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Wilhelm Runge – Das Denken träumt

Gedichte

Verlag Der Sturm, Berlin, 1918



Dein Auge

ist eine samtene Wiese

über alle Hügel des Abends

und deine Lippen sind zu schwer

für ein leichtes Wort

Deine Gedanken

sind vor den Fingern des Todes

der sich zersehnt

ein Tanz des Glücks

Schließ mich ein

in die wilden Rosen

deines Bluts

Dein Atem

ist die Wiege des Sommers

 

 


Aus jedes Grußes Lächeln blüht dir Sonne

auf allen Wiesen bist du Tausendschön

vieltausendschön

und deine Seele streicht

groß wie ein Segel

durchs Ährenfeld

wenn sanft der Mittag schläft

auf seiner Wälder Wiege

her und hin

dann wirfst du deine Sorgen in den Klee

und hebst die Augen wieder auf

zwei Rosen

die hingefallen sind

 

 


Traurig welkt der Sommer deiner Augen

und es suchen deine Sinne

irre Bienen

nach dem Honig ihrer Lust

ins Geplänkel deiner Lippen mit den Worten

streckt sich Schlaf

und der Hände müde Falter

senken der Gebärden Flügel

in den Abend deines Bluts

Bis die Ebbe deines Auges

wieder Flut wird

und von weißen Tempelstufen deines Mundes

Worte stürzen

laute Kinderschar

treppauf

treppab

 

 


Blau wiegt

die Welle deines Auges

in des Haares dunklem Wälderarm

und es weht mit starken Winden

von der Stirne Felsgestein

in der Stunden Gondellied

bis des Glückes gelbe Rose aus der Tiefe bricht

und libellenleicht

ein Sonnensegel

durchs Gelächter der Gewässer springt

 

 


Übers blaue Meer der Stunden

winkt der Sehnsucht Schwalbenschwinge

den Gestaden fernen Glücks

und des Herzens roter Morgen

steigt empor aus tiefen Nächten

deines Bluts

fällt ein Sturm von Vogelliedern

auf der Winde seidge Schaukeln

kitzelt mit den Sonnenfingern

kräuselnd Lachen auf dem Wellenmund

und zerreißt den Schleier von den Augen

Bienen

die honigtrunken sind

 

 


Worte sind nicht immer blinde Bettler

an den Türen unsrer Sehnsucht

Manchmal fällt das Leben ein durch die hohen

Tannenwälder

moosbespülte Fichten

lichten

ihren Leib den Silberketten

süßen

Lichts

und Libellenflimmer fließen

durch der Binsen Gondellied

Wenn am Wiesenhang des Himmels

blau versponnen Sommerfäden

tanzen auf ganz weißen Sohlen

in die Luft

spinnfeingewebt

 

 


Unter deiner Braue

schläft der Abend

und am Rande deines Auges

lieg ich in des Tages Boot

wellenmüd

in dem Abendleuchten deiner Wange

das noch einmal alles überblüht

und wie langsam der Gedanken Volk

aus dem Antlitz in den Wald der Seele zieht

trinke ich den allertiefsten Frieden

in dem roten Weine

deines Munds

 

 


Meine Augen wollen wandern

alle Wege

deines Leibes

doch schon auf dem Rücken deiner Hand

brechen sie zusammen

überall bist du ganz steil

unzugänglich

schüttelst Spott

übers Zagen meines Fußes

durch die wäldersamtne Haut

deines Blutes grollendes Gewitter

schleppt der Schwüle Zunge

lechzend

alle Vögel zwitschern schluchzend

ins Gefieder

Biene bin ich

all dein Blühen schweigt

und der Stirne offne Hand

ist verschlossen

 

 


In die Ferne läuten die Gedanken

wiesengesenkt

Kuhglocken dumpf

und aller Worte flüsternd Schilf

weht wasserhin

goldhäuptig

in der Wälder Dom

kniet Sonne nieder

hinbluten

wilde Rosen ihrer Glut

und meiner Augen stille Hirten

sammeln der Wolken samtne Herden ein

aus weiter Himmel kornblumblauem Feld

in ihrer Hütten Mutterhut

vom Hauch der Wiesen steigt des Glückes Lerche

zerreißt die zarte Brust

daß in die Ähren

leis abendsonnenblutet ihr Gesang

 

 


