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Maoi Milalis : Die Freundin.

Erzählung

»Was würden sie sagen, Miss R., wenn ich um Mitternacht mit einem Tranchiermesser bewaffnet, neben Ihrem Bett stände?«
Und das vertrauensselige junge Mädchen antwortete: »Wenn es ein anderer wäre, Mr. Williams, würde ich vor Entsetzen außer mir sein. Doch sobald ich Ihre Stimme hörte, wäre ich ganz beruhigt.«


aus: Thomas de Quincey, Der Mord als eine schöne Kunst betrachtet.


I

Es war Sommer, als ich ein nettes kleines Café in Inverness entdeckte, das ein paar reseda-lackierte Bistrotische und zierliche Stühle mit Korbbespannung in etwas lichterem Ton auf den engen Bürgersteig vor die große, ebenfalls leicht grünlich getönte Schaufensterscheibe gestellt hatte, auf die in großen ockerfarbenen Lettern schwungvoll Café Melinda gemalt war; locker umrahmt von bunten Frühlingsblumen, und dahinter die Torten und das Gebäck für jeden Vorbeikommenden verlockend nah. Ich freute mich, denn diese Entdeckung bot ein wenig Abwechslung, in der sonst grauen und recht biederen Stadt.

Ich setzte mich an den einzigen freien Tisch, lehnte mich zurück und genoss die letzten Sonnenstrahlen dieses ungewöhnlich warmen Herbsttages. Sinéad, die seit Juli hier bediente, brachte den Cappuccino, ohne dass ich ihn hätte bestellen müssen, und stellte ihn mit einem Lächeln vor mich auf den Tisch. Mir gefiel ihr Lächeln. Ich blickte ihr nach, als sie wieder zurück zur Theke ging, betrachtete ihren blonden Pferdeschwanz, der lustig hin- und herschwang und ihren zierlichen Nacken und ihre nackten Schultern umspielte, ihre schmalen Hüften und langen Beine, die Härchen, die im Sonnenlicht auf ihren Unterarmen vorwitzig schimmerten. Ihr burschenhafter, kräftiger und doch graziler Körper bewegte sich geschmeidig.

Ich holte de Quinceys Der Mord als eine schöne Kunst betrachtet, den ich vor ein paar Tagen in einem kleinen unscheinbaren Antiquariat ein paar Straßen von hier in einer edlen alten Lederausgabe gefunden hatte, aus meiner Umhängetasche und begann zu lesen. Ein Schatten fiel über die Seiten und dieser zarte alte Duft von L'Air du temps, vermischt mit ihrem ganz eigentümlichen - er erinnerte mich an Muskatblüten, stieg in meine Nase. Ich brauchte nicht aufzusehen, es war Sinéad. Ich schloss das Buch in meinem Schoß und ließ meinen Blick nun langsam über ihr T-Shirt, wie sie sich über den Tisch gebeugt hatte, nach oben gleiten; ein paar Sommersprossen und ein bezauberndes Lächeln empfingen mich, als ich ihren warmen Atem nahe an meinem Gesicht spürte.

»Was ist, Sinéad,« sagte ich in neckend fragendem Ton, »habe ich etwa gestern vergessen meinen Cappuccino zu bezahlen?« Sie lachte, kräuselte kurz ihre Nase, richtete sich auf und sagte leise und schnell, »Ich habe mir ein paar Tage frei genommen, ich möchte diese Tage gerne mit dir verbringen« und wirkte dabei sichtlich nervös und unsicher.

In Sinéads Gegenwart habe ich mich von Anfang an gut gefühlt, ein warmes leichtes Gefühl, wenn ich im Café saß, sie lächelte, wir uns über dies und das unterhielten, wenn gerade keine Gäste zu bedienen waren und ich ihren kleinen Gesten folgte, die ihre Reden immer begleiteten. Einmal sind wir zusammen am Fluss entlanggegangen, sie hatte an dem Tag frei, aber extra auf mich im Café gewartet, da sie ahnte, dass ich kommen würde, und wir haben den ganzen Tag schrecklich herumgealbert und uns über unsere Männer amüsiert, bevor ich zurück nach Elgin fahren musste. Zum Abschied hatte sie mir mit einem Finger langsam über meine Nase gestreichelt und mich dabei ganz lieb angesehen, aber sie hatte nichts gesagt und sich schnell zum Gehen umgewandt, als der Zug anfuhr. Damals bin ich etwas verwirrt über diese Geste und mein Gefühl im Zug gesessen und habe noch oft daran gedacht, besonders wenn Henry wieder einmal seine groben Launen an mir ausließ.

Ich starrte sie noch immer an und meine Gedanken überschlugen sich.

Henry war seit drei Tagen auf Geschäftsreise, wie er sagte, aber ich wusste auch und er machte kein großes Geheimnis daraus, dass er ein paar Tage über das Wochenende anhängen würde, um sich mit den käuflichen Damen in London zu amüsieren. Es machte mir nichts aus - nichts mehr aus. Unsere Ehe hatte seit langem ihren Glanz verloren, wenn sie ihn überhaupt jemals besessen hatte, was mir rückblickend fragwürdig erscheint; ich war jung und verliebt gewesen - wie ich meinte - mit meinen sechzehn Jahren, aber ich hatte schon bald die Illusion an ein liebevolles Gemeinsames verloren, als er mich zu schlagen begann, sich mit anderen Frauen traf und oft erst spät in der Nacht, eingehüllt in eine abstoßende Wolke billigen süßlichen Parfüms, Schweiß' und Biers sich neben oder - was öfter vorkam - auf mich warf.

