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Marie Rudofsky – Schulter an Schulter

Kriegsgedichte, Herausgegeben zu Gunsten des Witwen- uns Waisenhausfonds der gesamten bewaffneten Macht Österreich-Ungarns und Deutschlands.

J. G. Calve'sche k u. k. Hof- und Universitäts-Buchhandlung (Robert Lerche), Prag, 1915
Mit freundlicher Genehmigung von © 2011 Susanne und Ulrich Rudofsky

Widmung.


Nicht Lieder süßen Wohllaut's, der leicht das Herz berauscht,
Nicht Weisen zarten Klanges, Goldharfen abgelauscht,
Nicht schmeichelnd wirre Töne, dem Spiel der Schellen gleich,
Nicht Lieb- und Lustgesänge, so sanft und hell und weich –
Nein, ehern harter Stahlklang, der durch die Lande saust,
Nur Sturmsignal und Schlachtruf, von Schwertgeklirr umbraust,
Nur Brüllen der Kanonen und Trauermelodei'n
Das soll in Mollakorden sich aneinanderreih'n.
– – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –
Der Wind erfaßt die Stimme und trägt sie flüchtig fort;
Es findet kaum ein Echo mein eisenhartes Wort.
Nicht vielen wird's erklingen und ungehört verweh'n
Und mit dem Klang der Waffen mag's friedlich untergeh'n.
Ich singe nicht zum Ruhme, um Ehre nicht und Lohn,
Ich sing mein Lied aus Liebe zu Habsburg's Kaiserthron.
Auch Deutschland's mächt'gem Herrscher weih' ich's zu Dank und Preis
Und allen uns'ren Helden als kleinstes Lorbeerreis.



Schulter an Schulter.

Mein Volk steh auf! Es klirrt das Schwert,
Es rasselt und es blinkt,
Ermanne dich, sei deiner wert,
Die große Zukunft winkt.
Ergreif des Bruders starke Hand,
Wir kämpfen für ein Bruderland
                              Schulter an Schulter.

Der Feind ist stark, der Feind ist groß,
Sind sieben gegen zwei.
Bis über's weite Meer ergoß
Sich Herrschertyrannei
Und führt ein farbig Heer zum Krieg,
Drum drauf und dran um Ehr' und Sieg
                              Schulter an Schulter.

Wir fürchten Jabs und Gurckhas nicht,
Nicht schimpfliches Komplott;
Nicht tagescheues Mordgelicht,
Mit uns kämpft unser Gott.
Nur frisch und frei das Schwert heraus
Und stark hinein in's Schlachtgebraus
                              Schulter an Schulter.

Es geht um Sein – um Nimmersein,
Um bluterkauften Ruhm,
Um eines Volkes Glorienschein,
Um höchstes Heiligtum.
Auf, Brüder, auf im Treuverband,
Zu Heil und Sieg für's Vaterland,
                              Schulter an Schulter.

Viribus unitis.


Wir stehen fest im hartbedrängten Lande.
Umschlungen von dem schwarzweißrotem Bande
Weht Öst'reichs Banner hoffnungsfroh im Wind
Und unser Wahlspruch wird nicht unterliegen,
Wir werden »mit vereinten Kräften« siegen,
Da wir ein einig Volk von Brüdern sind.

Wir fürchten keines Feindes mächtige Heere.
Im Kampfe um die alte deutsche Ehre
Ist jeder deutsche Mann ein stolzer Held.
Um jeden Zoll vom altererbten Gute
Zu fechten bis zum letzten Tropfen Blute,
Zieht frohgemut die Brüderschar in's Feld.

Und hätt' die ganze Welt sich auch verschworen –
Der Feldherr ist auf Erden nicht geboren,
Der deutsche Treue auseinanderriß.
Heil Sir Franz Josef und dem Vaterlande!
Heil Kaiser Wilhelm's treuen Freundschaftsbande!
Heil ihrem Heer! – Der Sieg ist ihm gewiß.

Frisch aufgewacht!

Mein Österreich, frisch aufgewacht!
Du lagst zu lang in Träumen.
Der Morgen loht, vorbei die Nacht,
Nicht länger darfst du säumen.
Spring auf! Es will für Seel' und Leib
Die faule Ruh' nicht taugen,
Drum spute dich geschwind und reib
Den Schlaf dir aus den Augen.

Schau, wie von allen Seiten dich
Die Feinde wild umringen
Und bis vom fernsten Himmelsstrich
Das Schwert zum Morde schwingen.
Reiß auch das deine spitz und scharf
Im Zorn aus der Scheide,
Ein Schwert so blank wie deines darf
Nicht zittern vor dem Neide.

Denn Neid nur ist und schwarzer Geiz
In's Nachbarherz gekrochen,
Weil deines Landes milder Reiz
Die Räuberbrust bestochen.
Wie das den Feind in's Auge brennt!
Es grünen deine Fluren,
Der Handel blüht, das Stahlroß rennt
Auf segensreichen Spuren.


Mein Österreich, jetzt ward es Licht
Es schwand der Traumnacht Dunkel,
Vor deinem friedlichen Gesicht
Blitzt Stahl und Schwertgefunkel.
Spring auf und schütz' dein Eigentum
Vor roher Feindmacht Schergen.
Du darfst jetzt ohne Sieg und Ruhm
Dein Schlachtschwert nimmer bergen.

Auf zum gerechten Krieg!

Laut gellet durch die Monarchie
Des Schlachtrufs hehre Melodie:
»Zum Kampfe auf Ihr Kriegesheere!«
Zum edlen Kampf, als Wehr und Schutz,
Dem mächtigen Feinde Hohn und Trutz,
Dem Vaterlande Ruhm und Ehre.

Auf, Völker, auf! der Kaiser ruft.
Wer feige säumet, ist ein Schuft;
Eilt unser Heiligstes zu retten.
Von West und Ost, von Nord bis Süd
Seid warm vom gleichen Geist durchglüht,
Im Pflichtgefühl Euch zu verketten.

Umschlungen von der Eintracht Band,
Nehmt rasch die Waffen in die Hand,
Zieht gleichen Ziel's – dem Feind entgegen.
Entflammet Euch der Heldenmut,
Fließt nicht umsonst der Tapfren Blut,
Aus jedem Tropfen sprießet Segen.

Begeistert folgt Euch unser Blick.
Und will's ein gnädiges Geschick,
Kehrt ruhmbekränzt Ihr heim als Sieger.
Heil Österreich! Hoch Ungarland!
Treu unsrem Kaiser unverwandt,
Und »Gott mit Euch«, Ihr wackren Krieger.

Heraufbeschworen!

Nein, Österreich hat nimmer den Krieg gewollt,
Man hat uns zum Kampfe gezwungen.
Die Feinde, sie haben Jahrzehnte gegrollt
Und meuchelnde Mörder gedungen.
Der Mord heischet Rache. Heraus das Schwert!
Mit Frevelmut habt Ihr den Krieg begehrt.

Lang übten wir Nachsicht und schonend Geduld,
Den Frieden im Reich zu erhalten,
Ihr aber häuftet zu Bergen die Schuld;
Jetzt möge Gerechtigkeit walten.
So habt Ihr's gewollt, und so sei es darum,
Doch wer den Krieg will, – der kommt darin um.


Gott mit uns!

Urplötzlich wie ein Ungewitter
Hereinbricht in des Mittags Schwüle,
Ruft Trommelwirbel Knecht wie Ritter
Zum heißentbrannten Schlachtgewühle.
Zu retten gilt's das Vaterland
Vor roher, falscher Mörderhand.

Wohl eingedenk der tapfren Ahnen
Greift Österreichs Wehrmacht zu den Waffen.
Hurrah! Wer hilft den alten Fahnen
Unsterblich neuen Ruhm zu schaffen?
Der Väter warmes Heldenblut
Weckt in den Söhnen Todesmut.

Wohlan ihr Feinde! Frei und offen
Zieh'n wir gewappnet euch entgegen,
Denn wisset, unser Siegeshoffen
Steigt himmelan um Gottes Segen.
Gerechte Sache zwingt zur Wehr,
Unrecht gedeihet nimmermehr.


Kriegslied.

Und kann ich nicht zu Felde zieh'n,
Nicht mit den Tapf'ren kämpfen,
Ist nimmer mir die Gunst verlieh'n,
Durch Blut den Groll zu dämpfen,
Und kann ich nicht mit Spieß und Schwert
Dem Feind zu Leibe dringen,
Ist eines mir doch nicht verwehrt –:
Ein Kriegslied laut zu singen.

Ein Lied so ernst, so hoch und hehr
Von Heldengeist durchdrungen,
Weit über Städte, Land und Meer
Zum Himmel aufgeschwungen.
Es braust und schallt begeistert fort,
Wie laute Jubelchöre,
Hellschmetternd klingt's von Ort zu Ort,
Daß Freund und Feind es höre!

Lieb Österreich magst ruhig sein,
Es schirmen deine Güter
Vom Donaustrand bis an den Rhein
Die wackren deutschen Brüder.
Durch dick und dünn, durch Not und Tod
Gehn wir vereint im Kriege,
Uns hilft der alte deutsche Gott
Zum Heile und zum Siege.

Gut und Blut für's Vaterland.

Österreich braucht Helden –. Freiwillige vor!
Schon drängen sich Tausende stürmisch durch's Tor.
»Da sind wir, nimm hin Blut und Leben und Kraft« –.
Und werden Armeen vom Tode gerafft,
Neu steht auf dem Felde, das blutig noch dampft,
Ein freiwillig Heer aus dem Boden gestampft.

Österreich braucht Reichtum –. Goldschätze herbei –!
Wir ringen von Geld und Geschmeiden uns frei.
»Hier bringen wir freudig den glitzernden Tand,
Und brauchst du noch mehr, – lieb Vaterland,
Befiehl nur, kein Goldstück bleibt säumig zurück,
Erkaufen mir Freiheit dir, Frieden und Glück.«

Österreich braucht Liebe –. Tut Herzen euch auf,
Dem Blut und dem Golde fügt Liebe zu Hauf!
»So nimm unsre Herzen, sie schlagen nur dir,
Wir fühlen und hegen die eine Begier:
Mit dir nur, mein Öst'reich in Ehren besteh'n
Mit dir – – – nein, du wirst niemals untergeh'n.«


Deutschland wird siegen.

Sprich, Deutschland, wo nimmst du die Mannen her
Zu Lande, zur See, in den Lüften?
Du birgst sie so zahlreich doch nimmermehr,
Und stiegen sie selbst aus den Grüften.

Sprich Deutschland, wer lenkt dein gewaltiges Heer
Im harten, germanischen Kriege?
Wer gibt das Kommando zur blutigen Wehr
Und führt dich von Siege zu Siege?

Sprich Deutschland, wo schöpfst du den göttlichen Mut,
Den herrlichen Stolz, das Vertrauen?
Wer schürt deine Liebe zur flammenden Glut
Und schützt dich vor zitterndem Grauen!

Nicht brauchen die Väter den Grüften erstehn,
Es kreist mir ihr Blut in den Adern;
Ich schütze ihr Erbgut als heiliges Leh'n,
Ob Hütten, – ob Burgen aus Quadern.

Ich reite, marschiere und flieg' durch die Luft,
Durchkreuze die Tiefen der Meere,
Wo immer die Pflicht und die Fährlichkeit ruft,
Und nicht um die lockende Ehre.

Und wollt mir der Mut und die Hoffnung verweh'n
Und fürcht' ich dem Feind zu erliegen, –
Dann brauch' ich dem Kaiser in's Aug' nur zu seh'n
Und weiß –: Deutschland wird siegen.


Das Kaiserbild.

