sahen die Silhouetten
der beiden Brücken in Fernen
und dünn aus den Nebelketten
– am Ufer – die Straßenlaternen,
Windwolken durch bleifarbne Höhn,
die immer noch drängten und stießen.
– Wir blieben im Dunkel stehn,
verfroren und willenlos ließen
sich deine Hände umschließen
und boten nicht Abwehr – noch Dank.


Trauer.

Nachtkälte starrt. Die Silberscheibe
friert ihren Strahl ans Glas.
Zwei Menschen wachen noch, – im Leibe
Blutbrand und Schmerzensfraß.

Er zähmt sein tigerwildes Schreiten
zu kerkerstumpfen Trott.
. . . Woher . . . wohin? – Die Augen weiten
Haßschwüre gegen Gott.

Sie hockt am Herd. Die Sinne schwimmen
verstört, zergeißelt, blind
dem Gestern nach. Die Arme krümmen
im Wahn noch um das Kind.


Ideale Lebensführung.

Tagdämmerbläue. – Spiel der Frühlingsranken.
Traumnähe – unbewußt, . . . Sehnsuchtsgedanken
von mir zu dir.

Bewegte See. Der junge Tag im Schreiten.
Verwirklichungen . . . Glückszufälligkeiten . . .
Wir ahnen uns.

Die Mittagsstunde Leidenschaft und Drohen.
Wir wissen uns. Auf stolzen Lippen lohen
Genuß und Kraft.

Spätnachmittag. Die Welten sonndurchflutet.
Bekränzte Stirnen, – in den Bechern glutet
das Rebenblut.

Goldwucht des Abends . . ., drin die Winde wühlen,
dein Blick in meinem. Unser tiefstes Fühlen:
Vergöttlichung.


Entscheidung.

Ich tat die Türe auf,
nur einen Spalt
und meines Zimmers Helle
lief an dir hoch.
Du standest dicht
und botest durch den Spalt,
mir deine Hand,
aus deinen Blicken sprang
entfesselte und jähe Leidenschaft
wie schwüle Flammen.
Ich ließ die Hand,
die du mir botest,
ins Leere sinken
und schloß den Spalt,
und meines Zimmers Helle
erschaudernd vor dir ab.


Die Unrast der Wünsche.

Sie sind wie weinende Kinder mir immer
zur Seite geblieben und haben die heißen,
unsteten Hände in meine gelegt . . .
und haben mit ihrem Quälen mir immer
die zitternden Kniee wieder bewegt . . .
mit ihrem geißelnden Wechselsinn
nach anderen Sternen und Meeren zu reisen,
der ewigen Sehnsucht: dort will ich hin!


Nachttreiben.

Am Weg längs klammert Brombeergedorn;
aus dem Nachtgewölk taucht das Silberhorn
und der Fahlschein, wie wehe Gedanken,
zuckt zwischen den schwankenden Ranken.

Der Sturm springt spitz und schneidig über den Sand,
durch das Kieferngehölz, schießt steilab den Wiesenrand
und bleibt in den schwankenden Ranken verfangen
wie ein gehetztes, zerfetztes, wirres Verlangen.


Weib.

Von dem gelben Diwankissen
blies sie mit erzürnten Lippen
die zerblätterten Narzissen.
Ihre schwarzen Locken glitten
wirr durch meine heißen Hände.
Als ich ihren Nacken küßte
und die roten Perlenbrände
sprang sie bebend auf, als wüßte
sie noch nichts von meinem Lieben,
nichts von ihrem eignen Drangen.
. . . Doch die schwarzen Locken blieben
fest an meinen Händen hängen.


In Düsternis.

