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Eliza Orzeszkowa – Das ewig Menschliche

Erzählung

aus: Polnische Erzähler, Eine Anthologie der neueren polnischen Erzähler, zusammengestellt und übersetzt von B. Rogatyn, Verlag von J. Otto, Prag, 1904, S. 183-216


Sobald der Schnee auf den Dächern und Straßen in der frühen, winterlichen Abenddämmerung grau zu verschwimmen begann, erglänzten die Fenster des großen und geräu­migen Hauses in hellem Licht. Auf ihrem gol­digen Hintergrunde konnte man prächtige Guirlanden an den Vorhängen, schlanke Lampen­postamente und zierliche Gewächse bemerken und bewegliche Menschengestalten vorbeihuschen sehen.

Sobald auf der Straße das Gerassel der Räder verstummte, drangen durch die Doppelscheiben die gedämpften Töne eines Klaviers. Es war leicht zu erraten, daß die Menschen da drinnen angenehme Unterhaltung pflegen, daß sie nach reichlichem Mahle mit Musik und anregendem Gespräch die schnell dahineilende Zeit sich versüßen.

Vor dem Tor hielten einige Wagen mit schönem Gespann und Kutschern in Livrée, die mit herabhängenden Köpfen schlummerten und sich gegenseitig anstießen. Aber aus dem Innern trat ein Lakai und überbrachte den Befehl, nach Hause zu fahren. Die Räder knarrten im Schnee, die Wagen, von ungeduldigen Pferden gezogen, rollten in langer Reihe die Straße dahin, auf der jetzt zwischen dem grau werdenden Schnee und dem blauen Himmel die Laternen in zwei Reihen aufflammten.

Dann wurde es still in der Straße, zuweilen nur glitt ein leichter Schlitten vorüber mit leisem Geklingel. Aus den Fenstern der Magazine fielen breite Lichtstreifen auf die Trottoirs und erhellten die Profile der Vorübergehenden.

Da trat aus dem Tore des erleuchteten Hauses ein Mann, dessen grauer Bart wie ein großer Schneeflocken ihm auf der Brust lag. Ein kostbarer Pelz umschloß eng die hohe Gestalt, deren Schultern etwas gebeugt waren. Kleidung, Haltung, sogar seine Art, die Handschuhe anzuziehen, verrieten den Mann der höheren Schichten. Der rasche Schritt sprach gegen die äußeren Zeichen des Greisenalters, wie Brille, graues Haar und gebückte Haltung. Sowohl im Schritt als auch in den wenigen Handbewegungen, die er ausführte, malte sich Mißmut und gleichsam das Bedürfnis, das Haus, aus dem er soeben getreten, weit hinter sich zu lassen.

Denn so oft die Salons seiner Tochter von dem Geräusch der glitzernden, leichten, leeren Reden widerhallten und an den Gemächern des Schwiegersohnes die grünen Tische aufgestellt wurden, beschlich ihn stets Widerwille, Trauer, Langweile, und wenn er nur konnte, verließ er dies Haus, das auch sein Haus war.

Hatte er mit dem herannahenden Alter das Herz für diese Welt verloren, oder hatte die Welt sich von ihm abgewendet? Es war zum Teil beides der Fall. Für ihn, der erwachsene Enkel hatte, waren Familienväter und Mütter junges Volk. Indes man kann die Jugend lieben und von ihr geliebt werden.

Ihm jedoch war das Verständnis für die Bestrebungen der jüngeren Generation abhanden gekommen. Einst hatte er seine vielgeliebten Ideale, die ihm als Maßstab für Menschen und Dinge dienten. Mit diesem Maßstabe gemessen, erschienen Tochter, Schwiegersohn und Enkel wie Zwerggestalten. Er möchte nicht ungerecht sein, und sein Vatergefühl protestierte auch. Weder die Tochter, noch der Schwiegersohn, noch die Enkel waren Tintenflecke. Sie hatten ihre Vorzüge, Tugenden, Fähigkeiten, aber übereinstimmen mit ihnen konnte er doch nur selten. Andere Anschauungen, andere Neigungen, andere Erinnerungen. Jene würden gelangweilt eingeschlafen sein, wenn er ihnen von dem erzählen wollte, was ihn unablässig erfüllte. Er wohnte bei der Tochter in Überfluß und Glanz, und dennoch wälzte er einen Tag nach dem anderen von seinem Leben hinab, wie man eine unnütze Last von den Schultern wälzt. Er ging seinem Ende entgegen so langsam, wie er hier das Pflaster entlang ging. Denn den raschen Schritt, mit welchem er das Haus verlassen, hatte er so gemäßigt, daß er jetzt kaum die Füße bewegte.

Wenn er an den hellerleuchteten Stellen vorüberging, glänzte an seinem Halse der Pelzkragen und die goldene Brille an den Augen und der zierlich geschnitzte Kopf am Stock. Wenn er aber in Halbschatten tauchte, erlosch jeder Glanz an seinem Äußern und gebückt wandelte er an den Spaziergängern vorüber, einem Schatten vergleichbar, mit dem einen Schneeflocken auf der Brust, und einem zweiten, der unter dem Hut auf dem Nacken hervorquillt. Das Licht wurde immer spärlicher und die Schatten dichter. Die Bewegung auf der Straße wurde schwächer, Wagenrasseln hörte man gar nicht und die Glocken eines Schlittens erklangen nur selten. Sogar die Laternen flim­merten trübe hinter den berußten Glasscheiben; die Trottoirs wurden immer schmäler und lee­rer, hinter den niedrigen, kärglich beleuchteten Fenstern sah man keine schlanken Lampenpostamente und vernahm keine Musikklänge.

Er befand sich in einem weit ärmeren Stadt­viertel als das, welches er soeben verlassen hatte. Hier wohnte noch nicht das Elend, aber schon eine daran grenzende Armut. Beschei­dene Läden anstatt der großen Magazine mit prangenden Auslagen; grelle Schilder blitzten in der schwachen Beleuchtung über den alten Toröffnungen, manche schaukelten sich im Winde und knarrten über den Köpfen der Vor­übergehenden.

Darunter war eins mit weißem Zifferblatt auf schwarzem Grund, ähnlich einem alten, verweinten Gesichte. Die verwitterten Ziffern und die Zeiger glichen den Runzeln, die die Zeit eingegraben; Regen und Ungewitter haben darauf schwärzliche Flecke hinterlassen, wie die Spuren vertrockneter Tränen.

Der Blick des Alten traf das bemalte Gesicht der Uhr, die, vom Windhauch leicht geschaukelt knarrte. Es klang wie eine mit trauriger Stimme hervorgebrachte Einladung. Ein Uhrmacher! Das traf sich gut. Seine Uhr brauchte eben der Ausbesserung. Seit einiger Zeit ging sie immer langsamer, um einige Minuten täglich. Er richtete, besserte, schob vor und zurück; nichts half. Und doch verstand er die Uhrmacherei, alle Uhren im Hause unterstanden seiner ausschließlichen Oberaufsicht. Aber dem alten Freund tat offenbar ärztliche Hilfe not. Er tat ein paar Schritte hinan, öff­nete die Tür zum Laden, aber als er sie hinter sich schloß, trat er nicht sogleich ein, sondern blieb einige Augenblicke stehen, sah um sich und horchte.

