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Frauengestalten

Johann Georg Fischer – Calpurnia.     Zur Biographie


aus: Den deutschen Frauen, Gedichte von J. G. Fischer, J. G. Cotta'sche Buchhandlung, Stuttgart, 1869, S. 59ff.


Amadeo Modigliani - Akt

Amadeo Modigliani - Akt


Dunkle Heereslager wogen
Durch der Nacht Gewitterlicht,
Neue, immer neue kommen
Und die alten weichen nicht,
Augenglühend nach dem Hause
Cäsars brechen sie die Bahn;
Soll des Römers Gattin fürchten,
Dem der Kriegsgott unterthan?


Wetterleuchtend brennt der Himmel
Und versengt der Gärten Glanz,
Sturmzerissen von der Säule
Julius Cäsars stürzt der Kranz;
Sieh in jenes Blitzes Pfeile
Zückt ein Gallieraug' auf ihn,
Ein Germanenschwert in diesem,
Und vor Feinden kein Entflieh'n.


Fliehen?! – leget euch, ihr Geister,
Wie sich ihm zu Fuß gelegt
Was auf der bezwung'nen Erde
Murrend seine Fesseln trägt.
Fort ihr Träume! – Nur noch diesen:
Wie die Welt für ihn zu klein!
Göttlich aber ist's, der Eine
Und des Einen Weib zu sein!


Großer Traum! – Doch welche Schatten,
Göttlich Bild, verdrängen dich?
Nicht der Gallier, nicht Germanen,
Deine Römer schaaren sich:
Cassius, Cassius, fliegend Feuer,
Was mit Dolchen züngelst du?
Und dein Rufen: »Brutus, Brutus,
Hast du noch die Augen zu?!


»Siehst du noch nicht, wie der Römer
Bis in's Herz mit Schmach bedeckt,
Seit die Hände der Dictator
Nach dem Diadem gestreckt?
Habt ihr Alle kein Erröthen
Für den Schimpf in's Angesicht?« –
Weh, es zuckt in tausend Augen
Schrecklich wider, was er spricht!


Und das bange Weib hat stöhnend
Aufgeschreckt der Pulse Schlag,
Purpurn schon vom Capitole
Glänzt der königliche Tag:
Auf, ihr Mägde, Spang' und Gürtel
Mir um Arm und Tunika,
Roms Gekrönten soll es retten,
Was die Nacht im Traume sah.


Aus dem Thore des Palastes,
Von Lictoren rings umstellt,
Mit dem Lorbeer um die Schläfen,
Tritt der Mächtigste der Welt;
Cäsar, Cäsar! ruft's ihm innig,
Ruft die Gattin, todesblaß,
Cäsar, fürchte deiner Feinde
Tödtlich aufgehäuften Haß!


Cassius fürchte – nächtlich schürend
Facht er der Empörung Brand!
»Cassius? – sei es! Brutus schlägt ihn,
Brutus, meine rechte Hand.«
Brutus? Wehe! – Brutus Auge
Lügt dir ein beruhigt Meer,
Nah' dich ihm und mit Verderben
Bricht es plötzlich auf dich her!


»Sei's um Brutus! über Cäsar
Hält ein ander Aug die Wacht,
Aug des ganzen Römervolkes,
Das er reich und groß gemacht. –
Doch, wie schön die Angst dich kleidet,
Süß, wie ich dich nie besaß! –
Wär's um Rom – mich schützt die Liebe,
Schützt der Geist Calpurnia's!«


Cäsar! – doch schon ferner drängt's ihn,
Cäsar, Cäsar, rette dich! –
Rollen ihm entgegenstreckend,
Naht das Volk in Haufen sich:
Bitten, spricht er, nichts als Bitten,
Bitten! ist es nicht genug,
Daß der Held von acht Triumphen
Euch die Welt in Fesseln schlug?


Daß der Spanier und Egypter
Auf den Mann des Schreckens weist,
Der an zwanzigtausend Tischen
Euch wie Fürsten hat gespeist?
Der in eures Schatzes Ebbe
Fluten Goldes hat gesandt
Und vor seinen Siegerwagen
Hundert Könige gespannt? –


Wohl, noch Einen weiß ich, welcher
Cäsars Arme nicht gespürt;
Heute Curie! morgen Aufbruch,
Der das Heer zum Siege führt!
Theilet dann die Partherbeute,
Feile Römer, euren Sold;
Ich der König: mir die Krone!
Ihr die Sclaven: euch das Gold!


Horch, wer sprach hier? – Eine Maske,
Die sich flugs davon gemacht,
Rufend: »Vor den Märzen Idus
Nimm, Gebieter, dich in acht!« –
»Deiner spott' ich, soll ein Tag mir
Widerstehn auf meinem Gang,
Der ich des verirrten Jahres
Lauf in seine Grenzen zwang?«


Und zur Curie durch die Menge
Schreitet er mit Eile fast,
Aber, voll von Schreckensbildern,
Seine Gattin zum Palast:
Bleibet, Mägde, mögt ihr's wissen,
Um den Größten, welcher lebt,
Ist's wenn ihr in dieser Stunde
Seht, wie Cäsars Gattin bebt.


Knabe, geh durch Rom – und eile
Mit des Freudenboten Schritt,
Wenn gesund aus dem Senate
Dein Gebieter wieder tritt;
Eil'! und winkst du schon von ferne
Glück mit diesem Tuche mir,
Glück für deine bange Herrin,
Eine Tonne Goldes dir! –


Doch die That ist schon geschehen! –
Und die Erde bebte nicht,
Deren Grund so oft gezittert
Von des eines Manns Gewicht?
Unbewegt stehn die Cohorten,
Die Lictoren stehen stumm;
Ist ein Lenker ihr gefallen,
Wandelt schnell die Welt sich um.


Und der Knabe eilt zur Herrin:
Schlimmster Bote, der ich bin,
Sieh die Haare mich zerraufen!
Doch es spricht die Römerin:
Thorheit, Thorheit – wer der Beste
Seines Volks zu sein begehrt,
Diese Menschheit anzublicken,
Nimmer ist's die Menschheit werth.


Hier die Schlüssel, Mägde! theilet
Meine Perlen, Spang' und Ring;
Diesen Schleier auf die Wittwe,
Der die Sonne unterging.
Treibet, Wolken, um die Erde
Als ein großer Todtenstrom.
Julius Cäsar ist gestorben
Und mit ihm das ganze Rom.




Johann Georg Fischer - Calpurnia.

Johann Georg Fischer - Calpurnia.

Johann Georg Fischer - Calpurnia.

Johann Georg Fischer - Calpurnia.

Johann Georg Fischer - Calpurnia.

Johann Georg Fischer - Calpurnia.

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