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Ellen Andresen – Ach, dieser einz'ge, flücht'ge Sonnentraum.     Zur Biographie


Aus: Gedichte von Ellen Andresen, Alwin Huhle Verlagsbuchhandlung m. b. H., Dresden, 1920


Sonnentraum

Johann Heinrich Füssli – Nachtmahr


Ach, dieser einz'ge, flücht'ge Sonnentraum.

     Verweht, vorbei!
Und mir wie früher vergleitet grau der Tage Schritt!
Einst war er Melodie und meine Seele
Erbebte scheu im Takte mit!
Jetzt hält das Leid mein Herz umfangen
Und ich erkenne:
Träume sind nur Träume –
Ein jeder Tag nimmt ihrem Schmelze mehr,
Es werden Schatten die einst golden waren,
Nur wehe Töne noch, das Lied hab’ ich vergessen,
Dem letzten Dufte irr’ ich taumelnd nach
Und was ich sicher wähnte,
Hab’ ich nie besessen.

               *

Madonna, meine Hände, meine müden, suchen dich
Dein liebes Angesicht und deine milden Augen.
Wenn Sehnsucht je ihr Haupt geneigt
Nimm du mich einmal in die Arme –
Mein Herz ist leer –
Sieh, wartend kniee ich vor dir,
Mutter, Allgütige, schenk
      Frieden mir!







Ellen Andresen – Ach, dieser einz'ge, flücht'ge Sonnentraum.

Ellen Andresen – Ach, dieser einz'ge, flücht'ge Sonnentraum.