Die Stube war klein, niedrig und von oben bis unten erfüllt von einem sonderbaren Geräusch, murmelnd, eintönig und zugleich un­ruhig, hastig. Es war dies kein Lärm, nur ein Geräusch, nicht anschwellend und nachlassend, sondern unaufhörlich, gleichartig, ohne eine Sekunde zu verstummen, die ganze Stube von oben bis unten erfüllend. Sonst war hier kein Ton zu vernehmen, weder der Straßenlärm, noch das Knarren der Schilder, noch eine Stimme aus der Lebwelt. Nichts, nur von der Decke bis zum Boden, von Wand zu Wand die Unterhaltung der überall herumhängenden Uhren, die unter einander mit trockenen und stoßweisen Stimmen redeten: Tik-tik, tak-tak.

Umgeben von diesem unaufhörlichen Ge­plauder, saß bei dem einzigen Fenster an einem von einer Lampe erhellten Tisch ein Greis im langen, fadenscheinigen Gewand, gebeugt über eine Unzahl von winzigen Rädchen, Federn, Häkchen. Auch er hatte auf Brust und Nacken schneeige Haarbüschel. Große Brillengläser vor den Augen, mit einem feinen Werkzeug in der Hand, arbeitete er an den glänzenden Kleinig­keiten. Seine Stirn war gefurcht die Lippen gebläht; gespannte Aufmerksamkeit lag in seinen Augen, an denen hinter den weißen Brauen und geröteten Lidern ein silberner Funke aufglänzte. Sein Ohr schien so an den »Tik-tak« der Uhren gewöhnt, daß anderes Geräusch nur schwierig zu ihm drang. Er über­hörte das Eintreten des Fremden.

Eine Weile später ertönte inmitten des all­gemeinen Summens eine laute Stimme, klang­voll, munter und frisch, und rief über das ganze Zimmer »Ku-ku« und wiederholte dann gelassen »Ku—ku! Ku—ku!« bis sie nach dem achtenmale schwieg; dann erfüllte die Stube wieder jenes geschwätzige Summen, das maß­volle und zugleich hastige, drängende Geplauder der Uhren.

Der alte Jude mit den zwei schneeweißen Haarbüscheln erhob das Haupt, die Lippen kräuselten sich zu einem seligen Lächeln, sein zufriedener Blick schweifte in der Runde und begegnete dem Gesicht des Gastes, der auch zu lächeln schien. Er erhob sich ein wenig vom Sessel, berührte sein Sammetkäppchen mit dem Finger und begann:

»Mein Herr, was ...«

Da erblickte er den kostbaren Pelz, die gol­dene Fassung der Brille, die stolze, wenn auch gebeugte Haltung, und verbesserte sich:

»Gnädiger Herr, womit kann ich dienen?«

Aber der gnädige Herr ging, ohne zu ant­worten, direkt auf die mit murmelnden Uhren behangene Wand zu und blieb vor der Uhr stehen, welche soeben die Kuckuckslaute ver­nehmen ließ.

»Woher hast Du diese Uhr? ... Eine alter­tümliche Uhr ... merkwürdiges Zifferblatt! ... Woher hast Du sie? Wem gehört sie?«

Wie von einer Feder emporgeschnellt, sprang der Jude auf und mit einem Satz stand er ne­ben dem alten Herrn, vor dem Ebenholzschrank, aus dem die Kuckucksuhr hervorsah.

»Wessen diese Uhr ist? Wessen soll sie sein? Mein ist sie. Sie gehört mir, wie ein Sohn seinem Vater, wie ein Freund dem Freunde. Der gnädige Herr haben gedacht, daß diese Uhr sich bei mir zur Reparatur be­findet, und daß jemand gleich kommen wird, um sie fortzunehmen? Aj, aj, wenn mir die Uhr jemand wegnehmen wollte, ich würde ein Geschrei erheben, daß die Leute zusammen­liefen ... Die Uhr gehört mir!«

Er sprach eifrig, mit großer Lebhaftigkeit und einem schalkhaften Lächeln auf den Lip­pen, plötzlich aber hielt er inne und betrachtete aufmerksam den Gast, der, ohne ihn zu be­achten, mit erhobenem Haupte und leicht ge­öffneten Lippen keinen Blick von der Uhr ver­wandte, und rief:

»Gib mir einen Sessel und eine Lampe her, denn ich kann die Landschaft auf dem Ziffer­blatt nicht sehen. Ich merke, daß eine da ist, aber sehen kann ich sie nicht.«

Er stieg auf einen vom Juden hingescho­benen Sessel, und zwar so rüstig, wie ein Jüng­ling.

»Die Lampe her!« rief er.

»Gleich, sofort, gnädiger Herr!«

Mit diesen Worten stand der Jude mit der Lampe in der Hand zur Seite des Gastes auf einem zweiten Sessel.

»Genève!« rief der alte Herr. »Ja, so, ein schweizerisches Fabrikat. Kennst Du vielleicht die Firma?«

»Warum soll ich sie nicht kennen? Was wüßte ich von dieser Uhr nicht?« Und trium­phierend nannte er den Namen einer längst nicht mehr existierenden Fabrik.

»Das war eine Fabrik, wie es heutzutage keine mehr gibt.«

»Ach ja, ganz recht, heutzutage gibt es keine solche Fabriken mehr. .Zeige mir doch, wie man diese Uhr aufzieht.«

Der alte Jude holte aus einem Behälter auf dem Schrank einen Schlüssel hervor, so behend, als hätte er ihn aus dem Ärmel geschüttelt.

»Sehen Sie, gnädiger Herr, so zieht man sie auf. Gut, daß ich sie noch heute nicht auf­gezogen habe, so kann ich es Ihnen vormachen. Fein, nicht wahr? Ein so alter Schlüssel, und es geht doch wie geschmiert.«

»So, aha; und ich glaubte, daß man sie von hinten aufzieht, denn solche Uhren ...«

»Das ist ein Irrtum, gnädiger Herr. Solche Uhren werden niemals von rückwärts aufgezo­gen. Das sind ganz andere, welche man von rückwärts aufzieht. Und nun will ich dem gnä­digen Herrn noch die Gesimse zeigen. Sehen Sie, gnädiger Herr, was das für eine feine Ar­beit ist, die Schnitzerei und die Vergoldung ... fein ...«

»Empire!« flüsterte der alte Herr.

