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Ellen Andresen – Traum.     Zur Biographie


Aus: Gedichte von Ellen Andresen, Alwin Huhle Verlagsbuchhandlung m. b. H., Dresden, 1920


Traum

Arnold Böcklin – Medusa


Traum.

Und Christ stand vor mir –
Mit erhob'nen blutigen Händen
– Seltsamer Traum –
Mit blutigen Händen –
Unsichtbar seine Züge,
Nein, wie ein dünner Schleier
Lag es vor seinem Angesicht
Und seine Haare waren farblos und ganz ohne Licht!
Und sein Gewand war weiß wie frischgefall'ner Schnee
Nur breite Streifen Bluts am Rockessaume.
So unberührt stand er im dunklen Raume
Fast körperlos und unbewegt
Und meine Augen sahen nur
Das Blut an seinen schmalen Händen
Nur den blutigen Kleidersaum, –
Das rann und tropfte
Floß nach unerforschten Enden
– – – – – – – –
Unheimlich banger Traum.

          *

Traum oder Wachen
Tag oder Nacht
Für mich ist keine bleibende Stunde,
Weiter muß ich ziehen,
Immer weiter,
Wie eine Flamme treibt's mich immer höher hinan,
Immer höher hinauf,
Schon fassen und rühren die Hände,
Meine Hände den blauenden Himmel an,
Und die Sterne – wie golden –
Seh't, sie blinken und leuchten der unendlichen Ruh',
Neigen und beugen sich
Meiner ewigen Sehnsucht zu.

          *







Ellen Andresen – Tarum

Ellen Andresen – Traum