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14. Oktober 2008

Wilhelm Uhlmann-Bixterheide – Dorfhexe.     Zur Biographie


aus: Neue litterarische Blätter, Zeitschrift für Freunde zeitgenössischer Litteratur, Herausgegeben von Heinrich Stümcke, 3. Jg., Nr. 1, 1. Oktober 1894, Verlag Eduard Renzel, Berlin, S. 62.


Dorfhexe.

Wirres Haar um blasse Wangen
Irrst Du hin, Du seltsam Kind,
Scheu, im ungewissen Bangen
Treibt's Dich durch den Abendwind.


Blaue Schleier um die Augen
Und zwei Lippen kirschenrot
– Die wohl nur zum Betteln taugen –
Sagen mir, was in Dir loht.


Halt Du Kleine, lass mich plaudern
Eine Weile nur mit Dir, –
Husch dahin, – sah sie im Zaudern
Einmal doch in's Auge mir.


In den Sternen sah ich träumen
Eine Welt so klar und rein,
Aus den Schleiern heisser schäumen
Jugendlust und Frühlingsschein.


Abseits musst den Pfad Du meiden
Durch die Welt, die nicht versteht
Eines grossen Herzens Leiden,
Bis es still zu Grabe geht.


Dann schleppt man vier kleine Bretter
Spät noch vor das Friedhofshaus,
Einsam ruht in Sturm und Wetter
Hier des Dorfes Hexe aus.


Wirres Haar um blasse Wangen
Irrst Du hin, Du seltsam Kind,
Scheu, im ungewissen Bangen
Treibt's Dich durch den Abendwind.





20081014_Wilhelm Uhlmann-Bixterheide - Dorfhexe.