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Gertrudis de Avellaneda – An die Hoffnung.     Zur Biographie


Aus: Kavyasamgraha, Erotische und esoterische Lieder, Metrische Übersetzungen aus dem indischenund anderen Sprachen von Johann Jakob Meyer, Lotus Verlag, Leipzig, [1903]


Gebet

Gustav Klimt - Goldfische

An die Hoffnung.

Du Wundername, den die Welt verehret,
Du Zaubertraum und süße Illusion,
Du, deren Licht die Zukunft hold verkläret.
Und deren Duft berauscht die Herzen schon!

Du höchstes Gut, das gnädig wollt’ verleihen
Der armen Menschenwelt des Höchsten Hand,
Wie er in unfruchtbaren Wüsteneien
Die Quelle sprudeln lasset aus dem Sand!

Du bist des guten Gottes Vaterlächeln,
Bist seiner Liebe Angebinde nur,
Viel linder als des Zephyrs sanftes Fächeln,
Viel süßer als der Blumenduft der Flur.

Du gehst als guter Engel an der Seite
Uns von der Wiege bis zur Grabesruh,
Die Tugend stärkt Dein Wort im heißen Streite,
Des Kindes Unschuld schon bezauberst Du.

Du bist allein der Balsam aus dem Himmel,
Der auf das wunde Herz uns niedertaut,
Und in des Lebens Wüstensandgewimmel
Sinds Deine Blumen nur, die man erschaut.

Selbst in des Grabes finstre, kalte Höhle
Ergießt Dein Licht den göttlich hellen Schein,
Und ungemessne Ewigkeit der Seele
Erhofft der Mensch, zieht in die Gruft er ein.

Für Dich entreißt dem Herd, den kleinen Söhnen
Der Krieger sich und eilt hin in den Strauß
Und hält bei der Kanonen Donnerdröhnen,
Der Furcht und Angst entledigt, tapfer aus.

Du bist es, die mit flammendem Gesichte
Ihm Ruhm verheißt für alle seine Mühn,
Du zeigst ein Blatt ihm stolz in der Geschichte
Und eine Lorbeerkrone ewig grün.

Dem Schiffer, der mit mutiger Geberde
Auf schwachem Boot durchpflügt die wilde Flut,
Versprichst Du, daß er heimwärts kehren werde,
Die Schiffe all beschwert mit reichem Gut.

Du ziehst dem armen Sänger allerwegen
Als holder Wahn durch seinen Dichtersinn
Und streust auf seines Lebens rauhen Stegen’
Ihm immer duft’ge Wunderblumen hin.

Dein ist die Stimme, der er glühend lauschet,
Die eine hohe Zukunft ihm verheißt;
Ob düster des Vergessens Strom auch rauschet,
Er strebt, daß sich sein Name dem entreißt.

Umsonst erregt, von dunkelm Schlamm umschlungen.
Der Neid den bösen, höllisch schwarzen Hauch,
Umsonst das Gift der tollen Lästerzungen,
Umsonst das tückische Verkleinern auch.

Denn wenn zur Sonne hin, der glanzumlohten
Der edle Aar mit festem Blicke schwebt.
Sieht er die Schlange nicht am dunkeln Boden,
Die drohend gegen ihn den Stachel hebt.

          *

Und Du, o Verliebter,
Zu Klagen und großen
Schmerzen verstoßen,
Verlassen, verhöhnt,

Wo ist denn der Balsam,
Der stillt Deine Schmerzen,
Im blutenden Herzen
Die Qualen versöhnt?

Du, Hoffnung, nur bist es;
Du wirst ihm entfachen
Den Mut, zu verlachen
Sein bitteres Loos.

Nicht scheu’n Deine Blumen
Die Kälte, den Winter;
In Wüsten nicht minder
Auch wachsen sie groß.

          *

Zu Dir, o Göttin, meine Bitten dringen.
Komm, zeig mir Dein verführerisch Gesicht!
Nur um den stillen Frieden will ich ringen.
Den Lorbeer und das Gold begehr ich nicht.

O laß mich schauen in der Zukunft Tagen
Ein Hüttchen grünumlaubt und strohbedacht,
Wo im Gezweigs süß die Vögel schlagen.
Von Liebe schuldlos träumen Tag und Nacht.

