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Hans Much – Denken und Schauen

Gedichte

Verlag von Curt Kabitzsch, Leipzig, 1913



Denken.


 

Geleite.

 

Ich flog auf einem dunkeln Wort
In unbegrenzte Weite.
Mit mir flog hin als Reisehort
Ein tönend Weggeleite:

»So sehr du dich ums Wissen kränkst,
Ums Werden und Geschehen –
Eh du die Welt nicht zeitlos denkst,
Wirst du sie nie verstehen!« –

 

Ich flog und flog und spähte viel,
Schaut aus nach großer Helle,
Schaut aus nach letztem Reiseziel,
Da sang mein Weggeselle:

»So sehr du dich zum Ziele drängst,
Zum edeln In-dich-Spähen –
Eh du dich selbst nicht zeitlos denkst,
Wirst du dich nie verstehen!«

 


 

Zurück trug mich das dunkle Wort,
Es flog mit schweren Schwingen.
Als ich erreicht den Erdenort,
Mein Denken wurde Singen:

»Du schleierschweres Menschgeschick,
Geheimnisvoll umgeistert –
Und ists auch nur ein Blitzesblick,
Zeitlos bist du bemeistert!«

 


 

Der Mensch .

 

Natur, wir stehn im Wettkampf, Kraft um Kraft.
Ich geb dir Form aus meiner Meisterschaft.

 

Ich staun Sich an, und du verlierst das Grauen.
Ich eng dich ein, um größer dich zu schauen.

 

Ewig bewegtes Sein, mir stehst du still.
Ich forme dich, wie ich dich haben will.

 

Ich hole meinem Geiste Lichterstarkung
Von Bergesfeuern jenseits der Gemarkung.

 

Und bau durch deine kraftdurchrauschten Plätze
Die schönen Straßen eherner Gesetze.

 

Daß ich trughafter Grenzverschiebung wehre,
Warb ich ein Wächter – Dir und mir sei Ehre!

 


Jenseits der Grenze.

 

1. Antwort.

 

Und wieder ist die Stunde dumpf und schlimme.
Noch einmal gib mir Antwort, innre Stimme!
Wie rüst ich mich zum Weg in hohe Ferne?
»Verlerne!«

 

Ich seh beglänzt die hohe Bergesstraße.
Noch schrecken mich des Weges Riesenmaße.
Ich suche stete Kraft zum Firnentage:
»Entsage!«

 

Jenseits der dumpfen, der gewohnten Grenzen
Seh ich ein flackerndes, ein irres Glänzen.
Welch Zauberwort erlöst mich von dem Fieber?
»Hinüber!«

 

Das eine Ich erniedrigt mich zum Knechte,
Das andre ich verheißt mir hohe Rechte.
Wie ein’ ich beide, daß ich nie erschlaffe?
»Erschaffe!«

 

Wie heißt die Wehr für leichten Weges Locken,
Für Firnenschwindel und für Heimatglocken,
Daß fürder nichts mich je vom Aufstieg trenne?
»Bekenne!«

 


2. Bekenntnis.

 

Die Hände heb ich auf in hoher Geste:
Laßt mich hinein! Auch mir sei Platz beim Feste!

 

Sein Schein hellt euch des Daseins edle Zweiheit.
Ihr wißt und wähltet. Euer Weg ist Freiheit.

 

Wohnend in der notwendigkeitserhellten

Strebt wandernd ihr zur höhern der zwei Welten,

 

Und rastet in der ewigkeitsbeglänzten,
Der allunsicheren und unbegrenzten.

 

Auf schwerem Pfad zum Festtag wird das Rasten.
Hier ruh auch ich mit meinen Menschenlasten.

 

Und heb die Hände auf in hoher Geste:
Wille und Ahnung macht mich reif zum Feste.

 

Ein höheres Menschsein drängt mich zum Geständnis
Und heilige Klarheit faßt mich beim Bekenntnis.

 

 


3. Hinüber.

 

Heut geh ich eine weite Bahn
Mit festen Tritten.
Der Grenzring um den Diesseitswahn
Ist überschritten.

 

Ein letzter Sprung hat mich befreit,
Ein schaffend: Wähle!
Ich steh im harten Arbeitskleid
Jenseits der Pfähle.

 

Zu Ende ist ein seichter Lauf,
Ein hochmutstrüber. –
Hier hiß ich meine Fahne auf:
Ich bin hinüber!

 

 

 


Plato und Kant.

 

Und die Erde war hehr und gestaltlos.

 

Einstmals tauchte ein Großer auf,

Einen Tempel bauend auf ragender Bergeshöh.

 

Und des Menschen Ich, die andere Welt,
Gestaltungsharrend, doch nicht gestaltet,
Ward der Tempel. Und heiliges Feuer
Hellte der Welten Wege.

 

Der Tempel zerbarst. Das Licht verschmälte.
Schmutziges Erdreich flickte die Risse der Quadern.
Tänzelnder Zierrat füllte die einstmals
Großen, lichtdurchfluteten Wölbungen.
Kleine, bunte, düstere Tempelchen
Lehnten sich an die zerborstenen Quadern.

 

Da kam der Letzte, ein herrischer Bauherr.

 

Kühn einreißend, was je gebaut war,
Eine Halle erschuf er in hehrer Einfachheit,
Einen Riesenbau voll weitender Größe.
Feuer schuf er, Welt und Halle zu hellen.
Und heiligem Feuer von fernen Gestirnen
Bahnt er den Weg in die Welt und die Halle.

 


Wenig betreten ragte der Riesenbau.

Allzu hell ward den Menschen die Halle,

Allzu hell die wähnende Welt.

Draußen sammelten sie sich und klügelten.

Der vom Menschen die größten Dinge gesprochen,

Der Bauherr verzagte, weil er zu hell gebaut.

 

Mit heiligem Schauer betret ich die Halle,
Erzgemeißelt prangen die Worte
Über dem schicksalgewaltigen Quaderntor:
»Was ist der Mensch?«

 

Laßt mich vom Menschen die großen Dinge erfahren.

 


Kant.

 

Durchwandert hab ich wissenskühl und strenge
Des bunten Seins verwirrendes Gedränge.

 

Das trüglichste Versteck hab ich gelichtet.
Den großen Grenzwall hab ich aufgerichtet.

 

Da glaubt der Tor, geendet sei mein Lauf.
Nein! Nun erst schließ ich große Pforten auf.

 

Ein Riesenkampf entrollt sich meinem Wissen:
Hier ruft das Sollen; dort befiehlt das Müssen.

 

Doch ob dem Toben und Gewühl im Dunkeln
Seh ich der Freiheit große Lichter funkeln.

 

Und ich verstehe ihren ewigen Schein,

Und was man sein muß, um ein Mensch zu sein.

 

 


Gedanken.

 

Gedanken sind wie Bergesspitzen,
Die in die reinen Lüfte blitzen.
Riesig an Höhe, gering an Zahl
Ragen sie auf in den Himmelssaal.

 

Und wer am Fuße des Berges wohnt,
Und hinaufschaut, wo das Firneis trohnt,
Der schaut wie aus einem dunkeln Verstecke
Eine begrenzte Wegesstrecke.

 

Und wer als Nachbar neben ihm wohnt,
Und hinaufschaut, wo das Firneis trohnt.
Schaut wieder wie aus dunkelm Verstecke
Eine andre begrenzte Wegesstrecke.

 

Jeder im Kreise schwärmender Gäste
Feiert am Ort seine eigenen Feste.

 

Das immer Gleiche wird vielgestaltig,

Anderswegig und mannigfaltig.

Weil jeder es schaut in andern Normen,

Spiegelt sich das ätherbeglückte,

Ewig dem zagen Fuß entrückte,

Drunten im Reiche der wechselnden Formen. –

 


Und wer höher hinauf am Berge wohnt,
Und hinaufschaut, wo das Firneis trohnt,
Einfacher stets und in größerer Breite
Schaut er des Zieles leuchtende Weite.
Wenig Nachbarn und keine Gäste,
Wenig Farben und keine Feste. –

 

Aber wer, ein mutiger Klimmer,
Wohnend genaht sich dem höchsten Schimmer,
Faßt mit eines Blickes Schnelle

Einsam die einsam trohnende Helle.
Hell ist das Letzte und streng gewaltig
Und ganz einfach und eingestaltig. –

 

Über dem einsam letzten Besitze
Ragt unberührt des Berges Spitze.
Und würde der Letzte im kühnen Wagen
Einmal zu ihr emporgetragen,
Trauernd lenkte den Fuß er zurück,
So furchtbar einfach, fern allem Glück,
Starrt sie hehr in die ewige Leere,
Daß sie niemals bewohnbar wäre.

 


Anfang.

 

Das Schicksal spricht: »Hier ist ein neuer Pfad.
Wohin er geht, kann dir kein Führer weisen –
Du Glücklicher hörst Warnung nicht noch Rat,
Siehst keine Straße, wo schon andre reisen.

 

Ich stellte dich an diesen jungen Ort
In deiner jugendfrohen Menschenblöße
Und schenke dir ein schwerverstandnes Wort,
Ein klingendes: Im Anfang ist die Größe.

 

Jedwede Straße, die ein andrer schuf,
Führt weg vom Wahn der unbegrenzten Einheit.
Wahn heißt dein Stab. Schöpfung heißt dein Beruf.
Nun wandre zu: Im Anfang ist die Reinheit!«

 

 


Begreifen.

 

Ich will mich nicht von Schatten nähren.
Ich will begreifen, nicht erklären.

 

Ich tappe nicht nach letzten Gründen;
Vernunftgeschaffnes will ich künden,

 

Wie ich es sah in dem Gedränge
Als leuchtende Zusammenhänge.

 

Und brauch ich sie, such ich die Mythe,
Die widerspruchsdurchhauchte Blüte.

 

Tastend zeigt mir die Wunderblume
Den Bauplatz zu dem Heiligtume. –

 

Die mir den Weg im Dickicht bahnte,
Die mich geführt, solang ich ahnte,

 

Nun mag sie welken, wenn ich rege
Zum Bau den ersten Grundstein lege.

 

Ihre weisenden Widersprüche
Schwinden dahin wie Wohlgerüche. –

 


So wandre ich zu meinem Ruhme
Von Heiligtum zu Heiligtume,

 

Drin, los vom Muß und letzten Gründen,
Ragende Werke das Menschtum künden.

 

 

 


Goldgrund.

 

Was uns so fern und so verwandt,
So führertreu und unbekannt,
Ward hier auf Goldgrund hingebannt.

 

Kein Goldgrund trägt, was alt und arm,
Des bunten Werdens wilden Schwarm,
Den zeitgebundnen Menschenharm.

 

Das Zeitbefreite wird verlangt.

Das Zeitgewesene weicht und wankt,

Wenn die Gestalt auf Goldgrund prangt.

 

Die Form, die von dem Leib erstand,
Befreit vom dunkeln Mußgewand,
Hier lebt sie wie im Heimatland.

 

Hier gilt ein strenges Sichbefrein.
Auf Goldgrund steht das große Sein
Mit seinem fernen Edelschein.

 

Was echt und jenseits aller Worte,
Auf Goldgrund prangt die dunkle Pforte
Zum wahren Menschenheimatsorte.

 

Und sacht schließt sich die Menschheitswunde.
»Du mußt!« verstummt im Schicksalsmunde;
»Du sollst!« erstrahlt auf goldenem Grunde.


Dort.

 

Laß mir die Kraft, in einer Welt zu schweifen,
Die nie erreichbar, dennoch zu begreifen.

 

Dort, wo die nie gewesenen Gestalten
In unnahbarer Herrschergröße walten,

 

Wo sich in Jugendreinheit dehnt das Land,
Niemals bewohnbar, wenigen nur bekannt.

 

Dort an der Stätte ewigen Nie-Gewährens
Flutet der Urquell mächtigen Gebärens.

