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Margaretha Adelmann – Anno 48     Zur Biographie


aus: Unsere Frauen in einer Auswahl aus ihren Dichtungen, Herausgegeben von Karl Schrattenthal, Verlag Greiner & Pfeiffer, Stuttgart, 1888, S. 3.


20100912_Carl Constantin Heinrich Steffeck - Death of Robert Blum

Carl Constantin Heinrich Steffeck – Death of Robert Blum


Anno 48.

Der Ernst der Zeit, wohl mahnet er zur Trauer,
Wohl zittert durch die Brust manch tiefer Schauer,
Von nah und fern seh' ich die Wetterzeichen,
Und nah und fern von Sturm geknickte Eichen;
Ein Geist des Ringens, Schaffens und Gebärens
Geht fieberschüttelnd, zuckend durch die Welt,
Und ungeschickte, schwache Hände nähren's
Das wilde Feuer, das die Pulse schwellt.
In Flammenglut wird ringsum alles lodern,
Wenn noch entfacht durch eitlen Widerstand
Die Elemente ihre Rechte fodern –
Und weichen das Gebild von Menschenhand.
Ja, aus den alten Fugen muß es rücken
Und einen Durchgang lassen, wie die Brücken
Dem Strom der Zeit, dem mächt'gen, fessellosen,
Was nicht versinken will in Sturmestosen.
Wenn er daher in seiner Allmacht flutet,
Und so geschwellt das Zeitbett übersteigt,
Da sei es nicht dem Menschen zugemutet,
Daß er mit schwacher Hand die Bahn ihm zeigt.
Da ist's ein and'rer, der die Strömung leitet,
Der große Weltgeist ist's, nur der allein,
Der herrschend duch die Wasserwirbel schreitet
Und lenkt in's rechte Bette sie hinein.
Da hilft es nichts mit kleinlichem Bestreben
Wie ein Insekt die Brandung zu umschweben,
Da hilft es nichts zu zögern und zu klagen –
Doch ist's nicht nötig ängstlich zu verzagen.
Da lassen wir der Stunde ihre Rechte,
Und stehen schauernd vor der Riesenkraft,
Die jedem Alter, jeglichem Geschlechte
Die eigne Stufe des Erringens schafft,
Und in der Gärung stürmisch wildem Drängen
Den Lenz der Schönheit und des Glück's erneut,
Und aus den Wettern, die am Himmel hängen,
Des Segens Keime auf die Erde streut.





20100912_Margaretha Adelmann - Anno 48.