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Arthur Sakheim – Magnificat

Gedichte

Verlag von Carl Reissner, Dresden, 1912


MAGNIFICA
Anima mea Dominam





Geleit

Geschmeide formen sich aus dumpfem Wühlen,
Von bittren Lippen stöhnt ein Schattenklang,
Und bleicher Wangen graue Sehnsucht kühlen
Silberne Krüge voll Gesang.




Weiße Nächte

Woher sie kommen und wohin sie gehen,
Bekränzt von amarantnen Azaleen,
Weiß niemand als die Nornen und die Feen.


Doch gibt es Mädchen — süß wie leise Lieder;
Das offne Haar fällt über zarte Glieder,
Und hütet sie, wie himmlisches Gefieder.


Und sind so herb, wie diese weißen Nächte,
Wie tiefes Licht vom Glanz der Liebesmächte;
Großäugig, aus verwunschenem Geschlechte.


Beglückend ist und bitter solche Spende.
Am Horizonte zucken müde Brände.
Dann ist es wieder dunkel, ohne Ende.



Neue Botschaft

Es jagte ein Feuer und scheuchte die Eulen —
Der heilige Taumel, die morgende Zeit;
Und rote Portale, und gleitende Säulen
Erklangen für tiefe Triumphe bereit.


So war unser übergewaltiges Sehnen ...
Wir warfen ins Meer den bejahrten Ballast,
Erwarteten Göttin Anadyomenen:
Auf schwellenden Wellen den ruhigen Glast.




Glück zur Fahrt

Das Leben sprüht Launenspiele
Mit viel Magie.
Die Liebe ist aufgeschossen:
Man weiß nicht, wie.


Man gibt die vereinsamten Hände
Einander weich.
Wer schenkt dir seine Seele —
Und jubelt zugleich?


Nicht jubeln und nicht verzagen!
Die Liebe bricht —
Sofort, nach Minuten, nach Tagen.
Mich stört das nicht.


Das Leben sprüht Launenspiele,
Brutal und mit Magie.
Die Regenbogen verlöschen,
Die jemand uns lieh.




Minnewasser

Schatten heimlicher Träume weben seltsame Süße.
Stumme Wünsche kauern im Zauberreiche des Schmerzes.
Schläfrig liegen und traurig die alten verlassenen Wege.
Wie ein gleitendes Streicheln schimmert der raunende See.
Dunkle Nischen sprießen, wie linde Worte voll Sorge.
Tiefe Fülle der Nacht liebkost die ängstliche Flut.
Pulse werden zu Klängen, Gedanken irren in Tönen;
Gut und schattenkühl ist es im himmlischen Reich.



Die Glocken von Brügge

Die Glocken begannen den listigen Reigen —
Ein singender, duftender, knospender Chor;
Sie tauchten herab in das wehe Schweigen
Und tranken, und schwangen sich wieder empor.


Und unsichtbare Geister sangen
Von spinnender Unwiederbringlichkeit;
Sie tönten und stöhnten, sie strömten und drangen
Durch sinnende Freude der Einsamkeit.


Luftgeister, gehüllt in silberne Schleier —
Ein singendes, duftendes, selig Gekling;
Und alles war Rätsel, und alles war Feier;
Und schwebte, und schwärmte, und fiel, und umfing.


Es floß in hellen und spröden Gefällen
Der Balsam der Unwiederbringlichkeit ...
Es klang von Wellen, die zerschellen,
Von altem und von neuem Leid.




Blühsehnsucht

Sing mir das Lied vom Fluten
Türkisfarbener Träume;
Singe von stillen Redouten
Mystischer Avalune;
Sing mir vom durstigen Hassen
Wirbelgegeißelter Welten;
Singe von züchtigen, blassen
Ersten und letzten Dingen.


Blutrot, wie Anemonen,
Strahlen die Diademe;
Mild, mit grünenden Kronen
Raunen die Brocelianden;
Ratlos, blaß und verwegen
Blüht die Blume der Qualen;
Silbern im duftenden Regen
Sehnen sich magische Seen.


Traum von wirklichen Schwingen!
Grenzenlos glühende Gnade! —
Fahl verglimmen, verklingen
Grauenverzerrte Türkise.
Klage umkreist und umflügelt
Die zerstörten Paläste;
Maßloses, Stimmloses zügelt
Bange, erstarrende Lippen.



Die Maske Magdalena

Bist du es — die Einzige unterm Gewühle,
Nach der ich gelechzt in des Lebens Verließ?
Du trägst das Gefäß der schimmernden Ziele,
Wie Sankt Magdalena des Quinten Massys.