Seine Reisen hatten mir einen kleinen Freiraum und Ruhepunkt geschaffen, für kurze Zeit zu verdrängen, ich selbst sein zu können. Und ich fühlte, dass ich diesen Freiraum jetzt nutzen werde.

»Gerne,« sagte ich, »und wo?«

»Ich rufe dich an,« erwiderte sie, eilte ins Café, holte ihr Handy, notierte sich meine Nummer und wandte sich um.

Das Schlagen der Kirchenglocke riss mich aus meinen Gedanken und der Lärm der Straße und die Hektik der Menschen drang auf einmal an mich.

Der Cappuccino war kalt geworden. Ich trank einen Schluck, legte etwas verwirrt den de Quincey in meine Tasche und verließ das Café. Diesmal hatte ich wirklich zu zahlen vergessen.

Ich schlenderte durch die Einkaufsstraßen von Inverness, da ich bis zur Abfahrt des Zuges noch Zeit totschlagen musste, besah mir die Auslagen und verweilte vor einer Boutique mit Dessous. Traurig wanderte mein Blick über die mit Spitzen besetzten Teile und blieb an einer sportlichen einfachen Kombination aus weißer Baumwolle hängen. Ich spürte wie neben der Traurigkeit Wut aufstieg, Wut über mich, Wut auf ihn. Entschlossen und selbstbewusst wie schon lange nicht mehr betrat ich das Geschäft.

Feinstgekämmte Baumwolle, nicht besonders sexy weder der Slip noch das Oberteil. Ich ging in die Anprobe und besah mich im Spiegel. Meine kleinen Brüste hätten so viel Halt, wie es das Top bot, nicht nötig, grinste ich amüsiert in den Spiegel, aber es gefiel mir. Unter meinen Achseln und im Schritt quollen die Haare. Mir wurde schlagartig bewusst, wie lange ich schon nicht mehr auf mich geachtet hatte. Wofür auch? dachte ich innerlich seufzend.

Ich zog mich wieder an und ging zur Kasse. Es war sündhaft teuer, aber ich schob diese Gedanken schnell beiseite. Vor der Heimfahrt nach Elgin ging ich noch in eine Drogerie und kaufte auch noch etwas Obst und Gemüse.

Das eintönigen Schaukeln des Waggons lies mich vor mich hin dösen und ich lauschte schläfrig den regelmäßigen Schlägen der Schienenstöße.

Das Wasser in der Wanne war angenehm warm und der Raum erfüllt von Rosenduft des Schaumbads. Ich lehnte mich in der Wanne zurück, schloss die Augen und grübelte über die letzten Stunden nach. Ich mochte Inverness trotz der verstaubten Atmosphäre, die alten Fassaden und schmalen Häuser, die kleinen Geschäfte, liebte es an der Ness entlangzulaufen, genoss den Blick über die sanften Hügel.

Warum hatte ich Sinéad so angestarrt? ging es mir durch den Kopf. Diese Frau verwirrte mich, es war ihr Lächeln, ein engelhaft unschuldiges und zugleich … etwas Teuflisches und Trauriges lag in ihren Augen.

Ich verrieb den Schaum auf meinen Brüsten und dachte an mein Spiegelbild in der Anprobe. Ich setzte mich auf. Die Einkaufstaschen lagen in der Küche. Ich stieg aus der Wanne, lief schnell durch den Flur und holte mir die Rasierer und das Gel. Wieder in der Wanne besah mir grinsend die feuchten Abdrücke auf dem Teppichboden, die von kleinen Schaumrändern begrenzt waren. Wenn Henry jetzt da wäre, bekäme er einen seiner Wutausbrüche, dachte ich amüsiert. Ich freute mich über meinen kleinen Ausflug.

Bevor ich in den Bademantel schlüpfte, wischte ich schnell mit der Hand über den großen Badezimmerspiegel, der angelaufen war, und betrachtete ich mich, die Veränderung gefiel mir, ich fühlte mich wohl.

Ich zog das Kissen und die Decke ab, suchte den Satinbezug und das dazugehörige Laken, machte das Bett auf meiner Seite, warf seines über die Kante und kuschelte mich mit meinem de Quincey hinein. Ein leichter angenehmer Schauer lief durch meinen Körper, als der kühle, weiche Satin über meine Haut, die Brustwarzen und meine Scham glitt.

Die gruselige Grausamkeit des Stoffes bei de Quinceys Essays, die Ironie, die durch seine in den Vordergrund gerückte Ernsthaftigkeit noch mehr Gewicht bekommt, faszinierten mich. Der bloße Mord, das ausgiebige Blutvergießen, empfinde ich langweilig und ekelt mich geradezu an.

Und wieder kam mir Sinéad in den Sinn. War es Zufall, dachte ich und steckte das Buch unter mein Kissen, auch sie liest de Quincey, durch sie bin ich auf dieses Werk gestoßen, und noch dazu dieses recht seltene und ausgefallene Stück englischer Prosa. Ich schloss die Augen und rutschte ganz unter die Decke. Wie alt mag sie sein? Vielleicht ein zwei Jahre jünger als ich, vierundzwanzig, fünfundzwanzig. … mit diesen und ähnlichen Gedanken schlief ich ein.

Als ich erwachte, war es nebelig und ich spürte die Kälte durch die geschlossenen Fenster. Ich kleidete mich eilig an, zog den weiten Wollpullover aus dem Schrank, den Henry so hasste, weil er so an mir herumschlabbere, sagte er und bereitete mir mein Müsli.

Mit angezogenen Beinen, die Arme um sie geschlungen und mein Kinn auf die Knie gestützt, hockte ich auf dem Stuhl und fixierte das Mobiltelefon auf dem Küchentisch. Und als wäre es Gedankenübertragung: es klingelte. »Ja.« Nach einer Weile hörte ich ein verschlafenes »Hallo« in der Leitung.

