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Thekla Skorra – Juda.     Zur Biographie


Aus: Thekla Skorra, Wovon mein Herz sich freigesungen, Verlag M. Lilienthal, Berlin, 1905


Gebet

Rembrandt – Bildnisstudie eines jungen Juden

Juda.

Gezwängt in Ghettowände,
Geknebelt in das Joch,
Gebunden deine Hände:
Blieb frei der Geist dir doch.

Den konnten sie nicht zwingen,
Der schwang sich dennoch auf;
Und nie auch wird's gelingen,
Zu hemmen seinen Lauf.

Sie konnten viel uns nehmen
Gen Völkerpflicht und Recht,
Verachten uns, vervehmen:
Wir wurden doch nicht schlecht.

Und hat man stets auf's Neue
Den Fuss auf uns gesetzt,
Arglistig, sonder Treue
Verbrieftes Recht verletzt:

Was hat dich aufgerichtet,
Mein Volk, im Leid verhöhnt,
Des Elends Nacht gelichtet,
Dich deinem Gott versöhnt?

Es war in enger Klause
Dein friedevolles Heim.
Da, wo du warst zu Hause,
Warst König du allein.

Ob draussen jeder Bube
Zum Gassenspott dich macht;
Wurd' doch in nied'rer Stube
Dir Ehrfurcht dargebracht.

Die Reine deiner Frauen,
Des Kindes treu Gemüt,
Vergang'ner Grösse Schauen,
Ein helles Sabbathlied:

Das war'n die Zaubermächte,
Die dich gestärkt, mein Stamm,
Dass freiheitlos, ohn’ Rechte,
Dich doch bewahrtest wundersam.

Drum lasst nur Neid und Aerger
Uns schmäh'n ohn' Unterlass!
Des Juden Herz ist stärker
Als seiner Feinde Hass!







Thekla Skorra – Juda.

Thekla Skorra – Juda.

Thekla Skorra – Juda.