Nicht stolz zu Roß, nein still nur »im Gebet«
Hast du, o Kaiser, uns dein Bild gesandt.
Welch tiefes Leid aus diesem Bildnis weht,
Hat jeder deiner Söhne scheu erkannt.

Andachtversunken liegst du auf den Knie'n.
Dein Geist verweilt bei Gott im Himmelssaal.
»Herr, der du Öst'reichs Krone mir gelieh'n,
Du gabst zu deren Glanz auch bittre Qual.

Den Leidenskelch hast du mir voll gereicht,
Ich schlürft den Trank und glaubt ihn schon geleert –.
Des Restes Bitterkeit blieb unerreicht,
Der jetzt mein Herz wie Feuerbrand verzehrt.

Den Frieden zu erhalten war mein Ziel.
Herr! Gott! Ich habe nicht den Krieg gewollt.
Der falsche Nachbar zwang; – der Würfel fiel,
Das Schicksal nahm den Lauf, – die Kugel rollt'.

Beschütze meine Völker du im Krieg!
Beschütz das Reich und meiner Väter Land!
Allmächtiger! Gib meinen Waffen Sieg
Und führ mein Heer an deiner Gotteshand.«


So liegst du, greiser Kaiser, im Gebet.
O, wie dies Bildnis uns zu Herzen spricht!
Und was du unter Tränen dort erfleht
Erfüllt sich gnädig jetzt im Weltgericht.


Deutschland's Kaiser.

Du zogest, deutscher Kaiser, mit Deinem Heer in's Feld
Und jeder Deiner Söhne zog mit als mut'ger Held.
Und aller Augen schauten auf Euch mit Lust und Stolz –
»Ja, unser deutscher Kaiser, der ist aus deutschem Holz«.

Du stand'st im Kugelregen, nicht achtend der Gefahr,
Du kommandierst »Attacke« der jungen Reiterschar,
Du fühlst mit Deinen Kriegern die Wunden, Tod und Schmerz –
»Ja, unser deutscher Kaiser, der ist aus deutschem Erz«.

Du fürchtest nicht der Feindmacht weitüberlegne Zahl,
Schwingst ihr Dein Schwert zu Häupten aus hartem blankem Stahl
Und stürzest Dich entgegen der aufgereizten Flut –
»Ja, unser deutscher Kaiser, der ist aus deutschem Blut«.

Du stehst ein stolzer Hüne demütig im Gebet,
Ein gläubig Gottvertrauen aus Deiner Andacht weht.
Du flehst um höh're Hilfe, besiegend fremden Spott –
»Ja, unser'n deutschen Kaiser, den schützt der deutsche Gott«.


Austria und Germania.

Gewittersturm fegt durch die Welt,
Es donnert, heult und brauset.
Ein Blitz zuckt auf, blutrot erhellt,
Der zündend niedersauset.

Er setzt Europa grell in Brand,
Wildflackernd loht's in Flammen,
Und schweißt mit einem Eisenband
Zwei Völker stark zusammen.

So hart wie Panzerplattenstahl
Erstarkt durch Feuerbrände,
Eint jenes Blitzes Wetterstrahl
Die festverschlung'nen Hände.

Sie zücken kühn ein Riesenschwert
Dem grimmen Feind entgegen.
Solch heil'ger Freundschaft stolzer Wert
Bahnt froher Zukunft Segen.


Deutschland's erster Sieg.

Der erste Sieg! – Im Sturm genommen
Ward Lüttich's Festung von den Braven;
Daß dort der Feind nicht darf entkommen,
Ließ Deutschlands Mannen nimmer schlafen
Und eh' der graue Morgen tagt
Hat man den Ansturm schon gewagt.

»Nur durch –! Hinein –! Kost's, was es koste,
Es gilt des Vaterlandes Ehre.
Zeigt, daß das deutsche Schwert nicht roste
Und nicht der deutschen Faust entbehre.
Die Sonne darf nicht untergeh'n,
Eh' unsre Siegesfahnen wehn.«

»Hurrah!« Schon wanken Lüttichs Mauern,
Und durch der Tore graue Enge
Zieht General Emmich sonder Schauern
In's wild bewegte Kampfgemenge.
Noch einmal ruft er: »Hurrah! Sturm!« –
– Das deutsche Banner weht vom Turm.

Heil Hindenburg!

Großmächtiger Feldmarschall Hindenburg!
Du bist der gefeiertste Weltdramaturg
Am ostdeutschen Kriegestheater.
Du lenkest energisch mit weitscharfem Blick
Der Städte, der Länder, der Völker Geschick,
Bleibst führend des Kaisers Berater.

Hast Deutschland vom drohenden Joche befreit
Und Rußland's Armeeen dem Tode geweiht!
Als Retter erstandst Du dem Osten.
Und stellt sich der Feind dort in zehnfacher Macht,
Du wirfst ihn zu Boden in siegreicher Schlacht,
Nicht wanken die preußischen Pfosten.

Auch Österreich fühlt Deine kräftige Hand.
Wir stehen in Deiner Getreuen Verband
Und dünken uns stärker und größer.
Hab Dank, – ewig Dank, Gen'ralfeldmarschall!
Bleib ferner der Ostgrenzen sicherster Wall,
Wir preisen Dich hoch als Erlöser.


Oesterreich's Kriegsfreiwillige.

Gestern bei der Kriegsmatura noch in schwarzem Frack,
Heute in der Feldausrüstung schon mit Sack und Pack.
Fort die Bücher, her die Waffen, Säbel und Gewehr!
So, jetzt sind wir Kriegsfreiwill'ge Öst'reichs jüngste Wehr.

Schmäht uns nicht, ob unsrer Jugend, fragt nach uns'rem Mut.
Schaut wie unsre Wangen brennen, voller Lebensglut.
Fragt nicht nach dem Maß der Breite jeder Jünglingsbrust,
Wohnt darin nur Pflicht und Treue, Sieg- und Kampfeslust.

Vater, Mutter, klagt nicht ängstlich um den jüngsten Sohn,
Fühlt, es trieb ihn ohne Halten fort der Weltzyklon.
Kehrt er nimmer, – weint Euch, Eltern, nicht die Augen rot,
Denkt, er starb für Öst'reichs Ehre gern den Heldentod.


Landwehrmann's Abschied.

Mein Weib, jetzt stell' mir ein das Weinen.
S' ist schon genug geheult, geflennt.
Nach Regen muß die Sonne scheinen,
Wenn Wolke sich von Wolke trennt.

Ward Licht und Helle trüb verhangen,
Zieh'n schwere böse Wetter auf,
Durchschleicht die Brust ein wehes Bangen,
Als hemme sich der Welten Lauf – –

Denk' an die Sonne, an die Wolke
Und denk' an den, der beide schuf.
Weib, jetzt gehör' ich meinem Volke
Und freudig folg' ich seinem Ruf.


Landstürmer.

Es schmettern weithallende Töne
Den heiligen Krieg durch das Land;
Sie rufen ganz Österreichs Söhne
Zum einigen starken Verband.

Sie dringen in weltferne Buchten,
Sie führen den Jüngling, den Mann
Aus heimlichen Tälern und Schluchten
Zum ehrlichen Kampfe heran.

Und eh' noch die Jugend gerüstet,
Drängt rastlos der Landsturm voraus.
»Herbei nun der Feind, dem's gelüstet
Daß ich ihm sein Schafsfell zerzaus!

Wir schaffen als friedliche Bürger
Am Ambos, am Webstuhl, im Feld;
Doch reizt uns der wölfische Würger,
Erwacht in uns jedem ein Held.

Vom Glockenstrang eilet der Türmer,
Die Werkstatt, – das Kaufhaus wird leer,
Wir sind ja des Vaterlandes Stürmer,
Wir sind ja die älteste Wehr.

Und hing auch das Schwert lang am Nagel,
Wir putzen 's vom Rost wieder rein.
Es sause wie Wetter und Hagel
In's feindliche Lager hinein.«


Zu spät erkannt.

Ob einer beseligt den Frieden empfand
Als göttliche, himmlische Gabe?
Die Ruhe und Eintracht im Vaterland
Als unschätzbar wertvolle Habe?

Ob einer nach mühvoll beendetem Tag
Das Walten der Fürsten gepriesen?
Dem ernstlich erwogenen Friedensvertrag
Gebührenden Dank je erwiesen?

Es mußt' ja so sein, und so war man's gewöhnt –
Wer hätte als Glück das empfunden!
Die Welt lag so einig, so lieblich versöhnt
In Freundschaft und Treue verbunden.

Wer dachte an Wortbruch und Kriegsgefahr
Als Deutscher und ehrlicher Bürger?
Wir krümmten dem listigen Nachbar kein Haar,
Er wurde zum meuchelnden Würger.

Da brach es hervor wie mit Donnergewalt,
Was lange und sorgsam gehütet,
Was Jahre geschlummert im Hinterhalt –
Der Weltkrieg – er lodert und wütet.

Er lodert empor – und mit einem Mal
Ist Kummer den Menschen beschieden
Und Elend und Sorgen und bittere Qual
Wir schätzten zu wenig den Frieden.

Rosen.

Es blühen im Garten zu Konopischt
Die Rosen in purpurner Glut,
Von nächtigem, perlendem Tau erfrischt
Wie sickerndes tiefrotes Blut.

Und dort über'm Damme am stillen Teich
Beschattet das schwankende Boot
Ein Flor sanfter Rosen, so sterbensbleich,
So matt und schneeweiß, wie der Tod.

Es liebte der Schloßherr das leuchtende Rot,
Die Herrin das zarteste Weiß.
Als beide, von ruchloser Mordhand bedroht,
Im Tode erblassen so leis,

Da ruht auf dem Sarge ein Rosenkranz,
Gewunden reinweiß und blutrot.
Um Rache fleht zitternd der schneeige Glanz,
Die purpurne Glut heischet – Tod.

Bald fließet in Strömen das rächende Blut,
Die Schuld wird von Tränen vermischt;
Verwelkt ist des Rosenflors feurige Flut
Im Garten zu – Konopischt.

Sommer 1914.

Golden, überreif im Kern
Hängen schwer die vollen Ähren;
Junge Schnitter weilen fern.
Wie lang mag die Ernte währen?

Spricht der müde, schlaffe Greis
Zu dem schwachen Enkelsohne:
»Komm! Es ist der Not Geheiß,
S' ist ein Kampf um Land und Krone.

Wird das Korn nicht heimgebracht,
Muß es faulen und verderben,
Schützt uns keiner Waffe Macht
Und des Volkes Los ist –: sterben.«

Sonnenarm.

Tage gibt's im wirren Erdenleben
Sonnenarm und doch gewitterschwül.
Hoffnungsbang voll schwerem Angstgefühl
Lebt das Herz sie aus mit Widerstreben.

Furchtsam lauscht es leise in die Ferne,
Klammert sich mit letzter Zuversicht
Täglich an das neue Morgenlicht –,
An des Abends bleiche sanfte Sterne.

Nur ein Wort kann die Erlösung bringen.
Millionen sehnen es herbei.
Aus gepreßter Seele dringt der Schrei:
»Werden Frieden wir und Sieg erzwingen?«

Herr des Himmels, schenke uns Vertrauen!
Schwere Prüfung schickt uns deine Hand.
Schirme unser teures Vaterland!
Laß uns hoffend in die Zukunft schauen.

Unverzagt.

Ein Fürchten schleicht leise ins zagende Herz,
Umklammert's mit Beben und Bangen.
Erstorben, verklungen der mutige Scherz,
Verblichen das Rot auf den Wangen.