Wild peitscht Sturm der Seele Meeresstille

und des Herzens Purpurwelle bäumt

strandhin flucht ich aus vor ihrem Schlage

durch der Adern Wüstensand

meiner Augen müde Möven

schweifen

und die Muschel meiner Stimme

heult

mir ins Ohr

himmelfern der Stern des Glückes glimmt

blutbeschattet

und der Atem durch den Dünensamt

lauscht

wie der Sonne Meeresperle

aufschreit

wild die dunkelgoldnen Strahlen springen

in den wellenleichten

Zwitschertanz

 

 


Seufzer bangt

des Auges voller Garten

steht in Regen

durch der Stirne Wüstensand

schleppt sich die Gedankenkarawane

sonnetaumelnd

durstentlang

alles Blut verdunkelt wolkenschwül

und der Hände scheue Tauben

ängsten

da springt auf der Seele wildes Tier

donnerheult

die Hölle seiner Schrecken

und zerstampft den Frieden in die Wildnis

die das Eiland seiner Stärke ist

 

 


Meiner Stimme Quelle stürzt

felsherab

verrieselt

stirbt

im Gestein verloren

Schmerzen wuchten stämmig hoch

wälderdumpf

drängen schwüle Wolkenschwere

in der Seele Sonnentanz

und es hängt des Auges bunte Wimpel

zage wehend

vor dem Sturm

 

 


Aus der Wiege deines Tanzes

rauscht es Wald

deiner Füße leichte Brandung

küßt das Ufer

meines Glücks

und ich stürz der Sonne nach

deines Lächelns

Sieg schreit auf die Meute deines Auges

tief herzab flieh ich

das Tal des Bluts

und verschlag die Zweige aus den Adern

die den Weg mir engen

steh aufatmend

in die Stirne drückt

deines Blutes dunkler Rosenkranz

 

 


Deine Augen ruhen auf mir

kaum kann ich sie tragen

Frieden

schenke deinen Händen

sie erheben sich bei deinen Worten

demütig

ein betend Volk

Wein

bist du in allen Adern

trunken finden die Gedanken nicht

herzaus herzein

tasten alle hin an deiner Stimme

den verwirrten Weg

entlanggeführt

 

 


Nicht mehr wandern darf ich durch dein Antlitz

plötzlich falle ich in deiner Augen tiefe Schlucht

alle Berge schlagen über mir zusammen

mit den Wellen deines Haars

wirf des Lachens Rettungsring

ganz dünn

ist meine Stimme

und wird zerreißen

meinen Wurzeln schließt die Hand dein Felsen

und des Auges Rose liegt gebrochen

du bist blauer Himmel

ich die Wolke

die sich fest an deinen Nacken klammert

sich nicht halten kann

und tausendfingrig

regenschreckt erdhin

den Wiesengrund

und dort hinsinkt himmellosgelöst auf ihr weiches Knie

 

 


Garnicht aufstehn mögen meine Augen

denn der Weg den sie einst gingen

steht jetzt voller Widersprüche

haben sie sich kaum erhoben

schlägt sie schon ein neu Geschehen

wie mit Ruten nieder

Darum weichen sie hin nach der Heimat

allen fremden Worten aus

werden tief wie je ein Brunnen

und Erinnerung zerreißt den Spiegel

Tage tauchen auf

ganz maidurchdrungen

Primeln läuten durch das Wiesengrün

und das Flattern bunter Pfauenaugen

Blumen finden nicht mehr ihren Duft

ganz versunken in dem Rausch der Farben

Zweige zwitschern

grünhin summt das Gras

eine Spinne spinnt feinwunderwas

und die Bäume

schäkern mit den Tauben

 

 


Eis den Weg entlang

knisternde Seide

sehnsuchtsvogelflüchtig

wangenheiß

jagt das Blut pulslang bis in die Sterne

Scholl um Scholle

treibend Eis

Tannenwälder duften hoch

die Worte fallen

leishin wie Zapfen

moosgedämpft

und tief waldinnen

kinderlacht das Herz

im Krippenschoß

wenn durch der Adern Zweige liederloht

die Weihnachtszeit

 

 