Wirst du mir entblätterte Träume vergelten?
Kaum lächelt betrübt dein verwirrender Mund;
Die Augen sind Rätsel, verborgene Welten:
Wie herbstlicher Brunnen verdämmernder Grund.


Es duften die Sträuße der gelben Mimosen,
Es streichelt ein Flügel des Glücks midi so süß;
Mir neigt sich die heimlichste der Dolorosen,
Die Sankt Magdalena des Quinten Massys.



Fortunata

Du hältst das Märchen in der Hand —
Mein Du, mein Ich in Schmerz und Glanz.
Sanft schmilzt der Trübsal Dissonanz.


Die arge Angst umschwärmte uns,
Des Wahnsinns wurden wir gewahr,
Verzweiflung schlug ihr Flügelpaar.


Jetzt naht der Tag mit Silberbeil,
Die hohen Tore tun sich auf.
Die Kummer sammeln sich zu Hauf.


Die Wasser liegen blaß und lind,
Und Morgenwind summt lichtberauscht;
Und Ahnung wähnt, und Hoffnung lauscht.


Und alles wird so hell und nah:
Wir fühlen, Wunder rufen sacht;
So heimlich wird des Lebens Schacht.


Es fallen leere Engen.
Seltsames Glück, zu glühn mit dir.
Die Welt zu schaun mit Neubegier.


Du hältst das Märchen in der Hand!
Die Stille singt, Verheißung loht.
Dein Dichterstern ist dein Pilot.



La belle dame sans merci

Denkst du, meine Fahrtgenossin,
Partnerin im Melodram, —
An die Spieler böser Possen
Im verschmitzten Rotterdam?


Eins der Männlein sah durchtrieben
Vor sich hin und trübgemut.
Und orakelte, dein Lieben
Sei ein Zweig, den man belud.


Und ob solchen Phänomenen,
Partnerin im Melodram,
Lachten wir die hellen Tränen
Im verschmitzten Rotterdam.



Wacher Traum

Uns haben Rosenflocken
Mit Gluten überschneit;
Uns klang das große Locken,
Uns weckte wildes Leid.


Uns hat der weite Reigen
Mit Segen überglänzt;
Uns hat das linde Schweigen
Den kühlen Kelch kredenzt.


Es gaben flügge Englein
Uns munteres Geleit; —
Tomatenrote Wänglein
Zu losem Bund gereiht.


Wir gleiten geisterleise
Ins violette Land,
Von tiefgeheimer Weise
In Rausch und Glück gebannt.



Die alte Delft

Wir trafen uns in Trübsal und in Bangen —
Und wandelten die Pfade des Erlöschens.


Die Delft lag matt und ohne Fall, noch Wiegen;
Ein grüner Mantel deckt die letzten Qualen:
Durchwirkt, zu vielen Millionen Malen,
Von bösen Augen, welche unterliegen.


Es war wie blindes Sinken eines Bootes;
Es war wie scheckig Glitzern kalter Schlangen;
Es war wie grünend-glühendes Verlangen,
Und wie das Wohlbehagen nahen Todes.


Gestorben war der hellen Brunnen Fluten;
Für immer tot der Worte Glanzgetöne, —
Die weich und süß, wie kühle Nixenschöne,
Und zart von tiefen, sehnsuchtsregen Gluten.


Wir standen siech am Saume des Erlöschens,
Und unsre Seelen hielten sich umfangen.



Im Park

Wir wandeln mit trunkenen Tritten
Die schmalen, vergessenen Spuren,
Umflimmert von Blumengezitter, —
Zwei bebende Gottkreaturen.


Wir flüstern vertrauliche Worte;
Du greifst nach dem Mond mit den Händen:
Wir sind, wie zwei Marionetten
In tiefen, erstarrten Legenden.


Du bist meine stolze Armida —
Mein Herz ist gefesselt und frönig;
Du bist meine hohe Gefährtin —
Ich bin dein ergebener König.


Wir trinken den Schneeglanz des Lichtes,
Es streichelt der Mond deine Hüften.
Nicht werden uns mürrische Jahre
Die kosenden Stunden vergiften.




Fröhliches Vertrauen

Gut stehen deinem Haar die Blutlevkojen;
Nicht wirst du Liebeslust, noch Liebesleid bereuen.


Durchsichtig leuchten, Schwester, deine Züge:
Die wehe Wahrheit spiegelnd und die Schelmentrüge.