Entsetzen spricht starr der geängstigte Blick
Und ahnungsvoll zittert ein Fragen:
»O Österreich, wirst du des Krieges Geschick
Treutapfer bestehn und ertragen?

Es lauert im Osten weit stärkere Macht
An deinen umstrittenen Wällen,
Im Süden heimtückische Niedertracht,
Die Pfosten des Staates zu fällen.

Es übet Verrat manch entarteter Sohn,
Verblendet vom klingenden Golde,
Statt treu zu beschützen des Vaterlandes Thron,
Steh'n viele in feindlichem Solde.

Du nährst am Busen in sorglicher Hut
Gefährliche Schlangen und Drachen,
Nun trieb' dich die falsche vergiftete Brut
Am liebsten dem Feind in den Rachen.«

»Wohl Hasser soviel wie am Meere der Sand
Doch Öst'reich braucht nicht zu verzagen,
Ihm hilft Kaiser Wilhelms gewaltige Hand
Die Übermacht jagen und schlagen.«

Ein alter Krieger an seinen Sohn.

Mein Sohn! Der Kaiser hat gerufen,
Frischauf und ungesäumt in's Feld!
Wo einst die Väter Ruhm sich schufen,
Zeig' auch der Sohn sich als ein Held.

Könnt' ich zur Seite dich begleiten,
Begeistert zieh'n in Kampf und Schlacht!
Wie will mein altes Herz sich weiten,
Von neuer Kriegslust angefacht.

Ich folge allen deinen Schritten
Im Sinne nach durch Feindesland;
Den gleichen Weg bin ich geritten,
Die Zügel stramm, – das Schwert zur Hand.

Ich stand wie du im Kugelregen,
Kanonendonner brüllte laut
Und manchen Feind durchbohrt mein Degen
Und manchen Helm hab ich durchhaut.

Ich stürmt' voran ins Handgemenge, –
Dem Mutigen gehört das Glück –
Hinauf den Berg, – hinab die Hänge
Und niemals gab es ein Zurück.

Denk' ich des Tag's, da ich errungen
Des Gegners Fahne, bös durchlocht,
Als ich ins Lager eingedrungen
Und mir mein »Eisern Kreuz« erfocht.

Denk' ich des Einzug's durch die Tore
Durch ganz Paris so siegsbewußt!
Bezwungen war die Trikolore –
Heut hüpft mir noch das Herz vor Lust.

Mein Sohn! Du kämpfst für Land und Kaiser,
Steh' freudig ein mit deinem Blut.
Nicht um des Ruhmes Lorbeerreiser,
Nein, – um des Volkes höchstes Gut.

Gott sei mit dir! Denk' meiner Lehren.
Dort wo du stehst, dort stand auch ich,
Und willst du deinen Vater ehren,
Dann übertriff an Siegen mich.

Abschied von der Mutter.

Mein Kind, noch einen Augenblick
Mußt du bei mir verweilen,
Eh dich ein feindliches Geschick
Heißt in den Krieg zu eilen.

Noch einmal muß ich dir auf's Haupt
Die Mutterhände legen –,
Wie ich zu Gott gehofft, geglaubt,
Erfleh' ich seinen Segen.

Und dieses kleine Amulett,
Der Jungfrau rein geweihet,
Vor Schwert und Kugeln dich errett',
Wenn sie dir Schutz verleihet.

Dein Engel zieht mit dir ins Feld,
Er wird dich treu beschirmen,
Wenn sich um dich in Feindeswelt
Die Kampfeswogen türmen.

Sei tapfer Kind, nicht grausam, roh,
Sei mutig, nicht vermögen;
Zeig dich dem Feind nicht schadenfroh –
Oft hat die Gunst getrogen.

Ich laß dich schwer –. Du warst mein Glück,
Die Sonne meines Lebens.
Wohl, – kehrst du nimmer mir zurück.
So starbst du nicht vergebens.

Du opferst Leben, Kraft und Blut
Und deine jungen Jahre
Mit Edelsinn und Heldenmut
Am Vaterlandsaltare.

Ich denke dein –. Wenn dich zur Nacht
Ein Säuseln sanft umwehet,
So wisse, deine Mutter wacht,
Die brünstig für dich flehet.

Nun zieh mit Gott, mein guter Sohn,
Noch einmal laß dich segnen
Und wenn nicht hier – vor Gottes Thron
Werd' einst ich dir begegnen.


Tagesordnung.

Wir heben uns frühe von wohligem Pfühl.
Stürzt jetzt unser Sohn schon in's Schlachtengewühl?

Wir gehen zur Arbeit nur schleppend und schwer.
Sag, setzt sich der Junge auch tapfer zur Wehr?

Wir löffeln die Suppe, uns schmeckt kein Gericht.
Ob's nicht in den Schanzen am Brote gebricht?

Wir sitzen so traurig am warmen Kamin.
Wie mag's heut im Feld dort wettern und zieh'n!

Wir gehen zur Ruhe, es liegt sich so schlecht.
Steht wohl unser Einz'ger im näch'gen Gefecht?

Wir falten die Hände zum stummen Gebet
Und jeder zum Himmel um Rettung nur fleht.

Wir träumen verängstigt, wir sehen sein Bild,
Mir schien er so blaß und dem Vater so wild.

Jetzt steigt dort im Osten das dämmernde Rot.
Ach, leuchtet 's dem Kinde schon frühe zum Tod?

Doch schreitet die Sonne auf's neu ihre Bahn,
Hebt Sehnen und Sorgen auf's neu wieder an.

Brief einer Soldatenbraut.

Mein Lieb! Als du von mir gegangen,
Befohlen durch Soldatenpflicht,
Als ich an deinem Hals gehangen
Und weinend sprach: »ich laß dich nicht«,

Sah'st du mir treu und warm in's Auge,
Rang'st sanft aus meinem Arm dich frei,
Mich tadelnd, daß die Lieb' nicht tauge,
Wenn sie nicht opferfähig sei.

Dann stecktest du zum Treuepfande
Mir noch ein goldnes Ringlein an
Und zogst zum fernen Feindeslande
Als tapfrer schneidiger Ulan.

Sag Schatz, wirst du mir zürnend grollen,
Daß jener Ring mich nicht mehr schmückt?
Daß ich ihn ließ vom Finger rollen,
Obwohl dies Pfand mich hoch beglückt?

Ich wollt' dir Opfermut beweisen,
Das Beste geben was mir blieb:
Ich gab das Gold für blankes Eisen –
Bleib du, mein Schatz, mir treu und lieb.

Deutschland muß leben.

Es dunkelt schon in nied'rer Kammer,
Die Sonne sinkt am Waldesrand
Und auf dem Dreifuß legt den Hammer
Der alte Schuster aus der Hand.

Setzt müd sich in den Winkel nieder,
Sein Weib stellt hin das Abendbrot,
Leis schleicht sie fort, stumm kehrt sie wieder
Im Blicke Angst und Seelennot.

Und beider Sinne weilen ferne
Beim Sohne, der in Frankreich fiel –.
Erst als am Himmel steh'n die Sterne,
Spricht ernst der Mann: »Gott nahm uns viel;

Brach unser Glück in Schutt und Scherben,
Doch, war es also sein Beschluß –
Bedenk, wir alle müssen sterben
Indeß Alldeutschland leben muß.«

Rache!

Ihr Jungens in den blauen Jacken,
Die ihr im nassen Grabe ruht,
Ihr beugtet nicht den deutschen Nacken
Vor britisch frecher Mörderbrut.

Ihr habt nicht kampflos euch ergeben
Der sechsfach stärkren Übermacht;
Nein, mancher ließ sein Blut und Leben
Als Opfer in der heißen Schlacht.

Ihr gabt euch preis im wackrem Kampfe
Für deutsches Land und deutsches Meer –
Erst mit der Schiffe letztem Dampfe
Versank auch ihre treue Wehr.

Nun ruht ihr tief am Meeresgrunde,
Umspült vom salzig kaltem Naß,
Euch schlägt nicht mehr die Rachestunde,
Um heimzuzahlen Groll und Haß.

Doch hört es in den tiefsten Tiefen:
Nicht ungerächt bleibt euer Tod.
Den Feinden wollen wir's verbriefen:
»Wir kämpfen bis zum letzten Boot.«

Ihr Jungens in den blauen Jacken
Von Scharnhorst, Leipzig, Gneisenau,
Wir beugen nicht den deutschen Nacken.
Stolz gellt der Ruf: »Vertrau! Vertrau!

Vertrau und harre mutig weiter
Noch wogt der Krieg, noch währt die Schlacht;
Alldeutschlands Seemacht kühne Streiter
Stehn unbeirrt auf treuer Wacht.«


U 21.

Britenstolz, zu hoch geschwollen
Ist dein blutigroter Kamm.
Deutschlands Sterben ist dein Wollen –
Tod schwurst du dem ganzen Stamm.

Siehst es schon im Staube liegen,
Ausgehungert, leidensbleich,
Denn durch Not willst du besiegen
Das vereinte Deutsche Reich.

Sprachst das Machtwort keck vermessen:
»Sperrt die Wasserstraßen zu!«
Eitler Tor, hast du vergessen
Deutschlands kleine kühne U?

Geh und peitsch des Meeres Welle
In der Ohnmacht heller Wut!
Stolzer Brite, Weltrebelle,
Sei auf deiner eignen Hut!


Zittre, England!

England, heb' das Haupt und schau:
Siehst du hinter Wolkengrau
Deutschlands Panzerzeppeline?
Horch! Die Bomben schwirren laut.
Wärst aus Quadern aufgebaut,
Bräch'st du dennoch zur Ruine.

England, senk' das Haupt und schau:
Siehst du in der Wellenblau
Deutschlands kühne Tiefseeboote?
Horch! Schon tönt es: »Klar zum Schuß!«
Wär dein Schiff von Stahl und Guß,
Fühlt es jetzt die Teufelspfote.

England, dreh' die Lichter ab,
Leuchten dir in's frühe Grab;
Bleib im Finst'ren alle Nächte.
England, häng' »neutral« heraus,
Dich bedroh'n mit Mann und Maus
Deutschland's Luft- und Wassermächte.


Kriegstrauung.

Es spann sich wohl schon hin und her
Ein Faden zarter Liebe;
Da rief der Krieg den Mann zur Wehr,
Nicht achtend weicher Triebe.

Und plötzlich ward das zart Gespinn
Zum mächtig starken Seile;
Er trat vor die Geliebte hin:
»Der Krieg treibt mich zur Eile.

Willst du schon in der nächsten Stund'
Als Weib mir angehören?
Und wollen wir den Herzensbund
Vor Gott dem Herrn beschwören?«

Nur wortlos legt sie fest die Hand
In seine starke Rechte
Und bat die Mutter unverwandt,
Daß sie ein Kränzlein flechte. – – –

Jetzt löst das zarte Myrtenreis
Er sanft aus ihren Locken,
Durch Zweier Seelen bebte heiß
Ein bräutliches Frohlocken.

Nur kurzer Stunden Seligkeit,
Dann tapfres schnelles Trennen,
Ein Talismann noch zum Geleit,
Ein letztes Liebbekennen.

»Auf Wiederseh'n!« so klingt sein Wort,
»Zur stolzen Siegesfeier« –
Doch eh' das Myrtengrün verdorrt,
Umhüllt sie Witwenschleier.


Die junge Mutter.

Die junge Mutter blaß und zart
Hält auf dem Arm ihr Kind,
Ihr erstes; und nach Frauenart
Wiegt leise sie's und lind
Und summt und singt: »Klein Söhnlein flieg
Zum Vater in den Krieg.

