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Gertrud Marx – Wintergrauen, Todesahnen     Zur Biographie


Aus: Gertrud Marx, Gedichte, Verlag von Carl Freund, Berlin, 1907 S. 105


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Caspar David Friedrich – Eismeer (bearbeitet)


Wintersgrauen, Todesahnen

Wintersgrauen, Todesahnen,
Niedergehn zur Grabesruh',
Durch die Seele zieht ein Mahnen,
Alles geht dem Ende zu.

In der Jugend muntern Reigen
Greift des Todes kalte Hand,
Alle schreckt das ew'ge Schweigen
Und des düstern Grabes Rand.

Lindrung finden alle Qualen,
Wunsch und hoffend Sehnen ruht,
Und der Mutter Erde zahlen
Alle schließlich den Tribut.

Aber ob durch lange Jahre
Schmerz und Gram der Mensch erlitt,
Vor der offnen Totenbahre
Zitternd hemmt er seinen Schritt.

An das arme Dasein klammert
Sich der Wille unbewußt,
Und im Schmerz, den er bejammert,
Regt sich noch die Lebenslust.








20140119_Gertrud Marx – Wintergrauen, Todesahnen