Wie ich dich hasse,
weil ich dich nicht vergessen kann,
wie ich die Hände balle,
zu Fäusten balle,
weil sie sich immer wieder
zu einem Betteln falten
nach dir.
– Wie bin ich unter Schmerzen
dir tausendmal
schon wieder nachgelaufen,
in aller Blöße meiner Not
und meiner Wunden.
– Wie ich in wildem Zorn
und grenzenloser Qual dich hasse!
Weil ich dich nicht vergessen kann,
weil ich in Einsamkeit,
mit Wahnsinnslachen,
vor deinem Bilde brüte.


Unter Schauern.

Nun stehn die Hyazinthen wieder
mit allen Glöckchen tief im Schnee.
Der Flieder duftet, als wenn du in Tränen
mich lächelnd anklagst und dein Weh
in meine Seele träufelst.

Den Blütenbäumen zog der Sturm
die Spitzenkleider johlend aus.
Komm heim, mich friert! . . Als wenn die Nachtigallen
nie wieder sängen. – Komm nach Haus
und an den Herd, – mich friert.


Vor einem Jahr.


Weißt du die Tage noch vor einem Jahr?
Den letzten Abend noch in meinem Zimmer,
der so voll Qual des Abschiednehmens war?

Wir blätterten in Heften, die ich dir
zur langen Reisefahrt mitgeben wollte.
Dann saßest du noch einmal am Klavier.

Und bis zum Morgen haben wir gewacht,
bei trüber Ampel, Hand um Hand gefaltet
und folgten bang dem Stundenflug der Nacht.


Intermezzo.


Durch einen Spalt der Vorhangfalten stößt
ein grelles Rampenlicht goldrote Dolche
ins dunkle Lockenhaar der Königin,
die eben lächelnd ihre weißen Hände
vom zartgeschminkten, schmalen Antlitz zieht:
dem Tod des Gatten flossen reiche Tränen.
Noch steht der Junker, dessen Knabenmund
den Mord geheim befahl – um zu besitzen –
und die Begierde flammt noch glüh im Blick,
so glüh und echt, daß sich die Königin
errötend wendet und die Seidenschleppe
vom Teppich rafft, in heftiger Bewegung.
Mit einem Stammellaut wahnwilder Liebe
wirft sich der Favorit vor ihre Füße
und preßt den Blondkopf in die Seidensäume,
die roten Lippen auf den Atlasschuh.


Kurze Bahnfahrt.


Viele weiße Schmetterlinge
über rotem Klee
schaukeln sich im Sommerwinde.
Tief im Tann ein See
schläft – smaragden überzogen –
Schilfspielzeug im Arm.
In ein Kornfeld, fruchtgebogen,
fällt ein Spatzenschwarm.
Immer weiter, Wälder, Wiesen,
Felsgestein ganz dicht.
Tunnelnacht. Im Talwärtsfließen
kommt ein Bach in Sicht.
Blumenhänge, Windenbecher,
Morgentau kredenzt.
– Und zuletzt vom Felderfächer
liegt das Dorf umgrenzt.


Silbernder Mond.


Fern war Musik. Die Sommernacht
stand hoch und hell. Ich lag erwacht
und sah, wie still das Mondlicht schritt,
sich naher schob, auf meine Hände glitt –
und in dem Streif ein Flügelpaar
ganz dicht an meiner Stirne war.
Das trug ein wunderzartes Weib,
– wie Blütenschnee der süße Leib –
mir zu. In seinem Haar aus Silberglanz
ein Krönlein hing; sein Flug wie Tanz,
wie Scherzen war. Ich sah . . . und fühlte kaum,
daß wieder Schlaf mich nahm und Traum.


Heimlicher Besuch.

Was ist es doch,
daß meine Hand auf deiner Klinke bebt?
Scham – Wonne?
. . . Nichts regt sich drinnen,
nur mein Herz ruft laut,
so laut – und heiß . . .
Kommst du mir nicht zu Hilfe?