»Guten Morgen, Sinéad,« prustete ich fröhlich heraus, da mir bewusst war, dass sie soeben aufgestanden war, und es bereitete mir in diesem Augenblick einen Riesenspaß laut und fröhlich zu wirken.

Eine Weile hörte ich nichts und ich dachte schon, dass die Leitung unterbrochen wäre, aber dann sagte sie nochmal, »Hallo. Wie spät ist es?«

»Halb neun,« gab ich zurück.

Wieder herrschte lange Stille, dann fuhr Sinéad fort, »Ich bin gestern noch spät am Abend in mein Ferienhaus gefahren. Hast du Lust schon heute zu mir zu kommen?«

Es ist Donnerstag, vor Sonntagabend würde Henry nicht zurück sein, überlegte ich rasch. »Ja, warum nicht. Und wohin?«

»Nach Broadford.«

»Ah ja, und wo liegt das?«

Jetzt lachte auch sie und ich sah ihr strahlendes verschmitztes Lächeln und ihre Sommersprossen vor mir, »Auf Skye.«

»Ich hab' kein Auto, wie soll ich dahin kommen?«

Sie überlegte kurz, »Nimm den Zug nach Kyle de Lochalsh, ruf mich an, bevor du ankommst, ich hole dich ab. Okay.« Ich hatte keine große Vorstellung wo Kyle de Lochalsh liegt, sagte aber »Okay.«

»Okay, also bis dann. Beeil' dich, ich freue mich auf dich,« sagte sie noch, bevor sie auflegte und wahrscheinlich umgehend wieder ins Bett stieg.

Ich betrachtete noch ein Weile, überrascht über meine Spontanität, die ich schon verloren glaubte, mein Handy, bevor ich die Klappe schloss. Ich machte schnell ein wenig Ordnung, bezog die Betten, verstaute die Satinbezüge zu unterst im Schrank und wählte die Zugauskunft. Gegen halb drei würde ich in Kyle de Lochalsh sein. Ich überlegte, ob ich etwas einpacken sollte, aber dann sagte ich mir, sie hat die gleiche Figur wie ich, also wird sie mir schon was geben können.

II

Die Fahrt nach Kyle de Lochalsh an die Westküste war eintönig. Ich konnte wegen des dichten Nebels, der über dem Land lag kaum etwas von der Landschaft erkennen und das Rattern und Rütteln des Bummelzuges gingen mir diesmal auf die Nerven.

Gegen zwei Uhr rief ich Sinéad an. Sie war bereits am Bahnhof, da sie sich ausgerechnet hatte, welchen Zug ich von Inverness aus nehmen würde; sie machte am Telefon jetzt einen überaus heiteren Eindruck. Ich hingegen war nervös. Meine Spontanität, über deren Rückkehr ich mich am Morgen noch so gewundert und gefreut hatte, war Ängstlichkeit und Unsicherheit gewichen, in der ich die letzten Jahre gelebt hatte.

Kyle de Lochalsh war Endbahnhof. Die Menschen hasteten zu den Türen und drängten nach draußen. Ich blieb sitzen und wartete, bis der größte Ansturm vorbei. Als ich langsam den Bahnsteig entlang ging, kam mir Sinéad schon entgegengelaufen. Sie trug Bluejeans, weiße Nikes und einen ebenso weiten Wollpullover wie ich. Sie musste es wohl auch bemerkt haben, denn sie grinste mich an und meinte, »Na Schwesterchen.« Sie umarmte mich und drückte mich fest an sich. Ihre Lippen ruhten an meinem Hals und ich spürte angenehm ihren feuchtwarmen Atem.

Nachdem sie mich wieder losgelassen hatte, fragte ich sie, »Sag' mal, fällt dir gar nichts auf?«

Sie hielt mich an den Schultern mit ausgestreckten Armen, betrachtete mich jetzt bewusst, fast provokant, von oben bis unten und sagte bedächtig, »Doch, du hast Nikes an, Bluejeans, einen dicken Pullover wie ich, ein süßes Lächeln auf deinem Gesicht, leicht zerzauste Haare, und … riechst gut,« wobei sie sich leicht nach vorne beugte, »und …« sie machte wieder eine kleine Pause und fuhr kichernd fort, »… und in weiser Voraussicht nichts anderes mitgebracht, als ich jetzt aufgezählt habe.«

Wir beide lachten und ich schmiegte meinen Kopf kurz an ihre Schulter.

Sie nahm mich am Arm und wir gingen zu ihrem Auto, einem alten mit Roststellen übersäten roten Mini. Sie muss meinen überraschten Blick aufgefangen haben, denn sie zuckte nur die Schultern und meinte, »Aber er fährt.«

Die Fähre kam bald und die Fahrt, die wir schweigend verbrachten, dauerte nicht lange. Sie wohnte in einem kleinen Steinhaus ziemlich abgelegen außerhalb von Broadford.

»Willkommen bei Sinéad,« intonierte sie, als sie die Tür aufgesperrt hatte. Ich schenkte ihr ein liebes Lächeln und bedankte mich mit einer übertriebenen Verbeugung, bevor ich hineinging.

Der Raum war riesengroß. Und es war herrlich warm, dass ich die feuchte Kälte draußen rasch vergaß. Im Kamin war noch eine gute Glut, aber Sinéad legte ein paar große Scheite nach, die schnell Feuer fingen und heimelig zu knistern begannen. Sie holte aus einer kleinen Kammer im Hintergrund eine Platte mit Käse und dunklem Brot und stellte es auf den massiven Holztisch. »Komm, ich bin furchtbar hungrig.«

Sie zog ihren Pullover aus, wobei sich das T-Shirt, das sie darunter trug bis fast zu ihren Brüsten hob, ein reizvoller Anblick, ging es mir durch den Kopf und ein warmes Gefühl durchfloss plötzlich meinen Körper, und setzte sich auf die Bank.