»Ampir!« bestätigte der Jude. »Ha, ha, ha, auf mein Gewissen, der gnädige Herr sind ein Kenner, beinahe wie ein Uhrmacher. Rein Ampir, fast hundert Jahre alt.«

»Warte nur, warte; was ist das für eine Feder?«

»Nu, das ist eine solche Feder, wenn ich darauf drücke, fliegt gleich ein Vogel heraus, ra­schelt mit den Flügeln und beginnt zu schreien.«

»Aha, ganz richtig, ein solches Federwerk habe ich schon gesehen.«

»Wenn der gnädige Herr es einmal gese­hen haben, will ich es dem gnädigen Herrn zum zweitenmale zeigen.«

Sie standen nebeneinander, verschieden an Gestalt, denn der Uhrmacher war kleiner und schmächtiger als der Gast. Der Jude hielt in der Hand die Lampe, deren Schein auf die beiden unähnlichen Gesichter fiel, die beide gleichwohl von einer Unzahl Runzeln bedeckt waren. Beide hatten Brillen auf und ihre Augen blickten unverwandt mit gleicher Seligkeit auf die Uhr. Plötzlich erhob sich über ihren Köpfen ein wiederholter Ruf: »Ku-ku, ku-ku.« Es war der Vogel, welcher, dem Drucke der Feder ge­horchend, aus seinem Nest geflogen war, mit den Metallflügeln raschelte und seinen stereo­typen Ruf wiederholte. Der Jude trat zuerst vom Sessel, half dem Gast beim Herunter­steigen, und die Lampe hinzustellen vergessend, blickte er ihn aufmerksam an.

»Verzeihen Sie, gnädiger Herr,« stammelte er unsicher, »vielleicht irre ich mich, aber mir scheint, daß meine alten Augen den gnädigen Herrn erkennen.«

»Warte nur, warte,« rief der alte Herr leb­haft, »ich glaube mich auch zu entsinnen. Ich habe Dich einmal gekannt.«

»Sie sind der gnädige Herr Graf Xaver von Strumienica ...«

»Nun, und Du? Denn ich kann mich nicht entsinnen ...«

»Ich bin Berek Schimschels, welcher in Stru­mienica Pächter war.«

»Berek! Ist es möglich! Aber ich erinnere mich Deiner sehr genau. Meine Schwester hat Dich einmal als Modell zu irgend einem Bilde verwendet.«

Der Jude nickte bejahend; er mußte die Lampe auf den Tisch hinstellen, denn seine Hände zitterten. Aus einem Winkel zog er ein altes Fauteuil mit eingedrucktem Sitz her­vor und lud den Gast zum Sitzen ein. Er schmatzte mit den Lippen, lachte, zwinkerte mit den Augen, wie vom Lichte geblendet. Endlich setzt er sich, sah wieder auf den Gast und stieß unverständliche Laute hervor, aus denen aber Freude und Überraschung klang. Auch der Gast betrachtete ihn mit unverhoh­lenem Staunen.

»Ist es möglich? Du bist Berek? ... Du ... jener Berek mit dem krausen Goldhaar und dem mädchenhaft zarten Gesicht und den tür­kisblauen Augen? Meine Schwester hatte Dich als Figur an einem Bilde verwendet, dann kamst Du öfter auf das Schloß. Also du bist es? ...«

»Ich ... ich selber, gnädiger Herr Graf. Und Sie sind jener Junker, der die Treppen zum Schloß niemals anders als vier Stufen mit einem Satz nehmend hinaufsprang. Als mich das gnädige Fräulein malte und der Herr Graf Xaver in das Zimmer trat, so war es, wie wenn die Sonne aufgeht. Aj, ob ich mich entsinne, und wie der Herr Graf auf dem Pferd zu reiten pflegte, und wie er mit den Mädchen tanzte ... Mochten noch so viele junge Herren auf Pfer­den reiten, der Graf Xaver war immer voran; und wenn noch so viele Fräulein da waren, alle wollten nur mit ihm tanzen. Das alles hab’ ich gesehen, ich stand am Gitter oder unterm Fen­ster ...«

»Aber ja, ja,« unterbrach ihn der Graf, »ich erinnere mich Deiner ausgezeichnet, wie Du auf dem Schloßplatz standest, oder beim Gitter, und allem zusahst mit Deinen Augen, die einen merkwürdigen Ausdruck von Naivität und Entzücken hatten ... Oftmals sprach ich mit der Schwester von Dir, daß Du aussahst, wie Einer, der sich über die ganze Welt freut und nie einen Kummer gekannt.«

Der Jude lächelte leise vor sich hin.

»Und der gnädige Herr Graf? Haben Sie sich nicht über die ganze Welt gefreut?«

Der Graf sann nach und seufzte.

»Natürlich!« versetzte er, »wenn man jung ist ... Wir waren jung, alle beide, lieber Berek.«

Ohne ein Auge von dem gnädigen Herrn abzuwenden, fragte der Jude leise:

»Und jetzt?«

»Jetzt? Nun, alt sind wir geworden, alle beide.«

Der Jude stützte seine Hände auf die Knie, heftete den Blick auf den Boden, schrumpfte zusammen und wurde ganz klein:

»Hm, hm,« sagte er, »wie sollten wir nicht zugleich alt werden, da wir zugleich jung ge­wesen. Jeder Mensch auf der Welt, ob Jude oder Christ, ob groß oder klein, muß alt wer­den, einem jeden ist die Jugend ein Paradies und das Alter wie eine Last, die man bis zum Tode nicht abschütteln kann ... Das muß jeder durchmachen ...«

Er schwieg. Auch der Graf schwieg und nur die Uhren an den Wänden führten ihr murmelndes, unruhiges Gespräch unaufhörlich weiter: tik-tik, tak-tak.

Da begann eine in tiefem Baß die Stunde zu schlagen; eins, zwei, drei; hier setzte eine zweite ein mit ganz dünnem Ton, und beim sechsten Schlag tönte ihrer schon drei, dann sechs, bis sie zu einem ganzen Chor anwuchsen, der zu zwei- und zu dreistimmigen Akkorden verschmolz und die neunte Stunde verkündete. Der Graf sah lächelnd um sich.

»Ein Konzert!« rief er leise, dann fügte er sinnend hinzu: »Lieber Berek, wie viele Stun­den hat die Zeit schon geschlagen, mir und Dir!«

»Nu,« antwortete der Jude, »wie sollte sie es nicht? Wir waren weit von einander, vergaßen einander, und die Zeit verrann und die Uhren schlugen die Stunden für uns beide, für alle. Die Zeit schlägt allen die Stunden.«

Eine Weile schwieg er, dann erhob er den Blick zum Grafen und sagte:

»Wissen Sie, gnädiger Herr Graf, ich ent­sinne mich Ihrer gottseligen Eltern noch, als hätte ich sie gestern gesehen. Des Herrn Gra­fen Vater war von kleinem Wuchs, aber so stolz von Angesicht ... Und die Frau Mutter hatte Hände, daß ich stets meinte, es wären zwei weiße Blumen. Nichts für ungut, Herr Graf, daß ich so frei bin, aber sind sie schon lange tot?«

Des Grafen Stimme zitterte ein wenig, als er versetzte:

»Schon lange; die weißen Lilien sind schon lange in der Erde.«

»Und Deine Eltern?« hub er nach einer Pause wieder an. »Deines Vaters erinnere ich mich fast gar nicht mehr, aber Deiner Mutter entsinne ich mich noch ganz gut; sie war eine kleine, schmächtige Frau, abgemüht, mit welkem Gesicht, aber mit lebhaften, schwarzen, schönen Augen.«

Der Jude antwortete nicht bald, dann zeigte er mit dem Finger auf den Boden und sagte:

»Diese schwarzen Augen ruhen hier, lange schon.«

Die Uhren murmelten »tik-tak« und die beiden Menschen schwiegen, in das leise Rau­schen der Zeit mit den Gedanken versunken.

