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Luise Deusch – Mondnacht.     Zur Biographie


Aus: Luise Deusch, Gedichte, Verlag von J. F. Steinkopf, Stuttgart, 1909


20110707_ Iwan Konstantinowitsch Aiwasowski - Seelandschaft mit Mond und Schiffswrack

Iwan Konstantinowitsch Aiwasowski – Seelandschaft mit Mond und Schiffswrack


Mondnacht.

Kennst du die silberne Blume,
Die leise duftend hängt
Still an des Himmels Busen,
Wenn ihn die Nacht umfängt?


Die Erde sah entschlummernd
Den klaren Blätterkranz,
Davon auf ihren Wangen
Liegt weicher Widerglanz.


Siehst du der Knospe Dehnen
Und voll den Kelch enthüllt,
Ihr träumerisches Schließen,
Bis wiederum sie schwillt?


In ihrem Dufte schwärmen,
Das darf nicht jedermann,
Sie haucht mit Zauberkräften
Geheimnisvoll uns an.


Dann schießt es durch die Adern
Bald feurig, bald eisig kalt,
Und schickt an unsre Lager
Bezwingende Traumgewalt.


Und wenn du wolltest brechen
Die Blume, o Menschenhand,
So müßtest du entsagen
Jedwedem Erdenband.


Sie bleibt die silberne Blume
Und glüht in fremder Pracht
Still an des Himmels Busen,
Wenn ihn umschlingt die Nacht.







20110707_Luise Deusch – Mondnacht.

20110707_Luise Deusch – Mondnacht.