Ich rieb meine Hände noch ein wenig vor dem Kamin und setzte mich neben sie.

»Ich will dir jetzt - jetzt sofort - etwas erzählen, Sara,« begann sie kurz und ernst, während sie mir eine Scheibe Brot mit einem Stück Schafskäse reichte.

»Ich habe Vertrauen, nein das ist es nicht, was ich sagen will, ich fühle mich … wohl … zusammen mit dir, obwohl wir uns noch nicht lange kennen.«

Eine lange Pause folgte, während sie mich beständig ansah.

»Ich bin verheirate, so wie du, das weißt du« fuhr sie langsam fort, sie nahm meine Hand in die ihre und besah sich meinen Ehering, »und wenn mich mein Gefühl nicht täuscht, geht es dir fast ebenso wie mir. Ich hasse ihn, so wie du ihn hasst, obwohl wir nie direkt darüber gesprochen haben.«

Ich senkte meinen Blick; ich dachte an Henry, ich hatte ihn tatsächlich über die Jahre hassen gelernt.

Sie lehnte sich zurück und aß ihr Brot zu Ende. Sie fasste abermals meine Hände und fuhr fort, »Ich rede nicht lange herum. Sara. Ich werde ihn umbringen. Und ich brauche deine Hilfe.«

Ihre Worte trafen mich, ich hob meinen Blick und sah sie an, aber war unfähig, irgendetwas zu antworten oder nur zu reagieren. Meine Gedanken spielten verrückt. Fragen, die ich mir selbst schon aber und aber mal gestellt hatte und auf die ich keine Antwort wusste, keine Lösung fand, wirbelten durch meinen Kopf. Wie lange hatte ich mich selbst schon mit diesem Gedanken getragen, schon in Gedanken alles durchgespielt? Der ganze Schmerz der letzten Jahre stieg plötzlich in mir auf - Hilflosigkeit, Zorn, Verzweiflung - meine Augen füllten sich mit Tränen. Sie beugte sich zu mir und nahm mich still in den Arm.

»Sieh her, Sara,« sagte sie nach einer Weile, stand auf, stellte sich vor den Kamin und zog sich aus; sie war wunderschön, ihre Haut glänzte samten und ich versuchte ein Lächeln. Sie drehte sich abrupt um und meine Miene erstarrte, als ich die Striemen sah, die kreuz und quer über ihren Rücken liefen, die Blutergüsse auf den Pobacken und die blauen Stellen um ihre Fußfesseln. Sie wandte sich langsam wieder um.

»Das ist nur ein Teil, Sara, ein Teil, ein geringer Teil,« flüsterte sie. Sie holte sich einen Bademantel aus dem Nebenzimmer und setzte sich auf den Holzschemel neben dem Kamin.

Sie saß reglos da und still rannen ihr Tränen über die Wangen.

Ich stand auf und kniete mich neben sie, öffnete ihren Bademantel und legte den Kopf in ihren Schoß, umarmte sie.

Zaghaft ließ ich meine Hand über ihre Narben streichen; ich spürte bei jeder Erhebung die Schmerzen, die sie erlitten hatte, fühlte die seelischen Qualen. Mir wurde übel. Ich rannte zur Tür und übergab mich.

Ich stand noch immer vornüber gebeugt, als ich ihre Hand auf dem Rücken fühlte. »Komm, Sara, komm rein, es ist zu kalt.«

Ich war sechzehn, als ich Henry traf, es war mein erster Kontakt zu einem Mann.

Meine Eltern waren sehr religiös; beide waren im Kirchenvorstand der Gemeinde. Ich bin das sechste Kind, ihr jüngstes, meine drei Brüder und zwei Schwestern waren bereits alle aus dem Haus, sie waren fortgezogen und ich sah sie kaum. Mutter war rigoros und streng. Vater machte das, was Mutter sagte, und er war es auch, der zu bestraften hatte, wenn ich mich nicht immer dem fügte, was sie anordnete oder auch wenn ich auch nur ein paar Minuten zu spät kam. Worte fielen in unserer Familie wenige.

Ich musste um sechs Uhr zu Hause sein, durfte nur in Begleitung meiner Eltern auf Feste gehen, auf Kirchenfeste, in schönem Sonntagskleid, das alle bewundern sollten, weil sie es genäht hatte.

Ich hatte wenige Freundinnen, eigentlich keine wirkliche. Sie zogen sich zurück. Die ständige Kontrollen meiner Mutter, wenn wir im Zimmer saßen und uns unterhielten, taten das ihre.

Ich erinnere mich an meine erste Menstruation, ich war dreizehn; ich redete mit meiner Freundin darüber. Als ich dann bei Tisch erwähnte, dass ich gerne Tampons verwenden möchte, bekam ich zwei Wochen Hausarrest.

Mein Sexualleben bis zu meinem sechzehnten Lebensjahr beschränkte sich, so lächerlich es klingen mag, aufs Fahrradfahren, wo ich meine ersten Orgasmen erlebte. Ich fühlte mich danach immer schmutzig und schuldig.

Henry ist sechs Jahre älter als ich, er war damals 22 Jahre alt, als er mich zwischen den Müllsäcken und Aschentonnen des kirchlichen Kindergartens vögelte, jetzt würde ich sagen, vergewaltigte. Es tat schrecklich weh und entsprach nicht den Erzählungen meiner Schulkameradinnen.