Der Jude erwachte zuerst aus dem Nachsinnen.

»Womit habe ich bei Gott die Gnade ver­dient, daß er mir einen alten Bekannten gesandt?«

Der Graf zog aus der Westentasche eine alt­fränkische Uhr hervor und legte sie auf den Tisch.

Der Jude nahm sie mit sichtbarem Vergnügen in die Hand, betrachtete sie und fragte:

»Nun, worüber klagt sie? Was fehlt ihr? Sie geht nach? Der gnädige Herr haben ver­sucht, sie zu reparieren und es ging nicht? Na, na, ich merke schon, ihr geht’s schlecht, sie ist leidend; wir müssen sie auseinandernehmen und kurieren.«

Dem Grafen erglänzten die Augen hinter der Brille. Er war zugleich unruhig und freudig erregt.

»Kann das gleich geschehen?«

»Warum nicht? Ich werde sehr zufrieden sein style='font-size:14.0pt;font-family:"Gentium Book Basic"; color:windowtext'>, wenn der gnädige Herr bei mir nur ein wenig sitzen werden; der gnädige Herr werden mit eigenen Augen sehen, daß ich der Patien­tin nichts zu leid tue. Ich will nur eine größere Lampe anzünden, meine Augen sind zu schwach für diese kleine Lampe.«

Der Graf, sichtlich sehr gut gelaunt, rief munter:

»Schade; daß ich nicht bei mir jene Brille habe, deren ich mich beim Reparieren der Uhren stets bediene.«

»Tut nichts,« versetzte der Jude, »ich habe hier einige Brillen, wählen der gnädige Herr daraus eine passende. Nicht wahr, die Augen möchten schon den Dienst kündigen?«

»Ja, lieber Berek, meine Augen sind müde .. das quält mich ungeheuer. Ohne Brille geht’s längst nicht mehr. Auch so ist’s ziemlich schwierig.«

Der Jude holte aus der Schublade einige Brillen und legte sie vor den Gast nieder, während er sprach:

»Ganz wie bei mir. Ja, ja, man wird alt.«

Nach einer Weile saßen sie beide über das kleine Tischchen gebückt, ganz versunken in der Beschäftigung, die Uhr auseinanderzunehmen und ihre einzelnen Teilchen zu betrachten. Die Hornfassung der Brillen hob sich in schwar­zen Linien von ihren gefurchten Gesichtern ab, und hinter den großen Gläsern nahmen die Augen einen Ausdruck steigender Aufmerksamkeit an, das Licht der Lampe entzündete in ihnen einen hellen Funken. Bei der Arbeit unterhielten sie sich aber nur von der Be­schäftigung, der jetzt ihre ganze Aufmerksam­keit gehörte, alles andere war spurlos aus ihrem Bewußtsein verschwunden. Zuweilen hielten sie im Gespräch inne, betrachteten das Räderwerk, meisterten herum, richteten, stocherten und begannen vor Anstrengung laut und anhaltend Atem zu holen. Zuweilen wieder wechselten sie abgerissene Sätze. »Siehst Du, siehst Du, hier sitzt das Übel.«

»Wenn hier, so werden wir’s gleich hin­ausbekommen. Aber mir scheint, daß anderswo.«

Dann begannen sie zu streiten.

»Aber, was tust Du! Nicht so!« rief der Graf beunruhigt.

Der Jude antwortete beschwichtigend:

»Der gnädige Herr Graf mögen ruhig sein ... Sie sollen gleich sehen, was daraus wird.«

»Aber daraus wird nichts, sage ich. Hier drücke, von dort ziehe hervor ...«

Der Uhrmacher erhob die Stimme und schrie fort:

»Sie sind im Irrtum, gnädiger Herr Graf ... hier sind solche feine Federn ... daß der Herr Graf sie nicht sieht.«

Dann begann der Graf zu schreien:

»Das ist nicht übel, ich sollte etwas nicht wissen, in dieser Uhr.«

Bald aber überzeugte sich der Graf, daß der Meister sein Werk gut machte, und er ließ ihn gewähren.

»Richtig, ich sehe schon, Du hattest recht!« Und der Andere murmelte befriedigt:

»Wenn’s meine Sache ist, habe ich immer recht.«

Wiederum schwiegen sie und hielten den Blick auf die Arbeit gerichtet; ihre Stirnen be­rührten sich fast, ihre welken, feinen Finger vermischten sich; ihre Atemzüge verschmolzen mit dem murmelnden Tik-tak der Uhren, wel­ches sie umrauschte.

Und aus diesen Wellen trockener und un­ruhiger Tone tauchte plötzlich ein tiefer Baß empor und verkündete in reinem, klangvollem Tone: eins, zwei, drei; beim vierten Schlage eilte ihm zu Hilfe, wie der Jüngling dem bejahrten Manne, ein zartes Altstimmchen und klang: eins, zwei; dann fielen andere und wieder andere Stimmen ein und floßen in einem einzigen Chor zusammen, der die zehnte Stunde ansagte.

Die Beiden erhoben ihre Häupter und ließen die Hände auf die Knie sinken. Der Jude sagte lächelnd:

»Nu, der gnädiger Herr verstehen sich auf Uhren. Ich sehe schon der gnädige Herr haben eine Vorliebe für Uhren, wie vormals für scharfe Pferde und schöne Fräuleins.«

Lustig versetzte der Graf: »Das ist wahr, ich habe diese Vorliebe ge­wonnen, ohne zu wissen, wie und woher. Eine Grille, wie sie das Alter mit sich bringt.«

Der Jude machte eine unzufriedene Hand­bewegung und brummte:

»Warum Grille? Was für Grille? Eine Uhr, das ist eine schöne und sinnreiche Maschine und dem, der sie erfunden, gebührt Ehre. Tötet sie etwa jemanden, wie z. B. eine Büchse oder Kanone? Vergiftet sie etwa jemanden, wie alle die anderen Maschinen, welche ver­schiedene Unflätigkeiten den Menschen in den Mund bringen? Eine Uhr, das ist ein Freund des Menschen; sie ist mit ihm in Freud und in Leid; sie regelt sein Leben, und wenn keiner zu ihm spricht, spricht sie zu ihm. Sie lehrt ihn, daß die Zeit fließt, und daß er selber in dieser Zeit wie auf einem großen Fluß in das ungeheuere Meer schwimmt ...«

Und mit einer Handbewegung schloß er: »Wissen Sie was, gnädiger Herr? Die Uhr ist zuweilen ein besserer und treuerer Freund als ein Mensch. Sie beißt niemals.«

Er lachte heiser, aber der Graf hörte ihm mit Aufmerksamkeit zu und dann versetzte er beistimmend:

»Du hast ein kluges Wort gesprochen ... Diese Uhr war bei mir, als ich noch, wie Du sagtest, eine Vorliebe für scharfe Pferde und schöne Fräulein hatte.«

»Aj, aj, schon so jung hatten Sie eine solch teuere Uhr?«

»Nun, an kostbaren Dingen hat es mir nie­mals gefehlt ... desto häufiger aber an teueren Personen ... Niemals werde ich die letzten Stunden meiner Mutter vergessen ... Der Arzt sagte, daß der Tod nahen würde, wenn der Puls nachließe, und dann ging er, um auszuruhen, denn er war fürchterlich abgemüdet und erschöpft. Ganz allein blieb ich am Bett und mit der Uhr in der einen Hand fühlte ich den Puls der Mutter mit der zwei­ten ... Kommt es schon? ... Und es kam immer näher und immer langsamer schlug der Puls, aber der Zeiger schien mir unendlich rasch zu laufen. Bis der Puls gänzlich inne hielt ... Es war gerade fünf Minuten nach Mitternacht«

Der Jude hatte feuchte Augen und schüt­telte teilnahmsvoll den Kopf, und der Chor der Uhren summte: Tik—tak, tik—tak.