Dein Vater ist ein Reitersmann,
(Kennt noch sein Büblein nicht,)
Der seiner Eskadron voran
Als erster kämpft und ficht;
Doch blasen die Trompeten: Sieg –!
Kehrt stolz er heim vom Krieg.«

Das Knäblein schläft; die Mutter legt
Es weich und sanft zur Ruh.
»O guter Gott«, fleht sie bewegt,
»Schütz auch den Vater du;
Indes; ich treu sein Kindlein wieg',
Behüt' ihn mir im Krieg.«

Sie schlummert auch, doch angstdurchträumt –:
– Den Reiter kennt sie gut.
Ein Schuß erknallt, – sein Roß sich bäumt,
Der Kühne liegt im Blut.
Das Kindlein schrie, die Mutter schwieg,
Der Vater fiel im Krieg.

Vermißt.

Wenn nur die quälende Angst nimmer war!
Hätt' ich nur einmal die sich're Gewähr
Ob mein Sohn, den schweigendes Dunkel umfließt,
Gefallen oder am Leben ist –!
– Vermißt –!

Verwundet und keine Botschaft so lang?
Verschollen, verirrt beim Patrouillengang?
Gefangen durch schlaue Hinterlist?
Sie Kunde lautet zu jeder Frist:
– »Vermißt –.«

Gott, Deinem Auge nur liegt es enthüllt,
Ob ihn der Feind, ob der Tod ihn verhüllt.
Von Dir, der Du ewig allwissend bist,
Wird auch mein Sohn, wenn ihn jeder vergißt,
– Nicht vermißt.


Schwerverwundet.

Mein tapferer Junge, mein einziges Kind,
Du wurdest wohl böse zerschunden.
Ich halt' Dich im Arme, ich bette Dich lind,
Ich pflege gesund Deine Wunden.

Nein schau nicht so bange mit düsterem Blick.
Du lebst, – und das muß dir genügen.
Komm, hadre nicht unwirsch mit einem Geschick,
Das andre noch klaglos ertrügen.

Und ward dir von heute die Krücke Geleit
Und kannst du die Hand nimmer heben –
Du warst, tapfrer Jung, zu sterben bereit,
Nun trage auch tapfer das Leben.


Eine starke Mutter!

Zwei Söhne schon mußt sie dem Vaterland geben;
»Zieht hin« ruft sie mutig, »der Kaiser gebeut.«
Bald büßet der erste sein jungfrisches Leben;
Sie weinet, – doch nimmer das Opfer sie reut.

Der zweite kämpft tapfer im kühnen Gefechte,
Das Eiserne Kreuz ziert die feurige Brust,
Da trennt ihm ein Hieb von dem Arme die Rechte –
»Sohn«, spricht sie, »ertragen wir stark den Verlust.«

Jetzt naht noch der dritte, der Liebste, der Letzte:
»Ich räche die Brüder, verwehre mir's nicht«
Und ob sich der Tod auch die Sense schon wetzte –
Die Mutter haucht leise: »Kind, tu deine Pflicht.«


Ein Monument.

In kalter, grauer, fremder Erde
Begräbt man euch ihr wackren Helden.
Weitab vom deutschen trauten Herde
Und keine Inschrift wird's vermelden.

Und keine Mutter wird mehr finden
Den Sohn so unbekannt verscharret,
Kein treues Weib den Kranz mehr winden
Für den, deß sie in Treuen harret.

Ihr ruhet weit! Doch nicht zu ferne,
Daß unsre Seelen euch erreichten,
Daß Mondeslicht und sanfte Sterne
Um eure Grabeshügel leuchten,

Daß euch des Himmels Blau umspannte,
Ein Windesrauschen zärtlich grüßte
Und alle Vaterlandsverbannte
Die Heimatssonne strahlend küßte.

Ihr ruhet weit! Doch nah uns allen,
Denn eure heiße Todeswunde
Erbaut euch ew'ge Ruhmeshallen
Auf unsres Herzens tiefstem Grunde.


Drei Frauen.

Drei Frauen, schwarz umhüllt von Trauerflor,
Begegneten sich an dem Friedhofstor
Und eine sah die andre traurig, fragend an.
»Mein Sohn erlag im fernen Feldspital
Den Heldenwunden unter Todesqual –
O, daß ich nicht an seinem Grabe weinen kann!«

»Du scheinst beneidenswert, – du weißt sein Grab.
Gern zög' ich ruhelos bergauf, bergab
Fänd' einen Menschen ich, der jenen Hügel kennt,
Wo unbekannt in Feindesland verscharrt
Mein Sohn der Auferstehungsstunde harrt.
O, daß mir niemand diese heilge Stätte nennt!«

»Nein, klage nicht; dein Held liegt still in Ruh;
Mit Blut geweihte Erde deckt ihn zu,
Doch meine Qual erfahr und miß, wie schwer mein Leid.
Mit seinem stolzen Schiff versank mein Sohn.
Wie tief? Frag ich das Meer –, es lacht mir Hohn.
O, wie ich Eure Toten um ihr Grab beneid'!«


Sehnsucht.

Mein stiller Held! Du ruhst so fern, so weit,
An Rußlands unwirtsamer Grenze.
Wer gibt zu deinem Grabe mir Geleit,
Daß ich dir Blumen pflanz' im Lenze?

Du liebtest ja die duft'gen Blumen heiß,
Und als du Abschied nahmst im Garten,
Sprachst zärtlich bittend du zu mir ganz leis:
»Mußt, Mutter, meiner Beete warten.

Ich hegte sie –. Voll stand die üpp'ge Pracht
Tiefroter Rosen, weißer Nelken;
Die bunten Wicken hab' ich wohl bewacht,
Ließ keine unbegossen welken.

Und trug die Samenschoten prall und rund
Zum Trocknen nah dem warmen Herde.
Jetzt, – eh' ein Korn noch keimt im Gartengrund,
Liegst du schon selbst in kühler Erde –.

Mein stiller Held! Du ruhst so weit, so fern.
Wer wird dir deinen Hügel schmücken?
Ich nehm' zur Hand den braunen Samenkern
Und meine Sehnsucht baut sich Brücken.


Früher Tod.

Die Eskadron Ulanen zog
Früh morgens aus dem Tor,
Und wohl aus manchem Fenster bog,
Ein Köpfchen sich empor,
Um noch mit langen, heißen Blicken
Den Reitern Lebewohl zu nicken.

Und eine Rose, frisch erblüht,
Noch feucht vom Morgentau,
Voll Purpurglanz hochrot durchglüht,
Wirft zart die schlanke Frau
Dem Liebsten zu als letztes Grüßen,
Die Scheidensqual ihm zu versüßen.

Der Reitersmann fängt voller Lust
Den heil'gen Talisman;
Tief birgt er ihn an seiner Brust,
Treibt stramm sein Roß bergan,
Und eh' das Frührot noch verblichen,
Ist er der Teuren Blick entwichen –.

Sie Schlacht hebt an – der Sturm bricht los.
Den Reiter trifft ein Speer;
Er sinkt herab in's weiche Moos,
Entkräftet, blaß und schwer.
Im roten Herzblut purpurn glühet
Die Rose frisch und neu erblühet.

Husarenliebe.

Es sprengen die roten Husaren
Verwegen zum Kampfe voraus,
Sie stürzen in Tod und Gefahren,
Sie drängen in's Schlachtengebraus.

Sie tragen im Herzen die Minne,
Noch brennt auf der Lippe der Kuß:
»Du Teure behalt mich im Sinne,
So fürcht' ich nicht Schwert oder Schuß.

Und schwirren auch wild die Schrapnelle
Und trifft mich ein tödliches Blei –
Sein Augenstern leuchtet mir helle,
Wohlan denn, ihr Feinde, – herbei!

Herbei und heran zum Gefechte!
Kaltblütig parier' ich den Hieb;
Dem Kaiser gehört meine Rechte,
Die einst ich, dir Holde, verschrieb.

Dem Vaterlande bin ich zu Eigen,
Es ruft seine Söhne zur Pflicht;
Ihm muß ich jetzt Treue bezeigen,
Selbst wenn es das Herze dir bricht.

Und müssen wir ewig uns trennen –
Geliebte, behalt mich im Sinn,
Und sterbend noch will ich bekennen,
Wie gut und wie treu ich dir bin.«


Der Spielmann.

»Mein holdes Lieb, der Tag entschwand.
Der Abend geht zur Neige,
Nun komm noch einmal von der Wand,
Du alte, liebe Geige,
Und laß mich noch ein Abschiedslied
Aus deiner Seele locken,
Das mit mir fort zu Felde zieht,
Wie Heimatklang der Glocken!

Leis rauscht des Liedes Schlachtgebet
Durch stilles Abenddunkeln;
Vollduft'ger Hauch der Rosen weht
Und tausend Sterne funkeln.
Von ferne braust das hohe Wehr,
Die Amsel klagt im Busche,
Als ob hier ohne Wiederkehr
Das Glück vorüberhusche. – – –

– Und als der Spielmann qualverzehrt.
Den Arm in schwarzer Binde,
Vom Kriege kehrt, hängt unversehrt
Die Geige noch am Spinde.
Da sinkt er hin und weint und stöhnt:
»Du alte, liebe Geige!
Dein Lied hat ewig ausgetönt –
Mein Glück es ging zur Neige.«

Burschenschafters Abschied.

Zum Abschied, Brüder, frisch und frei
Laßt hell die Gläser klingen
Und laßt nach alter Melodei
Uns Burschenlieder singen.

Das erste Glas dem Vaterland,
Ihm bringen wir die Blume,
Das erste Lied dem Bruderland
Zur Ehre und zum Ruhme.

Jetzt schwört bei unsrer Burschenschaft
Den Eid der deutschen Treue
Und jeder weihe seine Kraft,
Sein Leben selbst auf's neue.

Dann hänget an die Budenwand
Die Schläger und die Kappen,
Das hochgehaltne Farbenband
Mit Siegel und mit Wappen.

Zieht an des Kaisers Waffenrock
Und schultert die Gewehre,
Streicht aus der Stirn das Blondgelock,
Die jetzt der Helm beschwere.

Gebt eurem Roß den scharfen Sporn
Und eh' der Tag sich lichtet
Sei durch den deutschen Burschenzorn
Die Feindmacht schon vernichtet.


Der Waidmann.

Der Forst so still, kein Schuß erknallt,
Liegt wohl der Hain im Bann?
Kein frohes Horn den Busch durchhallt,
Wo jagt der Jägersmann?

Ist alles Pulver schon verpufft?
Und fehlt's an hartem Blei? –
Die Jagd vorbei –; der Kaiser ruft
Zu böser Jägerei.

»B'hüt Gott, mein Wald! Nur einen Zweig
Trag' ich mit fort ins Feld.
Ein Jägersmann ist nimmer feig,
Und sterb' ich dort als Held,

Nehm' ich das Reis im Tod mit mir
Zur stillen, langen Ruh,
Dann rauscht aus grünem Waldrevier
Dein letzter Gruß mir zu.«

Der Erste.

»Immer voraus! Immer voran!
Fort aus der stillen Reserve.
Sprenget die Bahn hin mit Elan,
Daß uns kein Säumen entnerve.

Immer voraus! Immer voran!
Tollkühn dem Feinde entgegen.
Zücket das Schwert, spannet den Hahn,
Ringet um blutigen Segen.

Immer voraus! Immer voran!
Quer durch die feindlichen Heere.
Nach, Brüder, nach! Mut ist kein Wahn,
Geht's um des Vaterlands Ehre.

Immer voraus! Immer voran!
Nur durch Verlust zum Gewinne.
Winkt schon der Sieg über dem Plan,
Heil Such –! – Mir schwinden die Sinne.«


Die goldene Verdienstmedaille.