Dort wird mir jener angenehme Frieden,
Wo keine Unruh mir das Herz durchbebt,
Die heißersehnte Ruhe mir beschicken,
Das höchste Gut, nach dem die Tugend strebt.

Und mein Asyl wird dort verpesten nimmer
Der Städte dumpfe Luft, die mir verhaßt,
Und rauben nie der Sonne goldnen Schimmer
Das Mauerwerk an prunkendem Palast.

Dort seh ich Erz nicht, dort nicht Marmorsteine,
Hart wie die Herzen, die sie hingestellt.
Ich lebe frei und froh dann mir alleine,
Bedaure tief die stolzen Herrn der Welt.

Nicht zischt dort die Verläumdung blutgerötet,
Der Neid wird dort erheben nicht sein Haupt,
Nicht der Verrat, der süß bezaubernd tötet.
Und nicht die Gier, die frech das Fremde raubt.

Dort trinkt vom Pfuhl die Seele nicht, gestoßen
Hinein in freveln Fiebers Flammenqual,
Nicht hört die stillen Nächte man durchtosen
Den wilden Lärm vom wüsten Bacchanal.

Dort seh ich Stirnen nicht, in Jugendtagen
Durchfurcht bereits, verblüht, verwelkt, gebleicht
Wie Seelen, die vom Grimm des Herrn geschlagen,
Von denen selbst im Grab die Qual nicht weicht.

Ich sehe, wenn am Bach ich abends sitze,
Wie heim zum lieben Herd der Landmann wallt;
Dort ruht er fröhlich nach des Tages Hitze,
Des Dorfes Ehre, seines Hauses Halt.

Das Blöken höre ich der muntern Herden,
Ein sanfter Glockenton herüberweht;
Er kündet allen Schmerz- und Leidbeschwerten
Die Stunde, die geheiligt dem Gebet.

Die Trauerweiden und einsamen Palmen
Sind meine Tempel, wo ich bringe dar
Dem Himmel meine Bitten, meine Psalmen
Wie reinen Duft vom Blumen-Rauchaltar.

Das Gras ist Teppich mir, und mir zur Feier
Wölbt überall sich stolz ein Baldachin;
Die Blätter weben mir die grünen Schleier,
Und tausend Blumen schmücken herrlich ihn.

Auf niederm Lager schlaf ich ohne Schmerzen,
Die Seele still als wie ein Heiligtum,
Und nimmer regen sich in meinem Herzen
Die Träume, ach! von Ehre und von Ruhm.

Ich geh’, erwacht der Vogel in den Lüften,
Hinaus aufs Feld, von Morgenglanz umloht.
Berausche mich an frommen, süßen Düften,
Am Lichte mich und an dem Morgenrot.

Das Schäflein liefert weiße Milch dem Tische,
Das Obst der Garten, Wasser mir der Quell,
Und aus der Biene Wabe quillt der frische,
Der süße Honig für mich goldig hell.

Dies Bild, o Hoffnung, das vom Schmerz gemieden,
Laß schauen mich in magischem Kristall,
Und laß im Traum von Unschuld und von Frieden
Vergessen mich das Erdenlärmen all.

Gib, daß ich glaube dir und dir mich weihe
Und überwinde meinen zagen Mut,
Ob auch die Zeit dein Wort der Lüge zeihe
Und nur erlogen solchen Glückes Gut.

          *

Es schwinden, vergehen
Der Lust schöne Blume,
Die Träume vom Ruhme,
Der Liebe Gewalt.

Vernunftatheismus,
Der laute, muß schwinden
Samt all seinen Gründen
So trocken und kalt.

Die Völker vergehen,
Sie sind nicht zu retten,
Die ewige Ketten
Zu brechen gestrebt.

Den Herrscher des Landes
Vertreibt die Empörung,
Vor frecher Zerstörung
Er schaudernd erbebt.

Es schwinden der Menschen
Betörungen, Schmerzen,
Blasphemisches Scherzen
Und Pläne zumal.

Ich möge nur sehen,
Vom Hüttchen umfangen,
Dein herrliches Prangen,
Mein Gärtchen im Tal.

Die Welt wird mir nimmer
Mit Prunken und Gleißen
Den Frieden entreißen.
Mein seliges Gut.

Sie reize und locke.
Verblende die Toren;
An mir ist’s verloren,
Dem Fels in der Flut.







Gertrudis de Avellaneda – An die Hoffnung

Gertrudis de Avellaneda – An die Hoffnung

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