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10. November 2007

Karl Henckell – Die Dirne     Zur Biographie


Karl Henckell, Neuland, Ausgewählte Gedichte II, Verlag von K. Henckell & Co., Leipzig und Berlin, o. J. (verm. 1903), S. 35-37



Schleiche auf dunklem Flur.
Schleppe grauen Gram.
Bin ja, bin ja nur
eine alte Hur':
habt mich für Geld.
Kenne auf der Welt
keine Scham –
Ein Tier!
War doch auch ein Kind,
rein wie ihr,
las in dem Angebind,
dem Sammtbrevier:
Herr Gott, dich loben wir –
Bin wie ihr gesprungen
zu Spiel und Tanz,
habe so hell gesungen
auf sonniger Haide:
Wir winden dir den Jungfernkranz –
Jungfernkranz! –
mit veilchenblauer Seide …


Schleiche auf dunklem Flur,
hässliche, alte Hur',
gehorsamer Diener!
Gehorsamer Diener! –
Gott!! –
Mütterchen, was sagt der liebe Gott?
»Beten, beten!«


Heißa, heißa, hopsassa!
La la la …
Hopsassa!
Schöner grüner,
schöner grüner Jungfernkranz!
– – Mir wird schlecht. –
Hunger – Brot! Brot!
Liebste für'n Lumpengeld,
ist doch 'ne elende Welt! –
O läg' ich tot …!






20071110_Die Dirne

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