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Ellen Andresen – Schlaflied.     Zur Biographie


Aus: Gedichte von Ellen Andresen, Alwin Huhle Verlagsbuchhandlung m. b. H., Dresden, 1920


Schalflied

Edward Burne-Jones – Luna


Schlaflied.

Glocke läutet
Bim – bam
Schwebt über Berg und Tale,
Schlafe Kindlein, schlaf.
Es war einmal
Ein junger Königssohn,
Trug eine lichtgold'ne Königskron',
Hatte Augen so blau wie das Meer,
Tausende Diener um sich her –
Doch sein Herz war vor Sehnen schwer.

Glocke läutet
Bim – bam
Schwebt über Berg und Tale,
Schlafe Kindlein, schlaf.
Es war einmal
Ein Mägdlein fein.
Wollte des Königs liebste sein,
Hatte Augen so blau wie das Meer,
Zog sein sehnsüchtig Herz zu sich her –
Wollte nur ihn – und – sonst nichts mehr.

Glocke läutet
Bim – bam
Schwebt über Berg und Tale,
Schlafe Kindlein, schlafe –
Deine Sehnsucht kommt auch – einmal.

          *

Nur eine Stimmung
Die so schnell vergeht,
Ein einzig Wort, wie Duft hinweggeweht,
Ein ferner Klang
Erinnern an die schönste Stunde,
Das letzte Lied
Wie schmerzt die alte Wunde.

          *

Ein leiser Schritt noch über müde Rosenblätter,
Zwei dunkle Augen, die
Noch einmal alles, alles geben
Und dann vorbei –
Wie flüchtiger Traum
Zerrinnt in meiner Hand das Leben.

          *

Und auf eine Wiese trag' ich dich
Voll von fremden Blumen
Die du noch nie geseh'n –
Weiße und blaue,
Große und kleine
Voll Duft und voll Schönheit –
Und da – leg' ich dich mitten hinein
Und über dir, leise und lind
Spielt mit zartem Birkengefieder der Wind
Und summt und singt dir Märchen in's Ohr,
Daß du weißt, du bist endlich daheim
Und mit einem Kindertraum auf den Lippen
Schläfst Du ein.

          *









Ellen Andresen – Schlaflied

Ellen Andresen – Schlaflied

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