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Sophie Schwarz – Als in Elisens Lieblings Wäldchen der Sturm einige der schönsten Baume umgestürzt hatte. 1782     Zur Biographie


Aus: Elisa von der Recke und Sophie Schwarz, Elisens und Sophiens Gedichte, Verlag Friedrich Vieweg, Berlin, 1790


Wunsnch

Honore Daumier – The Uprising

Als in Elisens Lieblings Wäldchen der Sturm einige der schönsten Baume umgestürzt hatte. 1782

Die Vorsicht gab uns Herrscher,
Damit sie Land und Völker
Beglücken und regieren.
Doch wenige nur leben –
Zur Wohlfahrt ihrer Länder! –
Die Kunst, den Schatz zu füllen,
Zu kriegen, zu verheeren
Und Länder zu erobern,
Hat längst die Pflicht verdrungen,
Für Menschenwohl zu sorgen.
So gab aus weiser Absicht,
Zum Besten unsrer Erde,
Die Vorsicht uns auch Stürme;
Die sollten böse Dünste
Für uns unschädlich machen
Und manches Gute wirken.
Doch seht! – auch sie verwüsten,
Gleich räuberischen Fürsten;
Da wird ein Schiff zerschmettert,
Dort reißt des Landmanns Hütte
Der wilde Sturmwind nieder,
Und ach! – in meinem Wäldchen,
In dem die Nachtigallen
So liebetönend flöten,
Wo blaue Veilchen duften,
Wo Birk und Espe säuseln,
Und wo mit theuren Freunden
Ich oft so froh gewesen,
In diesem schönen Wäldchen,
Hat auch der Sturm gewüthet,
Gestürzt die hohen Stämme,
Die meinen Kinderjahren
So milden Schatten liehen.
Schönt doch! o schont! ihr Stürme,
Den kleinen Rest der Bäume,
Die schon als Kind ich liebte
Und deren sanftes Rauschen
Mir manchen Gram verscheuchte.
Macht euch an große Wälder,
Dort wüthet nach Gefallen !
Dann ist das Bild der Fürsten,
Die Pflichten frech verletzen
Und gern im Großen rauben,
Durch euch, ihr wilden Stürme!
Gar schön getroffen worden.







Sophie Schwarz – Waeldchen

Sophie Schwarz – Waeldchen