Rosen nicken aus den Junistunden

trällern Sommerblau den Matten hin

mild aus tiefstem Herzen grünt die Heimat

ihre Lippen murmeln wälderschwer

überwelthin schwingt die Sterne Zeit

Kinderwangliebkinderwanggereiht

Krieg brüllt auf

die wilden Blumen schrein

Sonne leckt Gestöhn aus allen Poren

Frieden holt den tiefen Atem ein

und der Nächte durchgewühlte Locken

schmeicheln um der Seele zitternd Knie

Angst zerreißt der Sterne Himmelsglanz

und der Abend drückt die Augen blind

einsam geigt

tief hinter Blut geduckt

ewger Kindheit wildumsehntes Glück

und der Sehnsucht über die Welt

hängende Herzen

schlagen

 

 


Das Denken träumt

Gelächter reimt die Straßen

zum Tanz des Blutes

schläfenaufundab

die Adern blinzeln Frühling durch die Knospen

und schlürfen tief den schweren Himmel ein

Wind spielt der Augen froh geschwellte Segel

der Stirne Knoten löst vom Tode sich

weiß über Wiesen schnattern Dörfer hin

die Städte fauchen

und zankend zerrn die Pulse ihre Zügel

nur deine Seele spielt im Sternjasmin

Lieb-Brüderchen Maßloslieb-Schwesterlein

 

 


An der Wüste deiner Stirne welkt der frühen

Winde Blüte

meiner Stimme Hand zerrt blutend deines

Denkens Dorngestrüpp

einsam scheuen deine Augen

hängen müde ihre Zweige

und dein Mund ist ein Boot

nachts

auf uferlosem Meer

da zerbricht ein Wort der Lippen Fessel

und befreit den Hafen deiner Stirn

in die Sonne segeln deine Blicke

deiner Wangen Geige

spannt die Saiten

zu des Blutes Julimorgenlied

und die Seele springt aus ihrer Sänfte

in den wilden Reigen

himmeltief

 

 


In dich unendlich Meer strömt all mein Denken

Deiner Hände leichter Wellenschaum netzt des

Sommers heißgespielte Wange

Sonne sucht ihr Gold

in deinem Herzen

von den Muscheln deiner Ebbe

zehrt mein Tag

matt von deiner Seele Flut

bricht das Ufer meines Glücks ins Knie

Rettung lockt der Stimme grüne Insel

doch es strandet jeder Wunsch

an der Stirne wildgewirrten Klippen

und immer

schließt du deine Augen

erblicke ich das Dunkel dieser Welt

 

 


Du bist ein reißender Strom

erwürgst alle Brücken

bist du nicht da

irrt meines Blutes Herde

hirtenlos

und nahst du

flieht es

ein geschlagen Heer

scheu senken meine Augen ihre Lanzen

Bin ein träumend Dorf

im Geheg der Sterne

deine Augen werfen Brand

in die Giebel

deiner Hände Siegespsalmen bet ich

in den wilden Tempeln

meines Munds

Sonne blühen deiner Stirne Alpen

nie lieg ich so selig

wie zu deiner Stimme Füßen

diesem uferlosen Mai

 

 


Blasse Finger kauern scheu in der bangen Hand

doch sie strecken wieder Frieden

trippetänzeln wieder Glück

von des Blutes Rosenblüten überrannt

Sommer steigt

die Glockenblumen läuten

und der Adern Dolden hängen schwer

aus der Seele Wurzelwaldgewirr

jagt des Wollens Wildfang durch die Moose

über aller Träume Brückenrund

und jauchzt hin

der Füße Sonnenschimmer

und die Lippen zwitschern Morgentau

Wiesen spielen Frühling mit dem Wald

und der Himmel

aus der Stirne Wiege

fällt den Augen lachend in den Arm

 

 


Ueberzittern deiner Hände

machtlos vor dem Biß der Angst

jähes Fallen deines Blutes

von dem leidgesteinten Leib

Säule

ängstend in das Luftspiel

windehergewehtwohin

kauern deine Augen Frage

Antwort

windgeweht — wohin

Qual

Die Pulse schlagen Feuer

blutdurchglutet rast der Brand

und das Herz läutet wild

Sturmesglocken

Klippenstrandet

wirrer Sinn

Atem wirft das kurze Ruder hin

und des Herzens Meerestosen stöhnt

Krieg

 

 


Traum frieden alle Straßen

zweigen leise

in

die Sterne

da erhebt sich leicht aus ihrem Laub

trillernder Morgen

schlägt zurück der Gassen dunklen Mantel

Hell springt aller Fenster Müde auf

und Soldaten jauchzen Morgenglanz um der

Sonne Helmesspitzentanz

Brausen spült

des Himmels Purpurfuß

in den Kehlen tanzt das Paradies

Häuser wirbeln hin

die Spatzen schwatzen

und die Dächer pfeifen es herab

 