Wie doch die Tür geräuschlos geht,
und – alles leer!
Der Schreibtischsessel ist zurückgeschoben.
Schwül duften Rosen
und nicken auf ein offnes, neues Buch,
halbaufgeschnitten:
Dehmel, –
und zwischen ersten Blättern
ein gepreßtes Moos.
O du! . . . Von gestern?
Dein Kuß schloß meine ganze Seele auf;
du mußt die rote Blüte flammen sehn.
– Wo bist du doch?

Der Teppich lischt mein Hin und Her.
Hochsommersonnenblitze huschen
durch die Kastanienkronen,
vor deinem Fenster,
wie gelbe Schmetterlinge.

. . . Ist dies das Kinderbildnis
von Kornelius Max,
dem ich so ähneln soll,
wie du gesagt? . . .
Ach hier, mein erstes, schüchternes Geschenk:
ein veilchenblaues Diwansammetkissen
mit buntem Herbstlaubkranz.
Du hast darauf geruht,
es ist noch eingedrückt.
. . . Wenn ich hier liegen könnte
bis du kommst,
den Mund tief – dürstend
in diesen Falten . . .


Erfüllung.

Wir fragen nicht mehr, wir lieben uns nur!
– Das. Leben, nach dem ich verdürstend geschrien,
botst du mir aus Quellen voll Überfließen.
Wir fragen nicht mehr, wir lieben uns nur!

Wir fanden nun jubelnd die leuchtende Spur.
Wir wollen den Sturm . . . und wir lieben ihn;
wir bauen uns Welt, – wir Götter, wir Riesen.
Wir fragen nicht mehr, wir lieben uns nur!


Ende.

Nacht. Sturm, der durch die Pappeln harft
und stöhnend steigt und in die Wolken wütet.
Kein Wort auf unsren bleichen Lippen,
die Blicke starr und weit und heiß
von ungesprochnen, wilden Qualen.
Das also ist das Ende . . .
und sollte sonnentrunken,
aus laubumrankten Bechern, unter Düften
und Melodieen, Zug um Zug,
gekostet sein. – Wie deine Hände
durch Finsternisse nach mir tasten,
wie uns der Sturm umjohlt!
Der Sichelmond durchschlitzt die Fahnen
des schwarzen Himmels.
. . . Du gehst, . . . ich kann es nicht ertragen,
. . . und sehe – wie du immer ferner bist,
und presse meine Fauste an die Schlafen,
weil unter Weh und Jammer und Entsagung
mein Blut wie unter Hämmern braust.
Und reiße schrill in Raserei und Tränen
Wahnsinnsmusik aus den zersprungnen Saiten
unsrer Liebe.


Aus Tiefen.

Das ist es eben,
was mich so maßlos quält,
dies rollende Einerlei,
dies Grau in Grau . . .
Das ist es eben,
was meine Seele so müde macht,
was sie in ihrem Geduldsamsein
so stumpft und zermürbt . . .
Das ist es eben,
dies ewige Händetasten,
dies ruhlose Unterwegssein
nach einer einzigen, reichen,
geheiligten Stunde . . .


Der Herbst.

Fern hing ein fahler Schleierzipfel
des frühen Abendnebels schon
vor Tal und Stadt und Strom. Die Wipfel
der Kiefern weghin aber tranken
noch volle, breite Strahlenglut.

Das nackte Knie von Brombeerranken
kaum aufgehalten, warmen Blicks,
landab sah ich ihn niederschreiten,
sah ich ihn selbst . . . den Herbst.
Ein Rabenkrächzen strich in Weiten
ihm gierig nach. – Doch unbewegt
hielt hoch er über seinem Haupt
in sonnenbraunen, starken Händen
den reichen, früchteschweren Korb.
Ein Band mit roten Flatterenden
war durch das weiche Bastgeflecht,
um Blättergrün und blaue Traube,
voll Zier gewunden . . . und im Wind
griff es der Männerstirn, dem Laube
des Scheitelkranzes züngelnd nahe.


Auf dem Kartoffelacker.

