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Frauengestalten

Johann Georg Fischer – Cleopatra.     Zur Biographie


aus: Den deutschen Frauen, Gedichte von J. G. Fischer, J. G. Cotta'sche Buchhandlung, Stuttgart, 1869, S. 66ff.


Jean-Leon-Gerome - Cleopatra and Caesar

Jean-Leon Gerome – Cleopatra and Caesar


Daß ich dir zu spät geboren,
Nicht in deiner Sonne stand,
Macedonier, der wie keiner
Seelen an die Seelen band!
Grieche, der in hundert Völkern
Welterobernd untergieng,
Tausendfältig hingegeben,
Wenn er tausendfach empfieng!


Neidlos an die Baktrerfürstin,
Die der schöne Held gefreit,
An die Perserin sich hätte
Die Egypterin gereiht:
Lust am Manne, Lust am Weibe
Heißt der Wünsche großes Reich
Und besiegend sich ergeben,
Macht den Ost und Westen gleich.


Männerkraft, die in den Armen
Eines Weibes untergeht,
Die zum Helden aus den Armen
Eines Weibes aufersteht,
Starke, die Nichts vorenthalten,
Der Nichts vorenthalten blieb,
Du bist's, die die Welt erlöste,
Die der Welt Gesetze schrieb!


Du bist's, innerstes Erkennen,
Welches frei die Seelen macht,
Und das Haus der Ptolemäer
Ist in deinem Licht erwacht,
Du bist's, welches zarter Sitten
Künste schön um uns ergießt,
Und ich bin's, die, Ost und Westen
Einend, dieses Haus beschließt.


Wo Egypten zweier Welten
Sonnenstrahl zusammenhält,
Hat die Letzte ihres Stammes
Auferbaut ein Reich der Welt,
Reich des Geistes, das zum Tiber
Lebenspulse schlang vom Nil,
Als mit diesem Blut in Eines
Das des größten Römers fiel.


Rauhes Dasein, das den Cäsar
An die Legionen schloß,
Bis ein süßrer Thau dem Starken
Jetzt von dieser Lippe floß!
Schönster Kranz des Triumphators,
Der um seine Stirn' sich wand,
Als der Held seit jener Stunde
Ganz den Menschen erst empfand!


Erst an diesem Munde tränkte,
Dich, Antonius, der Sieg,
Als es ruhelos nach Siegen
Dich gejagt von Krieg zu Krieg;
Größern Ruhm, als dich beherrschen,
Schlürft' ich mir aus jener Lust,
Zu besänftigen den Tiger
In der wilden Männerbrust.


Und ich hab' an dir gehalten;
Dann mich erst von dir gewandt,
Als ich in dem Willenlosen
Nimmer einen Mann erkannt;
Dem hat niemals eines Weibes
Ungebroch'ne Gunst gelacht,
Den um seines Männerstolzes
Preis dieLiebe hat gebracht.


Aber keine hellern Thaten
Glänzen auf des Weibes Bahn,
Als die Lais an den Männern
Ihres Volkes hat gethan. –
Söhne gabt ihr mir, ihr Römer;
Doch die Lehre nahmet ihr,
Daß in ihre Welt sich prägte
Ewige Gestalt von mir. –


Nur ein Einz'ger ist es, welcher
Dieser Lehre widersteht,
Octavian allein, der Kluge,
Der mir kalt vorübergeht?
Thor, der du ihn Gift gescholten,
Jenen Balsam, sei gehöhnt,
Der allein zur Menschensitte
Den Barbaren hat gewöhnt!


Unverdient ist dir die Erde,
Ist das Glück dir zugerannt,
Denn als Held erobert keiner,
Der die Liebe nicht gekannt;
Oed und einsam wirst du thronen,
Wo dir Sklaven Weihrauch streu'n,
Weiber werden um dich lügen,
Doch kein Weib wird dich erfreu'n!


Kommt, ihr Schlangen! an den heißen
Busen fallet scharf und kalt,
Sterbt, ihr Gluten in den Herzen,
Stirb du Sonne, welk und alt,
Völker, schickt euch an zu Heerden,
Nur erdrücken kann der Mann,
Kalt verachten und erwürgen,
Dem ein Weib Nichts geben kann!




Johann Georg Fischer - Cleopatra.

Johann Georg Fischer - Cleopatra.

Johann Georg Fischer - Cleopatra.

Johann Georg Fischer - Cleopatra.

Johann Georg Fischer - Cleopatra.