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Oskar Berkamp (Olga von Oberkamp) – Auf Tod und Leben     Zur Biographie


aus: Unsere Frauen in einer Auswahl aus ihren Dichtungen, Herausgegeben von Karl Schrattenthal, Verlag Greiner & Pfeiffer, Stuttgart, 1888, S. 24.


20101206_Johann Heinrich Füssli - Der gefesselte Gunther

Johann Heinrich Füssli – Der gefesselte Gunther


Auf Tod und Leben

Brunhild und Gunther – beide kampfbereit!
Ein Kampf auf Tod und Leben heiß erbittert –
Es wird ein Weib nur mit dem Schwert gefreit ...
Der ists nicht wert, der vor dem Tode zittert.


Ja Zoll um Zoll – so gilt’s – und Schritt um Schritt
Du willst den Kampf – wohlan, du sollst ihn haben!
Nur das, um was ich rang, um was ich litt –
Nur das ist mein, nur das kann mich erlaben.


Und Kampf soll dieses Herzens Pochen sein –
Das ist nur wert, wofür ich heiß geblutet.
Erst muß in Qual mein Herz gebrochen sein,
In Todesqual – eh’s jubelnd überflutet.


Das Glück – mit Schmerzen wills erworben sein,
Drum auf zum Kampf – du Gunther – ich Brunhilde!
Wer leben will, muß halb gestorben sein –
So wills die Leidenschaft, die kampfeswilde!


Zum Kampf, bis in der Brust die Wunde klafft ..
Ein Weib – es kann nur lieben da und beten,
Wo seine eig’ne – trotzig starre Kraft
Von einem Stärkern in den Staub getreten.


D’rum gebs ein Gott, daß einst in Demut ich
Im Staub, ein Weib zu deinen Füßen liege,
Und daß besingt, in sel’ger Wehmut sich
Dies Haupt an eines Siegers Busen schmiege!





20101206_Oskar Berkamp (Olga von Oberkamp) - Auf Tod und Leben