ngiyaw-eBooks Home

Thekla Skorra – Sabbathdämmerung.     Zur Biographie


Aus: Hebräische Melodien, Ein Anthologie, Herausgegeben von Dr. Julius Moses, Modernes Verlagsbureau, Curt Wigand, Berlin und Leipzig, 1907


Gebet

Haggadah

Sabbathdämmerung.

Nicht die Kerze, nicht die Lampe,
Lass uns ruhn im Zwielichtschein,
Lass an deiner Brust gebettet
Meines Hauptes Unrast sein.

Sieh, in Sagen meiner Väter,
Der Hagada blüh’ndem Strauch,
Geht aus Zeiten gläub’ger Kindheit
Ein verschollener Märchenbrauch.

Geht ein Sang vom Geist des Friedens.
Der des Satans Macht zerbricht:
Einmal in der Sabbathdämmrung
Taucht die Hölle selbst zum Licht. —

— Darum zagend stets mein Vater
Schob hinaus den Sabbathschluss,
Dass der Himmelstraum noch weile,
Den das Licht zerstören muss.

Taucht empor zum Glanz des Himmels,
Alle Seelen werden still
Der Verworfnen, der Verdammten,
Die der Herr nicht kennen will.

Denen Jahves Grimm entzündet
Der Begierden fiebernd Blut;
Höllenfeuer, das nicht leuchtet,
Das nur brennt in ew’ger Glut.

Die in Missgestalt gewandelt,
Liebe nie von Lieb erhört,
Einmal zwischen Tag und Abend,
Wird umfangen traumbetört.

In den Qualm der ew’gen Nächte
Bricht ein Duften himmelher:
Wenn am Sabbath sinkt die Sonne,
Brennt der Sehnsucht Qual nicht mehr.

Nicht die Kerze, nicht die Lampe,
Lass uns ruh’n im Zwielichtschein.
Lass an deiner Brust gebettet
Meines Hauptes Unrast sein.







Thekla Skorra – Sabbathdämmerung.