Die Rührung des Grafen war verflogen und scherzend sagte er:

»Es ist unglaublich, wie rasch diese Uhr zu­weilen von dannen jagte! Einmal liebte ich ein schönes Fräulein und konnte jedesmal nur wenige Minuten bei ihr bleiben; so oft ich verstohlen auf die Uhr blickte, kam mir der Zorn, daß ich sie hätte zur Erde schmeißen mögen. Die Minuten flogen, und mein Glück mit ihnen.«

Der Jude frug leise: »Und schlafen der gnä­dige Herr Graf immer gut bei Nacht?«

Der Graf machte eine ironische Handbewegung.

»Na, wenn Sie zuweilen nicht schlafen konnten, dann waren wohl die Gedanken nicht immer heiter. Und wenn Sie im Finstern daliegen,  mit traurigen Gedanken im Kopfe, da ging wohl die Uhr viel zu langsam.«

»Aber sie ging und die schwarzen Nächte zogen vorüber ...«

»Und da schliefen alle, aber die Uhr wachte und redete zu Ihnen, sie tröstete Sie, daß die Dunkelheit vorübergehen wird ...«

»Wie alles vorübergeht,« fügte der Graf hinzu und versank in Sinnen. »Wozu sitzt er eigentlich hier und unterhält sich so ver­traut mit diesem Juden da? Einst hatte er ihn gekannt. Was folgt daraus? Gemeinsame Erin­nerungen konnten sie doch keine haben. Er war nicht stolz und hatte jenes angeborene Wohlwollen gegen alle Menschen, welches ihn bei vielen beliebt machte, dennoch war er sich bewußt, welch eine Kluft ihn, den Grafen und den Pächterssohn und Uhrmacher eines Hintergäßchens von einander trennte. Sie un­terschieden sich einfach in allem und keinerlei Ähnlichkeit war zwischen ihnen. Er war hier eingetreten, um die Uhr reparieren zu lassen und nun sitzt er schon einige Stunden. Aber er hatte gar keine Lust fortzugehen und fast zu seiner eigenen Überraschung fragte er:

»Wie geht es Dir, lieber Berek? Wie ist es Dir bisher ergangen? Hast Du Familie und hast Du Dein Auskommen?«

Der Jude dankte für das Interesse und er­zählte eingehend seine Geschichte. Reich war er nicht, Kapitalien besaß er keine, aber Mittel zum Leben ermangelten ihm nicht und Elend stand ihm nicht bevor. Er arbeitete und brachte seinen Unterhalt heraus; auch hatte er nur geringe Bedürfnisse, da er nurmehr eine En­kelin bei sich hatte, die ihrerseits mit Nähen etwas verdiente. Seine Familie war übrigens zahlreich, mehrere Kinder, viele Enkel, aber ...«

Er schloß mit einer Handbewegung.

»Wissen Sie was; gnädiger Herr, es gibt ein Rätsel, ich wäre neugierig, ob es Ihnen auch bekannt ist ... Wie kann es sein, daß Einer eine Familie hat, und doch zugleich keine hat?« Er blickte den Grafen forschend und schalk­haft an.

»Nu, kennen Sie dies Rätsel?«

Ein bitteres Lächeln umspielte die Lippen des Grafen.

»Ach, ja, leider kenne ich dies Rätsel nur zu gut ...«

Der Jude schlug mit beiden Händen gegen das Knie und rief betrübt:

»Oh, wozu wissen Sie es? Lieber wüßten Sie es nicht! Nu, da Sie es aber wissen, so will ich Ihnen von meiner Familie nicht er­zählen. Das sind sehr brave Leute, sehr an­ständige Leute, einige sind sogar sehr gebildet und reich, aber — sie sind nicht mein ..., sie gehören der Welt und sich selber, aber nicht mir ...«

Er hatte einige Töchter, aber nur eine hatte niemals aufgehört, ihm zu gehören. Sie liebte und pflegte ihn, war seine Wonne und das Licht seiner Augen; aber lange schon hatte er sie nicht gesehen und niemals wird er sie wiedersehen. Sie hatte Mißerfolg und Unglück. Mit Mann und Kindern mußte sie nach Ame­rika auswandern, um ein besseres Geschick zu suchen. Zuweilen kommen Briefe von ihr, aber was sind Briefe? Sehen wird er sie doch niemals wieder, und das ist eine große Trauer, die man nur deshalb so ruhig und ohne Klage erträgt, weil sie von Gottes Hand kommt. Was ist zu machen?

In seinen Augen, von denen der Graf er­zählte, daß sie einst blau waren wie Türkise, jetzt aber farblos und umnebelt dreinblickten, erglänzten Tränen. Bald aber bemeisterte er die Rührung, und für die wohlwollende Frage dankend, sagte er schüchtern:

»Seien Sie nur nicht böse, gnädiger Herr Graf, wenn ich Sie über das Befinden Ihrer Schwester frage; ich meine jenes helläugige Fräulein Gräfin, die mich einst auf dem Bilde gemalt hat. Ach, war das ein wunderschönes Fräulein! Ich erinnere mich ihrer ganz genau. Wie sollte ich mich ihrer nicht erinnern, da ich nie wieder ein so schönes Fräulein gesehen habe. Sie war ein Engel so schön und so gut, und so still und fein, wie ein Engel. Ich weiß mich zu erinnern, daß Sie, gnädiger Herr Graf, sie sehr geliebt haben. Eine solche Liebe zwi­schen Geschwistern habe ich später niemals gesehen. Lebt sie noch? Geht’s ihr gut?«

Der Graf schwieg eine Weile und hielt den Blick zum Boden gesenkt, dann sagte er:

»Ich hatte drei Schwestern, aber jene, von der Du sprichst, liebte ich am meisten. Sie lebt und es geht ihr gut; lange schon habe ich sie nicht gesehen und vielleicht sehe ich sie nie wieder. Sie hat einen Engländer geheiratet und wohnt in der Heimat ihres Gatten. Ich werde vielleicht bald die letzte Reise antreten und kann daher nicht leicht zu ihr reisen. Für mich ist sie gestorben, obgleich sie lebt ... Was ist zu machen?«

Der Jude hörte aufmerksam zu, dann schüt­telte er traurig das Haupt.

