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1. November 2009

Karoline von Brandenstein – An meine Freundin1C. v. S.     Zur Biographie


aus: Der teutsche Merkur aus dem Jahr 1774, Achter Band, Carl Ludolf Hoffmnns Verlag, Weimar, S. 212ff.


20091101_Caspar David Friedrich - Friedhof im Schnee

Caspar David Friedrich – Friedhof im Schnee


Laß Eroberer stolz um Ehrfurcht streiten,
Und gefürchtet prächtig elend seyn;
Laß den Ehrgeitz durch die Ewigkeiten
Ihrer Grausamkeit ein Denkmal weyh'n.


Wenn Monarchen voll von wilder Frreude
Lebend dich in Erz verehren sehn –
Sanfte Freundin, o dann laß uns beyde
Treu vereint die Bahn der Tugend gehn.


Dir nur wallt mein Herz entzückt entgegen,
Dich, die zärtlich oft mein Arm umschließt.
Und für die mein treuster bester Segen
In geheimen Thränen niederfließt.


Ja in jenen großen Augenblicken,
Wenn mein froher, fesselloser Geist
Sich mit triumphirendem Entzücken
Seiner Hütte und der Welt entreißt;


Soll mein Herz, das zärtlichste der Herzen,
Sterbend noch für dich zum Himmel flehn;
Und nach unsrer kurzen Trennung Schmerzen
Seegnend oft auf dich hernieder sehn.


Wenn mein Geist dort unter Himmelschören
Seinen guten Schöpfer würd'ger preist
Dann gönne meiner Asche Zähren,
Die dich treue Freundschaft weinen heißt.


Dort, wo Gott die fromme Tugend krönet,
Und der Redlichkeit ein Engel Kränze flicht,
Finden wir uns wieder, und dann trennet
Ewig und kein schwarzes Schicksal nicht.

C. v. B.


1 Dieß und das folgende Gedicht ist mir ein angenehmer Beytrag von einer jungen Dame aus Franken, der ich hiermit öffentlich lebhaftesten Dank bezeige.




20091101_Karoline von Brandenstein  - An meine Freundin

20091101_Karoline von Brandenstein  - An meine Freundin

20091101_Karoline von Brandenstein  - An meine Freundin