Sahst du den jungen Leutenant,
Der an weißrotem Seidenband
Die goldene Medaille trägt?
Und kennst du dieses Ordens Preis,
Der auf des Kaisers Machtgeheiß
Für Treu' und Tapferkeit geprägt.

Mit Geld und Gut bezahlst du's nicht,
Schau nur dem Helden in's Gesicht,
Wie leidensbleich und schmerzverzehrt!
Sein rechter Arm hängt steif und schwer,
Der taugt zum Kampfe nimmermehr;
Soldatenstand ist ihm verwehrt.

Doch als ich ihm die Linke drück',
Mildtröstend mit des Lebens Glück,
Und preis das Gold auf seiner Brust,
Glüht voll sein Auge leuchtend auf:
»Mir ist zu teuer nicht der Kauf,
Nur schmerzt mich, – daß ich heimgemußt.«


Verlustliste.

Wieder einer den ich kannte,
Steht im großen Totenbuch.
Seh' ihn vor mir, wie er rannte,
Stolz am Hut den Eichenbruch.

Wie er jauchzend ihn noch schwenkte,
Hurrah schrie voran der Schar,
Wie sein Blick sich tief versenkte
In ein blaues Augenpaar.

Froher Junge, mir will scheinen,
Du starb'st leicht, wie du gelebt,
Doch zwei Augen werden weinen,
Die dein totes Bild umschwebt.


Das Heldengrab.

Nah dem waldbestandnen Grunde
Ragt aus schneeverwehter Runde
Schlicht ein Birkenkreuz heraus.
Und ein Helm, an's Kreuz gebunden,
Spricht von tiefen Heldenwunden,
Spricht von Schlacht und Todesgraus.

Doch die Schrift am Kreuzesstabe
Auf des braven Kriegers Grabe
Hat der Regen weggewischt.
Und die blau verwaschnen Chiffern
Kann der Wandrer nicht entziffern,
Name, Rang und Stand erlischt.

Bald mag auch das Kreuz verwittern
Und der Helm im Rost zersplittern,
Selbst der Hügel wird verflacht.
Aber dennoch, stiller Krieger,
Preist man Öst'reichs stolze Sieger,
Wird auch deines Ruhm's gedacht.


Trost.

Ihr Frauen, Mütter allzumal,
Nun trocknet eure Zähren;
Ihr Bräute, Schwestern ohne Zahl,
Laßt euch den Trost gewähren:

Nicht jede Feindeskugel trifft,
Die wild die Luft durchschwiret;
Nicht Bomben, nicht Bazillengift
Hat deutsche Treu' beirret.

Wir stehen all' in Gottes Hand,
Sein Schutz wird uns geleiten
Im Kampf für Recht und Vaterland
Durch alle Fährlichkeiten.

Drum, Frauen, stellt das Weinen ein
Und laßt das Lamentieren.
Soldatenlieb muß tapfer sein,
Durch Opfermut sich zieren.


Herbst 1914.

Leuchtend bunte Farbenpracht
Hat der Herbst im Land verschwendet
Und die späte Sonne lacht,
Daß sie müde Augen blendet.

Achtlos geht die Weltenuhr
Trotz der Menschheit Jammer weiter.
Über blutgetränkter Flur
Blaut der Himmel hell und heiter.

Laßt auch uns, dem Herbste gleich,
Was vergangen, licht umweben –.
Ruhmverklärt und siegesreich
Träumen wir ein neues Leben.


Kostbarer Schnee.

Ein Schneesturm hat Höhen und Täler getaucht
Glitzernd in Schimmer.
Vom Vollmondglanzzauber mattsilbern behaucht
Wirbelt der Flimmer.
Kaum gibt es ein Schauspiel, das diesem gleicht,
Wenn bräutliches Weiß alle Auen bleicht.

Doch heute fiel Neuschnee auf blutige Flur
Langsam und leise.
Am weißen Gewände malt grellrote Spur
Schaurige Kreise.
Viel blühende Leiber, im Tode gestreckt,
Hat trauernd die eisige Hülle bedeckt.

Ein Bahrtuch ward allen des flockigen Flaum's
Glänzender Schleier.
Sie schlummern und träumen beseligten Traum's
Himmlische Feier.
Der blutige Schnee, der die Helden verbarg,
Steht höher im Wert als der kostbarste Sarg.


Schneesturm.

Ein Märzsturm trieb vom Hochwaldkamm
Die eiserstarrten Flocken;
Fußhoher Schnee füllt Tal und Klamm,
Todmüde Schritte stocken.

Dort durch den tiefverwehten Hain
Schleppt sich von Baum zu Baume
Ein Krieger mit zerschoss'nem Bein
Zum fernen Waldessaume.

Und jede Spur, die schwer gestampft,
Färbt er mit blut'gem Zeichen.
Sein Antlitz liegt in Schmerz verkrampft,
Die schmalen Lippen bleichen.

Er schwankt und fällt entkräftet hin,
Die wirren Sinne schwinden,
Matt auf die Brust sinkt ihm das Kinn –
Wer wird den Armen finden?


Winter 1914/1915.

Schneeverweht liegt Berg und Tal,
Teich und Bach ist hart gefroren;
Busch und Baum ragt öd' und kahl,
Kraft und Leben ging verloren.

Still und stumm und freudeleer
Schleichen Menschen durch die Gassen,
Lust und Lachen klingt nicht mehr,
Schmerz und Weh ist kaum zu fassen.

Schmilzt der Schnee und bricht das Eis,
Wird es wieder Frühling werden;
Schwillt am Baum das tote Reis,
Füllt die Welt ein neues Werden –.


Der Dorfschmied.

Der Schnee zerrann, das Eis zerschmolz,
Die Erde färbt sich braun.
Schon schwillt am Baum das dürre Holz,
Die Meise pickt am Zaun.

Ein lauter schwarzer Starenzug
Pfeift hoch vom Turm sein Lied,
Und in der Schmiede schärft den Pflug
Der altergraute Schmied.

Sein Junge ist ins Feld gerückt,
Betreut dort Schwert und Huf;
Der Alte steht, obwohl gebückt,
Im heiligen Beruf.

Die Sonne steigt –, die Erde harrt
Auf neues Samenkorn.
Wenn über's Feld das Pflugrad knarrt,
Erwacht der Segensborn.


Hinter der Front.

Der Bauer steht im Felde,
Sein Sohn, der ist Rekrut;
Ein Knecht bewacht die Schelde,
Der andre kämpft am Pruth.

Die Stute ward befohlen
Zum schweren Trainbezug;
Wer zähmt das wilde Fohlen
Und spannt es vor den Pflug?

Wer wird den Acker pflügen?
Wer streut die Frühjahrssaat?
Wird Frauenkraft genügen
Zu fetter Wiesenmahd? – –

Seid, Krieger, ohne Sorgen;
Wir schaffen's wohl allein.
Und wär' es nicht am Morgen,
Und müßt's in Nächten sein –.

Wir lassen unsre Scholle
Nicht öde brach und leer,
Der Same und die Knolle
Wird keimen wie seither.

Steht wacker an der Grenze,
Werft kühn den Feind zurück,
Daß uns im Blütenlenze
Schon winkt des Friedens Glück.


Das eiserne Jahr.

Wacker ihr Schmiede, schüret die Glut!
Pfaucht mit dem Blasbalg die Flamme,
Daß eure höllische Eisenflut
Österreichs Feinde verdamme.

Eisengerüstet steht Land und Heer,
Eiserne Herzen regieren,
Eiserne Faust führt eiserne Wehr –
Wollen's mal eisern probieren.

Eiserne Ringe, um Gold getauscht,
Schmücken die Finger in Ehren,
Eisenmusik die Welt durchrauscht,
Eiserne Besen kehren.

Wacker ihr Schmiede kohlschwarz berußt,
Sollt eure Kunst jetzt beweisen.
Habt noch zu schmücken manch tapfre Brust
Mit einem Kreuz aus Eisen.


Deutsche Eichen.

Nun Eichenwald schüttle dein rostbraunes Laub
Hinaus in die wehenden Winde.
Sie tragen's in's Tal, dort vermodert's zu Staub;
Schon sprengt neuer Saft dir die Rinde.

Bald sprossen, vom werbenden Lenze liebkost,
Dir neue, vollsaftige Blätter
Und ob sich der grimmigste Windstoß erbost,
Sie trotzen dem Sturm und dem Wetter.

Jetzt, Eichenwald, spare dein tiefgrünes Laub,
Frohlocke! Bald kommt es zu Ehren,
Gib keines dem tändelndem Spiele zum Raub,
Wir können nicht eines entbehren.

Denn wenn zu dem Siege der Friede sich neig'
Und wenn's die Trommeten vermelden –
Dann flechten wir Kränze aus Eichengezweig
Und krönen damit deutsche Helden.


Sturm.

Ein breiter, mächtiger Blütenbaum
Steht schmuck in vollem Prangen.
Mit schneeig zartem weißen Flaum
Reich – überreich behangen.

Und heller, goldner Sonnenglanz
Strahlt warm auf Stamm und Krone,
Daß auch des Herbstes Früchtekranz
Die Blütenpracht belohne.

Es perlt reiner Himmelstau
In Kelch und Samenhülle
Und Maienregen sanft und lau
Bestärkt des Segens Fülle.

Und Bienen summen um den Baum,
Den Honigseim zu schlürfen;
Manch Finkenpaar bemißt den Raum,
Den sie zum Nest bedürfen.

Viel Käfer halten hier ihr Fest
Im duft'gen Blütenreigen – –
Da führt ein Sturmwind in's Geäst,
Reißt mächtig an den Zweigen.

Und schüttelt neidvoll ab die Pracht,
Sie flattert und verwehet;
Der schwanke Wipfel neigt und kracht,
Der Stamm doch – widerstehet.

Er wurzelt tief und fest und stark
Im wohlgepflegten Grunde;
Der deutsche Stamm aus deutschem Mark
Hält stand der Weltsturmstunde.


Feldherr Tod.

Es stürmet mit schäumenden Rossen
Ein grimmiger Feldherr durch's Land,
Wirbt frische, lautfrohe Genossen
Mit starrer, dürrknochiger Hand
Und schreibt auf die Stirne, aufs Herz, auf die Brust
Ein blutiges Mal hin mit gieriger Lust.

Und wen seine Hand nur berühret,
Steht scheu in des Starken Gewalt;
Wer leise das Zeichen verspüret,
Folgt willig der Schreckensgestalt;
Nichtachtend der Klüfte, des Abgrundes Rand,
Mitjagt jeder weiter in weltfernes Land.

Dort steiget der Feldherr vom Rosse,
Spricht grinsend: »Hier seid ihr am Ziel.
Geendet die lärmende Posse,
Das schaurige, blutige Spiel.
Verklungen die Freude, entschwunden das Weh –
Ich warb euch zur großen, zur toten Armee.«


Tränen.

Frühmorgens wenn aus Banngewalt
Sich löst des Traumes Schreckgestalt,
Die Nacht erhellt zum Tage,
Nimmt leis und sacht ein Engelzug
Durch Ätherblau den Heimwärtsflug
Mit müdem Flügelschlage.

Und jeder lichte Himmelsgast
Trägt eines Krüglein's Tränenlast,
Gefüllt bis fast zum Rande.
Die sammeln sie in tiefer Nacht,
Wo bang ein Mutterauge wacht,
In weitem Erdenlande.

Sie leeren auf des Herrn Begehr
Die Krüglein in ein Tränenmeer,
Das hoch und höher flutet.
Gott spricht: Das Maß ist noch nicht voll,
Nicht hat im Haß und Völkergroll
Die Welt sich satt geblutet.