Aber am meisten war ich um mein Kleid besorgt gewesen zwischen all dem Abfall. Mein Slip war zerrissen und als ich zum Fest zurückging, strich ich fortwährend über mein Kleid und spürte, wie etwas mein Bein herablief.

Mutter war furchtbar böse auf mich, weil ich nur still und teilnahmslos in einer Ecke saß.

Später hatte er sich einmal dafür entschuldigt, er hätte nicht gewusst, dass ich noch Jungfrau war. Wie naiv ich war, die Entschuldigung für bare Münze zu nehmen.

Meine Regel blieb aus. Ich war schwanger. Auf Druck meiner Eltern heirateten wir innerhalb weniger Wochen. Mutter hatte mich sofort, nachdem ich es ihr gesagt hatte, mit den bösesten Schimpfwörtern und Betitelungen, die ich ihr in ihrer bigotten Art nie zugetraut hätte, aus dem Haus geworfen.

Vater hatte damals nichts gesagt. Ich erinnere mich nur an sein verbissenes Gesicht im Hintergrund.

Anfang des sechsten Monats wurde ich wegen unerträglichen Unterleibsschmerzen ins Krankenhaus eingeliefert. Ich hatte einen Abgang.

Meine Eltern besuchten mich nie. Überhaupt sah ich sie nie wieder.

»Komm Sara, komm herein,« wiederholte sie.

Ich fühlte mich elend. Wir setzten uns auf den Flokati vor dem Kamin und aneinandergelehnt schauten wir schweigend in die Glut.

Als ich am Morgen aufwachte, lag ich voll bekleidet unter einer dicken Wolldecke dort, wo ich mich am Abend niedergesetzt hatte. Unter der Aschenschicht im Kamin glomm noch an manchen Stellen ein wenig Glut. Sinéad lag zusammengerollt neben mir. Ich schob die Decke etwas beiseite - sie war nackt - und betrachtete ihre Narben. Ich beugte mich herab und überdeckte ihre Verletzungen mit sanften Küssen. Sie erwachte, wandte sich mir mit ihrem offenen Lächeln zu, zog mich zu sich herab und hielt mich ganz fest in ihren Armen.

»Wie kannst du nur noch so lächeln?« fragte ich sie.

»Das ist das Einzige, was er mir nicht nehmen konnte. Er hat mich nicht vollkommen gebrochen,« antwortete sie nach einer Weile und gab mir einen langen intensiven Kuss, den ich erwiderte.

Das Frühstück war fantastisch, Eier mit Speck, luftgetrockneter Schinken in hauchdünne Scheiben geschnitten und kleine Zuckermelonenstücke. Wer weiß, wo sie die Melonen, die ich so liebte, aufgetrieben hatte.

Anschließend erzählte mir Sinéad aus ihrem Leben. Während sie erzählte, hielt sie wieder zart meine Hände in den ihren und streichelte mit den Daumen über meine Finger. Ich unterbrach sie nicht.

Es war unglaublich und lag außerhalb meiner Vorstellungskraft, was ich zu hören bekam und … es stand in keinem Verhältnis zu meinen Leiden.

Jack, ihr Mann, war Mitglied eines Porno-Rings im Vereinigten Königreich, selbst ein perverser Sadist. Er verkaufte Sinéad an Freunde und Bekannte, die ihre abartigen Neigungen ›in gewissen Grenzen‹, und diese Grenzen waren, keine Verletzungen und sichtbare Schäden an der vorderen Körperhälfte und Extremitäten, mit ihr ausleben konnten.

Während Sinéad berichtet hatte, war ihr Gesicht ausdruckslos und starr geblieben, nur als sie von den Elektroschocks an ihren Genitalien geredet hatte, hatte sie leise geschluchzt.

»Ich weiß nicht wie lange ich das noch aushalten kann,« endete sie ihren Horrorbericht. Und all ihre Kraft und Beherrschung fiel mit einem Mal zusammen und sie weinte und schluchzte, dass ihr ganzer Körper bebte.

Trotz des nebeligen Wetters gingen wir bis spät am Abend am Meer entlang. Sie hatte mir eine dicke und wohlig warme Kapuzenjacke geliehen und ich fühlte mich darin wohl. Überhaupt fühlte ich mich mehr und mehr in ihrer Anwesenheit gut. Es herrschte eine liebevolle Vertrautheit zwischen uns.

Wir waren froh, als wir von der Wanderung erschöpft vor dem mit Vanille aromatisierten heißen, dampfenden Roibosh-Tee saßen, den Sinéad sofort nach unserer Rückkehr bereitet hatte und uns dicke Scheiben vom hausgemachten Bauernbrot abschnitten, das sie aus Irland mitgebracht hatte und mit reichlich frischer Butter bestrichen.

Sinéad war duschen gegangen und ich setzte mich an den Kamin und stocherte mit dem Schürhaken im Feuer, beobachtete das Sprühen der Funken, das ich verursachte, und legte noch ein paar Scheite Buchenholz nach. Ich genoss die Wärme und das Flackern des Feuers und Knistern des Holzes hatte etwas Beruhigendes. Ich döste ein.

Als ich meine Augen öffnete, saß Sinéad mit seitlich angewinkelten Beinen auf einen Arm gestützt neben mir in ihrem weißen Bademantel und betrachtete mich. Ich wollte gerade fragen, wie lange sie schon hier wäre, aber sie legte mir schnell ihre Fingerspitzen über den Mund und schüttelte fast unmerklich den Kopf. Sie rutschte auf dem Flokati zu meinen Füßen und streifte mir die dicken Wollsocken ab.

Ein warmes angenehmes Zittern durchlief meinen Körper, als ihre Lippen über meine Zehen nibbelten.