»Der gnädige Herr Graf hat einen gleichen Kummer wie ich. Das ist richtig, was Sie da gesagt haben: es ist; als wäre sie gestorben, obwohl sie lebt. Ebenso denke ich von meiner Malka. Unsere Lieben sterben uns ab auf ver­schiedene Weise. Die einen infolge einer Krankheit; die anderen durch die Entfernung oder dadurch, daß sie so ganz anders werden, oder ... Aber wozu sage ich Ihnen dies alles, gnädiger Herr Graf, Sie wissen es ja selber besser ...«

Eine Handbewegung ergänzte den Gedan­ken und der Graf, noch immer zu Boden blickend, sagte kurz: »Ich weiß es.«

Beide schwiegen, nur das unablässige Mur­meln der Uhren ertönte in unaufhörlichem »Tik-tak, tik-tak«, bis plötzlich eine laute Stimme alles übertönte und in das Zimmer hinausschrie: »Ku-ku! ku-ku!«

Der Graf erhob sich und stellte sich vor die Uhr hin. Lange betrachtete er erhobenen Hauptes die altertümliche Uhr, dann sagte er:

»Wieviel würdest Du für die Uhr fordern?«

Der Jude blickte auf und versetzte lächelnd:

»Was sollte ich für sie fordern? Ich fordere nichts für sie!«

»Wie? Handelst Du nicht mit Uhren?«

»Ganz richtig, gnädiger Herr Graf, aber diese Uhr gehört nicht in den Handel.«

Der Graf sah ihn verwundert an.

»Warum?« fragte er. »Die Uhr hat einen beträchtlichen Wert. Ich würde sie gerne kaufen.«

Der Jude nickte bejahend.

»Das weiß ich, daß die Uhr ein kostbares Stück ist; ich könnte dafür einen guten Preis erhalten, aber ich verkauf’ sie nicht. Kann ein Freund seinen Freund verkaufen?«

Der Graf betrachtete den Sprechenden mit wortlosem Staunen.

»Ist das möglich?« rief er nach einer Pause. »Du bist ja nicht reich, übrigens jaget ihr Juden ja alle nach dem Gelde.«

»Da irren Sie, gnädiger Herr Graf.«

»So erkläre mir doch, was liegt Dir beson­ders an dieser Uhr, daß Du sie nicht verkaufen willst. Du hast ja so viele andere. Was ist an ihr, weswegen sie Dir so teuer und un­entbehrlich ist?«

Er war so neugierig oder verwundert, daß er sich wieder auf den brüchigen Sessel nieder- ließ. Der Jude begann:

»Wenn Sie, gnädiger Herr Graf, Geduld haben, will ich Ihnen alles erzählen. Es sind bald vierzig Jahre, seit ich diese Uhr habe. Ich habe sie billig gekauft, und zwar in der Ab­sicht, sie mit Gewinn wieder zu verkaufen. Da­mals war mein Moische, der jetzt Getreide­händler ist, noch ein ganz kleiner Knabe, der ins Cheder (Kinderschule) ging; ich hatte nur den einzigen Sohn und fürchtete, daß mir der liebe Gott weitere Leibesfrucht versagen würde, und so liebte ich das Kind sehr. Ach, was war das auch für ein herziges Kind! Nun, an demselben Tage, da ich diese Uhr kaufte, kam mein Moische krank, erkältet und traurig aus dem Cheder heim; und uns beschlich Seelenangst, daß das Kind ernstlich krank werden und sterben könnte. Wir waren alle sehr ver­zweifelt, denn das Kind klagte über die Strenge der Lehrer und sagte, daß es nicht länger le­ben wolle. Mutter und Schwestern saßen wei­nend und klagend umher, und im Zimmer war es dunkel vor Kummer. Da begann die Uhr zu spielen. Beim ersten Ton erhob der Kleine das Haupt verwundert, dann wurde er immer lustiger und endlich kam er aus seinem Winkel hervor, die Augen leuchteten ihm vor Freude und er rief: »Aj, aj, Väterchen, was ist das? Woher hast Du so was Schönes?« Und er lachte zu der Uhr empor, als wäre sie ein Mensch. Ich war sehr zufrieden mit der Heiterkeit des Kindes, sprang auf den Sessel und drückte die Feder, daß der Vogel hervorprang, seine Flügel schüttelte und noch lauter kuckuckte. Da ward das Kind außer sich vor Freude, umfing seine ältere Schwester und begann mit ihr zu tanzen, und die beiden kleinen Mädchen nahmen sich bei den Händen und tanzten ebenfalls, kurz das ganze Zimmer war voll Freude. Der Vogel kuckuckte noch immer und ich pries in Gedanken den lieben Gott, daß mein Kind nicht mehr krank und traurig war und Er den Krummer uns in helle Freude verwandelt hatte.«

Und es mußte in der Tat eine große Freude gewesen sein, denn jetzt, nach vierzig Jahren noch, erhellte ihr Glanz das dicht ge­furchte Gesicht, und ihr Echo tönte in seinem leisen und anhaltenden Lächeln nach. Belu­stigt und funkelnden Auges sprach er weiter:

»Nun, konnte ich damals diese Uhr ver­kaufen? Ein wenig fürchtete ich mich, das Ding zu verkaufen, durch welches Gott so viel Freude mir ins Haus geschickt, ein wenig tat es mir um der Kinder willen leid, die sich dar­an so seht erfreuten. Kauflustige gab es viele, aber stets sagte ich mir: »später!«, mag sie noch ein wenig bei uns sein. Bis Gott mich mit einer sehr schweren Krankheit heim­suchte ...«

Er holte tief Atem, blickte zur Decke em­por und sprach weiter:

»Als ich so schwer krank war, konnte ich einen ganzen Monat nicht schlafen. Wissen Sie, was das heißt, wenn ein Mensch mit wüh­lenden Schmerzen im Innern und schwarzen Gedanken im Kopfe die ganze Nacht mit offe­nen Augen liegt und ins Dunkle starrt? In jenen schwarzen Nächten sah ich Dinge, die kein guter Mensch sehen möge. Ich sah den Tod, und meine Kinder elend und verlassen ohne mich, und die Sünden, mit denen ich Gott beleidigt, und mich überkam großer Schrecken, was meiner wohl im Jenseits dafür harrt ... Und wie ich so liege und alle die Dinge ansehe, und die Uhr zu spielen beginnt, gleich kommen andere Bilder mir vor die Augen. Wissen Sie, gnädiger Herr Graf, was ich damals in der Dunkelheit sah, wenn die Uhr spielte? Ich sah Strumienica, meinen Geburts­ort, und sah mich selber, wie ich am Zaune stand und in den Wald blickte, der gleich hin­ter dem Edelhof stand. Aj, welch schöne Sommer waren dort! Der Garten, hinter dem der weiße Palast schimmerte, der war so grün und duftete so schön! Hinter dem Palast auf einem hohen Baume stand ein Storch in sei­nem Neste und fütterte die Kleinen. Und in dem grünen Wald kuckuckte ein Kuckuck, ganz wie meine Uhr ... Und ich blickte auf diese Bilder und freute mich wie ein Kind. Und wieder mußte ich Gott danken, daß Er mir ein solches lebloses Ding geschenkt hat, wel­ches mir in der Finsternis so schöne Bilder malt.«

Er schwieg und saß lange mit herabhän­gendem Kopfe und gefalteten Händen.

Der Graf schwieg ebenfalls, den Kopf auf die Hand gelehnt, aufmerksam horchend. Ringsum ließ der Chor der Uhren sein Ge­summe vernehmen.

