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Dmitri Mereschkowski – Einsamkeit.     Zur Biographie


Aus: Weltlyrik, Ein Lebenskreis in Nachdichtungen von Karl Henckell, Die-Lese Verlag, München, 1910


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Jakub Schikaneder – In der Einsamkeit


Einsamkeit.

Glaub mir – verstanden wirst du nie
Bis auf der Seele Grund! . . .
Ein angefüllt Gefäß ist sie
Voll Sehnsucht bis zum Grund.

Stehst weinend du dem Freunde bei,
Verschütten wirst du kaum
Aus dem Gefäß der Tropfen zwei
Über des Randes Saum.

Doch ewig schließt den stillen Mund,
Von allen Freunden fern,
Was auf dem Grund, dem tiefsten Grund
Der kranken Seele Kern.

Ein fremdes Herz – ein' fremde Welt,
Es führt kein Weg und Bahn.
Wie liebend sich ein Herz gesellt,
– Der Zutritt ist ein Wahn.

Und Etwas ist, das brennt bei dir
Im Auge – tief und fern –
So tief und ewig fern von mir
Wie droben jener Stern . . .

In deinem Kerker ohne Ruh
Mußt, armer Mensch, du sein –
In Lieb' und Freundschaft wanderst du
Ewig allein – allein.








20140424_Dmitri Mereschkowski – Einsamkeit

20140424_Dmitri Mereschkowski – Einsamkeit