Ich stützte mich auf meine Ellbogen und grinste sie an, »Meinst du nicht, dass ich duschen gehen sollte?«

Sie roch an meinen Füßen und rümpfte schelmisch kichernd ihre Nase. Ich sprang auf, und warf mich auf sie, dass sie rücklings auf den Boden fiel und ich über ihren Beinen hockte. Unser Albern und Lachen erstarb abrupt und wir sahen uns lange still an.

Ihr Bademantel war halb aufgegangen und eine ihrer festen Brüste lugte hervor und ihre aufgerichtete Brustwarze hob den Stoff leicht an. Der Wunsch ihren Körper zu berühren, sie zu streicheln, zu verwöhnen wuchs zu einem drängenden Verlangen.

Sie flüsterte fast unhörbar, »Sara. Ich will es auch.«

»Na ja, irgendwann ist alles das erste Mal,« lachte ich sie meine Unsicherheit verbergend an, zog meinen Pullover, meine Jeans hastig aus uns warf sie in hohem Bogen auf den Ledersessel neben dem Kamin.

»Den Rest habe ich für dich aufgehoben.«

»Und wenn ich es mir jetzt anders überlegt habe?« fragte sie belustigt.

Für einen Moment war ich baff. »Okay, ok-ay,« und tat so, als ob ich aufstehen wollte.

Sie hielt mich fest, warf sich ungestüm auf mich und küsste mich so wild, dass ich meinte, ersticken zu müssen. Aber ich liebte es, ich genoss ihre verrückte, verspielte und ein wenig unberechenbare Art. Ihr Bademantel, mein Oberteil und Slip waren schnell abgestreift und wir tollten auf dem Flokati herum wie ausgelassene Kinder.

Unvermittelt unterbrach sie das Toben, streckte sich auf dem Rücken aus.

»Das ist alles für dich,« flüsterte sie und fügte scheu und noch leiser hinzu, »Wenn du magst.«

Und wie ich mochte, noch nie in meinem Leben war ich so erregt. Ich ließ meine Augen über ihre Haut streifen. Ihre Schamlippen waren leicht geöffnet und zwischen ihnen perlte die Feuchtigkeit. Ich kniete mich vor sie, berührte mich im Schritt, und stellte fest, dass es mir nicht anders ging. Sie lächelte. Ich senkte meinen Mund auf ihren Bauch, spielte mit der Zunge in ihrem Nabel und überdeckte sie mit tausend Küssen. Dann ließ ich meine Zunge in ihre Feuchte gleiten. Sie duftete köstlich und schmeckte leicht süßlich. Unter meinen Liebkosungen bäumte sie sich leise stöhnend auf und erzitterte lustvoll, als ich ihre kleine Knospe zwischen meine Lippen nahm, leicht und dann fester saugte und meinen Mittel- und Ringfinger sanft in ihr kreisen ließ. Sie erreichte fast augenblicklich ihren Höhepunkt.

Vollkommen entspannt lag sie mit geschlossenen Augen, aus denen sich Tränen lösten und über ihre Schläfen liefen. Hin und wieder zuckte ihr Körper, als ich mit meinen Brustwarzen über ihren Bauch strich.

Sie zog mich zu sich, hielt mich mit Armen und Beinen umschlungen an sich gedrückt und flüsterte mir ins Ohr, »Sara, danke, danke dir, ich habe mich so danach gesehnt, von dir verwöhnt zu werden, auch zu spüren, dass mich überhaupt jemand mag, dass jemand für mich da ist, mich verwöhnt, auf mich achtet, mich …« - ihre letzten Worte gingen in heftigem Schluchzen unter.

Den folgenden Tag verbrachten wir mit Spazierengehen und Reden am Meer.

III

Als wir am frühen Sonntagnachmittag ins Auto stiegen und Richtung Inverness aufbrachen, waren wir beide mit unseren eigenen Gedanken beschäftigt.

Henry achtet nicht auf mich. Es ist ihm egal, ob ich mich schön zurechtmache. Es ist ihm egal, nein, er bemerkt es nicht einmal. Sein Frühstück, sein Abendessen, wenn er nach Hause kommt, saubere Wäsche, obwohl er das wahrscheinlich auch nicht bemerken würde, … sein Fernseher und vor allem sein Video für seine Pornofilme. Seine Fernsehzeitung am gewohnten Fleck, ausreichend Bierdosen im Kühlschrank, … und bei alledem bin ich ein weiteres Objekt, an dem er seine sexuellen Bedürfnisse befriedigen kann. Schluss.

Ich glaube nicht einmal, dass es ihm Spaß macht. Weder mit mir noch mit einer seiner Huren. Es ist für ihn nur ein mechanischer Akt, der seinen primitiven Zweck erfüllt.

Als ich ihn einmal vorsichtig darauf ansprach, dass ich Zärtlichkeit brauche und fühlen möchte, dass ich geliebt werde, schrie er mich an, dass ich froh sein sollte, versorgt zu sein und nicht wie er jeden Tag arbeiten gehen zu müssen, um das Geld zu verdienen, das ich ausgebe. Als ich versuchte, etwas einzuwenden, schlug er mich so hart ins Gesicht, dass meine Lippe aufplatzte. Ich versuchte noch ein paar Mal mit ihm zu reden, nahm ihn liebevoll in den Arm, aber er wurde von Mal zu Mal ungehaltener und zorniger und reagierte brutaler. Schon kleine Anlässe genügten ihm jetzt, mich zu schlagen und, was in der letzten Zeit mit seinem Verständnis von Vorspiel immer häufiger vorkommt, mich danach sexuell mit Worten und Taten zu demütigen und erniedrigen.