 


Deiner Augen Berge ringen Wolken

meine Lippen schielen scheu

einst trug rosa Kleidchen meine Wange deines

Lachens Sommerstraßen lang

doch nun geht sie nicht mehr aus und ein

traurig trottet

durch den Herbst

ihr verwaister Fuß

stumm stemmt deine Stirne Eisenfäuste

wieder meiner Sehnsucht Drang

wilde Ungewitter türmt dein Antlitz

jagt in Ebbe

meiner Wünsche Flut

und des Herzens blutversteinte Stadt

starrt ins irre Leuchten deiner Blitze

zuckt gell auf

zerschellt in schwerem Schlag

 

 


Des Himmels schwerster Atem keucht aus Gräben

irr schlägt sein Puls der Heimat Märchenkuß

scheu im Versteck der Adern wimmert Blut

nimmt zag ein letztes Denken auf die Lippen

aus allen Poren strotzt des Drübens Hölle

und mauert grell die Herzen in den Tod

Gewitter flattern

aller Mai verweht

der Seele immergrüne Zweige brechen

grün stiebt ein Lächeln durch die Wangenschwüle

und in die Fernen sickert Tod um Tod

fahl in die dürren Kniee sinkt der Tag

wühlt weh die letzten Seufzer aus der Brust

Gebete fegen Glück

die Wolken wiegen

und Sehnsucht wirft des Blutes Deckung auf

trotzt wilden Hohn dem Tod in Riesengröße

weit überschattend alles Spiel der Welt

 

 


Maienbäume pflücken aus dem Tag sich des

Himmels tausend blaue Blüten

Morgen läutet seiner Glocken Tau in den

chorgewölbten Vogelkehlen

und der Wind tanzt seine wilden Füße in den

zarten Wolkenarmen wund

Augen flattern blau

die Steine duften

Hummeln bummeln durch das Sommerblut

und der Sterne Schwalben nisten in der Seele

trunken steigt der Stirne Sonnenblume

von des Frühlings gärtenweichem Lager

Lippen breiten ihre weiten Flügel

schwingen überwelt ihr Kinderglück

und die Sonne durch der Adern Gassen

trällert selig

Tau und Tod

 

 


Urwald brausen wuchtig deine Lippen

moosgeschmiegt

zirpt zag

mein Herz

schnellt vom krummen Bogen meiner Stirn

nach der goldnen Locke

übertänzelnd

Deines Lachens blauen Mai

wild der Augen schärfsten Sehnsuchtspfeil

sinkt aufs Knie

die Hände schluchzen

von der Seele Rücken springt das Leid entzwei

und zersplittert einen Tanz des Glücks

Sorge wankt geknickt

die Sterne flüstern

leise weht das Blut

und des Atems Teppich

fällt

pulsauf pulsab

stockend

dir

zu Füßen

 

 


Aus den schwarzen Falten deiner Augen zucken

Dolche

zurück in seine Hallen schlägt mein Herz

tastet scheu

Säule um Säule

nach dein Gewölbe deines Angesichts

dein Atem trägt den Arm voll dunkler Wälder

und sein blaues Meergefieder schlägt der Tag

in der Sonne Goldgelächterflitter

alle Hände voller Silberblumen

springen Bächlein durch der Adern Sturmgehölz

und der Stirne blumenwilde Wiese

senkt die windgeschwächten Schmetterflügel

in des Abends weltenweiten Schoß

 

 


Wild wirft mich die Gondel deiner Augen

in der Stirne Wellenungestüm

Sturm zerzaust der Hände scheu Geäst

und des Blutes Wolken schweben fern

Sterne stehen deinem Hauch gebückt

deine Lippen weiten ihren Strand

wiegen nieder junges Himmelblau

in der Wangenflügel Faltertanz

Sträucher lispeln durch das Dorf geduckt

Sonne beißt die prallen Lippen wund

blutet ihren Sommer in die Seele

 

 


Wolken schluchten in die Wälder

und das Moos im Sonnegoldgezweig

schlägt die samtverträumten Augen auf

leise neckt des Windes Frühlingsfinger

Straßen harten durch die Wälderweite

Dörfer heben ihr betautes Haupt

aus der Wiesen düfteschwerem Strauß

Kirchen beten in das Abendrot

auf den Sternen brennt ihr Orgelton

Seele wirft die Nächte in den Staub

wiegt in ihrem Arm den Himmelsglanz

 