 

Dort will auch ich mit den Gedanken schreiten
Zum dunkeln Tempel letzter Möglichkeiten,

 

Geschützt von einem Worte mahnungsvoll:
»Nur mußt du wissen, was das heißen soll:

 

Aus nie Gewährtem wird die Kraft beschworen,
Und aus dem Nichtsein wird das Sein geboren!«


Ich suche dich.

 

Ich suche dich am fremden Ort,
Ich suche dich im Heimatsport.
So Vieles ward von mir entfernt;
Das Suchen hab ich nicht verlernt.

 

Klar bist du wie ein Weg im Licht,
Und strenge wie die Menschenpflicht,
Und dunkel wie Versöhnungsdrang,
Und milde wie ein Wiegensang.

 

Dein edler Name lautet: Du.
Dein Wesen heißt: der Ferne zu.
Dein Wollen heißt: das Echte sehn.
Und was dir blüht, heißt: Untergehn.

 

Du lebst in mir, ein fremder Gast,
Und weilst und eilst in Ruh und Hast.
Du bist mein Ich und nicht mein Ich. –
Mein dunkles Du, ich suche dich.

 


Größe.

Nach den drei Jesusfresken von Beckerath.

 

I. Kreuzigung.

 

Des Großen Los
Ist Wandern durch Verzweiflungen.
Des Allergrößten Los
Ist enden in Verzweiflung.
So will es die Welt und das Schicksal.

 

»So lang du einsam wanderst, bist du stark
Wie Adlerflug,

Und durch dein Leid zwingst du, ein Weltbesieger,
Das Leid der Welt.«

So sprach sein Stern zur Stunde der Geburt.


Er zwang die Welt:

Einsam wie Keiner und so groß wie Keiner.
Und nur so groß, weil einsam.
Ein Pflüger, der nie rückwärts schaut.
Ein Held, der Leben schafft
Aus Leben, das er niederzwingt.

 

Das müde Stöhnen der Verzweiflungen
Übertönte sein siegreicher Mut,
Solang er wanderte in Einsamkeit.

 


Dem Größten ward der Allergrößten Los.
Nun da er endet in der Einsamkeit:
Schrill und gellend setzt die Verzweiflung ein,
Und er muß schweigen.

 

Ein größter Sieger geht von der Erde stumm
In Qual verzerrt

Und nur bewußt der Verzweiflung.

 

Aber ein Sieger,

Weil sie, die schreiend und schrill seinen Sinn durchgellt,

Im Unbewußten, wo die Erkenntnis wohnt,

Sich sacht zum Dankgebete wandelt,

Zum Dankgebete

Für seines Lebens Riesenmaß

Und seines Lebens fürchterliche Einsamkeit.

 


II. Beweinung.

 

Du hörst ein Wort und weißt es nicht zu deuten:
»Das Größte, das die Welt betrat, ging hin.
Und tiefstes Leid der Erbe nimmt es mit.
Und dies Vorbei gibt dir und ihm Befreiung«.

 

Vorbei heißt: Frieden, und Vorüber: Ruh.
Das Größte ist am schönsten, wenn es stirbt –
Weil es zu groß ist für des Lebens Lüge.

 

Die Erde bot dem Größten, den sie trug,
Nicht Statt und Gastrecht, da er noch Wandrer war.
Nun der gequälte Leib am Boden liegt,
– Kühl und starr,

Ward ihm die Stätte, daß er ruhen kann.

 

Und keine Träne sei aus Leid geweint,
Aus Menschenleid,

Die um des Größten Tod zur Erde fällt.
Langsam und leise gleitet sie hinab,
So eine nach der andern,
Und klingt von Ruh und Lösung.
Es weint sich aus die Angst der Kreatur.

 

Der höchste Schmerz wird höchste Angsterlösung.
Du fühlst das Wort, das du nicht denken kannst:
Das Größte ist am schönsten, wenn es tot ist.

 


III. Auferstehung.

 

In dunkle Tiefen, draus es aufgestiegen,
Versinkt das Größte. Und schön ist der Tod,
Der den Träger der Größe vom Menschen löst.

 

Die Menschendumpfheit zielte auf den Menschen,

Der ihr das Heiligtum entschleierte.

Aus ihrem Dunstkreis ewig zu verbannen,

Mit seinem Leben dachte sie die Größe,

Die Menschengröße, die sie nicht ertrug,

Die von ihr heischte, was ihr verhaßt ist.

 

Doch mit dem Träger ruht das Hehre nicht.
Befreit vom Munde, der es leidend kündete,
Dem es ersehnte Last war in der Einsamkeit
Des leidgekrönten Lebens,

Entsteigt es der dunkeln Tiefe zum zweiten Mal,
Ein Andres, als es war.

 

Das Leid des Künders ruht mit seinem Leibe,
Das mit dem Hehren notverbundene Leid.
Und von dem Menschsein trennt sich die Gestalt:
Leidlos und frei.

 

Ein Riesenschemen, wandelt des Menschen Sohn,
Dem Tod nicht fürder, nur noch dem Haß ein Ziel.
Und durch die Welt geht siegreich die Gestalt.

 

Sie konnte nur im Leib geboren werden.
Und mußte doch des Trägers Leib zerstören,
Um auferstehend für die Ewigkeit
Zu leben: lieb und leidbefreit.

 

Das Größte

Am stärksten ist es, wenn es aufersteht.

 

 


Natur.

 

Wenn ich dein buntes Bild im Spiegel sehe,
Bin ich beglückt.
Doch zeigst du flüsternd deine mächtige Nähe,
Machts mich bedrückt.

 

Du lädst den Gast zu einer hohen Feier
Und Festesklang. –

Doch nie hebst du vom Angesicht den Schleier.
Und das macht bang.

 

 


Nun, da sich die Monde füllen.

 

Nun, da sich die Monde füllen,
Und die Quellen reicher fließen,
Dunkle Bilder sich enthüllen,
Früh enthüllte sich verschließen,
Wächst die Lust zum Wandlungswillen,
Schwindet Haften und Genießen. – –

 

Fernher quillts aus Wolkenwänden,
Meine Wurzeln zu befeuchten.
Erdenkraft muß Auftrieb spenden
Ästen, die zu Tal sich beugten.
Und die frischen Blätter wenden
Staunend sich zum fernen Leuchten.

 


Das Geheimnis.

 

Weit von mir weisend Not und Pein
Sitz ich im Morgensonnenschein
Und sinne.

 

Ich höre, wie die Quelle rinnt
Mit Blumen spielend wie ein Kind,
Mit Leiden und mit Minne.

 

Am Wiesenteppich träumt die Ruh.
Die Quelle rinnt und raunt dazu
Uralte alte Weisen.

 

Entsprungen an geheimem Ort,
Sie rinnt und raunt in einem fort
Ein Lied vom großen Reisen.

 

Zwei Klänge wechseln ohne Ruh.
Der eine murmelt: Ende du!
Der andre singt: Beginne!

 

Ich aber, weltgeschickdurchbebt,
Wann Klang zu Klang hinüberschwebt,

Hör, wie sich das Geheimnis webt – – –

Und sinne – – – – – – –.

 


Gotik.

 

Das Jenseits vom Erfahrungsring
Und von der Weisheit kurzen Normen,
Hier lebt es, ein Gedankending,
In meinen reichen Riesenformen.

 

Nordische Kraft ward aufgejagt,
Die uralt Wähnen streng verwaltet.
Das Allerletzte ward gewagt:
Das Grenzenlose ist gestaltet.

 

Zur Höhe rang sich Baum um Baum
In meinen Waldeseinsamkeiten.
Da überflog ich Bann und Raum,
Da lernt ich trotzen, lernt ich streiten.

 

Leicht wie die Luft wächst Stein um Stein. –
So reiß ich dich vom Bann der Erden,
So lös ich dich von Zeit und Pein,
Und wandle zum Sein das ewige Werben.

 

Nordisches Wähnen zeugte den Siegergeist,
Frei von Schwindel und Mitleidsregung,
Der das Hinüber herrisch ins Diesseits reißt:
Herr der Urkraft und Fürst der Bewegung.

 

Nur keine Weigerung!
Steigerung! Steigerung!


Idee.

 

Laß ihn so nicht weiter ziehen,
Nötige den fremden Gast,
Dem du in des Tages Mühen
Wunderkraft zu danken hast,
Der dein Denken und dein Schwärmen
Auf erhöhte Pfade hob,
Durch des Weges Last und Lärmen
Klare Melodieen wob.

 

Groß und offen ist die Stunde.
Mählich dunkelt Wald und Feld.
Seine große reine Kunde
Fließt, ein Sternstrahl, auf die Welt.
Nötige ihn mit Bittgebärden,
Daß er dir ein Letztes zeigt:
Sieh, Herr, es will Abend werden,
Und der Tag hat sich geneigt.

 


Von unten.

 

Im Unbewußten klingt eine Saite an.
Lasten und Hast des Tags schlägt ihr Ton in Bann.

 

Fernher, wo die Gestalten unnahbar drohn,
Wanderte wohl der helle gewaltige Ton.

 

Gleichgestimmt war die Saite durch Zauberhand,
Daß sie den Fernklang, froh ertönend, wiederfand.

 

Wieder erklingt der Ton wie auf Zauberspruch,

Und mein Ich muß ihm lauschen und lauschen lange genug.

 

Bis sich ein Marschlied fügt für einen neuen Pfad
Und ein Grundton schwillt für eine gute Tat.

 


Buddha.

 

Ein Gewaltherr ist das Leben,
Zwingt die Kreatur zur Fröhnung.
Zahlt erst spät, in letzter Stunde
Mit dem Tod dem Knecht die Löhnung.

 

Schweigend tut der Knecht sein Tagwerk,
Und Gehorsam muß ihm Pflicht sein.
Für des harten Seins Bedrängnis
Winkt als höchster Lohn das Nichtsein.

 

Ich auch warte meiner Stunde
Ohne Lieben, ohne Kränken,

Wie ein Knecht auf seine Löhnung: – –

Mit Bewußtsein und mit Denken.

 


Gedanken.

 

Schmerzen euch die lichtgewohnten Schwingen?
Wollt ihr heimwärts, wo die Sterne klingen?

 

Wäret mir so treue Wegbegleiter,

Halft den Weg mir finden, halft mir weiter.

 

Auf das Tor denn! Und im Morgenstrahle
Send ich euch vom großen Erdentale.

 

Überfliegt die breiten Daseinsschranken,
Meine unruhvollen Lichtgedanken!

 

Füllt mit Goldglanz euer Sterngefieder. –
Und kehrt wieder erdwärts, kehret wieder!

 


Pflanzenschönheit.

 

Du willst gesucht sein wie das Firnesprühn,
Wie Rauhreifmondnacht auf der Waldesblöße,
Wie welterschaffendes Gebankenglühn,
Wie wahre Liebe und wie Menschengröße.

 

Ich finde dich auf einer herben Flur,
Die sich nur kaum vom Wintersbann erlöste.
Da zeigst du mir die Weltgeheimnisspur,
Und deine Kleinheit weist im Bild das Größte.

 


Täuschung.

 

Schweifend durch die lichten Stunden
Hab ich hohen Sinn gefunden:

 

In der Ferne ruht das Echte,
Nur die Täuschung sieht das Rechte.

 

Das die Wirklichkeit versiegelt,
Täuschung hat das Tor entriegelt.

 

Tiefbefreundet mit der Ahnung
Weist sie treu wie Muttermahnung.

 

Nicht das Endziel kann sie schenken;
Zielwärts will sie lenken, lenken. –

 

Schweifend durch die lichten Stunden,
Hab ich ihren Sinn gefunden:

 

Jauchze, wie die Welt sich lichtet!
Täuschung denkt und schafft und dichtet!

 


Gedankensieg.

