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Georg Queri – Pfingstwunder

aus: Die Schnurren des Rochus Mang, Baders, Meßners und Leichenbeschauers zu Fröttmannsau, nacherzählt von Georg Queri, Verlagsgesellschaft München G. m. b. H. (Bertold Sutter Verlag), 1910, S. 15-16, 18.
(Die Zeichnung auf Seite 17 ist von Karl Arnold und darf aus urheberrechtlichen Gründen ohne Genehmigung nicht veröffentlicht werden.)

Arg gern hätten die Höhenrieder einmal ein Wunder gesehen, weil der Herr Pfarrer immer davon erzählt hat und weil sie die Wunder gebraucht hätten für die Gemeinde.

Für den Luxen Kaspar hätten sie ein Wunder gebraucht: dem ist der Brückenwagen über die Kniee gegangen und jetzt muß ihn die Gemeinde erhalten. Darum hätten sie ein Wunder gebraucht.

Für die Hahnaschlager Kreszenz auch eins: die ist mit dem fünften Kind schwanger gegangen und die Gemeinde muß schon für vier sorgen, weil sie nie einen Vatern weiß. Darum hätten sie ein Wunder gebraucht.

Und für die ganze Höhenrieder Flur ein Wunder: da hat der Schauer alles erschlagen und ist an eine Ernt gar nicht zu denken. Darum hätten sie ein Wunder gebraucht.

Aber wo soll der Herr Pfarrer die Wunder gleich haufenweis herbringen? Dazu sind die Menschen zu schlecht heutzutag, daß man ihnen mit Wundern unter die Arme greift und die Höhenrieder, die in der Kirch schlafen und im Wirtshaus wachen, sind überhaupt kein Wunder wert. Das hat er ihnen von der Kanzel heruntergesagt, der Herr Pfarrer.

»Hoho, hoho!« haben sie darnach im Wirtshaus aufrebellt. »Er wird halt keines nit machen können, kein Wunder!«

Sagt der Meßner zum Herrn Pfarrer, ob er wirklich kein Wunder nit machen könnt?

Allein nit, meint der Herr Pfarrer, zu einem Wunder täten immer zwei gehören. Der Herr Pfarrer und ein anderer.

Wer der ander wär?

Allweil müßt der Meßner der ander sein.

Da tät er freilich gern mit, sagt der Meßner.

»Ist gut,« sagt der Herr Pfarrer, dann machen wir eins auf Pfingsten. Das machen wir so und so und so und so. Itzt weißt es, Meßner, wie daß wir das Wunder machen.«

»Ja, itzt weiß ich's.«

Und auf Pfingsten, da hält der Herr Pfarrer eine große Predigt gegen den Unglauben und schimpft die Höhenrieder zusammen, daß sie in keinen alten Schlappschuh mehr hineinpassen, so schlecht macht er sie. Und sagt ihnen, daß es schon noch Wunder und Zeichen geben tät, um die Ungläubigen zu bekehren, aber die Höhenrieder sind's gar nit wert, daß sie so was erleben.

»Hoho, hoho!« brummen die Bauern.

»Jawohl, und das seid ihr halt nit wert. Und ich könnt Euch schon eins zeigen, ein Wunder, gleich auf der Stell. Und den heiligen Geist könnt ich erscheinen lassen gleich auf der Stell in Gestalt einer Taube, wo in die Kirchen hereinfliegt!«

Da hat's die Bauern hin und hergeschüttelt vor Schaudern. Den heiligen Geist könnt er erscheinen lassen, der Herr Pfarrer!

Sie schauen hinauf auf die Decke, wo der Tod des heiligen Sankt Petrus hingemalt ist. In der Mitte von der Decke ist ein rundes Loch, da muß der Meßner zu Pfingsten immer eine gipserne Taube an einem Schnürl herabhängen lassen. Aber warum hängt da keine gipserne Tauben an einem Schnürl herab?

»Ich frage euch, oh Geliebte, warum hängt heut nit die gipserne Tauben herab am heiligen Pfingstfeste? Hängt sie darum nit herab, weil sie uns zerbrochen ist? Nein sie ist uns nit zerbrochen, die gipserne Tauben, aber wir wollen heut sehen den heiligen Geist in Gestalt von einer lebendigen Tauben, auf daß er lebendig in Eure ungläubigen und verstockten Herzen einziehe. Und nun denn, so komme auf uns herab, oh heiliger Geist!«

Da haben aber die Höhenrieder hinaufgeschaut in die Höh. Ist aber nit gleich kommen, der heilige Geist.

»So komm denn auf uns herab, oh heiliger Geist!« hat der Herr Pfarrer noch einmal gesagt.

Da hat der Meßner droben ganz weinerlich zur Antwort herabgerufen: »Ja, den hat mir itzt richtig die Katz zerbissen, den heiligen Geist!«




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