Sturm und Sonne. Lindenblättergold
bis ins Feld geblasen.
Müde Hände halten schoßgelegt
Mittagsrast. Im Rasen,
furchenlängs, tollt barfuß Kindervolk,
blonde Zöpfe fliegen.
Und am Hange, – zwischen dürrem Kraut,
Korb und Hacke, – wiegen
Mutterarme kleinen Unschuldsschlaf.


Leben.

Wir trafen uns früh
und durften doch eins mit dem andern
nicht wandern.

Du liefst nach Ost
in das lohende Sonnenfluten,
ins Gluten.

Ich schweigsam nach West.
Noch blühten aus dämmernder Ferne
zwei Sterne.

Um Mittag, zur Rast,
blieb ich hochaufatmend stehen,
die Höhen

des Sehnens erreicht.
Doch immer nach dir die Schmerzen
im Herzen.

Wir haben uns nicht
durch all des Tags lange Stunden
gefunden

und sinkt nun allein
ein jedes, gebeugt vom Kummer,
zum Schlummer.


Kahnfahrt.

Dein Kleid war lichtblau
wie der Septembertag,
der über dem Parkteich lag.
Du hattest den Hut im Schoße, –
dein Haar sprang lohend im Wind, –
und träumtest . . . die Ruder lose.
Aus Linden und Weiden fiel
dir Blatt um Blatt auf den Nacken,
du träumtest . . . und immer
trieb trunken, trieb wie berauscht vom Schimmer
im Tanz ein Libellenpaar
um dein lohendes, goldrotes Haar.


Bruch.

Milchiges Abenddämmern,
in den Kiefern kein Laut.
Nebel, der über dem fernen
sandigen Flußtale braut.

Seltsam: aus deinem Fenster
glutet ein rotes Licht,
wie das brennende Auge
in verweintem Gesicht,

um meine zögernden Schritte
sickert der blutende Schein.
Seltsam! . . . Doch kann eine Brücke
nie mehr zwischen uns sein.


Heimat.

Von einem bluterglühten Schleierstreif
der Abendröte löst sich eine Kette
blaßroter Wölkchen. Und der Kirchenturm
lugt hinterm Wald in zarter Silhouette.

Rings Einsamkeit, kaum noch ein Vogelflug,
goldreifes Korn und dann die weite Heide.
– Mir bleibt dies Bild, nun ich nach Perlen aus
im großen Strome uferruhlos gleite.


Frage und Antwort.

Er schwieg und nahm die Hände vom Klavier.
Die schwarzen Augen warfen ihre Brände,
– ich fühlte sie – nach mir. – Den Julihimmel
verdunkelten Gewitter. Johlend sprang
der Sturm schon in die Eichen. – Mir war schwül.
Ich zupfte eine Blüte roten Mohns
in meinen Schoß. – Noch riß die Melodie,
die wilde, leidenschaftverworrene,
von seinem Liebeslied durch meine Seele.

Die ersten Donner gingen übers Tal,
jäh war der Raum voll Nacht und an den Scheiben
zerprasselte der Regen. – Ich stand auf,
die Purpurblätter streuten auf den Teppich.
In jener Unrast, die mich schon als Kind
bei schweren Wettern durch die Zimmer trieb,
trat ich zu ihm. Die schwarzen Augen warfen
mir Schlingen, wieder schlug er auf den Tasten
die heiße Frage seiner Liebe an . . .
Ich aber sank ins Knie und mit der Stirn
auf seine Hände, daß im Mißakkord
die Saiten gellend auseinanderschrieen.


Freund,

du duckst durch irre Gassen
und hast den Tag verlassen . . .
verlernt
den stolzen, steifen
Trotzwillen im Genick:
emporzugreifen
und Sonnen zu umfassen.

Du duldest dein Geschick
anstatt es frei zu hassen
mit blutdurchjauchztem Blick . . .,
und immer neu
und wieder neu
in Gegenwucht und Stürmen
die Ziele aufzutürmen.