Es gab Zeiten, in denen ich mir wie die dreckigste Nutte vorkam, die noch dazu keine Ahnung von ihrem Job hat.

Gegen halb fünf waren wir in Algin.

Ich stieg schon an der Ecke vorher aus dem Wagen und ging zu Fuß zum Haus. Sinéad fuhr noch ein Stück weiter und stellte ihren Wagen an der Hauptstraße in einer Parkbucht ab.

Ich ließ die Haustüre nur angelehnt. Sinéad erschien schon wenig später mit ihrer kleinen Reisetasche. »Er wird bald kommen. Ich bin froh, dass wir es noch vor ihm geschafft haben,« sagte ich nervös.

»Sara, beruhige dich, wir machen ihm jetzt gemeinsam ein kleines feines Abendessen.« Sie grinste. »Frisch aus der Tiefkühltruhe, - na ja schon ein wenig angetaut, aber was soll's,« und schob das Fertiggericht in die Mikrowelle, das wir an einer Tankstelle auf dem Weg gekauft hatten.

Kaum war es fertig, kam Henry.

Noch in der Tür rief er laut, »Sara!« und weil ich nicht sofort auftauchte nochmals, etwas verärgerter, »Sara! Was treibst du?«

Ich hastete zur Eingangstür und umarmte ihn. Er hatte getrunken, war aber geduscht und roch nach dem Rasierwasser, das ich ihm auf die Geschäftsreise mitgegeben hatte. Er ging zur Küche »Ist das Essen fertig?«

»Natürlich, Schatz. Aber … ich muss dir etwas sagen.«

Kaum hatte ich es ausgesprochen, hatte er sich auch schon umgedreht und schrie mich an, »Was!«

»Eine Freundin …« In diesem Augenblick erschien Sinéad in der Wohnzimmertür und begrüßte ihn mit einem rauchigen, tiefen »Hallo.«

Als ich sie sah, blieb mir fast der Mund offen stehen und ich hatte Mühe meine Überraschung zu verbergen.

Sinéad stand in dem gewagtesten kurzen knallroten Lederrock, den ich je gesehen hatte, und einem hautengen schwarzen Oberteil mit roten Rüschen an die Türeinfassung gelehnt.

Sie erschien mir auch erheblich größer, und als ich ihre Schuhe sah, musste ich mich umdrehen, um nicht lauthals loszulachen.

Henry musterte sie von oben bis unten. »Was wollen Sie hier?« fragte er unfreundlich und doch schamlos anzüglich.

»Komm Schatz, das Essen wird kalt,« sagte ich und ging in die Küche. Sinéad schob sich an ihm vorbei, wobei sie darauf achtete möglichst viel Körperkontakt zu geben, und folgte mir.

Beim Essen tischte sie ihm eine hahnebüchende Geschichte auf, dass ihr Freund sie auf die Straße geworfen habe und kein Geld …, kein Zuhause …, keine Eltern …, sie ließ meines Erachtens nichts aus. Aber vor allem ließ sie ihn nicht zu Wort kommen.

Der Abend verlief ruhig. Sinéad legte sich im Wohnzimmer auf dem Sofa zum Schlafen und Henrys hatte seine Bedürfnisse auf mir bereits nach wenigen Minuten befriedigt.

Am Morgen stand ich früh auf, und verließ das Haus so leise wie möglich. Ich ging zum Bäcker um die Ecke, kaufte Milch und ein paar Kleinigkeiten im nahegelegenen Supermarkt, brachte alles schnell nach Hause, stellte es auf den Küchentisch und fuhr mit dem Bus zum Bahnhof.

Gegen halb zehn begab sich Sinéad nackt ins Schlafzimmer zu Henry. Sie trug das Frühstück mit dem Kaffee auf einem Tablett und stellte es neben ihn auf den Nachttisch.

Henry traute seinen Augen nicht, als er sie sah.

»Wo ist Sara?« fragte er.

»Ich habe sie gebeten für mich nach Inverness zu fahren und meine Sachen von meinem Ex-Freund abzuholen, es ist nur ein Koffer.«

Er grinste lüstern, »Und was machen wir beide?«

Ich lächelte ihn an. »Was du willst, Henry. Aber jetzt habe erstmal ich zu etwas Lust und das ist, dir ganz langsam einen zu blasen und dich dann zu ficken,« obwohl mir bewusst war, dass ich nur seine Gedanken aussprach.

Ich kletterte auf allen Vieren ins Bett und schob die Decke beiseite.

Sein Glied war erigiert, meinetwegen oder wegen dem morgendlichen Ständer überlegte ich kurz, aber es war mir egal.

Ich näherte mich seinem Schwanz und leckte von der Wurzel bis zur Spitze mit meiner Zunge entlang, stülpte meinen Mund über seine Eichel, massierte sanft seine Eier und ließ seinen Penis rhythmisch in meinem Mund hinein- und hinausgleiten.

Ich achtete darauf, dass er nicht ejakulierte und drückte deshalb ab und an mit meiner Zunge von oben kräftig gegen seine Eichel, wenn ich merkte, dass er sich zu wohl zu fühlen begann.

Nach ein paar Minuten beendete ich das Spiel abrupt, hockte mich auf seinen Bauch, sah ihn an und sagte, »Du solltest dich ein wenig stärken, bevor ich mit dir ficke. Dort steht das Frühstück.« Und ohne eine Reaktion abzuwarten, schob ich ihm ein frisches Brötchen zwischen die Zähne. Währenddessen massierte ich mit der Hand hinter meinem Rücken seinen Schwanz.

Ich hob die Kaffeetasse an seine Lippen und dann das zweite Brötchen.