 

1. Das Alte.

 

Vor dem freigelegten Lauf
Tauchen alte Bilder auf.
Weiche Arme, die sich breiten,
Hindern dich im Weiterschreiten.
Es zerschellt dein jung Genesen
An Gestalten ohne Wesen.

 

Bist geflüchtet aus den Mauern,
Fühlst du ein Gewesenes lauern,
Klingt die alte Litanei:
Menschlein, Menschlein, du bist frei?!

 


2. Hilfe.

 

Einstmals stampften mit schweren Tritten
Durch das Fernland, nie beschritten,
Durch verschlossne dunkle Pforten
Siegertrotzend Roms Kohorten.

 

Mir auch wurden Legionen,
Die in großen Reichen wohnen,
Und ich ruf sie über Grüfte
Gegen die Verwesungsdüfte,
Daß sie ohne Furcht und Reuen
Die Gespensterschar zerstreuen.

 

Und die Wesenlosen wanken
Vor dem Taktschritt der Gedanken.

 


3. Das Kohortenlied.

 

Wir werden ein letztes Quellenreich finden,
Wir werben die seiende Welt überwinden.

 

Wir wissen, was Schwert heißt und schützender Schild.
Über uns hebt sich ein ehernes Bild.

 

Haben es selber im Feuer geschweißt,
Prägten die Inschrift auch: »Herr ist der Geist«.

 

Ob viele der unsern auch Heimweh packte,
Wir schreiten voran, im Takt – im – Takte. –

 

 


Schlummerlied.

 

Schlaf zu, vergiß das dunkle Muß,
Und schlaf dich rein vom Arbeitsruß,
Und tauche in den Überfluß
Und werbe!

 

Werbe von neuem, was du bist
Und stets verlernst und stets vermißt,
Und was du sein wirst nach der Frist
Der Erde.

 

Was du gefehlt, wird untergehn;
Was du gewollt, wird auferstehn
Und sieghaft rein durchs Helle gehn
Und stille.

 

An große Helle denkst du viel,
Und ahnst ein nie betretnes Ziel,
Dran bricht sich wissend kalt und kühl
Die Welle.

 

Schlaf zu. Und wer kein Ende sieht,
Den tröstet, wird sein Wähnen müd,
Das Weltenwiegenschlummerlied.
Schlaf helle!

 


Wähnen.

 

Auch die Wissensgedanken
Kennen des Müssens Tyrannei.
Aber das Wähnen ist frei
Und kennt keine Schranken.

 

Wissen – ist die sterbliche Mutter,
Wähnen – ist der göttliche Vater,
Der den Halbgott zeugt: die tüchtige Tat
Im Pflichtenreich, im Erkenntnisrat.

 

Klaren Auges walte das Wähnen,

Scheuche das Lachen und wehre den Tränen,

Laß das Geheimnis unentweiht,

Richte und denke ohne Zeit,

Führe aus dem Gestaltensaal

Hernieder einen hellenden Strahl,

Und die Welt und die Weltgeschichte

Sei erleuchtet von zwiefachem Lichte.

 

Ich aber, Bürger zweier Welten,
Höre aus den getrennten Zelten
Ein befreiendes Losungswort:
»Wähne auch du den freien Ort.
Frei kannst du sein von dem, was ist,
Von Furcht und Frist!«

 

 


Stimmung.

 

Ich möchte einem Menschen Gutes tun,
Dem ersten Besten.
Bewirten möcht ich ihn mit ganzem Tun,
Und nicht mit Resten.

 

Mein Wähnen und mein Schaffen und mein Pfad

Macht mir nicht Reue.

Doch wünsch ich meiner Seele eine Tat,

Der sie sich freue.

 

 


Mein dunkles Es .

 

Mein dunkles Es muß wohl ein Wandrer sein,
Die Gipfel suchend und den Firneschein.

 

Drängt mich die Welt auf ihren alten Straßen,
Den staubigen: Der Wandrer steigt gelassen.

 

Steigt stolz und frei. Lächelnd aus Firnenkühle
Schaut er herab aufs staubige Gewühle. –

 

Und mitten, wenn mich Erdenfreude neckt –
Ein jäher Schmerz –: Der Wandrer steht erschreckt.

 

Da ahnt mir wohl: Ihm starren finstre Gründe
Drohend herauf. Er schrickt vor Not und Sünde. –

 

Und plötzlich, ob im Tal die Nebel wallen,
Der Wandrer jauchzt, von jähem Rausch befallen.

 

Ich aber merke: In dem Glanz der Sterne
Schaut er der Wahrheit wunderbare Ferne.

 

 


Mystik.

 

Und in der Stunde der Erkenntnis spricht
Das Leben:

»Dieses öde Felsgestein,
Von Mauern rings, von türmenden, umgeben,
Mühsam erhellt von fernem Lichterschein:
Das ist dein Wohnplatz, Menschlein, das ist dein«.

 

Und in der Stunde der Erkenntnis spricht
Der Mensch, der rüstige: »Wohlan! Ich leide.
Mit meinem Schweiße düng’ ich das Gefild.
Und was ich brauche, bringt es mir: Getreide.

 

Doch abends, wenn der ferne Lichterschein
In meine öde Felsenspalte fällt,
Da brauch ich mehr.

Wohlan! Mit meines Geistes Kraft und Schweiß,
Mühsam und schwer,

Ring ich um Fruchtbarkeit mit dem Gestein,
Und schaff mir eine andre Welt.

 

Sieh! Bäume wachsen, schattend, groß und kühn,
Die Mauern deckend mit der Pracht der Kronen.
Lichtflecken huschen durch das dunkle Grün.
Die Nacht wird heilig. Frei erscheint mein Wohnen.

 


Ich kenne meine Mauern, mein Gestein. –
Doch lächelnd auf der buntdurchwirkten Wiese
Lieg ich, und schau den fernen Lichterschein:
Und denke mir mein Land zum Paradiese«.

 

 


Botanik .

 

Die kleine Pflanze, still im Licht erblüht,
Weiß ein Geheimnis, kennt ein Lebenslied
Und dunkle Quellen, die melodisch rauschen.
Und wer einmal den Silberklang vernommen,
Fühlt frei sich, wie von junger Tat durchglommen,
Und lauschen muß er, immer wieder lauschen.

 

Du hörst die Klänge wie aus fernen Weiten,
Du fühlst ein Drängen wie ein Vorwärtsschreiten,
Die Sohlen wollen nicht mehr träge haften.
Und du erkennst, beschützt vor dunkeln Übeln:
Mehr Wert erzeugt dies Lauschen als das Grübeln
In deinen eignen trüben Leidenschaften.

 


Heut feierst du?

 

Mein dunkles Du, unnahbar wie der Firn,
Heut feierst du? Mit kranzgeschmückter Stirn
Öffnest das Tor, als harrst du froher Gäste.

 

Bleibt auch die Welt dem Ohr und Auge stumm,
Du feierst heut und weißt es wohl, warum.
Zündest die Kerzen wie zu hohem Feste.

 

Ein Nebel hüllt das finstre Felsental.

Du aber gehst durch deinen Bildersaal

Und scheuchst des Dunkels letzte Schattenreste.

 

Du weißt, wie sich der Menschenwunsch erfüllt,
Wie sich die Not in Zukunftsschleier hüllt –
Doch feierst du. Und wartend ferner Gäste
Gehst du geschmückt durch deine Prunkpaläste.

 


Genie.

 

Keuchend und in wirrem Hasten
Hat die Höhe er erklommen,
Aber nur zu flüchtigem Rasten
Hat er auf ihr Platz genommen.

 

Höh an Höhe sieht er ragen,
Grund an Gründen sieht er gähnen,
Und ein Abwärts-Aufwärts-Wagen
Wächst an seinem Vorwärtssehnen.

 

Unruhvoll und voll Bedrängnis,
Daß der Fuß nicht stille stehe,
Durch Abgründe und Verhängnis
Ringt er sich von Höh zu Höhe.

 


Senkrecht ab.

 

Wie ein dumpfes Rosseschreiten,
Wie ein eilendes Schlittengleiten
Fliehet senkrecht von meiner Fährte,
Was einst ein dunkles Wünschen begehrte.
Was aber nie das wahnbelebte
Klarbewußtsein schaffend erstrebte.

 

Dunkle Gestalten fliehn unbeseelt,
Weil der zeugende Wahn gefehlt.

 

Warum sinnt die Seele am lichten Tag

Immerverlorenen Stunden nach,

Da sie dem Wahn auf der Lebensfährte

Die Reisekameradschaft wehrte?

Was horcht sie dumpf wie auf Rosseschreiten,

Wie auf verhallendes Schlittengleiten?

 

 


Am Fuß des Berges.

 

Am Fuß des Berges spielen so Leid wie Glück,
Handelt und wandelt Menschen- und Weltgeschick.

 

Am Fuß des Berges streiten so Not wie Kraft,
Stampft der Trotz und funkelt die Leidenschaft.

 

Am Fuß des Berges wütet und schmält der Neid,
Überstrebt der Mensch seine Endlichkeit. – –

 

Aber in hehrem ruhvollem Linienschwung
Hebt der Berg sich über die Dämmerung,

 

Fern der Menschenkunde von Leid und Ruhm:
Überragt von dem Heiligtum.

 

 


Das zweite Mal.

 

Was suchst das Rätsel du der Hand,
Das dich beim ersten Druck gefaßt?
Was spähst du nach dem Wunderland,
Das deinem Suchen sich entwand,
Bist du zum zweiten Mal zu Gast?

 

Wo erst das Wunder groß erklang,
Tönt jetzt ein heimatliches Lied,
Durch dessen lieben Festtagssang
Nur noch zuweilen, fernebang,
Ein Hauch der ersten Größe zieht.

 

 


In Rom.

 

Mich hat der Lärm der ewigen Stadt betäubt
Und der Kirchen prunkende Pracht.
Ich sehne mich nach einem Anfangslied
Und heiliger Nacht.

 

Ein Erster spreche ein Siegerwort
Und deute ewigen Sinn,
Sage, was ich, der Mensch, gesollt,
Und was ich bin.

 

Künde, wie sich ewigem Bann

Wissendes Wähnen entreißt. – –

Stille das Lärmen! Ein Lied hebt an:
Gott ist der Geist!

 


Vor der Pforte.

 

Durch das Gras weht ferne Kühle
Und ich kenne kaum die Wiese.
Wunder wirken. Und ich fühle
Andre Stunde und nicht diese.

 

Und ich schau die ferne Pforte,
Andres Blut pulst in den Adern.
Und ich höre fremde Worte,
Meißelschlägen gleich in Quadern.

 

Doch die Pforte ist nicht gläsern,
Und das Rätsel starrt am Friese. –

– – – – – – – – – –

Und der Wind spielt in den Gräsern,
Und der Tau fällt auf die Wiese.

 

 


Das Letzte .

 

›Es gibt eine Wahrheit, die sich

nicht mit Worten sagen läßt.‹

 

Und weil du weißt, daß auch das tiefste Wort
Die letzte Wahrheit tändelnd nur entehrt,
Flüchte du frei vom friedentblößten Ort
In das Geheimnis, das dem Wandrer wehrt.

 

Der Stab des Wortes trägt dich bis zum Strand:
Da wogt ein Meer in diamantnem Schimmer.
Schirmend vors Auge breitest du die Hand.
Und gleitest schauernd in das Meergeflimmer.

 

Das Letzte ist ein diamantnes Meer,
Dem weiße Schäume flammend sich entwinden.
Gedankenwogen fluten groß und hehr –
Und im Versinken wirst du Klarheit finden.

 

 


Gräberstraße.

 

Durch des Lebens Kraftekstase,
Durch des Schweigens Riesenmaße
Zieht der Mensch die Gräberstraße.

 

Suchend nach dem Weg: Genesung,
Aus Vernichtung und Verwesung
Ringt er sich zur Selbsterlösung.