Gewährung.

Auf Lumpen dein Bett. Nachtstürme wälzen
durch Scherben und brockenden Stein.
Verknisternder Docht. – Frost frißt sich dir schneidend
in Herzschlag und Adern ein.

Jäh springst du aus lähmendem Schlaf. Mich schüttelt
dein lechzender Schrei: »Gib Wein!«
Und du bleichst . . . Schon bietet ein andrer den Becher,
die Hand blinkt in beinernem Schein.


Nacht.

Als ich von deinen Lippen noch
das Leben trank,
was war mir Nacht?
In deinen Augen flammten meine Sterne,
mein Frieden lag in deiner Kraft.
Was war mir Nacht?
Aus meiner Seele sprangen tausend Quellen
und nie erschöpfte Melodieen
umkränzten sie wie duftendes Geranke.
Was war mir Not,
was Bitternis, was Ende?
Mit meinen Wünschen stand ich sonnbekleidet,
weltwindbeschwingt,
und hielt den Tag in stolzen, warmen Händen,
endlosen Tag.
Als ich von deinen Lippen noch
das Leben trank . . und nun?
Ich bebe vor der Nacht
und weine in die Finsternisse
um einen Stern,
ein Lächeln deiner Liebe,
um eine Stimme dieser uferlosen Nacht.


Mein Lieblingsweg.

Ein schlechter Dorfweg nur, vom Regen weich,
rechts Feld an Feld, – schon leer, und links ein Teich,
den Grünschlamm überzogen. Wind im Laub
der Weiden – und die Ferne nebeltaub.
Ein armes Fleckchen Land, die Hauser klein
und dürftig im Gerank von wildem Wein.
Die Gärten nur voll Kinderspiel und Klang,
sonst alles still . . . kein Schritt . . ., ich stets allein.
Doch ist dies Tag für Tag mein liebster Gang,
schon einen Frühling, einen Sommer lang.


In Erwartung.

Der Lindenbaum am Tore trägt
ein letztes Blättchen – reifbelegt –
im allerhöchsten Wipfel.

Und tändelt es voll Übermut
dem Kutscher auf den Lodenhut
als kleinen, gelben Falter.

In Morgenfrost und Nebeltau
erwarte ich die blonde Frau,
in stiller Vorstadtstraße.

Das Haus liegt noch im tiefsten Traum.
Der erste Tagschein greift sich kaum
durch die Novemberwolken.

Noch regt kein Hauch des Kahlgerank
des wilden Weines zaunentlang,
es starrt wie festgefroren.

Ich quäle meinen Blick ins Grau,
voll Sehnsucht nach der blonden Frau,
nach ihren kleinen Schritten.

Sie hatte mich so früh bestellt
zur Hasenhetze auf ihr Feld –
und läßt mich nun hier warten?

»Auf, einen Peitschenschlag, Johann!
– So recht.« . . . Schon fängt ein Kerzlein
die Zimmer zu durchtappen,

die Treppe ab, – im Flur entlang.
Und schon lockt frischer Stimme Klang
die Hunde aus den Ställen.


Genie!

Jäh rollt dein Lauf
im Flug – im Sturz,
ein Feuerball,
dem ich mich klammern möchte. . . .
Weltjauchzend strömt
die ungebändigte,
entzückte Kraft,
der ich mich bürden möchte . . .
Geballter Sturm
springt deine Seele
aus Niederwurf
und aus Askese,
ein Donnerlauten
dem ich mich schmelzen möchte . . .


Auftrieb.

Ich zünde meinen Geist
zu wogender Flamme
und trete aus der Wildnis
durchlittener Träume in Tag.
Ein Tag, der meine Welten
grausam zerschlagt
und alle Brücken zurück
mitleidlos splittert . . .
Ich stoße die letzten Hände,
die meine Kindlichkeit führen
von mir . . . Ein Schrei in die Weite,
Lichtchöre ihm tausendfach Antwort,
die Meere strömen mir zu,
bewegte Himmel kreisen
in Ewigkeitsrund um mein Hirn.