 


Brach liegt dein Auge

irr drüberhin stottert mein Fuß

dürr flüstern Zweige herbstzeitlos

die Wolken welken

des Herzens Türen schlagen heulend zu

nach seinen Wänden zuckt das Blut die Hände

und würgt die Tränen in die Adern tot

beschlagen blickt der Stirne helles Fenster

Sturm flattert auf des Herzens wanke Wipfel

der Tag hält seine blauen Augen zu

und Nacht trieft nieder schwer aus allen Zweigen

des Blutes Atem läuft auf leisen Zehn

knickt um

und stirbt

die Hände perlen Weinen

 

 


Sterne himmelflüstern um die Stirn

Denken schläfert sommerseidenweich

Blut geht leise wolkenwellenunter

gestern heute morgenabendrot

golden von den Ästen fällt die Sonne

und zerbricht im moosgen Schoß der Nacht

Seele senkt das kleine Kicherköpfchen

müde schließt das Gras die feine Hand

Herz bückt nieder in das Beet der Sterne

pflückt die strahle Heimat aus der Ferne

Sonnenwälderduft und Nachtigallen blüht ihr

Atem in den Abend auf




Frühe hebt die kleine bleiche Hand

Sonne blinzelt durch die schmalen Finger

trillernd tropfend taumelnd

tobend

toll

stürzt ihr strahlengoldenes Gelächter

Necken schlängelt rosareihe Bänder

Dämmern huscht verschämt die Augen blind

schallend gröhlt der klobe Tag und stemmt die Seiten

flimmerleise durch die Adern spielt der Wind

 

 


Blut fließt aus der Adern Mittagsenge

hält den Atem an ganz losen Leinen

mäht die Sonne hin in goldnen Garben

sammelt sommersummend

Bund um Bund

Dörfchen hängt am hohen Schilf des Tages

hebt und senkt die dächerbunten Flügel

und des Himmels überlichte Wasser

sprudeln Blumenzwitscher

Vogelschein

 

 


Schrecken zäunt die spieligen Gedanken

Mondschein hätschelt seine wilde Nacht

zuckend blutet Welt vom Sims der Sterne

Seele hastet Herzen wimmre Wunden

wankend

tastet zager Sommertag

 

 


Duften steht mit ausgebreiten Händen

kraus springt Sonne über keck Gesträuch

leise weiden grille Wolken Träume

blauer Himmel streichelt koses Gras

Sonne wiegt im Moos die tanzen Sterne

und die Wälder schweben drüberher

Rosen kosen die verschämten Wiesen

schüchtern faltet Blut die trillre Hand

Bäume hetzen ihre grünen Segel

Winde liegen flüsternd ohrinohr

Summen hascht die flatterhaften Blumen

Bienen tropfen

Steine atmen schwer

 

 


Runzle Sorgen kauern senke Lider

Augen brechen morsch

welk blättert Blut

Welt gellt hüstelnd durch die kahlen Adern

und der Sehnsucht dunkle Tannen treiben hoch

Schatten schelten scharf

die sonnen Wangen blassen

Seele stöbert störrisches Gesträuch

stößt das wimmre Denken in die Dornen

sprengt das zerre wildverwachsne Schreien

und zerreißt die himmelsglücken Sterne

Quellen flattern

Stöhnen trinkt mit langem Zug

 

 


Fragen trotzt den träumen Willen groß

Glauben tastet himmelhohe Wege

blutig betet Sehnsucht ihre Knie

Wünschen weht verlassen wanken Wind

Wissen zerrt durch erdenfurches Sorgen

Sinnlos stirbt Geboren

biert den Tod

Wanken nestelt Stehn

des Blutes Sterne strotzen

jauchzen träumt die Seele

nirgend — irgendhin

 

 


Zeiten wintern

Zeiten sommern

sonnenspielig

Erde schlenkert wiesenflatternd hin

Blühen weht die hitzen Sterne durstig

Ahnen schwellt vielhimmelblaue Segel

Ueberdenken wanderwundern Wolken

Endlos rätselt neckig blaue Weiten

Fragen wirft vertrotzt das quäle Blut

Fraglos wandelt sternensinnen Weg

Lächeln leise schlingt verliebt Geleiten

Brechend bröckelt Wissen stummen Staub

Wunder wirft die sinnversage Welt

Tränen taumeln Glück

das Blut bebt Beten

Zeiten sommern

Zeiten wintern

sonnenspielig

 