Süßes Ersinnen, lächelnde Gebärde
Umruhen mich und segnen Himmel, Holl’ und Erde.


Prächtig hat man das Haus und zart gezimmert
Aus edlem Holze, das von Indiens Harzen schimmert.


Liebste, wir schreiten der köstlichsten Andacht Pfade —
Bald unermeßlich brennend, bald ists Maskerade.


Gut stehen deinem Haar die Blutlevkojen;
Nicht wirst du Liebeslust, noch Liebesleid bereuen.



Beschwichtigung

Dieser Schmerz ist ein zuckender Mondsilberfaden,
Und die Beichte verschwiegener Treibhaussyringen,
Und der wunschheiße Myrrhenduft zagender Gnaden,
Und ein gieriges Gift auf geschmeidigen Klingen.


Dieser Schmerz ist die Rosenglut nächtlicher Hecken,
Schaumgeborener Zuversicht kosende Hülle,
Und die mohnrote Fackel, das scheue Entdecken,
Und das schwere Gewölk, und die segnende Fülle.




Mit der Lacerte

Auf den Wassern, gleich zagem Verlangen,
Liegt des wachsenden Morgens Arom;
Halbträumend, in lautlosem Prangen,
Verrinnt der gelassene Strom.


Wir fühlen das Schifflein Lacerten
Hinschauern in kränklichem Takt —
Vorbei an den hängenden Gärten,
Dem nebelumflorten Smaragd.


So kühl sind die freudlosen Gluten,
So weltverloren wir Zwei; —
Und immer das seidene Fluten:
Ein stetiges, graues Vorbei.


Da öffnet sich leicht den Gebeugten
Ein silberumwundenes Tor, —
Ein schwirrendes, blühendes Leuchten,
Das unsere Sinne erkor.


Die Sonne, das Meer — sie bescherten
Uns Heiltrank und Wiedererstehn,
Verliehen mit Königsgebärden
Uns strahlende, stille Trophän.



Alt-Heidelberg, du feine

Nicht zwingt das Märchen, das lustiglaute, —
Nicht Venuszauber, noch Neckars Fluten:
Theater ist es, o Liebetraute;
Zu viel des Bunten, zu viel des Guten ...


Die Stadt aus Blüten und Terrakotten
Kann diesen Trübsinn nicht unterwerfen:
Es fallen forsche Vandalenrotten
Nebst Philosophen mir auf die Nerven.




Quand on est mort, c’est pour longtemps

An kalter Hand führt mich gewaltger Wille.
Mit linkischen, schiffbrüchigen Gedanken,
So wettermüde und auf plumpen Planken,
Fand ich in einem Hafen feiste Stille.


Verblichen sind die purpurnen Gefahren.
In diesem Land schwör ich zur grauen Fahne,
Wo blaß die Hoffnung, ohne Ziel und Plane.
Und monotoner wird man mit den Jahren.


Ich liebe niemand, — niemand tut mir weh,
Den eine große Stille taktvoll deckt;
Von grünbemalten Widdern ungeweckt,
Bin ich nur müde, wie ein siecher See.


Nur müde bin ich und ein bißchen tot.
Und manchmal ists ein Ruhen ohne Ruh:
Selbst solches Tusculum ist nicht tabu,
Wenn Istar dir im eignen Busen droht.


Nur manchmal ists ein Ruhen ohne Frieden,
Da gellend grüßt der alten Wünsche Not.
Als heulten Tiere um die Pyramiden.



Ohne Dich

Du weilst, mein Lieb, in rätselvollen Weiten;
Ich rufe deinen Sang im Weiterschreiten.


Heut’ ist die Sonne blutlos anzufühlen.
Fremd sinnts auf Leid im Grauen, Feuchten, Kühlen;
Kalt überschauert es die dunklen Moore,
Und Erddämönlein balgen sich im Rohre.


Mit gelben Kronen prunken blasse Birken,
Die wie verwunschene Prinzessen wirken.
Gigantisch hoch und von granitner Dauer
Ragt, wie ein altes Raubschlofi, dumpfe Trauer.


Der Wasserfall verschäumt sein streng Getöse.
Nicht will das Märchen, daß man es erlöse.
Nur deine Arme wehren, wie im Schlummer,
Unausgeweinten Qualen, wildem Kummer.


Die Sonne liegt so krank in Himmelsweiten;
Ich rufe deinen Sang im Weiterschreiten.




Gebet

Steige herab und rede,
Notre Dame meiner Sinne,
Spenderin ewiger Minne, —
Steige herab und rede!


