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Jeanne Marie von Gayette-Georgens – Zugvögel.     Zur Biographie


aus: H. Kletke, Deutschlands Dichterinnen, Hermann Holstein, Berlin, Dritte vermehrte Auflage, o. J., S. 331 f.


20100930_Schwarzschnabelstorch

Schwarzschnabelstorch (Quelle: wikimedia Commons Cory)


Zugvögel.

Zieht hin, ihr lieben Vögelein,
Die Flügel ausgespannt,
Ihr muntern Segler, groß und klein,
Fliegt über Meer und Land.


Du kleine Lerche, singe hell
Dem neuen Morgenroth,
Der Freiheit goldnem Lichtesquell,
Der dunkeln Nächte Tod


Du Schwalbe, baue frisch dein Nest
Da, wo der Frieden thront,
Und halte an der Stelle fest,
Wo Menschenliebe wohnt.


Du mit den langen Beinen, Storch,
Du suche dir dein Dach,
Das Freude deckt, am Fenster horch',
Ob drinn auch tönt kein Ach.


Du Kranich, stehe treulich Wacht,
Wo man der Ordnung droht,
Und habe auf die Hütte Acht,
Daß ihr nicht nahe Noth.


Du lust'ger Finke, schlage an,
Wo sich ein Räuber naht,
Und warne du den schlechten Mann
Vor frecher, böser That.


Du Nachtigall, du schmettre laut
In's schwarze Nachtgebiet,
Daß Jedem vor der Sünde graut,
Dein süßes Schmerzenslied.


So zieht denn, liebe Vögelein,
Die Flügel ausgespannt,
Hin über's weite Meer, hinein
In's schöne Freiheitsland.


Und singet frisch und kündet laut
Das Auferstehungsfest,
Und lehrt die Menschen, wie man baut
Ein festes, warmes Nest.





20100928_Jeanne Marie von Gayette-Georgens - Zugvögel.

20100928_Jeanne Marie von Gayette-Georgens - Zugvögel.