 

Lösung kennt die schwere Kette,
Und pflückt doch zum Ruhebette
Blumen von der Gräberstätte.

 

Immer denn den Stab zu Händen!
Weltgeschick läßt sich nicht wenden.
Nur nicht enden! Nur nicht enden!

 

 


Das beste Wort.

 

Mich zieht ein heimatlicher Klang;
Mich hält ein wilder Reisedrang.
Dort ragen Buchen; hier Cypressen.
Dort altes Leben; hier Vergessen.

 

Mich selber hab ich viel gefragt;
Das beste Wort blieb ungesagt.
Und immer such ich ernst und bange
Nach seinem traumvernommenen Klange.

 


Sieg.

 

Heil Euch, Ihr Klimmenden!

 

Höher und höher
Strebt der Fuß.
Schärfer und schärfer
Schaut der Blick
Die rastlose Lüge
Der Welt da draußen,
Der Welt da drinnen.

 

Lüge schauen, die Wissen wollen,
Leben ahnen, die Wissen wollen.

 

Heil Euch, Ihr Klimmenden!

 

Euch schwindet der farbige Dunstkreis.

Es schwinden des Daseins

Weiche, schwankende Linien,

Schwindet das Spiel

Der bunten Lichter. Es schwindet

Die Lüge,

Und mit ihr die Lust.

 


Lustlos nahen
Dem letzten Ziele
Ist Siegers Los.
Glanzlos schauen
Die scharfen Augen
Im fahlen Scheine
Der Menschheitsleuchte
Die Welt im Ich,
Das Ich in der Welt.

 

Und fernher zuckt

Am Horizonte

Die graue Helle

Gespenstisch klärend

Des Wissens urewiger Endgedanke,

Der schrille, gellende Sieggedanke

Des – Nichts.

 


Pfingsten.

 

Hohes, wunderbares,
Einziges Gebet,
Wenn die Menschenseele
Vor der Pforte steht,
Und die schweren Riegel
Löst mit eigner Hand,
Wunsch und Wille sendend
In das große Land.

 

Nichts vom Wunder wissend,
Aber Wähnens voll,
Lugt sie in die Weite
Nach dem großen Soll.
Und sie hört ein Fragen,
Das kein Wissen schmerzt.
Und ihr Tritt kann wagen,
Klingend und beherzt.

 


Schreckhaft.

 

Schlaflos durch den Stundenreigen
Irrt die Seele fremd und eigen,
Und sie muß sich neigen, neigen.

 

Schrecksam sieht sie, wie in satten
Farben aufglühn die totmatten
Spukhaft fernen Nebelschatten.

 

Schreckhaft! Nicht der Zukunft Garben,
Nicht des Augenblickes Wunden –
Schatten von gestorbnen Stunden
Und der Spuk erglühn in Farben!

 


Der große Künder .

 

In Auges Tiefen flammt ihm ein großes Licht,
Ein Flammenzeichen, das lohend durchs Dunkel bricht.

 

Nicht stät ist das Licht, wie ein Schein, der vom Ufer weist
Dem spähenden Schiffer den Pfad, den Gefahr umkreist.

 

Ein prasselnd Feuer ist es auf Bergeshöhn,
Das helle ruft durch Nacht und Sturmgestöhn:

 

»Die Horden der Not brechen die Tore auf!
Streitbare Männer, kommet zu Hauf, zu Hauf!« –

 

– – Ist die Not vertrieben, leuchtet das Feuer fort,

Leuchtet und funkelt am hohen Bergesort.

 

Strahlt in den waffengeschmückten, bekränzten Saal
Als Flammenjubel, als jauchzendes Siegsfanal.

 

 


Niemand!

 

Wie reich ich war! Und wie hab ich gepraßt!
Wie nahm man lächelnd meine Edelsteine,
Wie trank man lächelnd meine goldnen Weine.
Verschüttet, vergeudet.
Unnütze Last!

 

Wie reich ich bin durch das, was ich verlor!
Was ich besitze ist mein eigen,
Nicht mehr vernehmbar einem andern Ohr,
Umhüllt von klarer Herrlichkeit: Von Schweigen.

 

Ein Trank ward mir gekeltert edelklar
In reinen einsamen Höhen,
Wo um der Reben goldsmaragdnes Haar
Himmlischer Kühle süße Düfte wehen.

 

Wie kühlt der Trank!
Genährt von heiliger Einsamkeit
Schafft er heilige Einsamkeit.
Da loht nicht Liebe und Haß,
Herrscht Unruh nicht und Ruh nicht.

 

Von seiner Tropfen goldenem Blinken

Wird niemand von wissen und niemand von trinken –

Auch – du – nicht!

 


Tiefen.

 

Auf dunkeln Tiefen ruht des Lebens Los.
Dämonisch Feuer birgt der Erbe Schoß.

 

Weh dir, wenn dir in traut verschwiegner Nacht
Nur Märchenglanz und Liebsgefunkel lacht.

 

Was aufwärts will, steigt aus der Tiefe auf.
Aus Dämonstiefen kommt der Heldenlauf.

 

Wohl dir, wenn ein Geschehn, das dich verletzt,
In gärend Feuer deinen Geist versetzt.

 

Wohl dir, wenn ein Geschehn, das du gewollt,
Aus Abgrundstiefen sich zum Licht entrollt.

 

Was leicht ist, sterbe hin, was klein und schwach
Im Übermaß sind alle Kräfte wach.

 

Im Übermaß wühlt Leben, das begehrt,
Bis es sich selbst im Übermaß verzehrt.

 

Heil dir, wenn sich entringt zum Höhenpfad
Aus Dämonstiefen deine Lebenstat!

 


W. v. B.

 

Immer wieder steigt dein Bild
Aus den Tiefen, draus die Sehnsucht quillt.
Was da winkt aus alten Zeiten
Wie ein weißes Wolkengleiten,
Ist dein Du nicht, ist mein Ich,
Mein verschenktes trunknes Ich,
Das dich, wie es dich auch tadelt,
Zur verschollnen Heimat adelt.

 


Drei Wünsche.

 

Tobstille Nacht. Wer ruft mir zu?
»Drei Wünsche hast du. Wähle du!

 

Dein sind drei Wünsche, kurz und klar,
Für das, was wird, was ist, was war.

 

Was willst du für vergangne Zeit?« –
Daß tot sie sei, mit Lust und Leid.

 

»Dein Wünschen für die Gegenwart?« –
Ein Herz, das noch auf Wunder harrt.

 

»Und dein Begehr fürs Weitergehn?« –
Die große Kunst, allein zu stehn.

 

Todstille Nacht. Wer rief mir zu?
»Drei Wünsche hast du. Wähle du!«

 

 


Auf hohen Bergen.

 

Tief unter mir das blaue Gletschermeer,
Von weißen Firnen königlich umstarrt,
Hab ich auf eine Botschaft still geharrt,
Auf eine Königsbotschaft, groß und schwer.

 

Je weiter mir das klare Auge sieht,
Je dringender, je fester wird das Fragen.
Wie königlich die weiße Wolke zieht! –
Und du?
Und du?

Mein dunkles Du, kannst du die Antwort tragen?

 

Von weißen Firnen königlich umstarrt,

Hab ich empfunden, daß mir Botschaft ward. –

Wie hoch und kühl die weißen Gipfel ragen!

– – – – – – – – – – – – – –

Da sang ich herben Munds mein bestes Lied
Mit einer Weise, die wie Bergluft zieht:
Das eherne Triumphlied vom Entsagen.

 

 


 

 

 

 

 

 

Schauen.

 


Im Zuge.

 

Nach flutendem Wohllaut verlangt mein Ohr;
Und hört nur der Räder rasselnden Chor.
Aber der Sinn und die Welt ist reich:
Was dem Ohr entflieht, das nehmen die Augen gleich.
Durch die suchenden lachenden Fenster dringen
Linienfluten und Farbenklingen.

 

Die Welt ist reich und der Sinn ist reich! –

Immer dasselbe und niemals gleich

Werden die weißen Wolken zumal

Und die Bergeshöhn und das lachende Grün im Tal

Sich fliehend und findend im mächtigen Zuge

Eine erschütternde Lebensfuge.

 


Die Straße Nirgendwo.

 

Ich ging in Deutschland irgendwo,
Mir ward so leicht zu Sinnen:
Ich ging die Straße Nirgendwo,
Die hatte kein Beginnen,
Und hatte kein Ende, kein Ende.

 

Und wer das liebe Wegstück geht,
Weiß nicht, woher der Lauwind weht.

Und was er singt, hat keinen Sinn,

Und was er denkt, hat kein’n Beginn,

Und findet auch kein Ende, kein Ende.

Und alles ist halb Viel, halb Eins,

Und ist doch so voll Sonnwendscheins,

Voll Scheins der Sonnenwende.

 

Und wer das Wegstück fand zumal,
Der sucht in jedem Jahr einmal,
Daß er in Deutschland irgendwo
Geh auf der Straße Nirgendwo.

 


Sehnsucht.

 

Die Sehnsucht liegt im grünen Gras,
Noch nicht ein Weib und nicht mehr Kind.
Sie schaut aufs bunte Wiesenmeer
Und sinnt und sinnt.

 

Halbwüchsige, du Sinnerin,

Herrin du und Dienerin,

Du schaust mich an. Nach langer Frist

Weiß ich wieder, wie schön du bist. – –

 

Und fernhin durch die Wiese zieht
Ein starker Hauch, der schon so müd.

 

Und fernehin am Wiesenhang
Da schwebt ein Klang

– Erklungen kaum, schon halb verweht –
Von Erntesang und Kindsgebet.

 

Und fernehin, ganz fernehin

Da zieht der Traum der Sinnerin – – –

Der Traum, der Traum der Sinnerin – – –

 

 


Gesättigt.

 

Wohlgeruch entströmt den Birkenzweigen,
Die sich schönheitsschwer zur Erde neigen.
Segenvolle Regenwolken schwanken.
Jeder Grashalm prangt von Diademen.

 

Wechselseitig für das Geben – Nehmen,
Für das übervolle Nimmerdarben
Tönt und duftet und erglänzt in Farben
Dank um Danken.

 

Stille!

Durch das Jetzt weht schon das Bald.
Stille:

Lauschend steht der Wald,

Daß er aus dem Dankesreigen nehme

Töne klar und schwer und tief –

Leitmotiv um Leitmotiv

Für des Herbstes Requieme.

 

 


Märkische Reime.

 

1. Kiefern.

 

In den Abendstrahlen
Glimmen die Kiefernstämme.
Und durch die Wipfel geht
Das Schweigen.

 

An einen roten Stamm gelehnt,
Einen befreundeten,
Steh ich und lausche:

 

Stampft wer mit schweren
Schritten und Schuhen
Durch einen Hochzeitssaal?
Singt wer mit rauher
Stimme ein Heimatlied?
Schlägt wer mit schwieligen
Händen die Laute?

 

Bin ich daheim?

 

 


2. Duft.

 

In des Feldes weiter Fläche
Hält der Geist nur herbe Feier.
Nur verstohlen spielt ein Windhauch
In des Dichters froher Leier.

 

Streng ist selbst der Duft, als sollt er
Aller laschen Sehnsucht wehren.
Von dem Wundenharz der Kiefern
Spricht er und vom Brot der Ähren.

 

 

 


3. Rhinluch.

 

Auch Lachen und Duften hast du zumal.
Über den grünen glänzenden Teppich
Bunte Lichter
Flammen unzählig auf.
Welle auf Welle
Mächtigen Duftens
Wallt über die flimmernde Fläche.

 

Käfergesumme
Schwebt durch die Luft
Wie Geigen und Flöten.

 

Einsamkeiten suchte dein Fuß
Und fand sie voll Duftens und Klingens.
Aber dem lauschenden Sinn
Schweigt nicht lange die Einsamkeit.

 

Denn voll Größe und Kraft und hehr ist der Wohlgeruch,
Wie lebenschaffender Gottesodem.