Befreiung.

Die Nacht glomm dunstig. Ein rieselnder Regen wob.
Ich ging allein, Gedanken wie purpurne Schlingen
um dich – und dir nach – durch die Zeit. – Novembersturm stob
in die schwarzen, schlafenden Straßen. – Mich fror. – Ein Klingen
von Männerschritt auf dem Pflaster . . und schattenhaft hob
sich eine Gestalt von der Mauer. Den Hut
tief über den Augen warst du es . . . du!
Ich warf mich dir jauchzend entgegen, mein Blut!
sang rauschend, mein Herz schrie dir zu . . . du!

Wir liefen trunken in Nacht und Regen hinein,
die starrenden, nassen Hände verflochten
mit jähem, seligen Stillesein.
Vom Stromtal wühlten und kochten
die Nebeldämpfe herauf. Im gelben Schein
verschwimmender Bahnhofslaternen sah ich den schmalen
goldblitzenden Ring deiner Rechten . . . sah dich . . .,
du lächeltest nieder..., nicht Beichte, nicht Reue, nicht Qualen:
Wir hatten uns nie geküßt, doch nun küßtest du mich.


Mannesmittag.

Durch meine Seele rauscht es wie ein Sturm
und wie Gesang.
Die Welt ist ausgelöscht
in blauen Weiten.
Ich ruhe – eine Andachtsstunde lang. –
Seitab mein Kinderland,
Gewölk steht tief darüber,
– und blind die Zukunft,
ohne Bild und Stimme.
In meiner Seele regt es sich wie Schwingen
und eine sonnenhelle Blüte schließt sich auf.
Was auch dahinten liegt,
was meine Sinne noch nicht fassen:
ich hebe meine Hände
jauchzend in den Tag.


In Gewalt.

Unaufhörlich siebte
Regen übers Feld.
Unser Fenster hatte
Dämmrung dicht umstellt.

Aus dem Nebenzimmer
rief ein Papagei
schläfrig das gelernte
ewige Einerlei.

Eine rote Dahlie
trugest du im Haar,
die dem Beet vom Sturme
weggerissen war.

Immer hin und wieder
ging dein harter Schritt,
meine Blicke liefen
hungernd, bettelnd mit.

Meine Hände langten
wirr nach deinem Kleid,
. . . sanken jäh . . . du brachtest
Spott der Duldsamkeit.


Herbstgesicht.

Das Land dehnt fahl.
Am Horizont lehnt schläfrig,
in Nebel eingesargt,
die Stadt.
Der Tag rinnt schal.
Blutleere Hände streifen
die Wipfel kahl.
Den Himmel lischt
Gewölk – Gezott:
erschlaffte Greise,
die sich auf Krücken krümmen
zu schwerem Trott.


Heimbegehr.

Nur eine Stunde und du gehst im Morgenschein,
kannst du die eine Stunde nicht geduldig sein?
Kannst du die heißen Hände nicht in Andacht falten
und deiner Erdenwünsche Flug und Flattern halten?
– Nur eine Stunde und du gehst durch ewigen Tag.

Noch rauschen dunkle Ströme durch die Niederungen,
wo deine Seele wohnt. Die Saiten sind zersprungen,
darauf sie ihrer Jugend rasche Lieder griff.
Nur eine Stunde und der Fährmann löst sein Schiff.
Nur eine Stunde und du stehst in ewigen Sonnen.


Traum.