Hungersnot.

Wie ein Gespenst in Nacht und Grauen
Durchschleicht die Welt ein dumpfes Wort.
Es zu verscheuchen gilt euch Frauen,
Ihr seid des Staates treuer Hort.

In eure Hand ist jetzt gegeben
Der Völker Los und ihr Geschick;
Ihr müßt gemeinsam euch erheben
Im sorgenschweren Augenblick.

Müßt sparen mit den Gottesgaben
Mit jedem Krümmlein schwarzen Brot.
Ein edler Zweck und hocherhaben!
Es geht um Leben und um Tod.

Nicht sollt ihr darben und entbehren,
Nein, nur verschwenden dürft ihr nicht,
Beizeiten dem Gespenste wehren,
Eh's noch an Vorrat uns gebricht.

Daß uns kein Krieger matt erschlaffe,
Sei jedes Körnlein wohl genützt.
Geht, Frauen, das ist eure Waffe,
Mit der ihr Kron' und Zepter schützt.

Mag uns der Feind bedroh'n, befehden,
Und schrecken mit dem Hungertod –
Wir wollen zu dem Vater beten:
»Herr, gib' uns unser täglich Brot.«


Ballsaison?

Tanzen wollt ihr? – Wirklich tanzen?
Jetzt in ernster Trauerzeit?
Und euch unschuldsvoll verschanzen
Hinter der Barmherzigkeit?

Mitleid rührt euch für die Armen,
Weil geschäftlich vieles stockt?
Gnädig wollt ihr euch erbarmen,
Wo doch nur Vergnügen lockt?

Für die Krieger wollt ihr tanzen,
So für's Rote Kreuz euch müh'n,
Während starke Feindesschanzen
Tod nur und Verderben sprüh'n?

Für die Witwen, für die Waisen,
Für die Polen auf der Flucht?
Ja, ihr seid fürwahr zu preisen –
Ob der Gründe, die ihr sucht.

Aber hinter diesen Gründen
Lauert Selbstsucht nur versteckt
Und die größte aller Sünden
Hättet ihr da ausgeheckt.

Ein Verbrechen, deß sich schämen
Müßt' das ganze, weite Reich.
Wer sich jetzt nicht kann bezähmen,
Der entffliehe und entweich.

Und bei Welschen und bei Wilden
Tanz' der ehrvergess'ne Wicht –
Doch in deutschen Landgefilden
Tanzt man über Leichen nicht.


Soldaten, hört!

Wenn euch beim ersten Frührotschein
Im freien Feld – am Wiesenrain,
Eh' noch die Nacht zum Tag gereift,
Ein Kugelregen wild umpfeift,
Dann wißt, daß Öst'reichs treue Frauen
Zum Himmel fleh'n im Morgengrauen.

Und ist der junge Tag erwacht
Und lodert blutig auf die Schlacht
In Schwertgeklirr und Pulverdampf,
Mit Kolbenschlag und Säbelkampf,
Dann denkt, daß opfermüt'ge Frauen
Auf ihre Söhne hoffend schauen.

Und wenn die schweren Wetter zieh'n,
Wenn alle Furien Unheil spien,
Oft Todesnot und Mißgeschick
Wild wechselt mit dem Schlachtenglück,
Wenn List und Übermacht sich stauen,
Verzagen nicht Soldatenfrauen.

Folgt ihr dem Feind auf Schritt und Tritt
Beim nächtlichen Patrouillenritt,
Sei's, daß aus feigem Hinterhalt
Ein Büchsenschuß den Wald durchknallt,
Selbst in des Dickichts finstres Grauen
Dringt nach der Blick beherzter Frauen.

Und wenn bei Sturm und Wetternacht
Die Welt vom Brande loht entfacht,
Geschützesdonner rollt und grollt,
Als ob die Höll' sich öffnen wollt,
Auch dann wankt nicht im Selbstvertrauen,
Es wachen mit euch starke Frauen.

Doch trifft ein spitzes Bleigeschoß
Und einer Lanze wucht'ger Stoß
Die Brust, die sich dem Feinde bot,
Und sinkt ihr hin zum frühen Tod,
Dann wißt: in Öst'reichs weiten Gauen,
Da weinen um euch alle Frauen.


Treue Verbrüderung.

Längst legt' ich die Feder beschaulich zur Ruhe,
Ließ achtlos vertrocknen die Tinte im Faß,
Holt' Wolle und Nadeln aus unterster Truhe,
Auf die ich seit Jahren wohl gänzlich vergaß.

Erst langsam nur regten sich Nadel und Finger
Und ungelenk fielen die Maschen herab;
Die Strümpfe, sie wurden ganz formlose Dinger,
Was bald eine Probe recht deutlich ergab.

Schon wollte die Lust mir vergehen und wanken,
Recht schmerzvoll verkrampft sich die zitternde Hand,
Da schwellten den Mut mir die hohen Gedanken:
»Du kämpfst hier für Kaiser und Vaterland.«

Bekämpft der Soldat dort die Feinde im Felde
Mit Degen, Kanonen, mit Pulver und Blei –
Besieg' ich mit Wolle die Nässe und Kälte
Und kämpfe vom Tod des Erfrierens ihn frei.

Und ficht er in Stürmen und strömenden Regen
Durch Tage und Nächte so tapfer und treu,
Wie dürft' ich die Hand in den Schoß müßig legen,
Vor Arbeit und Mühe jetzt feige und scheu?

Drum stricke ich weiter recht fleißig, geduldig
An Strümpfen, an Haube, Pulswärmer und Schal,
Das bin ich dem Kaiser und Vaterland schuldig
Und jeder Soldat ruft: »Daß Gott dir's bezahl'!«

Doch klingen dann einstens die Friedensfanfaren
Und läuten die Glocken den Weltfrieden ein,
Dann will ich gar stolz um die Sieger mich scharen
Und denken: »Ein Teil von dem Siege ist mein.«


Kriegsweihnacht.

Weihnachtsjubel, Weihnachtsfrieden
Sind dem weiten Reich entschwunden,
Weihnachtstrauer herrscht hienieden;
Denn es bluten tausend Wunden.

Denn es bluten tausend Herzen
Angstbefangen, gramzerwühlet,
Selbst beim Schein der Weihnachtskerzen
Bleibt das Sehnen unerfüllet.

Ja der Klang der Weihnachtsglocken
Weckt in allen Weh und Trauer,
Herz schlägt leiser, Pulse stocken,
Ahnung träumt von Todesschauer.

Und die Gaben reich wie spärlich
Lösen keine Freudenstürme;
Nein, die Freude ist nicht ehrlich,
Ob sich Schatz auf Schätze türme.

Weihnachtstrauer herrscht hienieden,
Heißer bluten Herz und Wunden.
Alle, alle, weil der Frieden
Aus dem Vaterland entschwunden.


Wunschzettel.

Liebes Christkind! Wie alljährlich
Schreib' ich meine Wünsche dir,
Recht bescheiden nur und spärlich;
Also bitte, schenke mir:

Einen Berg aus Schokolade,
Einen Strom mit süßem Wein,
Einen See mit Marmelade,
Nicht zu seicht und nicht zu klein.

Einen Lastzug voll Konserven,
Nüsse, Feigen, tausend Sack
Und zur Stärkung schwacher Nerven
Besten Rum und Kognak.

Würfelzucker hundert Tonnen,
Feinsten Tee den größten Pack,
Zigaretten fünf Millionen,
Zwanzig Zentner Schnupftabak.

Dauerwurst nur erste Sorte,
Die vom Nord- zum Südpol reicht,
Eine Marzipanertorte,
Die dem Mond an Umfang gleicht.

Pumpernickel, Fruchtkanditen,
Honigkuchen und Bonbons –
Davon brauche ich entschieden
Allermindest – zehn Waggon.

Diese wen'gen Kleinigkeiten
Schicke mit der Feldpost schnell,
Die ein Engel soll begleiten
Bis zur letzten Ausgabstell'.

Jedem Krieger dort im Felde
Teil' er seine Gaben aus,
Jedem herzlich er vermelde
Weihnachtsgrüße von zu Haus.

Und an diesen hohen Festen
Herrsche Frieden auf der Welt
Und in Süd, Ost, Nord und Westen
Sei der Kampfruf eingestellt.

Ehre sei Gott in der Höhe,
Friedensbotschaft uns zugleich
Und die Siegesfahne wehe
Auf ein glücklich Österreich.


Neujahr.

Ein Jahr – wie kurz in friedlich frohen Tagen!
Ein Jahr – wie lang in opferndem Entsagen!
Und doppelt währt der Kriegszeit qualgestrecktes Jahr –.
Auch das verstrich, versank in Blut und Tränen,
In ungestillten, unerfüllten Plänen,
In unbezwungner, starrer, drohender Gefahr.

Schon schlug vom Turm die mitternächtige Stunde,
Verkündend laut mit hartmetallnem Munde
Ein erst erstandnes, frisch gefügtes neues Jahr,
Und was das gramgestorbne, todesbleiche,
Zermürbte, blutgefärbte, schmerzensreiche
An Not und Unheil wahllos uns verteilt, das – war.

Dem Neuerschaffnen harren wir entgegen.
Naht es gefüllt mit hehrem Himmelssegen?
Trägt's in der Hand des Friedens grünend Palmenreis?
Neigt es verheißend sich vor Östreichs Gauen?
Wird's Deutschland unerschüttert mächtig schauen?
Reicht es dem Brüderbunde stolz den Siegerpreis?

Gewiß –! Mit Zuversicht und Gottvertrauen
Laßt frohgemut uns in die Zukunft schauen,
Das neue Jahr verleiht uns neugestärkten Mut.
Und diese erste weihevolle Stunde
Bekräftige des deutschen Schwures Kunde:
»Für's Vaterland den letzten Tropfen Blut.«

Den Vätern schwören wir's in tiefen Grüften:
Kein Feind soll unsre Grenzen wild zerklüftet!
Kein zollbreit altererbter Flur verloren gehn.
Und läuten über's Jahr die Neujahrsglocken,
Weht durch das Reich ein wonniges Frohlocken –
Allösterreich wird unbesiegt und ewig stehn.


Zauberflut.

Von Schmerz und Weh die Welt erfüllt
Wie niemals noch zuvor –!
In Frost und Schauern eingehüllt,
Manch heißes Glück erfror.

Und doch fließt eine Zauberflut,
Die sich dem Eis entwand,
Unstillbar und voll Himmelsglut
Bahnbrechend durch das Land.

Sie sprudelt frisch und klar und rein,
Drängt mächtig aus dem Bett,
Daß sie in goldner Liebe Schein
Die Welt vom Fluch errett'.

Kein Dämmen hält die Flut mehr auf
So mächtig und so breit,
Sie endet siegreich ihren Lauf
Im Meer »Barmherzigkeit«.


Die barmherzige Schwester.

Hat der Himmel sich erschlossen?
Hat sich seiner Engel Schar
Über's Erdenland ergossen
Jetzt zur Stunde der Gefahr?

Oder sind sie ird'schen Blutes,
Die von Weltlust losgeschält,
Selbstvergessen, tapf'ren Mutes
Sich das Schwesternkleid erwählt?

Die da ohne Zaudern eilig,
Vollbewußt der großen Zeit,
Unerschrocken, treu und heilig
Sich dem Vaterland geweiht.

Die mit Überwindung pflegen
Wunde Krieger Tag und Nacht,
Mild und gütig sie umhegen,
Bis den Braven Heilung lacht.

Die dem Tode noch entringen
Manches Opfer jung und zart,
Die sich selbst zum Opfer bringen –
Helden sind's, besond'rer Art.