 


Sonne putzt die blindbeschlagnen Stunden

Trotzen drängelt rüplich durch die Welt

bläst dem Wollen scharf ins glimme Feuer

drunter-drüber-unter-übermut

Scheine zausen Laub

kühl glucken Schatten

über schlummre Wälder blakt der Wind

Ruhe reicht der Welt das sanfte Händchen

Schäkern schmeichelstreichelt liebes Kind

zärtlich lächelt schläfern atemleise

Kleiner Bubi

kleinem Mädi

dut

 

 


Sonne runzelt

Trübsal bettelt bitte bischen Traum

Trübsal magert feistes Denken ein

wackelnd schwappt Verzweifeln

Träume stoßen stolpernd blindes Schwätzeln

Fassungslos schluckt müd

Sonne glättet

Adern lichten hoch

leise weht der Augen Zittergras

Wollen wirft Gebückt und reckt Entlastet

würfelt in der Seele Nichts die Welt

Lähmen lauscht

rennt hin und blickt Gewonnen

 

 


Freuen sonnt vielmärchensommerschwer

Herz reißt auf und lüftet weit ein Lächeln

Jubel beugt kleinkinderglücklich raus

reißt zurück

verschrocken lehnt verstumm

Schelten bellt und springt

Wut schwingt die scharfen Beile

starrend steht der Augen dichter Wald

gelichtet

 

 


Denken döst in schauklen Schlummermatten

Necken wippt geplauderhinundher

Ernst schmiegt heiter um den zarten Nacken

Horchen äugelt sinnenschwer

zuckt zusammen

duckt

und überschlägt

schreit umklammert zappelnd fortgetragen

hastig

schämt

das Lachen

hinterher

 

 


Auf springt der Tod und zügelt starr die Augen

Himmel reißt Sehen blutend aus dem Tag

Gebrochen sinkt der Sonne strahle Blume

blau plündert niedrig

Schreien spritzt in Trümmer

Rauch zucken Hände

Erde bröckelt Blut

wild hebt die Liebe weißtduwo

Gedenken stolpert bruderüberfreund

hin durch den Graben splittert Tod Zerpeitschen

und Sterben raucht das kurze Pfeifchen lässig

blau wirbeln Träume kinderblume Tränen

einsam versargt

das Leid

 

 


Grauen schaufelt Löcher in den Tag

wirft Lachen rein

und schleift das Schweigen weiter

die Stirne zwängt den Graben durch den Tag

der Graben springt

die Drahtverhaue schreien

Stürmen bricht durch

sinnlos jagt sinnennach

und

zwischen Küsse

betten

Tränen

Staub

 


Blut stöhnt die Welt

Blut läßt sie lässig fallen

wirft nach die Sterne in den trägen Staub

Hoch reckt das Herz vielsommerstarke Himmel

Gewissenlos brückt überstern die Hand

und greift das totzerzauste Kinderlächeln

Haschend neckt Seele Sterben Spiel durch Spiel

Sinnen küßt Mutterbeten in der Ferne

Sorglos streicht Tränen aus der klaren Stirn

und lehnt das Haupt dem grauenhaften Tag

gelassen in den todesschwangern Schoß




Bäume schleifen Wolken windhinüber

Wiese graust die Stirn

die Steine stutzen

und die Mauerblümchen fallen ein

Fragen rauft das Blut

die Wunden warten

Wunden ringen

Sterne stützen Wald

Sonne drückt verängstelt durch die Aeste

Sträucher picken Rascheln schattenauf

Dunkel frißt gefräßig in den Tag

Welken würgt

die bleichen Winde weinen

und die Blätter flattern

Staub

 

 


Erwarten heftet

Kommen lüftet lässig

Hast blinden Augen

Hände lauschen taub

Erinnern flößt

und Zögern sänftet nieder

leise hält Lächeln

streichelt

geht

 

 