Blick’ aus lebendigen Augen, —
Daß mir das Leben erklinge.
Daß nicht um Totes ich ringe,
Blick’ aus lebendigen Augen!


Hörst du mich nicht, Madonna?
Lose, dunkele, harte —
Rose, dornenumstarrte, —
Hörst du mich nicht, Madonna?


Scheuche die wilden Harpyien!
Steige herab und rede
Süßeste Melodien.




Carissima Lutetia

Alles das ist voll von schwerer Trauer:
All das Leuchten dieser schönen Stadt,
Und das Stürzen stolzer Tempelbauer,
Reiches Zaudern vor der armen Tat.


Kühne Male reihen sich an kühne Male,
Lachend offenbart sich tiefer Gram;
Und in jedem lustigen Quartale,
Brütet Wehmut, wie in Notre Dame.


Du bist eine Königin der Städte,
Du bist eine ewig schöne Frau;
Doch es knüpft mich eine Perlenkette,
Wie von Tränen, an ein Nebelgrau.


Und mich schrecken deine Lebensadern,
Schreckt des Leibes tiefe Herrlichkeit ...
Nur der alten Kirchen kluge Quadern
Lasten nicht auf meiner Einsamkeit.



Narciß

Durch das Tor von Elfenbein und Golde
Trat er in die weite Münsterhalle.
Während dumpfe Wehmut um ihn grollte,
Flehte er, daß Leben Liebe lalle.


Schwer und stetig tropfte Todesgrauen;
Und die Pfeiler bogen sich, die schlanken —
Da er ihnen schenkte sein Vertrauen:
Bleiches Leid zerbrochener Gedanken.


Kraftlos schrie sein irres Herz und drohte,
Bäumte sich dem Widerhall entgegen;
Bis die Dämmerung, die abendrote,
Schluchzte über ihn den Strahlensegen.


Eingehüllt in solchen Purpurmantel,
Könnte er vor Hinz und Kunzen prangen.
Und am Blute saugte die Tarantel.
Und das Leben lächelte befangen.




Princeps puella

An kühle Sterne rührten ihre Hände.
Sie band in stillen Weiten reine Garben;
Und schürte jauchzend helle Erdenbrände;
Und trauerte, wenn Rosenbüsche starben.


Um diese Brauen wogte Dämmerweben;
Und ihre Augen waren feuchte Flammen,
Die konnten schreckergriffen widerstreben.
Und konnten hart und hohnerfüllt verdammen.


So mild war sie, gleich zarten Nenüfaren —
Und sehnte sich nach wilden Libationen;
Sie träumte von Apollos Flammenhaaren,
Wie jene Königin der Amazonen.


Sie sehnte sich nach solchen, die vernichten
Und Leben schenken, je nach Sultanslaunen, —
Sie wollte schwach sein, leer der blassen Pflichten,
Und eingewiegt; doch weise wie Alraunen.


Die roten Segel flatterten im Meere,
Die roten Rosen brannten wie Korallen;
Es ging in See auf fliegender Galeere,
Nach der Betäubten Wunsch und Wohlgefallen.


Sie lachte an der Seite ihres Königs;
Ein durstig Feuer wurden die Girlanden. —
Wird sie genesen, wie der Vogel Phönix?
Wird mir die Sehnsucht, wird das Glück mir stranden?




Totentanz

Im Grand Caveau des Innocents
Erklingt dem Herrgott Preis und Dank —
Befreit von Herzeleid und Zwang,
Ein südlicher Sirenensang.


Es dreht sich hier die ganze Welt:
Scapin, Apache, Maus und Held.
Das Leben hast du schlecht gespielt;
Was Wunder, daß es dich bestiehlt?


Man schlägt die Zimbel mit der Hand
Und wirbelt wie der Wüstensand,
Und krampfhaft mit im Karussell
Schnellt mancher komische Gesell.


Für einen lumpigen Tarif
Tanzt ohne Klage der Kalif;
Es rasen fröhlich und zerzaust
Prinz Hamlet und der Doktor Faust.


Die Danaide mit dem Faß
Ist selig vom Champagnernaß;
Es balzt und schmunzelt Kaliban
Und nimmt galante Posen an.


Benehmt euch bitte destruktiv —
Poet, Apache und Kalif!
Wie harmlos wirkt Mandragora
Auf Romeo und Julia!