 

Hier zieh aus die Wanderschuhe.
Lausch eine Weile,
Und ruhe!

 

 


4. Stechlin.

 

An des Ufers Einsamkeiten bricht sich murmelnd Well an Welle.

Auf die weite Wasserfläche zuckt gespenstisch fahle Helle.

 

Bange lauscht der dunkle Waldrand nieder auf die mächtige Fläche,

Ob sie nicht von fernen Inseln unheilvolle Kunde spreche.

 

Gärt es wo, und flammt es zuckend weltfern auf der Erde Weiten,

Mitempfindend bebt der Waldsee in den tiefen Einsamkeiten.

 

Ob des Sees dunkle Welle ruhvoll auch ans Ufer rausche,
Immer ists verhaltnes Atmen: ists, als ob er lausche – lausche.

 

 


5. Heimat.

 

Hast es nicht im Traum gesehn.
Wann nach vollem und nach tiefern
Tönen deine Seele rief:
Dieses Land der Seen und Kiefern.

 

Hast es ahnend nie erschaut,
Wann der Sehnsucht Wellen gleiten
Durch der Seele offnes Tor:
Dieses Land der herben Weiten.

 

Märkisch Land ist frei von Sehnsucht,
Frei von Ahnung, frei von Klage.
Ist kein weiches Abendbeten:
Ist ein kräftiger Spruch am Tage.

 

Nicht wie Traum und nicht wie Dichtung
Liegt das Land in herber Rechtheit. –
Heimat, meine liebe Heimat,
Leite mich zu Kraft und Echtheit!

 


In Meister Uhlands Weise.

 

Haselkätzchen schwanken lose,
Samtgleich schwellen grün die Moose.
Ungehört der Nebel sinkt,
Wie ein Mahnruf, der verklingt.

 

Blickend in die grauen Fernen
Möcht ich fast das Warten lernen.
Ja! Ein Weilchen lind und still,
Wart ich, was da werden will.

 

 


Schneeland.

 

Weißes, weites, ebnes Gefild
Dehnt sich klar in flimmernder Runde.
Und der Baum vom weißen Grunde
Hebt sich scharf wie sein Schattenbild.

 

Weiße Decke deckt das Jemals,
Raunt noch wo ein dunkles Ehmals?

 

Weil es rings keine Wegspur sieht,
Die durchs Land der Sehnsucht zieht,
Nirgends sichre Kunde hört,
Die durch Wissen das Suchen stört,
Ist mein Ich fröhlich zur Stunde.

 

Sehnsucht suchend zum Himmelsrand,
Fand hier ihr schimmerndes Königsland,
Wo sie der harten Herrin Zeit
Nicht Tribut zahlt und Einlaß leiht.

 

Kühl und klar und unentweiht
Mit dem Schweigen nur im Bunde
Dehnt ihr Land sich weiß und rein,
Wie ein nie bewegtes Sein.

 

Und mein Blick lauscht in die Runde.

 

 


Im Schnee .

(Norwegen.)

 

Reiner Schnee auf dunkeln Wäldern,
Auf den Bergen lichte Bläue.
Und mein Innres redet also:
»Frei von Sorge, Wahn und Reue
Halte ich wie Winterkälte,
Ich, dein Ich, dir einzig Treue.

 

Wie ich kalt das Tun und Denken
Deines Seins mit Strenge richte,
Alte Wegspur tief verschneiend
Tilge und die Traumgesichte,
Zeig ich dir von weißer Höhe
Rein die Welt in blauem Lichte«.

 


Wintermorgen.

(Norwegen.)

 

Hin braust der Zug. Es weicht die Nacht.
Vorwärts der Mond in voller Pracht.

 

Rückwärts der Sonne Morgenbild.
Rings weites, reines Schneegefild.

 

Nur hie und da eine Hütte klein,
Als wärs ihr Lust, allein zu sein.

 

Weiß nicht, was mich da überkam,
So klar und hell und schweigesam.

 

 


Am See.

 

Natur hält heut noch einmal hohe Feier,
Dem Herbst so nah und fern des Sommers Pflichten
Als sänne sie ein Lied zum Klang der Leier.
Im Wasserspiegel webt ein Birkenschleier
Ums tiefe Dunkel feierlicher Fichten.

 

Die Binsen nicken. Wellenatmend neigt sich

Des Schilfrohrs volle, silbergraue Blüte. –

Der Geist wird Künstler. Und er sinnt und geigt sich

Ein Wellenwiegenlied, und er verschweigt sich

Die erzenen Saiten, die sein Denken glühte.

 

Das Denken ruht. Und aus des Künstlers Harfe
Fließt Wellenwohllaut in des Schilfrohrs Schwanken. –
Weiß ers? Bald, allzubald ertönt der scharfe
Stahlklang, daß Schein und Träumen er entlarve,
Der mitleidslosen, klirrenden Gedanken.

 

 


Moor.

 

Man nennt dich nur ein ödes Land,
Voll Heidekraut und braunem Sand,
Voll kurzer Kiefern, sumpfigem Ried,
Kein Lust, soweit mein Auge sieht.

 

Doch ich versteh; Beim Bilde dein
Wird manches Auge voll Tränen sein,
Das nach dir ruft, dich nie vergißt,
Dem du die liebe Heimat bist.

 

 


Dorf in der Weihnachtsnacht.

 

Dürftigen Lichtes dünne Fäden
Aus geschlossnen Fensterläden.

 

Kein Geflüster, kein Gemunkel.
Tiefes Schweigen birgt das Dunkel.

 

Keiner Räder knarrend Rollen.
Arbeit schläft. Es ruht das Wollen.

 

Keines Wandrers hastige Schritte.
Dumpfe Ruh in Winters Mitte.

 

Dennoch – atmend durch die Runde
Die stets neue, selige Kunde.

 

 


Stoppelfeld.

 

Laß mich nur immer stille stehen,
Das leere gelbe Stoppelfeld,
Ich mag es gern und gerner sehen,
Wenn es von goldnem Schein erhellt.

 

Es spricht von fleißiger Hände Regen,
Von Schweiß und Mühe, die kein Wahn ist.
Es spricht von einem großen Segen,
Von einer Arbeit, die getan ist.

 

 


Hochgebirge.

 

Groß ist das Schweigen, blaß vom Mond erhellt,
überflimmert von Sternen.
Gletscherwasser zu Tale fällt.
Weithin ragen die weißen Fernen:
Einsamer Gedanken Jagdrevier. –

Was will ich allhier? – – –

Wie weit ist die Welt? – – –

Lernen

Will ich, mich kennen lernen.

 


Hochgebirge.

 

Über weiße Riesengipfel
Wölbt sich hoch und weit
Sternbesäte, nachtgeweihte
Hehre Einsamkeit.

 

Los von dem, was ich gewesen,
Von Verlust–Gewinn,
Fernher fühlend, daß ich werde,
Ahn ich, was ich bin.

 

Unbekannt mit Ziel und Wandrern
Werd ich groß belebt
Als ein Glied des kleinen Zuges,
Der nach aufwärts strebt.

 

 

 


Abschied von der Schweiz.

 

Und wieder wirds ein Heimatsbild
In ernster Halle schlicht gemalt,
In die ein Licht, gedämpft und mild
Sanft flimmernd weich herniederstrahlt.

 

Mein Ich steht an der Staffelei,
In heimlich Sinnen still verstrickt,
Wenn es zur vollen Schönheit blickt,
Und führt den Pinsel groß und frei.

 

Dann wieder sinnt es still zumal,
Als such es für sein liebes Bild
Schon einen Platz, von Licht gestillt,
In seinem hellen Bildersaal.

 


Schweigen im Walde.

 

Nun hebt das große Schweigen an.
Das klare Morgenschweigen.
Die Nacht war wild, der Regen rann,
Und wütend durch den hohen Tann
Brauste ein Sturmesreigen.

 

Nun setzt das große Schweigen ein.
Das Schweigen und das Warten.
Das Warten auf den Sonnenschein,
Das macht das klare Stillesein
Im weiten Waldesgarten.

 

 


Duftenmüssen.

 

Am Wegrand prahlen
Gelbe Ranunkeln
Und Butterblumen,
Und lugen lieblich
Blaumännertreu und
Vergißmeinnicht.
Dem Gras enthebt sich
In bebenden Wogen
Ein starkes Duften.
Aus den Gärten hängen
Die üppigen schweren
Fliedertrauben.
Und die Kastanien
Sind besteckt mit
Lachenden Lichtern.
Und über all das
Duften und Blühen
Fließt ein heller
Morgiger Sonnenschein. –

– – – Und die Seele,

Die schicksalsgläubige,

Vergißt einen kurzen

Dämmrigen duftenden

Augenblick

Die eherne Macht

Des stetig-wirkenden

Inneren Schicksals,

Und jauchzt und fühlt sich

Frei,

Ganz frei! –

– – – Die törichte Seele!

Wie doch vergißt sie,

Daß sie blühte,

Weil sie mußte:

Einen kurzen

Dämmrigen Augenblick.

Sie bebte,

Weil sie mußte,

Wie das große Müssen,

Wie das bebende Duftenmüssen,

Wie das wonnige Blühenmüssen.

 

 


 

 

 

 

 

 

Heidelieder.

 


Rauhreifheide.

 

Rings ward über Tag das Land zur Dichtung.
Rauhreif glitzert auf den dürren Halmen.
Weiß umrissen ist der Eiche Kraftbild,
Und ein Schleier hüllt die Birke bräutlich.

 

Schweigend liegt die weißgeschmückte Heide.

 

Und wie unbezwingliche Gedanken
Ragen aus den weißen Einsamkeiten
Schwarz und drohend die Wachholderbüsche.
Herrisch wehren sie dem Schmuck zu haften,
Weisen weg das bräutlich weiße Prunkkleid.
Fest und unbezwinglich wie Gedanken
Düstern sie in herber Majestät.

 

Immer wieder schmiegt sich Birkenschleier
Schmeichelnd an die drohend dunkeln Büsche,
Wie Gefühle drängen an Gedanken.
Bange regt der Schleier sich im Windhauch,
Und es raunt wie weiblich scheues Flehen.

 

Doch zurückgewiesen wird das Flehen.
Hehr und ruhig schweigt die große Weite.
Wachsam drohen die Wachholderbüsche,
Daß die bräutlich werbenden Gefühle
Die Gedankenmajestät nicht stören.

 


Uralt und heilig.

 

Sturmverachtend ragen die Wachholder
Auf der Einsamkeit des Heidehügels,
Ehern: Wie in Erz gegossne Schwurhand.

 

Und an einen erzenen Stamm gelehnt
Schau ich in die große Heideweite,
Schau und schaue – – – –

Und die Einsamkeiten

Fangen plötzlich an sich zu beleben.
Wolken jagen, Wolken wie Gewänder.
Heldenleiber steigen aus der Tiefe.
Und ein Blitz! Auf weiter Höhe ragt
Tor, den Hammer in die Lüfte reckend,
Tor, der Alte, einen Weltschwur schwörend.
Einsam. Groß. Der Weltgott. Der Germane.

 

Wieder stille wird es auf der Heide.
Erzgemeißelt ragen die Wachholder.

 


Plötzlich schallt ein Kampfruf. Rosse jagen.
Lange Haare flattern wild im Winde.
Rasch verbraust der Zug. Nur Einer bleibt:
Aufgereckt, allein auf weiter Höhe.
In den gelben Haaren wühlt der Wind.
Auf zum Himmel flammt das Notungschwert.
Und er schwört sich einen heiligen Eidschwur,
Sich und seinem Volke, seinen Sachsen,
Herrscher Er der Sachsen – Widukind,
Enkel Tors, des Weltgotts: Der Germane.

 

Wieder stille wird es auf der Heide.
Uralt, ehern ragen die Wachholder.

 

Und es tönt wie alte heilige Schwüre.

