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Juliane Déry – Kosmische Liebe.     Zur Biographie


Aus: Die Gesellschaft, Münchener Halbmonatschrift für Kunst und Kultur, Band 13, II, 1897, S. 188f.


Kosmische

Etching by Valère Bernard (without the words)

Kosmische Liebe.

Tausend Welten
ewiglich
spannen Zelten
über dich.
Es reift
ohn' Rast und Ruh
dein Geist
von All zu All.
O hörest du
den Widerhall
der Schöpfungsmassen
in deinem Hirne?
Und kannst du's fassen,
daß die Gestirne
dir einst sein werden
ein Heim
gleich dieser Erden?
O Keim
du alles Seins.
Das Leben! Ein Brennen aus seinem
Entbrennen, eins
mit allem und alles in einem,
o ewige Flamme,
die zeugungsmächtig, unverloren
ringt
und ringt, dein Name
klingt
nur anders, wenn du neugeboren
so freiheitsfroh
auferstehst
und anderswo
fortbestehst,
ein scheinbar anderer
an Herz und Gestalt,
du großer Wanderer
durch einem Wald
von blühenden Sphären!
Umranken
sollst du mit hehren
Gedanken
die Himmelsreiter
deiner Flucht,
wenn immer weiter
sucht und sucht
die Seel' ihr Heil
im Lebensglanze.
Du bist ein Teil,
dein ist das Ganze!
Nur zu, nur zu!
Die Bahn ist weit,
o Ursprung du
der Ewigkeit,
o Kraft!
Die Welt wird reifer!
Es schafft
und schafft dein Eifer.
Auf allen Wegen,
welch ein Verzehren,
ein Strom von Segen
ein Sichvermehren!
Wildheißes Streben
ist dein Gebot,
Gott ist das Leben,
so bist du Gott,
ein Gott für mich,
ein Gottesgott,
wie ich für dich.
O seligste Not!
Ich bete dich an!
Dein Gott ist fromm –
hinan! hinan!
Komm, liebster, komm!
In schwindelnde Fernen
zu rauschen,
Auf lichteren Sternen
zu lauschen,
von Ort zu Ort
zu fliehn,
bald da, bald dort
zu glühn.
O Heeresschar
der Weltallsmächte!
Ein Menschenpaar
will seine Rechte
und heischt von euch
verwegen
sein Königreich.
Zum Segen
erhebt eure Hände:
her
mit Raum und Zeit!
Wir sind das Ende
der
Unendlichkeit!







Juliane Déry – Kosmische Liebe.

Juliane Déry – Kosmische Liebe.