Nach einer Weile sagte der Jude mit leiser, fast flüsternder Stimme:

»Ich könnte eine ganze Woche von dieser Uhr erzählen, und käme doch nicht zu Ende. Aber Eins will ich Ihnen noch erzählen. Ha­ben Sie, gnädiger Herr Graf, nur ein bißchen Geduld mit mir.«

Und er erzählte, wie seine Lieblingstochter Malka ihn verließ, um nach Amerika zu ge­hen. Er wollte ihr nicht bis zum Bahnhof das Geleite geben, da er fühlte, daß er das Wei­nen nicht würde bemeistern können, und er wollte nicht das Mitleid fremder Leute erregen. Er empfahl sich daher mit der Tochter und ihren Kindern hier in diesem Zimmerchen, und als sie fort waren, blieb er wie leblos sitzen. Plötzlich besann er sich, daß man von hier aus das Pfeifen der Lokomotive verneh­men kann, und eine unüberwindliche Lust überkam ihn, den Pfiff zu vernehmen, mit dem der Zug seine Lieblinge in die Ferne ent­führt. Er kannte den Augenblick, in welchem der Zug abgeht, und unwillkürlich richtete sich sein Blick auf die Uhr: noch eine Viertel­stunde, noch zehn Minuten, noch fünf, drei ... da ertönte ein langgezogener, scharfer, durch­dringender Pfiff, der ihm das Herz durchbohrte. In diesem Augenblick hatte seine Malka auf­gehört für ihn zu existieren. »Glauben Sie es, gnädiger Herr Graf, ich weiß noch heute, wie spät es damals war, zwanzig Minuten nach zehn ...«

Der Graf erhob sich sinnend.

»Ich begreife, lieber Berek,« sagte er, »ich begreife jetzt, warum Du diese Uhr nicht ver­kaufen willst; Du liest darauf Deine Vergan­genheit, wie ich auf der meinigen.«

Der Jude schüttelte das Haupt lebhaft bei­stimmend.

»Das trifft zu, das haben Sie sehr richtig gesagt. Die Vergangenheit, die liest man dar­auf. Ein jeder seine Vergangenheit.«

Sie standen sich gegenüber, im Begriffe zu scheiden, aber noch immer zögernd, ein jeder von ihnen fühlte, daß unsichtbare Bande sich um sie schlingen, während die Welle der Zeit unaufhaltsam floß und die Uhren ihr ewiges »Tik-tak« dahinsummten.

Der Graf setzte sich wieder und machte sich’s bequem, wie zu einer längeren Unterhaltung, und aus dem den Raum erfüllenden Ge­räusch tauchte eine reine, volltönende Baß­stimme hervor und begann die Stunde zu ver­künden. Beim vierten Schlag setzte ein dün­neres Altstimmchen ein, wie ein Jüngling, der dem Greise zu Hilfe eilt; dann ertönte ein ganzer vielstimmiger Chorus, der sich immer vergröberte und zusammen die eilfte Stunde verkündete.

 

 

Einige Monate waren vergangen, ein son­niger, herrlicher Frühling hatte sich eingestellt Der alte Berek trat aus dem geräuscherfüllten Zim­mer und stellte sich vor seiner Türe hin. Auf dem goldigen Hintergrunde des Sonnen­lichtes erschien seine Gestalt noch mehr gebückt, noch kleiner und schwächlicher in der langen, fadenscheinigen Kleidung, in dem plattgedrückten Hut mit dem schiefen Rande. Unter dem Hut erschien sein rundes, welkes Gesicht mit kleinen roten Flecken auf den ge­furchten Wangen, und die Augen blickten matt hinter den Brillengläsern, deren Fassung mit einer dunklen Linie das Gesicht teilte und sich an den Schläfen zwischen den grauen Haaren verlor. Der graue Bart erglänzte auf der Brust wie eine Silberquaste.

Badend in dem Sonnenlicht, blickte er hei­ter in das Treiben der schmalen Gasse, über der oben ein blauer Himmelsstreifen leuchtete. Es war Mittagstunde und in den Straßen herrschte reges Leben; von den benachbarten, mehr bevölkerten Straßen her, drang das ge­wöhn­liche Rasseln und Rauschen, in dem das Ohr des Juden bald einen ungewöhnlichen Ton zu unterscheiden begann. Es war dies ein vielstimmiger Gesang, der bald anschwoll und bald verstummte und bald wieder in feierlichen Tönen dahinfloß inmitten des alltägli­chen Lärms.

Eine Weile horchte der Jude, dann schüttelte er das Haupt; er wußte, was dieser Gesang bedeute. Es war ein Leichenzug, der unweit vorbeizog und immer näher kam. In der schmalen Gasse wurde die Bewegung lebhafter, da alle Welt eilte, sich das Schauspiel anzu­sehen. Auf dem Pflaster ertönten eilende Schritte und erhobene Stimmen.

Der Jude stand ruhig vor seiner Tür und hielt den Blick nach der Seite gerichtet, woher der feierliche Gesang ertönte.

Bald ward der Zug sichtbar. Hinter der hohen Mauerwand zeigten sich einige weiß­gekleidete Gestalten, ein schwarzes Kreuz erhob sich in der goldig schimmernden Luft,   rote und blaue Fahnen flatterten, brennende Fackeln erglänzten in einer langen Kette gelber, matter, trauriger Flammen. Der Trauergesang vermischte sich anschwellend mit dem dumpfen, langsamen Rasseln der Räder. Der zu sechs Pferden bespannte Leichenwagen, umgeben von schwarzgehüllten Dienern, trug hoch oben einen mit Silber beschlagenen Sarg.

Dann entfernte sich der Sängerchor und hinter dem Wagen kam eine lange Menschen­reihe, ernst und langsam daherschreitend, ge­hüllt in schwerer, aber glänzender Trauer. Lange dunkle Frauengewänder, deren Schleppen hinter den Trägerinnen daherfegten, schwarze, bis zur Erde wallende Schleier, an den glän­zenden Männerhüten schwarze Bänder, und in den schwarz behandschuhten Händen Gebet­bücher, deren Einband von Gold und Elfenbein glänzte. So bewegten sich die Paare dahin zwischen zwei Reihen brennender Fakkeln, zu beiden Seiten eingerahmt von einer dichten, schaulustigen Menge, die sich auf dem Pflaster und an den Rändern der Straße drängte.

Es war einer der glanzvollsten und reichsten Leichenzüge, die man in dieser Stadt jemals gesehen hatte.

Berek blickte durch seine Brillengläser über die schmale Straße hinweg, ruhig auf den vor­beiziehenden glänzenden Troß und schüttelte nur zuweilen sinnend das Haupt. Als aber ein Wort in der Menge hörbar wurde und an sein Ohr drang, erbebte er, richtete sich auf und begann eifrig zu fragen, ohne selber zu wissen wen:

»Was? was? wer? welcher Graf? wer wird hier zu Grabe getragen?«

Mit diesen wirren Fragen auf den blutlee­ren Lippen fand er sich auf dem Bürgersteig und versperrte einem Vorübergehenden den Weg.