 

 


Uralt und heilig.

 

Wolken ziehn, die Heide schweigt
Wie ein traumumspielter Wille.
Tiefher quillt ein Rätselklang
Heilig durch die Heidestille:

 

Welt will weiter ohne Ruh.

Wandrer, Wandrer, warte du!

Lausche eine kurze Stunde.

Ewige Weisheit stillt die Runde.

Das Geheimnis nur ist heilig. –

– – Wandrer, Wandrer, nicht so eilig! – –

 


Heilung.

 

Ich sah dem Bild in hellem Sonnenlicht,
Und wann die Nebelwolke stürmisch eilt.
Nur wenig sprachst du: Worte, herb und schlicht.
Mit Einsamkeit hast du mein Herz geheilt.

 

Mit Menschenhaß betrat ich deine Flur,
So Lust wie Leid lag ödend in mir brach. –
Du wiesest ernst mir eine höhere Spur,
Und Osterglocken wurden in mir wach.

 

Du dunkles Riesenschweigen, habe Dank!
Du gibst dem Freunde über sein Begehr.
Der Seele Saiten geben wieder Klang:
Denn da ich scheide, wird das Herz mir schwer.

 

 


Ostersonntagmorgen in der Heide.

 

1. Märzkühl.

 

Märzkühl sind die Sonnenstrahlen,
Drin die Birkenperlen funkeln,
Drin die weite Heide feiert,
Und Wachholderbüsche dunkeln.

 

Nur die Lerche hoch in Lüften

Singt ihr Lied voll keuscher Feinheit.

– Durch die Heideeinsamkeiten

Schweift ein Sehnsuchtshauch von Reinheit. –

 


2. Botschaft.

 

Im Wachholderfriedhof lagernd,
Meine ich, in fernen Chören
Eine osterliche Botschaft
Märzenkühl und klar zu hören:

 

»Märchenfern und erdemutig
Kann der Mensch im Lebensstaube
Wandeln, wie er denkt im Herzen!
Das ist heiliger Osterglaube.«

 

 


3. Lauschen.

 

Im Ostermorgensonnenschein
Vergißt das Herz das Frieren.
Doch in den Strahlen kühl und rein
Kanns noch nicht jubilieren.

 

Es kann nur lauschen klar und weit
Einem gedämpften Raunen,
Einem Siegessang der Einsamkeit
Und einem heiligen Staunen.

 

 


4. Ehrfurcht!

 

Fichtendunkel mir zu Häupten,
Vor mir Heide, lichtgegrüßte.
Denken muß ich an die Stimme
Eines Predigers in der Wüste.

 

Mir auch tönt gewaltige Stimme,
Spricht von Kraft und ewiger Keimnis.
Und sie predigt: »Ehrfurcht, Ehrfurcht
Vor dem letzten Urgeheimnis!«

 

 


5. Choral.

 

Über weite Heidestille
Fließt ein mächtig Lichtgefunkel.
Herrisch bringt das goldene Flittern
Siegend durchs Wachholderdunkel.

 

Auf die offne Seele flimmert
Glanz von unsichtbarer Krone.
Und durch ihre Hallen flutet
Der Choral vom Menschensohne.

 

 


6. Einsam.

 

Könnt ich fühlen wie die Andern,
Könnt ich denken wie die Meisten,
Liebt ich nicht, allein zu wandern,
Nicht die Klänge, die verwaisten.

 

Wahres Glück ist nicht gemeinsam.
Und allein geht der Erlöste.
Kraft ist zeitlos. Und wer einsam
Denkt und handelt, ist der Größte.

 


7. Wortlos.

 

Aufgereckt in Geistesklarheit
Zieht vor mir dein hehres Bildnis,
Leiderlöser, Sohn des Menschen,
Durch der Heide öde Wildnis.

 

Durch die Seele zittert einsam
Eine höchste Menschheitsmahnung,
Wie ein Sonnenstrahlenzittern:
Worterlöst, wie wache Ahnung.

 

Deines Wirkens heiliger Urquell
Läßt sich nicht in Tönen sagen.
Deines Wesens tiefste Wahrheit
Können keine Worte tragen.

 


Du brauchst sie nicht.

 

Du brauchst sie nicht, die goldgeklärten Strahlen,
Die Farben nicht, drin Herbstestage malen.
Lust ist wie Leid dir allezeit gemeinsam.
So herb wie schön bist du, so hehr wie einsam.

 

Zur Wahrheit weist dein Lied, und nicht zu Träumen.
Ruhvoll Verzichten webt in deinen Bäumen.
Streng ist der Spruch, den deine Größe spricht.
Tröstung und Trennung klingt durch dein Gedicht.


 

 

 

 

 

 

Plattdeutsch.

 


Jan Smök.

 

In’ n Hus herüm to janken,
Wehleddig as een Kranken,
Dat is min gröttste Hoeg.1
Doch kümmt de Win tom slucken,
Vergōāhn mi all min Mucken.
Dor heww ick mine besten Toeg.

 

Un gōāh ick up de Strōāten,
Marschier’k as een Soldōāten,
Un gew keen Minschen Rum. –
Doch an den Supdisch ründli
Dor grifflach ick so fründli,
Un bün so toam as witte Dum.2

 

Un geiht’t nu gor an’t Smöken,
Wo söt is dat to röken!
Ick smök, as lütt Mann backt.
Un kümmt mi wer besöken,
He süht mi nich vōr’t Smöken.
Ick sitt, grod as in Wulken packt.

 


Un sleiht dat so Klock neegen,
Ligg ick in söten Toegen,
De Slōāp ward mi nich swor.
Ob Wiew un Kinner horken,
Dat stört mi nich in’t Snorken.
Ick reck un streck mi as een Dor.3

 

 

 

1 Behagen. 2 Tauben. 3 Bär.

 


Man jo nich!

 

Minsch, nich so fix! Günn di man Rauh!
Un bliw an’t Enn1 und spōār din Schauh!
Wat? Du wisst2 di erdreisten?
Man jo nix leisten!

 

Minsch, mōāk di nich to’m rügen3 Gast.
Man jo nich deese hille Hast!
Du wisst nich as de Meisten?
Man jo nix leisten!

 

Wat? Kein Geplier4 und kein Gebück?
Minsch büst du uter Rick un Schick?
Du wardst5 di schön wat äusten!6
Man jo nix leisten!

 

Bliwwst du fin still an dinen Urt,
Denn krigst du bald ne Ihrenpurt,
Un’n Rang, son dāēgten, feisten.
Man jo nix leisten!

 

 

 

1 Ende. 2 willst. 3 rauh. 4 Schielen (nach oben Sehen),
5 wirst. 6 ernten.

Dat Best.

 

Up vaele Staeden būn ick west,
Heww Lew un Frünnschaft funnen.
Dat, wat ick säuk, bat Letzt un Best,
Dat heww ick noch nich wunnen.

 

Un wat Dat is, Dat seggt kein Wurt,
Un lat sich doch nich haehlen,
Wenn von son halw verluren Urt
Mi dröhmt un Kinnerspaelen.

 


 

 

 

 

 

 

Frühere Gedichte.

 

 


Das Ziel.

 

Ich wandre vorwärts nach dem Ziel, dem hellen.
Nicht einsam, wenn auch ohne Weggesellen.

 

Es sichern Kraft für Seele mir und Glieder
In meiner Brust die ungesungnen Lieder.

 

Und ruhig trotzend schirmen vorm Erschlaffen
Mich meines Geistes ungebrauchte Waffen.

 

Es ist kein Jagen, kein unbändig Hasten.
Ein stetig Wandern ists, doch ohne Rasten.

 

Wie schön der Weg! Zwar mühsam zu beschreiten.
Doch große Pracht strömt durch die Einsamkeiten.

 

Und wallen Nebel, die den Abgrund hüllen,
Sie müssen fliehn vor meinem stäten Willen.

 

So, klaren Augs, erfaß ich die Bedrängnis.
Und alles Graun fällt ab von dem Verhängnis.

 

Dem Ziele zu! Und dies der Wandersegen:
Erreich ichs nicht, ging ich ihm doch entgegen!

 

 


Tag.

 

Wohlauf! Der Tag springt in die Bahn,
Wo bunte Träume schliefen.
Die dumpfen Stunden sind vertan.
Wohlauf! Mein Herz, der Tag bricht an
Für deine tiefsten Tiefen.

 

Wie schnell das Träumen sich vergißt!
Das Herz fühlt es mit Beben.
Mit frohem Jauchzen es ermißt,
Daß heller Tag es worden ist.
Taghell fürs ganze Leben.

 

Und welch ein Lied der Tag auch singt,
Ob herben Sang, ob süßen,
Ob Trübe, ob er Sonne bringt,
Seis, wie es sei! – Sein Lied erklingt.
Wohlauf! Ich will ihn grüßen.

 


Die Schätze.

 

Heut quält ein Alp mich in der Nacht, der stillen:
»Du ruderst irr mit deinem freien Willen!«

 

»Wer eint sie denn, des Lebens Gegensätze?
Du sammelst Spreu und glaubst, du sammelst Schätze«.

 

»Wer löst das Widerspiel von Tag und Nacht?«
Die ferne Glut, die auch im Busen wacht.

 

»Wer schließt den Bund von Finsternis und Licht?«
Die eigne Treue, die den Wall zerbricht.

 

»Das Fleisch, wie schmutzig, und der Geist, wie rein!«
Fürs Gute kämpfen, heißt schon Sieger sein.

 

»Du willst hinauf und taumelst in die Gründe«.
Sahst du mich fallen? Arbeit tilgt die Sünde.

 

»Die Brücke zeig vom Himmel mir zur Erde!«
Die Freiheit weist den Weg und seine Fährde.

 

»Wer sprengt das Tor der Lüge für die Wahrheit?«
Des Wollens Echtheit und die innre Klarheit. –

 

Da schwand der Alp. Der Brust geheimste Plätze
Durchzieht ein Klingen. Stille ruhn die Schätze.

 


Fragen .

 

Es rief ein Geist heut meiner Seele zu:
Sag an, welch Übel, Stolze, fürchtest du?

 

»Keins«, sprach die Seele. »Fürchten liegt mir fern.
Mein Schwingenkleid trägt mich von Stern zu Stern«.

 

Graß kommt der Tod! Keins bleibt dir von den Deinen!
»Das ist ihr Los! Ich werde um sie weinen«.

 

Ein jäher Sturz! Des Freundes Treue wankt!
»Für die erwiesne sei ihm stets gedankt«.

 

Ein fast gelöst Problem – krach, springts zu Stücken!
»Zu neuen Ufern führen neue Brücken«.

 

Dir glückt manch Lied. Ein Riß – die Saiten springen,
»Was ich begann, ein andrer wirds vollbringen«.

 

Erst volksgefeiert – dann verhöhnt, verlacht!
»Held bleibt doch Held auch nach verlorner Schlacht«.

 

Ein Menschheitsziel, greifbar – da bricht dein Streben!
»Es war gewollt. Und meine Kränze leben«.

 


Du hast gefehlt – der Wahrheit Strahlen schrecken!
»Der Liebe Himmelswolke wird mich decken«.

 

So bist du frei, sprach da der Geist, verdunkeln
Kann nichts dein Licht. So laß es weiter funkeln!

 

 


Geweihte Räume.

 

Geweihte Räume trag ich
In meiner Brust.

Das rühm ich und das sag ich
Mit Stolz und Lust.

 

Geweihter Räume Segen
Trotzt dem Geschick.

Und heilig sie zu pflegen,
Ist höchstes Glück,

 

An deren Tor das Kleine
Vergeblich klopft,

Durch die das einfach Reine
Wie Balsam tropft.

 

Drin steht, zu Sternen lugend,
Mit goldnem Haar

Als Priesterin die Jugend
Am Festaltar.

 

Duft streut mit reinem Herzen
Die Schönheit jung.