Engel sind's in Menschenhülle,
Menschen, lichten Engeln gleich,
Frauen, die der Tatkraft Fülle
Schöpfen aus dem Himmelreich.


Ihr Mütter hört!

Lieb Vaterland, ich gab zur Wehr dir keinen Sohn.
Im schweren Kampf um Habsburgs hartumstrittnen Thron
Kann dich mein Knabe noch nicht helfend unterstützen.
Erst sind Gewehr und Säbel für ihn lockend Spiel,
Nur Bleisoldaten seiner Sehnsucht weites Ziel
Und mit dem Bogen übt er sich zum sich'ren Schützen.

Doch nach dem Spiel, wenn er zu meinen Füßen sitzt,
Die Wangen rosig glühend, überreich erhitzt,
Dann weck' ich in dem kleinen Herzen heilge Triebe.
Vom Vaterland erzähl' ich ihm begeistert oft,
Wie es mit Stolz und Recht auf seine Söhne hofft
Und pflanze in die junge Seele – Heimatsliebe.

Von Kriegern auch, die sonder Furcht und Grauen
Dem Tode stündlich jetzt ins bleiche Antlitz schauen,
Treutapfer kämpfend für des Volkes höchste Güter.
Von jenen Heldensöhnen, die in Jugendkraft
Die Feindeskugel plötzlich hat hinweggerafft,
Als Vorbild zeig' ich ihm die todbereiten Brüder.

Da glänzt sein Auge hell – es wallt sein kindlich Blut,
In seinem klaren Blicke malt sich Trotz und Mut,
»Das« ruft er »will dem Kaiser heute ich versprechen:
Bin ich erst groß und stark, dann werd ich ein Soldat
Und jeden Feind, der sich dem Lande drohend naht,
Werd' ich mit Blei und Stahl erschießen und erstechen.«

So recht mein Sohn; so will ich tapfer dich erziehn,
Du sollst nicht einst als Feigling vor dem Feinde fliehn,
Du kannst es nicht, weil du dein Vaterland wirst ehren.
Ihr Mütter, hört! Soll Öst'reich nicht verloren gehn,
Müht bei des Kindes Wiege ihr schon warnend stehn,
Müßt deutsche Sitte ihm und deutsche Treue lehren.


Auf einsamer Wacht.

Über dem Schlachtfeld lag friedlich die Nacht.
Tiefschweigend deckt sie in heiliger Ruh
Mildernd die Greuel des Kriegstages zu;
Einsam nur stehet der Posten auf Wacht.

Regt sich nicht leise ein schleichender Tritt?
»He da! Wer naht sich zur nächtlichen Stund'?
Gib mir das heutige Losungswort kund,
Früher nicht weiter den kürzesten Schritt.«

»»Komme als Priester, vom Wunsche erfüllt,
Trost zu gewähren dem sterbenden Sohn,
Frieden zu spenden und himmlischen Lohn,
Der aus der ewigen Wegzehrung quillt.««

»Die hier hat alle der Tod schon geküßt.
Balde wohl schaufelt man ihnen ein Grab,
Legt sie in landfremde Erde hinab,
Keinem ward tröstlich das Scheiden versüßt.«

»»Heute galt's diesen –, doch morgen vielleicht
Ehe das früheste Morgenrot tagt, –
Wenn dich die feindliche Kugel erjagt,
Hat dir der Tod schon die Wangen gebleicht.

Willst du als Christ dich versöhnen mit Gott?
Siehe, noch kann ich die Beichte dir hör'n,
Niemand wird frevelnd die Feier hier stör'n,
Fürchte nicht Hohn oder lästernden Spott. –««

Reuevoll beichtet der Krieger die Schuld.
Gläubig empfängt er, im Brote verhüllt
Den, der da Erde und Himmel erfüllt,
Kostet in Demut die göttliche Huld.

Über das Totenfeld schweifet sein Blick –.
»Sterb' ich für's Vaterland, Kaiser und Reich,
Krönt Gott als Helden die Stirne mir gleich –
Ruhig empfehl' ich dem Herrn mein Geschick.«

Einsam und fest steht er weiter auf Wacht.
Tönt nicht von ferne ein feindlich Signal?
Knattern nicht Schüsse durch's schlafende Tal,
Senden Verderben durch Dunkel und Nacht?

Weitschallend rufet das Horn zum Alarm –.
Eh' es die müden Kam'raden erweckt,
Liegt schon der Posten zu Boden gestreckt,
Sickert das Blut aus dem Herzen ihm warm –.


Der Abt von Seitenstetten.

Der Sonntagsberg lugt weit ins Land
Mit seinem hohen Dome,
Als Gnadenstätte wohl bekannt,
Bis hin zum Donaustrome.

Viel Waller ziehen Jahr für Jahr
Hinauf zum Wunderbilde
Und bringen Lobgesänge dar
Der Jungfrau rein und milde.

Auch mancher legt zu Gottes Ehr'
Nach alter Glaubenssitte
Ein Schmuckstück hin, wohl echt und schwer,
Als Dankbarkeit und Bitte.

So haben sich zum Schatz gemehrt
Hier Silber, Gold und Steine,
Der lag zur Friedenszeit versperrt
Im alten Kirchenschreine.

Doch als der Krieg das Land durchtobt
Mit Schrecken und mit Grauen
Und jedes Menschenherz erprobt
Auf Güte und Vertrauen,

Da sprach am Sonntagsberg der Abt
Zu seinen Klosterbrüdern:
»Ihr alle, die ihr Anteil habt
An diesen toten Gütern,

Stimmt zu, daß wir dem Vaterland
Die goldnen Schätze weihen,
Daß wir dies heil'ge Gottespfand
Dem Wohl der Menschheit leihen.

Und trennen wir uns schwer und hart
Von diesen Prunkgeschmeiden –
Bedenkt, auch uns bleibt nicht erspart
Zu kämpfen und zu leiden.

Wir dürfen Blut und Leben nicht
Dem Reich zum Opfer bringen,
Doch heischet treue Bürgerpflicht
Auch uns den Sieg erringen –.«

Da tönt es wie aus einem Mund:
»Es sei – so soll's geschehen,
Der Schatz muß noch zu dieser Stund'
Zum Leben auferstehen.

Hier lag er brach und öd' und tod,
Dem Lande mag er frommen
Und nach der Liebe Machtgebot
Der Not zu Hilfe kommen –.«

Noch lugt der Sonntagsberg ins Land
Stolz grüßt der Dom hernieder.
Der edle Abt ward weit bekannt
Und seine edlen Brüder.


Sturmgeläute.

Frisch auf mein Volk, zum heil'gen Sturm!
Heut' gilt's ein heißes Ringen.
Hörst du der Glocken Ruf vom Turm,
Die laut ermahnend klingen?

Wohlan! Ergreife deine Wehr:
Des Himmels fromme Waffen,
Des Glaubens Schild, des Betens Speer,
Die Gott ins Herz geschaffen.

So kühn und treu, wie der Soldat
Auf seinem Posten stehet,
Und mutdurchglüht zu stolzer Tat
Dem Feind entgegen gehet,

So hoffnungskühn und glaubenstreu
Laßt uns die Hände falten,
Vertrauend ohne Furcht und Scheu
Auf Gottes weises Walten.

Erpresset dieses Weltgericht
Auch Ströme Blut und Tränen,
Wir wanken und verzagen nicht
In fernen Siegesplänen.

Frisch auf, mein Volk, das gläubig steht,
Ob sich die Schrecken türmen,
Durch Opfer, Buße und Gebet
Gilt's heut den Himmel stürmen.


Hoffnungsstrahl.

Mit Nebeldunst das Tal erfüllt,
Die Luft so feucht und kalt;
In schwarze Schleier eingehüllt
Der nahe Fichtenwald.

Und graue Wolken hingen schwer,
Kein Lichtstrahl brach hervor,
So glücklos schien die Welt, – so leer,
Daß uns im Herzen fror.

Wir wandern traurig, still und stumm
Den steilen Weg dahin
Zum gottgeweihten Heiligtum
Mit sorgenvollem Sinn.

Und drinnen fleht und weint und klagt
Manch armes Menschenherz,
So qualverzehrt und angstverzagt
In Not und Seelenschmerz:

»Ach Heiland, Sieg und Frieden nur!
Gib Frieden nur und Sieg!
Verlösch die grausig blut'ge Spur,
Beschließ den schweren Krieg.«

Jetzt schleicht durch's bunte Fenster ein,
Leichthuschend noch und sacht,
Der Sonne erster, goldner Schein,
Voll Himmelsglut entfacht.

Da senkt sich tief in aller Brust
Ein gläubig Gottvertrau'n,
Läßt unerschreckt und kraftbewußt
Uns in die Zukunft schau'n.

Und als getrost wir abwärts zieh'n,
Erglänzt im weiten Tal,
Aus dem die schwarzen Wolken flieh'n,
Der hellste Sonnenstrahl.


Im Zeichen des Roten Kreuzes.

Eine Büchse gar ehrwürdig ausstaffiert,
Mit blutrotem Kreuz als Wappen verziert,
Begab sich auf's Wandern und Reisen.
»Nicht früher mehr kehre ich wieder nach Haus,
Bis daß mir das Geld rinnt zum Munde heraus«,
So sprach sie – und wollt' es beweisen.

Rasch eilt sie treppauf und treppab immerzu,
Stets zeigend ihr Wappen ohn' Rast – ohne Ruh
Den Großen – den Armen – den Reichen.
Und willig steckt jeder in's Mündchen so klein
Ihr gern eine Gabe recht zärtlich hinein,
Nur selten muß leer sie entweichen.

War einer auch mürrisch, vom Geben schon müd',
Dann mahnt sie erregt und das Purpurkreuz glüht:
»Willst so du den Sieg uns erschweren?«
Und wollt' einer knausern mit Nickeln statt Gold,
Der 's Sparen nicht nötig, – da bettelt sie hold:
»Laß nimmer den Krieger entbehren.«

Doch gab einer reichlich, da hüpft sie vor Lust
Und eh' sich's die Büchse noch ernstlich bewußt,
Stand voll sie gefüllt bis zum Kragen.
Als fröhlich nach Hause die Brave jetzt kehrt,
So reichlich beladen, mit Gaben beschwert –
Da wollten 's die Füßchen kaum tragen.

Nun schüttelt sie rasch ihre Geldspenden hin
Und zählet begierig den reichen Gewinn,
Das gab ein gar fröhliches Klingen.
»Nicht mir zollt den Dank« sprach sie freudig gerührt,
»Der einzig allein nur den Wappen gebührt,
Es half mir die Herzen bezwingen.

Das blutrote Kreuz – im schneeweißen Feld
Ist stärker als alle Gewalten der Welt,
Als Herrscher mit Zepter und Kronen.
Habt Dank edle Spender, denkt ferner auch mein,
Willkommen sind Gaben wie groß wie auch klein
Und Gott wird's Euch reichlich belohnen.«


Nicht mehr »adieu«

So recht! Fort mit dem welschen Gruß
Beim Kommen und beim Gehen,
Denn jeder gute Deutsche muß
Sich endlich doch gestehen:

Was brauchen wir mit fremdem Wort
Den Herrgott stets zu nennen,
Ist er nicht auch der Deutschen Hort,
Saß wir ihn deutsch bekennen?

»Grüß Gott!« So kling's beim Wiederseh'n,
»Behüt' dich Gott!« Beim Scheiden;
Das wird von Herz zu Herzen geh'n
Und niemals uns verleiden.