Im Grand Caveau des Innocents
Erklingt dem Herrgott Preis und Dank —
Befreit von Herzeleid und Zwang,
Ein südlicher Sirenensang:
                    «Tu n’as pas de cœur, Mariette,
                    De me flanquer sur le pavé —
                    En gardant ma liquette,
                    Apres m’avoir décavé.»



Die Nixe in Hag

Soll ich dirs, Verzauberte, verkünden?
Goldner Wahnsinn träumte von der Macht,
Dir ein Licht des Lebens zu entzünden
In der schweren, dunsterfüllten Nacht.


Leise klangs, in mildem Zaubertone —
Schwoll zu einer wilden Melodie;
Und du trugst die kummervolle Krone
Nebelsilberner Melancholie.


Weiß und still verrannen jene Stunden,
Märchen duftete dein edles haar;
Und mir wars, als könntest du gesunden
Von der fahlen, grabenden Gefahr.


Kaltes Feuer glomm in deinen Brüsten,
Meine freudeleere Wasserfee, —
Und die weißen Nenüfare küßten
Und umschmiegten ungestilltes Weh.


Goldner Wahnsinn träumte, zu entzünden
Deiner Seele seltsam blauen Laut —:
Laß es dir, Verzauberte, verkünden,
Meine müde, meine tote Braut.



Vorrecht

Der Schuppenpanzer sonder Trüge
Hat mich zu guter Wehr gefeit;
Die diamantne Wahrheit siege
Über die große Zärtlichkeit!


Einst klang mir, wie mit fernen Stimmen,
Die Botschaft, welche fröhlich tönt;
Der bunten Flammen blindes Glimmen
Hat mich dem Sternentraum entwöhnt.


Ich schlürfe kühlende Sorbete,
Die man serviert an Nektars statt;
Und denke von der Stadt der Städte
Nicht anders, als von mancher Stadt.



Bei Kerzenlicht

Im weiten Zimmer brennt das Licht die ganze Nacht.
Die Ofenglut verglomm zu Aschenschichten. —
Ich weiß von einer Wunderblume Mädchenpracht,
Und weiß von schmerzlich kosendem Verzichten.


Und sehe das verzerrte Lächeln deiner Pein,
Die schweren Lider und die schwarzen Sonnen;
Und träum von deiner Tränen Edelschein,
Von allem was erloschen und zerronnen.



Und der Traum ging vorüber

Und der Traum ging vorüber, der Weg blieb verflucht —
Und die Tempel, sie logen — wo heiß wir gebebt ...
Hörst du es? — aus der weißen Zisterne erhebt
Sich die irrende Klage, die ruhelos sucht.


Meine süßeste Frau! — nach dem gütigen Jahr
Blieben Trauer und Schmerz — und kein Glück, nichts von Glück —
Nur der sehnende Sang, ohne Hoffnung, zurück;
Da die Kerze erlosch vor Ascheras Altar.



C’est la valse brune

Es liebkosen balsamische Narden
Deines Wunderleibs blendende Zier; —
Es umschleichen im Kranz Leoparden
Deine Knie mit verhaltener Gier.


Es umsingen dich magische Klänge,
Es umbrandet dich einsamer Gram;
Und mir ist, meine Freundin, als ränge
Sich dein prächtiger Wagemut lahm.


Vor des Gottes verschlossenem Garten,
Vor des Königs versiegeltem Quell,
Laß mich senken die stolzen Standarten —
Meine Königin und mein Gesell!




An die Entfernte

Es waren Worte wie Opale.
Mit feinen Fingern klopfte an
Die Klugheit, und mit einem Male
Zerstob der schmerzgefügte Bann.


Daß alles Jagen, alles Hetzen
Sich lösen würd in Harmonie —
Und, daß in neuen Lebensnetzen
Die Qualen schwänden, weiß nicht wie.


Nun ists zu Ende, nett und sauber —
Auf der Prinzessin leichten Wink.
Doch meine Sehnsucht trägt den Zauber
Und windet sich im roten Ring.


Sie schaukelt auf den Teufelswippen —
Sie weiß nicht aus, sie weiß nicht ein,
Und brennt nach deinen kühlen Lippen,
Und möchte dir Erfüllung sein.



Eine sprießende Sternentiara

Eine sprießende Sternentiara
Schmückt das Köpfchen voll bunter Gedanken
Meiner süßesten Fürstin Amara, —
Der genesenden, winterlastkranken.


Sieh: es tanzen die zornigen Monde,
Bei der wilden Erinnerung Schellen,
In des Schicksals vernichtender Fronde,
Ihre starren Berufstarantellen.