Sehnen streichelt triftetaues Gras

Lächeln lehnt umroste Distelköpfchen

schnecken trüb

die neblen Weiten klammen

Düster dreht die Sinne stundenrund

Außen kniet und gräbt und mündet Innen

Quellen atmen hoch

still lindert leis

Fernen trillern

Sträucher betten Jauchzen

Beeren drängen übersonnten Duft

tief im Heu des Dörfchens bunter Käfer

Summen klettert in das blaue Glück

Lieder leuchten straßenhinundwieder

Sonne lehnt gelassen in die Tür

und der Himmel träumt mit allen Sternen

friedlich um den heimatlichen Herd




Lassen-sollen greift mit allen Armen

Trotzen drückt zur Seite enges Wider

Würgen ringt und beißt das harte Sollen

Sträuben stampft der Stirne heilges Land

bindet fest der Stunden eilge Hände

zerrt die früchten Bäume aus dem Wind

Können bricht

und Bäumen fällt zu Boden

Schmerzen schreien eine weite Welt

Traurig stehn des Blutes stille Sterne

Wollen beugt den graden Nacken herb

Seele nickt und weist und wandert willig

Welten schweigen

wunder wunderfort

 

 


Blut schürzt lässig

lose winkt die Wange

Seele sinkt erschrocken in die Knie

Mund springt drüber

stolpernd

stürzt das Lachen

Weinen streichelt das zerzauste Kind

und die Sehnsucht durch der Augen Staub

tastet ihrer Stirne Sternen nach

 

 


Auge hängt sein Lächeln nach dem Winde

Sehnsucht schlägt die Hände vor die Stirn

blind tappt Lieben

hellblau tanzt der Tag

Scherze winken

Lockend läuft dein Mund

mir durchs Haar

mit sommerheißen Sohlen

deiner Lippen rote Rosen fallen meinen lahmen

Blicken in den Arm

hasten herzt

die dürren Hände dürsten

Küsse protzen Schenken

wiegen Hüften

fangen Lachen

fassen Weinen

gehn

kehren stürzen

kichernd biegt ihr blendes Kleid

mir in die Hände

 

 


Blumen flattern Sommer

Duft nimmt beide roten Backen voll

Falter wiegen Wald

Goldkäfer schreien

Mücken strampeln himmelauf und ab

heiß im Arm der Fische hängt das Bächlein

Unken patscht Libellenflügel wach

Zweige lachen

tuscheln

sonnen

strömen

Vögel wogen Wiesen

liegen flach

ziehn die Ahorndolden an den Händen

böse schelten Bienen in den Bart

Zwitschern streckt die sommerschweren Glieder

taumelnd tollt des Atems Flügelschlag

und der Augen wilde Rosen springen


Wiese blinzelt

Sonne regnet

steif stellt Strahl in tausend Silberhöschen

Blumen raffen ihren Schiller auf

Häschen streicht den Kummer von den Ohren

Nesseln summen

Frösche klatschen Quak

und des Blättchens seidenzarte Brust wiegt des

Sommers Atem

ab und auf

 

 


Welk ward der Sonne Strauß in deinen Augen

ganz leise weht des Flüsterns Flügelschlag

mit weichen Kinderarmen fallen Tränen der

Seele Jauchzen um den lieben Hals

das hinsinkt auf der öden Flur des Munds

hart trifft des Schweigens Faust ihm ins Gesicht




Stammeln beißt Worten in die eilgen Hände

Lächeln winselt warten

leise lehnt des Wollens Tür

Spalt schielt schlüpf

Schrei schürzt die langen Röcke

stürzt Küssen an den ewgen Kindermund

langsam

tritt Trennen in den Tod

die Pulse

reißt kurz der Augen tiefe Wurzel aus

zuckend schlägt Blut die kurzbeschnittnen Flügel

Weinen läuft Sehnsucht in die Mutterhand

 

 


In die Sträucher wirft die Sonne ihre goldnen Kleider

Plätschern streckt des Lachens Glieder aus

Jauchzen springt

der Schatten Röcke rauschen

Hitze stickt des Atems zartes Kind

Staub streicht Sommer fluchend aus der Stirne

Wasser hungert dürsten

Suchen rafft des Auges lange Schleppe

Finden fällt ihm glücklich um den Hals

zahm frißt Wasser aus der Wiesen Händen

sucht des Waldes moosge Krippe auf

Rehe schwimmen

Beeren schütteln Kreischen

blau wiegt hoch

des Himmels Schmettertag

 

 


Schluchzen rinnt in deiner Haare Bett

Hände stammeln

Blut frißt in die Adern

Atem hängt an deines Lachens Blüte

bange weint sein Flügelschlag

Trennung schlägt

verstümmelt bluten Küsse

langsam

wächst

der Tränen Nacht

dir

über beide Augen