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Eugenie Bolza – Wünsche.     Zur Biographie


Aus: Eugenie Bolza, Gedichte, Druck von Carl Gerold und Sohn, Wien, 1853


Wuensche

Paula Modersohn-Becker – Selbstbildnis


Wünsche.

Ich möchte Glanz und Schätze haben,
Und eine Muse möcht' ich sein,
Da könnt' ich dich mit Reichthum laben
Und mit Gesang wiegt' ich dich ein.

Die Freuden, die die Erde spendet,
Die Perlen aus des Meeres Sand,
Und was des Menschen Kunst vollendet,
Und was sein kühner Geist erfand,

Ich möcht' es Alles, Alles haben,
Und leise sprechen: es ist dein;
Und schmücken mit den Zaubergaben
Wollt' ich dein stilles Kämmerlein. –

Nicht solcher Glanz ward uns beschieden,
Doch hat der Herr uns wohl bedacht:
Er gab uns Liebe, gab uns Frieden;
Sag', hat er uns nicht reich gemacht?

Er gab uns viele theure Seelen,
Mit uns zu fühlen Weh und Lust;
Er ließ im Schmerz den Trost nicht fehlen,
Die Himmels-Ahnung in der Brust.

Er gab uns freudenvolle Lenze
Und Sternenschein und Vogelsang,
Und frische, duft'ge Blumenkränze
Und zitternd süßen Leierklang.

Er gab uns manche heil'ge Stunde,
Durch fromme Dichtung eingeweiht,
Er gab dem festen Seelenbunde
Die Dauer für die Ewigkeit.

Und nach den Schätzen wollt' ich streben
Im weiten Meer, im dunkeln Schacht?
Der Herr hat Liebe uns gegeben,
Sprich, hat er uns nicht reich gemacht?







Eugenie Bolza – Wünsche

Eugenie Bolza – Wünsche

Eugenie Bolza – Wünsche