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Josef Schiller – Die Buße (1872)


Zur Beichte ging mit frommem Blick
Der junge Bauer Dominik,
Jedoch der Pater Quardian
Im Beichtstuhl war ein strenger Mann,
Und wer zu ihm zur Beichte kam,
Und wen der in's Examen nahm,
Dem stellte er gar viele Fragen.
Wollte er nicht alles sagen,
Hatte er selbst nichts verbrochen,
Er wurde nicht gleich freigesprochen.


Zu Dominik sprach er: »Mein Kind,
Ich weiß, dass alle sündhaft sind,
Doch Du, Du hast schon viel getrieben,
Weil Dich fast alle Mädchen lieben;
Drum sag' mir Deine Sünden an,
Du unglückseliger junger Mann!«


Da sprach der Bauernsohn verschämt:
»Wenn Ihr mir's nur nicht übel nehmt,
So will ich Euch ja nichts verhehlen,
Von Eurer Köchin was erzählen:
Ich ging erst abends spät zu ihr
Und klopft an ihre Küchentür.
Da kam sie freudevoll heraus;
Wir gingen in das Gartenhaus
Und saßen dort die halbe Nacht.
Auf jener Bank, die Ihr gemacht
Ihr wisst schon, - bei dem Apfelbaum,
Wir saßen dort als wie im Traum,
Doch endlich kam die Trennungsstunde
Und auch ein Kuss von ihrem Munde.


Denn, wie es ja gewöhnlich ist,
Beim Abschied wird ja stets geküsst.
Doch Eure Köchin, die war dumm,
Sie fiel beim Küssen langsam um,
Dann hielt sie mich noch so lange,
Herrgott, mir wurde schon ganz bange
Ich wusste gar nicht, was sie wollte
Und was ich mit ihr machen sollte ...«


Da schrie der Pater ganz erregt:
»Meine Köchin hat sich hingelegt
Und Du hast dort in jener Nacht
Dein Bubenstück an ihr vollbracht?
So höre nun, was ich Dir sage:
Du darfst mir jetzt durch hundert Tage
Kein Fleisch und auch kein Bier genießen
Und auch kein einzig Mädchen küssen,
Und ist vorüber diese Zeit,
Und hast Du alles tief bereut
Durch strenges Fasten und durch Beten,
Dann kannst Du wieder vor mich treten.«


Der Bauernsohn ging traurig fort
Und dachte oft an dieses Wort:
»Ich darf kein Fleisch, kein Bier genießen
Und auch kein einzig Mädchen küssen.«
Und qualvoll schlich die Zeit dahin.
Da stand er einst mit trübem Sinn,
Ganz einsam in dem Klostergarten
Und wollt' auf einen Nachbarn warten.
Da kam zu ihm die Priorin
Und sprach mit liebevollem Sinn:
»Ihr seid ein lustiger Geselle,
Kommt, geht mit mir in meine Zelle,
Dort ist es sauber, fein und nett,
Ich hab' ein allerliebstes Bett,
Kommt, ich verriegele die Tür
Und Ihr bleibt diese Nacht bei mir.«
»Ich darf kein Fleisch, kein Bier genießen
Und auch kein einz'ges Mädchen küssen!«


Da sprach die Nonne: »Kommt nur rein,
Ich hab' kein Bier - ich geb' Euch Wein!
Und Ihr dürft keine Mädchen küssen,
Ei nun, Ihr müsst doch selber wissen,
Dass ich kein Mädchen bin, mein Bester,
Ich bin ja eine heil'ge Schwester!«


Und das begriff der Bursche schon,
Denn unser junger Bauernsohn
War auch von Fleisch und Bein.
Er dachte sich: ein Gläschen Wein
Und eine hübsche Nonne küssen,
Das könntest Du halt doch genießen.
Kurzum, er machte, was sie wollte
Und sie, sie machte, was sie sollte.


Sie schlichen sich zur Zelle beide
Und leerten dort den Kelch der Freude
Bis auf den letzten Tropfen aus.
Des morgens ließ sie ihn hinaus.
Nun dachte Dominik mit Zagen:
Was wird der gute Pater sagen?


Die hundert Tage war'n vorbei
Und Dominik ging wortgetreu
Zum zweiten Mal mit frommem Sinn
Zur Beichte zum Herrn Pater hin.
Und als der Pater ihn gefragt:
»Hast Du gelebt, wie ich gesagt?«
Sprach Dominik: »Ihr müsst verzeih'n,
Ich trank kein Bier, ich trank nur Wein
Und hab' mit wahrer Götterwonne
Bei einer feinen Klosternonne
Fast eine ganze lange Nacht
In Lust und Liebe zugebracht.«


Der Pater fiel beinah' vom Stuhl:
»Du bist verdammt zum Höllenpfuhl!
Wie kannst Du so die Kirche lästern,
Die Nonnen sind ja Christi Schwestern,
Die Nonnen sind Gottes Töchterlein,
Du müsst ein Kind des Teufels sein.«
Da rief der Bauernbursch voll Lust:
»Ach, hätt' ich das nur gleich gewusst!
Wenn Nonnen Christi Schwestern sind,
Dann bin ich ja ein frommes Kind!
Was hung're ich mich da so mager. –


zensierte Version der letzten Zeilen

Dann ist ja Christus gar mein Schwager!
Und sind sie Gottes Töchterlein,
Dann wird mir Gott schon selbst verzeih'n.
Dann brauch ich Euch nicht mehr, Herr Pater
Da ist ja Gott mein Schwiegervater!«

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