Es zündet hell die Kerzen
Begeisterung.

 


Das ist kein Ort für Träume –
Ein starker Sang

Zieht durch die heiligen Räume
Wie Glockenklang.

 

Das ist kein Ort für Schmerzen,
Für Haß und Not –

Es funkeln ja die Kerzen
Wie Morgenrot!

 

Geweihter Räume Segen
Zwingt das Geschick.

Und heilig sie zu pflegen,
Ist höchstes Glück.

 

 


Mikroskop.

 

Hat dein Auge wissensdurstig
Schönheitsfroh die Welt genossen,
Blieb dir doch die größte Freude
Und die schönste Welt verschlossen.

 

Alle Lust wird hier vertiefter,
Alle Farben leuchten klarer,
Alle Form wird groß und einfach,
Alle Weisheit scheint dir wahrer.

 

Doch aus all der reinen Fülle:
Farben, Formen, Tod und Keimnis –
Gleich unnahbar winkt und lächelt
Hoheitsmächtig das Geheimnis.

 


Böse Stunde .

 

Was ists, das ich in meinen besten Stunden
Als Höchstes und als Heiliges empfunden?
Danach ich griff, kraftgläubig, ohn Ermatten?
»Ein Schatten«.

 

Was wars, das zu mir sprach: »»Ich bin das Sollen!
Sei du mir dienstbar. Höchstes ist das Wollen?««
Was wars, das klang wie starker Wogen Schäumen?

»Ein Träumen«.

 

Da ich erklomm des Wissens steile Stege,
Wie bin ich nun auf klarerkanntem Wege,
Der aller Kraft und allem Mut gemeinsam?
»Ganz einsam«.

 

Was ists, das mich bedrückt wie Moderdünste,
Voll kalten Grauns, aushauchend Brunst um Brünste?
Was riß den grünen Kranz mir aus dem Haare?

»Das Wahre«.

 


Sylvester.

 

Laß los meine Hand,
Du graues Jahr!

Du möchtest reden?
So rede wahr!

 

– – »Ob fröstelnd du früh dich

Vom Feuer entferntest,

Hast Wohl dir gewonnen,
Weil viel du verlerntest.

 

Statt suchender Sehnsucht,
Die sengend sehrte,

Kühlet dich Kälte –
Kampfgeklärte.

 

Statt Traumestruges

Und täuschenden Tandes,

Schaust scharf du die Schatten
Des Lebenslandes.

 

Und schreitest schweigsam
Auf steinigen Stegen,

Ein wissender Wandrer
Dem Endziel entgegen«.

 


Muß.

 

Hinauf zu streben – herrlich Unterfangen!
Doch wählst du selber nicht die große Bahn,
Bist Herrscher nicht von Wollen und Verlangen,
Entwirfst, ein Künstler, nicht des Lebens Plan.
Fügst selber Farb auf Farbe nicht zum Bilde.
Und schmiedest nicht am eignen Schwert und Schilde.

 

Des Mundes Beten und das Tun der Hände,
Durchs unbegrenzte Geistesreich der Flug,
Der rasche Anfang und das müde Ende,
Der Sprung, der dich auf hohe Felsen trug –
Das ist ein Muß, so gut wie deine Tränen.
Gesollte Bahn geht selbst dein stillstes Wähnen.

 

Klar ist dein Weg. Du gehst ihn ohne Trauern.
Die Pflanze wächst aus festem Schicksalskeim.
Die Lebenslaute klingt: Mit leisem Schauern
Entfließt ihr festgefüget Reim auf Reim.
Du träumst nicht mehr. Erkenntnis gibt dir Klarheit:
Im Muß löst sich das Rätselwort der Wahrheit.

 


Genius .

 

So seid vollkommen! sprach des Menschen Sohn.
Strebt nach dem Gott, den euer Geist erdichtet!
So sprach ein Andrer auf dem Menschheitsthron.
Wer sich zu schwach fühlt, hat sich selbst gerichtet.

 

Heil euch! Der Genius weiß von Grenze nichts,
Er weiß nicht, daß die Glut entschwebt der Rose,
Er sieht kein Ende in dem Meer des Lichts,
Und seine Schwinge streift das Grenzenlose.


Wohl dem .

 

Wohl dem, der an des Lebens Ende steht.
Er schaut zurück auf die durchlaufne Strecke:
Ein kahler Weg, von Steingeröll besät,
Seitab manch Trugbild, lauernd im Verstecke.

 

Er ging den Weg. In heißem Sonnenschein,
In fahlem Grau hat er die Last bezwungen.
Das Kleid zerriß er sich an hartem Stein,
So oft die Träume ihm ins Ohr geklungen.

 

Das Lügenträumen, das ihn so betrog,
Wen äfft es nun? Wo blieb die Blätterkühle,
Die auf den Pfad sein töricht Sehnen log? –
Er sieht zurück – ein starrend Steingewühle.

 

Wohl dem, der an des Lebens Ende steht:
Lügen und Träumen endlich überwunden!
Und in der Seele nur ein Dankgebet:
Erinnerung an arbeitsernste Stunden.

 

Wohl ihm, empfängt ihn dann ein stilles Haus,
Fernab der Welt und ihrem schlimmen Richten.
Dann zieht er sacht die Wanderschuhe aus
Und sinnt zurück im Schatten dunkler Fichten.

 

 


Leben.

 

Das Leben wills, daß du in Rüstung gehst,
In selbstgeschweißter.
Ein Ofterlegner auf dem Kampfplatz stehst,
Ein Vielbezwungner nie um Frieden flehst:
So wirst du Meister.

 

Das Leben wills. – Dem Worte werd ich lauschen

Mit hartem Geiste.
Und dennoch – um ein stilles Quellenrauschen
Möcht ich des Lebens schwere Rüstung tauschen,
Die selbstgeschweißte.

 

Ich sehne mich bei all der schweren Last

Im Weitergehen
Nach einer Hand, die meine still erfaßt,
Nach Vogelsang im grünen Waldpalast
Und dunkeln Seen.


1793.

 

Hör es immer, wenn in großen Zeiten starke Pulse schlagen,

Wenn aus dunkeln Tiefen wilde Flüche auf zum Lichte jagen,

 

Segenswunsch und Haßgekreische durcheinander fleht und wütet,

Argwohn krächzt, und Kraft laut aufbrüllt, und kein Zwang
die Form behütet.

 

Hör es und vergib! Das wilde Schreien und das wüste Schallen,

Haß und Zorn und Wut und Argwohn – ist ein armes
Kinderlallen.

 

Armes, unbeholfnes Tasten, eines Kindes kläglich Wimmern,

Dem die Worte neblig vor der traumumfangnen Seele flimmern.

 

Hör es und vergib! Das Lallen und das Wimmern aller Zeiten

Wird verfließen in das todesstumme Meer der Ewigkeiten.

 


Erdgeruch.

 

Klar ist der Herbsttag. Unter Buchenrot
Lieg ich und schau ins Tal, ins braungestreifte.
Der Körner harrend für das neue Brot
Schweigt rings das Land, das kaum erst Früchte reifte.

 

Und durch die Luft geht frischer Erdgeruch
Voll starker Kraft, wie eines Mannes Schwören,
Wie tiefes Atmen, wie ein Säerspruch:
Ein Lied der Arbeit in Posaunenchören.

 

Ich liege stille unterm Buchenrot,
Mit hellen Augen, glücklich ohn Ermessen.
Dies Lebensduften, frei von Spiel und Not,
Wers einmal einsog, kann es nie vergessen.

 

Du wehst, du Erdgeruch, durch jeden Preis,
Den eine starke Manneskraft errungen,
Du ziehst durch jeden heißen Tropfen Schweiß,
Durch jede Großtat, die der Mensch bezwungen.

 


Pflicht .

 

Heerbanner wehn, auf Bergeshöh entrollt.
Posaunenruf dröhnt durch die Luft: Ihr sollt!

 

Schwert in die Hand! Hinauf zu Bergeshöhn,
Durch Sonnenflittern und durch Nachtgestöhn!

 

Hell gleißt Gewinn. Und lächelnd lockt der Lohn. –
Du sollst! – dröhnt der Posaune ehrner Ton

 

Seitab ein Blumenhag im schattigen Grund. –
Du sollst! – dröhnt des Metalles ehrner Mund.

 

Schwert in die Hand, und durch! – Nun ists geschehn:
Die Banner hör ich mir zu Häupten wehn. – –

 

Verstummt ist der Posaunen mächtig Drohn,
Und aus den Bannern rauschts wie Vaterton:

 

»Leg hin das Schwert. Bewehrt ist deine Brust.
Du hast gesiegt: du sollst nicht mehr. Du mußt!«

 


Abend.

 

Der Garten dunkelt. Stille wird mein Dichten.
Rings um mich webt das Schweigen hoher Fichten.

 

Du, tags durchtobt von wilder Sehnsucht Horden,
Wie, meine Seele, bist du still geworben?

 

Schriest wohl nach Glück in drängend heißem Triebe
Am hellen Tage, schriest nach Lust und Liebe.

 

Törichte Seele, die das Licht geblendet,

Nun horchst dem Ernst du, den der Abend sendet.

 

Du horchst voll Andacht einem strengen Richten.
Rings um dich webt das Schweigen hoher Fichten.

 

In hohen Wogen flutend bebt dein Wille.
Denn strenge spricht die ernste Abendstille:

 

»Weißt du was Glück ist in des Lebens Schwüle?
– Getanes Tagwerk und gewollte Ziele«.

 



Vor Damaskus.

 

Auf dem Wege nach Damaskus sprengen
Flüchtige Reiter. Heiße Gluten sengen.

 

Vorneweg den andern sonder Rasten
Jagt ein Einzelner. Ein wildes Hasten.

 

Krampfhaft preßt den Zaum die feine Hand.
Schlanke Glieder deckt ein grau Gewand.

 

Mächtige Stirn, in Furchen stets bewegte,
Drauf der Genius sein Siegel prägte.

 

Rote Lippen, herb gepreßt zusammen.
In den Augen Flammen: Flackerflammen.

 

Saulus, rasend auf der Christenhetze.
»Fluch den Frevlern! Heiligt die Gesetze!

 

Guter Boden ist es, den wir ackern!«
Düster in den Augen glimmt das Flackern.

* * *

»Rote Glut seh ich im Osten tagen.
Menschenzwiespalt ist nicht mehr zu tragen.

 

Das Gesetz ists, das die Halle reinigt.
Tod für alles, was uns hemmt und peinigt!

 

Sterben sah ich sie zu hundertmalen.
Dennoch – wie sie sterben! Sonder Qualen.

 

Nimmer sah ich Haß, noch Schmerzgebärde.
Dennoch – Rein will Gott die schwangre Erde!«

 

Auf die Brust in tastenden Gedanken

Sinkt das Haupt. Die Flackerflammen schwanken.

* * *

»Rings ein Reich! Die Seele ohn Beschwerde!
Kehret um, und helle wird die Erbe,

 

Lichterhellt, sprach Er, die Todesgründe? –
Frevlerwahnsinn! Tilgt Er Nacht und Sünde??

 

Pflanzt Er nicht in übertollem Wahne
Aufs Gesetz, aufs heilige, die Fahne?

 

Das Gesetz schafft alles, Kraft und Leben.
Dennoch – – ist es wirklich gottgegeben?

 

An die Schläfen starke Pulse klopfen.
Perlen Schweißes von der Stirne tropfen.

* * *

»Wenn Er dennoch – Groß und ohne Sünde,
Sagt man, war Er. – Daß ich Ruhe finde!

 

Jeder Jünger todeswert und richtbar!
Dennoch – seine große Kraft ist sichtbar.

Werdet wie die Kindlein, sprach er milde? –
Eitler Träumer, weg von diesem Bilde!

 

Das Gesetz ist fesselstarre Trübe?? –

Wer erfüllts? Der Haß? Die Zucht? – – Die Liebe?