Als er den letzten Bissen brav und in geiler Erwartung, was nun folgen sollte, geschluckt hatte, sagte ich, »So nun kann's losgehen.«

Ich rückte ein wenig nach hinten, hob mein Becken und platzierte seinen Schwanz in meine Möse. Ich lehnte mich zurück, stütze mich mit nach hinten ausgestreckten Armen ab und ließ meine Hüfte kreisen und hob und senkte langsam mein Becken.

»Schneller, du Hure, fick schneller, gib's mir, beweg' deinen Arsch« forderte er.

»Wie du befiehlst.«

Ich beschleunigte meine Bewegungen und schon nach ein paar Sekunden wurde sein Körper steif, er schloss die Augen, und aus seinen halb geöffneten Mund drang ein langgezogenes, tiefes Stöhnen.

Ruhig holte ich unter Saras Laken das Messer hervor, das sie dort versteckt hatte und zog die scharfe Doppelklinge zweimal über seine Kehle.

Nur ein kurzes Gurgeln und Röcheln war zu vernehmen. Er starrte mit weit aufgerissenen, wilden Augen in mein Lächeln; sein Mund stand noch immer offen, doch nun japste er nach Luft. Das Blut aus der Halsschlagader spritzte über das Bett und den Nachttisch. Ein kurzer, fester Hieb mit dem Schaft des Messers auf den Solar plexus, ließ ihn vollends zusammenfallen.

Ich stieg von ihm herunter, ging ins Wohnzimmer, zog mich an und verließ das Haus.

Mit dem Abendzug fuhr ich zurück nach Algin und betrat gegen halb neun die Wohnung.

Nach einem kurzen Blick ins Schlafzimmer, setzte ich mich ins Wohnzimmer, atmete tief durch und wählte den Notruf. Ich berichtete in stockenden und von heftigem Schluchzen unterbrochenen, unzusammenhängenden Sätzen, den grausigen Fund.

Schon wenige Minuten später traf die Polizei mit dem Notarzt ein, der jedoch nur noch seinen Tod feststellte.

Die polizeilichen Untersuchungen zogen sich über die folgenden Wochen hin. Die Obduktion der Leiche brachte keine neuen Erkenntnisse.

Ich erzählte ihnen, dass Henry am Vortag von einer Geschäftsreise zurückgekommen war, wir schon bald schlafen gegangen waren; dass ich schon früh am darauffolgenden Morgen, während Henry noch schlief, zum Einkaufen gegangen war, anschließend nach Inverness gefahren bin, um in den Schönheitssalon Madame im Zentrum zu gehen; ob ich die Haustüre abgeschlossen hätte, ich konnte mich daran nicht mehr erinnern, aber glaube, dass ich es nicht getan hatte, ob ich etwas Ungewöhnliches bemerkt hätte, nein, die übliche Routinefragen, dass die Behandlungen bis in den Nachmittag gedauert hatte; dass ich dann mich ins Sonnenstudio Alpine in der Ness-Street begeben hatte und dort zwei weitere Stunden verbrachte. Ich beantwortete ihre Fragen. Hatte er Feinde. Nein, nicht dass ich wüsste. Meine Unternehmungen in Inverness wurden überprüft und die Polizei stand auch nach Einvernahmen der Nachbarn, die nichts Außergewöhnliches bemerkt hatten und die meine Aussagen über den betreffenden Morgen, so wie die Angestellten im Supermarkt und die junge Bedienung beim Bäcker, bestätigten. Auch die Familienangehörigen, die aus allen Teilen des Landes angereist waren, vor einem Rätsel.

Henrys Leben wurde bis in die kleinste Kleinigkeit durchleuchtet und es wurde angenommen, dass seine Kontakte zu Prostituierten und Zuhältern in London, sowie Spielschulden, was mir neu war, hier eine entscheidende Rolle gespielt haben mögen. Aber auch diese Nachforschungen verliefen im Sande.

Ich zog nach dem Mord an Henry für drei Monate in ein kleines Zimmer, dass mir eine Nachbarin mitfühlend zur Verfügung gestellt hatte, verkaufte dann das Haus und zog in einen Vorort von London, wo ich an der Abendschule neben einem Aushilfsjob als Kellnerin, Spanisch lernte.

Mit Sinéad hielt ich keinen Kontakt.

IV

Im Frühsommer des darauffolgenden Jahres rief sie mich kurz an und ich fuhr mit einem alten Mini, den ich mir nach Henrys Tod gekauft hatte, nach einem kurzen Abstecher über Broadford, wo ich einen Brief von ihr in ihrem Ferienhaus abholte, weiter nach Nordirland.

Sinéad hatte auch diesen Mord perfekt geplant und es machte mir wenig Mühe, ihren Planungen zu folgen und Jack unbemerkt aus dem Weg zu räumen. Ich war selbst ein wenig über ihre Kaltblütigkeit und meine Unerschrockenheit, wie ich die Tat durchführte, überrascht. Ihre langen Jahre des Leidens und die unglaubliche Brutalität, die Jack und seine Kumpanen gegenüber Sinéad an den Tag gelegt hatten, aber auch die Sehnsucht nach ihr ließen mich meine Skrupel überwinden und vergessen.

Wieder zurück las ich in den Zeitungen und sah die Fernsehberichte über den Mord in Nordirland. Er wurde von den Medien ausgeschlachtet, da der Porno-Ring, in dem Jack einer der Hauptakteure war, aufgeflogen war, damit verbunden Drogen- und Menschenhandel, üble Geschäfte mit Minderjährigen ans Tageslicht kamen und sich die Kreise bis in die Wirtschaft und Politik, sogar bis ins Königshaus ausdehnten.

Ein Jahr danach gab ich meine Wohnung bei London auf und reiste nach Argentinien, wo ich Sinéad traf.

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