Der Fremdlandsgruß klingt jetzt wie Spott
In unser aller Ohren.
Noch lebt der alte deutsche Gott
Und ihm sei Treu' geschworen.


Sankt Michel.

Sankt Michel trat vor den Gebieter
Gerüstet im himmlischen Saal:
»Herr schicke zur Erde mich nieder
In's jammernde weinende Tal.

Nicht länger mag müßig ich säumen,
Zu lange schon rastet mein Schwert,
Die Menschen dort glauben: wir träumen
Und haben sich bitter beschwert.

Ich reite schnurgrade nach Preußen
Und jage die Russen hinaus
Zurück zu dem Zar aller Reußen,
Dort ist das Gesindel zuhaus.

Dann säub're ich flugs die Karpathen,
Die Schluchten, die Kämme, den Paß,
Und müßt' ich im Schnee kniehoch waten,
Mich führt dort als Stütze der Haß.

Galizien und Bukowina,
Die dauern mich beide schon tief,
Ja, auch an der serbischen Drina
Ging's leider des Öfteren schief. –

Und hab' ich die Russen und Serben
Aus Deutschland und Öst'reich geräumt,
Zerhau' ich noch Frankreich in Scherben.
Laß traben mein Roß, das; es schäumt.

Nun aber, du Herrscher der Welten,
Vor England befällt mich ein Graus;
Um Habsucht und Neid zu vergelten,
Rüst' lieber die Hölle gleich aus.

Schick' Luzifer ab zur Blokade,
Daß grimmig den Frevel er räch',
Und laß übers Brittengestade
Jetzt regnen nur Schwefel und Pech.


Die deutschen Barbaren.

»Ihr Kinder fort –! Ihr Frauen flieht!
Es nahen die Barbaren –.
Und wenn euch einer nur ersieht,
Heißt's in die Hölle fahren.

Sie quälen euch mit Lust zu Tod',
Sie stehlen wie die Raben,
Es schänden jedes Gottgebot
Die Bayern wie die Schwaben.«

– Da kamen sie von Nord und Ost,
Vom See bis hin zum Rheine
Und teilten die Soldatenkost
Und gaben auch vom Weine.

Und schaukelten die Kinderlein
Auf ihren starken Knieen
Und wahrten Recht vor Mein und Dein,
Es brauchte niemand fliehen.

Doch zogen später wieder fort
Die deutschfeldgrauen Scharen,
Weint manches Magdlein in dem Ort
Um einen der Barbaren.

Das Riesenspielzeug.

Das Riesenfräulein Berthe
Befiel die Lust zum Wandern.
»Schirrt an mir sechs Paar Pferde,
Ich reise fort nach Flandern.

Packt alle meine Taschen
Mit deutschen Neugeschossen,
Will freundlich überraschen
Die Flämen und Franzosen.«

Bald eilt die dicke Schöne
Durch Belgiens flache Fluren,
Und alle seine Söhne
Erzittern vor den Spuren.

Ein lieblich Spielzeug scheinen
Ihr Panzerturm und Wälle.
Schnell wirft sie um den einen
Durch mitgebrachte Bälle.

Und suchet auch den zweiten,
Den dritten und den vierten
So im Vorüberschreiten
An allen drei Alliierten.

Als jeder umgestoßen
Zum Schrecken und zum Grame
Der Flämen und Franzosen,
Da sprach die deutsche Dame:

»Schirrt an mir zehn Paar Pferde,
Führt rasch mich hin zum Ziele,
Daß ich auf Rußlands Erde
Vergnüglich weiterspiele.«


Heimatliebe.

Der Starenzug kehrte zurück schon in's Land
Und teilte sich auf an der Grenze.
Gar mancher doch sah sich betrogen, der fand
Sein Starenhaus nimmer im Lenze!

Dort, wo er in glücklichen Tagen gehaust,
Bei freundlichen, polnischen Bauern,
Hat rohe, gemeine, vernichtende Faust
Zerstört und zerschossen die Mauern.

Die Äcker steh'n wüst und die Gärten sind kahl,
Kein Obstbaum im Gaue zu finden,
Kein Häuslein zum Nest und die Kost ward so schmal
Und dennoch, – der Star wird's verwinden.

Er ist in der Heimat, sein Herz hängt an ihr
Und wachsen nicht Früchte noch Beeren,
Gestillt ist der zehrenden Sehnsucht Begier,
Hier will er still duldend entbehren.


Ungarisch.

Junger Ungar recht geduldig,
Liegt er still in deutschem Land.
Bissel krank und leichtverwundet,
Schuß im Fuß und Schuß in Hand.

Kann er sehr gut deutsche Sprache,
Lajos ist so halber Schwab,
Schwatzt er gern mit Schwester Britta,
Oder schweigt er still wie Grab.

Sagt sie einmal: »Lieber Lajos«,
Hat ihm dabei Hand gepreßt,
»Russen sind in deiner Heimat,
Wollen nunter bis nach Pest.«

Springt der Honved auf vom Strohsack,
Denkt er nicht auf kranken Fuß –
»Eljen magyar! Laß mich eilen,
Weil ich Russ' vertreiben muß.«

Kannst nicht laufen, armer Lajos, –
»Rutsch' ich hin auf bloße Knie.«
Kannst nicht schießen, steif der Finger –
»Nimm ich Prügel – aber wie!

Hau' ich nicht zum Spaß, ich bitte,
Über Russenschädeln drein.
Weißt du, auf was Lumpen spitzen – ?
– Gulasch und Tokaierwein.«


Vater und Sohn.

Mein Junge, jetzt kommen wir beide daran:
Du halb noch ein Knab', ich ein alternder Mann,
Zu schützen des Vaterlands Ehre.
Du harrest schon fiebernd mit siedendem Blut,
Ich glühe an dir meinen stählernen Mut,
So zieh'n wir als Landsturm zum Heere.

Du bist nicht zu jung mehr, ich bin nicht zu alt,
Zu trotzen der feindlichen Übergewalt.
Das wollen wir tapfer bekunden.
Dir leuchtet im Auge zum Kampfe die Lust,
Ich bin mir der Treue zum Reiche bewußt,
Wir fürchten nicht Tod oder Wunden.

So folgen wir frei dem gerechtsamen Ruf –.
Der Gott, der im Berge die Eisen erschuf,
Der drückt uns das Schwert in die Rechte.
Wir wollen es führen mit sicherer Hand
Für Kaiser und Freiheit und Vaterland,
Als Männer aus deutschem Geschlechte.

Nur eines beding' ich; mein Junge, hör' an.
Wir ziehen gemeinsam die blutige Bahn
Stets Seite an Seite im Kriege.
Drum stürm' nicht zu hitzig in laufendem Schritt,
Denk' immer: es will auch dein Vater noch mit
Zum Tode – oder zum Siege.

Dem eisernen Kanzler zum hundertsten Geburtstage.

Du stolzer Riese aus dem Sachsenwalde,
Vor hundert Jahren deutschem Mark entsprossen,
Dein Geist schwebt über Flur und Berg und Halde,
Dein Bild lebt fort, nicht nur in Erz gegossen.

Du bist nicht tot –. Dein Wort kann niemals sterben;
Dein Lebenswerk wird ewig fortbestehen.
Was du erschufst, soll'n uns're Söhne erben,
Das Deutsche Reich kann niemals untergehen.

Und mit dem Bruderland wird Öst'reich leben,
Dem deine starke Hand einst Treu geschworen.
Es wird zu hoher Blüte sich erheben,
Wenn es erneut in deinem Geist geboren.

Das Doppelschwert, das deine Hand geschliffen,
Stak durch Jahrzehnte still in seiner Scheide.
Jetzt halten es zwei Volker fest umgriffen
Im Kampf vereint und treu stets deinem Eide.

Und dieses Schwert, es soll in Ehren siegen,
Wie es in Ehren einst sein Schmied geglühet.
Nicht brechen wird es und sich niemals biegen,
Wird niedersausen, daß es Funken sprühet.

Du stolzer Recke, deutschem Blut entsprossen,
Heut schall' es laut an deinem Wiegenfeste:
Daß du geeint die tapfren Schwertgenossen,
War deiner Ruhmestaten allerbeste.

Laß mächt'ger Kanzler heißen Dank dir bringen
Und zu dem Danke noch die Hoffnung reihen:
Dein Segen, den wir überreich empfingen,
Wird beiden Reichen Sieg und Glanz verleihen.

Ostern.

Noch bläst es scharf vom Bergwaldkamm,
Wenn abendlich die Sonne scheidet;
Die tiefversteckte steile Klamm
Liegt windverweht in Schnee gekleidet.

Noch steht die weite Flur so kahl,
Wie in des Winters dunklen Tagen,
Und aus dem Bach im Wiesental
Nur scheue Weidenkätzchen ragen.

Und dennoch naht, du ahnst es kaum,
Auf weichen, bunten Falterflügeln
Der alte Auferstehungstraum
Und läßt nicht hemmen sich, nicht zügeln.

Er schwirrt mit Zaubermacht und Pracht
Durch Feld und Au und Waldesengen,
Und über Nacht ist froh erwacht:
Ein Keimen, Sprudeln, Leben, Drängen.

Leicht schmilzt des Winters letzter Rest,
Die Erde taut aus harten Schollen;
Sie rüstet sich zum Frühlingsfest –
Ein neuer Segen ist erquollen.

Und neues Hoffen sproßt und schwillt
Im qualerstarrten Menschenherzen;
Mit wehmutsvollem Trost gestillt,
Ruh'n ausgesöhnt bezwung'ne Schmerzen.

Der frohe Osterglockenklang
Hell übertönt die dumpfen Klagen,
Es will beim Allelujasang
Ein lichtes, freies Werden tagen.

Es will in jeder deutschen Brust
Die Hoffnung tiefe Wurzeln schlagen,
Und nach des Lenzes Blütenlust
Auch reiche, volle Früchte tragen.


Friedenstraum.

Auf Flur und Hain liegt Sonnenschein;
Die Knospe schwillt an Busch und Baum;
Der Vögel Chor singt Melodei'n
Des Jubels in die Welt hinein
Und mich umfängt ein heller Traum.

In Sommerglück seh' ich das Land,
Auf das der Segen sich entlud.
Voll blüht die Heckenrosenwand,
Die Ähre glüht im Goldgewand,
Im Laubdach zwitschert junge Brut.

Frischderbe Schnitter sonngebrannt,
Voll Lebenslust und lebensstark
Und doch vom Tod knapp überrannt,
Zieh'n schaffensfroh und wegbekannt
Durchs waldbegrenzte Feldgemark.

Und schmuck in buntgeblümter Tracht
Der Schwarm der Mägde drall und prall
Jetzt hinterdrein und hat nicht Acht
Auf Ährengold und Blumenpracht,
Nicht auf der Drossel Liederschwall.

Die Sense mäht mit kurzer Rast
Das hochgeschossne reife Korn.
Schwer hebt sich auf die Garbenlast,
Der Himmel hat voll Huld verpraßt
Den unerschöpften Segensborn.

Der Abend naht; die Sense ruht.
Von ferne wehet Glockenklang.
Nun zieht in lautem Übermut
Das junge Volk zum Bauerngut
Den Weg entlang mit Scherz und Sang.

Jetzt in der Feierabendstund'
Am Zaune vor dem breiten Tor
Schwatzt's frei und fröhlich Mund zu Mund
Von Krieg und Sieg und Friedensbund
Und reckt sich stolz erfüllt empor.

Tiefstille Nacht umspinnt das Tal.
Der Mond erstrahlt am Himmelsraum
Mild glänzen auf der Sterne Zahl,
Auf Erden schlummern Schmerz und Qual.
Da wach ich auf – –. Es war ein Traum.