 

Gott als Vater lieben! – Wers vermöchte!
Ihr seid Kinder, sagt Er. – Keine Knechte?

 

Heilig, kranzgeschmückt der Seele Schwelle.
Leib wie Lust strömt aus derselben Quelle??«

 

Tiefer sinkt das Haupt. In wildem Schwirren
Flackern Flammen. Flackern, glitzern, irren.

* * *

»Sündenschatten! – Dunkle Lebenspfade. –
Wo ist Licht, das weisend uns begnade?

 

Gott ist Geist! Das klingt wie große Klarheit! –
Doch wie Wahnsinn klingts: Ich bin die Wahrheit!

 

Dennoch – War Er rein und ohne Fehle,
Wie sie sagen – Wahrheit löst die Seele!

 

Wahrheitstreue löst von bittrer Zweiheit!

Gott ist Geist! Und wo der ist, ist Freiheit??«

 

Sonnenstrahlen grell zur Erde flittern.
Durch die schlanken Glieder rinnt ein Zittern.

* * *

»Alle Menschenseelen frei! Genesen!
Wenn er dennoch – Rein ist Er gewesen?

 

Rein und gut – Und doch so stark wie Berge.
Wenn es wirklich? – Schauerts durch die Särge?

 

Gottes Reich errichtet auf der Erde!

Und die Liebe sprach das Werde! Werde!

 

Mitten in uns ist die heilige Stätte,
Hehres Freisein trotz der ewigen Kette?

 

Der gequälte Mann! Von starrem Hohne
Tot gehetzt, im Schmuck der Dornenkrone.

 

Alle Wunden, alle Menschheitschmerzen
Trug Er auf dem weltenweiten Herzen?

 

Er die Riesenreinheit! Nein, kein böser
Wahnbetörter Feind! Er ein – Erlöser!

 

Mehr als Held! Ein« – – Da reißt es am Pferde. – –

Saulus’ Körper krümmt sich auf der Erde.

 

Wildes Zucken! Wilde Leibesqualen!
Innres Sehen. Äußeres Erstrahlen.

 

Mählich sänftigt sich der Zuckung Rollen.
In der Ferne dumpfen Donners Grollen. –

 

Dann ein Schrei aus angsterlöster Kehle:
»Christus, Jesus! Retter meiner Seele!«

 

Dann ein Glanz! Den Blick zur Höh gesendet
Schwankt ein Held, den innre Kraft geblendet!

 


Spinoza .

 

Ein kleines Kämmerlein im Niederland.
Ein kranker Mann, sich mühend, Glas zu schleifen.
Indes sein Geist die Zeitflut überwand,
Und in der Seele Lichtgedanken reifen.

 

Spinoza! Aus dem ewigen Sein, aus Gott
Siehst du das Leben, fühlst das Streben quellen.
Und Weltgesetz ist alles! Lust und Not,
Im Meer der Ewigkeiten Well auf Wellen!

 

Nicht in der Welt erscheint dir Gottes Kraft;
Die Welt siehst du in seiner Liebe brennen.
Freisein von Reue, Schmerz und Leidenschaft,
Das ist dein Glück in reinem Gotterkennen.

 

Welttiefen schlummern dir in klarer Brust.
Doch ach, die Schwingen sind zum Flug gebunden.
Warst dir der Menschenkleinheit zu bewußt,
Was du gesucht, – hast du nur halb gefunden.

 


Kant.

 

Und was der Menschheit Größte je erfragt,
Was Helden gotterfüllt geahnt, gedichtet,
Das hast du, Kant, in heller Sommerpracht
Zu einem hehren Tempelbau errichtet.

 

Mit reichen Bildern ist geziert sein Tor,
Mit jungem Grün geschmückt die heiligen Plätze.
Als Wölbung prangt der Himmelssterne Chor,
Die Pfeiler – reine, ewige Gesetze.

 

Du wiesest, hassend allen Trug und Schein,
Dem Können seine festgefügten Grenzen.
Und doch verstandest du das Menschensein
Mit Würde und mit Größe zu umkränzen.

 

Den schönsten Lenz erschufest du der Welt.
Zu dir empor drängt sich der Strom der Geister,
Und huldigt dir vor deinem Königszelt
Als ihrem Führer, ihrem größten Meister!

 


Liebesfrühling.

 

In unsre Zukunft schaut mein Sonnenkind,
In unsrer Nächte, unsers Tags Gestalten.
Komm, lehn dein junges Haupt an meine Brust,
Indes dich freudig meine Arme halten.

 

Sieh, unsre Tage sind Vorfrühlingszeit
Mit Fragen, erstem scheuem Lenzeskosen.
Und unsre Nächte Sommersonnenglut,
Durchrauscht von Liedern und vom Duft der Rosen.

 

Nicht so? – Die Tage sind Vorweihnachtszeit
Mit ihrem ahnungssehnlichen Getriebe.
Und jede Nacht ist eine heilige Nacht,
Durchflutet von dem Festglanz seliger Liebe.

 

 


Das Lebenswerk .

 

Klarfrische jugendfreie Frühlingsluft
Durchzieht die Welt mit wonnesamem Duft.
Und bringt voll Kosens in ein stilles Zimmer
Zu einem Greis in weißer Locken Schimmer.
Schön ist sein Antlitz. In den glänzend feuchten
Tiefblauen Augen ruht ein klares Leuchten,
Und glänzt, als schaut es fernes, schönes Land.
Auf einem Buche ruht die kräftige Hand,
Und, wenn die Sonnenstrahlen drüber flittern,
Rinnt durch die Hand ein ahnungsscheues Zittern.
Er hat das Buch in mancher Nacht geschrieben:
Sein Lebenswerk. Sein Wollen, Streben, Lieben.
Den Blick dem Sonnenlichte zugewendet
Seufzt er aus tiefster Brust und jauchzt: . . »Vollendet!

 

Mein Abend naht, er naht in höchster Klarheit.
Mein Sehnen und mein Lieben galt der Wahrheit.
Nun legt sie mir, umhaucht vom jungen Lenze,
Mit reiner Hand um meine Stirn die Kränze!
Wohl war ich ihr ein nimmermüder Krieger.
Die Arbeit ist getan. – Ich bin der Sieger!«

 

Da, wie er so ins Licht schaut, unverwandt,
Berührt ihn leise eine weiche Hand.
Und vor ihm steht, von warmem Duft umgeben,
Ein junges, wunderholdes Menschenleben.
Sein Töchterlein, dem Maienmorgen gleich.
In ihrer Hand ein Kirschenblütenzweig.

»Welch großes Buch! O, lieber Vater sprich!
Du schaust so ernst, schaust gar so feierlich!«
Mein Kind, hier ist der eitle Tand gerichtet,
Des Lebens Lüge ist zermalmt, vernichtet.

Frei die Natur von Afterwahn und Spott,
Nicht ohne Leben, aber ohne Gott.
Von allen Larven, die es blöd umgeben,
Gereinigt hab ich es, das Menschenleben.
Die dunkeln Mächte, die wir selbst geschaffen,
Sie sind besiegt von meinen blanken Waffen.
Wie drängt es mich, daß es die Welt erfahre,
Mein Lebenswerk, die Arbeit meiner Jahre!

 

Da schmiegt sein Kind sich bebend an ihn an:
»O, Vater, Vater, was hast du getan!
Wo ist der Ewige, der die Welten lenkt?«

– Wir schufen ihn. Er sei in Nacht versenkt.
»Und alles Leben, das der Geist gebar?«

– Ein bleiches Etwas, das nicht ist, noch war.
»Und keine Hoffnung, keine Ewigkeiten?«

– Wir werden ohne sie im Leben streiten.
»Das Leben ohne Schönheit, ohne Glänzen?«

– O, nein! Die Arbeit bleibt, sie wird es kränzen.
Da starrt das schöne Kind voll herber Qualen

Mit großen Augen in die Sonnenstrahlen.

»Mir ists, als ob ein des Nichts mir bliebe.

Du sagst: die Arbeit? Warum nicht die – Liebe?«

– Hab ich die Menschheitsgötzen all gefällt,
Fällt auch die Lieb, die Lügenfee der Welt.
Ein Tiertrieb, der nach heißen Lüsten drängt,
Den wir mit buntem Flitterwerk umhängt.
»Mein Vater, willst du alles Licht mir rauben?

Es ist zu grau, zu leer! Ich kanns nicht glauben«.

– Du mußt es glauben, lasest du mein Buch.
Es bleibt erwiesen, klar und rein genug.
»Ists nicht, als ob in trübe Nacht ich tauchte?
O, daß ich nie das Buch zu lesen brauchte!«

Sie schmiegt sich an ihn, schluchzt mit heftigem Beben:
»Mit solchem Glauben könnt ich nimmer leben!«
Dann schaut sie ihn so bange an und klar.

Wie träumend streichelt er ihr Seidenhaar.

Und sie geht scheu. Die schlanken Glieder beben.

Noch einmal schluchzt sie: »Nimmer könnt ich leben!«

 

Nachblickt der Alte ernst dem holden Kind.
Die Stirne furcht sich, und er sinnt und sinnt.
Das Kirschenblütenzweiglein, das sie trug,
Liegt keusch und zaghaft auf dem offnen Buch.
Und all der jugendweiche Frühlingsschimmer
Blickt großen Auges in das stille Zimmer.

 

Dann gehts wie Leuchten über sein Gesicht.
Wie großes Leuchten, wie das Firnelicht.
Er legt das Buch in seine alte Truhe.
Und schließt sie zu mit freudevoller Ruhe.
Drauf gräbt er in den festverschlossenen Schrein
Mit fester, kräftiger Hand die Worte ein:
Die Truhe bleibt versiegelt und verschlossen,
Bis hundert Jahre in das Land geflossen! –

 

Dann reckt die Arme er und dehnt die Brust. –
Strahlt ihm das Aug von Schmerz? Strahlt es von Lust??
Den Kirschenblütenzweig in seiner Hand
Steht er und schaut ins Lichtmeer – unverwandt. –

* * *

Nun fragst du mich: Warum hat er verdunkelt
Sein Lebenswerk, das voller Wahrheit funkelt?

– Damit ein Leben, das im Schein sich sonnte,
Ein liebes Leben, weiter träumen konnte. –
Weshalb entsagt er heißersehntem Ruhme?

– Um nicht zu töten eine holde Blume. –

 

 


Ohne Selbsttäuschung.

 

Nie hat ein Mensch dem andern noch genutzt,
Von ihm zu nehmen Ängste und Beklemmnis.
Nie hat ein Mensch den Mut dir blank geputzt,
Doch oft getrübt mit Schalheit und mit Hemmnis.

 

Allein vom Menschen kommt dir Drang und Leid;
Und nicht vom Menschen kommt dir freie Freude.
Nur was dein Eigen, freund- und feindbefreit,
Hält fest an deines Lebens Kraftgebäude.

 

Die Tropfen Neigung, die dich erst erquickt,
Sind bald verspült in Fluten schmutzigen Neides.
Nur wenn dich mit den Menschen nichts verstrickt,
Hältst rein das Weiß du deines Feierkleides.

 

Dein Streben und dein Handeln wird entweiht,
Wenn du es mengst mit fremder Launen Dumpfheit.
Nie kennt ein Andrer deine Eigenheit.
Haßt man dich nicht, umgähnt man dich mit Stumpfheit.

 

Es ist ein Trug! Nie kann ein Menschenkind
Farben und Blumen dir ins Leben streuen.
Nicht eigene Blumen welken dir geschwind.
Nur eigene Farben wirst du nie bereuen.

 


Befreit vom Menschen in der Menschen Schwarm,
Von Haß gleich weit entfernt wie von Verzeihung,
Ein Menschheitsziel erstrebt mit eigenem Arm:
So gehst du sicher, wanderst in Befreiung.