Ich sah deine Kinder tanzen,
mit braunen, zierlichen Beinen,
die beiden Kleinen,
krausköpfigen Kecken,
in lichtblauen, flatternden Röcken.
Hielt eines das andre umfangen
und sangen
aus vollen Kehlen dabei.
Trug jedes auf runder Stirn einen Kranz,
beim Tanz,
von Gräsern, Kornblumen und Glocken
– und sahen selber wie Kornblumen aus,
ein loser, leuchtender Strauß.
Auf einmal kam mir ein anderes Bild,
-ich sah dich selber im Schnee,
barfuß, in Lumpen, bettelnd, verfroren,
die Ohren
von borstigem Weißhaar umkraust.
An dünnem Handgelenk hing
dir welk und zerzaust
ein Kränzlein von Glockenblumen,
das bargst du, – lächelnd aus Scham, –
vor Frost und Geflock,
mit zitterndem Griff im Rock,
– die alten, treuen Augen voll Gram.


Enttäuschung.

Die Winkerabendsonne streut
blaßrote Rosen übern Tisch,
die sich am Silber des Bestecks
und im Kristall der Glaser widerspiegeln.
– Ein Stundenschlag geht durch den Raum,
so schwer und dringlich, daß die Gräfin
das Unrastspiel der weißen Hände
– im Schoß – jäh unterbricht und noch einmal
das schwarze, schwere Lockenhaar
von Stirn und Schläfen streicht und heißen Blicks
die Gartenwege überhastet.
Schon drängt die Dämmerung den Tag
mit breiten Schritten aus dem Saal –
und auf dem Gold der Sessellehne,
am Fenster, lischt sein letztes Licht.
. . . Unhörbar fast, ein wenig scheu,
tritt aus dem Vorgemach ein Page
und steckt den sieben Tafelkerzen
ein gelbes Flackerflämmchen an,
und reicht auf silbernem Tablett der Gräfin
ein hastbeschriebenes Papier,
das sie voll Unmut liest, . . . es wieder liest . . .
und zornerrötend knüllt.


Dir nach.

Ich suche dich durch bleiches Dämmerschweigen.
Wind schiebt den Himmel. Stumpfe Wolken neigen
sich schwarz und schwer und schwerer auf mich nieder.

Ich suche dich, . . . mein welkes Leben kältet . . .
und immer tiefer, starrer, fahler faltet
Schneewucht und Nacht und Wirrnis auf mich nieder.


Verwaist.

Die Lichter brannten um den Sarg
von dreißig Kerzen, die ich zählte,
erstarrt in Schmerzen zählen mußte,
denn meine Seele war zu Stein
geworden, als du gingst,
das erstemal allein – und ohne
mich mitzunehmen.
Schon tropften aus dem Dahlienkranz,
den deine Schüler hingelegt,
samtweiche Purpurblättchen auf den Marmor.
Und in den steifen Schleifen knisterte
der Wind, der in die offne Halle
verdorrtes Herbstlaub fegte. –
Wer um mich kam, wer ging,
wer mit mir sprach – ich weiß es nicht,
auch nicht ein Trostwort mehr des Geistlichen.
Ich sah nur unsres Kindes
lichtblondes Köpfchen mir am Knie,
die dunkelblauen Veilchenaugen
unsagbar ernst emporgerichtet.


Novembermorgen.

Tief schleppt der graue Mantelrand
des Wolkenhimmels überm Land
und tief in Hof und Mauern.
Herbstregen wäscht schon tagelang
das Pflaster und die Dächer blank,
siebt mir ins offne Fenster.

Nach einer schwül durchtanzten Nacht
im Burschensaal der »Teutschen Wacht«,
– in Vorstadtgärten draußen –
und nach dem Weg durch Schmutzgerinn
im Feld, mit meiner Tänzerin,
kam ich erst spät nach Hause.

Noch sehe ich das Kraushaar dicht
ihr liebes, kleines Braungesicht
wie Glorienschimmer rahmen.
Noch fühle ich den zagen Arm
und ihre Kinderküsse warm
auf meiner Wange tasten.


Heilung.

Ich kam an einem Dezembertag,
der wetterdunkel und bleiern lag.
Die Wolken wuchsen bis in dein Herz.

