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Erotische Gedichte

Walther von der Vogelweide – Unter der Linden.     Zur Biographie


aus: Die zehnte Muse, Dichtungen vom Brettl und fürs Brettl, Herausgegeben von Maximilan Bern, Verlag von Otto Elsner, Berlin, 1904, S. 49f.
Gedicht übertragen von Karl Simrock


erot_001_Francesco Hayez - Der Kuß

Francesco Hayez – Der letzte Kuß


Unter der Linden,
An der Heide,
Wo ich mit meinem Trauten sass,
Da mögt ihr finden,
Wie wir beide
Die Blumen brachen und das Gras.
Vor dem Wald mit süssem Schall,
Tandaradei!
Sang im Thal die Nachtigall.


Ich kam gegangen
Zu der Stelle;
Mein Liebster war schon vor mir dort
Mich hat empfangen
Mein Geselle,
Dass ich bin selig immerfort
Ob er mir auch Küsse bot?
Tandaradei!
Seht, wie ist mein Mund so rot!


Da ging er machen
Uns ein Bette
Aus süssen Blümlein mancherlei;
Des wird man lachen
Noch, ich wette,
So jemand wandelt dort vorbei;
Bei den Rosen er wohl mag,
Tandaradei!
Merken, wo das Haupt mir lag.


Wie ich da ruhte,
Wüsst es Einer,
Behüte Gott, ich schämte mich.
Wie mich der Gute
Herzte, keiner
Erfahre das als er und ich,
Und ein kleines Vögelein,
Tandaradei!
Das wird wohl verschwiegen sein!



erot_001_Walther von der Vogelweide - Unter der Linden.

erot_001_Walther von der Vogelweide - Unter der Linden.