Die vergangene Folter zernage
Nicht den Frohsinn beschaulicher Rede!
Meine tastende, welkende Klage
Poche nicht an die Türe wie Fehde!


Diese Tulpen in deinem Gemüte,
Diese Schatten und schüchternen Brände,
Was der raunende Südduft versprühte,
Sei die Lust meiner wachen Gelände.




Versailles

Losgelöst von allen Mummereien,
Die den Sinn vertauscht,
Möcht ich noch einmal mit dir zu zweien
Wandeln traumberauscht.


Dort, vor jenem alten Königsschlosse,
Das mir damals schwieg, —
Da des Alltags dienende Kolosse
Uns besiegt im Krieg.


Meiner Seele rückgewandtes Sehen
Trifft ein neues Ziel:
Silberglanz der frierenden Alleen,
Wo der Traum zerfiel.


Als wir uns vom strengen Feuer kehrten,
Das in Weiten schwelt,
Sprachen nicht vom Lassen — wir Gefährten,
Von der Qual vermählt.



Es hatten die Prinzen des Lebens

Es hatten die Prinzen des Lebens
Gesungen den Siegespäan:
Sie brauchten nicht fürder vergebens
Zu suchen den Talisman.


Im Tanze der roten Zyklone
Erwachte die Schönheit der Welt:
Da lag der Entsagung zum Hohne
Ein ewiges Erntefeld.


Ich kannte die lohenden Farben
Im zierüberblühten Palast —
Und sah eine Königin darben
In Sehnsucht nach Lösung und Rast.


Und sah über Lotos dich tanzen,
Die raunende Seele entflammt;
Es war wie in alten Romanzen,
Mit Worten, wie flämischer Samt.


Ich träumte von kommenden Mythen,
In lichte Verzückung gelullt;
Und konnte das Leid nicht verhüten.
Ich trage unendliche Schuld.



Vom Glück

Ereignis, Schmerz: ’s ist eitel Tand; —
Du bist mein Wachen und mein Träumen!
Nun kann, wenn ich dich recht geahnt,
Der Frühlingsregen nicht mehr säumen.


Dein wunderbares Bild ersteht.
Ein wenig gleichst du Frau Gioconden. —
Doch dir nur gilt mein Dankgebet,
Nicht den Symbolen zage Sonden.


Du bist die Antwort, du bist mein!
Du bist die Nähe, bist die Tiefe!
Es schließt mir auf die bunten Reihn
Die brennende Hieroglyphe.



Beatrice

Beatrice, Sehnsucht der müden Gnome,
Unauslöschliches Licht der dunklen Dome —
Euer Lächeln, solls die entstellten Messen
Niemals vergessen?


Meiner Liebsten qualendurchpulste Worte
Töten traurig töneumwundne Horte,
Höhnen, wie verächtliches Spiel, Begehren
Nach Wundermären.


Unbesiegliche Höhen frohlocken.
Und man weint die Augen sich zundertrocken.
Dann vergißt man vielleicht im profanen Tale
Heilige Grale.




Das Lied der Maurenschlösser

Und manchmal wird die Hoffnung mir bewußt —
Daß ich schon Tage deines Fernseins zähle;
Dann schreitet langsam eine stille Lust
Durch die verschneiten Gärten meiner Seele.


Und plötzlich kommt es, daß mich dunkel ruft
Ein Wort, ein bebend wildes und ein weiches;
Denn manchmal überhuscht mich süßer Duft
Von den Mimosenwäldern meines Reiches.


Und niemand ist, der dich und mich verriet.
Man salbt uns mit geweihten Königsölen.
Und wundertönig klingt das hohe Lied
Der Maurenschlösser und der Märchenhöhlen.



Magnificat

Nun schließe die Augen, Madonna in Lilien!
Noch einmal entwinde sich leise
Dem Scharlachkelch meiner geliebten Vigilien
Ein Lied zu der Königin Preise.


Seit du meine Seele besuchst zarte Taube
Mit meerschaumbefeuchteten Schwingen,
Seit du meine Träume bewohnst, weißer Glaube, —
Liegt Trost über weinenden Dingen.


So wund ist die Brust von verzweifelten Flammen;
So mühsam, so wild ist die Fährte. —
So jung waren beide verstört wir beisammen;
Komm sag, wer das Glück uns verwehrte.


Nun schließe die Augen, Madonna in Lilien!
Noch einmal entwindet sich leise
Dem Scharlachkelch meiner geliebten Vigilien
Ein Lied zu der Königin Preise.