Du grubst dich in Selbstqual und Einsamsein,
auf deiner Stirn schon den Marmorschein
erkaltender Kraft und Lebensverzicht.

Mein Gruß riß dich hoch und noch einmal in Brand.
Du küßtest mir gierig vom Wimpernrand
den perlenden Regen . . . und ließest mich nicht.

Der Abend sank rasch Ich bot dir das Glück
und zwang dich ins lodernde Wünschen zurück –
– und ging. . . . Wir sahen uns nie mehr wieder.


Schnee.

Aus dem winterverschlafenen
Gassengeduck
in die Felder!
– Aber wohin?
Wohin du hämmerndes Herzverlangen?

Die Ferne ist ausgelöscht,
nur noch Schnee . . .
sickernde, wirbelnde Wellen,
wie ein stilles,
weißes Händefalten
über der Flur.
Dezemberdämmern
spannt tief
den schmutzgelben Himmel
. . . Wohin du bettelnder Wunsch?
Noch einmal mit sinnendem Lächeln
den fröhlichen Garten suchen,
da meine Liebe
in Lenz und Sonne
geblüht?
Noch einmal
den Sommer entlang,
den goldschwülen, seligen Sommer
durch singenden Tag
und silbertrunkene Nächte
traumspielen?

Ach du, du.
Grausamer, Holder,
wenn ich deiner gedenke,
und all der heimlichen,
heißen Stunden,
fühle ich wieder
wie meine Schläfe
an deine Schulter sinkt;
dein glühes Anmichdrängen,
deinen Atem
auf meinem Gesicht –
und wieder
die schmeichelnden,
weichen Hände
mein Haar liebkosen, . . .
höre ich wieder
die dunkelsamtene Stimme
meinen Namen flüstern . . .

Du Einziger,
dem meine Seele
sich bis zum tiefsten gegeben,
du, du,
wenn ich deine Schritte wüßte,
ich käme
durch Dunkel und Sturm,
durch Not und Winter
dir nach,
immer dir nach! . . .


Zwischen Gräbern.

Laternenschein
kriecht um die Straßenecke,
blaß, – blasser, – bis das Schwarz ihn frißt.

. . . Ich möchte Silber sein,
der Tanz des Mondes
an dunkelblauer Nacht . . .
Du folgst mir nach,
dein Schritt klingt auf dem Pflaster, . . .
ich möchte Lilie sein.

Nein, das ist Irrtum, daß ich eben
dein Sterben sah, – das Blut
wie in Korallenschnüren
an deinem weißen Hals.
Nein, das ist Irrtum, daß dein Leib,
dein Heller Leib
in Krämpfen niederbrach.

. . . Dein Fuß ruft hinter mir . . .
Ich möchte Schneefeld sein,
den Sonnenpurpur
dir tausendfach entgegenblühen.
Ich möchte Flamme sein
und blitzgeschliffner Stern.

Der Strom rauscht aus dem Dunkel,
dein Schreiten stockt . . .
der Fluß wirft seine Arme
nach dir . . .

Nein, das ist Irrtum, daß ich wieder
dein Sterben leiden muß,
daß deine Stirn
aus Fluten bleicht . . .
Nein, das sind Wahngesichte!

Wir gingen gestern . . . oder schon
vor Jahren? . . . unter Sommerbaumen
still auseinander,
weil deine Seele
der Welten müde war,
der Leidenschaft und Stürze . . .

Nun trage ich die stumpfe Angst
durch Traum und Wachen,
du könntest dir und mir
dein Leben stehlen. –


Erhebung.

über die Gipfel
geigt meine Stimme,
über den Stürmen
harft mein Gesang.
Über die Meere,
jäher als Flüge,
rollt meiner Sprache
flammender Ball.
Über euch alle,
Taltagsgemüter,
stärker als Chöre
donnernder Ströme
jauchzt meiner Kehle
schmetternder Blitz.