»Was willst Du, Jude? Halt’ mich nicht auf. Was geht Dich der Leichenzug an? Wen sie zu Grabe tragen? Den Grafen Strumienicki. Also, Jude, laß doch meinen Rockschoß los. Welchen Grafen? Den Vater, den alten, den Grafen Xaver. Also, pack’ Dich, Jude, ich habe eilig.«

Der Jude ließ den Angeredeten passieren, warf den Kopf zurück und rief, schrie fast zu dem blauen Himmel empor:

»Gestorben? Graf Xaver gestorben? Wie ist das möglich? Warum ist er gestorben? Er war ganz gesund, als er zu mir kam. Einst war er so jung, so schön, so fröhlich, und nun stirbt er. Wie so stirbt er?«

Die Neugierigen, die sich den Anblick des prunkvollen Leichenzuges nicht entgehen lassen wollten, stießen ihn jedesmal an und be­trachteten verwundert den Greis, der durch seine großen Brillengläser in den Himmel starrte und wehklagend Fragen ausstieß. Er fragte, ohne zu wissen, wen noch was. Jemand, der rasch ging, stieß ihn bei Seite und einige Bengel blieben stehen und riefen: »Der Mann ist verrückt!« Das dauerte aber nicht lange, denn der Alte, fortgerissen von der strömen­den Menge, begann zu laufen, so gut er konnte, nach der Richtung, wohin sich der Zug be­wegte. Das lange Gewand zusammenhakend, eilte er von Straße zu Straße in gebückter Haltung, den nervigen Hals hervorgestreckt und sein silbergrauer Bart flatterte. Er eilte aus ganzer Kraft. Er dachte an nichts, nur den Leichenwagen einzuholen, der sich indessen sehr langsam fortbewegte, so daß man ihn leicht ereilen konnte. Bald befand sich Berek an den hintersten Reihen, aber damit nicht zufrieden, lief er weiter, bis er sich unter die Leidtragenden mengte.

Die Anverwandten des Hingeschiedenen, Freunde des Hauses, nahe Bekannte, alte und junge, von den verschiedensten Rangstufen, schöne und häßliche waren da, alle in vor­nehmer tiefer Trauer, etwas steif in ihrer zur Schau getragenen feierlichen Stimmung. Schwere Frauengewände fegten auf dem Pfla­ster daher, während die schwarzen Schleier bis zu den Knöcheln wallten, an den Händen funkelte das Gold und der Elfenbein auf den Fassungen der Gebetbücher. Dahinter tönte das Ge­rassel einer unabsehbaren Reihe dahinrollender Wagen und hallten die Schritte der neugieri­gen Menge auf dem Pflaster.

Berek ging abseits auf dem Bürgersteig in einer Reihe mit den Leidtragenden. Diese be­wegten sich gerade und feierlich, er trippelte rasch und strauchelte öfters an den Steinen. Neben ihren dunklen Gewändern erschienen seine fadenscheinigen Kleider wie ein in der Gasse aufgelesener Fetzen. An seinem Hut glänzte kein schwarzes Band, und unter dem schiefen Rand sah man nur die schwarze Linie der Brille, welche seine welke Haut beschattete. Er ging ruhig daher, ohne zu bemerken, daß er Gegenstand der allgemeinen Aufmerksamkeit war, daß man sich verwundert fragte, was er hier zu suchen habe. An der Spitze des Zuges erhoben sich in der strahlenden Luft die dunklen Linien des Kreuzes und der feier­liche Kirchengesang ertönte. Der Jude aber ging unbekümmert weiter. Bald begann er sich selber zu fragen:

»Wie komme ich eigentlich hierher? Was mache ich hier?«

Solange er sich eilend durch die Menge drängte, dachte er an nichts, getrieben nur von dem dunklen Gefühl, das ihn bewältigt hatte. Nun begann er sich über sich selber zu wun­dem, daß er hier unweit von den nächsten Verwandten hinter dem Sarge des Verstorbe­nen daherschreite.

Außerhalb der Stadt wurde es geräumig, luftig, hell und frisch. Ringsum breitete sich die grüne Hülle der Felder, junge Birken rauschten mit ihren silbern schimmernden Blät­tern; ein leichter Windhauch brachte aus den Feldern die Wohlgerüche der aus dem Boden dringenden Kräuter, und in der Nähe blinkte der Fluß in einem so tiefen Blau, daß man meinen konnte, es wäre ein Stück Himmel zur Erde gefallen.

Berek hatte seit langer Zeit die Stadt nicht verlassen, und jetzt wehte ihn der Hauch seines Heimatsdörfchens an. Der Wind, die Birken, die in der Luft wogenden Strahlen, alles flüsterte ihm das eine Wort ins Ohr: Strumienica. Da stand er am Zaun und blickte in den tiefen Birkenwald, wo ein Kuckuck hauste, und von der Ferne blickte ebenso blau der Fluß ... Und sein Blick haftete auf dem silbertriefen­den Sarg ...

Durch das weitgeöffnete Tor strömte der Zug in den Friedhof und zwischen den mit Veilchen besäeten Gräbern verstreute er sich in dem Walde von Grabdenkmälern und Kreu­zen. Berek hielt hier erschrocken inne, und als die dichte Menschenwelle vorbei war, blieb er allein. Der Friedhof war voller Bäume. Der alte Jude verbarg sich zwischen den Birken und irrte einige Zeit traurig unter den hän­genden Ästen umher, während er leise vor sich hinbrummte:

»Na, was mache ich eigentlich hier? Was hab’ ich hier zu suchen?«

Aber er ging nicht von dannen, er fühlte, daß zwischen ihm und dem da, der im silber­triefenden Sarge in die Erde gebettet wurde, unsichtbare Fäden geknüpft waren.

Am anderen Ende des Friedhofes stand eine bunte Menschenmenge, und gen Himmel er­schollen feierliche Gesänge und auf dem Grabe erhob sich ein hohes Kreuz. Der Jude irrte gesenkten Hauptes zwischen den Birken und führte ein leises Selbstgespräch. Der Friedhof lag am Abhange eines Hügels, zu dessen Füßen ein Fluß sich schlängelte, und drüben sah man grüne Felder und weiterhin schimmerte eine gelbe Sandfläche.

Der Jude blickte auf die sandige Ebene und rief plötzlich:

»Was ist das? Ist es jener ...? Ich ahnte nicht; daß man ihn von hier aus sehen könnte!«

Auf der gelblichen Sandfläche sah er einen Ort, von einer niedrigen Mauer umgeben und angefüllt von Grabsteinen; dort gab es keine Bäume, keine stolzen Denkmale, nur viele in dichten Reihen stehende Grabsteine, die im Lichte der Sonne rötlich schimmerten inmitten des gelben Sandes. Der jüdische Friedhof.

Berek stützte den Arm aufs Knie, senkte das Haupt und flüsterte leise: »Das ist das Ende unser Beider ... aller Menschen!«

Er saß noch lange unter der Birke an dem von Veilchen bestreuten Grabe und blickte zu jenem anderen Friedhofe hinüber. Über den beiden Gräberstätten, der einen blühenden, grünenden, und der anderen, die zwischen gel­bem Sand ganz im Stein zu erstarren schien, wölbte sich weit und breit derselbe tiefblaue, strahlende Himmel.